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Lernen an fremden Biographien. Franz von Assisi im Religionsunterricht der Grundschule

Bachelorarbeit 2012 41 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biographisches Lernen
2.1 Zur Wiederentdeckung des Vorbilds
2.2 Was meint biographisches Lernen?
2.3 Zur Bedeutung für den Religionsunterricht

3 Lebensstationen des Franziskus
3.1 Kindheit und Jugend
3.2 Bedeutung von Armut und Krankheit
3.3 Bruch mit den Eltern
3.4 Erste Anhänger
3.5 Leben in Gottes Schöpfung

4 Franziskus als Modell für biographisches Lernen von Grundschulkindern
4.1 Biographisches Lernen über gesellschaftliche/familiäre Erwartungen und eigene Vorstellungen und Wünsche
4.2 Biographisches Lernen über Solidarität und soziale Verantwortung
4.3 Biographisches Lernen über das Streben nach Frieden und Gerechtigkeit zwischen allen Geschöpfen

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis39

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit bietet einen Überblick über die Bedeutung und die Möglichkeiten des biographischen Lernens. Da biographisches Lernen verstärkt Eingang in den Religionsunterricht gefunden hat und es eine zentrale Rolle für Kinder im Hinblick auf Subjekt-Werdung und Identitätsfindung bietet, soll diese Thematik im Hinblick auf meine spätere Tätigkeit als Religionslehrerin Gegenstand der Arbeit sein. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema ist unverzichtbar, um sich mit einem religionsdidaktischen Prinzip vertraut zu machen, das Grundlage für einen gelingenden Religionsunterricht ist. Daher wird auch eingegangen auf die Herausforderungen, die sich den Lehrkräften als Begleitern im biographischen Lernprozess stellen. Im zweiten Teil der Arbeit werden durch ausgewählte Lebenssituationen und Entscheidungen des Franziskus Einblicke in seine Lebensideale und Vorstellungen geboten. Diese bilden die Basis für die weiterführende Frage, inwiefern Grundschulkinder heute von ihm lernen können. Da Franziskus im Mittelalter lebte, also unter völlig anderen Lebensbedingungen, scheint er für Kinder und Jugendliche zunächst eher von geringerem Interesse zu sein. Es ergibt sich die Frage, welche Erlebnisse und Erfahrungen die zunächst empfundene Distanz aufzuheben vermögen. Der dritte Teil dieser Arbeit ist als eine Weiterführung der zuvor beschriebenen Lebenssituationen zu verstehen. Es wird eine Verknüpfung des Lebens von Franz von Assisi mit dem gegenwärtigen Leben von Grundschulkindern vollzogen. Kontinuitäten, aber auch Spannungen oder Brüche, die jedes Leben prägen, werden dargestellt und ihre Bedeutung für den Lebensweg der Kinder analysiert. Durch Franziskus von Assisi ist ein bedeutender Heiliger ausgewählt, durch den gerade Kinder und Jugendliche viele Erkenntnisse gewinnen können, die ihnen für die Wahrnehmung und Gestaltung ihres Lebens Anregung und Hilfe sein können. Ein Fazit bildet den Abschluss der Arbeit.

2 Biographisches Lernen

2.1 Zur Wiederentdeckung des Vorbilds

Lange Zeit war die Orientierung an Vorbildern rückgängig.[1] Während sich in den 1960er Jahren 44% der Jugendlichen an einem Vorbild orientierten, waren es 1996 lediglich noch 16%. Auch Lindner verweist darauf, dass biographisch ausgerichtete Lerninhalte lange verschmäht wurden.[2] Die Gründe dieser Abwendung sind vielfältig. Vor allem die Nachkriegsgeneration stellte das Prinzip Lernen am Vorbild in Frage.[3] Sie hatte es als ein Missbrauchsinstrument des nationalsozialistischen Regimes erlebt. Die Einstellung und das Verhalten der Menschen wurden totalitär manipuliert.[4] Erziehung geschah durch Autorität, die Vorbilder ließen keine Autonomie und Selbstbestimmung der Heranwachsenden zu. Daher empfanden Kinder und Jugendliche Lernen an Vorbildern als besonders kritisch. Sie legten Wert darauf, sich individuell zu entwickeln, ohne eine nicht zu hinterfragende Nachahmung von vorgegebenen Idealen. Aus diesem Grund wurden Vorbilder und Heldenverehrung abgelehnt. Die Vorstellungen hinsichtlich Erziehung und Wertvorstellung standen im Gegensatz zur Vorbildtradition. Kindern und Jugendlichen Vorbilder vorzusetzen, die nachahmenswert sein sollten, war fatal und führte meistens zu Abwehrreaktionen.[5] Die Heranwachsenden protestierten dagegen und versuchten „ihren eigenen Lebensentwurf“[6] durchzusetzen.

