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Zum Streit um Ritalin

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 28 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist ADHS?

3 Symptome von ADHS?
3.1 Aufmerksamkeitsstörungen und Konzentrationsprobleme:
3.2 Impulsivität
3.3 Hyperaktivität

4 Auslöser des Krankheitsbildes
4.1 Veränderte Gesellschaft – veränderte Kindheit
4.2 Biologische- neuropsychologische Ursachen

5 Behandlung von ADHS
5.1 Therapie mit dem Medikament Ritalin
5.2 Alternativen bei der Behandlung

6 Persönliche Reflexion

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ritalin. Immer mehr Menschen kennen dieses Wort und bringen es mit einem Medikament und unruhigen Kindern in Zusammenhang. Unruhige Kinder werden heute schnell von Ärzten und Psychologen dem Krankheitsbild der Hyperaktivität zugeordnet. Hier ist in erster Linie das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) zu nennen. Dieses Syndrom kann mit und ohne Hyperaktivität auftreten, während ich mich in meiner Arbeit auf das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS) beziehe. Der Grund dafür ist, dass in zahlreicher Literatur diese Krankheit eng mit dem Medikament Ritalin in Verbindung gebracht wird.

Im Vergleich zu früher steigt die Zahl der unruhigen Kinder immer mehr an. Eltern sind meist mit den auffälligen Symptomen beim Kind überfordert. Aus Angst Fehler gemacht zu haben, klassifizieren sie ihre Kinder schnell als hyperaktiv. Unterstützt wird dies durch Ärzte, die ohne hinreichende Untersuchungen den Kindern den „Stempel ADHS verpassen“. Oftmals fehlt sogar die Befähigung der Ärzte diese Diagnose zu erstellen. Es ist meist sogar eine Erleichterung für die Eltern, die sich so keine eigenen Vorwürfe hinsichtlich ihrer Erziehung machen müssen. Zudem haben die Ärzte schnell ihre Ruhe und „das Problem ist gelöst“. Auch andere Erziehungsberechtigte, wie z.B. die Lehrer, haben es schwer mit diesen Schülern im Unterricht richtig umzugehen. Sie stören oft den Unterricht und sind unaufmerksam.

Was hat dies aber nun mit dem Medikament Ritalin zu tun? Ritalin ist ein Pharmazeutikum mit einer stimulierenden Wirkung und stellt somit verhaltensauffällige Kinder ruhig. Da es schnell und zuverlässig wirkt, ist es ein häufig angewandtes Medikament. Bis zu einem Fünftel der Grundschüler nimmt heute Ritalin, oft sogar verschrieben von Zahnärzten und Gynäkologen. Seit geraumer Zeit gilt Ritalin als „das“ Wundermittel gegen ADHS und ist eine bevorzugte Behandlungsmaßnahme der Ärzte.

Als erstes werde ich mich in meiner Arbeit mit dem Krankheitsbild ADHS, den Symptomen und mit den Theorien der Ursachen befassen. Aufgrund meines Lehramtstudiums versuche ich nicht nur bei den Symptomen, sondern auch allgemein soweit wie möglich einen Schulbezug herzustellen. Es stellt sich die Frage, ob jedes unruhige Kind die Diagnose ADHS tragen darf bzw. welche Kinder berechtigt sind diesen „Titel“ zu tragen. Im 2. Teil der Arbeit gehe ich der Frage nach, ob die Behandlungsmethode mit Ritalin eine sinnvolle ist und wie die Therapie aussieht. Des Weiteren möchte ich alternative Methoden aufgreifen und in einer Reflexion auswerten.

Mit Sicherheit bedarf es eine genaue Analyse der Fakten, da in Italien bereits das Medikament Ritalin verboten ist, wobei es im Gegensatz dazu, speziell in den USA aber auch anderen Ländern, der „Renner“ unter den Arzneimitteln ist. In den USA werben bereits Apotheken zu Schulbeginn mit Ritalin im Sonderangebot. Weiter fokussieren Zitate wie z.B. „werden aus Deutschlands Kinder Drogensüchtige gemacht“ die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Debatte um Ritalin.

Verhaltensauffällige Kinder leiden unter ihrer Unruhe. Sie brauchen die ganze Unterstützung von Eltern und Lehrern. Es muss unser Ziel sein, diese Kinder besser verstehen zu lernen, ihnen Hilfestellungen zu geben und sie auf dem besten Wege zu behandeln. So kann mit ihnen zu Hause und in der Schulklasse entspannter und effektiver umgegangen und ein besseres Zusammenleben ermöglicht werden.

Nehmen wir uns dem Thema an, denn Kinder sind die „Rohstoffe“ unserer Zukunft.

