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Die Belagerung von Rhodos durch die Osmanen 1522.

Eine militärhistorische Untersuchung mit einem Vorschlag für einen projektorientierten Unterrichtsentwurf.

Diplomarbeit 2008 138 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Überblick über die Geschichte des Osmanischen Reiches und die Geschichte des Johanniterordens bis 1522
1. Osmanische Geschichte bis 1522
1.1. Literaturüberblick
1.2. Aufstieg zur Großmacht
1.3. Von Konstantinopel nach Rhodos
2. Geschichte des Johanniterordens bis 1522
2.1. Literaturüberblick
2.2. Gründung des Ordens, Verlust von Akkon, Rückzug nach Zypern
2.3. Eroberung und Ausbau von Rhodos

II. Die Belagerung von Rhodos 1522
1. Die militärische Ausgangslage
1.1. Truppenverbände der Osmanen zu Beginn des 16. Jahrhunderts
a) Die Provinztruppen
b) Die Palast- oder pfortenunmittelbare Truppen.
c) Marine
1.2. Truppen der Johanniter zu Beginn des 16. Jahrhunderts
a) Organisation
b) Bewaffnung und Ausrüstung der Landtruppen.
c) Die Marine der Johanniter
1.3. Die Festung Rhodos
2. Die Belagerung der Stadt Rhodos
2.1. Zu den Quellen
2.2. Zusammenfassende Darstellung der Belagerung von Rhodos 1522 unter Einbeziehung der beschriebenen Quellen sowie der Sekundärliteratur
Gründe für die Belagerung
Der Beginn der Belagerung
Das Verteidigungskonzept der Johanniter
Die Artillerie und die Truppen der Belagerer
Der Fortgang der Belagerung bis November
Verhandlungen, Waffenstillstand, Kapitulation
Spione und Verräter
Zusammenfassende Überlegungen
3. Ausblick: Johanniter und Osmanen bis zur Belagerung von Malta 1565

III. Eine kritische Analyse von Quellen über die Belagerung von Rhodos 1522 im Rahmen eines Unterrichtsentwurfs für eine 6. Klasse AHS
1. Grundsätzliches zur Arbeit mit Textquellen im Unterricht
2. Vorschlag für einen projektorientierten Unterricht über die Belagerung von Rhodos 1522: kritische Analyse ausgewählter Quellen über die Belagerung
2.1. Begriffsdefinition: Projektunterricht oder projektorientierter Unterricht?
2.2. Ziele des projektorientierten Unterrichts
2.3. Ablauf des projektorientierten Unterrichts
2.4. Materialien, Quellen und Literatur

Schlussbetrachtungen

Bibliographie:
Primärquellen:
Sekundärliteratur zum historischen Teil:
Internetquellen:
Weiterführende Quellen und Literatur:

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Belagerung von Rhodos durch die Osmanen im Jahr 1522 aus einer vornehmlich militärhistorischen Perspektive. Mit Hilfe der drei Schritte der hermeneutischen Methode – Heuristik, Kritik, Interpretation - soll gezeigt werden, wie es zur Belagerung kam, welche Ausgangssituation sich den beiden Kontrahenten stellte und wie der (möglichst genaue) Ablauf der Belagerung an sich war.

Im ersten Teil der Arbeit steht die politische Geschichte der beiden Akteure – Johanniter auf der einen, Osmanen auf der anderen Seite – im Vordergrund; dies soll dazu beitragen, den Konflikt um 1522 nicht isoliert, sondern im historischen, geographischen und nicht zuletzt politischen Zusammenhang zu betrachten. Keinesfalls soll aber der Eindruck erweckt werden, der Krieg von 1522 und damit die Belagerung und Eroberung von Rhodos sei eine logische oder unausweichliche Konsequenz der vorhergehenden, politischen Ereignisse gewesen. Für beide Parteien hätten sich andere Lösungsmöglichkeiten des Konfliktes ergeben, doch waren für die Osmanen als – vordergründiger – Aggressor, die Gründe ausreichend, eine Belagerung zu riskieren. Gleichzeitig jedoch schien für die Johanniter der Krieg ebenso unausweichlich zu sein wie der Wille ihrer politischen bzw. militärischen Führung, diesen Krieg zu gewinnen und die Belagerung auszustehen. Erst als ein Erfolg für die Verteidiger immer unwahrscheinlicher wurde, entschloss sich der Großmeister, Verhandlungen mit dem Sultan aufzunehmen.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der militärhistorischen Dimension der Kämpfe um Rhodos ist vor allem dadurch zu erklären, dass nach Meinung des Verfassers eine möglichst detaillierte und nachvollziehbare – letztlich wissenschaftliche - Schilderung der Ereignisse bisher in der einschlägigen Sekundärliteratur nicht zu finden ist. Die bereits vorliegenden Abhandlungen zur Belagerung weisen leider allesamt wissenschaftliche Defizite auf und sind darüberhinaus ideologisch fragwürdig, wenn nicht tendenziös.

Um sich mit den Konsequenzen der Belagerung sowie deren Wirkungsgeschichte auseinandersetzen zu können, müssen die Erkenntnisse um die Kämpfe selbst gesichert sein. Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zu dieser Erkenntnissicherung.

Ein Ausblick auf die Ereignisse nach der Belagerung von Rhodos bis zur erneuten Konfrontation auf Malta 1565 soll den zuvor erwähnten, rahmenden historischen Kontext abrunden. Interessant ist dieser Ausblick auch deswegen, weil zumindest auf osmanischer Seite die Belagerung von 1522 personelle und strategische Konsequenzen hatte, welche 1565 dann deutlich wurden.

Die militärhistorische Perspektive auf das Thema schlägt sich auch darin nieder, dass der Betrachtung der Truppen bzw. der militärischen Organisation der beiden Armeen relativ viel Raum gegeben wurde. Dies soll auch im Hinblick auf eine fundierte und kritische Auseinandersetzung mit den verwendeten Quellen zur Belagerung und nicht zuletzt eine ebenso kritische Beschäftigung mit der einschlägigen Sekundärliteratur ermöglichen. Die Darstellung der Schlacht selbst erfolgt dann ebenfalls unter militärisch-operativen Gesichtspunkten, jedoch werden auch die diplomatischen Bemühungen beider Seiten gegen Ende der Belagerung genauer beleuchtet.

Im didaktischen Teil der Arbeit wird auf Grundlage eines projektorientierten Unterrichts eine Unterrichtseinheit zur kritischen Analyse von ausgewählten Quellen zur Belagerung vorgestellt. Der didaktische Fokus liegt hierbei auf der möglichst eigenständigen Arbeit mit Textquellen, welche die Schülerinnen und Schüler mit offenen Unterrichtsformen vertraut machen sowie letztlich auch für einen wissenschaftlichen und damit kritischen Umgang mit Quellen und Literatur sensibilisieren soll.

Überblick über die Geschichte des Osmanischen Reiches und die Geschichte des Johanniterordens bis 1522

1. Osmanische Geschichte bis 1522

1.1 Literaturüberblick

Im deutschsprachigen Raum beschäftigt sich die Geschichtswissenschaft schon beinahe seit ihrer Entstehung mit der Geschichte des Osmanischen Reiches. Als älteste, umfassende Arbeit ist in diesem Zusammenhang die „Geschichte des Osmanischen Reiches“ Josephs von Hammer-Purgstall[1] zu nennen, welche, 1963 neu aufgelegt, zwar in Einzelheiten überholt, aber in ihrer Gesamtheit immer noch ein Standardwerk darstellt. Die Beschäftigung mit seinem Werk ist schon allein deshalb notwendig, weil er auch in der weiteren Sekundärliteratur immer wieder als Autorität herangezogen wird, was leider nicht immer kritisch geschieht. Hammer versucht in seinem Werk durch die Miteinbeziehung und starke Fokussierung auf die osmanische Annalistik bzw. Chronistik die nichteuropäischen Reichsteile ebenso stark wie die rumelischen Teile des osmanischen Reiches zu behandeln. „Dort wo der Verf. bislang unveröffentlichte Quellen heranzieht, behält diese erste, klassische ‚GOR’ ihren Wert, ohne daß in die philologische Akribie Hammers unbedingtes Vertrauen gesetzt werden darf.“[2]

Doch auch an modernen Gesamtdarstellungen mangelt es nicht. Zu nennen sind jene von Klaus Kreiser[3] aus der Oldenbourg-Reihe „Grundrisse der Geschichte“, wo in gewohnter Manier nicht nur ein knapper Überblick über das Thema, sondern auch eine sehr gute Diskussion des Forschungsstandes samt ausgedehntem Appendix geliefert wird. Genauere Darstellungen wären die hier verwendeten Monographien von Ferenc Majoros/ Bernd Rill[4] und Joseph Matuz[5]. Zwar neigen beide eher zu Verallgemeinerungen und tendieren zur Geschichte der „großen Männer“, zudem merkt man beiden Autoren ihre abendländische Sicht der Dinge an; dennoch ist die Faktengeschichte richtig dargestellt und beide Werke bieten eine gute Einführung in die osmanische Geschichte. In diesem Zusammenhang ist besonders der umfangreiche Apparat bei Matuz mit Literaturhinweisen, Zeittafeln, Karten, Übersichten, Glossar und Index hervorzuheben.

Bertrand Buchmann bietet mit seinem hier verwendeten Werk[6] eine Parallelgeschichte Österreichs und des Osmanischen Reiches, was viele Entwicklungen in beiden Staaten in neuem Licht erscheinen lässt und besonders als Einstieg in das Thema Osmanisches Reich hilfreich sein kann.

Zum Abschluss seien noch zwei bedeutende englische Werke erwähnt: Die Monographien von Colin Imber[7] sowie jene von Halil Inalcik[8], welche sich beide ausschließlich mit dem Osmanischen Reich bis ins 17. Jahrhundert beschäftigen und so viele Themengebiete genauer betrachten können, aber dennoch „glänzende Übersichtskapitel“[9] bieten.

Neben diesen hier genannten Gesamtdarstellungen existiert natürlich noch eine Fülle von Spezialliteratur zu den einzelnen Themen der osmanischen Geschichte. Im Sinne einer möglichst umfassenden, aber dennoch nicht zu langen Darstellung musste auf die Einarbeitung weiterer Titel verzichtet werden, auch, um den Charakter einer „einführenden Geschichte“, was dieses Kapitel ja darstellen soll, nicht zu Gunsten einer Literaturdiskussion zu verändern. Relevante Spezialliteratur ist somit den Fußnoten sowie den Literaturverweisen im Text zu entnehmen.

