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Die touristische Seefahrt der DDR. Ihre Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahr 1965

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Abkürzungsverzeichnis

2. Die Anfänge der touristischen Seefahrt in der DDR

3. Die touristischen Schiffe der DDR: MS Völkerfreundschaft und die Fritz Heckert

4. Touristische Seefahrt der DDR im politischen Wandel
4.1 Änderungen durch den Mauerbau 1961
4.2 Reisekostenregelung 1960-62
4.3 Abgabe der touristischen Schiffe an die DSR 1964

5. Passagiere der touristischen Schiffe der DDR

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Quellen

9. Anhang

1. Einleitung:

Auf ihrem V. Parteitag 1958 kündigte die SED-Spitze den Bau eines Urlaubsschiffes für Arbeiter und Bauern an. Nur ein Jahr später wurde der Siebenjahresplan beschlossen und mit ihm der Bau zweier weiterer Passagierschiffe.

Die touristische Seefahrt der DDR ist ein Thema, das bis heute vielen Westdeutschen kaum bekannt sein dürfte, obwohl sie der DDR-Bevölkerung mit großem medialen Aufwand nähergebracht wurde, unter anderem großen Mengen an Postkarten mit Kreuzfahrt und Südseemotiven, Presse-, Fernseh- und Rundfunkberichten, die „die Vision einer sozialistischen Kreuzfahrtflotte in schillernden Farben“[1] ausmalten.

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung der touristischen Seefahrt der DDR von ihren Anfängen bis zu dem Jahr 1965.

Darin soll den Fragen nachgegangen werden, mit welcher Motivation die DDR touristische Seefahrt betrieb und wie sich politische Ereignisse darauf ausgewirkt haben. Außerdem soll geklärt werden, ob diese Schiffe wirklich für die „Arbeiter und Bauern“ bestimmt waren, wie auf dem Parteitag angekündigt worden war oder wer mit diesen Schiffen reisen durfte.

Die These ist, dass die SED die touristische Seefahrt benutzte um die DDR-Bürger zu sozialistisch konformen Verhalten zu motivieren, obwohl diese zum größten Teil nicht in den Genuss einer solchen Seefahrt gekommen sind, auch bedingt durch die sich politisch verändernden Verhältnisse.

Die Hausarbeit soll daher diesem Aufbau folgen und sich in vier Teile gliedern.

Das erste Kapitel soll auf die Anfänge der touristischen Seefahrt eingehen und sich mit den Gründen zum Beschluss des Baues von Schiffen auf dem V. Parteitag der SED und der anfänglichen Umsetzung dieses Zieles befassen, dabei soll aufgezeigt werden, inwieweit der Bau der Schiffe parteipolitisch motiviert war.

Das zweite Kapitel soll thematisieren, welche Schiffe die DDR für die touristische Seefahrt nutzte. In diesem Zusammenhang soll näher auf die Schiffe MS Völkerfreundschaft und die GTMS Fritz Heckert eingegangen werden.

Das dritte Kapitel spannt dann den Bogen zwischen den Anfängen der touristischen Seefahrt und den politischen Veränderungen, die in den Jahren bis 1965 auf die touristische Seefahrt einwirkten. Hierzu soll es drei Unterkapitel geben, die sich noch einmal genauer mit den Auswirkungen des Mauerbaus, der Reisekostenregelung von 1960-62 und der Abgabe der Schiffe von dem FDGB an die DSR 1964 beschäftigen.

Das letzte Kapitel geht dann näher auf die Frage ein, welche Passagiere wirklich mit den touristischen Schiffen reisten und reisen konnten.

Ausgangspunkt der Betrachtung soll dabei der Essay von Andreas Stirn „Urlaub im Grenzgebiet; Kreuzfahrten auf DDR-Traumschiffen 1960 bis 1980“ sein.

1.1 Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Die Anfänge der touristischen Seefahrt in der DDR:

Der Plan touristische Schiffe zu bauen, den die SED-Leitung auf ihrem V. Parteitag 1958 angekündigt hatte, reichte bereits fünf Jahre zurück.

