Lade Inhalt...

Empirische Bilanzanalyse versus Kennzahlenanalyse

Vor- und Nachteile der Verfahren

Hausarbeit 2013 31 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bilanzanalyse
2.1 Aufgaben und Stakeholder
2.2 Schwächen der Bilanzanalyse

3. Kennzahlenanalyse
3.1. Grundlagen und Aufgaben
3.2. Bedeutung und Schwächen
3.3. Kennzahlensysteme
3.3.1. Grundlagen und Aufgaben von Kennzahlensystemen
3.3.2. Einblicke in verschiedene Kennzahlensysteme
3.3.3. Stärken und Schwächen der Kennzahlensysteme

4. Empirische Bilanzanalyse
4.1. Grundlagen der empirischen Bilanzanalyse
4.1.1. Kennzahlenauswahlverfahren auf univariater Basis
4.1.2. Multivariate Diskriminanzanalyse
4.2. Neuronale Netze
4.2.1. Grundlagen der Neuronalen Netzanalyse
4.2.2. Besondere Bedeutung der Neuronalen Netzanalyse.
4.3. Stärken und Schwächen der Verfahren

5. Empirische Bilanzanalyse versus Kennzahlenanalyse

6. Kritische Würdigung

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Thema dieser Hausarbeit ist es, die empirische Bilanzanalyse im Gegensatz zur Kennzahlenanalyse zu betrachten. Es ist dafür unerlässlich, sich eine Vorstellung darüber zu machen, wer die verschiedenen Stakeholder einer Bilanzanalyse (BA) sind und welchen Informationsbedarf sie haben. Daher werden in dieser Hausarbeit auch die Kosten-Nutzen-Relationen im Hinblick auf die unterschiedlichen Interessenten betrachtet. Nach dem allgemeinem Teil über die BA und deren Stakeholder, wird thematisch in die Kennzahlenanalyse (KZA) eingestiegen. Beginnend mit der Kennzahlenbildung wird es fachlich komplexer mit der Zusammenfassung der Kennzahlen zu Kennzahlensystemen. Nach dem allgemeinem Teil über die Systeme, werden die Wichtigsten kurz vorgestellt, um anschließend auch besser auf die Stärken und Schwächen eingehen zu können. Anschließend werden die modernen Verfahren der Bilanzanalyse vorgestellt und erläutert. Zunächst wird die univariate Kennzahlenauswahl vorgestellt, um die danach folgend vorgestellte und erläuterte Multivariate Diskriminanzanalyse (MDA) nicht nur besser zu verstehen, sondern auch die Stärken und Schwächen besser erläutern zu können. Zum Ende des deskriptiven Teils wird die Künstliche Neuronale Netzanalyse (KNNA) behandelt. Hier werden die Grundlagen und die besondere Bedeutung des Verfahrens herausgearbeitet. Beim Vergleich der Stärken und Schwächen der Verfahren der modernen Bilanzanalyse untereinander wird auch verstärkt auf den speziellen Fall einer Unternehmenskrise eingegangen, da sich die modernen Verfahren besonders hierfür eignen und auch konzipiert werden. Da nun sowohl die KZA als auch die empirische Bilanzanalyse vorgestellt und erläutert wurden, dabei auch jeweils die Stärken und Schwächen herausgearbeitet wurden, wird eine allgemeine Gegenüberstellung vorgenommen. Unter Punkt 5 meiner Gliederung „Empirische Bilanzanalyse versus Kennzahlenanalyse“ wird nicht nur auf die Stärken und Schwächen eingegangen, es wird der Fokus auf die Stakeholder und Bilanzanalysten gelegt und die Frage, wie mit den Vor- und Nachteilen der Verfahren umgegangen werden soll. Zum Ende der Hausarbeit folgt eine kritische Würdigung, bei der die Aspekte aufgegriffen werden, die vorher noch nicht so deutlich herausgestellt wurden, meiner Meinung nach aber angesprochen werden sollten. Zudem gibt es einen Ausblick auf eine mögliche Entwicklung der Verfahren und deren Bedeutung. Aufgrund der fachlichen Komplexität und des thematischen Umfangs, konnten nicht alle Aspekte, die die Verfahren betreffen, angeführt, erläutert und kritisch gewürdigt werden. Die Hausarbeit weist nicht den Anspruch auf Vollständigkeit auf.