Nach dieser Abwendung vom Vorbild stellt sich die Frage, wie es zu einer Wiederentdeckung, einer „Renaissance der Vorbilder“[7], kommen konnte. Lindner spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „Biographie-Boom“[8]. Diese Wiederentdeckung lässt sich empirisch durch die Shell-Studie belegen: 2000 orientierten sich 29% der Kinder an einem Vorbild.

Die Moderne ist geprägt von Schnelllebigkeit und Unsicherheit, „Ausdifferenzierung und Pluralisierung“[9]. Lindner weist darauf hin, dass sich Kindern und Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten offenbaren, ihr Leben zu verwirklichen.[10] Durch diese Pluralität ist das Individuum gefordert, „seine Biographie aktiv zu gestalten“[11]. Es wird jedoch zunehmend schwieriger, sich aus eigenen Kräften eine Identität zu stiften. Daher steigt die Suche nach Anhaltspunkten, die Orientierung und Vergewisserung bieten - ohne dabei zur Nachahmung aufzurufen. Ziebertz weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche keine Orientierungsmöglichkeit mehr vorfinden, die für alle gültig ist und ihnen Schutz und Sicherheit gewährt.[12] Die Moderne bietet einerseits zahlreiche Entscheidungsmöglichkeiten und Freiheiten für den Einzelnen, birgt zugleich aber auch Gefahren sich falsch zu entscheiden und zu scheitern. Die Richtigkeit einer Entscheidung ist nur bedingt einschätzbar und führt zu Unsicherheit. Daher kann die Freiheit zur Entscheidung zum Zwang werden, der die Kinder und Jugendlichen belastet. Bereits junge Menschen haben sich mit „Krisenmomente(n)“[13] auseinanderzusetzen. Die Ungewissheit, für den Berufswunsch einen Ausbildungsplatz zu erhalten ist ebenso vorherrschend wie der Mangel an Ausbildungsplätzen, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Die eigene Zukunft kann nicht mehr am Lebensweg der Eltern ausgerichtet und gesichert werden, das gilt auch für Kinder und Jugendliche vom Land. Ziebertz beschreibt die Situation mit den Worten: „Die Globalisierung hat die Alm erreicht.“[14] Der Lebensverlauf muss eigenständig gestaltet werden, damit steigt die Rolle des Subjekts. Persönliche Vorstellungen und Wünsche bleiben aber oft Illusion. Kinder und Jugendliche müssen sich mit Alternativen beschäftigen, ohne dabei Sicherheiten gewährt zu bekommen. Einerseits wird von ihnen Selbstständigkeit erwartet, ihr Leben in die Hand zu nehmen, aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit können sie jedoch nur eingeschränkt selbstständig agieren. Die finanzielle Abhängigkeit ergibt sich aus einer längeren Lern- und Ausbildungszeit und einem späteren Eintreten in die Berufswelt. Kennzeichen einer modernen Biografie sind Konkurrenz und Karriere sowie Risikobereitschaft.[15] Ziebertz bringt die Situation treffend auf den Punkt: „Zeitgenössische Biografien werden komplizierter, individueller, autonomer und eigensinniger. In jedem erreichten Zustand ist mittlerweile dessen Revision als Möglichkeit und Notwendigkeit enthalten.“[16] Durch diese gravierenden Veränderungen und gestiegenen Anforderungen an Kinder und Jugendliche wird es zunehmend wichtiger, dass sie einen Plan verfolgen und das Leben nicht als Chaos und permanente Veränderung wahrnehmen. Sie benötigen einen „roten Faden“[17]. Dieses Wissen wird im Religionsunterricht berücksichtigt. Die Orientierung an Vorbildern bildet daher einen Schwerpunkt des Lehrplans Katholische Theologie.[18]