2 Was ist ADHS?

„Ist Ihr Kind oft verträumt und unkonzentriert, gleichen Zimmer, Wohnung und Schultasche eher einem Schlachtfeld, startet der Morgen regelmäßig turbulent und chaotisch, werden Hausaufgaben zur stundenlangen Qual und geht vieles trotz bester Absichten immer wieder schief?“ (vgl. Larisch, 2004, Kap. 1). Hier müssen nicht unbedingt Erziehungsfehler die Ursache dafür sein. Oft handelt es sich hierbei um das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS). Dies ist ein Krankheitsbild, das sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen auftreten kann. Vorrangig tritt es im Kindesalter auf, jedoch viele der betroffenen Kinder leiden auch noch im Erwachsenenalter darunter. In der Hausarbeit beziehe ich mich jedoch ausschließlich auf Kinder und Jugendliche.

In den folgenden Ausführungen nehme ich Bezug auf Krowatschek (2001, S. 18f.).

Zur Zeit sind es etwa 5-6% aller Kinder in Deutschland, die von dem Syndrom betroffen sind. Die Zahl der ADHS-Kinder hat in den letzten Jahren um ca. 10-20% zugenommen. In anderen Ländern sind gleiche Entwicklungen zu erkennen, ganz besonders in den USA. Hier hat sich die Zahl der diagnostizierten Kinder „in den letzten Jahren von 900.000 auf nahezu 5 Millionen erhöht“ (Diller, 1998, zit. n. Krowatschek, 2001, S. 18). Es stellt sich die Frage, ob man nach dieser drastischen Entwicklung dieses Syndrom schon als Krankheit einstufen kann, wie beispielsweise Grippe oder Asthma.

Viele Eltern und Lehrer sind mit solchen verhaltensauffälligen Kindern überfordert und können nicht angemessen mit ihnen umgehen. Eltern fühlen sich oft unsicher, wenn ein Lehrer sagt: „Ihr Kind ist vielleicht hyperaktiv“. Aussagen wie diese werden von Eltern oft persönlich genommen und sie fühlen sich angegriffen. Die Angst ist groß, selber schuld daran zu sein und bei der Erziehung Fehler gemacht zu haben, oder gar versagt zu haben. Man spürt das Gefühl, dass Kinder großzuziehen heute eine Herausforderung ist. Viele Eltern weichen daraufhin in die Passivität aus und ignorieren die Verhaltensweisen ihrer Töchter bzw. Söhne. Andere wiederum werden ärgerlich und stellen die Kompetenz von Lehrern in Frage, solche Aussagen zu machen. Es sei ein medizinisches Problem, und nur Ärzte hätten das Recht solche „Diagnosen“ zu erstellen. Vielen Eltern sind sich der Verhaltenprobleme ihrer Kinder bewusst, hoffen jedoch darauf, dass sich ohne Interventionen alles zum Guten wendet und sich das Verhalten irgendwann von alleine verbessert. Diese Reaktionen haben lange Leidenswege von Kindern und ihren Familien zur Folge. Oft ist es dann sogar eine Erleichterung für die Erziehenden, wenn das Kind vom Arzt oder Psychologen mit der Diagnose ADHS „abgestempelt“ wird. Leider wird die Diagnose heute sehr schnell erstellt und viele Ärzte haben nicht einmal das Recht dazu. Es gibt mit Sicherheit auch ganz „normale“ unruhigere bzw. aktive Kinder und Jugendliche. „Die Ansicht darüber, was in diesem Bereich normal ist, können sehr stark variieren und zudem von ganz unterschiedlichen Situationen abhängen“ (Krowatschek, 2001, S. 20). Als Beispiele mit ähnlichen Symptomen können Neurodermitis, Schilddrüsenüberfunktion, Autismus, Epilepsie oder Schizophrenie genannt werden, um nur einige zu nennen. Diese Differenzierbarkeit ist mit Sicherheit als Problem anzusehen und Fehldiagnosen sind unvermeidbar.

Im Folgenden beziehe ich mich weiter auf Krowatschek (2001, S. 21). Um die Störung genau diagnostizieren zu können, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

- das Verhalten tritt seit mindestens sechs Monaten auf
- die Symptome waren schon vor dem siebten Lebensjahr vorhanden (auch wenn sie noch nicht diagnostiziert wurden)
- sie treten in verschiedenen Bereichen (z.B. Schule, Familie und Freizeitbereich) auf
- die soziale und schulische Funktionsfähigkeit ist herabgesetzt
- das Ausmaß der Störung zeigt sich als unvereinbar mit dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes

Dabei wird von Fehldiagnosen von bis zu 30% ausgegangen.

Im wissenschaftlichen Bereich wurden die ADHS-Symptome unterschiedlich definiert. Interpretiert von der „Stillschen Krankheit“ über zerebrale Dysfunktion (frühkindliche Hirnschädigung), zählte man sie „zu den Teilleistungsstörungen und fasste sie als eine Wahrnehmungsstörung oder als eine Nahrungsstörung auf“ (ebd., S. 19). Heute unterscheiden wir 2 Krankheitsbilder. Zum einen das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ohne Hyperaktivität, wenn der Betroffene vorwiegend unaufmerksam ist. Diese Kinder sind meistens durchschnittlich oder höher begabt, jedoch können sie ihre Intelligenz durch die Aufmerksamkeits-störung nur selten zeigen und es kommt zu deutlichen Leistungs-einschränkungen. Zum anderen unterscheidet man das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität, falls die Hyperaktivität bzw. die Impulsivität überwiegt. Zudem sind diese Kinder leicht ablenkbar und wenig ausdauernd. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, beziehe ich mich in meiner Arbeit auf das ADHS, wobei beide Formen ineinander greifen und sich gegenseitig ergänzen.

