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Das gesundheitliche Wohlbefinden von Eltern

Die Beeinflussung psychischer Erkrankungen von Eltern auf die Eltern-Kind-Beziehung

Seminararbeit 2013 23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Gesundheit als Determinante im elterlichen Wohlbefinden
1.1 Einflüsse auf das gesundheitliche Wohlbefinden von Eltern
1.2 Gesundheitliches Wohlbefinden als Bestandteil psychischer Gesundheit
1.3 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit bei Eltern

2 Die Auswirkungen psychischer Erkrankungen auf die Eltern-Kind- Beziehung
2.1 Die Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern
2.2 Mögliche Einflussfaktoren auf die Eltern-Kind-Beziehung
2.3 Der Einfluss psychischer Erkrankungen auf die Eltern-Kind- Beziehung

3 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Zu einem der am meisten wertgeschätzten Dinge in unserer Gesellschaft gehört die Gesundheit. Sie nimmt bei vielen Menschen mitunter die höchste Position bei unseren Wertvorstellungen ein. Dabei richtet sich mittlerweile das Augenmerk nicht mehr nur auf die Vermeidung von Krankheit, sondern „auf die Vermehrung von Gesundheit“ (Faller/ Lang 2010: 265). Im wissenschaftlichen Diskurs um subjektives Wohlbefinden, gehört sie zu dessen Bestimmungsfaktoren (Hadjar/ Haunberger/ Schubert 2008: 371f).

In dieser Arbeit wird speziell die Gesundheit von Eltern in den Blick genommen. Da eine gesundheitlich positive Selbsteinschätzung zum Wohlbefinden beiträgt und umgekehrt Eltern aber auch die Erfahrung machen können ihr gesundheitliches Befinden negativ wahrzunehmen, etwa in Form von psychischen Erkrankungen, werden verschiedene Aspekte, die darauf einen Einfluss haben, auch im Hinblick auf die Auswirkungen für die Eltern-Kind-Beziehung, vorgestellt.

1 Gesundheit als Determinante im elterlichen Wohlbefinden

Die Gesundheit gehört zu den elementarsten Faktoren, die das Wohlbefinden von Eltern beeinflussen können. Neben sozialen Netzwerken, Bildung, familienpolitischen und anderen Aspekten, stellt sie eine wichtige Variable zur Beurteilung des Wohlbefindens dar (Bertram 2011: 7).

Um herauszustellen, welche Auswirkungen sie tatsächlich hat, wird im Nachfolgenden zuerst ein Blick auf die ausschlaggebenden Einflussfaktoren geworfen, die das gesundheitliche Wohlbefinden von Eltern beeinflussen. Danach wird Bezug darauf genommen, wie das gesundheitliche Wohlbefinden und die psychische Gesundheit in Verbindung stehen. Anschließend wird aufgezeigt, inwiefern eine negative gesundheitliche Selbsteinschätzung ein Hinweis auf psychische Erkrankungen wiedergibt.

1.1 Einflüsse auf das gesundheitliche Wohlbefinden von Eltern

Gesundheitliches Wohlbefinden lässt sich durch mehrere Zugänge beschreiben. Um diesen Einblick herzustellen, sollte man den Begriff zunächst einordnen. Eine eindeutige Definition von Gesundheit gibt es bis dato nicht, da der Begriff individuell ausgelegt werden kann. Bisherige Versuche zur Abgrenzung des Begriffes gingen von der Gegenseite, der Krankheit, aus. Laut der WHO, die 1948 zum ersten Mal den Gesundheitsbegriff in einen positiven Zusammenhang setzte, ist Gesundheit „(…) der Zustand des vollständigen körperlichen , geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheit und Gebrechen.“ (Hurrelmann/ Franzkowiak 2011: 100). Eine sinngemäße Einteilung nimmt ebenfalls das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vor und unterteilt die Gesundheit in drei Komponenten: „Seelische Gesundheit (Vitalität und Leistungsfähigkeit), soziale Gesundheit (liebend-hilfsbereit mitmenschliches Verhalten) und physische Gesundheit (Abwesenheit erlebter körperlicher Beschwerden).“ (Laux 1996: 111). Wie man aus diesen Definitionen herauslesen kann, steckt der Begriff Wohlbefinden bereits in der Beschreibung der Gesundheit. Oder besser gesagt, Wohlbefinden wird in den Wissenschaften mit Gesundheit gleichgestellt. Eine Person, die gesund ist, weist Wohlbefinden auf.

