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Der Tourismus und das Internet

Veränderungen im Bereich des Reisens durch couchsurfing.org und hospitalityclub.org

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 21 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tourismus
2.1 Der Kulturtourismus
2.2 Die Reise
2.3 Das Internet. Soziale Netzwerke

3. Was ist Couchsurfing bzw. der Hospitality Club?
3.1 Die Geschichten der jeweiligen Plattformen
3.2 Der Zweck der Plattformen

4. Die Gastfreundschaft

5. Die Perspektiven der Plattformen

6. Andere Communities

7. Fazit: Die Zuordnung von couchsurfing.org/hospitalityclub.org in der Ethnologie

8. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Eisenbahn, das Auto, das Flugzeug und das Internet haben eins gemeinsam - sie beeinflussen das Reisen. Bei den ersten drei scheint es völlig klar zu sein, aber was macht das Internet? Wie kann das Web die Tätigkeit des Reisens beeinflussen. Um das zu verstehen, ist ein kurzer Rückblick nötig. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die Eisenbahn. Mit ihrer Entstehung veränderte sich der Tourismus (somit auch das Reisen). Menschen waren in der Lage bequemer, schneller und einfacher von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Das gleiche geschah, als die Automobile entwickelt wurden. Mit der Entwicklung der Flugzeuge kam es zu eine Revolution des Reisens. Die Preise der Verschiedenen Luftfahrtgesellschaften sind immer angenehmer für den Otto-Normalverbraucher, so dass fast jeder Mensch vereisen kann. Sprich Tourismus betreiben kann.[1]

2. Der Tourismus

Sehr viele verschiedene Disziplinen beschäftigen sich mit Tourismus, und das ist auch gut so, denn es ist notwendig, den Tourismus als ein komplexes Phänomen zu verstehen. Das muss aber auch bedeuten, ihn so zu betrachten, dass die verschiedenen Aspekte, die bei ihm eine Rolle spielen, auch in ihrer Spezifik und Eigendynamik berücksichtigt werden können. Jede Disziplin die sich mit Tourismus beschäftigt muss ihren eigenen Platz in diesem Bereich finden. Ökonomie, Soziologie, Kulturwissenschaft und auch die Volkskunde. Die Komplexität soll bewahrt werden. Volkskunde neigt in diesem Zusammenhang leicht dazu, sich an der Objektivation zu bedienen. In Engführung an dem, was Volkskunde traditionell tat, würden die verschiedenen Objektivationsbereiche dazugehören: Von den Souvenirs und den Kleidermoden für Touristen bis zu den nichtmateriellen Objektivationen wie Sitte, Bräuche, Rituale usf. im Tourismus (einschließlich der „Rites de passage“ und der Bräuche des Cluburlaubs).[2] Fast jede Disziplin, die sich mit dem Thema Tourismus beschäftigt, hat eine eigene Definition für diesen Begriff entworfen. Alle Definitionen haben mehrere Stichpunkte die sich überschreiten: Tourismus dient der Erholung; Tourismus ist an das Reisen gebunden; und Tourismus kann von jedem Menschen individuell betrieben und gestaltet werden.

„Viele Faktoren haben es bewirkt, dass ein eigener Tourismus-Markt entstanden ist, ein bestimmter ökonomischer Status immer weiterer Bevölkerungskreise, die Entstehung der Freizeit, die Herausbildung einschlägiger Bedürfnisse der Zeitverbringung, aber auch Innovationen verkehrstechnischer Art. Der Tourismus ist weltweit eine der Wachstumsbranchen überhaupt. Das bedeutet: Immer mehr Menschen reisen immer öfter, zu nahen wie auch zu entfernten Zielen. Tourismus ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken; er ist fester Bestandteil unseres Alltags geworden.“ (Burkhart Lauterbach)[3]