1.2 Aufstieg zur Großmacht

Die Dynastie der Osmanen führt sich selbst auf ihren Gründer Osman I. Gazi (ca. 1291 -1324[10]) zurück, welcher um die Wende zum 14. Jahrhundert einer von vielen turkstämmigen, anatolischen Kleinfürsten war. Er profitierte vom Zerfall des Seldschukenreiches nach dem Tod Alaeddin II., was dem Gebiet des osmanischen beyliks (= beğlik) einige Selbstständigkeit brachte.[11] Da sein kleines Reich an der Grenze zu Byzanz lag, durfte er zudem den Titel gazi, „Glaubenskrieger“, führen. Dies stellte zwar eine zusätzliche Legitimation innerhalb der islamischen Welt, aber kein Hindernis für Kriege gegen die muslimischen Nachbarn dar. Auch seinen christlichen Nachbarn gegenüber verhielt er sich eher pragmatisch.[12] Die Macht Osman I. war aber beschränkt. In mehreren kleineren militärischen Aktionen jedoch konnte er seinen Einflussbereich ausweiten, bis zu seinem Tod war Bythinien großteils in „osmanischer“ Hand.[13]

1326 schließlich gelang die Einnahme von Bursa, welches zur neuen Hauptstadt des beyliks erhoben wurde. Ab 1327 wurden Münzen auf Orhan, Osmans Sohn, in der Hauptstadt geprägt.[14] Auch Orhan konnte seinen Herrschaftsbereich immer weiter ausdehnen, unter ihm gelang sogar die Einnahme von Nikomedia (1337) sowie die Errichtung eines „Brückenkopfes“[15] der Osmanen in Europa. Durch die Heirat mit der Tochter Johannes VI. Kantakouzenos, Theodora, wurde Orhan kurzfristig ein Verbündeter des Basileus und konnte wesentlich vom byzantinischen Bürgerkrieg profitieren. Auch in Anatolien machte die osmanische Expansionspolitik Fortschritte:

„In the 1350s the Ottoman state was no more than one of many frontier principalities, but events after 1352 so firmly established its superiority over the others that, within thirty years, they have become Ottoman vassals.“[16]

Noch zu Lebzeiten Orhans war der größte Teil des östlichen Thrakiens unter osmanischer Herrschaft. Das Reich Orhans gehörte zur Zeit seines Todes zu den bedeutendsten Kleinfürstentümern in Anatolien.[17]

Schon zu diesem frühen Zeitpunkt war das Osmanische Reich ein „Völkergemisch“[18], für die weitere Entwicklung des Reiches war jedoch die türkisch-islamische Kulturtradition entscheidend. In staatspolitischer Hinsicht scheint jedoch auch das nahe Byzantinische Reich mit seinem gut funktionierenden Staatsapparat maßgeblichen Einfluss auf das Emirat Orhans gehabt zu haben.[19]

Nach dem Tod Orhans 1362 gerieten unter dessen Sohn Murad I. (1362-1389) auch „Byzanz sowie die serbischen und bulgarischen Territorialherren […] in tributpflichtige Abhängigkeit.“[20] In die Regierungszeit Murad I. fielen weitere Eroberungsfeldzüge, so etwa 1369 die Eroberung von Adrianopel/Edirne, das neue Hauptstadt wurde, und schließlich 1389 die Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Serben, in deren Verlauf Murad den Tod fand. Unter seiner Regentschaft gelangen schließlich die entscheidende Festigung der osmanischen Herrschaft in Südosteuropa und in Anatolien sowie der Übergang vom Emirat zum Sultanat.[21]

Murad I. ist es auch, der als „Gründer“ des Janitscharenkorps, der ersten stehenden Armee Europas, gilt.[22] Auch wenn die Herkunft und ein „Gründungsdatum“ dieser stehenden Truppe nicht klar eruierbar sind, so ist deren Schlagkraft in der Literatur unbestritten. Die aus christlichen Söhnen rekrutierten Soldaten (=„Knabenzins“, devşirme), nominell „Sklaven“ (kul) des Sultans,

„wurden zuerst bei anatolischen Bauern türkisch erzogen und zum Islam bekehrt, dann rückten sie in die Kasernen ein und wurden zu Soldaten gedrillt. […] Strenge Ausbildung, höchste Disziplin und strikter Gehorsam machten die Janitscharen zur Elitetruppe des osmanischen Heeres, die jedem abendländischen Ritterheer überlegen war.“[23]

Ihre Überlegenheit zeigte die osmanische Armee unter anderem in der Schlacht auf dem Amselfeld 1389[24], auch wenn Sultan Murad I. in der Schlacht den Tod fand. Murad I. gilt auch als Begründer des timar -Systems:

„Es wurde gesetzlich verankert, daß jeder bewährte Krieger Anspruch auf eine Kleinpfründe (timar) geltend machen konnte. Als Gegenleistung hatte er als belehnter Reitersoldat (spahi [oder sipahi]) zu dienen. […] Die Nichterfüllung der Kriegspflicht hatte für den Betreffenden den Verlust des Timars zur Folge.“[25]

Dieses feudal anmutende System fand vor allem im europäischen Teil des osmanischen Reiches seine Anwendung, da „die vormaligen christlichen Grundherren ihre Besitzungen bei der Eroberung durch die Osmanen in der Regel verließen.“[26] In Anatolien wurde wenig an den herrschenden Besitzverhältnissen geändert.

Murads Sohn, Sultan Bayezid I. (1389-1402), musste zunächst ein Wiedererstarken der anatolischen Kleinfürsten verhindern, welche von seinem Vater hauptsächlich durch Heiratspolitik mediatisiert worden waren.[27] Bald jedoch setzte er die Eroberungspolitik seiner Vorfahren fort, was ihm, auf Grund seiner schnellen, unerwarteten Militäraktionen, den Beinamen yılıdırım, „Blitz“, einbrachte. In Anatolien wie auch am Balkan wurden neue Gebiete erobert: in Kleinasien das Emirat Aydın, in Europa Bulgarien.[28] Einen entscheidenden Sieg konnte er auch bei 1396 Nikopolis erringen, wo er ein christliches Kreuzfahrerheer vernichtend schlug.[29]

In Anatolien jedoch stieß er auf einen Gegner, der letztlich ihn bezwingen sollte. „Der Mongolen-Herrscher Timur, der sich auf das Erbe der Dschingisiden berief, versuchte nach zwei Kampagnen in den Osten Anatoliens, die Osmanen nach Südosteuropa abzudrängen.“[30] Die entscheidende Feldschlacht bei Ankara 1402 zwischen Timur und Bayezid ging für den Osmanen verloren, er selbst geriet in Gefangenschaft und starb ein Jahr später.[31] Mit dem Tod Bayezid I. schlitterte das Osmanische Reich in eine tiefe Krise: Die anatolischen Kleinfürsten sahen ihre Chance gekommen und rebellierten, Bayezids Söhne kämpften derweil um die Herrscherwürde.[32] Der Bürgerkrieg dauerte bis 1413, als sich Mehmet schließlich gegenüber seinen Brüdern Süleyman und Musa durchsetzen und „die Wiederaufbauphase des daniederliegenden Reiches“[33] einleiten konnte. In Anatolien wie auf dem Balkan musste er die Unabhängigkeitsbestrebungen lokaler Kleinfürsten im Zaum halten und – gegebenenfalls – verlorene Gebiete zurückgewinnen. Der Drang der Kleinfürsten, sich immer wieder von den Osmanen loszusagen, kann auch als Versuch verstanden werden, den zunehmenden Zentralisierungsbestrebungen der Osmanischen Herrscherfamilie entgegenzutreten:

„The events of this period show that influential Anatolian families, who held the land as vakîf – pious foundation – or emlâk – freehold property – and the tribes which formed the fighting forces, opposed the centralized administration of the Ottomans. Against the Ottomans they supported the former dynasties who guaranteed their own privileges. The local dynasties in the Balkans were in a similar position. The population of the marches [...] supported pretenders to the sultanate and playing a vital part in the civil wars.”[34]

Die Regierungszeit Mehmet I. war denn auch vom Versuch der Restauration geprägt, was ihm aber auf Grund der zahlreichen, vor allem sozialen, Missstände letzten Endes nicht glückte. In den 1420ern setzte der sogenannte „Derwischaufstand“ in Anatolien ein.

„So wie die böhmischen Hussiten griffen auch die anatolischen Derwische und ihre Anhänger nicht nur aus religiös-dogmatischen Gründen zu den Waffen. In beiden Revolutionen artikulierte sich ein komplexes, vielfach in sich widersprüchliches Bündel religiöser, sozialer und nationaler Affekte.“[35]

Da auch Mehmet I. keine klare Nachfolgeregelung traf, war das Reich mit seinem Tod 1421 erneuten Wirren ausgesetzt. Schließlich konnte sich Murad 1422 durchsetzen und trat als Murad II. (1422-1444, 1446-1451) die Alleinherrschaft an.[36]

Es stellt sich natürlich die Frage, warum das christliche Abendland diese Zeit des Bürgerkriegs und der Restauration des Osmanischen Reiches nicht „zu einer generellen Abrechung mit den daniederliegenden Osmanen“[37] nutzte. „Die politische Situation in Europa – und die Lage der Kirche – begünstigten jedoch solche Initiativen nicht mehr, ganz im Gegenteil.“[38] Keiner bedeutenden Macht Europas war es zu diesem Zeitpunkt möglich, eine größere Offensivaktion am Balkan durchzuführen: Frankreich und England lagen im Hundertjährigen Krieg miteinander, König Sigismund versuchte, das Schisma der katholischen Kirche zu beenden und war zudem ständig in Geldnöten. Ab 1420 banden die Hussitenkriege dann die meisten militärischen Kräfte im Reich.

Dennoch war Murad II. während seiner Regierungszeit fast ausschließlich damit beschäftigt, das Reich zu sichern und alle Gebiets- und Einflussverluste, die nach 1402 entstanden waren, wieder auszugleichen.[39] In diese Zeit fällt auch eine weitere, erfolglose Belagerung Konstantinopels. Die Stadt wurde zwar nicht eingenommen, verpflichtete sich jedoch zu Tributzahlungen.[40] Thessaloniki wurde nach achtjähriger Belagerung von Venedig 1423 zurückerobert. Trotz des Bemühens Venedigs, in Ungarn einen Verbündeten gegen die Osmanen zu finden, verhielt sich dieses vorerst ruhig.[41] So war es Murad möglich, sich Anatolien zuzuwenden und, mit Genuesischer Hilfe[42], das Emirat Aydın zu erobern. Entgegen der früheren Politik der Osmanen, die lokalen Fürsten im Amt zu belassen, wurden die Emirate Aydın, Menteşe und Tekke dem Osmanenstaat direkt angeschlossen und die Herrscherfamilien ausgeschaltet.[43]

Trotz diverser Rückschläge gelang es den Osmanen unter Murad II. jedoch, etwa zwei Drittel des Territoriums, welches durch den Mongoleneinfall 1402 verloren gegangen war, zurückzuerobern. Der Balkan stand wieder einmal im Zentrum der osmanischen Aufmerksamkeit. Während es osmanischen Interregnums wuchs der Einfluss Ungarns in der Walachei und in Serbien, was ab 1430 zu einer aggressiveren Politik der Osmanen am Balkan führte.[44]

„They clearly understood that the territory south of the Danube would be secure only if it were under their direct control, and that they therefore had to counter Hungarian claims in Serbia and Venetian claims to the Morea [Peloponnes] and Albania.“[45]

Nach dem Tod Sigismunds im Jahr 1437 verstärkten die Osmanen ihr offensives Vorgehen und besetzten 1439 schließlich Serbien. Die Belagerung von Belgrad ein Jahr später scheiterte jedoch, die Stadt und somit der „Schlüssel zu Ungarn“ sollte erst 1521 eingenommen werden.[46] In den 1440er Jahren kam es dann zu einer Reihe von Feldzügen der Ungarn gegen die Osmanen, wovon besonders der sogennante „lange Feldzug“ des Jànos Hunyadi, des „Türkenbezwingers“, erwähnt werden muss.[47] Er „war der einzige Feldherr seiner Zeit, der es auch mit einem türkischen Hauptheer aufzunehmen vermochte.“[48] Schließlich wurde im Frühjahr 1444 ein Friede vereinbart.

