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Stoffeinheitsplanung zu Brechts Leben des Galilei

Grobplanung einer Unterrichtssequenz nebst detaillierter Planung einer Stundeneinheit zu Bertolt Brechts Drama Leben des Galilei

Hausarbeit 2012 40 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I VORBEMERKUNGEN

1. Einordnung der Unterrichtssequenz in den Lehrplan

2. Verlaufsplanung der Unterrichtssequenz .

3. UE zur Blockstunde ‚Wissenschaft und Verantwortung I‘
3.1 Unterrichtszusammenhang
3.2 Sachanalyse

4. Didaktische Reflexion
4.1 Begründung der Themenauswahl
4.2 Didaktische Reduktion
4.3 Lernziele
4.4 Methodische Reflexion und Verlaufsplanung

II LITERATURVERZEICHNIS

III ANLAGEN ZU DEN UNTERRICHTSMATERIALIEN

I VORBEMERKUNGEN

Das oberste Gut der Wissenschaft ist Wahrheit. Wo sie ist, bestehen Möglichkeiten; diese bedeuten Macht. Macht ist kein Selbstzweck sondern erstrebt wiederum das Gute als das Gerechte aller und das Lebensgelingen des Einzelnen. Wird diese Ordnung verletzt, ist das Gute und damit die Freiheit gefährdet, weil diese auf dem gegenseitigen Vertrauen der Handelnden gründet. Ist hingegen die gute Ordnung wirklich, ist verantwortliches Handeln möglich, wo nicht, ist es selten.1

Verantwortung und Wissenschaft sind somit unter der Idee des Guten vereint. Bertolt Brechts Drama Leben des Galilei lässt diesen allgemeinen Zusammenhang aufschei-nen und ist damit geeignet den ethischen Maßen der Wissenschaft nachzuspüren. In diesem Sinne konfrontiert das Drama die Lernenden mit Norm- und Wertvorstellun-gen und lässt diese auch in ihrer heutigen Bedeutung (Zusammenhang: ‚Wissen-schaft und Verantwortung‘) überdenken. Daraus folgt, dass die Thematik nicht nur in Bezug auf die Vergangenheit von besonderer Relevanz ist, sondern auch für die Ge-genwart und Zukunft. Zudem wird in der Gegenwart die Frage nach der sozialen Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Welt angesichts stets neuer Mög-lichkeiten (z. B. Atombombe, pränatale Diagnostik) immer drängender und kompli-zierter. Von ähnlicher Tragweite ist das im Drama verarbeitete Verhältnis von Wis-senschaft und Kirche, das durch die Auseinandersetzung mit dem kopernikanischen Weltbild geprägt wurde - sie wirkt bis heute nach. Weiterhin lohnend ist, die Abhän-gigkeit zwischen Welterfahrung und Bühnengestaltung zu betrachten, da Brecht das Drama mehrfach aufgrund zeitgeschichtlicher Ereignisse umgeschrieben und abge-wandelt hat. Besonders im 14. Bild macht sich dies bemerkbar. Dort wird der Wider-ruf Galileis in einzelnen Bearbeitungen unterschiedlich interpretiert und dargestellt, sodass Galilei entweder als kluger Märtyrer dargestellt wird, der zum Wohle der All-gemeinheit im Verborgenen weiter forscht oder aber als Verräter an der Wissen-schaft. Neben dieser philosophischen Dimension des Stücks, ist der Unterrichtsge-genstand zugleich ästhetisch exemplarisch für das episch-dialektische Theater des 20. Jahrhunderts. In diesem Kontext lässt sich die dialektische Struktur in ihrem Zusammenhang von Aussage und Wirkungsabsicht erarbeiten. Dazu bietet es sich an, Brechts Theaterkonzeption heranzuziehen.

