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Strukturwandel in der Automobilzulieferbranche

Seminararbeit 2012 20 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung.

2. Der veränderte Markt durch die Globalisierung

3. Die Automobilindustrie
3.1 Definition der Automobilindustrie von heute
3.2 Definition; Arten & Vor- und Nachteile des Outsourcingprozesses

4. Die Automobilzulieferindustrie der Gegenwart
4.1 Wandel der Hersteller- Lieferanten Beziehungen
4.2 Konkurrenz von Marktteilnehmern aus Niedriglohnländern.

5. Standortproblematik für Automobilzulieferer.

6. Zukunftsprognose für die Automobil- & Automobilzulieferindustrie

7. Fazit.

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Seitdem das Automobil vor über hundert Jahren in Deutschland und Frankreich als bahnbrechende Erfindung vorgestellt wurde, hat es die moderne Welt wohl stärker geprägt als sämtliche sonstigen Einflüsse.1 Während dieser großen Zeitspanne hat auch die Automobilindustrie mehrere Entwicklungsprozesse durchlaufen. Auch über die letzten Jahre ist ein solcher Prozess deutlich erkennbar. Die Unternehmen der Automobilindustrie sehen sich zunehmend dem globalen Wettbewerb ausgesetzt. Damit diese Hersteller am Markt bestehen können, wird verstärkt auf individuelle Kundenwünsche eingegangen und das Sortiment an Modellen immer weiter ausgebaut. Ein vehementer Wandel hat sich in den letzten Jahren im Bereich der Vorleistungstätigkeiten vollzogen. So beteiligen die "OEM" (Markenproduzent der ein Markenprodukt herstellt) ihre Zulieferer immer mehr an den Entwicklungsprozessen des Produktes und verringern im Gegenzug ihre eigene Fertigungstiefe. Die fortschreitende Reduzierung der Fertigungstiefe bei den Endproduzenten stellt eine zunehmende Herausforderung für die Automobilzulieferer dar. Sie beginnen sich zu Entwicklungspartnern der OEM´s auszubilden. Die Standardisierung von Prozessen, ähnliche Technologien und Design der einzelnen Anbieter, lassen die Marke immer mehr als zentral strategischen Wettbewerbsfaktor wirken. Nur durch die Marke ist eine klare Differenzierung unter den Anbietern möglich. Dieser Umschwung greift somit erheblich in die Verteilung der Wertschöpfung ein, da viele Prozesse vom Hersteller zum Zulieferer übergehen.2

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den wettbewerbsbedingten Problematiken, die durch die Globalisierung entstanden sind und Unternehmen in diversen Industriebranchen zum umdenken bewegen. Im Weiteren wird konkret auf die Automobilbranche eingegangen, indem die gegenwärtliche Situation der Automobilhersteller & Zulieferer, deren Beziehung eng aneinander knüpft betrachtet werden. Die veränderten Marktbedingungen fordern strukturelle Maßnahmen, welche maßgeblichen Einfluss auf die Hersteller-Lieferanten Beziehungen haben. Diese Prozesse werden genau analysiert und veranschaulicht. So wird untersucht inwieweit die Outsourcingprozesse Vor- und Nachteile mit sich bringen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Standortproblematik. Dessen Wichtigkeit wird besonders hervorgehoben. Im abschließenden Punkt wird ein Resümee gezogen und eine Prognose bezüglich der weiteren Entwicklung gestellt. Das abschließende Fazit fasst alle behandelten Punkte kurz zusammen.

2. Der veränderte Markt durch die Globalisierung

Ein Wort, das in der Vergangenheit für viel Gesprächsstoff gesorgt hat, ist der Modebegriff "Globalisierung". In erster Linie ist damit die wirtschaftliche Verflechtung international agierender Industrieunternehmen gemeint.3 Globalisierung ist ein Verlauf, der sich auf unzählige Faktoren des Lebens auswirkt und weitreichende Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und politische Akteure nach sich zieht. Die nachfolgende Abbildung 2. gibt einen guten Überblick über diese Faktoren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Globalisierung von Lebensbereichen [in Anlehnung an Kutschker, Michael <1943 - > ; Schmid, Stefan: Internationales Management ]

Diese fundamentalen Veränderungen wirken sich auf sämtliche hochentwickelten Industriestaaten aus und damit auch auf Deutschland.4 Durch die Verflechtung der Güter-,

Dienstleistungs- und Finanzmärkte ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. So können durch

die Öffnung der Grenzen Produktionsverlagerungen ins Ausland durchgeführt werden. Durch die Mobilität der Arbeitskräfte entsteht eine strukturelle Verlagerung der Arbeitswelt. Daher besteht die Notwendigkeit zu untersuchen, wie sich der globale Wandel auf international ausgerichtete Unternehmen auswirkt und wie diese darauf reagieren.5 Die aus der Globalisierung resultierende Wettbewerbsintensität und der strukturelle Wandel zwingen Unternehmen dazu, ihre Prozesse und Produkte innovativ zu gestalten. Eine Anpassung und Optimierung der Produktionsprozesse ist zwingend notwendig, um am globalen Markt bestehen zu können.6 Um dies verwirklichen zu können, sind mehr Anstrengungen zur Entwicklung hochwertiger Güter & Dienstleistungen notwendig, da Mitwettbewerber in Sachen Produktivität und Qualität aufholen. Da sich ein deutlicher Preisverfall von Standardprodukten, also von Produkten die leicht herstellbar sind verzeichnen lässt, versuchen Unternehmen ihre Produktionsfaktoren möglichst günstig zu erwerben und fragen daher zunehmend auf internationalen Faktormärkten nach. Diesem Dilemma sind auch die vielen Automobilhersteller, sowie deren Zulieferer ausgesetzt, da sie sich innerhalb Deutschlands auf einem überwiegend gesättigten Markt bewegen.

