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Regenbogenfamilien. Geschlechterrollen als Vorbild zur Entwicklung der sexuellen Identität

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Regenbogenfamilien
2.1 Was sind Regenbogenfamilien?
2.2 Wege des gemeinsamen „Kinderkriegens“ für homosexuelle Paare

3. Brauchen Kinder zur Entwicklung der sexuellen Identität beide Geschlechterrollen als Vorbild?
3.1 Diskussionen in Politik, der Gesellschaft und den Medien
3.1.1 Kinder brauchen Mutter und Vater
3.1.2 Keine Nachteile für Regenbogenkinder
3.2 Wissenschaftliche Studien
3.2.1 Geschlechtsidentität und Geschlechtsrollenverhalten
3.2.2 Sexuelle Orientierung des Kindes

4. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

Das klassische Verständnis von „Familie“, bestehend aus Vater, Mutter und Kind, hat sich in den letzten Jahren enorm erweitert. Eine große Vielfalt an Lebens-, Liebes- und Beziehungsformen ist entstanden. Es gibt Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Pflegefamilien, Stieffamilien oder Kinder, die bei Verwandten leben. Durch die Möglichkeit der eingetragenen Lebenspartnerschaft zeigt sich in der Öffentlichkeit immer mehr eine weitere Familienform: Die Regenbogenfamilie. Hier leben Kinder bei einem gleichgeschlechtlichen Paar oder einem einzelnen homosexuellen Elternteil. Wenngleich es homosexuelle Väter und Mütter schon immer gab, werden sie besonders seit der staatlichen Anerkennung vermehrt ins öffentliche Licht gerückt. Viele dieser Familien haben noch mit starken Vorurteilen und Unverständnis in der Gesellschaft zu kämpfen und sind weiterhin von rechtlichen Nachteilen betroffen.

Während Regenbogenfamilien in den USA bereits schon seit den späten 70ern erforscht werden, gibt es in Deutschland nur wenige und kaum aussagekräftige wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Minderheitengruppe. Die Diskussionen um sie hingegen sind groß. So heißt es beispielsweise, dass eine Adoption in eine Regenbogenfamilie gegen das Kindeswohl gehe, da Kinder in solchen nicht den optimalen Bedingungen zum Aufwachsen ausgesetzt seien. Sie bräuchten beide Geschlechterrollen, also Mutter und Vater, als Vorbild, um eine „normale“ Identität ausbilden zu können.

Dieser Frage, ob beide Geschlechter während der Entwicklung der Kinder vorhanden sein müssen, und ob Regenbogenkinder atypisches Geschlechterrollen-Verhalten zeigen, möchte ich in dieser Arbeit nachgehen.

Dazu soll als Einstieg kurz erläutert werden, wie Regenbogenfamilien definiert werden und welche Möglichkeiten es für homosexuelle Paare gibt, Kinder mit in die Beziehung aufzunehmen. Im Hauptteil sollen politische und gesellschaftliche Diskussionen, die das Für und Wider skizzieren, herangezogen sowie Studien aufgezeigt werden, die sich mit der Frage der (sexuellen) Identitätsentwicklung bei Regenbogenkindern beschäftigen.

Ziel ist es, einen aktuellen Überblick zu geben, auf welchem Stand die Forschung diesbezüglich ist und ob es tatsächlich Unterschiede in der Entwicklung gegenüber anderen Kindern gibt.

2. Regenbogenfamilien

2.1 Was sind Regenbogenfamilien?

Regenbogenfamilien als eine Familienform wurden erstmals 1995 in einem staatlichen Familienbericht erwähnt[1]. 2009 wurde der Begriff in die 25. Auflage des Dudens übernommen. Er beschreibt „das Zusammenleben von Lesben und Schwulen, ob als Einzelperson oder in verschiedenen Konstellationen mit ihren Kindern[2]“. Ein alleinerziehender schwuler Vater oder eine alleinerziehende lesbische Mutter zählen somit ebenso zur Gruppe der Regenbogenfamilie wie ein lesbisches oder schwules Paar mit mindestens einem Kind.

Wie viele Regenbogenfamilien es tatsächlich in Deutschland gibt, kann nur geschätzt werden, da sich einerseits viele nicht öffentlich zu ihrer Sexualität und Familienführung bekennen und es andererseits schwierig ist, die genaue Anzahl statistisch zu erfassen, da die sexuelle Orientierung kein statistisches Erkennungsmerkmal darstellt und nicht alle gleichgeschlechtlichen Beziehungen gesetzlich registriert sind[3]. Werte liegen dabei zwischen 100.000 homosexuellen Elternteilen[4] und über eine Million[5]. Diese Zahlen bedeuten jedoch nicht zwangsweise, dass die homosexuellen Eltern auch mit ihren Kindern zusammenleben. Im Mikrozensus 2001 wird errechnet, dass in den etwa 47.000 gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften in Deutschland mindestens 8.300 Kinder aufwachsen[6].