1. Einordnung der Unterrichtssequenz in den Lehrplan

„Ja, mach nur einen Plan/sei nur ein großes Licht/und mach dann noch 'nen zweiten Plan/ gehn tun sie beide nicht.“2

In Mecklenburg-Vorpommern gilt - anders als in Sachsen - ein einheitlicher Rah-menplan, entlang dem eine jede Schule durch die jeweiligen Fachschaften einen in-ternen Lehrplan für die entsprechenden Unterrichtsfächer konzipieren lässt. Gemäß den Zielen des schulinternen Lehrplans für das Fach Deutsch des Runge-Gymnasiums Wolgast3 bildet die Auseinandersetzung mit der „Dramatik“ einen zent- ralen curricularen Bezugspunkt für das pädagogische Wirken in den Klassenstufen 11 und 12.4 In chronologischer Abfolge sollen die Schüler diesbezüglich antike, klas-sische und schließlich moderne Dramenformen bearbeiten. Wie unter dem letztge-nannten Topos nebst detaillierter Zielstellung aufgeführt, sind sowohl Büchners „Woyzeck“ als auch Bertolt Brechts „Das Leben des Galilei“ obligatorisch zu unter-richten. Zu den festgehaltenen allgemeinen Unterrichtszielen im Kontext des Brecht-schen Dramas zählen unter anderem die Beschäftigung mit der Biographie des Au-tors und dem von ihm konzipierten Epischen Theater, dessen Merkmale auf das Stück „Das Leben des Galilei“ anzuwenden sind. Den im Lehrplan ebenfalls fixier-ten Schwerpunkt der Unterrichtssequenz markiert dabei die pädagogisch zu akzentu-ierende historische wie gegenwärtige Verantwortung des Wissenschaftlers. Neben solchen grundlegenden Orientierungen werden im Speziellen jene Kompetenzen ge-nannt, die es zum Zwecke einer gelingenden Drameninterpretation bedarf. Hierzu gehört das Erfassen der dargestellten Problematik5, das Zusammenfassen von Szenen entsprechend der hierzu erforderlichen Gliederungsmerkmale6 sowie die Analyse und Interpretation der Dialog- bzw. Gesprächsstruktur.7 Simultan dazu sollen Sprach-und Stilbetrachtungen nebst adäquater Berücksichtigung der Figurencharak- teristika und Regieanweisungen mit in die Analyse eingehen. Alle Teilkompetenzen münden schließlich in das Hauptziel der Unterrichtssequenz: die Herausbildung eines eigenes Verständnisses hinsichtlich der im Text enthaltenen menschlichen und ge-sellschaftlichen Problematiken. Zuletzt nennt der Lehrplan dramenspezifische Auf-gaben, die auf eine kreative Auseinandersetzung mit dem zugrundeliegenden Stoff abzielen.8 Eine feste Stundenzahl für die Dramenbearbeitung ist nicht vorgegeben. Im Anschluss an die soeben beschriebenen curricularen Rahmenbedingungen der Unterrichtssequenz gilt es diese deduzierend auf die konkrete Verlaufsplanung hin anzuwenden. Bevor diese in tabellarischer Übersicht wiedergegeben wird, soll zu-nächst auf die schülerseitigen Voraussetzungen bei Beginn der Auseinandersetzung mit Brechts Leben des Galilei verwiesen werden.

2. Verlaufsplanung der Unterrichtssequenz

Der Sequenzkonzeption liegen hinsichtlich der von den Schülern zu erbringenden Primärrezeption genau definierte Voraussetzungen zugrunde. Gemäß dieser haben die Schüler das Drama vor der Behandlung im Unterricht gelesen und unterdessen den Inhalt einer jeden Szene in wenigen Sätzen zusammengefasst. Jeder Schüler fo-kussiert zusätzlich dazu eine der handelnden (Haupt-)Personen, welche es genauer zu untersuchen gilt. Die dabei angestellten Beobachtungen und Gedanken sollen stich-punktartigniedergeschrieben werden; die diesbezüglich beweisführenden Textstellen sind zu unterstreichen. Weil bei der späteren Erarbeitung des Dramas auf unvorein-genommene Schüleräußerungen zurückgegriffen werden soll, um den direkten Bezug zur Vorstellungswelt der Lernenden herstellen zu können, sollen jene schließlich folgende Satzanfänge entsprechend ihrer persönlichen Einschätzung (Einzelarbeit) fortführen:

