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Die Integration des Krieges durch Augustinus von Hippo

Essay 2014 7 Seiten

Ethik

Leseprobe

Universität der Bundeswehr München

Fachbereich Maschinenbau

Studiums-Plus-Seminar: Gerechter Krieg

Herbsttrimester 2013

Die Integration des Krieges durch Augustinus von Hippo

14.01.2014

Florian Kopatz (4. Trimester) HF: Maschinenbau

Als Offizier der deutschen Streitkräfte erhält man durch diverse Lehrgänge ein gewisses Maß an Werkzeugen, um Familienangehörigen untergebener Soldaten eine Begründung geben zu können, weshalb ihre Kinder, Verwandten und geliebten Menschen in den Einsatz, bzw. Krieg ziehen müssen. Diese Werkzeuge beschränken sich meist auf die politische Notwendigkeit der Einsätze, aber beschäftigen sich nicht wirklich mit der inneren, eigenen Motivation und Überzeugung der Notwendigkeit. Was mich schon seit Beginn meiner Dienstzeit interessierte: „ Wenn wir schon in den Krieg ziehen m ü ssen, wie k ö nnen wir danach mit einem guten Gewissen weiterleben, ohne uns f ü r unsere Taten sch ä men zu m ü ssen? Was macht uns zu den Gerechten ?“ Viele Soldaten kommen aus dem Einsatz zurück und sind nicht mehr die Menschen, die sie vorher waren. Sie haben oftmals schlimmen Ereignissen beigewohnt und können diese nur sehr schwer verarbeiten. Als Beispiel kann das Schlagen von Frauen in islamistischen Ländern genannt werden, welches für die westliche Kultur nicht typisch ist. Daher habe ich das Studium-Plus-Seminar „Gerechter Krieg“ gewählt, um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen, wie man einen Krieg nicht nur politisch, sondern ethnisch Legitimieren kann. Dazu habe ich mich mit den Schriften des „Augustinus von Hippo“ auseinander gesetzt, welcher sich als einer der prägendsten Heiligen für die Initiierung des Mittelalters mit seiner Schrift „De civitate Dei“, herauskristallisierte. Im 19. Buch dieses Werkes, geht er besonders auf die Gerechtigkeit des Krieges ein, welches als Grundlage für meine Arbeit diente. Den Aufbau meines Essays habe ich in 5 Teile wie folgt gegliedert: Einleitend beschäftige ich mich mit der Definition nach Augustinus. Im Hauptteil erörtere ich die Fragen wie es zu einem Krieg kommen könne und was ein gerechtes Verhalten sei. Abschließend vergleiche ich Erörtertes mit meinen Absichten und übertrage diese auf ethische Verhältnisse.

Augustinus von Hippo war studierter Rhetoriker, als welcher er auch ein Großteil seines Lebens gearbeitet hat. Er wurde als Sohn eines städtischen Beamten und einer überzeugten Christin in Thagaste in Numidien 354 n. Chr. geboren und studierte zu Lebzeiten den „Hortensius“ von Cicero, der ihn deutlich prägte, aber ihn nicht zu seinen gewünschten Antworten brachte. Als er später mit dem Mailändischen Bischof Ambrosius zusammenkam, seine Schriftauslegung und eine vertiefte, christlich vermittelte Auseinandersetzung mit dem Neuplatonismus hatte, wurde sein Denken erheblich von diesem geprägt. Er ließ sich daraufhin taufen und entschied sich zum Priester weihen zu lassen. Nachdem er zum Auxiliarbischof geweiht wurde, wurde er letztendlich zum Bischof von Hippo. In seinem Werk „De civiate Dei“, welches von 413 bis 426 entstand, entwickelte Augustinus seine Idee

