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Analyse der Entwicklung des Aufschlags im Leistungstischtennis

©2008 Diplomarbeit 72 Seiten

Zusammenfassung

„Im modernen Tischtennis kommt dem Aufschlag eine große Bedeutung zu, denn er ist der einzige Schlag im Tischtennis, bei dem nicht auf einen vorherigen gegnerischen Schlag reagiert werden muss und der aus diesem Grund ohne jeglichen Zeitdruck ausgeführt werden kann“.

In der schnellsten Sportart der Welt kommt dem Aufschlag, wie im Zitat beschrieben, eine immer größere Bedeutung zu Gute, da „jeder Ballwechsel bekanntlich mit dem Aufschlag beginnt- sei er noch so gut oder schlecht“. In der historischen Betrachtung hat er immer wieder „verschiedene Phasen durchgemacht und verschiedene Rollen im Spiel eingenommen“. Vom einfachen Einwerfen Anfang des letzten Jahrhunderts, bis zu den heutigen kompliziertesten Trickaufschlägen. Erstaunlich ist hier besonders die Ideenvielfalt, die sich einzelne Spieler haben einfallen lassen, um den Gegner zu täuschen und direkte Punktgewinne mit dem Aufschlag zu erzielen. Die große Vielfalt der Aufschläge ist bzw. war auch immer in Bezug auf die verschieden Regeländerungen zu setzen. Dies verdeutlicht allein die Tatsache, dass 1926 die ITTF die Bestimmungen zum Aufschlag noch in 79 Wörtern verfasste, während im Gegensatz dazu die heutige Regel, ohne die spezifischen Doppelaufschläge hinzuzählen, 301 Wörter beinhaltet. Somit ist die Aufschlagregel die meist veränderte Regel im Tischtennis, wobei auch andere Regeländerungen wie z.B. Materialregeln einen Bezug zum Aufschlag haben und zu seiner Veränderung beitrugen. Es haben sich nicht nur die Aufschlagtechniken verändert, sondern auch die Aufschlagtaktiken. In der heutigen Zeit ist der Aufschlag nicht nur der Beginn des Tischtennisspiels, sondern vielmehr auch eine Option, um die eigenen Spielstärken im Spiel zu unterstützen bzw. zu verstärken.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik Aufschlag im Leistungstischtennis
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Forschungsstand / Relevanz des Themas
1.4 Methodische Vorgehensweise
1.5 Aufbau der Arbeit

2 Historische Entwicklung der Spielsportart Tischtennis
2.1 Die Entwicklung um die Jahrhundertwende 1877-
2.2 Der Zweite Tischtennis-Boom 1922-
2.3 Die Entwicklung bis heute 1946-2007

3 Die Entwicklung des Tischtennisaufschlages
3.1 Die gestaltungsvariablen des Aufschlages im leistungstischtennis
3.1.1 Schlägerhaltung
3.1.2 Schlägerblattstellung
3.1.3 Rotation
3.1.4 Flugkurve
3.1.5 Tempo
3.1.6 Platzierung
3.2 Die zeitliche Phaseneinteilung des Tischtennisaufschlages
3.2.1 Ausgangsstellung
3.2.2 Ausholphase
3.2.3 Schlagphase
3.2.4 Treffpunkt Ball-Schläger
3.2.5 Ausschwungphase
3.3 Die historische Entwicklung des Aufschlages im Leistungstischtennis
3.4 Zusammenfassung der regel- und Materialänderungen mit Bezug auf den Aufschlag
3.5 Ausgewählte Techniken einzelner Spezialaufschläge eines rechtshänders im leistungstischtennis in den verschiedenen Epochen
3.5.1 Aufschläge um die Jahrhundertwende
3.5.2 Der Fingerspinaufschlag
3.5.3 Gegen den Schläger geworfene Aufschläge
3.5.4 Sehr hoch und niedrig geworfene Aufschläge
3.5.5 Material-Aufschläge
3.5.6 Der Stip-Aufschlag
3.5.7 Verdeckte Aufschläge
3.5.8 Die aktuelle Version des Zweiphasenaufschlages/ Umkehraufschlages
3.6 Analyse der Aufschlagtaktik im Leistungstischtennis