1953 befand sich die SED in einer fundamentalen Krise. Der in den Tagen um den 13. Juni 1953 stattgefundene Arbeiteraufstand hatte die SED in ihrer Herrschaftsstellung schwer getroffen. Auslöser waren die schlechten materiellen Lebensbedingungen, vor allem aber die kurz vorher beschlossene Normerhöhung. Während der Aufstände wurden auch Rufe nach dem Rücktritt des SED-Generalsekretärs Walter Ulbricht, der schon im Mai, Gerüchten zur Folge, kurz vor der Ablösung gestanden hatte[2], aus den Reihen der Aufständischen laut.

Nicht nur die SED, sondern auch der FDGB war im Zuge des Arbeiteraufstandes in die Kritik geraten. Herbert Warnke, der zu diesem Zeitpunkt FDGB-Chef war, war es, der den Plan zum Bau der Urlauberschiffe angeregt hatte[3]. Warnkes Plan war es gewesen: „die Leistung der Arbeiter nicht durch administrativ verordnete Normerhöhungen, sondern durch die Auslobung einer attraktiven Gratifikation- eben einer Seereise – zu stimulieren“[4]. Außerdem hätte ein solches Projekt dazu beigetragen das Ansehen der SED und des FDGB, das durch den Arbeiteraufstand geschädigt war, wieder zu erhöhen.

Dennoch sollte es noch einmal fünf Jahre dauern, bis der Plan die Öffentlichkeit erreichte. 1958 machte der V. Parteitag der SED den „baldigen >>Sieg des Sozialismus<<“ zum Ziel operativer Politik“[5]. In diesem Zusammenhang war es Werner Bülow, Parteisekretär der Mathias-Thesen-Werft Wismar, der 1958 auf dem V. Parteitag den Plan, touristische Schiffe für die DDR zu bauen, an die Öffentlichkeit brachte.

Herbert Warnke, von dem der Plan des Projekts Urlauberschiffe ursprünglich stammte, hatte diesen schon ein Jahr nach dessen Entstehung bereits wieder verworfen, auch von Walter Ulbricht war das Projekt aktiv nicht weiter verfolgt worden[6].

Der Baubeginn des Urlauberschiffes am 30. April 1959, das später auf den Namen des KPD-Gründungsmitgliedes GTMS Fritz Heckert getauft werden sollte, wurde hochstilisiert zu einem Beweis der Überlegenheit des Sozialismus gegen über dem Imperialismus. Die Urlauberschiffe (sowohl die GTMS Fritz Heckert, als auch die MS Völkerfreundschaft, siehe Kapitel 3) wurden zum Zeichen des kommenden Sieges des Sozialismus und der klassenlosen Gesellschaft der DDR.

[…]


[1] Andreas Stirn: Urlaub im Grenzgebiet; Kreuzfahrten auf DDR-Traumschiffen 1960 bis 1980. In: Vergnügen in der DDR. Hg. Von Ulrike Häußer und Marcus Merkel, Berlin: Panama Verlag 2009, S. 406.

[2] Michael Gehlen: Deutschland, Von der Teilung zur Einigung 1945 bis heute; Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung 2011 (Schriftenreihe; Bd. 1124), S.122.

[3] Andreas Stirn: Traumschiffe des Sozialismus: die Geschichte der DDR-Urlauberschiffe 1953 – 1990; Berlin: Metropol 2010; S.39.

[4] Stirn, Traumschiffe (wie Anm. 3) S.41.

[5] Sigrid Meuschel: Legitimation und Parteiherrschaft: zum Paradox von Stabilität und Revolution in der DDR 1945 – 1989; Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992 (Edition Suhrkamp 1688 = Neue Folge, Bd. 688); S. 170.

[6] Stirn: Traumschiffe (wie Anm. 3) S.43.

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656584704
ISBN (Buch)
9783656584636
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268208
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Neuere Deutsche und Europäische Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
seefahrt ihre entwicklung anfängen jahr

Autor

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Titel: Die touristische Seefahrt der DDR. Ihre Entwicklung von den Anfängen bis zum Jahr 1965