2.1 Der Kulturtourismus

Ein Bereich des Tourismus, der Kulturtourismus hilft dem Einzelnen, das Gleiche in anderer Gestallt kennenzulernen. Kultur ist weit mehr als Kunst und im Grunde umfasst sie all unsere Lebensbereiche. Kultur beeinflusst Denken, Fühlen und Handeln jedes Einzelnen, und zwar unimittelbar. Neben der Kunst gehören auch Bildung und Erziehung, Forschung und Wissenschaft genau so zur Kultur wie Brauchtum und jede andere Form gemeinsamer Erfahrung. Es ist wichtig die Multifunktionalität des Tourismus zu betrachten und zu verstehen.[4] „Die tollsten Kulturbauten nützen nichts, wenn sie nicht von lokaler Kreativität flankiert werden“ (Richard Greg 2007)[5]. Eine Anregung zum Reisen - das Wahrnehmen von kreativen und künstlerischen Szenen sowie deren Lebensstil und Lebensqualität zu genießen. Manchen Städten ist es gelungen, sich auf der europäischen Landkarte hervorzuheben und nachhaltiges Wachstum der Tourismuszahlen zu generieren. Dies ist auf das verbesserte Image zurückzuführen. Speziell Städte mit einem nicht sehr ausgeprägten „kulturellen“ Image, wie z. B. Glasgow oder Rotterdam, zählen zu den Image Gewinnern. Der Tourismus ist generell eine ausgesprochene Wachstumsbranche. Die Tourismuswirtschaft ist ein Besucher und Publikumsgenerator für Kultureinrichtungen und Kulturveranstalter, die endsprechend beworben werden müssen. Städte und Regionen, die es schaffen, ihr kulturelles Erbe wie auch ihre zeitgemäße Kreativität in sich zu vereinen, eingebettet in ein weltoffenes, tolerantes Lebens- und Arbeitsumfeld, werde zahlungskräftige Touristen anlocken. Toleranz und Diversität sind dafür die Schlüsselfaktoren.[6]

2.2 Das Reisen

Das Reisen war schon immer Bestandteil der Alltagskulturen von Menschen, die seit undenklichen Zeiten unterwegs sind. Der Mensch als Jäger und Sammler, hat sich über die Erde ausgebreitet, wurde sesshaft, entwarf Ackerbaukulturen und schließlich städtische Hochkulturen. Doch bis heute hat er es nicht aufgegeben, vorübergehend seine angestammten Orte zu verlassen und nach neuen Ufern Ausschau zu halten. Die Bindung an einen Raum hat zugleich die Neugierde und die Sehnsucht nach den noch nicht entdeckten bzw. weit entfernten Räumen ausgelöst. Durch die Entdeckung Amerikas entstand ein Reisetyp, der immer das Ideal vieler Tourismusutopie darstellt und sich auch in den theoretischen Konzeptionen eines sanften Tourismus wiederfindet: die Bildungsreise. Sie (die Bildungsreise) dient der Bereicherung des Wissens über die Welt, um diese besser zu verstehen.[7]

„Reisen (sollten)...den Verstand erleuchten...die Sitten...verbessern...den Geschmack verfeinern, ihn zum gesellschaftlichen Leben und allen bürgerlichen Tugenden bilden, von Vorurteilen befreien und ihn im ganzen betrachtet vervollkommnen.“

(zit. in: Lange 1976, 123)[8]

