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Untersuchung der Anwendbarkeit der manualtherapeutischen Gleitmobilisationstechnik

Bei allgemein peripheren Gelenkerkrankungen und speziell nach Operationen des vorderen Kreuzbandes

Masterarbeit 2010 118 Seiten

Gesundheit - Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methode
2.1. Datenbanken / Datenfindungsprozess
2.2. Suchterminologie
2.3. Auswahlkriterien
2.4. Qualität der Methodik
2.5. Rangordnung der Beweise
2.6. Statistische Präzision
2.7. Effektgröße
2.8. Klinische Relevanz
2.9. Datenerfassung

3. Resultate
3.1. Studienfindung und Auswahl
3.2. Rangordnung der Beweise
3.3. Methodische Qualität
3.4. Interventions- und Kontrollgruppen
3.5. Messungen
3.6. Power der Studien
3.7. Klinische Relevanz

4. Diskussion
4.1. Bestehende Literatur
4.2. Limits
4.3. Studienqualität und externe Validität
4.4. Erkenntnisse
4.5. Pilotstudie – Die postoperative Versorgung des vorderen Kreuz bandes mit und ohne den Einsatz von Gleitmobilisation

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhang 1 – PEDro Skala (Übersicht)

Anhang 2 – SIGN Scale (Übersicht)

Anhang 3 – Studienfindungsprozess

Anhang 4 – Studienauswahlprozess

Anhang 5 – Übersicht über eingeschränkt vertrauenswürdige Studien

Anhang 6 – Pilotstudie

Anhang I

Anhang II

Anhang III

Anhang IV

Anhang V

1. Einleitung

Manualtherapeuten gebrauchen täglich die Mobilisationstechnik Gleiten. Diese wird in der Vielzahl manualtherapeutischer Konzepte auf unterschiedliche Art und Weise praktiziert. Kaltenborn definiert die Gleitmobilisationstechnik in seinen Büchern wie folgt: „Das translatorische (dorsale / ventrale) Gleiten ist eine Gelenkspielbewegung parallel zur Behandlungsebene. Aus ihr resultiert ein Gleiten der Gelenkflächen zueinander. Die nicht kongruent gekrümmten Gelenkflächen erlauben dieses Gleiten über kurze Distanzen in allen Gelenken. Zudem wird das translatorische Gleiten immer mit einer Traktion Stufe I kombiniert, um eine eventuell schmerzhafte Kompression zu vermeiden bzw. zu verhindern. Die gehaltene Mobilisation dehnt die verkürzten Strukturen durch Zeit (30-40 Sekunden) und nicht durch vermehrte Krafteinwirkung“ [21]. Die Behandlungsebene nach Kaltenborn liegt hypothetisch auf dem konkaven Gelenkpartner, verläuft durch das Gelenk und liegt rechtwinklig zu einer Linie, die von der Rotationsachse zur Mitte der sich berührenden Gelenkflächen geht [21]. Zusätzlich wird in diesem Konzept das Funktionsgleiten oder gebogenes Gleiten erwähnt, wobei der Therapeut die Gleitbewegung gelenknah unterstützt [27]. Das Maitland Konzept vertritt eine andere Form der Gleitmobilisation. Hier wird der Ansicht widersprochen, dass alle Untersuchungen und Behandlungen mit passiven Bewegungen in die gleichen Richtungen durchgeführt werden müssen, in denen sie auch aktiv erfolgen (Gleiten, Rollen, Drehen) [32]. Dennoch wird auch in diesem Konzept von Gleitmobilisation in verschiedene Richtungen gesprochen, wie zum Beispiel dem Gleiten in anterior posteriore (AP) oder posterior anteriore (PA) Richtung [17], welches jedoch, abgesehen von der Bewegungsrichtung, nicht exakt der transversalen Gleitmobilisation des Kaltenborn-Evjenth entspricht, sondern eher dem gebogenen Gleiten. Schematisch wird es jedoch genauso dargestellt [33]. Ein weiterer und wesentlicher Unterschied ist, dass im Maitland Konzept der Therapeut die Gleitmobilisation intermittierend in unterschiedlichen Graden appliziert. Eine weitere differente Form der Gleitmobilisationstechnik ist die Mobilization With Movement (MWM) nach Mulligan. Diese ist eine Form der manualtherapeutischen Technik, bei welcher der Therapeut ein Gleiten im Gelenk aufrecht erhält, wobei der Patient Bewegungen ausführt [49] oder eine körperliche Aufgabe erfüllt [39]. Die Gleitbewegung beginnt bevor der Patient die singuläre Bewegung startet und endet mit dem Abschließen der Rückbewegung. Folglich finden beim Mulligan Konzept zwei Bewegungen im Wechsel statt – die des Therapeuten und jene des Patienten. Der Therapeut hat darauf zu achten, dass die Gleitbewegung parallel zur Behandlungsebene stattfindet [2]. Man könnte daraus schließen, dass dieses Konzept eine Kombination und Erweiterung der beiden erst genannten ist.