2.2 Was meint biographisches Lernen?

Biographisches Lernen muss betrachtet werden als eine Verbindung von Biographie, Lebensgeschichte und Lernen.[19] Biographien beschäftigen sich mit der Deutung von Leben, es werden aus dem „Fluss des Lebens“[20] bestimmte Momente herausgegriffen und mit Bedeutung gefüllt. Jede Biographie ist einzigartig, es gibt keine allgemein gültigen Antworten auf Fragen zur Gestaltung des Lebens und der Zukunftsperspektive. Die Lebensgeschichte „ist die subjektive Deutung des eigenen Lebens“[21] und weist auf seine Unabgeschlossenheit hin. Lernen versteht sich als wahrnehmen und auseinandersetzen mit der Realität, die „verstehende Durchdringung“[22], damit etwas zu „Eigenem“[23] werden kann. Mit Hilfe dieser Informationen kann biographisches Lernen folgendermaßen auf den Punkt gebracht werden: „Es reflektiert das Vergangene aus dem Heute im Blick auf Zukünftiges.“[24] Biographisches Lernen meint einerseits „die Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte“[25] und andererseits die „zur Selbstreflexion animierende Auseinandersetzung mit fremden Biographien“[26]. Diese Methode des biographischen Lernens dient dazu, sich im Hinblick auf das eigene Leben an einem fremden Leben und fremden Entscheidungen zu orientieren, ohne diese nachzuahmen. Bewunderung und Nachahmung stehen diametral zu biographischem Lernen. Beim biographischen Lernen sollen Menschen „sie selber“[27] werden. Durch die Auseinandersetzung mit fremden Biographien soll die „Komplexität des Lebens“[28] erfahrbar werden. Kinder und Jugendliche müssen in das Werte- und Normensystem unserer Gesellschaft hineinwachsen und ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass (ihr) Handeln Konsequenzen hat. Handeln meint dabei nicht nur etwas mit den Händen zu tun, sondern auch Reden und Denken.[29] Biographien sind immer in gesellschaftliche Kontexte eingebunden. „Wie Menschen ihre eigene Geschichte aufarbeiten, ihre eigene geschichtliche Gegenwart gestalten und sich vor der Zukunft verantworten, hat unausweichlich Wirkungen auf ihren gesellschaftlichen Zusammenhalt (…).“[30]

Biographisches Lernen ist ein Lernprozess, der kognitiv und emotional geprägt ist. Entscheidend ist die Fähigkeit, sich in eine fremde Person hineinzudenken und ihre Entscheidungssituationen nachempfinden zu können. Codeworte sind „Empathie, Emotionen (und) (eventuell) Identifizierung“[31]. Mendl verweist auf die zugleich notwendige Distanz, die einen entscheidenden Vorteil bringt: Dadurch, dass sich Kinder in eine fremde Biographie hineinversetzen, kommt es nicht zu einer direkten Übertragung auf sie selbst. Es ist eher ein unverbindliches Probieren von Wertemustern als ein persönliches Statement. Die Nachhaltigkeit des Lernens besteht gerade im „Verzicht auf unmittelbare Transfers“[32]. Es ist wichtig, dass sich Kinder und Jugendliche nicht dazu gezwungen fühlen bestimmte Werte und Verhaltensweisen zeigen zu müssen, oder ihnen vorgehalten wird, dass diese die einzig legitimen sind. Sie sollen die fremden Biografien als Möglichkeiten und Angebote betrachten, als eine Art „Spiegelungsfolie in Lernprozesse(n)“[33]. Indem sich Kinder und Jugendliche mit fremden Biographien auseinandersetzen, erfolgt zugleich „eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte“[34].