In den meisten Fällen stammen die Kinder aus früheren heterosexuellen Beziehungen (44%) der nun homosexuell lebenden Männer und Frauen oder wurden in die aktuelle gleichgeschlechtliche Beziehung hineingeboren (48%)[7]. Eine kleine Zahl von Lesben und Schwulen entscheidet sich bewusst für ein Kind, sei es durch künstliche Befruchtung, das Aufnehmen eines Pflegekindes (6%) oder eine Adoption (1,9%)[8]. Welche Möglichkeiten es derzeit in Deutschland gibt, als homosexuelles Paar ein Kind zu bekommen, soll im nächsten Abschnitt behandelt werden.

2.2 Wege des gemeinsamen „Kinderkriegens“ für homosexuelle Paare

Homosexuelle Paare haben verschiedene Möglichkeiten, Kinder in ihre Beziehung aufzunehmen. Die (Dauer-)Pflegschaft ist eine davon. Sowohl verheiratete oder unverheiratete Paare, als auch Einzelpersonen kommen dabei in Betracht[9]. Seit Mitte der 80er steht auch Lesben und Schwulen dieses Recht zu[10]. Häufig können dabei jedoch Vorurteile der leiblichen Eltern, die die neue Familie bestimmen, eine Rolle spielen. Dies kann dazu führen, dass die Chancen für ein homosexuelles Paar, eine Pflegschaft zu übernehmen, geringer sind.

Seit 2005, nach Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsgesetzes, gibt es die Möglichkeit der Stiefkindadoption, was bedeutet, dass ein Mann oder eine Frau das Kind seines Lebenspartners, das beispielsweise aus einer vorangegangenen heterosexuellen Beziehung stammt, annehmen kann, wenn der andere leibliche Elternteil der Adoption zustimmt. So tragen beide Partner die volle elterliche Sorge[11]. Wird eine Stiefkindadoption nicht durchgeführt, spricht man von einer Co-Elternschaft, bei der es bisher jedoch keinerlei rechtliche Absicherung gibt[12].

Ein sehr geringer Teil homosexueller Menschen zieht eine Adoption innerhalb Deutschlands oder aus dem Ausland heran. Eine gemeinsame Adoption beider Partner ist jedoch derzeit in Deutschland und in vielen anderen Ländern nicht möglich. Hier muss, nachdem ein Teil die Adoption vorgenommen hat, der Weg über die Stiefkindadoption gegangen werden.

[...]


[1] Abgeordnetenhaus von Berlin, 12. Wahlperiode, Drucksache Nr. 12/5997 vom 15.09.1995, S. 13.

[2] Ferchau A. (2003): Familien unter dem Regenbogen. In: Familien- und Sozialverein des LSVD (Hrsg.): Dokumentation der bundesweiten Fachtagung des LSVD – „ Regenbogenfamilien – familiäre und gesellschaftliche Wirklichkeit“ am 11./12. Oktober 2003, Rathaus Schöneberg, Berlin. Köln, S.15.

[3] Vgl. Lähnemann, L. (1996): Lesben und Schwule mit Kindern. Kinder homosexueller Eltern. Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation Nr. 16. Berlin, S. 6.

[4] Vgl. Ferchau, A. (2003): Familien unter dem Regenbogen. In: Familien- und Sozialverein des LSVD (Hrsg.): Dokumentation der bundesweiten Fachtagung des LSVD – „ Regenbogenfamilien – familiäre und gesellschaftliche Wirklichkeit“ am 11./12. Oktober 2003, Rathaus Schöneberg, Berlin. Köln, S.15.

[5] Vgl. Lähnemann, L. (1996): Lesben und Schwule mit Kindern. Kinder homosexueller Eltern. Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation Nr. 16. Berlin, S. 6.

[6] Vgl. Breiholz H.; Duschek K.-J.; Nöthen M. (2002): Leben und Arbeiten in Deutschland – Ergebnisse des Mikrozensus 2001. Statistisches Bundesamt (Hrsg.).

[7] Vgl. Rupp, M. (2009): Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Köln: Bundesanzeiger-Verl (Jg. 61, Nr. 97a).

[8] Vgl. ders.

[9] Vgl. Streib, U. (Hrsg.) (1996): Das lesbisch-schwule Babybuch – Ein Rechtsratgeber zu Kinderwunsch und Elternschaft. Berlin.

[10] Vgl. Lähnemann, L. (2004): Stellungnahme im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages in der Sitzung am 18.10.2004 zu den Gesetzentwürfen der SPD und Bündnis 90/Grüne (Entwurf eines Gesetzes zur Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsgesetzes) sowie der FDP (Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung des Lebenspartnerschaftsgesetzes).Berlin.

[11] Vgl. Lebenspartnerschaftsgesetz der Bundesrepublik Deutschland: § 9 Abs. 7 LPartG

[12] Vgl. Lähnemann, L. (1997): Lesben und Schwule mit Kindern – Kinder homosexueller Eltern – Dokumente lesbisch-schwuler Emanzipation des Fachbereichs für gleichgeschlechtliche Lebensweisen Nr. 16 der Senatsverwaltung für Schule Jugend und Sport, Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Berlin, S.40-42.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656565796
ISBN (Buch)
9783656565734
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266425
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
regenbogenfamilien geschlechterrollen vorbild entwicklung identität

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