4 Resümee und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Neutralgriff (Geske, Mueller (2007), S.22)

Abbildung 2: Vorhandgriff (Geske, Mueller 2007, S. 22)

Abbildung 3: Rückhandgriff (Geske, Mueller (2007), S. 23)

Abbildung 4: Hohe und tiefe griffhaltung (Groß (2007), S. 45 )

Abbildung 5: Aufschlaghaltung (Groß (2007), S. 45)

Abbildung 6: Schlägerblattstellung (Deutscher Tischtennisbund (2007))

Abbildung 7: Effekt bei einem Tangential gespielten Ball (Langham (2007), S.21)

Abbildung 8: Aufschlagarten (Groß, U. (2007), S. 15)

Abbildung 9: Streuwinkel (Groß, U. (2007), S.21)

Abbildung 10: Zoneneinteilung des Tisches (Groß, U. (2007), S.21)

Abbildung 11: Verschiedene Scheibenwisch Bewegungen beim Aufschlag (Fürste, F. (2007), S. 5)

Abbildung 12: Backhand Flick Service (Parker, A. (1902)

Abbildung 13: Zusammenhang zwischen Aufschlageigenschaften und wahrscheinlicher Rückschlageigenschaft (Langham (2007), S. 14)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik Aufschlag im Leistungstischtennis

„Im modernen Tischtennis kommt dem Aufschlag eine große Bedeutung zu, denn er ist der einzige Schlag im Tischtennis, bei dem nicht auf einen vorherigen gegnerischen Schlag reagiert werden muss und der aus diesem Grund ohne jeglichen Zeitdruck ausgeführt werden kann“[1] .

In der schnellsten Sportart der Welt kommt dem Aufschlag, wie im Zitat beschrieben, eine immer größere Bedeutung zu Gute, da „jeder Ballwechsel bekanntlich mit dem Aufschlag beginnt- sei er noch so gut oder schlecht“[2]. In der historischen Betrachtung hat er immer wieder „verschiedene Phasen durchgemacht und verschiedene Rollen im Spiel eingenommen“.[3] Vom einfachen Einwerfen Anfang des letzten Jahrhunderts, bis zu den heutigen kompliziertesten Trickaufschlägen. Erstaunlich ist hier besonders die Ideenvielfalt, die sich einzelne Spieler haben einfallen lassen, um den Gegner zu täuschen und direkte Punktgewinne mit dem Aufschlag zu erzielen. Die große Vielfalt der Aufschläge ist bzw. war auch immer in Bezug auf die verschieden Regeländerungen zu setzen. Dies verdeutlicht allein die Tatsache, dass 1926 die ITTF die Bestimmungen zum Aufschlag noch in 79 Wörtern verfasste, während im Gegensatz dazu die heutige Regel, ohne die spezifischen Doppelaufschläge hinzuzählen, 301 Wörter beinhaltet. Somit ist die Aufschlagregel die meist veränderte Regel im Tischtennis, wobei auch andere Regeländerungen wie z.B. Materialregeln einen Bezug zum Aufschlag haben und zu seiner Veränderung beitrugen. Es haben sich nicht nur die Aufschlagtechniken verändert, sondern auch die Aufschlagtaktiken. In der heutigen Zeit ist der Aufschlag nicht nur der Beginn des Tischtennisspiels, sondern vielmehr auch eine Option, um die eigenen Spielstärken im Spiel zu unterstützen bzw. zu verstärken.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