3. Die Automobilindustrie

3.1 Definition der Automobilindustrie von heute

Die heutigen Tätigkeiten innerhalb der industriellen Automobilindustrie können am genauesten beschrieben werden als eine gute Mischung aus alten und neuen Ideen, die sich auf ein reifes Produkt innerhalb eines oligopolistischen Marktes beziehen und einem raschen Wandel ausgesetzt sind.7 Die Deutsche Automobilindustrie konnte sich im Jahr 2011 wieder als Wirtschaftsmotor behaupten, da sie mit gut einem fünftel am Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes beteiligt war. Sie ist damit der wichtigste Wirtschaftszweig innerhalb Deutschlands.8 Die nachfolgende3.1 zeigt die beeindruckende Abbildung Entwicklung der generierten Umsätze von 1996 bis 2011.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1: Umsatzentwicklung in der deutschen Automobilindustrie [Quelle: VDA-Jahresbericht 2012(2012, S. 14 ]

Trotz dieser beeindruckenden Zahlen sieht sich Deutschland neben den starken Konkurrenten der Triadenländer wie den USA; Japan und Europa, vielen marktbezogenen Prozessen gegenüber, die ein dementsprechendes Einlenken fordern. Die Triadenländer stellen die größten Volkswirtschaften der Welt dar, also entsprechen sie den Wirtschaftsmächten dieser Welt.9 Der inländische Käufermarkt reicht für Deutschland nicht mehr aus, da sich eine zunehmende Sättigung nach landeseigenen Fabrikaten breitmacht.10 Als Grund hierfür kann die hohe Markttransparenz, sowie die steigende Bedeutung von Produkten aus den Schwellenländern gesehen werden. Alte Verkaufsargumente wie das Gütesiegel "Made in Germany" oder technologische Innovationen in Kraftfahrzeugen aus Deutschland werden durch andere Attribute ersetzt. Mittlerweile müssen auch die Kosten- und Produktionsprozesse der Konkurrenten betrachtet werden, sowie ein verändertes Nachfrageverhalten der Kundenzielgruppe. Die positiven Umsatzzahlen (Abb.3.1) sind allerdings auch mit zwei negativen Parallelentwicklungen verbunden. Zum einen ist tendenziell ein immer stärkerer Trend zu erkennen, das die Produktion vom In- ins Ausland verlagert wird und zum anderen ist diese Entwicklung nur mit einer Steigerung der Produktivität der Hersteller zu vereinbaren, die in erster Linie nur durch Rationalisierungsmaßnahmenn erzielt werden kann. Um also die Prozesse eines Unternehmens zu verbessern müssen Arbeitsweisen standardisiert werden, denn nur standardisierte Prozesse können auch nachhaltig verbessert werden. Als weitere Voraussetzung kann eine ausreichende Transparenz der Prozesse genannt werden. Dies ist zwingend notwendig um dessen Stärken und Schwächen zu erkennen und zu eliminieren.11 Zentrale Bedeutung für die Automobilhersteller hat hierbei die vertikale Arbeitsteilung, bei der der Produzent von Automobilen als der sogenannte Endprodukthersteller, Einzelteile von vorgelagerten Produktionsstufen der Zulieferunternehmen bezieht.12 Aus diesem Ansatz ergeben sich ganz neue Produktionsabläufe, die mit einer Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsleistungen, sowie einer gewandelten Fertigungstiefe von Seiten der Hersteller verbunden ist. Der Begriff der Fertigungstiefe kann definiert werden, "als der Umfang an Wertschöpfung, den ein Unternehmen oder eine strategische Geschäftseinheit durch eigene Produktion im Verhältnis zu der insgesamt erforderlichen Wertschöpfung für ein Endprodukt erbringt"13. Welche Vor- und Nachteile der Outsourcingprozess mit sich bringt, soll im nachfolgenden Kapitel 3.2 erläutert werden.