2. Bilanzanalyse

2.1. Aufgaben und Stakeholder

„Mit Jahresabschluss- oder auch Bilanzanalyse werden Verfahren der Informations-gewinnung- und auswertung bezeichnet, mit deren Hilfe aus den Angaben des Jahresabschlusses (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung und Anhang) und des Lageberichts Erkenntnisse über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Unternehmung gewonnen werden.“[1] Eine wichtige gesetzliche Grundlage der Jahresabschlussanalyse bildet der §242 HGB. Unternehmungen haben hiernach mindestens einmal jährlich über ihre wirtschaftliche Situation und somit über den Erfolg ihrer Geschäftstätigkeit Bericht zu erstatten. Der Jahresabschluss ist hierbei das Instrument der Rechenschaftslegung.[2] Zum einem haben die verschiedenen Interessengruppen o.a. Stakeholder einer Unternehmung diverse und zum Teil auch kontroverse Erwartungen an den Informationsgehalt einer Bilanz. Zum anderen muss auch der Tatsache Rechnung getragen werden, dass zum Teil ganz unterschiedliche Qualifikationen zur Auswertung des Jahresabschlusses den Adressaten zur Verfügung stehen. Somit besteht der Anspruch an die Bilanz, dass alle benötigten Informationen zur Verfügung stehen und auch von den unterschiedlichen Interessengruppen im Hinblick auf ihre Ansprüche verstanden und interpretiert werden können.[3] Mit Fokus auf die einzelnen Stakeholder hat die zu analysierende Bilanz demnach unterschiedliche Funktionen. Die Funktionen unterteilen sich in drei Gruppen. Da gibt es zum einem die Gewinnermittlung- und Ausschüttungsbemessungsfunktion. Hier liegt die Hauptaufgabe in der Ergebnisermittlung und bildet die Grundlage für die Gewinnverwendung. Daran knüpft die Gewinnverteilung an die Gesellschafter und die Eigenkapitalgeber sowie die Besteuerungsgrundlage für den Fiskus an. Ein weiterer Bestandteil ist die Informationsfunktion. Dazu zählen die Selbstinformation für die Eigentümer und Gesellschafter sowie das Management. Hinzu kommen die Rechnungslegung gegenüber Dritten und der Gläubigerschutz. Die letzte Funktion ist die Dokumentationsfunktion. Diese beinhaltet die Erfassung und Aufbewahrung von Daten. Diese Funktion ist besonderes für die empirische Bilanzanalyse von spezieller Bedeutung, worauf später in dieser Arbeit noch ausführlicher eingegangen wird.[4] Die BA lässt sich in 4 Arten untergliedern, wie die folgende Abbildung 1 noch einmal verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNG 1: „Arten der Bilanzanalyse“[5]

