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Politische Philosophie im Islam des Mittelalters

Hausarbeit 2013 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1300)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Philosophie des Islam

3. Arabische Philosophen
3.1 Averroës (1126 -1198 n. Chr.)
3.1.1 Leben und Wirken
3.1.2 Politische Philosophie
3.2 Ibn Khaldūn (1332 - 1406 n. Chr.)
3.2.1 Leben und Wirken
3.2.2 Politische Philosophie
3.3 Vergleichen der politischen Philosophien

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was ist gemeint wenn von der Politischen Philosophie oder Politischen Theorie gesprochen wird? Zunächst einmal ist zu wissen, dass die politische Philosophie der wohl älteste Zweig der Politologie ist. Sie beschäftigt sich mit normative Fragen. Also: was ist die beste Staatsform oder gibt es den gerechten Krieg. Zu der Idee nach einem Idealstaat oder einer idealen Idealherrschaftsform geben die Philosophen zudem noch Handlungsanweisungen wie sich dieser SOLL - Zustand von Herrschaft und Politik erreichen ließe.

Die politische Philosophie im Islam des Mittelalters1 ist eine mannigfaltige Ansammlung von Ideen, deren Kern zumeist der Kalifats - Gedanken2 bildet. Gerade im Mittelalter lassen sich viele Denker finden im arabischen Raum die sich mit diesem Thema befassen. Stark beeinflusst wurden diese durch die antiken Philosophen Platon und Aristoteles. Im Rahmen dieser Arbeit sollen allerdings nur zwei von Bedeutung sein: Averroës und Ibn Khaldūn. Nach einem kurzen Abriss über Leben und Werk, sollen hier die politischen Philosophien der beiden Denker betrachtet werden ehe es abschließend zu einem Vergleich kommt. Dieser Vergleich soll das Ziel dieser Arbeit darstellen und der Frage nachgehen welches die bessere politische Philosophie darstellen kann.

2. Politische Philosophie im Islam

Wenn man von der politischen Philosophie im Islam spricht, dann meint dies nicht nur Denker mit muslimischem Hintergrund. So ist Maimonides ein arabisch schreibender Jude. Dies ist jedoch nicht überraschend, da die drei Monotheismen (Christentum, Judentum und Islam) Einfluss auf die politische Philosophie des Islam nehmen konnten. Trotz der inhaltlichen Uneinigkeiten der Religionen, kann man in der Philosophie eine gewisse Einheitlichkeit erkennen. Das Hauptproblem besteht immer in dem Verhältnis von Religion und Philosophie. Die Kernfrage war also lässt sich rationales Denken mit religiösen Denken vereinen? Die Philosophie steht also dem Koran gegenüber, denn dieser gilt nicht als Menschenwerk sondern als die göttliche Prophezeiung. Der Islam versteht sich als eine Religion die durch, die Selbstoffenbarung Gottes an seinen Gesandten Muhammad, niedergeschrieben im Koran, gestiftet wurde.3 Der Koran regelt, nach Auffassung der Gläubigen, alle Lebensbereiche und somit auch die Politik. Es kommt nicht wie in Europa zu einer Trennung von geistlicher und weltlicher Gewalt, auf politischer Ebene. Allerdings findet sich im Koran keine Aussage zum öffentlichen Recht oder einer Verfassung, von daher fiel die Ausgestaltung des politischen Lebens den religiösen Rechtswissenschaften zu. Aus diesem Grund wurde die šaria, aus dem Koran, den Überlieferungen und Sammlungen der Aussprüche des Propheten, entwickelt.4 Sie bildet die Fülle der alles regelenden Gesetze.

Die Grundidee der politischen Philosophie im Islam ist eine theokratische Herrschaftsform5, die als Kalifat bezeichnet wird. Hierfür findet sich die Grundlage in den Koran Suren 38,26 und 4,63.

„David! Wir haben dich als Nachfolger auf der Erde eingesetzt. Entscheide nun zwischen den Menschen nach der Wahrheit und folge nicht der Neigung, damit sie dich nicht vom Wege Allahs ab in die lrre führt!“6

„Und Wir haben keinen Gesandten geschickt, ohne daß ihm mit Allahs Erlaubnis gehorcht worden wäre.“7

Kalif bedeutet so viel wie Nachfolger oder Stellvertreter. Die Frage ist nun, wessen Stellvertreter oder Nachfolger der Kalif sein soll? Der Allahs oder des Propheten? Im Laufe der Zeit setzte sich durch, dass man den Kalifen als Nachfolger des Propheten sah.

Das Kalifat stand immer auch in Konkurrenz mit anderen Herrschaftsformen, so wie den Emiren8, Sultanen9 und Königen.10 Offiziell behielt man die Vorherrschaft des Kalifats bei auch wenn dieses immer in Konkurrenz mit dem Sultanat/ Emirat stand. Allerdings war die Position des Kalifen im Laufe der Zeit eine eher nominelle, da sich reale Machtverhältnisse und offizielle Herrschaftslegitimation gegenüber standen. Das Ziel der Kalifat-Herrschaft war es eine Gemeinschaft aller Muslime, mit einem Glauben zu schaffen sowie die Schaffung der Einheit von Politik und Religion. Durch das frühe Schisma im Islam, gab es kein einheitliches und verbindliches Kalifat für alle Gläubigen.11

Politik wird im Islam anders verstanden als in einem griechisch-aristotelischen oder christlichen Kontext. Da im Islam Religion und Politik eine Einheit bilden, gibt es keine weltliche Politik in dem westlichen Sinne. Alle Politik ist also religiösen Interessen unterworfen. Im griechischen meint das Wort Politik, abgeleitet von Aristoteles Werk politik, „das was die Stadt angeht“ im arabischen meint das Wort übersetzte so viel wie „ein Pferd pflegen“.12 Daher kann Platon eher als Vordenker der arabischen Philosophie gesehen werden als Aristoteles, da auch er Politik als eine Analogie zu einer Expertenkunst versteht. Allerdings sind der Herrschaft des Kalifen klare Grenzen gezogen, welche auf den religiösen Gesetzen des Islam beruhen.