Biographisches Lernen kann vollzogen werden an Heiligen, Geschichtshelden, Personen der Bibel, Gestalten aus der Literatur oder an Stars.[35] Der Vorbildcharakter Christi wurde ausgeweitet auf andere Personen, die den Kindern und Jugendlichen Hilfe bei der Orientierung bieten können. Bei der Auswahl einer Person als Modell für biographisches Lernen muss die Lehrkraft darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler [36] keine zu große Distanz zur gewählten Person empfinden. Sie dürfen nicht das Gefühl haben, dass die Person nicht in ihre Lebenswelt passt, weil sie z.B. aus einem ganz anderen Zeitalter stammt.[37] Daher bevorzugt Mendl local heroes, also Helden vor Ort, Helden des Alltags.[38] Ihr Vorzug besteht darin, dass sie in der unmittelbaren Lebensumgebung der Kinder und Jugendlichen zu finden sind und der Kontakt zu ihnen hergestellt werden kann. Die Begegnung mit ihnen kann eine Blickveränderung ermöglichen. Kinder und Jugendliche erfahren, dass es Menschen, die Besonderes leisten, in ihrem Umfeld gibt. Das Besondere kann z.B. darin bestehen, dass Menschen Zivilcourage und Ehrlichkeit bewiesen haben, oder ihr Leben für die Rettung eines anderen riskiert haben. Da in dieser Hausarbeit biographisches Lernen anhand von Franz von Assisi dargestellt werden soll, wird nicht weiter auf local heroes als „Vorbilder“ für Lernen an fremden Biographien eingegangen. Es soll lediglich ergänzend darauf hingewiesen werden. Für weitere Informationen bietet die Universität Passau ein Internetarchiv, welches Anregungen und Umsetzungsmöglichkeiten für die Gemeindearbeit oder den Religionsunterricht bietet.[39] Gleichgültig, für welches Vorbild sich die Lehrkraft entscheidet, die Kinder und Jugendlichen sollen erfahren und nachvollziehen, dass die Gesellschaft nicht geleitet werden soll vom Streben nach individueller Selbstverwirklichung ohne Rücksicht auf seine Mitmenschen, „sondern (dass) auch die altruistische Fürsorge für den Nächsten (…) als vorzeigenswert (erscheint)“[40]. Ebenso ist es wichtig, den SuS zu zeigen: Niemand ist vollkommen, auch beim Vorbild lässt sich eine „Gebrochenheit“[41] erkennen. Das lässt das Vorbild menschlich und sympathisch erscheinen und begeistert für Orientierung.

2.3 Zur Bedeutung für den Religionsunterricht

Religionslehrer/innen sollen biographische Lernprozesse ermöglichen und das biographische Lernen als Methode in ihren Unterricht integrieren. „Besonders für schulische Fächer, deren Inhalte in enger Verbindung zur Lebenswirklichkeit der Lernenden stehen, scheint dies attraktiv (…).“[42] Lernen mit biographischen Lebensbezügen ist kennzeichnend für den katholischen Religionsunterricht der Grundschule.[43] Die Orientierung an Vorbildern bildet einen Schwerpunkt des Lehrplans Katholische Religionslehre, er gehört zum Bereich Maßstäbe christlichen Lebens.[44] Den SuS wird ermöglicht Zeugen des Glaubens zu begegnen. Diese „Begegnungen“ helfen ihnen, sich die Wirklichkeit im Konkret-Anschaulichen zu erschließen.[45] Der Lehrplan fordert von SuS die Kompetenz, den Lebensweg von Heiligen zu benennen und deren Feste zu deuten.[46] Neben Franziskus werden Martin, Elisabeth und Nikolaus vorgeschlagen. Die Kinder können im Religionsunterricht erfahren, dass Gott in jedem Menschen einen unendlichen Wert schätzt und daher jede Biographie von Bedeutung ist.[47] Gott steht den Menschen zur Seite, begleitet sie auf ihrem Weg zum „gelingenden Leben“[48]. Sich im Religionsunterricht auf die eigene Biographie zu besinnen ist daher „theologisch gerechtfertigt“[49] durch Gottes unwiderrufliches Interesse an jedem Menschen. Sein Name verbürgt sich für die Option Subjekt werden zu dürfen.[50] Aus diesem Grund müssen Religionslehrer/innen jedem Kind mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Sie müssen jede einzelne Biographie ernst nehmen und den SuS vermitteln, dass sie Biographien nicht ansehen dürfen „als etwas, das mit Menschen geschieht“[51]. Die SuS selbst sind Akteure, Gestalter ihrer Biographie und sollen sich auch als solche wahrnehmen. Im Religionsunterricht soll es also sowohl um fremde Biographien gehen als auch um die der SuS.[52] Der Religionsunterricht muss die Lebenserfahrungen der SuS dabei „zum Ausgangspunkt der Lernprozesse“[53] machen. In diesem Sinne fragt der Religionsunterricht nach den Grunderfahrungen der SuS, berücksichtigt ihre Biographie, ihre Lebenssituation und ihre Interessen.[54] Die Lehrkraft muss sich bewusst darüber sein, dass viele SuS im Religionsunterricht das erste Mal mit religiösen Inhalten und Gläubigen in Berührung kommen, gelebter Glaube kann nicht als Erfahrung in der Familie vorausgesetzt werden.[55] Dadurch, dass Kinder und Jugendliche mit dem Leben gläubiger Menschen konfrontiert werden, dazu gehören sowohl Höhen als auch Tiefen und Momente des Zweifelns, lernen sie im Leben auf Gott zu vertrauen. Sie erfahren, dass sich bereits vor ihnen viele Menschen mit ihren Fragen, Sorgen und Problemen „klagend, bittend und dankend“[56] vertrauensvoll an Gott gewendet haben.

