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Stephen Kings "Der Anschlag". Die Konsequenz des Intervenierens

Stephen Kings Auseinandersetzung mit einer kontrafaktischen Geschichte über die Veränderung der Vergangenheit und der bekannten Gegenwart durch Zeitreisen in „Der Anschlag“

Seminararbeit 2012 34 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Konsequenz des Intervenierens. Stephen Kings Auseinandersetzung mit einer kontrafaktischen Geschichte über die Veränderung der Vergangenheit und der bekannten Gegenwart durch Zeitreisen in „Der Anschlag“
2.1 Grundlegendes zum Roman
2.1.1 Über den Autor
2.1.2 Eine Frage des Genres: Science-Fiction, Fantasy oder kontrafaktische Geschichte?
2.1.3 Form und Struktur des Werkes
2.1.4 Intertextualität
2.1.5 Die Ausgangssituation des Romans
2.1.6 Die bedeutsamsten Figuren im Überblick
2.2 Was wäre wenn die Vergangenheit verändert werden würde?
2.2.1 Die Brücke zwischen den Welten
2.2.2 Der signifikante Zeitpunkt der Geschichte
2.2.2.1 Grundlagen und Basis der Intervention
2.2.2.2 Spekulationen über das Intervenieren
2.2.2.3 „Die Vergangenheit will sich nicht ändern lassen. Sie ist unerbittlich.“
2.2.3 Die neue Welt – Folgen der Intervention und Auswertung der Spekulation

3. Fazit

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

5. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Lass die Vergangenheit ruhen“

Dalai Lama Tenzin Gyatso

Die Vergangenheit ist geschehen und kann nicht mehr verändert werden. Entscheidungen wurden getroffen, Wege wurden ausgewählt. Manche von ihnen führen in die richtige, andere in die falsche Richtung. Selbst eine kleine Entscheidung kann eine große Wirkung gebracht haben. Doch alles ist Teil der Geschichte und kann nicht wiederholt werden. Was ist jedoch, wenn man die Chance erhält, einen Fehler in der Vergangenheit wieder gut zu machen und etwas zu ändern? Mit dieser Fragestellung setzt sich Stephen King in seinem neuen Roman Der Anschlag auseinander. Der Roman befasst sich mit einem für King untypischen Genre, denn im Zentrum des Werkes steht eine kontrafaktische Geschichte, in der das Attentat auf John F. Kennedy im Jahre 1963 verhindert werden soll, in der Annahme, dass infolgedessen durch das Weiterleben des Präsidenten der weitere Verlauf der Geschichte bis zur Gegenwart des Jahres 2011 positiv verändert werden würde.

Dass das Intervenieren in die Vergangenheit eine Reihe von unvorhersehbaren negativen Konsequenzen zur Folge hat, auch wenn sich zum Ziel gesetzt wurde, historische Momente zu vereiteln, die einen dunklen Schatten auf die Menschheit geworfen haben und möglicherweise eine Unmenge an Menschenleben gefordert haben, ist die These der nun folgenden wissenschaftlichen Arbeit. Warum selbst eine kleine Veränderung der Historie eine Reihe von überwiegend negativen Auswirkungen mit sich bringt, und was für eine Rolle die Vergangenheit selbst bei kontrafaktischen Geschichten spielt, wird ebenfalls bearbeitet.

Seit Jahrzehnten begeistern kontrafaktische Geschichten über das Töten bekannter Personen oder das Stoppen von Attentäter die Leser. Der Schwerpunkt liegt meistens auf den Geschehnissen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Kings Idee, das Leben des Präsidenten John F. Kennedy zu retten, der im Jahre 1963 erschossen wurde, fällt hierbei jedoch aus dem Rahmen. Was sich der Protagonist davon erhofft, was für positive Auswirkungen es haben kann, Kennedy zu retten und wieso er sich für Kennedy entschieden hat, ist Bestandteil dieser Arbeit. Wieso er sich jedoch einen im Vergleich zur gesamten Weltgeschichte eher unscheinbaren Moment der Historie auserwählt hat und worauf sich die erwarteten positiven Konsequenzen des Protagonisten stützen, ist ebenfalls signifikant zu betrachten. Warum die Vergangenheit letztendlich ruhen sollte und nicht verändert werden will, wird in den nun folgenden Seiten erarbeitet.

Zunächst werden der Roman und sein Autor selbst betrachtet. Warum der Roman in das Genre der Uchronie eingestuft werden kann und welche Bedeutung diese Eingliederung für den Leser hat, wird zuerst herausgearbeitet. Infolgedessen werden die Form und die Struktur des Werkes betrachtet sowie seine Intertextualität und deren Bedeutung für das Geschehen im Buch. Ebenso wird auf das spezifische Jahr 1958 eingegangen, wieso gerade dieses Jahr als Punkt für Zeitreisen ausgewählt wurde und welche Rolle die fiktiven Orte im Roman haben. Anschließend werden die wichtigsten Figuren vorgestellt und der Einstiegspunkt von Der Anschlag. Infolgedessen wird die Art der Zeitreise in Der Anschlag betrachtet. Dazu gehören die Funktionalität der Brücke zwischen den beiden Zeitebenen und die Differenzierung der Art der Zeitreise im Roman im Vergleich zu anderen literarischen Zeitreisebeispielen, mit Blick auf die positiven und negativen Seiten der Art der Zeitreise für den Protagonisten in Der Anschlag.