Doch auch die Albaner bereiteten den Osmanen Schwierigkeiten. Geeint unter ihrem Heerführer Georg Kastriota alias Skanderbeg (oder Iskander Beg[49]) vermochten sie für einige Zeit ihre Unabhängigkeit zu behaupten. Und auch die Karamanen „nutzten diese für die Osmanen ungünstige Entwicklung an der europäischen Front, um sich der osmanischen Hegemonie in Kleinasien zu entledigen“[50], was ihnen letztlich aber nur eine erneute Niederlage gegen die Osmanen einbrachte.

Im Herbst 1444, nachdem Sultan Murad II. zugunsten seines erst zwölfjährigen Sohnes Mehmet zurückgetreten war[51], mobilisierte König Wladislaw auf Drängen des Papstes und des byzantinischen Kaisers erneut seine Armee und zog an der Spitze „eines Heeres, das Kontingente aus etlichen mittle- und osteuropäischen Staaten enthielt“[52] durch Bulgarien in Richtung Schwarzes Meer. Trotz einer Blockade der Dardanellen gelang es Murad, der seine Abdankung rückgängig gemacht hatte, nach Rumelien überzusetzen und das christliche Heer bei Varna entscheidend zu schlagen. König Wladislaw fand in dieser Schlacht den Tod. „The Ottoman Victory sealed the fate of the Balkans and the Byzantine Empire. Holding the Byzantine responsible for the crisis, the Ottomans laid plans for a final assault on Byzantinum.”[53]

Im Oktober 1448 kam es zu einem letzten Zusammenstoß Murad II. mit Hunyadi bei der Zweiten Schlacht auf dem Amselfeld. Wie schon 1389 unter Murad I. konnten auch diesmal die Osmanen die Schlacht für sich entscheiden. Spätestens mit diesem Sieg wurde die osmanische Hegemonie über Südosteuropa für die nächsten Jahrhunderte besiegelt.[54]

Mit dem Tod Murad II. war die Restauration des Reiches abgeschlossen, der Osmanenstaat zählte wieder zu den bedeutendsten Mächten in Europa wie im westlichen Asien. Darüberhinaus war das Reich auch wirtschaftlich erstarkt. „Trade increased and Ottoman cities such as Bursa and Edirne expanded considerably.“[55]

1.3 Von Konstantinopel nach Rhodos

„Mit Mehmet II. (1451-1481) erlangte ein Sultan die Herrschaft, der den Osmanenstaat aus dem Status einer regionalen Größe in den Rang einer Großmacht brachte.“[56] Denn bis 1450 war das Osmanische Reich zwar eine wichtige Lokalmacht, doch im Nahen Osten erschien das Sultanat der Mamluken wesentlich bedeutsamer – kontrollierte es immerhin die Heiligen Stätten des Islam – und auch am Balkan war Ungarn den Osmanen zumindest ebenbürtig.[57] Die Osmanen hatten keine nennenswerte Flotte, und obwohl sie zu Lande ihren Nachbarn militärisch wohl überlegen waren, erhob sie das alleine noch nicht in den Rang einer Großmacht.[58]

Das erste politische und militärische Ziel des neuen Sultans musste also die endgültige Einnahme Konstantinopels sein. Sie war nicht nur ein wichtiges außenpolitisches Signal in Richtung Europa oder in Richtung Osten, sondern war vor allem innenpolitisch bedeutsam. Zum einen gab es sicherlich eine entsprechende Erwartungshaltung in der osmanischen Öffentlichkeit – Konstantinopel als der „Goldene Apfel“, „die große, reiche Stadt der Christenheit in erreichbarer Nähe […]“[59], zum anderen kam es im Vorfeld der Belagerungsvorbereitungen zu einem Konflikt zwischen neuer und alter Elite des Osmanenreiches. Die Schicht der Grundbesitzer, meist Mitglieder der Dynastie Osman oder die „Nachkommenschaft der Militärführer der Landnahmezeit, den Resten der noch aus vorosmanischer Zeit stammenden türkischen Stammesaristrokatie Anatoliens“[60], war gegen eine Eroberung Konstantinopels. Sie fürchteten, dies könnte Europa zu einer Großaktion gegen das Osmanenreich aufbringen, was für sie letztlich den Verlust ihrer Besitzungen (zumindest in Rumelien) bedeutete. „’Behalten und nicht vermehren’ war daher die Devise dieser Landeigentümer.“[61]

Für einen Sturm auf Konstantinopel traten die Angehörigen der neuen Elite ein, jenen Würdenträgern, die aus der Knabenlese hervorgegangen waren. Sie hatten keinen Grund und Boden zu verlieren – ihre Pfründe erhielten sie nur auf Widerruf direkt vom Sultan – und waren entsprechend risikofreudiger. Im Sinne einer zunehmenden Zentralisierung seines Reiches und einer Absolutierung seiner Herrschaft stand der Sultan auf Seiten der neuen Elite:

„Je kleiner die Macht der Landeigentümer wurde, je mehr Grund und Boden als jederzeit widerrufbare Pfründen verteilt wurden, desto gefestigter war seine Position und desto größer seine persönliche Macht.“[62]

Für den Sturm auf die zwar alte, aber immer noch beeindruckende Festung Konstantinopel verließ sich Mehmet II. hauptsächlich auf seine Artillerie. „A total of 69 guns formed 15 batteries facing the city or firing across the Golden Horn.“[63] Der Geschützbauer Orban goss speziell für diesen Angriff eine Riesenkanone, welche angeblich 700 Mann zur Bedienung benötigte.[64] Um die potentielle Angriffsfront zu verlängern, ließ der Sultan über Nacht vom Bosporus über den Landweg Schiffe in den Hafen von Konstantinopel ziehe, da die Hafeneinfahrt durch eine Kette gesperrt war.[65] Den etwa 8000 Verteidigern[66] standen wohl an die 80.000 Angreifer gegenüber, davon einige tausend Janitscharen als Sturmtruppen.[67] In seiner „Chronik der Denkwürdigkeiten und Zeitläufe des Hauses ‚Osman’“ beschreibt Derwisch Ahmed den Fortgang der Belagerung:

„Man war seit langem schon dabei, die Rüstungen für die Eroberung der Stadt selbst zu treffen. Sowie alles bereit war, kam auch der Sommer, und Sultan Mehmed sagte: ‚Heuer verbringe ich den Sommer zu İstanbul!’

Sie rückten hin und legten sich vor die Mauern von İstanbul. Vom Lande her und mit Schiffen vom Meere her schlossen sie es ringsum ein. Vierhundert Schiffe rückten auf dem Meere vor und siebzig Schiffe segelten oberhalb von Galata über das feste Land.[[68]] Die Streitscharen standen bereit zum Kampf; sie ließen ihre Banner fliegen und rückten heran. Am Fuße der Mauern stiegen sie ins Meer und schlugen eine Brücke über das Wasser.

Fünfzig Tage lang wurde tags und nachts gekämpft, und am einundfünfzigsten Tag gab dann der Hundkâr [=Sultan] die Stadt zur Plünderung frei. Die Gazi stürmten, und am Dienstag wurde die Festung genommen. […]“[69]

Wegen der Eroberung Konstantinopels erhielt Sultan Mehmet den Beinahmen „der Eroberer“ (Fatih). Die Residenz wurde in die alte Kaiserstadt verlegt, die nun meist Istanbul genannt wurde; die Bevölkerung, von Belagerung und Kampf dezimiert[70], wurde bald überwiegend islamisch. Dennoch blieben Griechen, Venezier, Genuesen und Juden ein wichtiger Teil der Stadt[71], ihnen wurden religiöse und teilweise rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit garantiert.[72]

In den folgenden Jahren betrieb Mehmet eine aggressive Expansionspolitik auf dem Balkan, allerdings mit wechselndem Erfolg. So misslang 1456 die Belagerung von Belgrad, 1459 wurde hingegen Nordserbien ein osmanischer Teilstaat, sein Boden in Form von Timaren vergeben.[73] 1461 wurde das Kaiserreich Trapezunt erobert, in der Ägäis und auf dem Peloponnes verschärfte sich der Gegensatz zu Venedig, welches seit 1463 versuchte, eine antiosmanische Koalition unter Einbeziehung von Karaman und dem Reich des „Weißen Hammel“, eines ostanatolischen Türkmenenstaats, zu schmieden, was aber letztlich misslang.

In Europa war Mathias Corvinius der einzig echte Kontrahent Mehmets. Immer wieder kam es mit wechselndem Erfolg zu kleineren Militäraktionen zwischen Osmanen und Ungarn. Zu einem großen Krieg Mathias’ gegen die Türken kam es allerdings nicht, sein Hauptgegner war Friedrich III.[74]

In Anatolien konnte 1473 der stärkste Widersacher der Osmanen, das Emirat von Karaman, endgültig besiegt werden. Eine erste Belagerung von Rhodos 1480 schlug hingegen fehl.[75]

In der Ausübung seiner Herrschaft war Mehmet II. durchaus pragmatisch. So halten Majoros/Rill fest, dass sich Mehmets Bild „von dem anderer abendländischer Renaissancefürsten nicht wesentlich“[76] unterscheidet. Buchmann meint, Sultan Mehmet II. passe „wie kein anderer in dieses Schema“[77] vom Machiavellisten. „Wie es die Staatsräson gebot, war er einmal grausam, ein anderes Mal tolerant, teils rücksichtslos, teils großmütig […]“[78].