Die Aufgabe von Wissenschaft ist es …

Kirche und Wissenschaft …

Vernunft bedeutet für den Menschen …

Zweifel bewirkt…

Galilei ist ein Beispiel für …

Zur Erleichterung der gedanklichen Rekonstruktion ist das Anfertigen von Randnoti- zen (mit Bleistift) ausdrücklich angeraten. Für die Lektüre und die lesebegleitenden Aufgaben sind 14 Tage während der Ferienzeit vorgesehen. Die eben genannten Vo-raussetzungen sowie die in 1. dargestellten Ziele und Kompetenzen fließen in den Verlaufsplan der Unterrichtssequenz mit ein. Obzwar der Lehrplan nicht obligato-risch festschreibt, wie viele Unterrichtsstunden für die Stoffeinheit anzusetzen sind, empfiehlt sich aus Gründen praktischer Erfahrung eine Planung von 22 Unterrichts-einheiten verteilt auf insgesamt 9 Doppelstunden. Die verbleibenden Stunden können als „Puffer“ für Vertiefungen, Fragen, Übungen, Interpretationen, Wiederholungen, zusätzliche Textarbeiten etc. genutzt werden. Des Weiteren ist der Gesamtzusam-menfassung der Stoffeinheit halber eine dauerhafte Hausaufgabe in Form eines Lite- raturkalenders vorgesehen. Dabei berücksichtigen die Schüler alle stundenweise be-handelten Themenschwerpunkte, indem sie je einen Monat im Literaturkalender mit der Angabe des Stundenschwerpunkts füllen und jeweils (noch lehrerseitig zu kon-kretisierende) Aufgaben zum entsprechenden Thema lösen.9 Die übrigen zwei Mona-te können die Schüler gemäß eigener literarischer Interessen - wie auch den Kalen-der insgesamt - nach eigenen Ideen gestalten. Die Anfertigung des Kalenders wird gesondert benotet. Zwei weitere Noten ergeben sich aus der Klausur zur Dramenin-terpretation (Stunde 21/22) sowie aus der Bewertung der Hausaufgabe in Blockstun- de 9/10.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Damit ist zugleich gesagt, dass es ein gutes Leben im Falschen geben kann.

2 Bertolt Brecht: Dreigroschenoper.

3 Siehe Anhang

4 Siehe: http://www.bildung-mv.de/export/sites/lisa/de/publikationen/vorabhinweise/Abi_2012_Vorabhinweise_ allgemeinbil dende_Faecher.pdf; gemäß der Vorabhinweise zum Abitur 2011 ist die „Festlegung von Pflichtlektüre obsolet“. Brechts Das Leben des Galilei wird aber zur Lektüre empfohlen (S. 9).

5 Dies in Bezug auf die: (a) Entstehungs- und Handlungszeit, die (b) besonderen Umstände der Tex-tentstehung, (c) die Bedeutung des Dramas, (d) seine Form sowie (e) dessen Autor und (f) seine Epo-che, unter der (g) Berücksichtigung der szenischen Einordnung im Kontext der Gesamthandlung.

6 Ort, Zeit, Figuren, Anlass des Gesprächs, Funktion im Gesamtstück, Handlungsteile, Aufbau, Verweis auf vorhergehende Handlung, wer spricht mit wem worüber?

7 In diesem Kontext werden folgende zu lehrende Merkmale angegeben: Anteil sprachlicher und au-ßersprachlicher Handlungen; Verteilung der Gesprächsanteile; Figureninitiativen; Über- und Unter legenheiten von Figuren aufgrund der Situation oder gesellschaftlicher Stellung; typische Sprechakte oder Sprechaktsequenzen; Gespräch als bestimmter Typus; Zusammenhalt des Gespächs; Stichwortverzahnung; Gesagtes und Gemeintes.

8 Diesbezüglich werden im Lehrplan folgende kreative, dramenspezifische Aufgaben genannt: szenisches Darstellen oder Lesen, Rollenbefragung; Standbild; kreatives Schreiben und Präsentieren; innerer Monolog; Brief; Dialoge weiterdenken

9 Eine Beispielaufgabe hierfür stellt die Hausaufgabe der Blockstunde 11/12 dar.

Details

Seiten
40
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656591658
ISBN (Buch)
9783656591634
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268024
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Bertolt Brecht Unterrichtsplanung Stoffeinheitsplanung Unterrichtssequenz Leben des Galilei Wissenschaft und Verantwortung Didaktik

Autor

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Titel: Stoffeinheitsplanung zu Brechts Leben des Galilei