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Beurteilen als pädagogische Handlungsform

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Pädagogik - Bewertungsmethoden, Noten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beurteilen - eine pädagogische Handlungsform?

3. Beurteilen in der Schule
3.1 Der Leistungsbegriff
3.2 Funktionen des Beurteilens
3.3 Leistungsbeurteilung - Probleme und Folgen

4. Zukunft des Beurteilens

5. Fazit - Eine Beurteilung

Bibliographie

Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um eine der wohl meist diskutierten pädagogischen Handlungsformen: beurteilen. Hier im Besonderen in der Schule, durch den Lehrer. Zu Beginn ist es nötig zu definieren, was mit beurteilen, als pädagogische Handlungsform gemeint ist. In dem folgendem Kapitel werde ich mich mit dem praktischen Handlungsfeld dieser Tätigkeit auseinandersetzen, um zunächst einen Einblick in die Praxis zu bieten und dann im Folgenden einen Blick in die Zukunft dieses pädagogischen Handelns zu bieten.

Warum ist es so wichtig, diese Handlungsform in der Praxis zu betrachten? Durch die Auseinandersetzung mit der Praxis des Beurteilens ist es möglich, die eigentliche Handlung besser zu begreifen und die Wirkungsweise zu verstehen. Der Schulalltag von Lehrern und Schülern bietet hierfür die beste Möglichkeit. Beurteilt wird aber nicht nur in der Schule, sondern auch im Bereich des Personalmanagements. Da dies jedoch zu weit führen würde, wird dieses Praxisfeld nicht weiter betrachtet.

Die Schule als maßgeblicher Ort des Beurteilens, bietet ein weites Feld an Funktionen, Problemen und Kritik. Wenn man verstehen will wie Beurteilen als pädagogische Handlungsform in der Schule funktioniert, so muss man sich gleichzeitig, immer wieder, die Funktionsweise der Institution Schule vor Augen führen. Die Arbeit wird im Folgenden versuchen zu zeigen, was es heißt, als Lehrer die Schüler zu beurteilen. Es gibt immer einen Spielraum für zielgerichtetes pädagogisches Handeln, Ä[…]dieser Spielraum kann sich nicht im Kopf des Pädagogen konstruieren, sondern ergibt sich auch aus dem ‚Gegen-Handeln‘ der anderen.“1Daher ist es kaum möglich eine Handlungsform wie das Beurteilen, außerhalb ihres Wirkungsfeldes, zu betrachten.

2. Beurteilen - eine pädagogische Handlungsform?

Zu Beginn dieser Hausarbeit sollen begriffliche Fragen geklärt werden. Was ist eine pädagogische Handlungsform? Und was macht das Beurteilen zu einer ebensolchen? Nach Hermann Giesecke ist Beurteilen keine klassische pädagogische Handlungsform2. Aber was ist das nun, pädagogisches Handeln? Kurz gesagt meint es bestimmte Praktiken und Verhaltensweisen, die pädagogischer Natur sind. So handeln auch Eltern auf pädagogische Weise, wenn sie ihren Kindern die Sprache lehren oder ihnen den Umgang mit Wasser und Seife näher bringen. Sie erziehen ihr Kind zu einem mündigen Gesellschaftsmitglied. Nach Pestalozzi können wir hier von einer ‚Allbesorgungsfunktion‘ der Eltern sprechen3. Nicht nur Eltern handeln pädagogisch, sondern auch Schule und andere Instanzen. Das ganze Leben ist durchdrungen von diesen bestimmten Handlungsweisen. Jeder hat sicher schon pädagogisch gehandelt (z.B. als Babysitter) und jeder war, eben solchen Handlungen, schon einmal unterworfen (z.B. in der Schule als Schüler). „Handeln wird oder ist dadurch pädagogisch […], dass es sich auf Lernen bezieht und es zu bestimmen versucht.“4Diese Begriffsdefinition enthält keinerlei Bewertung. Pädagogisches Handeln muss nicht gut, schlecht, vorteilhaft, gerecht oder erfolgreich sein. Handlungen dieser Art können durchaus auch negativ behaftet sein, denken wir zum Beispiel an Eltern, die ihre Kinder verprügeln, aus erzieherischen Gründen.