Die Beurteilung der Leistungen seiner Herrschaft fallen durchwegs positiv aus: Er war der „Stifter des ‚Klassischen Osmanischen Reiches’“[79], „the true founder of the Ottoman Empire“[80]. Kreiser fasst seine Leistungen zusammen:

„Unter ihm wurde der durch Allianzen und Unterdrückung bestimmte Umgang mit den Herrschaftsgebilden Anatoliens und der Balkanländer abgeschlossen. Die Einbeziehung von Mitgliedern des alten Landadels in das timar -System förderte diese Integration. Die Schaffung eines […] ‚Staatsgrundgesetzes’ mit ausgesprochen absolutistischen Tendenzen ist in der islamischen Welt ohne Beispiel. Der osmanische Zentralismus fand unter Mehmed II. nicht nur in der Aneignung umfangreicher privater und Stiftungsländer seinen Ausdruck, sondern auch in der Kontrolle aller wichtigsten wirtschaftlichen Ressourcen vom Bergbau bis zu Reisplantagen.“[81]

Die Nachfolge des „Eroberers“ trat 1481 schließlich sein Sohn Bayezid an, zuvor musste er jedoch seinen Bruder Cem besiegen, was endgültig erst 1482 gelang.[82] Cem floh nach Rhodos zu den Johannitern, was es diesen ermöglichte, mit dem neuen Sultan einen für sie sehr vorteilhaften Friedensvertrag auszuhandeln – Bayezid verpflichtete sich, „als ‚Alimente’ für Dschem, doch natürlich eher für dessen Überwachung, dem Orden jährlich 45 000 Dukaten zu zahlen.“[83]

Im Gegensatz zur Herrschaft seines Vaters war Bayezids Regentschaft weniger vom Krieg bestimmt. Dafür verantwortlich sind zum einen seine weniger kriegerische Persönlichkeit[84], zum anderen die Tatsache, dass sein Bruder Cem in der Hand des Papstes ein Unterpfand für friedliche Beziehungen zu den europäischen Mächten darstellte. Daneben gab es noch andere, politische und soziale, Gründe für Bayezids weniger aggressiven außenpolitischen Kurs.[85]

Einen längeren Krieg führten die Osmanen 1485-1491 gegen die Mamluken um die Vorherrschaft in Ostanatolien, dieser verlief aber wenig erfolgreich. „This lack of success led Bâyezîd to reform his army and modernize it by increasing the number of firearms.“[86]

Erfolgreicher war ein Krieg gegen Venedig (1499-1502). Die osmanische Flotte zeigte sich der berühmten venezianischen teilweise überlegen und auf dem Peloponnes konnten Gebietsgewinne erzielt werden, beispielsweise die Einnahme der wichtigen Hafenstadt Lepanto.[87] Venedig zog sich daraufhin ab 1503 aus dem Peloponnes und den meisten ägäischen Inseln zurück.

„The treaty of 1503 marked the beginning of an Ottoman disengagement from Europe that was to last until 1521. In the first two decades of the sixteenth century, it was events in the east that were to preoccupy the sultans.”[88]

In Anatolien kam es zu Aufständen der kızılbaş, einer schiitischen Sekte, die sich dem aufstrebenden Safawidischen Reich Schah Ismails anschließen wollte. 1511 kam es zum großen Şahkulı -Aufstand bei Ankara, dessen Niederschlagung den Osmanen einige Schwierigkeiten bereitete. In der Folge orientierte sich die osmanische Elite zunehmend an der sunnitischen Orthodoxie, „religiöse und rechtspfegerische Stellen wurden nur noch mit sunnitischen Theologen (Ulema) besetzt.“[89]

1512 dankte Bayezid zugunsten seines Sohnes Selim, des Favoriten der Janitscharen, ab. Mit ihm „gelangte wieder ein Sultan an die Macht, der die expansionistische Tradition seiner Vorgänger fortsetzte. Wenngleich seine Herrschaft nur acht Jahre (1512-1520) dauerte, war sie für die Konsolidierung der osmanischen Weltmachtstellung äußerst bedeutsam.“[90]

Er widmete sich fast ausschließlich der Bekämpfung der östlichen Gegner des Reiches, nämlich des safawidischen Persiens und des mamlukischen Ägyptens. 1514 unterlag Schah Ismail den Osmanen; der Sieg ist hauptsächlich auf den türkischen Gebrauch von Feuerwaffen zurückzuführen. Selim I. wandte sich nach Südosten, 1516 fielen Aleppo, 1517 Damaskus und Kairo.

„In der Nachfolge der Mamluken bildete in den folgenden vier Jahrhunderten der Schutz der Pilgerwege und die Versorgung der Heiligen Städte des Hedschas eine der wichtigsten Quellen, aus denen sich die Legitimation der osmanischen Oberherrschaft speiste.“[91]

Zudem kontrollierte das osmanische Reich nun wichtige Handelszentren, was dem Staatshaushalt natürlich sehr zugute kam.[92]

Mit dem Ausschalten der Gegner im Osten konnte sich Selim I. Yavuz, „der Gestrenge“, dem Westen widmen. Zu diesem Zweck ließ er die Flotte ausbauen und stellte den berüchtigten Piratenfürsten Hayreddin Barbarossa in seine Dienste. Das Ziel dieses maritimen Vorstoßes war Rhodos, das den Seeweg zwischen Istanbul und Ägypten blockierte und seinerseits (christlichen) Piraten Unterschlupf gewährte. Der Sultan verstarb aber unerwartet 1520 und konnte so seinen Plan der Eroberung von Rhodos nicht mehr realisieren.

Die Nachfolge auf den Thron war für den neuen Sultan Süleyman I. erstmals seit langem nicht mit einem Bürgerkrieg verbunden, da Selim dafür Sorge getragen hatte, dass Süleyman sein einzig lebender Sohn war. 1521 brach er zu seinem ersten Feldzug gegen Ungarn auf, nachdem König Ludwig II. den angebotenen Friedensvertrag ausgeschlagen hatte.[93] Im August gelang die Einnahme von Belgrad, ein Sieg, welcher Süleymans Vorfahren versagt geblieben war.

2. Geschichte des Johanniterordens bis 1522

Literaturüberblick

In Zusammenhang mit der Geschichte des Johanniterordens ist vor allen anderen ein Name zu nennen: Anthony Luttrell. Kein Autor hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eingehender mit den diversen Aspekten der mittelalterlichen Geschichte des Johanniterordens befasst, dementsprechend groß ist auch sein Beitrag in der einschlägigen Forschungsliteratur. Leider ist bis jetzt keine umfassende Gesamtdarstellung von ihm erschienen, abgesehen von einem Aufsatz in Portela/Martìnez’ Sammelband[94]. Ansonsten sei auf diverse Veröffentlichungen von Luttrell verwiesen, welche fast alle in den Sammelbänden von Ashgate/Variorum zusammengefasst sind.[95] Ebenfalls zu erwähnen wäre die Festschrift für Luttrell, herausgegeben von Borchard/Jaspert/Nicholson[96].

Neben Luttrells Werken spielen auch jene von Riley-Smith eine wichtige Rolle in der Forschungsliteratur. Knapp, aber übersichtlich ist eine reich illustrierte Monographie[97], älter, aber immer noch ein Standardwerk, ist seine Monographie über die Frühzeit des Ordens von 1967[98].

Die deutschsprachige Literatur zum Thema ist leider nicht so zahlreich wie die englische, und auch nicht so aktuell. Wichtig sind das Werk von Wienand[99], der eine leider lückenhafte und teilweise tendenziöse Gesamtdarstellung liefert, sowie jenes von Dauber[100], welcher umfassend über die Marine des Ordens im Laufe seiner Geschichte schreibt. Ebenfalls zu erwähnen sind die Monographien von Staehle[101] und Bradford[102], welche aber beide nur im Vergleich mit anderer Literatur herangezogen werden sollten. Bradfords militärische Analysen sind jedoch teilweise interessant zu lesen.

Gründung des Ordens, Verlust von Akkon, Rückzug nach Zypern

Im Gegensatz zu dem 1120 gegründeten Templerorden handelte es sich beim Johanniter- oder Hospitallerorden nicht von Anfang an um eine militärische Organisation. Im Vordergrund stand, besonders in den ersten Jahrzehnten, die Krankenpflege, sind seine Wurzeln doch in einem um 1070 in Jerusalem gegründeten Pilgerhospiz[103] zu suchen. Nach der Einnahme der Stadt im Zuge des ersten Kreuzzuges verstärkte sich die Rolle dieses Hospizes erheblich, 1113 wurde das Hospital Johannes dem Täufer geweiht, welcher für den neu entstanden Orden namensgebend wurde.[104]

Die Militärisierung des Ordens erfolgte allmählich, „vielleicht im Wettbewerb oder zumindest nach dem Muster des Templerordens.“[105] Ab 1160 lassen sich Ritterbrüder innerhalb des Ordens nachweisen, zu diesem Zeitpunkt besaß er darüberhinaus mehrere Festungen, was auf eine größere Anzahl von Ritterbrüdern schließen lässt.[106] Bereits 1144 gelangte der Orden in den Besitz des Krak des Chevaliers und anderer Burgen, was ebenfalls für eine bereits erfolgte Militärisierung des Ordens zu diesem Zeitpunkt spricht. Es ist jedoch möglich, dass die militärischen Aufgaben noch von Söldnern übernommen wurden.[107]

Die Ritterorden stellten eine wichtige Komponente bei der Verteidigung der Kreuzfahrerstaaten dar.

„Der schmale Küstenstreifen des lateinischen Syriens wurde von den militärischen Orden durch ihre riesigen Steinburgen verteidigt, die, wenn sie erst einmal angelegt waren, mit einer relativ geringen Zahl von Brüdern und einer Söldnergarnison gehalten werden konnten.“[108]

Neben den Ritterbrüdern kämpften die Sergeanten -Brüder, welche weniger gut ausgerüstet waren als die Ritter, sowie leichte Kavallerie, die so genannten Turkopolen. In der Feldschlacht ausschlaggebend war aber die schwere Kavallerie, welche sich aus Ordensrittern und dienenden Brüdern zusammensetzte.[109]

An den militärischen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen des ausgehenden zwölften Jahrhunderts waren die Johanniter zweifelsfrei beteiligt; 1168 etwa schickt der Orden 500 Ritter und Söldnertruppen zu einem Feldzug nach Ägypten[110], auch an der Schlacht von Hattin 1187 waren Johannitertruppen beteiligt[111], 1191 deckten Johanniter die Nachhut des englischen Königs während seines Vormarsches von Akkon nach Jaffa.[112]

Nach dem Verlust Jerusalems wurde die Burg Margat im Fürstentum Antiochien der neue Ordenssitz der Johanniter.

„Die Johanniter bauten Margat sofort zu einer uneinnehmbaren Festung aus. Ein doppelter Mauerring umgab sie. Auf einer die Gegend beherrschenden Höhe gelegen und mit zahlreichen Türmen versehen, vermittelte bereits ihr Anblick den Eindruck von Macht und Sicherheit. Die Johanniter unterhielten dort eine Garnison von 1000 Mann mit Vorräten für 5 Jahre.“[113]

Von diesen 1000 Männern Besatzung dürften aber nur ein geringer Teil wirklich Johanniterbrüder gewesen sein. Riley-Smith jedenfalls meint, dass es im Heiligen Land nie mehr als etwa 300 Ritterbrüder gegeben hatte und somit die Zahl der Söldner die der Ritterbrüder immer wesentlich überstieg.[114]

Die zweite wichtige Burg der Johanniter war Krak des Chevaliers. „It became a centre for operations against the Muslims in the region, and in its turn was attacked by them many times.“[115] Um 1212 soll die Burg eine Besatzung von 2000 Mann gehabt haben, der Anteil der Ritterbrüder zu diesem Zeitpunkt ist nicht bekannt. 1255 jedoch sind dort 60 Johanniterritter nachgewiesen.[116] Mit der Rückeroberung von Akkon 1191 wurde der Ordenssitz dorthin verlegt.