Solche Definitionen von Gesundheit stellen jedoch eine schwer umsetzbare Erklärung dar, um sie in der praktischen Arbeit anzuwenden, kritisiert Ostermann. Sie weist darauf hin, dass diese Betrachtung einen subjektiven und auch verallgemeinernden Charakter annimmt und macht sich die Definition der Gesundheit von Hurrelmann (1994) zu Eigen. Gesundheit ist demnach zu verstehen als:

„Zustand des objektiven und subjektiven Befindens einer Person, der gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung im Einklang mit den Möglichkeiten und Zielvorstellungen und den jeweils gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet“. (Ostermann 2010: 91).

Aus dieser Erklärung kann man herauslesen, dass Hurrelmann Gesundheit davon abhängig macht, inwiefern die drei Bereiche Physis, Psyche und Soziales zusammenspielen. Einschränkungen können nach seiner Auslegung in der Gesundheit entstehen, wenn in einem oder mehr Bereichen ein gewisses Ziel durch gegebene Lebensbedingungen nicht erreicht werden kann. „Die daraus entstehenden Beeinträchtigungen können, müssen sich aber nicht durch Auffälligkeiten in einem dieser Bereiche zeigen“ (Ostermann, 2010: 91). So können Mütter und Väter, die ihrer Einschätzung nach die Möglichkeiten zur Selbstgestaltung der eigenen Lebensumwelt haben, „(…) ihre eigene Gesundheit und ihr subjektives Wohlbefinden positiver einschätzen“ (Bertram 2011: 83) als diejenigen, die sich von außen gesteuert empfinden. Lazarus, der die gleiche Theorie vertritt, hat dazu eine Gleichung aufgestellt, die erklären soll, dass eine gleiche Situation von verschiedenen Personen aufgrund unterschiedlicher Einschätzungen unterschiedlich empfunden werden kann. Das Hauptziel aller besteht dabei im Erreichen von Zufriedenheit1. Die Formel zu dieser Gleichung sieht folgendermaßen aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben dem sozioökonomischen Status einer Person, der sozialen Integration und den positiven Lebensereignissen, gehört das besagte Zufriedenheits- bzw. Glückskorrelat Gesundheit zu den vier großen Korrelaten der Lebenssituation. Anhand empirischer Untersuchungen lässt sich ein hoher Zusammenhang von Zufriedenheit und Glück und dem subjektiv, selbst beurteilten Gesundheitszustand darlegen (Mayring 2000: 227). Da das Konstrukt Zufriedenheit nicht aus den objektiven Gegebenheiten der Lebensumstände der Menschen abzuleiten ist, lässt sich darauf schließen, dass trotz gleicher Lebensumstände, aber unterschiedlicher Bewertungen, diese aus den unterschiedlichen Persönlichkeitseigenschaften des Menschen heraus vorhergesagt wird. Das heißt, dass es sich bei Zufriedenheit um eine auf Subjektivität basierende Einschätzung der eigenen Lebenslage handelt, die vorrangig aus der Lebenserfahrung resultiert. Bei den Betrachtungen von gesundheitlichem Wohlbefinden muss daher immer beachtet werden, dass die Messungen rund um diese Thematik einen subjektiven Charakter aufweisen (Bertram 2011: 88). Ungeachtet dieser Tatsache, gibt es aber einige wichtige Untersuchungen zu diesem Thema, die trotz subjektiver Messungen von bedeutender Relevanz sind. Bertram et al. beispielsweise fanden heraus, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Gesundheit und der allgemeinen Zufriedenheit von Müttern als auch von Vätern gibt. „Sowohl bei den befragten Vätern wie den Müttern [gibt es] einen fast linearen Zusammenhang […] Die subjektive Gesundheit und das subjektive Wohlbefinden stehen offensichtlich in außerordentlich engem Zusammenhang.“ (Bertram 2010: 72 ff.).

Wie sich dieses Verhältnis darstellt, wird in Abbildung 1 deutlich. So konnte beispielsweise auch nachgewiesen werden, dass Eltern mit der Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus2 das subjektive Wohlbefinden negativ bewerten und Eltern, die zu Extraversion3 neigen, eher positiv (Bertram 2011: 88). Wie sich diese Persönlichkeitsfaktoren und auch andere Variablen in der psychischen Gesundheit niederschlagen, wird in den beiden nachfolgenden Abschnitten dargestellt.