In der wissenschaftlichen Literatur kann man deutlich mehr über Effekte der manuellen Therapie an der Wirbelsäule nachlesen, als über die an peripheren Gelenken [37, 40]. Dies war auch der Grund für Moss [37], Paungmali [39, 40] und Vicenzino [56] sich der Untersuchung der Gleitmobilisation an peripheren Gelenken zu widmen, um zu erfahren, ob die an der Wirbelsäule gefundenen Effekte verallgemeinerbar auf den gesamten Körper sind. Die Fragestellung des vorliegenden Reviews war folgende:

Ist die manualtherapeutische Gleitmobilisationstechnik ein probates Mittel bei der Behandlung peripherer Gelenkerkrankungen, und bietet diese Vorteile gegenüber konventioneller Krankengymnastik?

Diese Vorteile sollten sich in schnellerer Genesung, also subjektiv der Zunahme der Lebensqualität, und objektiv der Beweglichkeit, wiederspiegeln. Desweiteren war das Bestreben des Reviews, Effekte aufzuspüren und zu erfahren, wann und wie die Technik Gleitmobilisation am effizientesten wirkt, und ob eine bestimmte Form der Technik zu präferieren ist.

Dem schließen sich die Forschungsfragen der Pilotstudie an, welche da wären:

a) Ist die manualtherapeutische Gleitmobilisationstechnik eine geeignete Intervention bei der postoperativen Behandlung nach VKB Operationen hinsichtlich der subjektiven Parameter Lebensqualität, und objektiven Parameter Beweglichkeit?
b) Bietet die Gleitmobilisationstechnik Vorteile (oben genannte) gegenüber der herkömmlichen Physiotherapie?
c) Ist eine groß angelegte Studie mit dem gewählten Studiendesign sinnvoll und durchführbar?

Davon ausgenommen war die Untersuchung der einzelnen Formen der Gleitmobili-sationstechnik.

Die Nullhypothese dieser Forschungsarbeit lautet: Die Technik Gleitmobilisation ist kein probates Mittel bei der Behandlung peripherer Gelenkerkrankungen, bietet keine Vorteile gegenüber der herkömmlichen Physiotherapie.

Die Alternativhypothese ist: Die Technik Gleitmobilisation ist ein probates Mittel bei der Behandlung peripherer Gelenkerkrankungen und bietet Vorteile gegenüber der herkömmlichen Physiotherapie.

2. Methode

2.1 Datenbanken / Datenfindungsprozess

Es wurden im Zeitraum von über einem halben Jahr Studien bis zum 10.07.2010 über die zugänglichen relevanten elektronischen Datenbanken der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) inkludiert. Die Datenbanken die genutzt wurden waren Cochrane Library, MEDPILOT, MEDLINE / Ovid Full Text, PEDro, sowie PUBmed. Darüber hinaus wurden sämtliche relevant erscheinenden Reviews auf weitere passende Studien im Design von randomisierten kontrollierten klinischen Studien (RCT) bis hin zu einfachen klinischen Studien (CT) gescannt. Zusätzlich wurden alle Autoren, welche sich mit der Thematik Gleitmobilisation befasst haben und in der bis dato vorhandenen Literatur aufgelistet waren, einer separaten Suche nach Studien in der Datenbank PUBmed unterzogen.

2.2 Suchterminologie

Gesucht wurden Studien, welche die folgende Schlüsselwörter enthielten: „physiotherapy, manual, manipulative, glide, slide, therapy, treatment, mobilization, mobilisation, movement, osteoarthrosis, osteoarthritis, joint, extremity, shoulder, elbow, wrist, hip, knee, ankle“. Die Terminologie wurde an die jeweiligen Datenbanken angepasst. Alles in allem wurden 4499 Studien in diesem Prozess identifiziert, von welchen letztlich 83 näher untersucht wurden. Eine genauere Darstellung des Studienfindungsprozesses findet sich im Anhang 3.