Die verschiedenen Arten der Bilanzanalyse haben unterschiedliche Schwerpunkte in ihren Funktionen und Aufgaben. Für die diversen Stakeholder sind die verschiedenen Arten von unterschiedlicher Bedeutung. Die interne Bilanzanalyse wird bspw. für einen Adressatenkreis innerhalb des Unternehmens erstellt. Im Vordergrund stehen Informationsverdichtung, Urteilsbildung und Entscheidungsfindung. Externe Bilanzanalysen werden von Dritten, nicht zum Unternehmen gehörenden Personen oder Institutionen durchgeführt. Die Grundlage für die externe Analyse bilden die publizierten Bilanzen, Anhänge, Lageberichte und GuV-Rechnungen. Der Zweck der Analyse variiert allerdings von Interessengruppe zu Interessengruppe. Die Anteilseigner benötigen Informationen über die Verwendung des von ihnen zur Verfügung gestellten Kapitals und dem daraus resultierenden Erfolgs. Die Informationen bilden die Basis für Entscheidungen, was mit den Anteilen an einer Unternehmung geschehen. Zu den Geschäftspartnern als weitere Adressatengruppe der externen BA zählen die Lieferanten und Kreditgeber. Ihr berechtigtes Interesse besteht in der Beurteilung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Es sollen Informationen über die Liquidität, Vermögens- und Kapitalstruktur, Umsatzsituation, Ertragskraft, Rentabilität sowie die zukünftigen Erwartungen gewonnen werden. Zu dieser Interessengruppe zählen des Weiteren die Kunden des Unternehmens. Sie sind vor allem an der Solidität interessiert, da sie evtl. spezielle Leistungen erhalten, die nur umständlich substituiert werden können. Die Arbeitnehmer und Gewerkschaften bilden eine weitere Gruppe mit Interesse an einer externen Bilanzanalyse. Sie achten vor allem auf die Arbeitsplatz- und Einkommenssicherung. Die letzte Gruppe bildet die interessierte Öffentlichkeit. Sie umfasst alle mit wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragen interessierten Personen und Personengruppen wie Presse, Politiker, Verbände, Institute aber auch Nachbarn und Anwohner.[6] Zur Feststellung, ob eine Bilanz inklusive GuV-Rechnung, Anhang, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel und Lagebericht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, gibt es die formelle Bilanzanalyse. Im Fokus stehen hier die Bilanzklarheit, Bilanzwahrheit, Bilanzkontinuität und die Bilanzidentität. Der Wirtschaftsprüfer führt diese Analyse hauptsächlich durch. Als letzte Analyseart wird die materielle Bilanzanalyse vorgestellt. Sie untergliedert sich wiederum in die Substanzanalyse und die Kennzahlenanalyse. Die Substanzanalyse prüft das Zustandekommen und die Zusammensetzung der einzelnen Posten des Jahresabschlusses und betrachtet weiterhin die Entwicklung. Eine andere Form der materiellen Bilanzanalyse ist die Kennzahlenanalyse, auf die im 3. Gliederungspunkt noch intensiv eingegangen wird.[7]

2.2. Schwächen der Bilanzanalyse

Eine typische Schwäche der BA liegt darin, dass diverse Annahmen getroffen werden müssen. Die Interessengruppen brauchen für ihre Entscheidungen Voraussagen über die zukünftige Entwicklung der Unternehmung. Allerdings erhalten sie lediglich Daten aus den vergangenen Perioden und müssen annehmen, dass sich die daraus ergebene vergangene Entwicklung auch in der Zukunft so weiter fortsetzt. Aufgrund von unterschiedlichen Faktoren wie z.B. eine steigende Marktdynamik und einer Veränderung der auf das Unternehmen wirkenden Kräfte, sind diese Annahmen unsicher und lassen sich nicht einfach für die zukünftigen Entwicklungen übernehmen.[8] Eine weitere Problematik ergibt sich aus der Tatsache, dass die Informationen, die bspw. dem externen Bilanzanalytiker zur Verfügung stehen, unvollständig bzw. lückenhaft sind. Für die zukünftige Entwicklung relevante Daten, wie z.B. Informationen über Auftragsbestände, bestehende Kreditlinien und Angaben über Sicherheiten und deren Höhe für die bestehenden Forderungen des Unternehmens, sind für außenstehende Interessengruppen oft nur schwer oder gar nicht einzusehen. Eine weitere Schwäche der Jahresabschlussanalyse ist die Bilanzpolitik. Es gibt zahlreiche Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften, wodurch ebenfalls Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte entstehen. Diese Tatsache kann zum Ansatz von unrealistischen Werten führen und erschwert darüber hinaus die Vergleiche der Jahresabschlüsse untereinander.[9] Die Unternehmensleitung kann durch den gezielten Einsatz von Bilanzpolitik das Bild des Unternehmens bewusst in eine für sich gewünschte Richtung lenken. Dieses kann vor allem durch gewährte Ermessensspielräume geschehen. „Professional judgement“ ist ein Begriff aus der internationalen Rechnungslegung und meint eine möglichst korrekte Beurteilung der Sachverhalte durch den Bilanzierenden. Diese Beurteilung ist für einen externen Bilanzanalytiker aber kaum nachprüfbar und auch kaum korrekt nachzuvollziehen. Zu einer starken Veränderung der Bilanz führt hier der Punkt der stillen Reserven. Sie können das Bild eines Unternehmens deutlich verzerren. In wirtschaftlich guten Zeiten werden sie aufgebaut, um sie dann in wirtschaftlich schlechteren Zeiten wieder aufzulösen um sich so als wirtschaftlich erfolgreicher zu präsentieren und auch Schwächen zu verstecken bzw. abzumildern.[10] Eine weitere Erschwerung für eine tatsachenbezogene Bilanzanalyse stellt das HGB dar. Es erlaubt kleinen und mittelgroßen Kapitalgesellschaften gewisse Erleichterungen bei der Erstellung ihrer Bilanz. So nehmen beispielsweise der Detailierungsgrad der Informationen ab und damit gleichzeitig der Informationsgehalt der Daten für den Analytiker. Zudem hat sich das HGB traditionell dem Gläubigerschutz gewidmet. Bei den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung steht der Gläubigerschutz im Fokus. Das hat zur Konsequenz, dass Sachverhalte oftmals verzerrt werden. Dieser Umstand wird weiterhin durch das Maßgeblichkeitsprinizip verstärkt. Durch den Anschluss des Steuergesetzes an das Handelsgesetzbuch stehen Interessen im Vordergrund, die vor allem auf die Gewinnermittlung und so auf die Steuerbemessungsgrundlage und auf den Schutz von Gläubigern abzielen.[11] Die erwähnten Schwächen bzw. Grenzen der Bilanzanalyse sollen nicht bedeuten, dass die Bilanzanalyse für die aufgezählten Stakeholder keinen Wert hat. Es soll lediglich verdeutlichen, dass ein Bilanzanalytiker diese Grenzen kennen sollte, um gezielt mit ihnen umzugehen und die Aussagefähigkeit von manchen Kennzahlen kritischer betrachtet, um Fehler in der Beurteilung und seinen daraus resultierenden Schlüssen zu minimieren.

