Lade Inhalt...

Das antike Judentum nach Max Weber und sein Einfluss auf den modernen Kapitalismus

Eine analytische Betrachtung

Hausarbeit 2014 9 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Judentum und der Kapitalismus nach Max Weber
2.1. Die Juden als Pariavolk in den Werken Webers
2.2. Die Rationalisierung des Judentums
2.3. Das Judentum und der Puritanismus

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der bedeutende Religionssoziologe Max Weber setzt sich in seinen Arbeiten mit wichtigen wirtschaftlichen, wie auch soziologischen Zusammenhängen der zunehmend globalisierten Welt auseinander. Weber befasst sich neben dem Christentum und anderen Weltreligionen insbesondere mit dem Judentum. So widmet Weber den dritten Teil seiner gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie dem antiken Judentum. Auch in anderen bedeutenden Werken Webers – wie zum Beispiel in „ Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“(1904/05), „Wirtschaft und Gesellschaft“(1921) und „Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen“(1991) - wird deutlich, dass das Judentum für ihn eine besondere und wichtige Stellung einnimmt. Eine weiterhin von Weber viel diskutierte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ist der Kapitalismus. Dieser ist ebenso grundliegend für das Verständnis seiner Arbeiten wie die Weltreligionen, mit denen er sich befasst.

In dieser Arbeit, wird der Fragestellung nachgegangen, ob direkte Auswirkungen und Einflüsse der jüdischen Religion, Tradition und Lebensweise auf die Entstehung des modernen Kapitalismus festgestellt werden können. Hierzu werden wichtige Passagen aus den Werken Webers dargelegt und erläutert. Im Weiteren werden die Zusammenhänge von Judentum und modernem Kapitalismus anhand der Termini Pariavolk, Rationalisierung und Puritanismus verdeutlicht und auf ihre Faktizität geprüft.

2. Das Judentum und der Kapitalismus nach Max Weber

Max Weber betont in seinen Werken stets die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums. Er beschreibt den „Geist des Kapitalismus“ als eine „ethisch gefärbten Maxime der Lebensführung“, welche er durch die Ausführungen Benjamin Franklins belegt. Franklins Ansicht des Kapitalismus entspreche einer sittlichen Lebensweise zum Zwecke der Kreditwürdigkeit.[1] Nach der Meinung Webers sei der Kapitalismus fester Bestandteil des weltlichen Zusammenlebens und somit ein gezwungenermaßen hinzunehmendes Ergebnis und Gebilde der geschichtlichen Entwicklung.[2]

Wird der Kapitalismus sinnbildlich als Motor oder Triebwerk verstanden, so bedarf er, ein Mal in Gang gesetzt, keiner weiteren Energie um zu bestehen und sich auszubreiten.

Weber positioniert das Judentum, als wichtige Religion mit besonderem Status, in seiner Bedeutung hinter dem Konfuzianismus, Hinduismus, Buddhismus und Islam, jedoch vor dem Christentum[3]. Das Judentum enthalte entscheidende geschichtliche Voraussetzungen für die christliche und islamische Religionsethik und sei somit maßgeblich an der "Entfaltung der modernen Wirtschaftsethik des Okzidents"[4] beteiligt. Das große weltgeschichtliche Interesse am Judentum, welches Weber in seiner Studie über das antike Judentum formuliert, liege in der rationalen religiösen Ethik des innerweltlichen Handelns begründet.[5] Diese spezielle Form der Ethik stelle die Grundlage der heutigen europäischen und vorderasiatischen religiösen Ethik dar und sei somit ein entscheidender Faktor für die gesamte Kulturentwicklung des Abendlandes und des Vorderasiatischen Orients.[6] Daher könne der Ursprung der okzidentalen Religionsentwicklung im jüdischen Monotheismus angesiedelt werden.[7]

Weber sieht die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentum auf gleicher Höhe mit der hellenischen Geisteskultur, dem römischen Recht, der römischen Kirche und - unter gewissen Vorbehalt - dem Protestantismus.[8] Er führt auf, dass das Judentum primär verantwortlich für den Säkularisierungsprozess, also die Entzauberung der Welt war und somit positiv zu bewertenden Anteil an der Entstehung des heutigen (sozialisierten) Europas geleistet habe. Dieser Säkularisierungsprozess ist also für die Schaffung des okzidentalen Kapitalismus verantwortlich.

2.1. Die Juden als Pariavolk in den Werken Webers

Bei der näheren Beschäftigung mit Webers Ausführungen zum Judentum wird unweigerlich deutlich, dass er dieses, als den Inbegriff eines Pariavolks versteht. Dieser Sachverhalt wird im Folgenden näher erläutert.

Der Terminus Pariavolk leitet sich von dem indischen Namen Paraiyar ab. Im Deutschen wird unter „Paria“ Ausgestoßener bzw. Außenseiter verstanden. Der Begriff spiegelt somit die geschichtliche Position des Judentums auf vereinfachte Weise wieder. Das Paria-Konzept Webers basiert grundlegend auf jenem von Friedrich Nietzsche und stellt die Verbindung zur indischen Pariakaste her.[9] Christian Bruno von Klobuczynski schreibt hierzu, Weber sehe die Juden als Pariavolk, da sie ein rituell, formell und faktisch von der sozialen Umwelt geschiedenes Gastvolk seien. Dieses lasse sich ableiten aus dem Verhalten gegenüber Umwelt, welches sich in freiwilliger Ghettoexistenz und dem Dualismus von Binnen- und Außenmoral äußere.[10]

[...]


[1] Vgl. Exenberger: S. 2

[2] Vgl. Schmidt-Lux: S. 1

[3] Vgl. Tyrell: S. 2

[4] Weber: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen Konfuzianismus und Taoismus S. 1

[5] Vgl. Spöttel: S. 17

[6] Vgl. Weber: Das antike Judentum S. 7

[7] Vgl. Spöttel: S. 20

[8] Vgl. Weber: Das antike Judentum S. 7

[9] Vgl. Spöttel: S. 23 u. Eckart: S. 124

[10] Vgl. von Klobuczynski: S. 10

Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656584384
ISBN (Buch)
9783656584506
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268227
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften/ Fachbereich Sozialökonomie
Note
Schlagworte
judentum weber einfluss kapitalismus eine betrachtung

Autor

Zurück

Titel: Das antike Judentum nach Max Weber und sein Einfluss auf den modernen Kapitalismus