2.3 Auswahlkriterien

Zu Beginn des Suchprozesses wurden alle elektronisch frei zugänglichen und verfügbaren Reviews und experimentellen Studien eingeschlossen, um zum einen zusätzliche Studien aus den Reviews zu gewinnen, und zum anderen um sicher zu gehen, dass es keine Review gibt, welche sich ausschließlich explizit mit dem Thema Gleitmobilisation (in holistischer Form) an peripheren Gelenken befasst.

Nachdem dies sichergestellt war, wurden nur experimentelle Studien eingeschlossen, welche sich mit der Thematik der Gleitmobilisation in ihren unterschiedlichen Facetten wie der „MWM“, „AP / PA Mobilisation“ und der „Gleitmobilisation“ befassen. Tierexperimentelle Studien wurden nicht inkludiert. Es wurden alle Ergebnisse dokumentiert insofern sie einen Bezug zum Gleiten hatten. Die Beweisdimensionen wurden geprüft und nach den Bestimmungen der National Health and Medical Research Council (NHMRC) [60], welche die Qualität der Methodik, die Rangordnung der Beweise, die statistische Präzision und Effektgröße, sowie die klinische Relevanz der Aussage widerspiegelt, bearbeitet.

2.4 Qualität der Methodik

Die methodische Bewertung der gesamten RCTs sowie der CTs erfolgte an der allgemein akzeptierten 11 Punkte PEDro Skala [41] (Anhang 1). Die PEDro Skala basiert auf einem Expertenkonsens. Sie wird jedoch nicht als Maß für die Validität der Schlussfolgerungen verwendet [42]. Die PEDro Bewertungspunkte werden am Ende der Beurteilung subsummiert [45] und das Ergebnis wie in Tabelle 1 dargestellt klassifiziert.

Tabelle 1 . Übersicht über die PEDro Klassifikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In einer Studie von Maher CG et al. [35] hat sich jedoch gezeigt, dass die Reliabilität der Bewertung dieser Skala nur zwischen „ausreichend“ bis „substantiell“ und die einzelnen PEDro Punkte zwischen „ausreiched“ bis „gut“ rangieren. Aus diesem Grunde wurde zusätzlich eine Bewertung der Studien nach der Scottish Intercollegiate Guidelines Network Skala (SIGN), modifiziert durch Liddle et al. [47, 29], vorgenommen (Anhang 2). Die durch Liddle et al. modifizierte SIGN Skala wird weitgehend als reliabel akzeptiert und durchlief einen sehr strengen Entwicklungs- und Validierungsprozess [35, 50]. Sie kennzeichnet Studien mit hoher Qualität und sehr geringem Risiko eines Bias mit einem (++), gut durchgeführte Studien mit geringem Risiko eines Bias mit einem (+) und Studien, welche Kriterien nur gering, gar nicht oder inadäquat erfüllen sowie ein hohes Risiko eines Bias aufweisen mit einem (-) [47]. Eine Übersicht findet sich in Tabelle 2.

Tabelle 2 . Übersicht über die Bewertung der SIGN Skala

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die SIGN Skala wurde von mehreren Gruppen von Reviewern beurteilt, angepasst und entwickelt sowie nach ihrer methodischer Festigkeit, Klarheit und deren Praktikabilität bewertet [7].

Der Vorteil dieser Bewertung ist, dass sie sehr streng gegenüber RCT (Unterpunkt 1.2) ist. Die Grundaussage lautet, dass falls kein Hinweis auf eine Randomisierung vorliegt, die Studie auszusondern ist [47], also als nicht randomisiert eingestuft wird. Sollte die Beschreibung der Randomisierung nur sehr kurz und damit ungenau sein, sind entsprechende Studien auf die Wertigkeit einer einfachen klinischen Studie zu reduziern.

