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Einojuhani Rautavaara „Kvintit“. Werkanalyse

Hausarbeit 2014 25 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einojuhani Rautavaara Werkanalyse „Kvintit“ aus „Etydit“ Op

1. Einojuhani Rautavaara
1.1. Überblick über Rautavaaras Schaffen und stilistische Entwicklung
1.2. Biographie

2. Etydit, Op. 42
2.1. Werkanalyse „Kvintit“
2.1.2. Allgemeines
2.1.3. Aufbau / Form des Stücks .
2.1.4. Analyse der musikalischen

Abschnitte

3. Quellennachweise
- Onlinemedien
- Printmedien
- Partitur (nur in der originalen Hausarbeit vorhanden)

4. Anhänge
- Anhang 1: Partitur „Etydit“ Op
- Anhang 2: Werkverzeichnis Rautavaara

1. Einojuhani Rautavaara

"Meiner Ü berzeugung nach ist Musik dann ,gro ß‘ , wenn der H ö rer f ü r einen Moment ,einen Blick durch die Zeit hindurch auf die Ewigkeit ‘ erhascht... Dies ist meines Erachtens die einzige wirkliche Berechtigung von Kunst. Alles andere ist zweitrangig." - Einojuhani Rautavaara 1

1.1. Überblick über Rautavaaras Schaffen und stilistische Entwicklung

Einojuhani Rautavaara (Eino luhani Rautavaara) wurde am 09. Oktober 1928 in Helsinki, Finnland, geboren. Er gilt als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen finnischen Musik und prägt ihre Entfaltung seit den 1950er Jahren.

Er wirkte unter anderem als Lehrer an der Jean-Sibelius-Akademie, als Bibliothekar und Archivist beim Philharmonischen Orchester in Helsinki, als Rektor am Käpylä Music Institute in Helsinki und von 1976 bis 1990 als Professor für Komposition an der Jean-Sibelius-Akademie. Seine Werke wurden mit inter- und nationalen Preisen ausgezeichnet.

Seine Opern thematisieren hauptsächlich Aspekte künstlerischen Schaffens und der Geschichte2. Außerdem schrieb er Chorwerke, die weltweit aufgeführt werden3. Auftragswerke vollendete er für weltweit renommierte Orchester4.

Rautavaara beschreibt sich selbst als „romantisch und intellektuell, Mystiker und Konstruktivist in einer Person“5.

Die stilistische Entwicklung Rautavaaras Werke durchlief vier primäre Phasen, von denen jede Rautavaaras musikalische Eigenheit repräsentiert. Häufig fasst er verschiedene musikalische Richtungen zu einer Gesamtsynthese zusammen, wie unter anderem Elemente der (finnischen) Folklore, des orthodoxen Mystizismus, der Musik des 20. Jahrhunderts und allgemein traditioneller Formen. „Nach seinen eigenen Worten hat er [Rautavaara] vielmehr im stilistischen Sinne ,schreckliche Sprünge‘ gemacht (Heiniö 1995; 247)“6.

Der Beginn seiner kompositorischen Zeit in den 1950er Jahren stand unter Einfluss des Neoklassi- zismus‘ der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs. In den 1960 Jahren verwendet er die Technik der Dodekaphonie und der seriellen Musik, die seinen Werken modernere Ansätze verleihen (auch in atonalen Werken nutzt Rautavaara Harmonielehren als Orientierungspunkte). Dennoch greift er in dieser Phase auch auf andere Stilistiken zurück, wie in seiner „Dritten Symphonie“7. Diese baut auf romantischem Ausdruck auf, der seinen neo-romantischen Stil besonders in den späten 1960er Jahren zeichnet . Die Werke, die in den 1970er Jahren entstanden, sind vorwiegend von mystischem Charakter, so wie „Cantus Arcticus“ (1972) Op. 61, sein Konzert für Orchester und Bandaufnahmen von Vogelstimmen oder seine siebte Symphonie „Angel of Light“ (1995)8. Ab den 1980er Jahren verbindet er in seinen Werken diverse musikalische Stilistiken postmodern miteinander.

Rautavaara verwendet in seinen Kompositionen teilweise Selbstzitate. Eine durchdachte Struktur liegt jedem seiner Werke zu Grunde.

Auffällig ist, dass Rautavaara ausschließlich auf Stile der Neuen Musik in Europa für seine Kompo- sitionen zurückgreift. Ab ca. 1920 gewann der Neoklassizismus an Bedeutung, den er ab 1950 auf- greift. Arnold Schönberg begründete 1921 die Zwölftontechnik, von Rautavaara ab 1960 (auch zur seriellen Musik weiterentwickelt) verwendet. Um 1970 wurde die Romantik wiederentdeckt, Rauta- vaara komponierte ab den späten 1960er Jahren in diesem Stil und wandte sich von harschen Tech- niken ab, hin zu romantischen Klängen. Ab 1980 wird die Postmoderne diskutiert, an die er ab 1970 anschließt.