Besonders gut eignen sich Biographien, in denen Parallelen zum Leben der Kinder erkennbar sind, z.B. in denen es zu Wendepunkten im Leben kommt. Die SuS sollen eine Verbindung zu den eigenen Lebensbedingungen nachvollziehen können, gedanklich und emotional. Entscheidend für eine intensive Einfühlung in die Situation und Gefühle der Person ist, dass die SuS die Möglichkeit erhalten, das Leben dieses Modells (gemeinsam) zu erarbeiten. Dadurch kann gewährleistet werden, dass dieses intensiv und dauerhaft erarbeitet wird. Eigenständige Arbeitsleistungen bleiben besser im Gedächtnis, als vorgegebene Informationen. Entscheidend ist dabei, dass den SuS durch verschiedene Personen ein multiperspektives Angebot gemacht wird, welches sie dazu befähigt, „sich für bestimmte Menschen in ihren historischen Lebensbedingungen in besonderer Weise zu interessieren“[57]. Dadurch gelingt es, dass die SuS erfahren können, wie Menschen in die Geschichte eingebunden sind, dazu gehören auch sie selbst.[58] Der Religionsunterricht übernimmt dabei die Aufgabe, die SuS in Fragen und Entscheidungen des Lebens zu unterstützen. Er macht sensibel für die großen Fragen des Lebens, die Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu.[59] „Aufgabe des Religionsunterrichts ist es besonders, die Kinder zu befähigen, die Welt und das Leben sensibel wahrzunehmen, zu bestaunen, zu befragen und zu deuten.“[60] Eines seiner Ziele liegt darin, die SuS „zu stärken ihre eigene Biografie in die Hand zu nehmen.“[61] Die Kinder und Jugendlichen sollen ermutigt werden, ihre Fragen und eigenen Erfahrungen einzubringen.

Katholischer Religionsunterricht leistet seinen spezifischen Beitrag zur Förderung von Schülerinnen und Schülern besonders in den Bereichen Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung, (…) Entwicklung einer durch biblisch-christliche Tradition und Hoffnung bejahte Lebenshaltung, (…) Erziehung zu Toleranz und Bereitschaft zu sozialem Handeln.[62]

[...]


[1] Vgl.: Mendl, Hans: Orientierung an fremden Biographien. In: Loccumer Pelikan. Religionspädagogisches Magazin für Schule und Gemeinde (2/2011) 53-57, hier S. 53. [Im Folgenden zitiert als: Mendl.]

[2] Vgl.: Lindner, Konstantin: Arbeiten zur Religionspädagogik. Band 31: In Kirchengeschichte verstrickt. Zur Bedeutung biographischer Zugänge für die Thematisierung kirchengeschichtlicher Inhalte im Religionsunterricht. Göttingen: V&R unipress, 2007. S. 87. [Im Folgenden zitiert als Lindner.]

