Lade Inhalt...

Eine Beschreibung der "Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith

Seminararbeit 2003 22 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BESCHREIBUNG DER THEORY
2.1. UM WAS GEHT ES?
2.2. ERSTER HAUPTTEIL: DIE SITTLICHE RICHTIGKEIT
2.2.1. Theorie der Affekte
2.3. ZWEITER HAUPTTEIL: BELOHNUNG UND BESTRAFUNG
2.3.1. Schuld und Verdienst
2.3.2. Gerechtigkeit und Wohlt Ätigkeit
2.3.3. Der Zufall oder die Regelwidrigkeit der Gefühle
2.4. DRITTER HAUPTTEIL: SELBSTEINSCHÄTZUNG
2.4.1. Der Unparteiische Betrachter
2.5. VIERTER BIS SIEBTER HAUPTTEIL

3. FAZIT

4. ANHANG

5. ABSTRACT

6. QUELLEN

1. Einleitung

Adam Smith kann sicherlich als sehr prominenter Vertreter der Ökonomie bezeichnet werden, wenn nicht sogar als Begründer der moderneren Ökonomie. Sein Werk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“, geschrieben von 1766 bis 1776, ist ein wegweisendes Standardwerk der Ökonomie.

Doch Smith beschäftigte sich - neben der Ökonomie - auch sehr erfolgreich als Jurist1, Philosoph, Rhetoriker und, zum Ende seines Lebens, als Zollrevisor. Mit dieser Arbeit möchte ich die moral-philosophische Seite von Adam Smith anhand seiner „Theory of Moral Sentiments“ beleuchten, die 1759 erschien, um ein differenzierteres Bild vom Leben und Wirken des Adam Smith zu erhalten.

Für die Beschreibung der Theory of Moral Sentiments und der Analyse der Ethik von Adam Smith werde ich mich in der Struktur an das Originalwerk halten. Jeden der sieben Hauptteile der Theory werde ich in der Abfolge des Werkes besprechen, allerdings habe ich mich, aufgrund der Wichtigkeit, auf die ersten drei Teile konzentriert. Danach werde ich die restlichen vier Teile noch - kürzer - beschreiben.

2. Beschreibung der Theory

Die „Theory of Moral Sentiments“2 ist das erste Buch von Adam Smith und knüpft an seine Vorlesungen in Jurisprudenz, Rhetorik und Moralphilosophie an der Universität von Glasgow an. Das empirisch-deskriptive Werk, das leider von einigen Wiederholungen und Abschweifungen gekennzeichnet ist, erschien 1759, also in Smiths 36. Lebensjahr.3 Ähnlich wie die 1776 erschienene „Inquiry into the Causes and Nature of the Wealth of Nations“ mag das Werk für den heutigen Leser wohl ungeordnet erscheinen. Insbesondere in Deutschland wird der Theory im Vergleich zu „Wealth of Nations“ eher gering geschätzt, obwohl Smith seiner Theory wohl mehr Beachtung schenkte. Er hat das Werk während seinem Leben mehrfach überarbeitet und sah es als Komplementärwerk zu „Wealth of Nations“.4 Der nächste Abschnitt behandelt den Inhalt der Theory.

2.1. Um was geht es?

Smith belebte die wohl etwas vernachlässigte

Moralphilosophie neu. Moralphilosophie hatte zur Erscheinungszeit der Theory eine andere Bedeutung aIs heute, wo es wohl mit Ethik gleichgesetzt werden könnte. Seinerzeit war die Moralphilosophie das Gegenstück der Naturphilosophie. Smith zufolge „müssen Moralphilosophen Wege zu diesseitigem Glück aufzeigen“ (Streminger, 1999, S. 37). Diese Motivation ist nicht neu, schon in der Antike haben sich Philosophen damit beschäftigt.

Es ist sehr schwierig, die Theory kurz und prägnant zusammenzufassen. Ein Versuch von Streminger besagt: „Die Frage nach dem diesseitigen Glück wird darin, wenn auch an keiner Stelle explizit, so beantwortet: Menschen sind dann glücklich, wenn sie ihre Wünsche realisieren können, wenn sie geliebt werden und liebenswert sind“ (Streminger, 1999, S. 38). Nun muss also geklärt werden, was diese Liebenswertigkeit ausmacht. Smith sieht denjenigen Menschen als liebenswert an, der moralisch handelt. Wir bewegen uns also mit Riesenschritten zu der Frage, was den Menschen moralisch handelnd machen könnte.