Rautavaaras Hang zum Mystischen hat sich laut Rautavaara aus zwei Kindheitserlebnissen heraus entwickelt. Zum einen beschreibt er einen häufigen Traum, in dem er sich wie Jakob im Kampf ge- gen einen Engel befindet9. Zum anderen prägt ihn eine griechisch-orthodoxe Bischofsweihe, die er mit seinen Eltern erlebte. Auch die Duineser Elegien10 von Rainer Maria Rilke beeinflussten Rauta- vaara. Daraus vertonte er die „Erste Elegie“ (1993) für achtstimmigen gemischten Chor, die das En- gel-Thema behandelt.

Rautavaara „glaub[t] fest daran, dass Kompositionen einen eigenen Willen besitzen.“11 und seine Werke in „einer anderen Realität existieren“12, die er nur in die diesseitige Welt zu übertragen braucht.

Rautavaara verbrachte 1955/56 in New York, wo er zu Beginn seiner kompositorischen Schaffens- zeit die finnische Kultur mit dem amerikanischen Lebensstil verbindet. Er sieht sich als weltoffenen Europäer, aufgrund von Einflüssen der orthodoxen Religion, des Mystizismus‘ und des Impressio- nismus‘.

1.2. Biographie

Einojuhani Rautavaaras Vater, Eino Rautavaara, war ein bekannter Opernsänger, Kantor und Kirchenmusikpädagoge, seine Mutter, Elsa Traskelin, eine Ärztin.

Den frühen Tod beider Eltern verarbeitete der Komponist in seiner Kunst: „[...] the tragic death of my mother1944 as a consequence of war, my father already dead by then1939 […] Full problems, traumes and complexes, ready to compensate in art“13.

Schon in seiner Kindheit wurde Rautavaara über seinen Vater zur Musik herangeführt. Trotzdem er seinen Klavierunterricht abbrach und erst mit 17 Jahren wieder aufnahm, verlor er nie die Faszination an der Musik und Kunst.

Rautavaara besuchte die Kaisaniemi Elementary School in Helsinki und setzte kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs seine schulische Laufbahn an einer Mittelschule fort. Die Oberschule absolvier- te er in Turku, an der süd-west-Küste Finnlands. Dorthin zog er zu seiner Tante nach dem Tod sei- ner Eltern. Nachdem er 1946 an der Sibelius Academy in Helsinki Schüler von Arvo Laitinen (1893-1966) wurde, begann er 1947 seine kompositorische Laufbahn beim Kompositionsprofessor Heikki Klementti (1876-1953). Dieser führte ihn 1948 an die Universität Helsinki, an der sein Interesse an der traditionell finnischen Folk-Musik geweckt wurde. Er griff Bartóks (1881-1945) Kompositionsmethode auf, Elemente der Folk-Musik in seine Kompositionen einfließen zu lassen14. So auch in „A Requiem in Our Time“ (1954), für eine Besetzung von 4 Trompeten, 4 Hörnern, 1 Bariton-Horn, 1 Tuba und Percussion, mit dem er den ersten Preis im Thor Johnson Contest15 gewann. Dieses Werk brachte ihm großen Erfolg und den Kontakt zum finnischen Komponisten Jean Sibelius (1865- 1957), der ihm ein Stipendium der Sergei Koussevitzky Foundation anbot. Dieses Stipendium beinhaltete Kursbesuche an der Juilliard School16 in New York, United States, der Eastman School of Music17 in Rochester sowie einen Sommerkurs am Tanglewood Music Centre18 mit Schwerpunkt auf der Musik des 20. Jahrhunderts. Diese Studien führten ihn an die „moderne“ Musik heran, die in Finnland keinen großen Zuspruch fand19. Von diesen Studien in- spiriert, bildete er sich bei Roger Sessions (1896-1985) und Aaron Copland (1900-1990) über die Moderne weiter, über Kompositionstechniken und deren Theorie bei Vincent Persichetti (1915- 1987). In dieser Zeit stellte er sein Werk „Ikonit“ Op. 6 (1955), eine Suite für Solopiano fertig, das die Einflüsse Persichettis widerspiegelt und Rautavaaras Interesse am Mystischen und Religiösen zeigt. Dieses Werk vertont sechs „static and timeless“20 Klosterzeichnungen, denen festgelegte Schemata zugrunde liegen21.

Rautavaaras Cousine Aulikki (1906-1990), eine Opernsängerin, mit dem Komponisten Erik Bergman (1911-2006) verheiratet, überredete ihn in die Schweiz nach Ascona zu reisen und seine Studien bei Wladimir Vogel (1896-1984) fortzusetzen.

