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Hartmann von Aue "Erec". Die mittelalterliche höfische Dame am Beispiel von Enite

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das mittelalterliche Frauenbild
2.1 Erscheinungsbild adliger Damen
2.2 Verhalten der Frau im Mittelalter

3. Betrachtung Enites
3.1 Enites Erscheinung
3.1.1 Zu Beginn des Romans
3.1.2 Am Ende des Romans
3.2 Das Verhalten von Enite
3.2.1 Zu Beginn des Romans
3.2.2 Während der Aventiure
3.2.3 Am Ende des Romans
3.3 Enites Pferde
3.3.1 Erstes Pferd
3.3.2 Zweites Pferd

4. Analyse

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Hartmann von Aues Erec lernt Erec zu Beginn seiner Geschichte Enite kennen. Diese ist am Anfang eine in Lumpen gekleidete Knechtin und dient Erec vorläufig nur dazu seine Schande, die er durch den Peitschenhieb eines Zwerges erlitten hat, (vgl. Erec V. 70 – 98)[1] zu rächen, indem er sie zu einem Tunierkampf mitnimmt und ihr den Titel der „Schönsten Frau“ erkämpft. Später entwickelt sich Enite jedoch zu einer Ruhmreichen Königin und wird zum Schluss sogar Gottesgleich. Diese Wandlung Enites im Werk möchte ich gerne veranschaulichen und anschließend analysieren und mit dem vorherrschenden Bild über Frauen im Mittelalter vergleichen. Dabei beschäftige ich mich mit den Fragen: Entspricht Enite dem damaligen Frauenbild? Verhält sie sich für eine Frau angemessen? Kleidet sie sich so, wie es sich damals für Frauen eines höheren Standes entsprechend war?

Im ersten Arbeitsschritt konzentriere ich mich darauf, wie das vorherrschende Bild der Frau im Mittelalter wohl ausgesehen haben muss. Aus unterschiedlichen Fachbüchern werde ich mir die wichtigsten Punkte heraussuchen, die meine Arbeit untermauern werden. Dabei beschäftige ich mich hauptsächlich mit dem Erscheinungsbild der adligen Dame und deren Verhalten und Tugenden im Alltag der damaligen Zeit.

In einem weiteren Arbeitsschritt werde ich dann passende Textstellen über Enite zusammentragen und diese in den Kontext mit den zuvor herausgearbeiteten Texten der mittelalterlichen Wirklichkeit bringen. Außerdem werde ich mir die Pferdegeschenke, die Enite im Laufe des Romans erhält, genauer betrachten und auch hier eine Entwicklung feststellen.

Der letzte Arbeitsschritt ist dann eine zusammenfassende Analyse aller bis dahin erwähnten Teile dieser Hausarbeit. Ich werde untersuchen, ob Enite in das damals vorherrschende Bild der Frau hineinpasst und wenn dies nicht der Fall ist eine eigene Begründung abgeben wieso nicht.

Die Ausgabe des Erec, auf die ich mich beziehe, ist die im Seminar genutzte Ausgabe.[2]

2. Das mittelalterliche Frauenbild

2.1 Erscheinungsbild adliger Damen

Bei den Beschreibungen des weiblichen Geschlechts bezog man sich meist nicht auf individuelle Züge der Dame, sondern auf ein Ideal, das sich in einem festen Kanon von Schönheitsprädikaten manifestierte. Die Harmonie von Schönheit und moralischer Vollkommenheit war ein wesentlicher Aspekt des höfischen Frauenbildes. In der körperlichen Schönheit offenbart sich für die Dichter die innere Tugendhaftigkeit. „Schönheit ist nichts gegenüber Güte“, so zitiert Bumke in seinem Werk der Höfischen Kultur.

Wurde eine adelige Dame in Gedichten oder Minneliedern erwähnt, ging dies meist in einen Lobgesang der vollendeten, perfekten Schönheit der Frau über. Vor allem das Gesicht bot eine Angriffsfläche überschwänglicher Lobpreisungen: Strahlende Augen, perfekt geschwungene Augenbrauen, rote Lippen, weiße Zähne, ein langer schöner Hals, etc.

Frauen wurden jedoch nur als jungfräulich zu einem Verehrungssymbol, vor allem für die Christen. Sahen diese sie als „Geschlechtswesen“, so wurden sie leicht verdächtigt den „Begierden des Fleisches“ schneller zu erliegen als die Männer. Dieser Punkt wird uns später im Teil des Erec über Enite noch einmal begegnen.