Zur Zeit der „Grand Tour“ Adliger dienten Reisen vordergründig dem tatsächlichen Bildungsbedürfnis zukünftiger Herrscher und Machthaber. Erst gegen Ende des 18. Jahrhundert bekam das Vergnügen seinen Platz in der Reise. Burkhart Lauterbach schreibt, dass das Reisen als quasi-anthropologische Konstante begriffen wird.[9] Also etwas, dass immer und immer wieder passiert oder vorhanden ist. Andere Autoren sprechen gar vom „Reisetrieb“ der Menschen, was wiederum auf die anthropologisierende Betrachtungsweise verweist, welche davon ausgeht, dass bestimmte Eigenschaften und Bedürfnisse, Interessen und Aktivitäten gewissermaßen naturwüchsig zur einmal festgelegten Grundausstattung des Menschen gehören und keinerlei historischer Wandlung unterliegen.[10] Aber eine andere Wandlung hat dennoch stattgefunden. Das Vergnügen in der Reise. Mitbringsel statt Berichten wurden wichtig. Gemälde, Statuen und Antiquitäten dienten als Beweise, dass die Reise stattgefunden hat. Ein Foto vor dem Eiffelturm oder neben den Pyramiden ist „ein Muss“. Und so veränderte sich auch die Funktion des Raumes, der bereist wird. Aus dem Lern- Bildungsbedürfnis bekam er die Funktion einer Landschaft, die man konsumierte, die man benutzte. Zugleich begann damit die Zerstörung des Eigenwertes der bereisten Landschaft zugunsten in sie projizierter Vorstellungen. Der moderne Reisende fängt an, den bereisten Raum nicht mehr so zu nehmen wie er ist, sondern er will ihn nach seinen Bedürfnissen geformt haben.[11] Der Mensch macht „Urlaub“. Er verwirklicht seinen „Alltag“ in ihm. Der Urlaub ist nicht die Gegenwelt, sondern er wird als die eigentliche, letzte noch existierende Welt gedeutet, für die oft das Adjektiv „authentisch“ verwendet wird. In ihm funktioniert, was es im normalen Leben nicht mehr zu geben scheint. So wird an ihn nicht die Idee vom besseren Leben herangetragen sondern er ist das Leben, das es nicht mehr gibt. (So die Deuter). Der Urlaub produziert seine eigene Praxis. Er ist in den Jahresrhythmus fest eingebunden. Das Reisen gehört zur Kultur der Deutschen wie Weihnachten, Ostern und die Saisonabläufe der Fußball Bundeliga. Der Urlaub findet nicht nur einmal im Jahr satt. Viele machen einen Zweit- und Dritturlaub. Er ist Bestandteil der Alltagskultur geworden.[12]

Aber auch die Alltagskultur unterliegt einem ständigen Wandel. So auch der Urlaub und das Reisen. Bis vor ein paar Jahren war das Reisebüro der einzige Ort, wo man seinen Urlaub buchen und gestallten konnte. Dann kam das Internet. Das Internet bietet immer mehr Seiten, die das „wahre“ Reisebüro in Vergessenheit geraten lassen. Der Mensch ist mit Hilfe des Internets in der Lage, alles vom eigenen Sofa aus zu arrangieren. Der ganze Urlaub, die Reise, das Hotel, der Flug, die Bahntickers, alles wird heute über das Internet getätigt. So gesehen, ist es wenig erstaunlich dass, das Internet eine wichtige Rolle im Bereich des Tourismus und des Reisens eingenommen hat.

2.3 Das Internet. Soziale Netzwerke

„Generation Y“ ist der soziologische Begriff für Menschen die um das Jahr 2000herum im Teenager alter waren. Diese Generation zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus, da es sich um die erste Generation handelt, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist.[13] Mittlerweile nutzt nicht nur „Generation Y“ das Internet, sondern fast jeder Mensch. 85% der Haushalte in Deutschland haben einen Internetzugang (Stand:2012)[14]. Über das Internet werden verschiedenste Daten Weltweit ausgetauscht. Es ist eine Konstante im Leben jedes Individuums geworden.

„Die globale Vernetzung führe zur radikalen Individualisierung und Personalisierung unserer Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten.“ (Negroponnte 1995)[15]

Der Informatiker Nicholas Negroponte, ahnte bereits 1995 welche Änderungen das Internet mit sich bringt. Momentan die wichtigste Erschaffung des Internets, ist das so genannte „Soziale Netzwerk“. Eine allgemeine Floskel: „es kommt nicht unbedingt darauf an, was man weiß, sondern wen man kennt“, zeugt davon, wie nützlich Kontakte zu anderen sein können. Gelichzeitig stellen solche Kontakte aber auch häufig Anforderungen an uns selbst - in Form von Verpflichtungen.[16] Es existieren zahlreiche soziale Netzwerke mit ganz bestimmten Charakteristiken: Partner-Börsen - dienen zum kennenlernen potenzieller Partner. Es entstehen indirekte (keine „face-to-face) Beziehungen. Der Mensch offenbart sich im sozialen Netzwerk anderen gegenüber. Daneben gibt es auch Fachbezogene soziale Netzwerke, in denen die Mitglieder Erfahrungen und Informationen zu Bestimmten Themen austauschen, (meist) ohne persönlich zu werden. Ein „Forum“. Im Internet gibt es gar zu jedem Thema ein Forum oder eine Seite der man beitreten kann.