Dazu gibt es mehrere, zum Teil sehr divergierende Ansichten. Smith hatte eine gänzlich andere Ansicht als zum Beispiel die des orthodoxen Christentums, wo „die menschliche Natur verderbt und ohne Gnade Gottes zur Moralität unfähig ist“ (Streminger, 1999, S. 38). Auch die Ansicht von Thomas Hobbes, dass die „Menschen für rücksichtslos selbstsüchtig erklärt und Tugenden als Ergebnisse kluger Berechnungen von Wölfen in Menschengestalt, denen es durch allerlei Kunstgriffe gelingt sich die dumme Masse geringfügig zu machen (Streminger, 1999, S. 38). Smith sieht die moralische Handlung als Resultat der menschlichen Natur. Der Mensch strebt also in der Smith’schen Sicht nicht nur nach persönlicher materieller Besserstellung, sondern darüber hinaus. Diese Motivation kommt, so Smith, aus der menschlichen Natur und sei deshalb auch nicht davon zu trennen.

2.2. Erster Hauptteil: Die sittliche Richtigkeit

Kernelement der Theory ist die so genannte Sympathie5, die jedoch nach Smith „...keinesfalls mit Altruismus verwechselt werden sollte“ (Patzen, 1991, S. 33). Genau diese Sympathie, die in der Natur des Menschen gegeben ist, lässt die Handlung über die eigene Besserstellung zu. Smith schreibt dazu. „Ein Prinzip dieser Art ist das Erbarmen oder das Mitleid, das Gefühl, das wir für das Elend anderer empfinden, sobald wir dieses entweder selbst sehen, oder sobald es uns so lebhaft geschildert, dass wir es nachfühlen können“ (Smith, 1759, S. 1). Smiths Meinung nach „ist Menschen der Wunsch eigen, mit anderen zu sympathisieren“ (Streminger 1999, S. 38).

Mit dieser Sympathie nehmen wir also an den Gefühlen anderer6 Teil. Es handelt sich also um eine Fähigkeit, „…sich wechselseitig ineinander einzufühlen, einen Rollentausch vorzunehmen, genau so wie die gleichberechtigten wirtschaftenden Subjekte einen Äquivalententausch vornehmen“ (Kittsteiner, 1984, S. 45). Dabei gibt es ein Problem, „da wir keine unmittelbare Erfahrung von den Gefühlen anderer Menschen besitzen, können wir uns nur so ein Bild von der Art und Weise machen, wie eine bestimmte Situation auf sie einwirken mag, dass wir uns vorzustellen suchen, was wir selbst uns wohl in der gleichen Lage fühlen würden“ (Smith, 1759, S. 2). Erst diese Vorstellung in die andere Person hinein ermöglicht es, die „Schranken unserer eigenen Person“ (Smith, 1759, S. 2) zu überwinden. Das Resultat dieser Vorstellung7 der Gefühle des Anderen wird einer Überprüfung unterzogen: stimmen diese nachempfundenen Gefühle mit den tatsächlichen überein? Aus der Sympathie, also dem Wunsch an den Gefühlen anderer teilzunehmen, entstehen Werturteile. In Anlehnung an das Werk von Ballestrem8 sind bei der Theory drei Arten des Prozesses der Sympathisierung, der zu Werturteilen führt.

1. Variante: Der Zuschauer beobachtet eine Person, der etwas widerfährt… Auf Grund der Sympathie urteilt der Zuschauer ob die Gefühle oder das Verhalten der Person der Situation angemessen, d.h. richtig sind (I.i.: Of the sense of propriety)
2. Variante: Der Zuschauer beobachtet eine Person, deren Handlungen einen Dritten betreffen. Auf Grund seiner Sympathie mit den Motiven der handelnden Person und den Gefühlen des betroffenen Dritten urteilt der Zuschauer, ob die Person gesteigerte Zustimmung (oder Ablehnung) verdient, die in Werturteilen über Verdienst (und Schuld) zum Ausdruck kommt. (II.i.: Of the sense of merit and demerit)
3. Variante: Eine Person reflektiert über sich selbst indem sie sich im Geist in die Perspektive eines Zuschauers versetzt und überlegt, ob ihre Gefühle und Handlung die Billigung oder das Lob eines sympathisierenden Zuschauers finden würde. (III.i.: Of the principle of self-approbation and self- disapprobation).9

2.2.1. Theorie der Affekte

Diese Sympathie schwankt, ausgehend vom Betrachter10. So kann sich eine Person, die ähnliches schon einmal erlebt hat, wohl besser die Gefühle nachvollziehen.

Smith klassifiziert die Affekte der beobachteten Person als körperlich (z.B. Heißhunger), psychisch (z.B. Angst), unsozial (z.B. Hass), sozial (z.B. Menschlichkeit) und egoistisch (z.B. persönliches Glück).

