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Die (Un)Gerechtigkeit einer Frauenquote in der Privatwirtschaft

unter Anwendung von J. Rawls Theorie der Gerechtigkeit und J. Benthams Utilitarismus

Seminararbeit 2013 19 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die gesetzliche Frauenquote

3. Der Utilitarismus nach Jeremy Bentham
3.1 Theoretische Grundlagen
3.2 Benthams' Utilitarismus angewandt auf die Frauenquote

4. Die Theorie der Gerechtigkeit nach John Rawls
4.1 Theoretische Grundlagen
4.2 Rawls' Theorie der Gerechtigkeit angewandt auf die Frauenquote

5. Analyse und Vergleich

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Deutsche Frauen dürfen wählen, sich bilden, arbeiten und sie sind gesellschaftlich als auch politisch gleichgestellt - zumindest theoretisch. Vor allem in den Führungspositionen privatwirtschaftlicher Betriebe sind Frauen selten zu finden. Dass diesem Trend entgegenzuwirken ist, ist kaum bestreitbar. Dennoch ist die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote, als Maßnahme zur Gleichstellung höchst umstritten. Um einen Überblick über die Diskussion zu erhalten, werden im zweiten Kapitel der vorliegenden Arbeit, zunächst die Hauptargumente für und gegen die Quotierung aufgeführt. Die mögliche Einführung einer Frauenquote kann aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Sowohl rechtliche, als auch wirtschaftliche, politische oder moralphilosophische Diskussionen sind denkbar. In der folgenden Arbeit liegt der Fokus auf den moralphilosophischen Aspekten der Thematik. Insbesondere die Frage nach Gerechtigkeit ist Gegenstand der Arbeit und soll anhand zweier einflussreicher Theorien analysiert werden. Immer wieder werden in Diskussionen über die Einführung einer Frauenquote, die Ideen großer Philosophen zitiert. Es wird mit deren Theorien argumentiert, da sie seit vielen Jahrzehnten Gültigkeit besitzen und sich bis heute bewährt haben. Daher ist es interessant, klassische Theorien auf aktuelle Debatten über Gerechtigkeitsfragen, wie die der Frauenquote, anzuwenden. Der klassische Utilitarismus nach Jeremy Bentham befasst sich unter anderem mit der Frage nach Gerechtigkeit. Bentham versucht mit wissenschaftlichen Mitteln, ohne Berufung auf religiöse Autoritäten oder Altbewährtes, allgemeinverbindliche Normen zu schaffen. Im dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit werden relevante Inhalte des klassischen Utilitarismus erläutert und auf die Thematik der Frauenquote angewandt. John Rawls gilt als Kritiker des Utilitarismus, dem er anfangs selbst angehörte. Rawls entwickelt eine Theorie der Gerechtigkeit, die einen Gegenpol zum Utilitarismus bilden sollte (vgl. Engin-Deniz 1991: 9). Im vierten Kapitel wird Rawls' Theorie der Gerechtigkeit vorgestellt und auf die Frauenquote angewandt. Im fünften Kapitel werden die Theorien und die Ergebnisse ihrer Anwendung auf die Frauenquote schließlich miteinander verglichen und analysiert. Zuletzt wird ein Fazit gezogen um das Herausgefundene zu ordnen und die Arbeit abzuschließen.

2. Die gesetzliche Frauenquote

Bei der Frauenquote handelt es sich um eine gesetzliche Quotenregelung für die Besetzung von Stellen (vgl. Arbeitsagentur 2012: o.S.). Ziel und Zweck ist hierbei die gesellschaftliche und wirtschaftliche Gleichstellung von Mann und Frau (ebd.). Die Einführung einer Quotierung wird bereits seit mehreren Jahrzehnten diskutiert. In der vorliegenden Arbeit wird das Thema hinsichtlich der moralphilosophischen Frage nach Gerechtigkeit untersucht. Unstrittig ist, dass Frauen in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert sind. Es handelt sich um ein zentrales gleichstellungspolitisches Problem, das es zu beheben gilt. Ob jedoch eine gesetzliche Frauenquote eine zufriedenstellende Lösung darstellt ist umstritten.

Zwei Arten von Frauenquoten werden unterschieden, die Absolute und die Relative (ebd.). Bei einer absoluten Frauenquote werden solange Frauen bevorzugt, auch diejenigen mit geringerer Qualifikation, bis die gesetzlich vorgegebene Quote erreicht ist (ebd.). Die relative Quotenregelung sieht vor, dass lediglich bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen bevorzugt werden bis der gesetzliche Frauenanteil erreicht ist (ebd.). Die relative Regelung ist weitaus weniger Konfliktbehaftet, geht jedoch den meisten Befürwortern der Frauenquote nicht weit genug. Gegenstand dieser Arbeit ist deshalb die absolute Frauenquote, die fortan vereinfacht als Frauenquote bezeichnet wird.

Befürworter der Frauenquote argumentieren häufig mit dem Gleichheitsgrundsatz[1] der im deutschen Grundgesetz verankert ist und den gesetzlichen Ausgleich von geschlechterbedingten Nachteilen vorsieht (vgl. Grundgesetzbuch Artikel 13). Die Frauenquote gilt als eine mögliche politische Maßnahme zur Beseitigung der Benachteiligung von Frauen (vgl. Boshammer/Kayß 1999: 6). Hinsichtlich der geschichtlichen Geschlechterdiskriminierung betrachten Einige die Frauenquote als „Kompensation für vergangenes Unrecht“ (Gräfrath 1992: 23). Ziel der Quotierung wäre hierbei der Ausgleich einer vorangegangen Chancenungleichheit. Meist sind die Argumente für die Frauenquote jedoch zukunftsorientierter (vgl. Gräfrath 1992: 46; Rössler 1999: 39). Die Frauenquote dient als Instrument sozialen Wandels, indem die Gleichstellung der Frau in allen sozialen Bereichen durchgesetzt wird (vgl. Gräfrath 1992: 46; Rössler 1999: 41). Das Ziel ist Chancengleichheit, die voraussetzt „[...] dass alle wichtigen sozialen Gruppen die Möglichkeit haben, in allen gesellschaftlichen Positionen in gleicher Weise vertreten zu sein“ (Rössler 1999: 39). Zur Herstellung der Chancengleichheit sind, so die Befürworter, Quotierungen erforderlich (ebd.).