Das soziale Netzwerk besteht aus einer Menge an Akteuren, die durch soziale Beziehungen miteinander verbunden sind. ‚Akteure’ können dabei etwa Personen, Haushalte, Organisationen und Nationen sein. Die Beziehungen zwischen ihnen können von Liebe und Hass unter Personen, über den Tausch von Nahrungsmitteln zwischen Haushalten bis hin zu, Tourismusströmen zwischen Nationen reichen. Diese Beziehungen schaffen Handlungsspielräume, indem sie etwa den Zugang zu Informationen oder materiellen Ressourcen ermöglichen.[17]

Die sozialen Beziehungen, wie sie in der Soziologie beschrieben werden, können quasi eins zu eins auf die Beziehungen innerhalb des Internets, projiziert werden. Eine Charakterisierung der sozialen Beziehung (nach Mark Granovetter) geht von der Intensität der Beziehung aus. Sie kann stark oder schwach sein. Die Stärke wird zusammengesetzt aus der aufgewendeten Zeit, dem Grad der emotionalen Intensität und des gegenseitigen Vertrauens sowie dem Ausmaß der wechselseitigen Dienste, die innerhalb der sozialen Verbindung zum Tragen kommen. Strake Verbindungen sind meist in Netzwerken in denen die Mitglieder dicht zu einander stehen. Mitglieder starker Verbindungen tauschen zwar häufiger und intensiv Informationen, oder auch Ressourcen, aus, aber es gibt aufgrund der Struktur nur wenig ‚Neues’. Neuigkeiten werden dagegen vor allem von Personen eingebracht, die nur über eine schwache Verbindung an das Netzwerk angeschlossen sind, dafür aber häufig Brückenfunktionen wahrnehmen und so insbesondere zur Verbreitung von Informationen zwischen verschiedenen Netzwerken, z.B. Clustern und Cliquen, beitragen.[18]

[...]


[1] Vgl. Kramer, Dieter: Der sanfte Tourismus. Wien 1983. S. 46-52

[2] Vgl. Kramer, Dieter: Kulturwissenschaftliche Tourismus-Forschung. S. 11-12.

[3] Lauterbach, Burkhart: Tourismus. Eine Einführung aus Sicht der vol. Kulturwissenschaft.

[4] Vgl. Siegmund, Anne-Marie: Die Bedeutung von Kultur(tourismus) für die europäische Identität.

[5] Vgl. Ratzenböck, Veronika: Kulturtourismus-Kulturhauptstädte-Kreativwirtschaft.

[6] Edd. Ratzenböck.

[7] Vgl. Lutz, Ronald: Tourismus und Bewegungskultur. Perspektiven des Reisens. S. 203-205.

[8] Lutz S. 205.

[9] Vgl. Lauterbach, Burkhart: Tourismus. Eine Einführung aus Sicht der vol. Kulturwissenschaft. S. 13.

[10] Lauterbach S. 13

[11] Lutz S. 208- 213.

[12] Vgl. Köstlin, Konrad: Wir sind alle Touristen. Gegenwelten als Alltag. S. 4-5

[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Y (Zugriff am 14.01.14)

[14] http://de.wikipedia.org/wiki/Internet#Nutzerzahlen (Zugriff am 14.01.14)

[15] Vgl. Frindte, Wolfgang: Kommunikation im Internet. S. 15

[16] Vgl. Schenk. Michael: Soziale Netzwerke und Kommunikation. S. 9

[17] Vgl. Schnegg. Michael: Die ethnologische Netzwerkanalyse. S. 210.

[18] Vgl. Schenk, S. 72, 73.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656587286
ISBN (Buch)
9783656587330
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268228
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
tourismus internet veränderungen bereich reisens

Autor

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Titel: Der Tourismus und das Internet