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Impressionismus. Picknick und Gärten

Essay 2011 20 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliches

3. Impressionisten im Garten

4. Bildbeispiele

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungen

1. Einleitung

Gärten zählen zu den wichtigsten Motiven in der impressionistischen Kunst, doch zu keiner anderen Zeit waren Kunst und Garten so eng miteinander verbunden, wie es von etwa 1870 bis 1890 der Fall war.

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit dem geschichtlichen Hintergrund: welche Veränderungen traten ein, insbesondere in Paris, und welche Bedeutung erhielten Gärten und Parks? Am Beispiel des berühmten Bois de Boulogne lässt sich die Wandlung gut erkennen, die in allen Bereichen statt gefunden hat: vom streng angeordneten Park zu einem riesenhaften, scheinbar natürlichen Garten. Daraufhin wenden wir uns den Impressionisten und ihrer Stellung zum Garten hin mit anschließenden Bildbeispielen von unterschiedlichen Künstlern.

In dieser Hausarbeit konzentriere ich mich weniger auf die Picknicks, sondern viel mehr auf die Gärten, die das zentrale Motiv im Impressionismus darstellen und Picknicks lediglich ein beliebter Zeitvertreib in der Natur waren und hin und wieder durch die Künstler abgebildet wurden.

2. Geschichtliches

Als der Impressionismus in Frankreich aufkam, konnte gleichzeitig ein Aufschwung im Gartenbau bemerkt werden: Händler, Stadtverwaltungen und später alle Bevölkerungsschichten begannen sich für die Blumenzucht und die Gartenkunst zu begeistern.

Ursprünge des allgemein aufgekommenen Gartenbaus liegen in den sozialen und politischen Veränderungen nach der Französischen Revolution 1789. Zahlreiche Besitztümer des Adels und des Klerus wurden konfisziert und einige von ihnen zu öffentlichen Parks umgewandelt.1 Mehr Menschen denn je war es möglich, ein Stück Land zu besitzen oder zu pachten. Wo vorher Grünanlagen und Parks sehr beschränkte Besuchszeiten hatten, wurden sie nun regelmäßig zugänglich.2 Brunnen, Statuen und Fontänen wurden entfernt und an ihrer statt wurden Blumenbeete gepflanzt und mit Bäumen gesäumte Alleen geschaffen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden exotische Pflanzen nach Europa importiert, was die Begeisterung für Gärtnerei ebenso ansteigen ließ. Ihr intensiverer Duft, ihre kräftigeren Farben, die größeren Früchte und ihr Wuchs machten den Reiz der Exoten aus und weckten das Interesse zur Kultivierung.

Pflanzenjäger waren bei Gartenschauen und -ausstellungen auf der Suche nach Raritäten, die aus Afrika und Asien eingeführt wurden.3 Die Einfuhr der Exoten wurde ab 1835 durch die Erfindung eines tragbaren Mini-Gewächshauses, dem Wardschen Kasten, gesteigert, welcher den Überseetransport erheblich erleichterte. (Beispiel für einen Wardschen Kasten: Abb. 1) Um 1845 entfiel zusätzlich die Steuer für Glas, sodass es auch für Privatpersonen erschwinglich wurde, Gärten anzulegen.4

Die Gärtnerei entwickelte sich - neben Mode, Besitztümer und Berufsstand - zu einem Indikator für Wohlstand; selbst diejenigen, die sich kein großes Stück Land leisten konnten, hatten auf ihren Fenstersimsen Kästen mit Blumen oder pflegten Gewächse in den winzigen Vorgärten.5 In den Pariser Vororten wurde intensiv gewerbsmäßig angebaut; dank der Industrialisierung zu dieser Zeit boomte u.a. auch der Anbau von Obst, Gemüse und Blumen.