3. Kennzahlenanalyse

3.1. Grundlagen und Aufgaben

Das KS zur Bilanzanalyse wurde sowohl für die internen als auch für die externe Analyse des JA entwickelt. Es kann dabei für verschiedene Vergleiche verwendet werden.

Die KZA ist eine Auswertungs- und Darstellungstechnik der BA und ist ein geeignetes Instrument der Informationsgewinnung. Grundzahlen, also Daten als absolute Zahlen bilden die Grundlage für die KZA. Einzelzahlen, Summen oder Differenzen haben allerdings ohne einen geeigneten Vergleichsmaßstab nur einen relativ geringen Informationswert- bzw. nutzen. Um den Informationsgehalt zu steigern, setzt man also die absoluten Kennzahlen ins Verhältnis zu einander und erhält relative Kennzahlen.[12] Je mehr man die Daten verdichtet, desto höher ist auch der Informationswert der einzelnen Kennzahlen.[13] „Kennzahlen sind hochverdichtete Maßgrößen, die in einer konzentrierten Form komplizierte Strukturen und Prozesse abbilden, um einen möglichst schnellen und umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu erlauben.“[14] Die Hauptaufgaben die den Kennzahlen bei einer Jahresabschlussanalyse zukommen, sind ganz unterschiedlich. Sie sollen bspw. Tatsachen erkennbar machen, die sonst nicht zu analysieren wären. Rentabilität eines Unternehmens ist z.B. ein solcher Sachverhalt, der ohne Kennzahlen nicht zum Ausdruck gebracht werden könnte. Eine andere Aufgabe besteht darin, Sachverhalte bzw. Informationen zu verdichten, so dass eine oder einige wenige Zahlen diesen Sachverhalt adäquat beschreiben können. Die Erhöhung der Transparenz stellt ebenso eine wichtige Aufgabe der Kennzahlen dar. Sie dienen dabei dem Vergleich von Unternehmen zu anderen Unternehmen der Branche, aber auch internen Vergleichen oder branchenübergreifenden Vergleichen.[15] Bei der Bildung von Kennzahlen kommt dem Entsprechungsprinzip eine hohe Bedeutung zu. Das bedeutet, dass der Zähler und der Nenner in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen müssen. Ansonsten ist die Aussagefähigkeit der Kennzahlen eher gering. Man unterscheidet in der Literatur drei verschiedene Typen von Kennzahlen. Dieses sind Gliederungs-, Beziehungs- und Indexzahlen.[16] Bei der Erstellung von Gliederungszahlen wird ein Teil ins Verhältnis zum Gesamten gesetzt. Das Ziel ist dabei die Ermittlung der Relationen zwischen Teilgrößen und den korrespondierenden Gesamtgrößen. Die Gliederungszahlen machen so z.B. Vergleiche von Betrieben mit unterschiedlichen Größen möglich. Hierbei sollte beachtet werden, dass eine zusätzliche Angabe von den absoluten Zahlen dabei hilft, ein realistisches Bild der tatsächlichen Größenordnung zu bekommen. Beziehungszahlen hingegen sind unterschiedliche absolute Zahlen, die einander gegenüber gestellt werden. Dabei müssen sie einen sinnvollen und hohen inneren Zusammenhang aufweisen. Eine ökonomisch wichtige und sinnvolle Beziehung besteht bspw. beim Aufwand zum Ertrag oder Gewinn zum Umsatz etc. Ziel der Beziehungszahlen ist es, die Realität vereinfacht dar zu stellen.[17] Um Entwicklungen und zeitliche Veränderungen dar zu stellen eignen sich die Indexzahlen o.a. Indexmesszahlen genannt. Der Vergleich findet statt, indem ein Messzeitpunkt die Basis für alle Vergleiche bildet, somit gleich 100% gesetzt wird. Diese Methode wird häufig bei Aktien- und Preisindizes verwendet.[18]