Interessant wird es bei unsozialen Affekten, wobei z.B. eine Person von einer anderen gehasst wird. Die Sympathie ist nun also doppelt vorhanden, einerseits mit dem Hassenden, andererseits mit dem Gehassten. Smith sieht dafür bei unsozialen Affekten eine verringerte Sympathie, die wiederum zur Reduktion dieser Art von Affekt führen soll.

Bei egoistischen Affekten verhält es sich anders. Sind diese Freuden von großem Ausmaß, so kann sich auch Neid einstellen. Menschen sympathisieren daher gerne mit den kleinen Freunden anderer.

Genau umgekehrt reagiert der Mensch auf Leid. Bei sehr großem Leid, so z.B. bei Todesfällen, „kannst Du meistens doch auf die Sympathie all deiner Freunde rechnen…. Wenn du aber nur unter dem Pantoffel deiner Frau stehst, dann darfst du dich auf das Gespött all deiner Bekannten gefasst machen“ (Smith, 1759, S. 59). Smith stufte die kleinen Leiden also für den Erleidenden als gravierender ein als die großen Leiden. Zudem sympathisieren wir lieber mit den Freuden als mit dem Leid. Nach Smith kann Mitleid sogar eine unangenehme Erfahrung sein. Genau hier knüpft die Kritik von Hume11 an. Smith schrieb vorher, dass die Erfahrung der Sympathie immer angenehm sei. Hier widerspricht Smith also sich selbst.

Dieses Phänomen der Stärke der Mitfreude und der Schwäche des Mitleides führt zu Schwankungen der Sympathien nach gesellschaftlichem Rang. So schreibt Streminger: „…weil Menschen auch Gegenstand sympathetischer Empfindungen anderer sein wollen…“ (Streminger, 1999, S. 40) neigen wir dazu „mit unserem Reichtum zu prunken und unsere Armut zu verbergen. Ja, es kommt hauptsächlich von dieser Rücksicht auf die Gefühle der Menschen, dass wir Reichtum anstreben“ (Smith, 1759, S 71). Wir streben also nach Reichtum, weil wir uns im Mittelpunkt des Interesses der anderen wähnen. Diese Eitelkeit ist also der Grund für „den Übermut der Oberschicht und die Demut der Unterschicht“ (Streminger, 1999, S. 41). Aus diesem Grund ist die Allgemeinheit am Leben der Reichen und Berühmten interessierter als am Schicksal des vielzitierten kleinen Mannes.

2.3. Zweiter Hauptteil: Belohnung und Bestrafung

Im zweiten Hautteil bespricht Smith erst den Verdienst und die Schuld, danach die Gerechtigkeit und die Wohltätigkeit. Hier ist es wichtig, Verdienst (merit, zweiter Hauptteil) von Angemessenheit (propriety, erster Hauptteil) zu trennen. Smith spricht bei großen, außergewöhnlichen Taten von Verdienst. Diese werden jedoch bei Smith nur als solche gewertet, wenn sie den richtigen Motiven entspringen. Ballestrem (2001, S. 71) schreibt: „Umgekehrt gilt nicht jede Art von moralischem Defekt als Schuld“, denn dafür bedarf es einem Vorsatz, den anderen zu schädigen.

[...]


1 Vgl. dazu die Vorlesungen von Smith in Glasgow 2

2 Dt.: Theorie der ethischen Gefühle

3 Vergleiche dazu den Lebenslauf im Anhang

4 Der gemeinhin vermutete Spannungsbogen zwischen der Theory und „Wealth of Nations“ wird als das Adam-Smith-Problem bezeichnet.

5 Engl.: „fellowfeeling“, nicht etwa „sympathy“

6 Hier die sog. „person principally concerned“

7 Engl.: „imagination“

8 Der eingerückte Text entstammt Ballestrem, 2001, S. 62 5

9 Resultat der „self-approbation“ ist die „sense of duty“ (dt.: Pflichtgefühl)

10 Bei Smith: „the spectator“, nicht zu verwechseln mit „the impartial spectator“ 6

11 Vergleiche dazu den Brief von Hume an Smith vom 28. Juli 1759. Smith konterte die Kritik damit, dass das Angenehme sich bei der Übereinstimmung der Gefühle (des Leides) ergebe.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638290043
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26762
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Institut für allgemeine Wirtschaftsforschung
Note
2,7
Schlagworte
Theorie Gefühle Adam Smith Interdisziplinäres Seminar Ethik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Eine Beschreibung der "Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith