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Der parlamentarische Fraktionszwang in Deutschland aus Sicht der Schweigespirale

Hausarbeit 2011 15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Elisabeth Noelle-Neumann

3. Die Theorie der Schweigespirale
3.1 Die Aspekte der Schweigespirale
3.2 Rahmenbedingungen zur Entstehung
3.3 Empirische Untersuchungen

4. Kritik

5. Der Fraktionszwang aus Sicht der Schweigespirale
5.1. Der Begriff Fraktionszwang
5.2. Anwendbarkeit der Schweigespirale auf den Fraktionszwang

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie der Schweigespirale von Elisabeth Noelle-Neumann, angewandt auf den parlamentarischen Fraktionszwang in Deutschland. Um einen ersten Überblick zu vermitteln, ist es notwendig, die Biographie Noelle-Neumanns themenbezogen auf die Entstehung der Schweigespirale nachzuzeichnen (Kapitel 2). Direkt im Anschluss folgt die Darstellung der Theorie der Schweigespirale basierend auf der Darstellung Noelle-Neumanns (Kapitel 3). Die psychologischen, kommunikations- und gesellschaftstheoretischen Aspekte werden eingehend erläutert, um den Bezug auf den Fraktionszwang, welcher im letzen Teil erläutert wird, nachvollziehbar zu verdeutlichen (Kapitel 3.1). Auf die empirische Überprüfung Noelle-Neumanns kann aufgrund der formalen Vorgaben nur sehr kurz eingegangen werden; deswegen wird der für diese Arbeit relevante Redebereitschaft anhand des „Eisenbahntests“ näher vorgestellt (Kapitel 3.3). Die Veröffentlichung des Werks „Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung“ löste eine große Welle an Kritik aus; zweckmäßig wird diese umfassend aufgezeigt (Kapitel 4). Der zweite Teil befasst sich mit der Frage, inwieweit sich die Theorie der Schweigespirale auf den politischen Fraktionszwang anwenden lässt (Kapitel 5). Die verwendete Literatur beschränkt sich auf die Grundwerke zur Theorie und Kritik zuzüglich einzelner Internetquellen.

2. Elisabeth Noelle-Neumann

Die Entwicklerin der Schweigespirale, Elisabeth Noelle-Neumann, wurde am 19. Dezember 1916 in Berlin geboren und studierte Philosophie, Geschichte und Zeitungswissenschaften in Berlin, München und Königsberg. 1937/38 erhielt sie ein Stipendium an der School of Journalism der University of Missouri und promovierte wenig später unter dem Titel „Amerikanische Massenbefragung über Politik und Presse“.1 Im Jahr 1946 heiratete sie Erich Peter Neumann, Journalist und späterer CDU-Bundestagsabgeordneter. Gemeinsam gründeten sie 1947 das erste deutsche Meinungsforschungsinstitut „Institut für Demoskopie Allensbach“.2 Die mithilfe des Instituts gewonnen Ergebnisse der Umfragen der Bundestagswahlen 1972 und 1976 veranlassten sie eine Theorie zu entwickeln, die den beobachteten „last-minute-swing“ (Mitläufer in letzter Minute) erklären sollte. 1980 veröffentlichte sie ihr vielfach diskutiertes Werk „Die Schweigespirale“. Öffentliche Meinung unsere soziale Haut“, dass sie bis in die 80er Jahre weiterentwickelte. Elisabeth Noelle-Neumann starb am 25. März 2010 in Allensbach.3

3. Die Theorie der Schweigespirale

Grundlegend basiert die Theorie der Schweigespirale auf der Furcht des Menschen vor Isolation.4 Noelle-Neumann erforschte den Prozess der Entstehung einer öffentlichen Meinung und inwieweit Menschen in öffentlichen Situationen bereit sind, ihre Meinung zu äußern. Bedingt durch das „Meinungsklima“, das in den „Vorstellungen der Menschen, welche Ansichten und Verhaltensweisen gebilligt beziehungsweise abgelehnt werden“5 verwendet wird. Grundlage hierfür, ist der Prozess der Bildung einer öffentlichen Meinung. Menschen, dessen Anzahl geteilter Meinung wächst, sehen sich darin bestärkt, diese öffentlich zu äußern. Dadurch gewinnt diese an stärkerer Bedeutung, je mehr sich anschließen. Wiederum Meinungsvertreter, welche an Zustimmung verlieren und folglich verunsichern, verfallen ins Schweigen. Im Sinne einer Spirale autorisiert sich der Prozess einer subdominanten Meinung in der Öffentlichkeit bis sie schließlich komplett verstummt.6 Die „Schweigespirale“ stellt eine Makro-Theorie dar, die im Wesentlichen auf Erkenntnissen der drei folgenden Wissenschaftsbereiche basiert.7