vom Gottesstaat, welcher zum irdischen Staat in einem bleibenden Gegensatz stehe. Er verfasste die Schrift als Reaktion auf die Eroberung Roms durch die Westgoten 410. Der irdische Staat erscheint in der Augustinischen Darstellung teils als gottgewollte zeitliche Ordnungsmacht, teils als ein von widergöttlichen Kräften beherrschtes Reich des Bösen. Der Gottesstaat andererseits manifestiert sich in den einzelnen nach, den religiösen Geboten lebenden Christen selbst. Aus dieser dialektischen Grundidee, entwirft Augustinus eine umfassende Welt- und Heilsgeschichte. Dieser Entwurf war das ganze Mittelalter über, bis hin zu Martin Luther, äußerst einflussreich. Im 19. Buch greift er das Konzept vom „Gerechten Krieg“ auf, welches ihm aus seiner Cicero-Lektüre vertraut war. Er sah zwar immer den ewigen Frieden in Gott als das höchste Ziel des Lebens an, dennoch ist im Analogieschluss der irdische Frieden für ihn das wichtigste politische Ziel. Er machte es sich zur Aufgabe, einen Kompromiss zwischen dem militärischen Gewaltpotential des Staates und der pazifistischen Ethik der Christen zu definieren. Nach seiner Lehre vom Gerechten Krieg gab es die Unterteilung in zwei Bereiche. Zum einen umfasste es das „Recht zum Krieg“ und zum anderen das „Recht im Krieg“. Augustinus versuchte somit die bis dahin oft herrschende Barbarei in Kriegen zu entschärfen und klare Regeln zu definieren, in welchen linken und rechten Grenzen Christen dennoch die Möglichkeit hatten den Genuss Gottes zu erfahren. Er machte das„Recht zum Krieg“ (lat. jus ad bellum) im Ganzen von fünf Faktoren abhängig. Der Krieg sollte nach seiner Auffassung einen gerechten Grund haben, was so viel bedeutet wie die Abwehr eines Angriffs durch einen angreifenden Staat. Damit wurde durch ihn Verteidigungskriege legitimiert. Als zweites Kriterium durfte der Krieg nur von einer legitimen Autorität erklärt werden, also vom Staatsoberhaupt, König oder heutzutage die Regierung. Des Weiteren musste die Absicht des Krieges gerecht sein, im Allgemeinen gesagt um den Frieden wieder herzustellen. Zu seiner Zeit, ebenso wie heute, sollte der Krieg, bzw. Gewalt, nur als letztes Mittel dienen. Dieses hat sich bis heute hindurch kaum verändert, wenn man beispielsweise die Vorgehensweise der Nato oder UNO betrachtet, denn auch diese Weltorganisationen belegen aufständische Staaten immer zuerst mit Sanktionen, um so das Verhalten zu maßregeln. Als letzten Punkt des Rechtes zum Krieg hat Augustinus angebracht, dass die Hoffnung auf Erfolg bestehen muss. Es ist wenig sinnvoll ein 500 Mann-Heer gegen eine 10000 Mann starke Armee antreten zu lassen und somit einfach nur Opfer zu schaffen. Diese fünf aufgestellten Regeln zum Krieg haben sich im Großen und Ganzen bis heute als Entscheidungsgrundlage erwiesen. In Bezug auf die heutigen Institutionen, welche sich den Frieden auf der Erde als Aufgabe gestellt haben, sind diese Regeln noch immer maßgeblich. Bei dem „Recht im Krieg“ (lat. jus in bello) wird Augustinus doch etwas klarer und definiert recht speziell. Es unterteilt sich in die Unterscheidung zwischen Beteiligten und in indirekt