In dieser Arbeit sollen die einzelnen Entwicklungsstufen des Tischtennisaufschlages und die dazugehörigen allgemeinen Entwicklungen des Tischtennissports untersucht und beschrieben werden. Zudem hat diese Arbeit den Anspruch eine taktische Analyse der einzelnen Aufschlagsentwicklungsstadien vorzunehmen. Weitergehend wurde auf Grundlage dieser historischen Entwicklung ein CBT-gestütztes Medienangebot der aktuellsten Varianten des Aufschlages entwickelt und realisiert. Bei den aktuellen Varianten werden 44 verschiedene Aufschläge vorgestellt. Diese basieren einerseits auf aktueller Literatur und Studien, sowie anderseits auf den persönlichen technischen und taktischen Präferenzen von zwei Bundesligaspielern. Dieses CBT- gestütze Programm ist allerdings nicht Bestandtteil dieser Abhandlung.

1.3 Forschungsstand / Relevanz des Themas

Die Aufschlagregel ist häufig im Tischtennissport verändert wurden. Ihre letzte Änderung datiert auf die Saison 2003/2004. Da die letzte Regeländerung erst ca. vier Jahre zurückliegt, ist der Kenntnisstand über die aktuellen Varianten noch nicht evaluiert. Auch in älterer Literatur lassen sich meist nur Anfängeraufschläge finden, allerdings sind die im Leistungstischtennis gespielten Trickaufschläge kaum erwähnt oder beschrieben. Somit kommt einer genaueren Analyse der Aufschlagthematik eine große Bedeutung zu, da durch diese Untersuchung nicht nur der historische Werdegang aufgezeigt wird, sondern auch wie die heutigen technisch sehr anspruchsvollen Aufschläge entstanden sind.

1.4 Methodische Vorgehensweise

Um detaillierte Informationen über die aktuellen Techniken des Aufschlages zu erfahren, werden die historischen Entwicklungen des Aufschlages analysiert und ausgewertet, um daraus im weiteren die aktuellen Varianten abzuleiten.

1.5 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 wird zunächst ein Überblick über die allgemeine Entwicklung der Spielsportart Tischtennis gegeben. Dieses Kapitel unterteilt sich in 2.1. Die Entwicklung um die Jahrhundertwende 1877-1903, in dem die Ursprünge des Tischtennissportes erläutert werden. Kapitel 2.2 Der Zweite Tischtennis-Boom 1922-1945 zeigt die Entwicklung nach dem ersten Weltkrieg bis zum Kriegsende 1945. Das nächste Kapitel 2.3 analysiert die Entwicklung der Nachkriegszeit bis zum heutigen Stand.

In Kapitel 3 wird die genaue Entwicklung des Aufschlags dargelegt. Es beginnt in 3.1 mit allgemeinen Variablen des Aufschlages, um die technischen und taktischen Aspekte der späteren Ausführungen besser verständlich zu machen. Dieses Kapitel unterteilt sich in Schlägerhaltung, Schlägerblattstellung, Rotation, Flugkurve, Tempo und Platzierung. Das Kapitel 3.2 differenziert den Aufschlag in seine verschiedenen zeitlichen Phasen. Danach wird in den Unterkapiteln 3.3–3.4 der historische Werdegang des Aufschlages mit seinen technischen und regelspezifischen Änderungen dargestellt und zusammengefasst. Im Kapitel 3.5 werden dann exemplarisch spezifischsten Aufschläge der einzelnen Epochen erklärt und technisch beschrieben, um in Punkt 3.6 auf jeweilige taktische Veränderungen einzugehen.

Das letzte Kapitel 4 Resümee und Ausblick dient noch einmal als Zusammenfassung und Prognose auf weitere Veränderungen des Aufschlages im Tischtennissport.

2 Historische Entwicklung der Spielsportart Tischtennis

2.1 Die Entwicklung um die Jahrhundertwende 1877-1903

Tischtennis hat im Vergleich zu allen anderen populären Sportarten sowohl im Freizeit- und Breitensport als auch im Leistungssport eine beachtliche Stellung eingenommen.“[4]

Die schnellste Rückschlagsportart der Welt ist heutzutage auf der ganzen Welt verbreitet und dies trotz ihrer eher kurzen Entwicklung vom Salonspiel des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Leistungssport Tischtennis.