Vor allem adelige Frauen wurden gerne zur Schau gestellt, als wären sie ein begehrenswertes Schmuckstück. Ihre Kleidung war vortrefflich und unermesslich teuer. Es war auch eine Anstandsregel, sich so zu kleiden und teure Geschenke des Mannes anzunehmen.[3]

Wie man sieht, ist die adelige Dame immer die Perfektion der Schönheit und Vollkommenheit. Auch Enite wird als wunderschön und perfekt dargestellt. Dies wird unter dem Punkt 3.1.1 schon sehr deutlich. Hier „findet“ Erec seine Enite.

2.2 Verhalten der Frau im Mittelalter

Von jungen Mädchen wurde „äußerste Sittenreinheit“ und von verheirateten Ehefrauen „unbedingte Treue“ abverlangt.[4] Waren die Frauen einmal verheiratet, so mussten sie diese Ehe auch vollziehen. Geht man aber vom Willen der Kirche aus, so diente dies aber nur zur Fortpflanzung und keines Wegs zum einfachen Lustgewinn. Die eheliche Keuschheit wird von Augustinus damals als Geschenk Gottes angesehen und die Verbindung von Mann und Frau, um Nachkommen zu zeugen, als „natürliches Gut der Ehe“.[5] Auch später noch wird diese scholastische Lehre in der Ehe erhalten bleiben. Man geht hier von der Frau als „unvollkommenes Wesen“ aus, dies beruht auf Evas Sünde vom Baum der Erkenntnis genascht zu haben und die Menschheit, samt Mann, ins Verderben gestürzt zu haben.[6]

Im Mittelalter ging man keines Wegs davon aus, dass Frauen der Vernunft nicht mächtig seien, aber man nahm an, dass diese Ratio der „Fleischhaftigkeit“ schnell unterliegen konnte. Somit ist zu erklären, wieso Frauen immer als das schwache Geschlecht angesehen wurden. Sie unterlagen dem Manne und bedurften seinem Schutz und seiner Unterweisung in ihrer Lebensart.[7]

Bei festlichen Veranstaltungen, wie die Spiele, bei denen die Herren, bzw. Ritter, gegeneinander kämpften, fiel ihnen in erster Linie die Aufgabe der Repräsentation des jeweiligen Ritters zu.

Schon junge Mädchen wurden den damaligen Lehren der Tugendhaftigkeit erzogen. Dabei hatten sie ähnliche Idealvorgaben wie die höfischen Ritter, doch sie waren anders gewichtet als bei den Männern. Obenan standen die moralischen Qualitäten, Verstand kam erst weit dahinter. Hatte eine Frau eine hohe Intelligenz und damit Wissen zu bieten, so sollte es ihr selbstverständlich sein, damit nicht zu prahlen. Es wurde eine tugendhafte Dame einer Herrscherin vorgezogen. Dies lag vor allem an der patriarchischen Gesellschaft der damaligen Zeit. Unterweisung in der Tugendlehre erhielten die jungen Mädchen meist von geistlichen Gelehrten und auch später waren die Frauen eher mit der Kirche verbunden als die Männer. Die wichtigsten Tugenden, an die sich adlige Frauen zu halten hatten waren: Schamhaftigkeit, Keuschheit und Reinheit; gefolgt von passiven Attributen wie: Sanftmütigkeit, Bescheidenheit, Barmherzigkeit, Güte und Demut.[8]

[...]


[1] Hartmann von Aue: Erec. Originalausgabe Übersetzung von Th. Cramer. Frankfurt am Main 1997. V. 70 – 98.

[2] Hartmann von Aue: Erec. Originalausgabe Übersetzung von Th. Cramer. Frankfurt am Main 1997.

[3] Bumke Joachim: Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. DTV 2008. S. 452f.

[4] Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. München: C. H. Beck 1984. S.34.

[5] Ebd.: S.45.

[6] Ebd.: S.100.

[7] Lustgarten und Dämonenpein: Konzepte der Weiblichkeit in Mittelalter und früher Neuzeit. Hrsg.: Kuhn,

Annette und Lundt, Bea. 1. Auflage. Ebersbach 1997. S. 22f.

[8] Bumke Joachim: Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. DTV 2008. S. 466f.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656584841
ISBN (Buch)
9783656584766
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268007
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Schlagworte
Hartmann von Aue Erec Höfische Dame Enite Mittelalter

Autor

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