3.2 Definition, Arten & Vor- und Nachteile des Outsourcingprozesses

Der Begriff des Outsourcing entstammt dem Englischen und stellt eine Kombination aus den drei Begriffen "Outside", "Resource" und "Using" dar und bedeutet im Deutschen so viel wie "Auslagerung ganzer Arbeiten".14 Demnach bezeichnet Outsourcing die Vergabe von Leistungen oder Funktionen, die bis dato vom eigenen Unternehmen erbracht wurden an einen externen Dritten. Als Dienstleister übernimmt dieser ab dann die unternehmerische Verantwortung für den outgesourcten Bereich.15 Die Idee des Outsourcing geht auf die traditionelle Fragestellung "make it or buy" zurück. Der Begriff "Make" bezeichnet die Leistungserbringung innerhalb des Unternehmens, auch als Eigenfertigung bezeichenbar, wohingegen "Buy" für den Bezug der Leistungen über den Markt, also den Fremdbezug darstellt.16

Das Outsourcing lässt sich in zwei unterschiedliche Kategorien unterteilen. Zum einen in das "Externe Outsourcing" sowie das "Interne Outsourcing". Beim externen Outsourcing besteht keine Bindung zwischen den beteiligten Akteuren. Diese Form tritt meistens bei der üblichen Hersteller-Lieferanten Beziehung auf. Beim internen Outsourcing besteht wiederum eine Bindung zwischen den Unternehmen auch außerhalb des Marktes. Hierzu zählen beispielsweise Kooperationen, der Unternehmung verbundene Unternehmen, sowie die Tochtergesellschaften eines Konzerns.17 Die Vorteile des internen Outsourcings machen sich vor allem durch die hohe Kostentransparenz, sowie den hohen Grad an Daten-, Qualitäts- und Terminsicherheit im Vergleich zum externen Outsourcing bemerkbar. Als Nachteile treten ganz besonders die wenig genutzten Potentiale der Massenproduktion in den Vordergrund. Ebenso stellen sich die Prozesse als wesentlich komplexer dar. Im Vergleich dazu, sind die Vorteile beim externen Outsourcing um einiges vielfältiger. Wichtigster Gesichtspunkt ist die erhebliche Kostenreduzierung um einen prozentualen Mindestanteil von 20%. Durch diese Form des Outsourcings kann die Kostenstruktur offengelegt werden und damit mehr Transparenz geschaffen werden. Ebenfalls wird die Kapitalbindung verringert, da das Produkt zu großen Teilen durch den Fremdanbieter erstellt wird und Kosten nur noch zum Zeitpunkt des Leistungsanspruchs anfallen.18 Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass das Unternehmen sich voll auf seine Kernkompetenzen konzentrieren kann. Eine effektivere Arbeitsleistung ist die Folge. Ebenfalls entsteht eine hohe Flexibilität, da Unternehmen durch die Auslagerung ganzer Geschäftsprozesse, diverse Teile nicht mehr selbst herstellen und sich ein hohes Einsparpotential bei den Kosten für Maschinen- und Instandhaltung ergibt. Wird beispielsweise ein Teilsegment aus dem Gesamtportfolio unwirtschaftlich, so kann der Hersteller dieses ohne weiteres aussondern und ein Umrüsten auf neue Produkte wird einfacher.19 Natürlich birgt auch dieser mit großen Vorteilen behaftete Produktionsprozess Nachteile. Einer der größten Nachteile ist wohl der Wegfall von Arbeitsplätzen innerhalb der Hersteller Belegschaft. Zuvor intern gefertigte Produkte werden nach und nach von externen übernommen und eine interne Rationalisierung ist unumgänglich.20 Daraus resultierend, entsteht eine hohe Abhängigkeit des Herstellers gegenüber dem Fremdanbieter, denn wurden einmal langfristige Outsourcing Verträge abgeschlossen, so ist eine Trennung nur sehr schwer möglich. Zum einen drohen hohe Vertragsstrafen und zum anderen ist ein hoher Investitionsbedarf notwendig falls ausgelagerte Teilsegmente wieder rückverlagert werden sollen. In diesem Fall müsste ein Maschinenpark angeschafft, sowie kompetente Mitarbeiter die diese bedienen können eingestellt werden.

[...]


1 Vgl. Lamming (1994), S. 22.

2 Vgl. Kinkel/Zanker (2007), S. 2.

3 Vgl. Gutmann/Kabst (2000), S.8f.

4 Vgl. Fuchs/Glaab (2011), S.93

5 Vgl. Ebd., S. 93

6 Vgl. Eichhorst (2011), S. 225

7 Vgl. Lamming (1994), S. 59

8 Vgl. VDA/ (2012), S. 14

9 Vgl. Engelhard - gabler-wirtschaftslexikon

10 Vgl. Beger (1998), S.31

11 Vgl. Gerberich (2012), S. 29

12 Vgl. Eicke v.; Femering (1991), S. 7

13 Vgl. Zäpfel (1989), S. 132

14 Vgl. www.outsourcingcenter.eu, Was ist eigentlich Outsourcing?

15 Vgl. www.uni-erlangen.de, Insourcing/Outsourcing - Betreibermodelle, S.2

16 Vgl. Ebd., S.3

17 Vgl. Ebd., S.4

18 Vgl. www.iw-live.de,Outsourcing - Vor-und Nachteile, S.1

19 Vgl. www.outsourcingcenter.eu, Vorteile vom Outsourcing, S.1

20 Vgl .www.iw-live.de, Outsourcing - Vor-und Nachteile, S.1

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656564430
ISBN (Buch)
9783656564409
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266338
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
2,7
Schlagworte
strukturwandel automobilzulieferbranche

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