Mit Basketball (1891) und Volleyball (1895) zählt Tischtennis zu den jüngsten Wettkampfsportarten der Welt, welche seit 1988 als olympische Disziplin aufgenommen wurde.

Die Ursprünge der Sportart Tischtennis sind bis heute nicht genau geklärt, so führt „der frühere, langjährige Präsident der ITTF, Ivor Montagu (England), die Ursprünge […] auf die Indianer zurück. Die große Sportpersönlichkeit Carl Diem […] beschreibt antike Ballsportarten, unter denen auch die Ursprünge des Tischtennis gewesen sein könnten.“[5] Bekannt ist, dass der englische Major W.C. Wingfield eine Garten-Tennis-Variante unter dem Namen Sphairistike 1874 patentieren ließ. Diese wurde wenig später in Lawn-Tennis (Rasentennis) umbenannt. Dieses Patent beinhaltete einen kompletten Spielsatz für Zuhause, welcher von der oberen Gesellschaft in England genutzt wurde. Wegen der schlechten Witterungsbedingungen in England wurde dieses Spiel kurzerhand in die Wohnräume der feinen Gesellschaft verlegt. So wurde über einen Esstisch eine Schnur gespannt, und schon konnte Lawn-Tennis in den Wohnräumen gespielt werden. Das Spiel hatte schon nach kurzer Zeit nicht mehr viel mit dem Lawn -Tennis gemein. Die Bälle bestanden wie im bei der Gartenvariante entweder aus Kork oder aus mit Flanell überzogenem Gummi und die Schläger waren auch dieselben, doch ging es viel geräuschvoller zu als beim Rasentennis. So wurde auch auf einer Glückwunschpostkarte das erste Mal von Ping Pong (für die Engländer hörte sich das Springen des Balles auf dem Tisch genauso an wie das Aussprechen der Wörter Ping und Pong) berichtet.

1890 und 1891 wurden dann die ersten Patente ausgestellt, die sich auf das Spiel Ping Pong bezogen. Das Patent Nummer 12631 beschrieb das Tischtennisset als „einen Apperatus, der für den Gebrauch bestimmt ist, mit Schlägern und Bällen ein Spiel auf einem Tisch zu spielen, welches dem Lawn Tennis ähnlich ist“.[6] Allerdings war dies nicht der Durchbruch des Sportes, da die richtigen Bälle immer noch nicht gefunden waren. Korkbälle sprangen kaum auf und die Gummibälle sprangen zu lebhaft, als dass ein wirkliches Spiel zustande gekommen wäre. Erst als der begeisterte Tischtennisspieler James Gibb die 1870/71 entwickelten Celluloid-Bälle aus Amerika mitbrachte und diese für das Spiel Ping Pong benutzte, konnte die volle Faszination für den Tischtennissport beginnen. Er überredete seinen Freund und Sportgerätefabrikanten John Jacques diese Bälle herzustellen 1891 wurde unter dem Namen The new Table Game of Ping Pong or Gossima ein Tischtennisset mit Celluloid-Bällen, zwei bis vier Schlägern, die mit glatten Schafsfell überzogen waren, und einer Netzvorrichtung ein Patent ausgeschrieben. Wenig später wurde dieses Set dann auf den Markt gebracht.

Da der richtige Ball gefunden war, wurde die Presse mit Tischtennissets-Anzeigen überhäuft und so eine erhöhte Marktnachfrage erzeugt. Wenig später wurde das eigentliche Spiel selbst zur Schlagzeile der Zeitungen. So schrieb das Royal Magazine in ihrer Märzausgabe 1901 „daß sich das Neuste und zweifellos Größte der neuen Spiele […] an dem wohlklingenden Namen Ping Pong oder Tischtennis erfreut“.[7] Tischtennis wurde von dieser Zeit an zu einem betriebswirtschaftlich lukrativem Geschäft.

Festzuhalten ist allerdings, dass trotz der besseren Bälle und des kommerziellen Erfolges, das Spiel noch nicht mit dem heutigen Tischtennis zu vergleichen ist, da meist nach Tennisregeln gezählt und gespielt wurde.

Der gute Verkauf um die Jahrhundertwende führte weiter dazu, dass im August 1900 der erste Tischtennisclub entstand. Mitglieder waren Cricketspieler, die bei schlechtem Wetter Ping Pong spielten und sich wenig später von ihrem Cricketclub-Nondescript-Cricket-Team ablösten, um den Cavendish Club zu gründen.

Nach der Einführung des Celluloid-Balles war das Interesse des Bürgertums geweckt, es gab Ping-Pong-Teapartys, Ping-Pong-Ausflüge, Zeitungsartikel, veröffentlichte Gedichte, Karten mit verschiedenen Ping-Pong-Motiven, sowie die ersten Lehrbücher über Ping Pong.

Da nun mehr der sportliche Charakter des Spiel entdeckt wurde, war es nicht verwunderlich, dass am 11. Dezember 1901 das erste Tischtennisturnier mit 200-300 Meldungen veranstaltet wurde. Am Tag darauf wurde der erste Tischtennisverband, die Table Tennis Assoziation[8] gegründet. Der gegründete Tischtennisverband erschuf dann die ersten einheitlichen Regeln. So wurde von nun an die Zählweise auf 20 reglementiert und der Aufschlagwechsel war nach fünf Punkten. In den Cavendish-Regeln[9] waren schon vorher die Tischmaße von 9 feet mal 5 feet, bei 2 feet und 6 inch Höhe festgelegt.

Ab 1902 begann der „Ping Pong Craze“[10]. In dieser Zeit wurden knapp 22 Turniere pro Monat ausgeschrieben, in Essex wurden ca. zweieinhalb Millionen Bälle produziert. Zudem wurden vier verschiedene Tischtennislehrbücher veröffentlicht. Das Bekannteste aus dieser Zeit wurde von Arnold Parker geschrieben und beinhaltete schon die verschiedensten Schlagtechniken, wie den Vorhand-Top-Spin oder den Under-Cut-Ball (ein Ball mit Rückwärtsrotation). Weitergehend befasste er sich mit der richtigen Schlägerhaltung (Einführung des Shakehand-Haltung), mit der Tischtennisgeschichte, den Gerätschaften, sowie den Regeln. Allein dem Thema Service (Aufschlag) widmete Parker knapp acht Seiten.

Bei den vielen Turnieren, die im Jahre 1902 ausgetragen wurden, probierten die Spieler immer wieder neue Materialien aus. So benutzte der bis dahin noch unbekannte Tischtennisspieler Godd den ersten Gummi Belag auf seinem Schläger[11] und bezwang mit diesem den damaligen Spitzenspieler Arnold Parker im Finale mit 50 zu 3 Punkten. Allerdings ging die Idee des Gummischlägers in der Vielfalt der verschiedenen Schläger komplett unter und es wurde weiterhin meist mit puren Holzschlägern gespielt.

Am 20 Februar 1902 verabschiedete die T.T.A. unter dem neu gewählten Vorsitz von Mr. Chambers das neue Official Handbook[12], in dem sich die ersten Beschreibungen von Tisch, Ball, Netz, Schläger und Regeln befanden. Diese Regeln wurden in den 30er Jahren, mit kleinen Abweichungen, auch in das erste ITTF-Handbuch übernommen. Der Tisch hat sogar bis heute die gleichen Maße wie damals, nur das Netz ist mittlerweile 2 cm niedriger und der Ball 2 mm größer.