In diese Zeit fällt auch die Spaltung des Ordens, was zur Gründung eines dritten internationalen Ritterorden, des Deutschen Ordens, führt. Die Gemeinschaft wurde 1196 von Papst Cölestin III. anerkannt, 1198 erfolgte die Umwandlung in einen Ritterorden.[117]

Trotz ihrer relativ geringen Anzahl waren die Ritterorden – egal ob Johanniter, Templer oder Deutscher Orden – für die Verteidigung der Kreuzfahrerstaaten auch im 13. Jahrhundert unentbehrlich. Sie wurden „zu zentralen Streitkräften im lateinischen Syrien, wo ihre Führer eine herausragende politische Rolle spielten.“[118] Ihre bedeutsame Rolle verdankten die Orden nicht zuletzt ihren umfangreichen finanziellen Mitteln, welche hauptsächlich in Europa von den dort dienenden Brüdern, durch Stiftungen und Schenkungen, aufgebracht wurden. Auch wenn der „Transport“ dieses Kapitals ins Heilige Land ein großes Problem darstellte – viel ging auf dem langen Weg verloren oder wurde unterschlagen[119], so war es letztlich doch genug, um die riesigen Burgen mitsamt ihren Garnisonen in Palästina zu unterhalten und den Orden zu ermöglichen, eine relativ eigenständige Politik zu betreiben.

„Sie mischten sich in die wechselhaften Angelegenheiten und häufigen Erbfolgestreitigkeiten des lateinischen Königreiches mit seiner neuen Hauptstadt Akkon ein; sie kontrollierten große, faktisch unabhängige Grenzmarken und verhandelten selbstständig mit den Muslimen; sie expandierten in das Fürstentum Antiochia und das benachbarte Königreich Armenien.“[120]

Natürlich waren die Ritterorden auch an den folgenden Kreuzzügen beteiligt. Von der Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 jedoch nahmen sie Abstand, sie segelten stattdessen ins Heilige Land; dennoch erwarben sie beim „folgenden Ausverkauf des ehemaligen Weltreiches Byzanz“[121] Besitzungen auf dem Peloponnes. Am fünften Kreuzzug war der Ritterorden wieder direkt beteiligt, vor Damiette verloren die Johanniter 32 Ritter.[122] Welche Rolle sie bei der Einnahme in dem folgenden Massaker an den Einwohnern spielten, ist unklar.

Während des Kreuzzugs Friedrich II. stellten sich Johanniter und Templer gegen den Kaiser – er stand schließlich im Kirchenbann. Außerdem hatte er im Vertrag mit dem Sultan Al-Kamil die nördlichen Gebiete Syriens nicht einbezogen, darunter die Johanniterburgen Krak des Chevaliers und Margat und andere für die Orden wichtige Festungen.[123] Dementsprechend betrachteten die beiden Orden den Vertrag für diese Gebiete als für sie nicht bindend.

Die folgenden Jahre, besonders zwischen 1240 und 1244, waren von offen ausgetragenen Rivalitäten zwischen den Johannitern und Templern geprägt.[124] Nach der Niederlage von La Forbie bei Gaza 1244 und vor allem nach dem fehlgeschlagenen Kreuzzug König Ludwigs IX. kämpften die Orden wieder gemeinsam, letztlich allerdings vergebens.[125]

„From 1260 onward the Mamluk rulers of Egypt systematically reduced the area of the Levant in Christian hands, destroying ports and castles for which they had no use and garrisoning ohters, so that an ever-tightening rind of forts encolsed the settlements.”[126]

Schließlich fiel 1291 die letzte große christliche Festung Akkon. Bei der Verteidigung der Stadt erlitten Johanniter wie Templer schwere Verluste, aber „wurden für diesen Verlust [der Stadt] 1291 verantwortlich gemacht.“[127] Die christliche Herrschaft war damit praktisch vorüber, auch wenn sich Beirut und Tartus noch etwas länger halten konnten.

Der Johanniter- und der Templerorden zogen sich nach Zypern[128] zurück, der Deutschritterorden zuerst nach Venedig, 1309, verlegte man den Hauptsitz des Ordens auf die Ordensburg Marienburg um. Hier bestand schon seit den 1230ern so etwas wie ein „Ordensstaat“, welcher in den Folgejahren sukzessive ausgebaut wurde.

Sowohl Templer wie Johanniter versuchten vergeblich, im Heiligen Land wieder Fuß zu fassen, denn ihr Aufenthalt auf Zypern konnte nicht ewig wären. „[…] Es mangelte ihnen an Ressourcen, die politische Lage war instabil, und die Krone misstraute den Orden und suchte ihre Macht einzuschränken.“[129]

Für die Johanniter eröffnete sich 1306 die Möglichkeit, in Allianz mit dem genuesischen Piraten Vignolo di Vignoli die Insel Rhodos zu besetzen. Die Insel gehörte zwar faktisch zum Byzantinischen Reich, doch hatte auch der Papst nichts gegen eine Besetzung der Insel durch die Ordensritter.[130] Durch die Invasion von Rhodos hatte der Orden wieder eine klare Aufgabe und – wahrscheinlich wichtiger – eine quasi-souveräne Heimstatt. Denn die Ritterorden gerieten in dieser Zeit zunehmend unter Kritik. Mit dem Verlust des Heiligen Landes hatten sie viel an ihrer Legitimation eingebüßt. „Early on the morning of Friday 13 October 1307 all the Templar brothers in France, including Grand Master James of Molay, were arrested by the French goverment.“[131] Die Johanniter wollten einem ähnlichen Schicksal entgehen: „By invading Rhodes they saved themselves from the possible consequences of seriour criticsm.“[132]

2.3 Eroberung und Ausbau von Rhodos

Die Eroberung der Insel Rhodos durch die Johanniter gestaltete sich keineswegs einfach. Zum einen sahen die Bewohner der Insel wohl keinen Sinn darin, „Lateiner ins Land zu lassen, die über sie herrschten, ihnen Steuern abpressen und die Gewinne aus der Seeräuberei für sich einstreichen würden.“[133] Darüberhinaus zahlten sie den Türken bereits Tribut, einige von ihnen siedelten wahrscheinlich auf Rhodos und waren in die Verteidigung der Insel gegen die Johanniter involviert.[134]

Mit Hilfe genuesischer Schiffe begann der Orden die Eroberung von Rhodos am 23. Juni 1306 von Limassol aus. Die Streitmacht betrug knapp 600 Mann, darunter 53 Ritterbrüder.[135] Ein schneller Sieg war dem Orden nicht beschert. Im November glückte die Einnahme des strategisch wichtigen Philerimos, welches von etwa 300 türkischen Söldnern verteidigt wurde, durch Verrat. Durch das Eingreifen von Verstärkungen des byzantinischen Kaisers, in dessen Herrschaftsgebiet die Insel ja lag, wurde die Belagerung der Stadt Rhodos enorm in die Länge gezogen. 1308 schließlich kapitulierte die Stadt, allerdings erst nachdem ein rhodischer Gefangener der Johanniter die Bedingungen mit den Bürgern ausgehandelt hatte.[136]

Es dauerte also mehrere Jahre, bis die Johanniter die vollständige Kontrolle über die Insel erlangen konnten: die Stadt kapitulierte 1308/9, die gesamte Insel wurde aber erst 1310 unter Zuhilfenahme von Kreuzfahrertruppen erobert.[137] Mit der Eroberung von Rhodos gelangten auch die umliegenden Inseln (Kos, Kalymnos, Leros, Telos, Nisyros und Symi[138]) unter die Herrschaft des Johanniterordens.

Die Insel Rhodos bot dem Orden Schutz vor den Begehrlichkeiten König Philipps IV. von Frankreich, „der sich gerne außer dem Besitz der Juden und der Templer auch noch den der Johanniter angeeignet hätte.“[139] Bereits 1307 wurde dem Orden durch Papst Clemens V. der Besitz von Rhodos bestätigt, was dem Orden einiges an Souveränität gab. Diese Leistung ist im Wesentlichen dem Großmeister Fulk de Viallaret (1305-1319) zuzuschreiben, über den Luttrell ein sehr positives Urteil fällt:

„Between 1307 and 1312, while the Templars faces trial, torture, and dissolution, Villaret secured for the Hospital a military defensible base, gave it a politically justifiable function, and acquired for it the bulk of the Templars’ lands.”[140]

Durch die Eroberung von Rhodos und den umliegenden Inseln geriet der Orden jedoch in Konflikte zu anderen christlichen Mächten in der Region, vor allem zu Venedig und sehr bald auch zu Genua. Im Gegensatz zu diesen beiden Handelsmächten nahmen die Johanniter das päpstliche Verbot des Handels mit Kriegsgerät mit muslimischen Mächten sehr genau, und 1311 konfiszierte der Orden sogar eine genuesische Galeere. „[…] the Genuese, meeting refusal, offered 50,000 florins to the Turks of Menteshe [einem nahen beylik ] to attack Rhodes.”[141] Die Flotte der Johanniter verfolgte 1312 eine türkische und überfiel sie, steckte ihre Schiffe in Brand und vernichtete fast die gesamte türkische Streitmacht, allerdings unter relativ großen eigenen Verlusten. Ab 1313 konnten die Genueser aber ein Abkommen mit den Johannitern schließen, was beiden einige Ruhe garantierte.[142]

Venedig fühlte sich zwar in seinen Interessen in der Ägäis durch die Johanniter ebenfalls bedroht, griff jedoch zu anderen Mitteln als die Genueser, hauptsächlich rechtliche, um sich gegenüber dem Orden durchzusetzen.

Mit den türkischen beyliks kam es bis 1320 zu verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen, aus denen die Johanniter allerdings meist siegreich hervorgingen.[143] Bald beherrschte der Orden von Rhodos aus mehrere hundert Kilometer türkischer Küste. David Nicolle fasst die Auswirkungen der Erfolge der Johanniter zur See wie folgt zusammen:

„Dem nahe liegenden türkischen beylik […] von Mentese wurde praktisch der Zugang zum Meer verweigert, und so verschob sich das Zentrum türkischer Seeoperationen nordwärts zum beylik von Aydin. 1344 schlossen sich die Johanniter anderen Kreuzrittern an und eroberten Aydins Haupthafen Smyrna […], sodass der Fokus türkischer Seeoperationen sich erneut Richtung Norden verschob, zu den sich rasch ausbreitenden osmanischen Emiraten, den späteren Sultanaten, die die Dardanellen durchquerten und begannen, bis nach Europa zu expandieren.“[144]

Die Stadt Rhodos besaß bereits vor ihrer Nutzung durch die Johanniter aus antiker Zeit mehrere Häfen und bot somit sehr gute Voraussetzungen für diverse Unternehmen der noch jungen Ordensmarine. Wie der Erfolg von 1312 zeigt, verfügten die Johanniter bereits zu diesem Zeitpunkt über eine schlagkräftige Marine, welche zwar verhältnismäßig klein war, aber offensichtlich vom Ordensadmiral gut eingesetzt wurde.