3. Arabische Philosophen

3.1 Averroës (1126 -1198 n. Chr.)

3.1.1 Leben und Wirken

Einer der einflussreichsten arabischen Philosophen des Mittelalters war Averroës, welcher auch im Abendland sehr populär war. Er nahm mit seinen Werken Einfluss auf Thomas von Aquin und Albertus Magnus. Dennoch gibt es keine detaillierte Autobiographie über sein Leben.

Abū l-Walīd Muhammad Ibn Rušd (latinisiert: Averroës) wurde 1126 n.Chr. in dem Emirat Cordoba geboren. Er genoss eine juristische Ausbildung. Allerdings beschäftigte er sich auch mit den Naturwissenschaften, der Medizin und der Philosophie.13 Averroës war oberster Richter in al-Andalus und stand lange unter dem Schutz des dortigen Herrschers. Nach einem Machtwechsel, wurde 1197 n.Chr. die Philosophie verboten und Averroës ging in die Verbannung.14 Ein großes Interesse hatte er an den Schriften des Aristoteles, welche er in der arabischen Übersetzung auswertete. Des Weiteren wurde Averroës geprägt von den arabischen Philosophen al-Fārābi und Avicenna. Im Abendland wurde Averroës als der Kommentator des Aristoteles bekannt. Er verfasste drei Arten von Kommentaren zu den aristotelischen Schriften: lange bzw. große Kommentare zu fünf Werken, die ihm am bedeutendsten erschienen, mittlere Kommentare zu allen Schriften und kurze Kommentare zu logischen/ naturwissenschaftlichen Werken.15

Averroës versuchte die Philosophie im Bezug auf den Koran zu rechtfertigen. Sein Werk „Die Inkohärenz der Inkohärenz“ bildet ein bedeutendes Statement gegen die Schrift von Abū Hamid al-Gazāli „Inkohärenz der Philosophen“.16 Auch im Abendland erfahren die Werke des Averroës Kritik. So wurden 1270 und 1277 n.Chr. seine Werke von dem Pariser Bischof Tempier verboten.17 Dies führte jedoch nicht zu einem Europaweiten Verbot. Auch in der arabischen Philosophie fand Averroës Anklang so zum Beispiel bei Ibn Khaldūn.

[...]


1 Es ist schwierig eine genau Jahreszahl zu nennen von wann bis wann genau das Mittelalter ging. Jedoch nimmt man als Ausgangspunkt zumeist das Ende des Weströmischen Reiches. Die Endpunktbestimmung hängt ganz von dem Fokus ab, den der Betrachter wählt. Man kann als Endpunkt den Fall des Oströmischen Reiches (Byzanz) 1453 nehmen oder auch die Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Columbus. Dennoch gibt es noch weitere Möglichkeiten für einen Endpunkt, jedoch liegen diese zumeist im 15. Jh. oder frühen 16. Jh..

2 Die Idee des Kalifats wird im Folgenden noch erläutert. 3

3 Vgl.: Schulze, Reinhard: Islam. IN: Hartmann, M./ Offe, C. (Hrsg): Politische Theorie und Politische Philosophie - Ein Handbuch. 2011 München. S. 129.

4 Vgl.: Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens - Das Mittelalter. Band 2/2. 2004 Stuttgart Weimar. S. 130.

5 Mit einer Theokratie meint man im Allgemeinen eine Gottesherrschaft. Die Theokratie ist ein Programm einer anti-monarchischen Partei, die eine utopische Reinheit durchsetzen will. Sakrale Urteile des Klerus gelten als höchste Autorität und die Entscheidungen aus Politik/ Gesellschaft treten in den Hintergrund.

6 http://www.koransuren.de/koran/sure38.html (Stand: 20.09.2013)

7 http://www.koransuren.de/koran/sure4.html (Stand: 20.09.2013)

8 Emire sind Heerführer gewesen, die dann zumeist recht souverän als eine Art Gouverneur über das eroberte Gebiet herrschten.

9 Sultane bezeichnet Personen, die die politische Autorität eines Gebietes inne haben und später dann auch die Inhaber der Regierungsgewalt.

10 Vgl.: Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens - Das Mittelalter. Band 2/2. 2004 Weimar Stuttgart. S. 131.

11 Vgl.: Ebd. S. 132.

12 Vgl.: Ebd. S. 132.

13 Vgl.: Montada, Josep P.: Averroes - Treue zu Philosophie. IN: Kobusch, T. (Hrsg.): Philosophen des Mittelalters. 2000 Darmstadt. S. 80.

14 Vgl.: Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens - Das Mittelalter. Band 2/2. 2004 Weimar Stuttgart. S. 148.

15 Vgl.: Montada, Josep P.: Averroes - Treue zu Philosophie. IN: Kobusch, T. (Hrsg.): Philosophen des Mittelalters. 2000 Darmstadt. S. 80.

16 Vgl.: Rudolph, U.: Islamische Philosophie - Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2008 München. S. 73.

17 Vgl.: Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens - Das Mittelalter. Band 2/2. 2004 Weimar Stuttgart. S.147.

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656573715
ISBN (Buch)
9783656573685
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267050
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Philosophie
Note
2,7
Schlagworte
Averroës Ibn Khaldūn politische Philosophie politische Philosophie des Islam Aristoteles Kalifat

Autor

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Titel: Politische Philosophie im Islam des Mittelalters