Trotz dieser Errungenschaften sollte sich der Ping-Pong-Boom nicht aufrechterhalten. Durch die Industrialisierung wurden Tischtennisprodukte immer günstiger und so konnten sich auch nicht wohlhabende Bürger am Tischtennis erfreuen, so dass die Besonderheit des Sport verloren ging. Somit erlebte das englische Bürgertum Tischtennis nur als reines Modespiel. Zudem ergaben sich immer mehr Regel-, Material- und Technikveränderungen, mit denen der Anfängerspieler nichts mehr anfangen konnte. Der Markt war übersättigt und die bestehenden Tischtennisclubs konnten sich nicht auf einen einzigen Verband einigen, so dass sich zunächst zwei parallel zueinander bestehende Verbände T.T.A. und P.P.A. entwickelten. Der eine Verband die T.T.A., war komplett unabhängig. Die P.P.A. hingegen wurde durch ein Tischtenniskartell unterstützt. Als sich beide Verbände schließlich einigen konnten, war die Tischtennis-Erfolgswelle in England vorbei.

2.2 Der Zweite Tischtennis-Boom 1922-1945

Auch die zweite große Welle des Tischtennissportes begann wieder in England. Trotz aller Widerstände im Britischen Reich (Tischtennis wurde an manchen öffentlichen Orten verboten, so z.B. im englischen Unterhaus[13] ), begann eine zweite Blüte des Tischtennis. 1922 wurde die P.P.A. (Ping Pong Assoziation) wiedergegründet. Da allerdings die Industrie immer noch die Rechte an diesem Namen hatte, wurde die P.P.A. kurzum als Englisch Table Tennis Assoziation (E.T.T.A.) weitergeführt. 1923 veranstaltete der damals 17 Jahre alte Ivor Montagu, welcher auch zu den Gründungsmitgliedern der E.T.T.A. gehörte, in der Zusammenarbeit mit dem Daily Mirror ein großes Turnier. In diesem spielte ein Mammutfeld mit knapp 40000 Teilnehmern in 40 verschiedenen Hallen.

Auch in Deutschland kam es in den 30er Jahren zu einer erneuten Tischtenniswelle, die wiederum durch die sich in der Winterpause befindlichen Tennisspieler in Schwung kam. So war es nicht verwunderlich, dass auch in Deutschland, am 10. Dezember 1924, das erste Allgemeine Tischtennisturnier als Meisterschaft von Berlin stattfand.[14] Das Turnier selber gewann der in England studierende Inder P.N. Nanda.

„Bei diesen Meisterschaften wurde nach folgenden sieben Ursprungsregeln gespielt.

1. Der Tisch ist 2,70 m lang und 1,40 m breit, wobei die Höhe der Tischoberfläche zwischen 75 cm und 85 cm variieren kann (als Pforzheimer Muster bekannt). Der Tisch darf keine weiße Umrandung aufweisen
2. Schläger mit Fell- oder Pergamentbespannung (Hohlschläger) sind unzulässig
3. Der Schlägerdurchmesser darf die Netzhöhe von 17,5 cm nicht überschreiten
4. Die Zählweise entspricht der der Tennisregeln
5. Der Aufschlag muss von einer beliebig zu wählenden Stelle hinter der Tischkante erfolgen
6. Die zuvor üblichen Flugbälle (gemeint ist Volley-Spiel) sind verboten
7. Die freie, nicht schlagende Hand darf den Tisch während des Ballwechsels jederzeit berühren.

Desweiteren wurde festgelegt, dass nur Einzelspiele ausgetragen werden durften – auch gemischte, das hieß Frauen konnten gegen Männer antreten.“[15]

Genau in diesem Turnier wurde der Ruf nach einheitlichen Regeln und einem eigenen Verband so groß, dass am 21. Februar 1925 Vertreter aus 21 Tennisvereinen zur Beratung einer Beschlussfassung über Gründung und Wahl eines Deutschen Tischtennis Verbandes zusammenkamen. Am 8. November 1925 wurde dann offiziell der Deutsche Tischtennis Bund mit allen Gremien und einheitlichen Regeln gegründet.