Der Orden begann auf Rhodos sehr bald mit dem Ausbau der vorhandenen Festungs- und Hafenbauten, auch Lindos und die Insel Kos wurden stark befestigt bzw. vorhandene Befestigungen ausgebaut. Die Kosten für den Ausbau dieser Burgen und Festungen waren allerdings enorm; so schuldete der Orden 1320 Bänkern in Florenz 500,000 Florinen.[145] Die Tilgung der enormen Schulden, welche hauptsächlich unter Großmeister Villaret angehäuft wurden, dauerte bis in die 1340er Jahre und wurde maßgeblich von Hèlion de Villeneuve, Großmeister von 1319 bis 1346, durchgeführt.[146]

Neben dem Einkommen aus den verschiedenen Ordensbesitzungen in Europa bestand eine wichtige Einnahmequelle des Ordens im so genannten corso[147], einer Form der nicht nur in der Ägäis weit verbreiteten Piraterie.

„Die dabei erbeuteten Waren blieben im Besitz der Brüder und durften […] gegen Zollzahlung nach Rhodos eingeführt werden. Auf ähnliche Weise profitierte der Orden insgesamt über die Einnahmen aus Zöllen hinaus von der Piraterie im östlichen Mittelmeer. […] Die Erträge aus dem corso dürften mindestens zeitweilig eine erhebliche Höhe erreicht haben, und zudem eröffneten sich damit Möglichkeiten zu Handelsaktivitäten.“[148]

War das eigentliche strategische Ziel des Ordens zu Beginn seiner Zeit auf Rhodos immer noch die Rückgewinnung Jerusalems und des Heiligen Landes, so war bald klar, dass der Orden auf Rhodos, abgesehen von einigen kleineren Angriffen auf die muslimische Seefahrt und Hafenstädte, eine hauptsächlich defensive Position einnehmen werden müsste. Der Ausbau der Verteidigungsanlagen wurde deshalb, wie bereits erwähnt, sehr bald in Angriff genommen. Offensiv werden konnte der Orden nur in Koalition mit anderen Mächten, die jedoch nicht ausschließlich christlich sein mussten. So schlug 1333 der Großmeister Villeneuve Venedig vor, gemeinsam mit dem Orden und dem Emirat von Menteshe gegen Aydin vorzugehen.[149] Die Wahl eines Alliierten erfolgte also nicht nur nach religiösen Gesichtspunkten, auch wenn dies vor allem für einen Ritterorden wichtiger war als für eine Handelsmacht wie Genua oder Venedig, sondern gegebenenfalls auch nach pragmatischen Kriterien. Für den Johanniterorden war entscheidend, Rhodos und das östliche Mittelmeer gegen die vordringenden Muslime zu verteidigen, und war es nötig, zu diesem Zweck eine Allianz mit einer muslimischen Macht einzugehen, um eine andere zu schwächen, so wurde dies getan.

In den folgenden Jahren lieferten sich die Johanniter eine Reihe von Gefechten mit den nahen türkischen Emiraten, vor allem mit Aydin, dessen Flotte für die christliche Seefahrt immer wieder eine Bedrohung darstellte. Unter den diversen Gefechten mit den Türken ist sicherlich die Eroberung von Smyrna durch ein christliches Kreuzfahrerheer hervorzuheben. Auch die Johanniter waren an der Eroberung beteiligt: „The Hospitallers sent their galleys, provided a naval base at Rhodes, and acted as papal paymaster for the crusading forces.“[150] Dem Orden wurde in der Folge die Verteidigung der Festung Smyrna übertragen, eine Aufgabe, welche die Ritterbrüder bis 1402 zu erfüllen vermochten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Inselreich der Johanniter seine bisher größte Ausdehnung erfahren. Von Smyrna im Norden bis Kastellorizzon im Süden erstreckte es sich über eine Längenausdehnung von etwa 400 km. „Auf der Länge dieser Nord-Süd-Achse kontrollierte der Orden den Seeraum und die Schiffahrt [sic], hatte aber auch sein stark gegliedertes Territorium zu verteidigen.“[151] Die Inselstützpunkte waren untereinander durch ein System optischer Signalgebung verbunden, was eine zusammenhängende Verteidigung und Überwachung des Ordensgebietes ermöglichte. „Ergänzt wurde dieses System noch durch Wachgaleeren und andere Wachschiffe sowie die Fischereiflotte.“[152]

Der Johanniterorden beteiligte sich an Angriffen gegen die Küsten Anatoliens, Syriens und Ägyptens, oft im Verband mit zypriotischen Schiffen.[153] Auch an der Eroberung und Plünderung Alexandrias 1365 waren Schiffe und Ritterbrüder der Johanniter beteiligt[154]. 1367 unternahmen die Ordensgalleeren Angriffe auf Tripolis und Antalya.[155]

Zu mehr als solchen Überfällen oder spektakulären, aber sehr kurzfristigen Erfolgen wie bei Alexandria war der Orden aber nicht fähig. Es fehlte an Personal und Material, um eine Position etwa in Syrien oder gar in Palästina zu sichern. „The Hospital was increasingly crippled by the general economic and demographic catastrophe in the West which seriously reduced its incomes and military manpower.”[156] So konnte der Orden nichts gegen den Zusammenbruch des Armenischen Königreiches in Kilikien unternehmen, ebenso wenig vermochte er den Lusignans in Zypern gegen die Genuesen und Venezianer beizustehen.[157]

Der Orden war in den folgenden Jahren hauptsächlich damit beschäftigt, seine finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen. In den 1390ern schließlich scheint sich die finanzielle Situation der Johanniter verbessert zu haben.[158] So stellte der Papst 1392 eine beachtliche Summe für die Verteidigung Smyrnas zur Verfügung, und 1394 konnte ein mehrjähriger Friede mit dem türkischen Statthalter von Smyrna vereinbart werden.[159] Doch auch in den Folgejahren war der Orden immer wieder mit seiner Finanzierung beschäftigt, denn „die Kosten für den Transport von Nahrung, Rohstoffen, Rüstungen und Pferden aus Westeuropa nach Rhodos waren ebenso immens wie die Kosten für die Aufrechterhaltung der Befestigungsanlagen der Insel.“[160]

Seit 1390 wurde ein neues Kreuzzugsunternehmen betrieben, welches sich diesmal gegen die auf dem Balkan vordringenden osmanischen Türken richten sollte. Wesentlicher Initiator war König Sigismund von Ungarn, und 1396 hatte sich eine große Streitmacht gesammelt, um gegen die Türken vorzugehen. Das naheliegenste Ziel war der Entsatz von Konstantinopel, welches seit 1394 von den Truppen Bayezid I. belagert wurde. Im Heer der Kreuzfahrer befanden sich auch Johanniter, geführt vom Großprior und Meister des Johanniterordens der deutschen Zunge Friedrich von Zollern, auch eine Ordensflotte unter dem Großmeister Philipp de Naillac beteiligte sich.[161] Obwohl die Schlacht von Nikopolis in einer totalen Niederlage für das Kreuzfahrerheer endete, könnte der Kreuzzug dennoch Konstantinopel gerettet haben. „It forced Bayezid to raise the siege and it destroyed a considerable part of this army“[162].

Die Niederlage Sultan Bayezids I. gegen Timur 1402 bei Ankara veränderte die Machtstruktur in Anatolien, die Dominaz der Osmanen war – vorübergehend – gebrochen. Die Festung Smyrna ging allerdings an Timur und sein mongolisches Heer verloren, doch schon 1407 wurde eine neue Johanniterburg auf dem Festland bei Bodrum gebaut. Neben militärischen Relevanzen spielten beim Bau der Festung St. Peter wohl auch Überlegungen hinsichtlich der Reputation des Ordens in Europa eine große Rolle.[163] Die Burg wurde in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut und „in der letzten Phase der Ordenszeit entstanden im Norden gewaltige Bastionen, wobei die Reste des berühmten Grabmals des Mausolos (351 v. Chr.) […] abgerissen und verbaut wurden.“[164]

Auch wenn der Orden sein wichtigstes Territorium an der abendländischen Peripherie besaß, so war er dennoch in erheblichem Ausmaß von den Entwicklungen im lateinischen Europa abhängig.

So wirkte sich das „[abendländische] Schisma […] gravierend auf die Disziplin aus und schmälerte die in Rhodos eintreffenden Gelder, verdeutlichte jedoch auch den Korpsgeist unter den Brüdern, die weiterhin Rhodos unterstützten oder auf der Insel dienten, wo die meisten Mitglieder des Konvents im Schisma der Obedienz des Papstes in Avingnon anhingen, und selbst in jenen Gebieten, in denen die weltlichen Herrscher dem römischen Papst folgten.“[165]

Mit den Türken konnten sich die Johanniter in den Folgejahren einigermaßen arrangieren, mit Sultan Mehmet I. ging man 1415 sogar einen Friedensvertrag ein, welcher zumindest formell alle anderen türkischen Emirate einschloss.[166] Die Seekriegsführung war von diesem Frieden aber nicht betroffen, und mit dem Tod Mehmet I. 1421 war auch der Friedensvertrag nicht mehr gültig.

Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts war die Flotte der Johanniter verhältnismäßig klein gewesen: Sie bestand im Kern aus vier Kriegsgaleeren, die kaum unabhängige Aktionen durchführen konnten. Dementsprechend operierten sie in einem größeren Verband christlicher Schiffe, so etwa 1365 beim Feldzug gegen Alexandria, oder sie beschränkte sich auf die unmittelbare Verteidigung von Rhodos.[167] Nach 1402 wurde die Flotte aber vergrößert „und widmete sich in der Folge ausdauernden Übergriffen auf den osmanischen Handel, während die massive neue Burg bei Bodrum den Johannitern einen neuen Außenposten auf dem Festland bot.“[168] Für die betroffene muslimische Schifffahrt war dies natürlich Piraterie, und entsprechende Reaktionen folgte schließlich 1440 sowie 1444, als die ägyptischen Mamluken Rhodos direkt angriffen. Konnte 1440 die mamlukische Flotte noch relativ leicht vertrieben werden, erfolge 1444 bereits die Landung einer vergleichsweise großen Streitmacht.[169] Nach 40-tägiger Belagerung allerdings mussten die Mamluken wieder abziehen. Auf die fehlgeschlagene Belagerung folgten 1445 ein Friedensvertrag und der Austausch von Gefangenen.[170]

Nach dem Fall Konstantinopels wuchs die Gefahr eines türkischen Angriffs auf die Insel. Der Orden reagierte darauf zum einen mit dem Ausbau der vorhandenen Befestigungsanlagen, was natürlich eine erneute finanzielle Belastung des Ordens darstellte, zum anderen versuchten die Johanniter mehrmals, mit Sultan Mehmet II. einen Friedensvertrag einzugehen. Diese Versuche scheiterten jedoch letztlich daran, dass der Orden nicht gewillt war, dem Sultan Tribut zu zahlen.[171] Der Sultan betrachtete sich im Kriegszustand mit dem Johanniterorden und es kam 1455 und 1456 zu türkischen Angriffen auf Kos und Symi, „1457 griffen Türken in einem Überraschungsangriff Archángelos an der Ostküste von Rhódos an.“[172] Ein Großangriff auf die Insel blieb jedoch vorerst aus. Wienand ist sich jedoch sicher: „Der Wille des Sultans aber, den Ordensstaat zu erobern, war unverkennbar, denn wie ein Pfeil im Fleisch saß Rhodos im Körper des Riesenreiches […]“[173]. Warum der Sultan jedoch über 20 Jahre damit wartete, die Insel direkt anzugreifen, ist relativ unklar.[174] Während der 1460er gab es von Seiten der Johanniter wiederum Versuche, Frieden mit dem Sultan zu schaffen, doch auch diesmal weigerten sich die Johanniter, Mehmet Tribut zu zahlen, was ja eine Anerkennung seiner Oberhoheit gleichgekommen wäre, wie Wienand betont.[175]

[...]


