Lade Inhalt...

Wilhelm Diltheys Interpretation der Philosophiegeschichte in seinem Werk „Über das Wesen der Philosophie“

Essay 2013 4 Seiten

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)

Leseprobe

Angesichts der Tatsache, dass in der Philosophie weder Einigkeit über deren Begriff noch über die Möglichkeit von dessen Ableitung besteht, ist es das Anliegen Diltheys, dieser Vielfalt nicht noch einen weiteren Ansatz hinzuzufügen, sondern das Ganze der Philosophie in den Blick zu bekommen. Folgerichtig führt ihn dies zur direkt zur Philosophiegeschichte, da diese ja die Gesamtheit des philosophischen Denkens in sich trägt. Dilthey stellt daher an den Anfang seiner Überlegungen zum Wesen der Philosophie eine philosophiegeschichtliche Konkretisierung (11), zunächst hinsichtlich der (insbesondere griechischen) Antike. Seine Einschätzung, dass danach die Philosophie „in der Unterordnung unter die Religion ihr wahres Wesen verloren“ (41) habe, veranlasst ihn dazu, die gesamte mittelalterliche Philosophie lediglich in einigen wenigen Zeilen abzuhandeln, um dann gleich zur Moderne, dem Gegenstand des hier untersuchten Abschnitts, überzugehen.

Die Entwicklung der Renaissance bringt nach Dilthey eine Veränderung in „Charakter und Begriff der Metaphysik“, insbesondere als Folge des Aufkommens der Naturwissenschaften und spezifischer Methodik der Erkenntnis des Universums. (42)

Metaphysik sondert sich in Gegenstand und Methodik von den Einzelwissenschaften ab. In der Frage nach dem Sein, das von keiner Einzelwissenschaft beantwortet werden kann, findet sie ihren spezifischen Gegenstand. Sie fordert strenge Allgemeingültigkeit, reflektiert dabei aber auch ständig ihr eigenes „metaphysisches Verfahren“.(ebd.)

Descartes übernimmt aus den Naturwissenschaften methodische Grundzüge zur Bestimmung des Wesens der Philosophie, insbesondere die über die Einzelwissenschaften hinaus gehenden Prinzipien der Formulierung der „allgemeinsten Fassung des Problems“ und des „Rückgangs von den ersten Annahmen“ der Einzelprobleme zu „einem obersten Prinzip“. Die Darstellung der Ergebnisse in „evidenten Begriffen und Sätzen“ und des Grundes ihrer Evidenz liefert die Grundlagen eines konstruktiven philosophischen Verfahrens.

Dieses Verfahren benutzen dann auch Hobbes und Spinoza, Leibniz entwickelt und präzisiert es weiter durch die Erarbeitung einer diesem Verfahren zu Grunde liegenden allgemeinen Logik.

Insgesamt besteht die Grundlage dieser Methodik darin, dass „aus der Evidenz der einfachen Begriffe und Sätze auf ihre objektive Geltung “ geschlossen wird.(43)

Locke, Hume und Kant zeigen dann, dass dies nicht haltbar ist. Von ihnen werden die Kategorien wie Substanz, Kausalität und Zweck „auf die Bedingungen des auffassenden Bewusstseins zurückgeführt“. Insbesondere Kant weist darauf hin, dass zwischen Evidenz und Anschauung ein fundamentaler Unterschied besteht. Die alte Methode hat sich als unfähig erwiesen, der Fülle von Denken und Handeln im geschichtlichen Prozess gerecht zu werden.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656556992
ISBN (Buch)
9783656575344
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265927
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Philosophie
Note
unbenotet
Schlagworte
Hermeneutik Lebensphilosophie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wilhelm Diltheys Interpretation der Philosophiegeschichte in seinem Werk „Über das Wesen der Philosophie“