Gleiches gilt auch für den Unterpunkt 1.6 (vgl. Tab. 6) der SIGN Skala, welcher sich mit Cointerventionen befasst. Er besagt, dass Studien, welche in ihrem Design einer Intervention eine Cointervention zuordnen ohne diese bei den anderen Interventionen ebenfalls auszuführen, auszuschließen sind, es sei denn, man betrachtet deren Ergebnisse mit Vorbehalt. Der Unterpunkt 1.6 der SIGN Skala ist von großer Bedeutung, jedoch im System der PEDro Skala nicht manifestiert. In einem wichtigen Unterpunkt, bei der SIGN als auch bei der PEDro Skala Punkt 9 – die „Intention to treat analysis“, gibt es wiederum Konsequenzen bei der Beurteilung welche sich voneinander unterscheiden. Während nach dem SIGN Skala System eine Studie ausgesondert oder mindestens auf den Level einer Kohortenstudie reduziert wird, wird im PEDro System lediglich ein Punkt von der Gesamtpunktezahl abgezogen. Dennoch gibt es zwei gute Gründe beide Appraisaltools in die Review zu integrieren. Zum Einen verfügt die PEDro Skala über den Punkt 1, welcher über die externe Validität Aussagen trifft, und zum Zweiten sind viele Studien bereits bewertet worden und können von der vertrauenswürdigen Internetseite pedro.org.au abgerufen werden. Dies vereinfacht ebenfalls die Beurteilung der Studien mit der SIGN Skala, da die folgenden Bewertungspunkte identisch sind: 2 = 1.2; 3 = 1.3; 4 = 1.5; 5+6+7 = 1.4; 8 = 1.8; 9 = 1.9. Unterschiede gibt es in den Punkten 1 und 1.1 (PEDro kennzeichnet die externe Validität, die SIGN Skala fragt ab, ob eine ganz konkrete Forschungsfrage existiert, nach welcher gearbeitet wurde), 10 und 1.10 (PEDro fragt ab, ob es für mindestens ein zentrales Outcome einen Ergebnisvergleich der statistischen Gruppen gibt, die SIGN Skala gibt wieder, ob eine Multicenterstudie vorliegt, was deren Reproduzierbarkeit und Festigkeit erhöht) sowie Punkt 1.6 der SIGN Skala, welcher oben schon näher erläutert wurde. 1.7 der SIGN Skala ähnelt dem Punkt 11 der PEDro Skala, erweitert diesen jedoch. Beide Werkzeuge ergänzen sich dem entsprechend.

2.5 Rangordnung der Beweise

Die durch den Auswahlprozess herausgefilterten Studien wurden nach dem Modell

von Lloyd-Smith [31] klassifiziert, welches in Tabelle 3 auf der nachfolgenden Seite dargestellt ist. In dieses Review wurden primär Studien vom Typ 1b, 2a und 2b eingeschlossen, da diese am effektivsten die Fragestellung beantworten. Darüber hinaus wurden auch Studien vom Typ 3 eingeschlossen. Diese Studien (18 an der Zahl) liefen jedoch unter den Typen 1b – 2b bis zum Zeitpunkt ihrer kritischen Würdigung. Da sie sehr zahlreich sind, wurden sie weiterhin, jedoch mit Vorbehalt ihrer Aussagekraft, in der Review belassen, aber entsprechend gekennzeichnet.

Tabelle 3 . Lloyd-Smith Hierarchietabelle mit Studienanzahl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.6 Statistische Präzision

Die statistische Präzision der Ergebnisse wurde als 95%iger Konfindenzintervall oder p-Wert der Unterschiede der Testergebnisse zwischen der Intervention und Kontrollgruppe aufgeführt, insofern darüber berichtet wurde. Als statistisch signifikant galten alle p-Werte < 0.05 oder 95%igen Konfidenzintervalle mit 0 nicht eingeschlossen. Wenn angenommen werden konnte, dass mehr als nur eine Ergebnismessung in einer Studie vorliegt, wurde die Studie entsprechend der Frequenz der vorliegenden Daten klassifiziert. Die Studie wurde mitgutbewertet, wenn alle p-Werte verfügbar waren und mitmittelmäßig, wenn nur einige p-Werte aufgelistet waren, die Berechnung dieser Werte jedoch sinnvoll gewesen wäre. KeineBewertung erfolgte,wenn entsprechend kein p-Wert oder Konfidenzintervall angegeben war.

2.7 Effektgröße

Die Effektgrößen wurden direkt aus den Studien entnommen, insofern sie verfügbar waren. Wenn nur Teile von Effektgrößen aufgeführt waren, diese an sich jedoch nicht berechnet wurden, wurden diese soweit möglich mit den vorliegenden Daten wie Standarddeviation und Mittelwert der Interventions- und Kontrollgruppe ermittelt.