3.1 Die Aspekte der Schweigespirale

Der Mensch ist ein Gesellschaftstier.8 Der natürliche „Instinkt“9 verlangt einer Gruppe anzugehören, um die gesellschaftliche Isolation nicht fürchten zu müssen. [Aristoteles: „Der Mensch ist ein zoon politikon ( ζωον πολιτικον).]10 Deshalb unterwirft sich das Individuum jedem einzelnen Konformitätsdruck und verschweigt seine Meinung, wenn es glaubt, es befinde sich mit dieser Stellung in der Minderheit. Andersherum neigt es, sich öffentlich zu der Meinung zu bekennen, sobald es vermutet, damit in der absoluten Mehrheit zu stehen.11 Durch Experimente von Stanley Milgram und Solomon Asch haben wir ausreichende Erkenntnisse gewinnen können, wie sich der Einzelne in Gruppensituationen verhält, um eine Isolation zu vermeiden. Darin erkannte man, dass Menschen aufgrund des Gruppendrucks sich für die Meinung der Mehrheit entschlossen, obwohl diese selbst in derer Auffassung offensichtlich falsch war.12 Ein weitere Hypothese der sozialpsychologischen Aspekte ist, dass von Noelle-Neumann sogenannte „quasi-statistische

Wahrnehmungsorgan“. Es beschreibt die Fähigkeit des Menschen, Aufschluss über die Zu- und Abnahme des Meinungsklimas zu gewinnen, sowohl im direkten Umfeld als auch im indirekten über die Rezeption von Massenmedien.13 Zum „Spiralprozess“ kommt es unter Einwirkung der Zeit. Durch die dynamische Entwicklung erscheint die vermeidlich schwächere Meinungsfraktion immer schwächer, als sie wirklich ist und die vermeidlich stärkere immer stärker.14 Ähnlich meint Jäckel „wer auf Kommunikation verzichtet, kann auch nicht auf öffentliche Resonanz hoffen“.15

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1 Wunderlich, Dieter (2006 / 2010): Elisabeth Noelle-Neumann 1916 - 2010 / Biografie [online] URL: http://www.dieterwunderlich.de/Elisabeth_Noelle_Neumann.htm [Stand 19.08.2011].

2 Augstein, Franziska (26.03.2010): Frau Professor Allensbach [online] URL:http://www.sueddeutsche.de/politik/elisabeth-noelle-neumann-ist-tot-frau-professor- allensbach-1.8521 [Stand 19.08.2011].

3 Noelle-Neumann, Elisabeth - Leben und Biographie [online] URL: http://www.litde.com/autoren/noelleneumann-elisabeth.php [Stand 19.08.2011].

4 Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft, Wien usw. 2002, S. 262.

5 Ebd., 265.

6 Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung, München usw. 1980, S.XIII.

7 Schenk, Michael: Medienwirkungsforschung, Tübingen 2007, S. 527.

8 Müller, Hans-Peter: Max Weber, Wien usw. 2007, S. 63.

9 Noelle-Neumann, Elisabeth: Öffentliche Meinung, 1996, S. 349.

10 Rese, Friederike: Praxis und Logos bei Aristoteles, Tübingen 2003, S. 322.

11 Schenk, Michael: Medienwirkungsforschung, Tübingen 2007, S. 527.

12 Jäckel, Michael: Medienwirkungen, Wiesbaden 2011, S. 280.

13 Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Schweigespirale, München 2001, S.166.

14 Schenk, Michael: Medienwirkungsforschung, Tübingen 2007, S. 527.

15 Jäckel, Michael: Medienwirkungen, Wiesbaden 2011, S. 280.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656572428
ISBN (Buch)
9783656572398
DOI
10.3239/9783656572428
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Erscheinungsdatum
2014 (Januar)
Note
1,3
Schlagworte
fraktionszwang deutschland sicht schweigespirale
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