„Noch Ende des Jahres 1925 nahm der damalige Präsident des DTTB Dr. Georg Lehmann mit verschiedenen Tischtennis-Vereinigungen des Auslandes Verbindung auf […], so dass am 15. Januar 1926 der Internationale Tischtennis Verband (ITTF) zusammen mit Österreich, England, Ungarn und Wales in Berlin gegründet wurde.“[16] Offiziell ist die Gründung der ITTF allerdings auf den 12. Dezember 1926 datiert. Weil genau davor die ersten Weltmeisterschaften stattfanden und so alle Vertreter der Mitgliedsländer anwesend waren. Sie wählten dort alle Gremien und verabschiedeten einheitliche Regeln. Hier wurde dann auch die alte Tenniszählweise endgültig abgeschafft. Der erste Präsident der ITTF war Ivor Montagu, der zuvor schon in England dem Tischtennissport zu neuem Schwung verhalf. Er verwaltete dieses Amt bis 1967.

Das Spiel selber entwickelte sich von dieser Zeit allerdings negativ, da es von einem Abwehr- bzw. Sicherheitsspielsystem ausging. Dies bedeutete, dass es das Ziel war den Ball sicher im Spiel zu halten und ihn ohne Risiko zu schlagen. Den Höhepunkt dieses Spielsystems erreichten die beiden Spieler Alex Ehrlich und Farkas Lupu Paneth bei der Weltmeisterschaft 1936 in Prag, als sie für ihren ersten Ballwechsel zwei Stunden und zwölf Minuten benötigten. Das Mannschaftsspiel zwischen Österreich und Rumänien dauerte insgesamt ca. zwölf Stunden.

Diese Spiele führten dazu, dass nach dieser WM das Zeitspiel eingeführt wurde, welches besagte, dass beide Spieler zu disqualifizieren sind, wenn das Match nach einer Stunde (bei zwei Gewinnsätzen) bzw. 105 Minuten (bei drei Gewinnsätzen) nicht entschieden war.[17] Eine weitere Regel, die nach der WM 1936 eingeführt wurde, war das Herabsetzen der Netzhöhe auf 15,25 cm, also auf die bis heute gültige Höhe.

Das Material der Schläger entwickelte sich in dieser Zeit nicht weiter. So steht im Lehrbuch des Gaufachwartes Liebig:

„Für den Schläger bestehen keine Vorschriften. Er kann in Beschaffenheit, Größe und Form in allen möglichen Variationen gebraucht werden […].Der Tischtennis als Sport betreibende Spieler sollte […] sich einen guten, nicht zu leichten beidseitig mit gezahnten Gummibelag versehenen Schläger beschaffen.“[18] Es war die Zeit des Noppengummis angebrochen, welches die einfachen Holz- oder Pergamentschläger ablöste.

Für den Deutschen Tischtennis Bund ist die Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 als eher schwierig einzuordnen, da der Verband zunächst aufgelöst und die Sportart Tischtennis der Einfachheit halber in die Sparte des Deutschen Tennis- und Hockey- Verbandes eingegliedert wurde[19], und so die vorherigen Strukturen komplett zerbrachen. Die meisten Funktionäre flüchteten ins Ausland, da sie entweder aus Gesinnungsgründen oder wegen ihrer Herkunft von den Nationalsozialisten nicht geduldet wurden. Dennoch gelang es, trotz des Krieges, so lange wie keiner anderen Sportart, Turniere und die Nationalen Deutschen Meisterschaften auszutragen. Für die letzteren bekamen Soldaten sogar Fronturlaub zugesprochen. Doch „die totale Mobilmachung,[…] sorgte dafür, dass der Sport in dieser Zeit seinen Sinn“[20] verlor.