2.8 Klinische Relevanz

Ermittelt wurde die klinische Relevanz aus einer Anzahl von Faktoren, inbegriffen der, wie die Studie präsentiert wurde, sowie der internen und externen Validität, Rangordnung, der methodischen Qualität, signifikanter Ergebnisse, Gruppenstärke und Beschreibung der Population (Alter, Geschlecht und Ursprungsland). Die klinische Relevanz einer Studie schlug sich auch im Informationsgehalt hinsichtlich der Lebensqualität, Therapiedauer und deren Kosten nieder.

2.9 Datenerfassung

Um einen Überblick über die Daten und Informationen der Studien zu erhalten, wurden diese in Tabellenform mit dem Programm Microsoft Office Excel 2007 erfasst. Die Daten geben Auskunft über den Autor, Jahr und Herkunftsland der Studie, Informationen zu den Interventionen, Kontrollanwendungen und deren Ergebnismessungen.

3. Resultate

3.1 Studienfindung und Auswahl

Abbildung 1 spiegelt den Suchprozess und die Auswahlkriterien in einem Flowchart wieder, anhand derer die Studien in die aktuelle Review eingeflossen sind (S. 13). Von 4499 (4353 + 146) Studien wurden insgesamt 83 möglicherweise passende Studien identifiziert. Sie untergliedern sich in 16 Reviews, 40 RCTs und 27 CTs. Nach intensivierter Studie der Abstrakte der Veröffentlichungen konnten acht Reviews ermittelt werden, welche sich mindestens ansatzweise mit der Thematik Gleitmobilisation befasst haben [7, 8, 14, 18, 19, 26, 52, 57]. Der Veröffentlichungszeitraum dieser Reviews erstreckt sich von 2003 – 2010.

Trotz der relativ hoch erscheinenden Anzahl an Reviews war keine unter ihnen, welche sich holistisch mit der Thematik Gleitmobilisation, das heißt multikonzeptionell, auseinandergesetzt hat. Dem zu Folge kann zu diesem Thema keine Metaanalyse erstellt werden, was letztlich der Review den Vorschub gibt. Nach Sichtung der 83 Arbeiten konnten insgesamt 25 experimentelle Studien identifiziert werden, welche sowohl vom Design, als auch von der Thematik in die vorliegende Review passten. Ausgeschlossen wurden Fallstudien mit einer sehr geringen Fallzahl (≤ 2 Patienten), da diese in die Kategorie 3 der CCGPP (Council on Chiropractic Guidelines and Practice Parameters) fallen und nur eine sehr geringe Aussagekraft besitzen [7, 59]. Desweiteren wurden Studien ausgeschlossen, wenn Interventionen mit Gleitmobilisation gemischt wurden und dadurch keine klaren Aussagen im Vergleich zur Gegenintervention möglich waren. Auch Manipulationen (HVT, Mobilisation Stufe V), Gleitmobilisationen an der Wirbelsäule, Vergleiche zwischen „High Grade“ und „Low Grade“ Mobilisationen, Vergleiche zwischen AP und PA Gleitmobilisationen, myofasciale Mobilisationen sowie Studien, die nicht in Deutsch oder Englisch verfasst wurden, wurden aus dem Pool der relevanten Studien eliminiert (vgl. Anhang 4, Kategorien „unpassendes Design“, „unpassende Interventionen“, „passend“).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 . Auswahlprozess der Studien für die Review

3.2 Rangordnung der Beweise

Die in der Review enthaltenen 25 Studien wurden wie unter Punkt 2.5. beschrieben nach dem Modell von Lloyd-Smith beurteilt. In die Review sind fünf RCTs vom Typ 1b, zwei randomisierte CTs vom Typ 2a, eine CT vom Typ 2b und 17 Studien vom Typ 3 inkludiert. Die Studien vom Typ 3 ergaben sich jedoch erst nach der Beurteilung mit der SIGN Skala. Eine Übersicht über den Rang bzw. die klinische Relevanz jeder einzelnen Studie findet sich in Tabelle 4.