Gegner der Frauenquote sprechen hingegen von einer umgekehrten Diskriminierung, da „[...] in sehr vielen Berufen und Ämtern der Anteil der Frauen erhöht werden muß und aus diesem Grund viele männliche Bewerber allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht nicht berücksichtigt werden [...]“ (Gräfrath 1992: 20). Weiter führen die Gegner der Frauenquote an, dass gemäß der Leistungsgerechtigkeit nicht das Geschlecht, sondern alleine Leistung, Persönlichkeit und Fleiß zum Erfolg führen sollten (vgl. Gräfrath 1992: 50).

Sowohl die Befürworter als auch die Gegner der Frauenquote argumentieren mit Gerechtigkeitsvorstellungen. Auf der einen Seite fordern die Befürworter der Quotierung Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit. Auf der anderen Seite beharren die Gegner der Frauenquote auf Leistungsgerechtigkeit. Insbesondere die Philosophie beschäftigt sich eingehend mit der Frage nach Gerechtigkeit. Deshalb werden im Folgenden zwei Gerechtigkeitstheorien auf das Thema Frauenquote angewandt.

3. Der Utilitarismus nach Jeremy Bentham

Das Ausgangsproblem an dem der Utilitarismus ansetzt stellt die Situation dar, in der sich der Mensch zwischen mehreren Handlungsmöglichkeiten entscheiden muss, ohne zu wissen nach welchen moralischen Prinzipien er wählen soll (vgl. Kramer- McInnis 2008: 60). Jede Gesellschaft benötigt deshalb Handlungsnormen. Mit der utilitaristischen Ethik versucht Bentham allgemeinverbindliche Normen anhand wissenschaftlicher Mitteln zu begründen (ebd.).

3.1 Theoretische Grundlagen

Bentham orientiert sich an der Wissenschaft des Glücks, deren oberstes Ziel das menschliche Wohlbefinden darstellt (vgl. Kramer-McInnis 2008: lix). Das Menschenbild Benthams ist hierbei das des Nutzenmaximierers, nach dem der Mensch instinktiv diejenige Handlungsoption wählt, die ihm den größten individuellen Nutzen verspricht (vgl. Kramer-McInnis 2008: 65). Es gibt laut Bentham keine Handlung die nicht durch das eigene Interesse motiviert ist (vgl. Kramer-McInnis 2008: 64). Dadurch ist Vernunft höchst subjektiv und es bedarf einer allgemeinverbindlichen Maxime nach wissenschaftlicher Objektivität (ebd.). Das Prinzip der Nützlichkeit stellt diese moralische Maxime dar und bildet die Grundlage des klassischen Utilitarismus (vgl. Bentham 1970: 11). Es handelt sich um ein Prinzip, das vorsieht Vorteile zu vermehren und Nachteile zu vermindern, wodurch das Glück der Menschen maximal begünstigt wird (ebd.). Bentham betont, dass es hierbei um das Interesse der Gemeinschaft geht, welches sich aus den Individualinteressen zusammensetzt (vgl. Bentham 1970: 12). In diesem Punkt scheidet sich das menschliche Wollen (das eigene Glück) vom normativen Sollen (die Summe des individuellen Glücks in der Gemeinschaft) (vgl. Kramer-McInnis 2008: 78). Alle menschlichen Interessen sind gleichwertig, sie werden jedoch dem Interesse der Gesamtgesellschaft untergeordnet (vgl. Kramer-McInnis 2008: 80). Das oberste Normbegründungskriterium Benthams lautet: „Das grösste Glück der grössten Zahl“ (Kramer-McInnis 2008: 79). Da es unmöglich ist, das Glück aller in vollem Umfang zu erreichen, muss sich eine vernünftige gesellschaftliche Ordnung damit begnügen, die Interessen einer möglichst großen Zahl zu erfüllen, auch wenn Minderheiten dadurch einen Nachteil erlangen (vgl. Kramer-McInnis 2008: 80). Der Nutzen jedes Lebewesens und jeder Sache bemisst sich daher, laut Bentham alleine an seinem Nutzen für die Allgemeinheit (ebd.). Um Handlungsregeln rational überprüfbar zu machen, hat Bentham das hedonistische Kalkül entwickelt (vgl. Höffe 2008: 19). Es soll hierbei der individuelle Gratifikationswert einer Handlung errechnet werden (ebd.). Relevanten Faktoren von Lust und Schmerz sind laut Bentham, die erwartete Intensität der Empfindung, die erwartete Dauer der Empfindung, die Gewissheit oder Ungewissheit der Empfindung, die zeitliche Nähe oder Ferne der Empfindung, die Folgenträchtigkeit der Empfindung, die Reinheit der Empfindung und die Zahl der Betroffenen (vgl. Bentham 1970: 38). Die Summe dieser Kriterien für alle Betroffenen ergibt den gesellschaftlichen Gemeinnutzen.

[...]


[1] „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin" (Grundgesetzbuch Artikel 3)

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656565222
ISBN (Buch)
9783656565185
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266426
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Utilitarismus Bentham Rawls Theorie der Gerechtigkeit Philosophie Politische Theorie Frauenquote Gerechtigkeit

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