[1] Joseph von Hammer-Purgstall, Geschichte des Osmanischen Reiches, Band 1-10, Graz 1963 [=Veröffentlichungen der Hammer-Purgstall-Gesellschaft, hg. von Franz Sauer, Werke I. Geschichte des osmanischen Reiches, Band 1-10].

[2] Klaus Kreiser, Osmanisches Reich, in: Marhias Bernath / Karl Nehring [Hg.], Historische Bücherkunde Südosteuropa. Band II, Neuzeit: Teil 1. Osmanisches Reich. Makedonien, Albanien, München 1988, S. 1-299, hier S. 132f [=Südosteuropäische Arbeiten 76/3].

[3] Klaus Kreiser, Der Osmanische Staat. 1300-1922, München 2001, S. 217f [=Oldenbourg Grundriss der Geschichte 30].

[4] Ferenc Majoros / Bernd Rill, Das Osmanische Reich (1300-1922). Die Geschichte einer Großmacht, Graz-Wien-Köln 1994.

[5] Josef Matuz, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, 4. erg. Aufl. Darmstadt 2006.

[6] Bertrand Michael Buchmann, Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale Geschichte, Wien 1999.

[7] Colin Imber, The Ottoman Empir, 1300-1650. The Structure of Power, Baskinstoke 2002.

[8] Halil Inalcik, The Ottoman Empire. The Classical Age 1300-1600, London 1973.

[9] Kreiser, Osmanisches Reich, S. 162.

[10] Die Angaben der Lebens- und Regierungszeiten variieren in der Literatur. Die hier verwendeten Angaben folgen jenen von Kreiser, Staat. 1300-1922, S. 217f.

[11] Vgl. Majoros/Rill, Reich, S. 93.

[12] Vgl. Matuz, Reich, S. 30.

[13] Vgl. Kreiser, Staat (1300-1922) S. 7.

[14] Vgl. ebd., S. 19.

[15] Vgl. Imber, Empir, S. 9: “It was Orhan, too, who first established an Ottoman bridgehead in Europe.”

[16] Inalcik, Empire (1300-1600), S. 9.

[17] Vgl. Matuz, Reich, S. 34: „Es [Orhans Reich] umfasste etwa 75 000 qm und war damit mehr als viermal so groß wie bei Beginn der Herrschaft Orhans, fast so groß wie das heutige Österreich.“

[18] Buchmann, Österreich, S. 20 benutzt diesen Ausdruck um die ethnische Vielfältigkeit im Reich Orhans zu beschreiben.

[19] Vgl. Matuz, Reich, S. 34.

[20] Kreiser, Staat (1300-1922), S. 20.

[21] Vgl. Buchmann, Österreich, S. 24-26 sowie Kreiser, Staat (1300-1922), S. 19f; Imber, Empire, S. 13 bemerkt jedoch, dass „Murad styled himself modestly as ‚emir’ and not yet as ‚sultan’.“ Matuz, Reich, S. 34f. sieht hingegen bereits in Orhan den ersten Sultan.

[22] Über den Ursprung der Janitscharen ist sich die Forschung uneins, er liegt wahrscheinlich aber „in einer Leibgarde des Sultans (um 1330?)“ (Kreiser, Staat (1300-1922), S. 57.). Goodwin meint zur „Schaffung“ des Korps durch Murad I.: „It is likely that the first companies of a new corps were composed of captives […]. Converted to Murat’s cause, they could be valuable warriors.” (Godfrey Goodwin, The Janissaries, London 1994, S. 27)

[23] Buchmann, Österrreich, S. 25.

[24] Die Angaben über die Kräfteverhältnisse in dieser (wie auch anderer) Schlachten variieren stark: meist wird von einer numerischen Überlegenheit der osmanischen Kräfte ausgegangen (z.B. Buchmann, Österreich, S. 27), Matuz hingegen spricht von einer „zahlenmäßigen Überlegenheit der christlichen Koalitionstruppen“ (Ders., Reich, S. 38). Die angebliche numerische Überlegenheit der Osmanenheere ist vielleicht dadurch zu erklären, dass nicht die tatsächliche Feldstärke, sondern die gesamte Armee inklusive Versorgungsteilen angegeben wird. Schon Leopold von Ranke meinte zur Quellenlage der berühmten Schlacht: „’Einzelheiten […] sind durch nationalen Stolz und den vagen Charakter der Überlieferung verdunkelt, aber das Ergebnis ist sicher: Von dem Tage an waren die Serben der türkischen Macht unterworfen.’“ (zit. nach: Majoros/Rill, Reich, S. 116).

[25] Majoros/Rill, Reich, S. 114.

[26] Matuz, Reich, S. 40.

[27] Vgl. Kreiser, Staat (1300-1922), S. 20 sowie Matuz, Reich, S. 38.

[28] Vgl. Matuz, Reich, S. 41f.

[29] Vgl. die ausführliche Beschreibung der Schlacht bei Majoros/Rill, Reich, S. 122-125.

[30] Kreiser, Staat (1300-1922), S. 21.

[31] Vgl. hiezu die genauen Ausführungen bei Majoros/Rill, Reich, S. 128f.

[32] Vgl. hiezu die genauen Ausführungen bei Imber, Empire, S. 17-22.

[33] Buchmann, Österreich, S. 34.

[34] Inalcik, Empire (1300-1600), S.18.

[35] Buchmann, Österreich, S. 35.

[36] Vgl. Kreiser, Staat (1300-1922), S. 22.

[37] Majoros/Rill, Reich, S. 133.

[38] Ebd, S. 133.

[39] Vgl. Kreiser, Staat (1300-1922), S. 23.

[40] Vgl. Matuz, Reich, S. 53 sowie Majoros/Rill, Reich, S. 135. Trotz einiger militärischer Aktionen während des osmanischen Interregnums (z.B. Einnahme von Gallipoli) war die Stadt keine Gefahr mehr für die Osmanen, denn sie war von osmanischen Getreidelieferungen abhängig. (Vgl. Ebd.).

[41] 1424 gingen Serbien und Ungarn einen Waffenstillstand mit Murad ein. (vgl. Matuz, Reich, S. 53).

[42] Vgl. Imber, Empire, S. 23.

[43] Vgl. Matuz, Reich, S. 53f. Dies geschah meist durch Verbannung, nur in Ausnahmefällen, wie dem Emir Juneyd von Aydın, durch Exekution. (vgl. Imber, Empire, S. 23.)

[44] Vgl. Inalcik, Empire (1300-1600), S. 19.

[45] Ebd., S. 19.

[46] Vgl. Kreiser, Staat (1300-1922), S. 23.

[47] Vgl. Buchmann, Reich, S. 38-40 sowie Majoros/Rill, Reich, S. 143-149.

[48] Buchmann, Reich, S. 38; Majoros/Rill bezeichnen ihn als „historische Schlüsselfigur, welche in Ungarn die Kriegsführung […] 1443-1448 beherrschte, wesentliche politische Entscheidungen traf und die ungarischen Heere in den meisten Gefechten selbst befehligte.“ (Majoros/Rill, Reich, S.143.)

[49] Vgl. Inalcik, Empire (1300-1600), S. 20.

[50] Matuz, Reich, S. 55.

[51] Vgl. Inalcik, Empire, S. 20, der vermutet, dass es Murad dabei hauptsächlich um eine sichere Nachfolgeregelung ging.

[52] Buchmann, Österreich, S. 39.

[53] Inalcik, Empire, S. 21.

[54] Vgl. Matuz, Reich, S. 56.

[55] Inaclik, Empire, S. 21.

[56] Matuz, Reich, S. 57.

[57] Vgl. Imber, Empire, S. 27.

[58] Vgl. Ebd., S. 28.

[59] Matuz, Reich, S. 58.

[60] Matuz, Reich, S. 59.

[61] Matuz, Reich, S. 59.

[62] Matuz, Reich, S. 58f.

[63] David Nicolle, Armies of the Ottoman Turks 1300-1774, Oxford ²1985, S. 29.

[64] Vgl. „Fünfzig Paar Ochsen konnten sie kaum von ihrer Stelle bewegen, sieben hundert Mann waren zur Fortschaffung und zur Bedienung bestimmt.“ (Joseph von Hammer-Purgstall, Geschichte des Osmanischen Reiches, Band 1, Graz 1963, S. 511 [=Veröffentlichungen der Hammer-Purgstall-Gesellschaft, hg. von Franz Sauer, Werke I. Geschichte des osmanischen Reiches, Band 1-10].

[65] Vgl. Majoros/Rill, Reich, S. 159 und Hammer-Purgstall, S. 532-535.

[66] Vgl. Hammer-Purgstall, S. 528: „Die Zahl der bewaffneten Griechen belief sich nach dem Protovestiar Phranza während der Belagerung auf Befehl des Kaisers verfertigten Musterrolle auf viertausend neun hundert drey und siebzig. Dazu kamen zweytausend Fremde und drey oder fünfhundert Genueser […]“; auch David Nicolle geht von etwa 6000-9000 Verteidigern aus, er verweist jedoch auf die Angaben des Kardinals von Avingnon vom Jannuar 1454, welche eine Gesamtstärke von 42.000 Verteidigern anführt (Vgl. David Nicolle, Constantinople 1453. The End of Byzantinum, Oxford 2000, S. 33.)

[67] Vgl. Majoros/Rill, Reich, S. 159; Hammer-Purgstall, S. 528 u. 670 hingegen gibt Stärken von 260.000 bis 400.000 Mann an, was aber wohl stark übertrieben ist; Nicolle gibt die Stärke der Janitscharen mit 5000-8000 an, was durchaus realistisch ist (Vgl. Nicolle, Constantinople, S. 28.)

[68] Beide Zahlen werden auch in anderen Quellen genannt; vgl. Hammer-Purgstall, S. 530-533.

[69] Vom Hirtenzelt zur Hohen Pforte. Frühzeit und Aufstieg des Osmanenreiches nach der Chronik „Denkwürdigkeiten und Zeitläufe des Hauses ‚Osman’“ vom Derwisch Ahmed, genannt Aşık-Paşa-Sohn, hg. von Richard F. Kreutel, Graz [u.a.] 1959, S. 198f.

[70] Nicolle meint, 4000 Griechen fanden während dem Kampf um die Stadt den Tod, was etwa ein Zehntel der Gesamtbevölkerung darstellte (Vgl. Nicolle, Constantinople, S. 81).

