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Nostalgie und / oder Ironie in Andrzej Stasiuks „Jak zostałem pisarzem“

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Kulturwissenschaften - Osteuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis.

1. Einleitung

2. Zusammenfassung

3. Autor

4. Geschichtlicher Hintergrund

5.1 Ironie
5.2 Nostalgie
5.3 Erinnerung/Gedächtnis

6. Jak zostałem psarzem - Ironie oder Nostalgie?

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1 Einleitung.

„Es gibt keine Literatur ohne Ironie“1

Diese Behauptung stellte Günter Grass in einem Interview mit der deutschen Ausgabe der Vogue auf. Unter diesem Aspekt untersuche ich das 14. Werk des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuk Wie$ich$Schriftsteller$wurde (Original Jak$zosta ł em$ pisarzem). In meiner Arbeit werde ich versuchen aufzuzeigen, inwiefern Stasiuks Retroperspektive ironische oder vielleicht doch nostalgische Tendenzen hat. Des Weiteren gilt es die Frage zu beachten, in wie weit eine Erinnerung, zwanzig Jahre später niedergeschrieben, zu einhundert Prozent dem wirklich Geschehenen entspricht. Beginnen werde ich mit einer Zusammenfassung des Textes, einer kurzen Biographie des Autors und einem Überblick über den geschichtlichen Hintergrund, vor dem die Handlung stattfindet. Anschließend werde ich auf die Grundlagen meiner Analysen eingehen und die Begriffe der Ironie, Nostalgie und Erinnerung genauer betrachten. Mit diesem Wissen werde ich schlussendlich die Erzählung bearbeiten.

2 Zusammenfassung.

Andrzej Stasiuk beschreibt in seinem in 14 Tagen niedergeschriebenen, autobiographischen Werk „Wie ich Schriftsteller wurde“ seinen Weg zum Erwachsenwerden in der Zeit der Volksrepublik Polen in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren. Er und seine Freunde verbringen die Zeit zunächst hauptsächlich damit, ohne Ticket kreuz und quer durch ihre Heimatstadt Warschau, später dann auch via Anhalter durch ganz Polen, zu fahren. Wichtig ist ihm vor allem das nächste günstige Bier, der nächste billige Wodka und Zigaretten. Alles wird untermalt von dem Soundtrack dieser Zeit, deren Protagonisten er fortwährend genau aufzählt. Stasiuk ist keiner der unbedingt Karriere machen will, sondern seinen eigenen Weg geht ohne großartige Gedanken an die Zukunft. Die Schule beendet er nicht, schlägt sich mit kleineren Jobs durch und wird schließlich zur Armee eingezogen. Nach neun Monaten ist ihm aber auch das zuviel und er kehrt nicht mehr aus seinem Urlaub in die Kaserne zurück. Nachdem er ausfindig gemacht und verhaftet wird, lautet sein Urteil auf anderthalb Jahre Militärarrest, den er wie sein bisheriges Leben erträgt und wieder in Freiheit dort weitermacht, wo er zuvor aufgehört hatte: Alkohol, Rastlosigkeit und ab und an zu arbeiten bestimmen die weiteren Jahre, die er ungeachtet der politischen Lage Polens vor sich hinlebt. Er konspiriert bisweilen im Untergrundk jedoch vorrangig, um etwas zu erleben als mit politischen Absichten. Das Land und seine Heimatstadt verändern sich rapide, was ihm jedoch lediglich Randnotizen wert sind. Das Buch endet damit, dass er sein ursprüngliches Ziel, Rockstar zu werden, aufgibt, aus der Stadt wegfährt, um Schriftsteller zu werden.

3..Autor.

Andrzej Stasiuk wurde am 25. September 196o in Warschau geboren und wuchs im Arbeiterviertel Praga auf. Er zählt zu den wichtigsten und international bekanntesten Autoren Polens. Er lebt mit seiner Frau Monika Sznajderman in dem südpolnischen Beskidendorf Wołowiec nahe der polnischkslowakischen Grenze. Seine nicht selten provozierenden Werke sind oftmals nostalgisch und sarkastisch zugleich. Er schreibt regelmäßig für das Feuilleton liberaler Zeitungen, verfasst Gedichte und gelegentlich Drehbücher für Fernsehk und Kinofilme. Seinen Fokus hat er auf Erzählungen: „Für mich ist zunächst nur die Sprache da, erst mit den Wörtern stellen sich die Gedanken ein. Klang und Rhythmus stehen im Vordergrund."2.

Ohne Abschluss verließ er die Schule, jobbte und wurde 198o zur Armee eingezogen, aus der er desertierte und später zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Sein erster Erzählband, „Die Mauern von Hebron“ (dt. 2oo3), basiert auf seinen Erlebnissen im Gefängnis. Dieses Erstlingswerk erregte in seiner Heimat vor allem wegen seines vulgären Verbrecherjargons und seines Detailreichtums großes Aufsehen. 1986 der Umzug in das kleine Bergdorf in den Beskiden, wo er zunächst als Holzfäller und Waldarbeiter Geld verdiente. Die Abgeschiedenheit erleichterte ihm die Konzentration auf das Schreiben und der Konzentration auf sein anthropologisches Interesse, dem Beobachten der Veränderungen in der Welt um sich herum.

Der internationale Durchbruch gelang St. 1997 mit dem Prosawerk „Die Welt hinter Dukla" (dt. 2000). Dort beschreibt er ein Kleinstädtchen am Rand der Beskiden, beobachtet die alltäglichen Ereignisse und nimmt sie zum Anlass für poetische Reflexionen über Raum und Zeit. Sein neuestes Werk ist der 2o11 im Deutschen erschienene Roman „Hinter der Blechwand“.

Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Preis der Kulturstiftung, Warschau (1994), Preis der KoscielskykStiftung, Genf (1995), SamuelkBogumilk LindekLiteraturpreis (2oo2), AdalbertkStifterkPreis (2oo5), NikekPreis (2oo5).3

4..Geschichtlicher.Hintergrund.

Die Erzählung Stasiuks spielt Mitte der 7oer bis Mitte der 8oer des 2o. Jahrhunderts in der Volksrepublik Polen, einer politischen brisanten Phase für das Land. Von der Politik des Kommunismus geprägt, regierte die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei, die bis Mitte der 7oer Jahre nahezu die uneingeschränkte Macht im Lande hatte. Anfang der 7oer begann die Stimmung aufgrund von politischem Imobilismus und wirtschaftlicher Stagnation zu kippen. Steigende Lebensmittelpreise, Schwierigkeiten mit der Belieferung von Grundnahrungsmitteln und die Energiekrise ´73 führten immer wieder zu Protesten der Bevölkerung und der Verschlechterung ihrer Lage. Ein durch drastische Preiserhöhungen ausgelöster Arbeiterprotest im Juni ´76 in Radom und Warschau wurde brutal von der Polizei niedergeschlagen. Daraufhin entstand die erste große Bürgerrechtsbewegung das „Komitee für gesellschaftliche Selbstverteidigung“. Ein Ereignis von internationaler und besonders nationaler Bedeutung war die Wahl des Krakauer Erzbischofs Karol Wojtyła (192ok2oo5) zum Papst im Oktober 1978 und dessen triumphale Polenreise als Johannes Paul II. im Juni 1979. Dies war eine moralische Niederlage und eine unterschwellige Bedrohung für das herrschende System.

Eine sich weiter verschärfende Wirtschaftskrise und ein kräftiger Anstieg der Fleischpreise am 1. Juli 198o gipfelten nach der Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz auf der Danziger Leninwerft in eine landesweite Streikwelle. Unter der Führung Lech Wałęsas wurden 21 Forderungen betreffend u.a. die Vereinigungsfreiheit, Streikrecht, Pressefreiheit, lohnk und sozialpolitische Maßnahmen an die Regierung gestellt. Nach deren Einlenken wurden erstmals in einem sozialistischen Land unabhängige Gewerkschaften mit Streikrecht und ein Zugang zu Massenmedien anerkannt. Die neu gegründete Gewerkschaft Solidarność gewann immer mehr an politischer Macht, im Gegenzug verlor die PZPR diese.

Der Mordanschlag auf Papst Johannes Paul II., der Drohbrief des ZK der KPdSU in Moskau an die Führung der PZPR führten Mitte 1981 zur weiteren Destabilisierung des Landes.Der neue erste Sekretär der PZPR General Jaruzelski verhängte am 13. Dezember 1981 das Kriegsrecht, eine große Zahl an Mitgliedern der Solidarność, Intellektuelle und Aktivisten wurden interniert. Armee und Sicherheitskräfte übernahmen die meisten Aufgaben im Staat. Der Ausnahmezustand wurde erst 1983 wieder beendet. Die Solidarność wurde 1982 verboten, doch allen Bemühungen Jaruzelskis zum Trotz, u.a. der Amnestie für politisch Gefangene im Juli 1986, stellte die polnische Gesellschaft fest, dass das bestehende System nicht mehr reformierbar war. Der Umbruch begann, der mit dem Ende des Sozialismus und dem Beginn der Demokratie im Herbst 1989 endete.4

5.1.Ironie.

Die Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie definiert den Begriff der Ironie wie folgt:

Ironische$Rede$bedeutet$das$Gegenteil$dessen,$was$man$meint,$aber$so,$dass$der$ darin$eingeschlossene$Schein$durchschaubar$ist.5 $

Ihre Wurzeln befinden sich in der europäischen Antike, in frühen homerischen Texten dient sie erstmalig als Ausdrucksmittel des Spottes und der Verhöhnung6. Ganz bewusste Verwendung findet sie auch bei Sokrates, in Gesprächen von Mensch zu Mensch. Provozierende Fragen sollen der Erkenntnisgewinnung dienen, hieraus entstand der Begriff der „sokratischen Methoden der Wahrheitsfindung“7.

[...]


1 Vogue 5/92, S. 2o7

2 zitiert in: NZZ, 20.7.1998

3 vgl. Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur. Onlineausgabe zu Andrzej Stasiuk.

4 Bingen, Dieter: 1ooo Jahre wechselvoller Geschichte. In: Informationen zur politischen Bildung, Polen, Nr. 311/2o11. Bonn, 2o11. Kapitel Zeit$der$Volksdemokratie.

5 Mittelstraß, Jürgen (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 2: HkO. Mannheim/Wien/Zürich, 1984. S. 295

6 Müller, Marika: Die Ironie. Kulturgeschichte und Textgestallt. Würzburg, 1995. S. 5 7 ebd. S. 8

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656556855
ISBN (Buch)
9783656556930
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265972
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Slavisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
nostalgie ironie andrzej stasiuks

Autor

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