Beteiligte und in das Verhältnis der Maßnahmen zum vorangegangen „Übel“. Wobei sich Augustinus noch speziell zum Verhalten des einzelnen Soldaten ausdrückt, denn dieser verstößt nicht gegen das 5. Gebot, wenn dieser im Auftrag einer staatlichen Autorität einen Gegner tötet. Dieser solle durchaus einem gottlosen Befehlshaber gehorchen können, wenn dessen Befehle nicht gegen die zehn Gebote verstoßen oder ein gewichtiger Zweifel diesbezüglich bestehe. Er fordert damit eine neue, eine christliche Art der Kriegsführung. Sie ist durch friedliche Gesinnung und Barmherzigkeit gegenüber dem Besiegten definiert. Dadurch sollen auch diesem die Vorteile des Friedens zukommen. In der Niederschrift seiner Denkweisen und seiner Sicht auf die weltlichen Geschehnisse wird deutlich, dass für ihn das übergeordnete Ziel der Frieden ist. Die sogenannte Goldene Regel, welche durch Europäer erst im 17. Jahrhundert aus der positiven Übersetzung des Tora-Gebots der Nächstenliebe in der Lutherbibel von 1545 geprägt wurde, könnte zur Zeit des Augustinus von ihm als ein früher Ansatz der künftigen praktischen Ethik sein, welche besagt:„Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Meiner Auffassung nach regt Augustinus genau zu diesem Verhaltensgrundsatz mit seiner Schrift an. Ich persönlich bin kein sehr religiöser Mensch, dennoch fasziniert mich wie Augustinus es geschafft hat diese erst sehr religiös wirkenden Ansichten, stark auf Christen bezogene Schrift, aufzustellen und diese doch als allgemeine ethische Grundlage zu etablieren. Ich gehe völlig konform mit seinen Ansichten was einen Krieg legitim macht und ebenso wie das Verhalten als Kriegsbeteiligter sein sollte. Jedoch ist es als kleine Schachfigur in dem politischen Gewirr der Zeit schwierig sich direkt daran zu beteiligen, da man sich verpflichtet hat, eine Funktion auszuüben. Dennoch kann es für jeden Soldaten schwierig sein, dass eigene Gewissen in Reinheit zu waschen, wenn es zu einer Kriegsentscheidung der legitimen Autorität kommt. Als Beispiel möchte ich den Kreis der Offiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg anbringen, welche im Gewissenskonflikt mit sich und denen der legitimen Autorität, Adolf Hitler, standen. Gerade der Offiziersberuf fordert es von einem, kein Ja-Sager zu jeglicher politischen Entscheidung zu sein, sondern sich intensiv mit politischen und ethischen Grundmotiven auseinander zu setzen. Für mich ist daher der Anteil Augustinus´ Schrift zum „Recht im Krieg“ von entscheidender Bedeutung. Jeder Mensch hat seine eigene Definition was für ihn im Verhältnis von angemessener Tat zu vorangegangen Übel ist. Für mich als Beispiel sollte nicht gleiches mit gleichem bestraft werden, ein Mord sollte nicht mit Mord bestraft werden. Das wäre zu einfach, denn ich glaube die Einsicht und Auseinandersetzung des Täters mit seiner Tat wird ihn irgendwann dazu bewegen Reue zu zeigen und das er sein Leben dadurch verwirkt hat. Er ist dazu gezwungen sich damit Tag für Tag zu beschäftigen und die Gräueltat zu durchleben, was für mich eine größere Strafe darstellt, als das schnelle Ende durch eine Spritze oder sonstige Praktiken. Jedoch ist es oftmals schwer als Soldat sein gutes Wesen zu behalten, bzw. sein Menschsein zu bewahren, da man nur auf sein eigenes Handeln Einfluss hat und nicht auf das anderer oder auf das der übergeordneten Führung. Wenn durch eine politische Führung, wie die der Nationalsozialisten, eine ethisch nicht vertretbare Entscheidung zu einem Krieg und zum Verhalten im Krieg getroffen wird, so darf man sein eigenes Gewissen unter keinen Umständen abschalten oder das Denken anderen überlassen. Durch genau dieses Verhalten haben Befreiung haben viele beteiligte Soldaten ihren Glauben an das Gute verloren und sind durch die schrecklichen Verbrechen an der Menschheit zerbrochen, denn wie die Nationalsozialisten diese Unschuldigen behandelt haben war nicht Menschenwürdig und stand in keinerlei Verhältnis zu ihrem sogenannten „Verbrechen“. Nach Hitler war ihr Verbrechen jüdisch zu sein oder grundlegender, einfach andere Ansichten oder eine andere Herkunft zu haben, welches jedoch keine Legitimierung für einen solchen Krieg war. Obwohl die Geschichte immer wieder tragische Beispiele wie dieses Schwerwiegende hervorbringen wird, lässt sich die Tatsache, dass es immer Krieg auf Erden geben wird, nicht ändern. Davon bin ich überzeugt, denn die Gewalt- und Konfliktbereitschaft liegt in der Natur des Menschen. Es manifestiert sich seit Jahrhunderten immer wieder in den kleinsten Gegebenheiten, sei es allein die Jagd auf Tiere, um das eigene Überleben zu sichern, oder darin das kleine Kinder im Sandkasten sich um ein Spielzeug streiten, was sich auch in ein Schlagen mit einer Schaufel äußert. Daher lässt sich die Frage, ob es je eine Welt ohne Krieg geben wird nur schwer beantworten, da die Bereitschaft zur Gewalt eine Art Instinkt ist, welche in jedem von uns schlummert. Jeder lernt durch sein Umfeld, seine Erziehung und durch das wirken seiner sozialen Kontakte, auf verschiedene Reize gewaltsam zu reagieren, also ob es nun der Neid hervorruft, weil mein Spielpartner ein schöneres Spielzeug als ich habe, oder die Habsucht, welche es einem Staat gebietet in einen anderen einzufallen, weil er die Ölvorkommen annektieren will, da diese für die wirtschaftliche Entwicklung von großer Bedeutung sind. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass wir uns im Klaren sein sollten das es immer zu Konflikten kommen wird, aber wie wir mit diesen umgehen muss sich erheblich verbessern. Dieses ist Augustinus in „De civitate Dei“ meiner Meinung nach gut gelungen und er selbst kam auch schon zu der Erkenntnis das es in der Natur des Menschen liegt nach Frieden zu streben und nicht nach Gewalt. Denn die Gewalt ist ein Instinkt und kann nicht abtrainiert werden, aber der Wille zum Frieden umso mehr. Dabei ist stark zu beobachten das durch die kulturellen Unterscheide eine Kanalisierung des Gewaltpotentials erfolgt. Dies macht sich in Ländern die von der Lynchjustiz geprägt sind, oftmals islamistische Länder und Regionen, stark bemerkbar, denn dort gibt es häufig noch Strafen wie die Steinigung, Peitschenhiebe, Amputation oder sogar Kreuzigung. Es zeigt sich doch in der geschichtlichen Entwicklung, dass einige dieser Strafen nach christlichem Standard eher mittelalterlichen entsprechen und im christlichen Raum keine Strafverfolgung durch die Religion erfolgt, sondern durch den Staat. Ebenso wie das Strafmaß in christlichen Ländern durch den Staat erlassen wird.