Tabelle 4 . Darstellung der Beweisrangordnung, statistischen Präzision und Randomisierungsart

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4 Methodische Qualität

Die Studien, welche nicht durch PEDro beurteilt wurden, wurden an zwei unterschiedlichen Tagen mit einem Zeitfenster von mindestens 48 Stunden Pause kritisch begutachtet, und die Ergebnisse im Anschluss miteinander verglichen, um eventuelle Fehler zu vermeiden. Von den 25 Studien erfüllte keine die Kriterien für exzellente Qualität, acht wurden mit „gut“, 16 mit „moderat“ und eine mit „schwach“ bewertet. Die Beurteilung jeder einzelnen Studie spiegelt sich in Tabelle 5 (S.16) wieder. Die klinisch relevanten Studien sind in den Tabellen 4 – 6 rot markiert.

Tabelle 5 . Aufschlüsselung Bewertung nach PEDro

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

O* = auf www. pedro.org.au zu finden

Im Anschluss an die PEDro Bewertung wurde die Bewertung der Studien nach der SIGN Skala unternommen. Das Ergebnis war, dass 5 Studien mit ++, 2 Studien mit + und 18 Studien mit – bewertet werden mussten. Hier zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen den beiden Bewertungsskalen. Die SIGN Skala setzt sehr viel engere Spielräume als die PEDro Skala. Die Ergebnisse für jede einzelne Studie sind in Tabelle 6 (S. 17) dokumentiert.

Tabelle 6 . Aufschlüsselung der Bewertung nach der SIGN Skala

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.5 Interventions- und Kontrollgruppen

Die Ergebnisse der methodischen Untersuchung jeder einzelnen Studie, welche dem Standard der SIGN Skala entsprechen, werden in Tabelle 7 (S.18 ff.) dokumentiert. Sie enthält die genauen Inhalte der Studien hinsichtlich Interventions- und Kontrollgruppen, Messungen, Stichprobengrößen, Effektgrößen sowie kritische Kommentare zu Auffälligkeiten in den einzelnen Studien.

Tabelle 7 . Darstellung der Ergebnisse der vertrauenswürdigen Studien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nur 50% der in Tabelle 7 aufgeführten Studien haben eine echte Kontrollgruppe geführt [30, 34, 40]. Die Kontrollgruppen bestanden aus Physiotherapie ohne MT [30] und mit manueller Therapie (Gleitmobilisation in Grad I – Maitland [34], MWM Grad I – Mulligan [40]) sowie einer Gruppe „abwarten“ [40]. Eine Studie verglich drei Interventionen (Mid-Range-Mobilisation (Maitland und Kaltenborn), End-Range-Mobilisation (Maitland) und MWM) [62], eine Studie führte eine quasi Kontrollgruppe (die gegenseitige Extremität) [1] und eine besaß keine Kontrollgruppe [2]. Die Dauer der Behandlungen reichte von viereinhalb Minuten bis über einen Zeitraum von 12 Wochen. Über Steigerungen der Mobilisationen wurde nicht berichtet. Die Studie von Yang et al. [62] zeigte beim Krankheitsbild der Frozen Shoulder eine Präferenz an erhöhter Behandlungsintensität. In der Steifigkeitsphase konnte die End-Range-Mobilisation (Maitland Grad III / IV) und die MWM deutlich bessere Ergebnisse als die Mid-Range-Mobilisation erzielen. Über die Kraft, mit welcher die Mobilisationen durchgeführt wurden gibt es in der Gruppe der vertrauenswürdigeren Studien keine Angaben.

In der im Anhang 5 befindlichen Tabelle werden alle Studien und Ergebnisse wie in Tabelle 7 dokumentiert. Deren Ergebnisse sind jedoch mit Blick auf ihre eingeschränkte methodische Qualität, insbesondere der fehlenden „Intention to treat“ Analysen, mit besonderer Vorsicht zu betrachten.

Von den 18 eingeschränkt vertrauenswürdigen Studien wurden in 15 mit Kontrollgruppen gearbeitet, was 83% entspricht. Drei Studien verzichteten auf dieses Instrumentarium [8, 22, 36]. Ein „Cross Over“ Design nutzten 28% der Studien, in dem sie allen Probanden alle Interventionen, Placebo und Kontrollanwendungen zukommen ließen [10, 28, 37, 49, 56]. Elf Prozent [10, 49] bedachten jedoch nicht die möglichen „Cary Over“ Effekte [55], welche bei einer zu kurzen Abfolge der einzelnen Anwendungen aufeinander auftreten können. Basisanwendungen (Physiotherapie, Ultraschall, Rest Inhibition Cool Elevation (RICE) + Heimübungen) verglichen 22% mit und ohne die eigentliche Intervention (Gleitmobilisation) [11, 17, 23, 25]. Drei Studien [4, 13, 20] untersuchten zwei verschiedene Interventionen, zwei manualtherapeutische Anwendungen (Mulligan vs. Maitland) und eine Manuelle Therapie (MT) versus Injektion von Kortison [4]. Insgesamt nutzten neun Arbeiten (50%) eine Kontrollgruppe mit „abwarten“ und sechs Placebo-Interventionen (33%). Siebzehn Prozent der Studien hatten sowohl eine Kontrollgruppe „abwarten“ als auch eine Placebo Anwendung [10, 49, 56]. Die meisten Studien betrachten jedoch häufig nur sehr kurze Zeiträume (ein bis zwei Interventionen).

