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Disziplin nach Foucault am Beispiel des preußischen Militärs des 19. Jahrhunderts

Essay 2008 7 Seiten

Leseprobe

Rebekka Grupe

Bachelor Geschichtswissenschaft, 6. Semester

„Keine Schwachstelle des Körpers, die man nicht durch Training verbessern könne, keine Faser, deren Funktion nicht zu optimieren wäre. Wenn man nur lange und hart genug arbeite, werde es irgendwann keine Schwachstelle mehr geben“[1], gab das Magazin „Der Spiegel“ im Mai 2008 Aussagen des Profifußballers Thomas Hitzlspergers wieder. Das Beispiel des Hochleistungssportlers macht deutlich, welche hohe Priorität die (eigene) Disziplinierung des Körpers, dem Kapital, im Spitzensport hat. Hitzlsperger stärkt seine Muskulatur mit verschiedenen Geräten, achtet auf Ernährungsregeln und die Korrektheit seiner Bewegungsabläufe, analysiert sein Zweikampfverhalten per Videoaufzeichnungen, kurz: „Hitzlsperger lebt nach Plan.“[2] Diese Ökonomisierung des Leibes ist keineswegs eine Erscheinung der letzten Jahrzehnte, sondern ein Wandel der Körperlichkeit einhergehend mit einer Veränderung des Disziplinbegriffs bereits in vorigen Jahrhunderten. Dieser soll im Folgenden dargestellt werden. Michel Foucault untersuchte schon in den 70er-Jahren neue Körpertechnologien im 18. Jahrhundert. In seinem Werk „Überwachen und Strafen“ widmete er sich dem Wandel der Disziplin. Zunächst sollen in diesem Essay die Theorien und Annahmen Foucaults zur Disziplinierung der Körper und letztendlich der Individuen kurz dargestellt werden. Als anschauliches Beispiel werden im Anschluss die Praktiken des preußischen Militärs im 19. Jahrhundert untersucht. An einem Aufsatz von Ute Frevert zeigt sich deutlich, wie die Disziplinierung zu dieser Zeit ins Militärwesen Einzug hielt und die Körper der Soldaten disziplinierte und ökonomisierte.

In „Überwachen und Strafen“ handelt das dritte Kapitel von der Disziplin. Seine Darstellung beginnt mit der historischen Entwicklung beziehungsweise Intensivierung der Disziplin. Während im 17. Jahrhundert sich der Soldat noch überwiegend durch Symboliken, wie ein kräftiger, stattlicher Körper und das Tragen der Waffe, auszeichne, habe sich im Laufe des folgenden Jahrhunderts das Bild des Soldaten geändert: „etwas (...), was man fabriziert.“[3] Der Körper wird zu einem Gegenstand, der auf kleinster Ebene (beispielsweise in seinen Gesten, Bewegungen oder in seiner Schnelligkeit) bearbeitet werden soll, um seine Ökonomie und Effizienz zu steigern. „Diese Methoden, welche die peinliche Kontrolle der Körpertätigkeiten und die dauerhafte Unterwerfung ihrer Kräfte ermöglichen und sie gelehrig/nützlich machen, kann man die ‚Disziplinen’ nennen.“[4] Diese, so konstatiert Foucault, seien im Laufe des 17./18. Jahrhunderts zu allgemeinen Herrschaftsformen geworden.[5] Sie findet insbesondere in Bereichen wie dem Militär, der Schule oder der Fabrik ihren Einsatz. Die Mechanismen der Disziplin differenziert er in verschiedene Bereiche. Diese sollen hier jedoch nur kurz vorgestellt werden. Die exemplarischen Analyse anhand des Militär des 19. Jahrhunderts wird später noch deutlicher darauf eingehen.

[...]


[1] Kramer, Jörg: Der Lernfußballer, in: Der Spiegel, 21/2008, S. 124.

[2] Ebd., S. 126.

[3] Foucault, Michel: Überwachen und Strafen, S. 173.

[4] Foucault, Michel: Überwachen und Strafen, S. 175.

[5] Vgl.: Ebd., S. 176.

Details

Seiten
7
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656582946
ISBN (Buch)
9783656582939
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Erscheinungsdatum
2014 (Januar)
Note
1,7
Schlagworte
Hitzlsperger Focault Disziplin Körpergeschichte Militär Preußen

Autor

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Titel: Disziplin nach Foucault am Beispiel des preußischen Militärs des 19. Jahrhunderts