3.2. Bedeutung und Schwächen

Der Bildung von Kennzahlen kommt in der Wirtschaft eine große Bedeutung zu. Kennzahlen sind für die Praxis unverzichtbare Instrumente zur Planung, Steuerung und Kontrolle. Für den Jahresabschluss bspw. filtern sie die Flut an Informationen und können zielgerichtet je nach Bedarf verwendet werden. Sie geben messbare betriebliche Tatbestände hoch verdichtet wieder.[19] Aufgrund der Aussagekraft und den damit verbundenen Entscheidungen, die sowohl im Management als auch bei Kapitalgebern und Fremdkapitalgebern getroffen werden, ist den Kennzahlen eine gewisse Brisanz nicht abzusprechen. Für Bilanzanalytiker ist es daher von besonderem Interesse, die Schwächen oder auch Grenzen von Kennzahlen zu kennen und somit das Risiko von falschen Interpretationen und Fehlentscheidungen zu minimieren. Die Schwächen der Kennzahlen sind vielseitig, teilweise sehr simpel aber zum Teil auch wieder komplexer. So ist die Aussagekraft von Grundzahlen sehr gering, da ein Vergleichsmaßstab fehlt und dadurch eine Interpretation nur wenig sinnvoll ist.[20] Bei den relativen Kennzahlen besteht wiederum die Gefahr, dass sie zwar sinnvoll sind, um einen erleichterten Einblick in Zusammenhänge zu bekommen, aber evtl. dabei einzelne Einflussgrößen isolieren.[21] Auch die Kennzahlen mit einem Vergleichsmaßstab haben Grenzen in ihrer Interpretationsfähigkeit. So sollte vom Bilanzanalytiker beachtet werden, dass Kennzahlen lediglich eine Momentaufnahme darstellen. Werden die Informationen aus dem Jahresabschluss gewonnen, beziehen sie sich immer auf den Bilanzstichtag. Dadurch ist der Aussagewert dieser Kennzahlen stark zeitgebunden. Ein weiterer Faktor, der bei der Auswertung beachtet werden sollte, ist die Tatsache, dass sich Sachverhalte zwischen Bilanzstichtag und der Auswertung der Bilanz bereits wieder verändert haben können.[22] Eine weitere zu beachtende Problematik ist die Vielzahl der Kennzahlen und deren Auswahl. Die einzelnen Kennzahlen werden zum einem in diversen Dimensionen angegeben, wie z.B. Prozent, Häufigkeiten, einfacher Quotient, Jahre oder Steigerungsraten. Zum anderen weisen die unterschiedlichen Kennzahlen auch unterschiedliche Komplexitäten auf, bspw. vom statischen Verschuldungsgrad bis zum dynamischen Verschuldungsgrad. Bei der Betrachtung und Beurteilung von vielen einzelnen Kennzahlen ergibt sich zudem noch kein Gesamturteil bzw. Gesamtzusammenhang. Die Kennzahlen sind wie bereits erwähnt Momentaufnahmen bezogen auf ein Objekt. Die Schwäche der Kennzahlen kommt hier ganz deutlich zum Vorschein, wenn aus der Vielfalt des Angebots Kennzahlen ausgesucht worden sind, die zu einem konträren Ergebnis in Bezug auf ein Gesamtbild kommen.[23] Deshalb kommt gerade der Auswahl der Kennzahlen eine große Bedeutung zu, wenn man eine weitere Informationsverdichtung vornehmen möchte und die vielen Kennzahlen zu einem sinnvollen Kennzahlensystem zusammenfügen möchte.