Im allgemeinen leiden sechs- bis zehnmal so viele Jungen unter diesem Syndrom. Mädchen sind beim ADHS ohne Hyperaktivität häufiger betroffen als Jungen, während es mehr Jungen mit Hyperaktivität gibt (vgl. Keidel, 2003, S.10). In der Literatur variieren die Angaben und Zahlen jedoch stark, was auf die hohe Anzahl von Fehldiagnosen zurückzuführen ist.

Aufgrund dieser Zahlen scheint ADHS zu einem großen Problem im 21. Jahrhundert zu werden. Natürlich gab es früher auch schon solche Probleme, doch waren damals derartige verhaltensauffällige Probleme bei Kindern nebensächlich. Erst heute wird das Störungsbewusstsein immer größer, da eine „optimale Förderung auf dem Weg zur Leistungsgesellschaft seitens der Eltern und der Politik groß geschrieben werden“ (ebd., S. 11). Um eine Diagnose hinsichtlich ADHS zu erstellen und Fehldiagnosen zu vermeiden, bedarf es eine enge Zusammenarbeit von Kindern, Eltern, Lehrern, Ärzten und Psychologen, damit dem Kind eine optimale Unterstützung zur Bewältigung seiner Probleme gegeben wird.

3 Symptome von ADHS?

Viele Kinder sind unruhig, reden viel, die motorischen Fähigkeiten sind schlecht ausgebildet oder sie haben eine unleserliche Handschrift. Das heißt aber nicht gleich, dass sie ADHS haben. ADHS-Kinder zeigen zahlreiche spezifische Symptome, welche in der Regel zusammen auftreten. Keiner der Menschen mit ADHS zeigt jedoch alle Merkmale gleichzeitig. Es gibt 3 typische Basismerkmale, auf die ich im Folgenden eingehe, und die Symptome teilweise auf schulische Situationen beziehen werde. Die 3 Basismerkmale überschneiden sich in vielen Bereichen und äußern sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Viele Symptome treten in bestimmten Lebensabschnitten vermehrt oder vermindert auf (vgl., ebd., S. 13). Dies zeigt schon jetzt eine große Komplexität des Krankheitsbildes auf.

3.1 Aufmerksamkeitsstörungen und Konzentrationsprobleme:

Bei ADHS-Kindern macht sich eine gestörte Aufmerksamkeit in der Schule schon bereits dann bemerkbar, wenn es darum geht eine Aufgabe überhaupt erst einmal zu beginnen. Bei längeren Arbeitsaufgaben zeigt sich bei diesen Kindern eine mangelnde Daueraufmerksamkeitsspanne. Oft „driften“ die Schüler ab, werden abgelenkt und müssen vieles mehrmals lesen, um es zu verstehen (vgl. Dietz, 1999, Kap. 5). Um abgelenkt zu werden reichen bereits kleine Reize aus, die für „normale“ Kinder uninteressant sind, aber für diese Schüler einen Pol darstellen, dem sie unweigerlich Aufmerksamkeit schenken. Der Grund dafür ist, dass die Verarbeitung solcher quasi nebensächlicher Reize, von ihrem Gehirn falsch interpretiert werden. Somit kommt es automatisch zu Schwierigkeiten bei der Informationsverarbeitung und Gelerntes wird schnell wieder vergessen. Die kurze Daueraufmerksamkeitsspanne geht mit einer geringen Konzentrationsfähigkeit einher. Zu den Ablenkungsreizen zählen somatische, phantasiebezogene, auditive und visuelle Ablenkungen (vgl. Keidel, 2003, S. 14). Da es in der Schulklasse ruhig zugeht, wird die Aufmerksamkeit von ADHS-Kindern bereits auf kleine Bewegungen oder Geräusche von Mitschülern gelenkt und sie werden so von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt. Positives Arbeitsverhalten ist schwierig zu erreichen, jedoch aber bei sehr interessanten und neuen Aufgaben zu bemerken. Des Weiteren bewirkt eine eins-zu-eins Betreuung mit einem Erwachsenen eine hohe Konzentrationsfähigkeit für diesen Zeitraum.

Wie Dietz, (1999, Kap. 5) auflistet sind weitere Symptome, unvollständiges Arbeiten und die mangelnde Fähigkeit mit Stimmungsschwankungen beim Arbeiten umzugehen. Die Schüler sind oft kritikempfindlich, genervt und chronisch entmutigt. Dazu kommt ein häufiges Auftreten von der Lese-Rechtschreib-Schwäche oder anderen Teilleistungsstörungen.

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Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656565055
ISBN (Buch)
9783656565048
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266493
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Schlagworte
streit ritalin

Autor

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