Aber was macht beurteilen zu einer pädagogischen Handlung? Nach der Definition von Prange, in den vorangegangen Zeilen, muss diese Tätigkeit einen Bezug zum Lernen aufweisen. Beurteilen ist wohl die pädagogische Handlungsform. Sie durchdringt den Schulalltag und bildet die Grundlage für eine der Hauptfunktionen der Schule (Selektion). Diese Tätigkeit bewertet das Lernen von Schülern und versucht dieses zu beeinflussen. Daher ist sie immer auf die eine oder andere Weise bestimmend. Um eine Beurteilung durchführen zu können, braucht es in der Regel zwei Kriterien: Ä[…] nämlich ein Kriterium, an dem etwas gemessen werden kann, und einen Maßstab, der angibt, wie es gemessen wird.“5Um die Lernleistungen eines Schülers zu messen gibt es drei Verfahrensmöglichkeiten: thematisch, individuell und sozial6.7Die ersten beiden eigenen sich, um für den Lehrkörper erkennbar zu machen wo einzelne Schüler in ihrem Wissenstand, stehen, bzw. um herauszufinden, worin die Defizite und der Nachholbedarf, besteht. Allerdings werden Noten selten nach der Leistungsverbesserung eines Einzelnen gegeben. Vielmehr handelt man nach dem dritten Verfahren, also dem sozialen. Das Klassenniveau gibt den Ausschlag für die individuelle Notenvergabe.

ÄDabei wird meist unterstellt, die Leistungen müssten sich an der Normalverteilung orientieren; d.h. das Notenspektrum >>ausschöpfen<< und die größte Häufigkeit beim mittleren Wert haben.“8

Dies wirft allerdings die Frage nach der Chancengleichheit auf. Wenn die Note eines Schülers sich an den Werten der Klasse bemisst, wie kann dann ein Zeugnisdurchschnitt ein ausschlagendes Kriterium für den weiteren Werdegang dieses Individuums bilden? In der Schule wird mit Noten von eins bis sechs beurteilt (in der Oberstufe dann mit dem 15 Punktesystem). Aus statistischer Sicht sprechen wir dann von einer Ordinalskala. Dass heißt, man erstellt eine Art Rangfolge der Werte. Also ist die Note eins mehr wert, als die Note drei. Prinzipiell ist dieses Notenspektrum durchaus ausreichend. Es zeigt an, wo welcher Schüler steht und auch wie gut der Stoff von der Klasse aufgenommen wurde. Das Problem besteht jedoch in der Verechnungsskala (Intervall)9. Diese bildet zwar den Durchschnitt von Leistungsbewertungen aber man kann das Verhältnis der Noten, nicht beurteilen.

Was sagt der Abiturdurchschnitt 3,1 über die Schülerin K. aus? War sie faul? Oder ganz und gar zu dumm? Mit Sicherheit nicht, dass die Möglichkeit bestand, dass sie in einer leistungsstarken Klasse war. Oder sie sagt auch nichts über die Qualität des Lehrkörpers aus. Die Reduzierung eines Schülers auf eine blanke Zahl sagt nichts, über ihn als Individuum, aus. Erstaunlicherweise sind für Schüler die reinen Noten jedoch interessanter, als die schriftlichen Beurteilungen auf dem Schuljahreszeugnis.10

[...]


1Giesecke, Hermann: Pädagogik als Beruf. Grundformen pädagogischen Handelns. Weinheim - München 2010, S. 21.

2Zu Gieseckes Handlungsformen zählen: unterrichten, beraten, informieren, animieren und arrangieren. (Vgl.: Gisecke, S. 76.)

3Vgl.: Prange, Klaus/ Strobel - Eisele, Gabriele: Die Formen pädagogischen Handelns - Eine Einführung. Stuttgart 2006, S. 12.

4Ebd. S.13.

5Faulstich, Peter/ Faulstich-Wieland, Hannelore: BA - Studium Erziehungswissenschaft - Ein Lehrbuch. Reinbeck bei Hamburg 2006, S. 76.

6Thematisch versucht man Standards für den gelehrten Stoff festzulegen, um zu wissen, wie gut etwas gekonnt werden muss. Individuell meint, dass man sich die Lernfortschritte des einzelnen Schülers anschaut und nach Lernfortschritten beurteilt. Sozial bezieht sich auf den Wissenstand der Klasse. Hier werden die Leistungen der Schüler mit denen der Anderen verglichen, um einen relativen Leistungsstand zu ermitteln. (Vgl.: Faulstich, S. 76)

7Vgl. Faulstich, S. 76.

8Ebd. S. 76.

9Vgl.: Ebd. S. 77.

10Vgl.: Ebd. S.79.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656573692
ISBN (Buch)
9783656573661
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267052
Note
2,7
Schlagworte
Beurteilen Pädagogische Handlungsform Beurteilen in der Schule

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Titel: Beurteilen als pädagogische Handlungsform