[3] Vgl. ebd. S. 89.

[4] Vgl. zu folgendem Abschnitt: ebd. S. 102.

[5] Vgl. ebd. S. 91.

[6] Ebd.

[7] Ebd. S. 90.

[8] Ebd. S. 116.

[9] Ziebertz, Hans-Georg: „Biografisches Lernen“. In: Hilger, Georg (Hrsg.): Religionsdidaktik. Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und Beruf. München: Kösel, 6 2010, S. 374-386, hier S. 375. [Im Folgenden zitiert als Ziebertz.]

[10] Vgl. Lindner. S. 94.

[11] Ebd. S. 95.

[12] Vgl. zu folgendem Abschnitt: Ziebertz. S. 376.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Vgl. ebd. S. 377.

[16] Ziebertz. S. 377.

[17] Ebd.

[18] Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Lehrplan Katholische Religionslehre. Düsseldorf: Ritterbach, 2008. S. 171. [Im Folgenden zitiert als: Lehrplan.]

[19] Vgl.: Buschmeyer, Hermann: „Begriff des biographischen Lernens“. In: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Biographisches Lernen. Erfahrungen und Reflexionen. Soest: Soester Verlagskontor, 1990, S. 15-20, hier S. 18. [Im Folgenden zitiert als Buschmeyer: Begriff.]

[20] Ziebertz. S. 374f.

[21] Buschmeyer: Begriff. S. 18.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Ebd. S. 15.

[25] Lindner. S. 96.

[26] Ebd.

[27] Ziebertz. S. 377.

[28] Vgl.: Mendl. S 54.

[29] Vgl. ebd. S. 13.

[30] Buschmeyer, Hermann: „Einleitung“. In: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Biographisches Lernen. Erfahrungen und Reflexionen. Soest: Soester Verlagskontor, 1990, S. 7-14, hier S. 11. [Im Folgenden zitiert als Buschmeyer: Einleitung.]

[31] Lindner. S. 105.

[32] Mendl. S. 54.

[33] Ebd. S. 55.

[34] Buschmeyer: Begriff. S. 16.

[35] Vgl. Mendl. S. 55.

[36] Im Folgenden abgekürzt als SuS.

[37] Vgl. Mendl. S. 55.

[38] Vgl. ebd.

[39] Vgl. Mendl, Hans: Ein Projekt des Lehrstuhls für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts am Department Katholische Theologie der Philosophischen Fakultät der Universität Passau, auf:

http://wwws.phil.uni-passau.de/local_heroes/index.htm (Stand: 29.05.2012).

[40] Mendl. S. 56.

[41] Ebd.

[42] Lindner. S. 98.

[43] Vgl. Lehrplan. S. 167.

[44] Vgl. ebd. S. 180.

[45] Vgl. ebd. S. 170.

[46] Vgl. ebd. S. 180.

[47] Vgl. Ziebertz. S. 382.

[48] Ebd. S. 380.

[49] Ebd. S. 382.

[50] Vgl. ebd. S. 383.

[51] Behrens-Cobet, Heidi; Buschmeyer, Hermann: „Weiterführende Überlegungen – offene Fragen“. In: Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (Hrsg.): Biographisches Lernen. Erfahrungen und Reflexionen. Soest: Soester Verlagskontor, 1990, S. 91-110, hier S. 101. [Im Folgenden zitiert als: Behrens-Cobet.]

[52] Vgl. Lindner. S. 111.

[53] Ebd. S. 110.

[54] Vgl. Lehrplan. S. 168.

[55] Vgl. ebd. S. 167.

[56] Ziebertz. S. 375.

[57] Lindner. S. 108.

[58] Vgl. ebd. S. 109.

[59] Vgl. Lehrplan. S. 167.

[60] Ebd. S. 168.

[61] Ziebertz. S. 374.

[62] Lehrplan. S. 181.

Details

Seiten
41
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656585497
ISBN (Buch)
9783656585459
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267666
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholisch Theologische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
lernen biographien franz assisi religionsunterricht grundschule

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Titel: Lernen an fremden Biographien. Franz von Assisi im Religionsunterricht der Grundschule