Augustinus von Hippo hat für uns mit seiner Schrift „De civitate Dei“ einen allgemeinen Grundstein gelegt, welchen wir als Soldaten nutzen sollten, um zum einen besser mit Situationen von hoher psychischer Belastung umgehen zu können und zum anderen, dass wir selbst nach einem Einsatz, in dem durch unser Handeln Menschen getötet worden sind, keine schlechten Menschen sind. Ich möchte damit nicht sagen es sei legitim Menschen zu töten, aber dennoch ist es leider nun mal eine Art Berufsrisiko, welcher wir uns bewusst sein müssen. Es macht uns dennoch nicht zu einem schlechten Menschen, wenn wir als Schachfiguren der politischen Autorität, anderen schlimmes antun. Jedoch dürfen wir niemals vergessen, dass wir alle Menschen sind und ein jeder das Recht auf Leben und menschenwürdige Behandlung hat. Dieses darf unter keinen Umständen in Vergessenheit geraten, auch wenn es in Situationen, wo eigene Freunde oder Verwandte betroffen sind, äußerst schwer fällt. Es ist oftmals leicht davon zu reden, wenn man nicht selbst betroffen ist, aber dennoch muss man versuchen, wenn man betroffen ist, sich an Grundregeln zu halten, da es sonst der Menschheit nicht möglich sein wird in einem Kollektiv zu leben. Wie schon durch die Goldene Regel angemerkt: „ Was du nicht willst, dass man dir tu ’ , das f ü g ’ auch keinem anderen zu.

Literaturverzeichnis

- Aurelius Augustinus: „De civitate Dei“ 19. Buch unter http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1937.htm (abgerufen am 26.10.2013).
- Peter Brown: Augustinus von Hippo. Eine Biographie. Erweiterte Neuausg. Dtv, München 2000.
- Timo J. Weissenberg: Die Friedenslehre des Augustinus. Theologische Grundlagen und ethische Entfaltung. (Theologie und Frieden. Band 28) Kohlhammer, Stuttgart 2005.

Details

Seiten
7
Jahr
2014
ISBN (Buch)
9783656579328
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267473
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,0
Schlagworte
integration krieges augustinus hippo

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