1958 reiste Rautavaara nach Köln, um bei Frank Martin zu studieren und sich am Kölner Studio für Elektronische Musik weiterzubilden. Sein Vorhaben scheiterte und „für lange Wochen wechselte ich [Rautavaara] kein Wort mit jemand anderem als mit Petzold [Rudolf Petzold, Rautavaaras Dozent] und dem Kellner des Restaurants. Ich arbeitete von morgens bis abends.“22 In dieser Zeit entstand sein Zweites Streichquartett (1958), das Rautavaara eine fundamentale Basis für seine Kompositionstechnik finden ließ: „Die Musik wurde zu meiner Musik - zum ersten Mal hatte ich eine eigene, funktionierende und geläufige Kompositionstechnik.“23

Rautavaaras erste Ehe mit Heidi (später Mariaheidi) Suovanen hielt von 1959 bis 1982. In der Ehe fühlte sich Rautavaara wegen seiner neuen Pflichten und der Erziehung der Kinder Markojuhani

[...]


1 V. Großkreutz in: „Sonntags um vier, Nr. 1“ Programmheft der Kölner Philharmonie vom 07. Oktober 2012; S. 3, f.

2 Z.B. in „Vincent“ (1986/87), „Aleksis Kivi“ (1995/96) und „Rasputin“ (2001-03).

3 Z.B. „Vigilia“ (1971/72, rev. 1996), das berühmteste Chorwerk der finnisch-orthodoxen Kirche; „Vigilia“ setzte er für eine Chorperformance aus seinen Verken „Vespers“ (1971) und „Matins“ (1972) zusammen.

4 Auswahl einiger Auftragswerke: „Rasputin“ (2003) für die Finnische Nationaloper; „Christmas Carol“ (2010) für das King's College Cambridge.

5 In: „About this Recording“ http://www.naxos.com/mainsite/blurbs_reviews.asp?item_code=8.554292&catNum=554292&filetype=About%20this%20Recording&language=German [06. Dezember 2013]

6 K. Nikula: „Zur Umsetzung deutscher Lyrik in finnische Musik“; Jyväskylä University Printing House; 2005; S. 64.

7 „Dritte Symphonie“ (1959/60) als „neo-brucknerisch“ bezeichnet, wegen Ähnlichkeiten zu Bruckner-Symphonien.

8 „Angel of light“ brachte Rautavaara viele internationale Preise, darunter 1997 den Cannes Classical Award in Frankreich und die Grammy-Award Nominierung.

9 S.: Altes Testament; Hosea; Kapitel 12, Vers 5.

10 Duineser Elegien: Titel einer Sammlung von zehn Elegien, die Rainer Maria Rilke von 1912 bis 1922 verfasste.W. Wolf: „Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien - Eine Textdeutung“; Carl Winter Verlag; Heidelberg; 1937.

11 http://www.der-neue-merker.eu/geburtstage-im-oktober-2013 - 9.10. Einojuhani RAUTAVAARA wird 85 [06. Dezember 2013]

12 http://www.der-neue-merker.eu/geburtstage-im-oktober-2013 - 9.10. Einojuhani RAUTAVAARA wird 85 [06. Dezember 2013]

13 T. Howell: „After Sibelius: Studies in Finnish Music“; Ashgate Publishing Limited; Cornwall; 2006; S. 115.

14 Z.B. „Pelimannit“, Op. 1 (1952), 6-sätzige Suite für Klavier; „String Quartet“ No. 1 (1952); „A Requiem in Our Time“ (1953).

15 Wettbewerb, von der Brevard Foundation in Cincinnati, USA inszeniert.

16 The Juilliard School: 1905 gegründet, international anerkanntes Konservatorium für Darstellende Kunst. http://www.juilliard.edu/about [06. Dezember 2013]

17 The Eastman School: 1921 gegründet, angesehenes Musikkonservatorium. http://www.esm.rochester.edu/about/history/ [06. Dezember 2013]

18 Tanglewood Music Centre: 1940 als Berkshire Music Center gegründet, Musikakademie, jährlich stattfindend.http://www.bso.org/micro-sites/tanglewood-music-center/about-us.aspx [06. Dezember 2013] 19 Vgl.: http://www.wissen.de/lexikon/finnische-musik [06. Dezember 2013]

20 (Rautavaara 1963) L. E. Matambo: „The solo piano music of Einojuhani Rautavaara“; Rhodes University; 2010; S. 3.

21 Sechs Teile der Suite: The Death of the Mother of God, Two Village Saints, The Black Madonna of Blakernaya, The Baptism of Christ, The Holy Woman at the Sepulchre Archangel Michael defeats the Antichrist. 22 http://finnland-institut.de/musikbeziehungen/einojuhani_rautavaara.html [06. Dezember 2013]

23 Ebd.

Details

Seiten
25
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656593133
ISBN (Buch)
9783656593126
Dateigröße
1002 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268304
Institution / Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
einojuhani rautavaara kvintit werkanalyse

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