Zwei Studien [20, 23] steigerten über den Untersuchungszeitraum die Behandlung. Beide Arbeiten verwendeten die von Maitland beschriebene Behandlung. Über die Ergebnisse der der einzelnen Stufen wurde nicht berichtet, da es global um Gleitmobilisation bzw. MT ging.

Eine Studie untersuchte die Dosierung des Gleitens [36]. Alle anderen Studien enthielten keine Informationen, mit welcher Kraft die Gleitmobilisation ausgeübt wurde.

3.6 Messungen

Es gab zwei Formen der Messung – zum einen die Subjektiven wie Fragebögen und zum anderen die objektiven Messungen wie Range of Motion. Im überwiegenden Maße herrschten die objektiven Messungen vor. Sie waren in allen, sowohl der vertrauenswürdigen, als auch weniger vertrauenswürdigen, Studien zu finden. Die subjektiven Messungen gewinnen jedoch immer weiter an Bedeutung, da die Aufgabe der Physiotherapie die Wiederherstellung der Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit im Rahmen der International Classification of Function (ICF) ist. Eine Studie aus der Gruppe der Vertrauenswürdigen erfüllte diese Anforderung in besonderem Maße [30]. Hier wurden VAS, Lower Extremity Functional Scale (LEFS), AQol sowie Patientenzufriedenheit untersucht. Eine andere Studie erstellte einen eigenen Score (Flex-SF) [62]. In den anderen Studien gab es nur objektive Messgrößen [1, 2, 10, 13, 17, 22, 34, 38, 39, 40, 46, 48, 49, 54, 56, 63]. Insgesamt wurde in der Hälfte der vertrauenswürdigen Studien (50%) das Bewegungsausmaß (ROM) gemessen, in einem Drittel (33%) die schmerzfreie Griffstärke (PFGS) und jeweils nur einmalig Temperaturschmerzschwelle (TPT), Druckschmerzschwelle (PPT), sympathisches Nervensystem (SNS), maximale Griffstärke (MGF), Gelenkdrehmoment, Schrittlängendifferenz sowie das Tempo beim Treppensteigen gemessen. In einem Drittel der eingeschränkt vertrauenswürdigen Studien (33%) wurde die subjektive Schmerzwahrnehmung der Patienten mittels der Visuellen Analog Skala bestimmt. Weitere subjektive Messungen waren der Shoulder Pain And Disability Index (SPADI), Western Ontario and MC Master Universities Arthroseindex (WOMAC), sowie ein Patientenassessment. Am häufigsten war mit 44% die Bestimmung des ROM bei den objektiven Messungen verbreitet. In einem Drittel der Studien (33%) wurde PPT bestimmt, in 22% PFGS, in 17% MGF, in 11% eine elektromyographische Ableitung (EMG) eines oder mehrerer Muskeln und sonst singulär das Drehmoment eines Gelenkes, TPT, Gangtempo, Schrittlänge, EBZ eines Beines beim Gehen, time up and go, die Thumb Motion Scale, sowie einmalig eine Gelenksteifigkeit untersucht.

Zur besseren Übersicht werden die Messinstrumente für die objektiven Messungen in Tabelle 8 aufgeführt.

Tabelle 8 . Übersicht über die objektiven Messungen, Untersuchungsziele und verwendeten Instrumente

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
118
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656582786
ISBN (Buch)
9783656582779
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267059
Institution / Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung
Note
1
Schlagworte
untersuchung anwendbarkeit gleitmobilisationstechnik gelenkerkrankungen operationen kreuzbandes

Autor

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Titel: Untersuchung der Anwendbarkeit der manualtherapeutischen Gleitmobilisationstechnik