[71] Vgl. Buchmann, Österreich, S. 43: er gibt an, dass es 1477 in Konstantinopel 9000 türkische, 3000 griechische und 1500 jüdische Haushalte gab.

[72] Vgl. Matuz, Reich, S. 60f.

[73] Vgl. Ebd., S. 62.

[74] Vgl. Majoros/Rill, Reich, S. 170.

[75] Zur Belagerung von Rhodos 1480 siehe: Michael Losse, histori von der belegnus so der türkisch kaiser gehabt hat vor Rhodis – Die Belagerung der Stadt Rhódos (Griechenland) durch die Türken 1480 im Spiegel der Chronik des Guillaume Caoursin, eines Zeitzeugen, in:Olaf Wagener / Heiko Laß [Hg.], …wurfen hin in steine/ grôße und niht kleine…. Belagerungen und Belagerungsanlagen im Mittelalter, Frankfurt a. Main [u.a.] 2006, S. 205-234; Eriv Brockman, The Two Sieges of Rhodes. 1480-1522, London 1969.

[76] Ebd., S. 154.

[77] Buchmann, Österreich, S. 47.

[78] Ebd., S. 47.

[79] Kreiser, Staat (1300-1922), S. 24.

[80] Inalcik, Empire, S. 29.

[81] Kreiser, Staat, (1300-1922), S. 24f.

[82] Vgl. Inalcik, Empire, S. 30f.

[83] Majoros/Rill, Reich, S. 203.

[84] So weiß es zumindest Imber (Empire, S. 37).

[85] Vgl. Ebd., S. 37.

[86] Inalcik, Empire, S. 31.

[87] Vgl. Matuz, Reich, S. 76.

[88] Imber, Empire, S. 41.

[89] Matuz, Reich, S. 78.

[90] Ebd., S. 79.

[91] Kreiser, Staat (1300-1922), S. 26.

[92] Vgl. Inalcik spricht von einer Verdoppelung des Einkommens (Emipre, S. 34).

[93] Imber, Empire, S. 48.

[94] Anthony Luttrell, Der Johanniter- und Templerorden, in: Feliciano Novoa Portela / Carlos de Ayala Martìnez [Hg.], Ritterorden im Mittelalter, Stuttgart 2006, S. 45-76.

[95] Für diese Arbeit verwendet: Anthony Luttrell, The Hospitallers in Cyprus, Rhodes, Greece and the West, 1291-1440, Aldershot 1979, Ders., The Hospitallers of Rhodes and their Mediterranean World, Aldershot 1992, Ders., The Hospitallers of Rhodes and their Mediterranean World, Aldershot 1992, Ders., The Hospitallers State on Rhodes and its Western Provinces, 1306-1462, Aldershot 1999, Ders., Studies on the Hospitallers after 1306, Aldershot 2007.

[96] Karl Borchardt/Nikolas Jaspert/Helen J. Nicholson, The Hospitallers, The Mediterranean and Europe. Festschrift für Anthony Luttrell, Aldershot 2007.

[97] Jonathan Riley-Smith, Hospitallers. The History of the Order of St John, London 1999.

[98] Jonathan Riley-Smith, The Knights of St. John in Jerusalem and Cyprus. C.1050-1310, London 1967.

[99] Adam Wienand [Hg.], Der Johanniter-Orden / Der Malteser-Orden. Der ritterliche Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem. Seine Aufgaben, seine Geschichte, Köln 1970.

[100] Robert L. Dauber, Die Marine des Johanniter-Malteser-Ritter-Ordens. 500 Jahre Seekrieg zur Verteidigung Europas, Graz 1989.

[101] Ernst Staehle, Johanniter und Templer. Geschichte, Geheimnisse und Gegenwart, Gnas 1998.

[102] Ernle Bradford, Johanniter und Malteser. Die Geschichte des Ritterordens, München 1983.

[103] Dieses von Kaufleuten aus Amalfi gegründete Hospiz lässt sich seinerseits auf die Tradition der muslimischen Bīmāristān, Krankenhäuser, zurückführen, diente aber anders als diese – wahrscheinlich – nicht primär der Kranken- sondern der Pilgerversorgung. (Vgl. Benjamin Z. Kedar, A Note on Jerusalem’s Bīmāristān and Jerusalem’s Hospital, in: Karl Borchardt [u.a. Hg.], The Hospitallers, the Mediterranean and Europe. Festschrift für Anthony Luttrell, Aldershot 2007, S. 7-12.

[104] Vgl. Luttrell, Der Johanniter- und Templerorden, S. 45f.

[105] Luttrell, Johanniter- und Templerorden, S. 46f.

[106] Vgl. Riley-Smith, Hospitallers, S. 33.

[107] Vgl. Luttrell, Johanniter- und Templerorden, S. 47. Wienand hingegen attestiert dem Orden bereits um 1131 einen „militärischen Charakter“ und nennt ihn „Militärmacht“ (Wienand, Johanniter-Orden, S. 44.)

[108] Luttrell, Johanniter- und Templerorden, S. 52.

[109] Vgl. Wienand, Johanniter-Orden, S. 56.

[110] Vgl. Bradford, Johanniter und Malteser, S. 27.

[111] Vgl. Riley-Smith, Hospitallers, S. 40f.

[112] Vgl. Luttrell, Johanniter- und Templerorden, S. 52.

[113] Staehle, Johanniter und Templer, S. 82.

[114] Vgl. Riley-Smith, Hospitallers, S. 44f.

[115] Riley-Smith, Hospitallers, S. 47.

[116] Vgl. Ebd., S. 47 sowie Wienand, Johanniter-Orden, S. 122.

[117] Vgl. Wienand, Johanniter-Orden, S. 68f.

[118] Luttrell, Johanniter- und Tempelritter, S. 52.

[119] Vgl. Riley-Smith, Hospitallers, S. 46f.

[120] Luttrell, Johanniter- und Tempelritter, S. 52/54.

[121] Staehle, Johanniter und Templer, S. 89.

[122] Vgl. Wienand, Johanniter-Orden, S. 71.

[123] Vgl. Ebd., S. 76.

[124] Vgl. Staehle, Johanniter und Templer, S. 95.

[125] Vgl. Bradford, Johanniter und Malteser, S. 50.

[126] Riley-Smith, Hospitallers, S. 50.

[127] Luttrell, Johanniter- und Tempelorden, S. 54.

[128] Für einen Abriss über die Geschichte Zyperns in dieser Periode siehe Sir George Hill, A History of Cyprus, Volume II. The Frankish Period 1192-1432, Cambridge 1972, S. 193-260.

[129] Ebd., S. 54.

[130] Vgl. Bradford, Johanniter und Malteser, S. 61.

[131] Riley-Smith, Hospitallers, S. 51.

[132] Anthony Luttrell, The Hospitallers of Rhodes Confront the Turks, 1306-1421, in: Ders. [Hg.], The Hospitallers of Rhodes and their Mediterranean World, Aldershot 1992, S. 80-116, hier S. 83.

[133] Bradford, Johanniter und Malteser, S. 64.

[134] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 83.

[135] Vgl. Anthony Luttrell, The Hospitallers at Rhodes, 1306-1421, in: Ders. [Hg.], The Hospitallers in Cyprus, Rhodes, Greece and the West. 1291-1440, Aldershot 1979, S. 278-313, hier S. 283.

[136] Vgl. Ebd., S. 284.

[137] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 83f sowie Luttrell, Hospitallers 1979, S. 285f.

[138] Vgl. Bradfort, Johanniter und Malteser, S. 68.

[139] Wienand, Johanniter-Orden, S. 155.

[140] Luttrell, Hospitallers 1992, S. 85.

[141] Luttrell, Hospitalles 1979, S. 287.

[142] Vgl. ebd., S. 287.

[143] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 86f.

[144] David Nicolle, Die Ritter des Johanniterordens 1100-1565, St. Augustin 2004, S. 68f.

[145] Vgl. Luttrell, Hospitaller, 1979, S. 291.

[146] Vgl. ebd., S. 291.

[147] Zum corso allgemein vgl. Anthony Luttrell, The Earliest Documents on the Hospitaller Corso at Rhodes: 1413 and 1416, in: ders., The Hosptillaer State on Rhodes and its Western Provinces, 1306-1462, Aldershot 1999, S. 177-188: „In the thirteenth century there were already forms of guerra di corso in which individuals operated under public control wirth a licence to attack enemies of the state.” (Ebd., S. 177).

[148] Jürgen Sarnowsky, Handel und Geldwirtschaft der Johanniter auf Rhodos, in: Roman Czaja / Jürden Sarnowsky [Hg.], Die Ritterorden in der europäischen Wirtschaft des Mittelalters, Torun 2003, S. 19-34, hier S. 23.

[149] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 89.

[150] Luttrell, Hospitallers 1992, S. 91.

[151] Dauber, Marine, S. 201.

[152] Ebd., S. 201.

[153] Vgl. Luttrell, Hospitalles 1992, S. 95 sowie Luttrell, Hospitallers 1979, S. 298.

[154] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 299: „[…] the Hospital provided four galleys, some transport vessels, and a hundred brethren und the admiral, Ferlina of Aerasca, prior of Lombardy.“

[155] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1979, S. 95.

[156] Ebd., S. 95.

[157] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 299.

[158] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1979, S. 96 sowie Luttrell 1992, S. 305.

[159] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1979, S. 97.

[160] Nicolle, Ritter, S. 80.

[161] Vgl. Wienand, Johanniter-Orden, S. 166.

[162] Luttrell, Hospitallers 1979, S. 97.

[163] Vgl. Riley-Smith, Hospitallers, S. 100.

[164] Wienand, Johanniter-Orden, S. 169.

[165] Luttrell, Johanniter- und Templerorden, S. 64.

[166] Vgl. Luttrell, Hospitallers 1992, S. 105.

[167] Vgl. Nicolle, Ritter, S. 91.

[168] Ebd., S. 91.

[169] Vgl. Wienand, der von einer Landung von 18000 Mann spricht (Johanniter-Orden, S. 173).

[170] Vgl. Michael Losse, Die Belagerung der Stadt Rhódos durch die Türken 1480, in: Olaf Wagener / Heiko Laß [Hg.], …wurfen hin in steine/ grôze und niht kleine…. Belagerungen und Belagerungsanlagen im Mittelalter, Frankfurt a. Main [u.a.], 2006, S. 205-234, hier S. 209.

[171] Vgl. Wienand, Johanniter-Orden, S. 173.

[172] Losse, Belagerung 1480, S. 211.

[173] Wienand, Johanniter-Orden, S. 173.

[174] Elias Kollias meint, Sultan Mehmet wäre durch militärische Unternehmungen in Dalmatien und Persien anderweitig beschäftigt gewesen. Vgl. Elias Kollias, The Medieval City of Rhodes and the Palace of the Grand Master, Athen ²1998, S. 22.

[175] Vgl. ebd., S. 173.

Details

Seiten
138
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656569664
ISBN (Buch)
9783656569640
Dateigröße
11.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266430
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
belagerung rhodos osmanen eine untersuchung vorschlag unterrichtsentwurf

Autor

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Titel: Die Belagerung von Rhodos durch die Osmanen 1522.