Die ganze Stadt Paris galt als einer der größten Gärten Frankreichs. Bevor unter Napoleon III. die Metropole eine grundlegende Veränderung erlebte, wies sie noch einen mittelalterlichen Grundriss auf. Der Präfekt George Haussmann wurde beauftragt, Paris umzugestalten und daraus eine vorbildliche Stadt, eine Stadt des Fortschritts zu machen. Zu seinen Plänen für die Modernisierung zählten die Errichtung von Boulevards, Sternenplätzen, Brücken, neuen Gebäuden, Fabriken, der Ausbau des Schienenverkehrs und eines Kanalsystems. Die zahlreichen Parkanlagen sollten durch ein dichtes Netz miteinander verbunden sein.1

Über zwei Jahrzehnte hinweg wurde Paris gründlich bearbeitet. Paris wurde schließlich tatsächlich als die Stadt der Moderne und des Fortschritts schlechthin bezeichnet und immer mehr Menschen zog es dahin. Insbesondere die Parks galten als Orte der Erholung und des Zeitvertreibs für die Bevölkerung. Auch politisch gesehen war es eine besondere Strategie durch Napoleon III.: der Park sollte Spannungen des Alltags abbauen und sozialen Frieden vermitteln.2

Am Beispiel des Bois de Boulogne, kurz Bois genannt, einem weitläufigen Park in Paris, kann man die Veränderungen vom geometrisch angelegten Wald zum Landschaftsgarten nach englischem Stil beobachten.

Vor 1852 war der Bois ein königlicher Wald (Abb. 2). Fontänen, Brunnenanlagen und Skulpturen waren bis dato beliebte Elemente zur Ausschmückung. Die Gartenanlage war streng geometrisch konzipiert und die Bepflanzung folgte strengen formalen Prinzipien.3

Zwischen 1852 und 1858 wurde der Bois de Boulogne unter Napoleon III. umgestaltet (Abb. 3). Vorbild für die Umgestaltung waren englische Landschaftsgärten, welche die Natur in ihrem Urzustand erleben wollte. Man strebte "Natürlichkeit" an: Kaskaden, sich schlängelnde Wege, die durch kleine Wälder und an künstlich angelegten Seen und Teichen führten, unterirdische Grotten, kleine Wasserfälle und breite Alleen für Kutschen. Manche Gebiete wurden so angelegt, dass Aussichten wie aus Gemälden Nicolas Poussins erzielt wurden. Einige Bereiche wirkten, als wäre man in der Savanne oder in der Schweiz.

Anziehungspunkte des Bois waren beispielsweise ein botanischer Garten und die Rennbahn von Longchamp. Tabakläden, Cafés, Restaurants und Spielplätze waren ebenso wichtiger Bestandteil. Im Winter, wenn er kalt genug war, kam man zum Eislauf. Ausritte waren hoch angesagt. "Trotz aller Künstlichkeit wurden diese Grünanlagen als ein Triumph der wiedergewonnenen Natur begrüßt.", schreibt Robert Herbert.4 (S. 163)

Die Comtesse Marie d'Agoult, eine Schriftstellerin bekannt unter dem Pseudonym Daniel Stern,stellte über den Bois fest, er sei "ein Rendezvous aller Eitelkeiten und der Schamlosgikeit des kosmopolitanischen pell-mell".1 Gemeint ist das altbekannte Spiel des Sehens und GesehenWerdens, das in den Parks weiter getrieben wurde.

[...]


1 Impelluso, Lucia: G ä rten, Parks und Labyrinthe, Berlin 2006, S. 112.

2 Willsdon, Clare: In den G ä rten der Impressionisten, Stuttgart 2004, S. 15.

3 Willsdon, Clare: In den G ä rten der Impressionisten, Stuttgart 2004, S. 6.

4 Impelluso, Lucia: G ä rten, Parks und Labyrinthe, Berlin 2006, S. 217.

5 Ebd.

1 Impelluso, Lucia: G ä rten, Parks und Labyrinthe, Berlin 2006, S. 112.

2 Impelluso, Lucia: G ä rten, Parks und Labyrinthe, Berlin 2006, S. 112.

3 Laws, Bill: K ü nstler und ihre G ä rten, München 1999, S. 137.

4 Herbert, Robert L.: Impressionismus. Paris - Gesellschaft und Kunst, Stuttgart / Zürich 1989, S. 163.

1 Herbert, Robert L.: Impressionismus. Paris - Gesellschaft und Kunst, Stuttgart / Zürich 1989, S. 166.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656581468
ISBN (Buch)
9783656581130
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268008
Institution / Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Kunst- und Baugeschichte
Note
1,3
Schlagworte
impressionismus picknick gärten

Autor

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Titel: Impressionismus. Picknick und Gärten