3.3. Kennzahlensysteme

3.3.1. Grundlagen und Aufgaben von Kennzahlensystemen

„Ein Kennzahlensystem ist die Gesamtheit von auf logisch-deduktivem Weg geordneten Kennzahlen, die betriebswirtschaftlich sinnvolle Aussagen über Unternehmen und/oder Unternehmensbereiche vermitteln.“[24]

Dabei funktioniert ein KZA immer nach dem gleichen Aufbau. Es entwickelt sich baumförmig, ausgehend von einer Ausgangskennzahl, die das Untersuchungsziel darstellt. Bei der Systematisierung ist es sinnvoll, Gruppen zu bilden, die inhaltlich homogen sind oder aber einen identischen Ursprungsort haben.[25]

Ist also eine wichtige zu untersuchende Kennzahl definiert, wird diese in hierarchischen Ebenen in Subkennzahlen untergliedert. Die Aufteilung kann sowohl den Zähler, wie auch den Nenner der Kennzahl betreffen. Die Kennzahl an der Spitze (Spitzenkennzahl) der Hierarchie stehend, wird so durch die untergeordneten Kennzahlen erläutert. Bei den Kennzahlensystemen kann eine Klassifikation in typische Kategorien erfolgen, wie aus der Abbildung 2 zu entnehmen ist.

[...]


[1] Coenenberg/Haller/Schulze: Jahresabschluss- und Jahresabschlussanalyse, a.a.O., S.1013.

[2] Vgl. Gräfer, Horst: Bilanzanalyse

[3] Vgl. Brösel, Gerrit: Bilanzanalyse

[4] Vgl. Zdrowomyslaw, Norbert: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[5] Küting/Weber: Die Bilanzanalyse

[6] Vgl. Ditges, Johannes/Arendt, Uwe: Bilanzen

[7] Vgl. Ditges, Johannes/Arendt, Uwe: Bilanzen

[8] Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[9] Vgl. Groll, Karlheinz: Das Kennzahlensystem zur Bilanzanalyse

[10] Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[11] Vgl. Zdrowomyslaw, Norbert: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[12] Vgl. Zdrowomyslaw: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[13] Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[14] Reichmann: Controlling mit Kennzahlen

[15] Vgl. Gräfer: Bilanzanalyse

[16] Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[17] Vgl. Gräfer: Bilanzanalyse

[18] Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[19] Vgl. Gräfer: Bilanzanalyse

[20] Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[21] Vgl. Zdowomyslaw: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[22] Vgl. Gräfer: Bilanzanalyse

[23] Vgl. Zdowomyslaw: Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse

[24] Küting/Weber: Die Bilanzanalyse

[25] Vgl. Ditges/Arendt: Bilanzen

Details

Seiten
31
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656571698
ISBN (Buch)
9783656571667
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266895
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,7
Schlagworte
empirische bilanzanalyse kennzahlenanalyse vor- nachteile verfahren

Autor

Zurück

Titel: Empirische Bilanzanalyse versus Kennzahlenanalyse