Abbildung 1: Subjektives Wohlbefinden und persönliche Gesundheit (nach Bertram 2010: 73)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Gesundheitliches Wohlbefinden als Bestandteil psychischer Gesundheit

Wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Gesundheit stellten heraus, dass medizinische Laien der Variablen Gesundheit nicht nur organische oder biologische Faktoren zuordnen, sondern sie ließen auch alle anderen Faktoren, wie seelische, die zum Wohlbefinden beitragen, mit einfließen (Lau 1995 nach Fischer/ Dodeler 2013: 5). Ebenso wie die der Laien, wird diese Ansicht auch von verschiedenen Gesundheitspsychologen vertreten. Aus diesem Grund wird Wohlbefinden durch moderne Gesundheitskonzepte als Bestandteil von psychischer Gesundheit eingeordnet. (Becker 1982 nach Mayring 2000: 227). Um gesundheitliches Wohlbefinden herzustellen bzw. zu erhalten, spielen positive Emotionen eine entscheidende Rolle. ProbandInnen, die zum Erleben positiver Emotionen befragt wurden, gaben an, dass sie diese „nicht nur als etwas „Gegebenes“, sondern als etwas Beeinflußbares“ (Laux 1996: 168) ansehen. Zu den weniger veränderbaren Variablen wie den Persönlichkeitsdimensionen, gehören dahingegen zu den beeinflussbaren vor allem soziale Unterstützung und freie Zeit. Diese beiden Aspekte sind nicht zwingend getrennt voneinander zu betrachten.

„Sich regelmäßig Zeit für die Beziehungsgestaltung im Familien- und Freundeskreis zu nehmen bekommt zusätzliche Relevanz durch die von vielen als wichtig genannte Möglichkeit, in Belastungszeiten soziale Unterstützung bei anderen zu suchen und zu bekommen, was ein wesentlicher Faktor für die schnelle Verbesserung des emotionalen Befindens zu sein scheint.“ (Laux 1996: 169).

Um die psychische Gesundheit einer Person näher in den Blick zu fassen, wird meistens jedoch nach den negativen Einflussfaktoren geforscht. Ein Einflussfaktor – wie eben bereits erwähnt - wird dabei in der Belastung der Eltern gesehen. Ausschlaggebende Punkte, die damit in Zusammenhang stehen, sind Freie Zeit und soziale Unterstützung der Eltern. Je weniger von beidem, umso größer die Anstrengung, bekannt auch als Stress. Welche Faktoren diese Belastungen begünstigen und wie sie sich auf das gesundheitliche Wohlbefinden niederschlagen, wird in Abschnitt 1.3 in Augenschein genommen.

1.3 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit bei Eltern

Entsprechend den Erklärungen im ersten Abschnitt, liegt die Wichtigkeit bei den Modellen gesundheitsrelevanten Verhaltens in der subjektiven Sicht des Einzelnen. „Nicht die objektive Schwere der Krankheit, sondern die persönliche Sichtweise oder Überzeugung von der Krankheitsschwere ist entscheidend“. (Faller/ Lang 2010: 267). Dies lässt darauf schließen, dass eine negative Bewertung der eigenen Gesundheit negativ empfundene Emotionen widerspiegelt, die sich wiederum auf die seelische Gesundheit auswirken. Im Nachfolgenden werden zentrale Faktoren aufgegriffen, die einen zentralen Einfluss auf die Beeinträchtigung der Gesundheit darstellen. Dazu sei gesagt, dass es sich dabei um einen komprimierten Einblick handelt und keine Ausarbeitung einzelner psychischer Erkrankungen im Detail repräsentiert.

[...]


1 Zufriedenheit, Glück und Wohlbefinden werden in der Forschung zur Gesundheit von ihrem Sinngehalt weitestgehend gleichgesetzt.

2 Neurotizismus ist eine durch Ängstlichkeit, Launenhaftigkeit, Empfindlichkeit, Depressivität, Reizbarkeit und Labilität geprägte Persönlichkeitsdimension (Schönpflug 2006: 137f).

3 Extraversion ist eine Persönlichkeitsdimension, die durch die Adjektive „gesellig, dominant, abenteuerlustig, impulsiv, risikofreudig, ausdrucksstark und aktiv“ beschrieben wird (Schönpflug 2006: 137f.)

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656581772
ISBN (Buch)
9783656580645
Dateigröße
957 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Erscheinungsdatum
2014 (Januar)
Note
1,0
Schlagworte
Psychische Krankheiten Eltern-Kind-Beziehung; Wohlbefinden

Autor

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Titel: Das gesundheitliche Wohlbefinden von Eltern