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Die Neugestaltung der britischen Monarchie im 19. Jahrhundert

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhalt

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. Ausgangslage
1.1 Situation und Herausforderungen der Monarchie
1.2 Die Medienlandschaft in Großbritannien im 19. Jahrhundert
2. Der Wandel: Verbesserung des Ansehens der Monarchie mit Hilfe der Medien
2.1 Royale Zeremonien und die Medien
2.2 Neue Aufgaben: Wohltätigkeit und Reisen
3. Integration in die Gesellschaft
3.1 Eine bürgerliche Familie auf dem Thron
3.2 Eine Frau ist Mutter der Nation

C. Schluss

D. Quellenverzeichnis

E. Literaturverzeichnis

F. Anhang

A. Einleitung

„A family on the throne is an interesting idea. It brings down the pride of sovereignty to the level of pretty life. […] “

Walter Bagehot (1867)[1]

Walter Bagehot, Journalist, Verfassungskenner und Herausgeber der Zeitung The Economist, bringt in seinem Zitat von 1867 sehr treffend die neue Rolle der Monarchie unter Königin Viktoria I. zum Ausdruck. Sie war nicht nur eine der wenigen Frauen auf dem britischen Thron, die über ein Weltreich herrschte, sondern auch Namensgeberin einer ganzen Ära: dem Viktorianischen Zeitalter. Gleichzeitig war sie aber auch eine Frau, die sich nicht nur um ein Königreich, sondern auch um ihren Privathaushalt samt Kinder und Ehemann zu kümmern hatte. Während ihrer Regentschaft (1837-1901), der bis zum heutigen Tag längsten in der Geschichte des britischen Königshauses, veränderte sich die Monarchie und die Rolle des Monarchen grundlegend. Obwohl sie eine Position erbte, die aufgrund ihrer Vorgänger sowie radikaler politischer Bewegungen im Volk weitgehend unbeliebt war, schaffte sie es gemeinsam mit ihrem Gatten Prinz Albert, das Ansehen der Monarchie erheblich zu verbessern. Als sie 1901 starb, war die Monarchie in Großbritannien trotz einiger großer Herausforderungen gefestigter denn je. Allerdings mussten dafür auch einige Veränderungen unternommen werden, die bis heute richtungsweisend sind.

Auf den folgenden Seiten geht es um die Frage, wie genau dieses neue Bild der Monarchie aussah, das Viktoria zu vermitteln versuchte. Ebenfalls werfe ich einen kurzen Blick auf die Rolle Alberts darin. Ich konzentriere mich auf den Zeitraum von 1837 bis 1901, also auf die Zeit der Regentschaft Viktorias, sowie auf einige wenige zentrale Ereignisse in diesen Jahren. Mein Ziel ist es, anhand dieser Punkte einen Eindruck der neuen Rolle zu vermitteln, ohne jedoch zu sehr ins Detail der einzelnen Aspekte zu gehen. Jedoch werde ich den Zusammenhang mit den Medien beziehungsweise der Öffentlichkeit untersuchen. Um die oben genannten Fragen zu beantworten, werde ich im Folgenden zunächst auf die Situation sowie die Herausforderungen eingehen, die Viktoria zu bewältigen hatte, als sie die Krone erbte. Des Weiteren gebe ich einen kurzen Überblick auf die Medienlandschaft des 19. Jahrhunderts in Großbritannien. Um die beabsichtigte Rolle darzustellen, die Viktoria und Albert für die Monarchie zu vermitteln versuchten, werde ich folgende Themen beziehungsweise Bereiche näher untersuchen: Zeremonien und die neuen Aufgabenfelder, die das Paar zunächst gemeinsam unerschöpflich bewältigte. Darunter fallen Engagements, die das Wohl der Öffentlichkeit zum Ziel haben sowie die Arbeit Alberts abseits der Politik. Ebenfalls zähle ich die Reisen, die in zahlreiche Ecken des Landes gingen, zu diesem Feld. Diese trugen ebenfalls dazu bei, dass das Volk einen besseren Eindruck des Monarchen bekam. Ein weiterer wichtiger Teil wird das Bild der bürgerlichen Familie an der Spitze des Landes sein, welches zur Veränderung der Rolle beitrug. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass Viktoria eine Frau auf dem Thron war. Auch diese Einzelheit fließt in meine Arbeit mit ein. Abschließend möchte ich einen Überblick darüber geben, wie der Wandel möglich war und was alles dazu beigetragen hatte.

Aufbauend zum Wissen aus dem Basiskurs und der Grundlagenlektüre von Susie L. Steinbach[2], sind vor allem die Werke von Dorothy Thompson über Viktoria als weibliche Regentin[3] sowie von John Plunkett zum Thema Monarchie und Medien[4] von zentraler Bedeutung für diese Arbeit. Neben diesen Werken habe ich außerdem eine Biographie über Queen Viktoria von Karina Urbach[5] verwendet und für einen besseren Einblick einzelne Briefe der Königin herangezogen[6]. Für das Kapitel „Eine Frau als Mutter der Nation“ war unter anderem das Werk von Margaret Homans[7] die Grundlage.

Die Forschungslage zu Königin Viktoria ist durch zahlreiche Biographien was das private sowie öffentliche Leben anbelangt mehr als ausreichend, nicht zuletzt durch die Veröffentlichung eines Teils ihrer Korrespondenz. Für Prinz Albert ist dieser gute Forschungsstand ebenfalls zutreffend. Was die Thematisierung der Monarchie in den Medien betrifft, so konnte ich neben John Plunkett´s Werk nur einige wenige andere ausmachen.

B. Hauptteil

1. Ausgangslage 1837

1.1 Situation und Herausforderungen der Monarchie

Als Viktoria 1837 mit gerade einmal achtzehn Jahren Königin wurde, erbte Sie einen Thron, dessen Beliebtheit einen Tiefpunkt erreicht hatte. Ihr Vorgänger und Onkel, König William IV. (1830–37), wurde von der Tageszeitung The Spectator als „Kleingeist“ bezeichnet; er sei voller Ignoranz und voreingenommen gegenüber den notwendigen Reformen und der damaligen Whig-Regierung.[8] Seine zehn unehelichen Kinder, sein unspektakuläres Auftreten in der Öffentlichkeit sowie seine Unberechenbarkeit trugen ebenfalls zu dieser Unbeliebtheit bei. Dass während seiner Regentschaft die erste Wahlrechtsreform (Great Reform Act, 1832) verabschiedet wurde oder die Neuauflage des Armengesetzes (New Poor Law, 1834) in Kraft trat, wird weniger zu seinen Errungenschaften gezählt als zu denen der jeweiligen Regierungen.[9] Sein Vorgänger konnte ebenfalls auf kein allzu positives Urteil der Medien hoffen. Georg IV., ebenfalls ein Onkel Viktorias, regierte von 1820 bis 1830. In den Jahren davor war er als Prinzregent für seinen im Februar 1811 als nicht regierungsfähig erklärten Vater Georg III. (König seit 1760) tätig. Seine unzähligen Liebschaften sowie seine Heirat mit der Katholikin Maria Anne Fitzherbert im Jahr 1785 und die Trennung fünf Jahre später stießen auf Abneigung im Volk. Ebenso wenig konnte es sich mit seinem aufwendigen Hofleben anfreunden, zumal er damit unter anderem einen beachtlichen Schuldenberg verursachte. Die politische Stellung, auf die er Anspruch gehabt hätte, konnte er nicht ausfüllen; am Tagesgeschäft war er nur mäßig interessiert.[10] Als er 1830 starb, war in The Times folgendes zu lesen: „There never was an individual less regretted by his fellow creatures than this deceased king“.[11] Seit seiner Regentschaft war die Monarchie in ihrer politischen Rolle sehr begrenzt worden, wenn man sie etwa mit derjenigen zu Zeiten Georg III. und seiner Vorgänger vergleicht. Die politische Macht lag nunmehr bei den Beratern des Königs und der Regierung. Zwar war der Monarch noch immer oberster Heerführer der Armee und Marine, konnte höchste Staatsdiener und Richter auf Vorschlag ernennen und war Oberhaupt der anglikanischen Kirche – das Tagesgeschäft jedoch lag bei der gewählten Regierung. Das offizielle Staatsoberhaupt, der König bzw. die Königin, wurde dazu lediglich konsultiert, seinerseits bzw. ihrerseits konnte man allenfalls beratend an die Regierung herantreten. Einzig im Bereich der Außenpolitik war der Einfluss des Regenten größer. Aufgrund der vielfältigen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Herrscherhäusern auf dem Kontinent und des ohnehin stattfindenden Briefwechsels untereinander stand man bereits in ständigem Kontakt und konnte somit leichter agieren als manche Gesandten oder Diplomaten.[12]

Viktoria musste jedoch nicht nur mit der schlechten Stimmung, hervorgerufen durch ihre Vorgänger, zurechtkommen. Aufgrund der zunehmenden Industrialisierung und des massenhaften Anstiegs der Bevölkerung kämpften hauptsächlich breite Teile der unteren Bevölkerungsschichten gegen steigende Armut und Wohnungsnot in den Industriezentren. Trotz aller Bemühungen reichte das erwirtschaftete Geld kaum zum Leben aus; diese neue Form der unverschuldeten Armut wurde auch unter dem Begriff „Pauperismus“ bekannt. Die daraus resultierende soziale Unruhe brachte vor allem in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts mehrere Protestbewegungen hervor. Zum einen verlangten die Chartisten, dass Großbritannien zu einer vollkommenen Demokratie werden sollte und alle erwachsenen Männer das Wahlrecht erhalten sollten, unabhängig von Stand oder Besitztümern. Der Höhepunkt der Bewegung war eine Großdemonstration in London 1848, dem Revolutionsjahr auf dem Kontinent. Obwohl diese Bewegung anfangs großen Zulauf fand, blieb sie im Parlament erfolglos. Die Anti-Kornzölle-Liga wiederum verlangte die Aufhebung der Zölle auf Getreide sowie eine Hinwendung zum Freihandel. Sie sah darin die Lösung der wirtschaftlichen Probleme und versuchte außerdem, die Macht der Obrigkeit einzuschränken. Neben diesen revolutionären Bewegungen stellte Irland ein weiteres Problem dar. Seit längerem waren Abspaltungsbestrebungen vom Königreich sowie anhaltende Konflikte zwischen der protestantischen und katholischen Bevölkerung im Gange. Die große Hungerkrise von 1845, die aufgrund der Kartoffelmissernte ausbrach, trug zu diesen Bewegungen ebenfalls bei. Die Mehrzahl der Bevölkerung war davon abhängig und am Ende fielen der Krise eine Million Menschen zum Opfer. Trotz Bemühungen seitens der Monarchie, das Land zu unterstützen und ihm näherzukommen, konnte die Missstimmung nicht beseitigt werden und ist - wenn auch in verschiedener Intensität je nach Landesteil - unter den Iren noch immer vorhanden. Doch nicht nur im Volk lauerten Gefahren für das Fortbestehen der Monarchie. Viktorias Person selbst gab ebenfalls Anlass zur Sorge. Baron Stockmar, politischer Berater und „Graue Eminenz“ aus Hannover, verweilte 1838 einige Zeit als Ratgeber an ihrem Hof. Nach seiner Abreise äußerte er sich gegenüber Viktorias Onkel, König Leopold von Belgien, wie folgt: “[…] ein schreckliches Kind, nicht ohne Intelligenz, aber ohne jede Erziehung für unser Handwerk. […] Es ist ein ungeheures Experiment, dass im 19. Jahrhundert eine achtzehnjährige Königin [...] regiert.“[13] Ihre fehlende Erfahrung im Umgang mit Staatsangelegenheiten resultierte in den ersten Jahren ihrer Regentschaft in der Bedchamber Crisis und der Lady Flora Hastings-Affäre. Entgegen der Tradition, bei einem Machtwechsel im Parlament auch die Hofdamen aus den jeweiligen politischen Lagern auszutauschen, weigerte sich Viktoria dies zu tun. Ihre Dienerinnen und sie hätten sich zu keiner Zeit über Politik unterhalten und diese müssten somit auch nicht ersetzt werden. Trotz mehreren Gesprächen wollte sie Stärke zeigen und gab nicht nach, was einen erneuten Regierungswechsel zur Folge hatte. Mit der Hastings-Affäre schadete sie ihrem Ansehen ebenfalls. Lady Flora war eine Hofdame von Viktorias ungeliebter Mutter. Ihr Leberkrebs wurde fälschlicherweise für eine Schwangerschaft gehalten, Viktoria unterstützte dieses Gerücht und stand im Volk als die Frau da, die den Ruf einer Sterbenden schlecht gemacht hatte.[14] Erst nach der Heirat mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1850er Jahre sollte es für Viktoria und die Monarchie wieder aufwärts gehen.

[...]


[1] Dorothy Thompson: Queen Victoria. Gender and Power. London 1990, S. 139.

[2] Susie L. Steinbach: Understanding the Victorians. Politics, Culture and Society in Nineteenth-Century Britain. Oxon, New York 2012.

[3] Dorothy Thompson: Queen Victoria. Gender and Power. London 1990.

[4] John Plunkett: Queen Victoria. First Media Monarch. Oxford 2003.

[5] Karina Urbach: Queen Victoria. Eine Biografie. München 2011.

[6] Kurt Tetzeli, Arndt Mersmann (Hg.): Queen Victoria. Ein biografisches Lesebuch. München 2000.

[7] Margaret Homans: Royal Representations. Queen Victoria and British Culture, 1837-1876. Chicago, London 1998.

[8] David Cannadine: The Context, Performance and Meaning of Ritual. The British Monarchy and the ‘Invention of Tradition’, c. 1820-1977. In: Eric J. Hobsbawm (Hg.): The Invention of Tradition. Cambridge u.a. 1994, S. 101-164, hier: S. 109.

[9] / 10 Peter Wende: Englische Könige und Königinnen der Neuzeit. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. München 2008.

11 David Cannadine: The Context, Performance and Meaning of Ritual. The British Monarchy and the ‘Invention of Tradition’, c. 1820-1977. In: Eric J. Hobsbawm (Hg.): The Invention of Tradition. Cambridge u.a. 1994, S. 101-164, hier: S. 109.

[12] Karina Urbach: Queen Victoria. Eine Biografie. München 2011, S. 34.

[13] Karina Urbach: Queen Victoria. Eine Biografie. München 2011, S. 40 f.

[14] Karina Urbach: Queen Victoria. Eine Biografie. München 2011, S. 41ff.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656558101
ISBN (Buch)
9783656558095
Dateigröße
3.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266073
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften
Note
1,00
Schlagworte
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