2.3 Die Entwicklung bis heute 1946-2007

Das Kriegsende und der Zusammenbruch des Dritten Reiches läuteten auch für den Tischtennissport eine neue Ära ein. Mit viel Idealismus wurde der Sport mit wenigen Mitteln weiterhin fortgesetzt. Besonders ehemalige Soldaten vergnügten sich in den Lazaretten mit Tischtennis. International beherrschten seit der ersten Weltmeisterschaft 1947 und nach dem zweiten Weltkrieg die Europäer bzw. die klassischen Shakehand-Spieler mit ihrem defensiven Noppengummi das Welttischtennis.

In Europa begann 1951 bei einer offiziellen Meisterschaft das Zeitalter des offensiven Spiels. „Der bis dahin unbekannte Österreicher Waldemar Fritsch“[21] war der erste Spieler, der anstatt des Noppengummis einen reinen Schwammbelag mit drei Millimeter Dicke spielte. Dies war ihm gestattet, da die ITTF zu dieser Zeit nur vorschrieb, dass der Schläger aus Holz sein müsste, und es keine Vorschriften zum Belagmaterial gab. Mit diesem Belag gelang es ihm kein Einzel bei den Mannschaftsweltmeisterschaften zu verlieren, außerdem verlor er erst im Viertelfinale der Individual-Wettbewerbe gegen den damaligen und zunächst vorletzten europäischen Weltmeister Sido. Fritschs neuartiger Belag erlaubte es ihm die Geschwindigkeit und die Rotation seiner Schläge zu erhöhen und somit insgesamt in seinem Spielsystem offensiver zu agieren.

Europas Tischtennisdominanz endete jedoch, was das Herrentischtennis betraf, 1952 in Bombay. Japan, erstmalig bei einer Tischtennis-Weltmeisterschaft vertreten, holte vier von sieben Titeln, vor allem, weil sie eine Abwandlung von Fritsch`s Schwammbelag, den Schaumgummibelag spielten. Mit diesem gewann Satoh die Weltmeisterschaften 1952 in Bombay. Viele Beobachter führten den Titelgewinn auf diesen neuartigen Schlägerbelag zurück. Doch gewann die Asiaten die Turniere auf internationaler Ebene auch mit Noppengummi-Schlägern, wie sich in den darauf folgenden Jahren zeigen sollte.

In den Jahren 1952 - 1959 führten alle Tischtennisinteressierten eine kontroverse Diskussion, ob der Schaumgummischläger weiterhin zugelassen oder verboten werden sollte. „1959 beschloss die ITTF, nur noch folgende Schlägerbeläge zuzulassen:

[...]


[1] Geske/Mueller (2007), S. 71

[2] vgl. Fürste (2007), S. 3

[3] Hudetz (2003), S. 79

[4] Friedrich (1989), S. 7

[5] Harst/Giesecke/Schlaf (1977), S. 11

[6] Friedrich (1989), S. 10

[7] Friederich (1989), S. 15

[8] vgl. Friederich (1989), S. 19

[9] vgl. Schmicker (2000), S.16

[10] Friederich (1989), S. 23

[11] vgl. Friedrichs (1989), S. 29

[12] vgl. Friedrichs (1989), S. 31

[13] vgl. Schmicker (2000), S. 24

[14] vgl. Deutscher Tischtennis Bund (2001), S. 36

[15] Hamann (2002), S. 22

[16] Brucker (1957), S. 10

[17] vgl. Schmicker (2000), S.31

[18] Liebig (1938), S. 11

[19] vgl. Deutscher Tischtennis Bund (2001), S. 38

[20] Deutscher Tischtennis Bund (2001), S. 17

[21] vgl. Uzorinac, Z. (1999), S.10

Details

Seiten
72
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656560500
ISBN (Paperback)
9783656560609
DOI
10.3239/9783656560500
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – Sport Spiele
Erscheinungsdatum
2013 (Dezember)
Note
1,7
Schlagworte
analyse entwicklung aufschlags leistungstischtennis

Autor

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Titel: Analyse der Entwicklung des Aufschlags im Leistungstischtennis