Weiterhin sind die Motivation des Protagonisten, in das Zeitgeschehen intervenieren zu wollen sowie seine Wünsche und Hoffnungen über die von ihm erwarteten deutlich positiven Auswirkungen auf die gesamte Menschheit wichtig. Wie er das Eingreifen zunächst erprobt und wie das historische Verändern durchgeführt werden, folgt anschließend. Welche Rolle beim Intervenieren die Vergangenheit selbst spielt ist eine signifikante Betrachtung im Hinblick auf die tatsächliche Veränderung der Welt nach dem Eingreifen durch den Protagonisten. Welche Lehre Jake zum Schluss aus seinen Taten zieht und wie seine Erwartungen sich mit dem tatsächlich eingetretenen ähneln, folgt zum Schluss. Wieso aus literarischer und inhaltlicher Sicht die neue Welt derart unerwartet ist, bildet den Abschluss der Arbeit.

2. Die Konsequenz des Intervenierens. Stephen Kings Auseinandersetzung mit einer kontrafaktischen Geschichte über die Veränderung der Vergangenheit und der bekannten Gegenwart durch Zeitreisen in „Der Anschlag“

­Im Januar 2012 auf der ganzen Welt veröffentlicht, lässt Stephen Kings Romantitel Der Anschlag viel Spielraum für Assoziationen bezüglich des Kontextes der Erzählung. Erstassoziationen lassen darauf schließen, dass ein Anschlag im Mittelpunkt der Geschehnisse stehen wird, wobei jedoch nicht bekannt ist, von wem es auf wen und wann ausgeübt wird. Der amerikanische Originaltitel 11/22/63 hingegen gibt dem Leser sofort den Kern des Romans vor: Im Mittelpunkt steht der 22. November 1963, an dem bekanntlich der Anschlag auf John F. Kennedy verübt wurde. Demnach ist zunächst mit einem historischen Roman zu rechnen, in dem sich King mit dem Anschlag auseinandersetzt.

2.1 Grundlegendes zum Roman

2.1.1 Über den Autor

Stephen King ist ein Phänomen. Der ehemalige Lehrer aus Maine, der kaum den Lebensunterhalt für sich und seine Familie erwirtschaften konnte, ist heute der meistverkaufte, meistgelesene und bestverdienende Schriftsteller der Welt – und das in einem literarischen Genre, Horror, dem kaum jemand dieses gewaltige Bestsellerpotential zugetraut haben würde.“[1]

Stephen Edwin KingAbb.1, der am 21. September 1947 in Portland geboren wurde, ist als amerikanischer Schriftsteller vor allem durch seine Horrorgeschichten auf der ganzen Welt bekannt geworden. Er zählt als King des Horrors[2] zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Mit seinem Roman Carrie gelang ihm 1973 der Durchbruch. Kurze Zeit darauf erschien ein weiteres sehr bekanntes Buch von ihm – Shining. Überschüttet von seinem plötzlichen Erfolg, kündigte King seinen Beruf als Englischlehrer und widmete sich ab dann nur noch der Schriftstellerei. Und das mit Erfolg: King publizierte einen Beststeller nach dem anderen, von denen viele verfilmt wurden. Seine Werke handeln meist von normalen Menschen, die in übernatürliche oder grausame Geschehnisse reingezogen werden. Die meisten seiner Bücher unterliegen dem Genre des Horrors oder des Übernatürlichen. Er veröffentlichte bisher jedoch auch Romane, die aus seinem Schreibmuster herausfielen. Eines dieser Beispiele ist The Green Mile, der mit diversen Preisen belohnt wurde sowie sein neu erschienenes Buch Der Anschlag.[3] Zwar ist dieses Werk nicht in das Horrorgenre einzugliedern, doch die typischen Merkmale Kings, darunter das Übernatürliche, dass in Der Anschlag in Form von Zeitreisen literarisch integriert wird, bleibt erhalten. Obwohl King durch seine Horrorromane meist viel negative Kritik erhalten hatte, wurde sein Gedankenexperiment Der Anschlag weitestgehend von allen Seiten positiv angenommen.

2.1.2 Eine Frage des Genres: Science-Fiction, Fantasy, historischer Roman oder kontrafaktische Geschichte?

Literatur wird in Genre untergliedert, damit der Leser von vornherein weiß, was er innerhalb der zu lesenden Seiten zu erwarten hat: Werden Tiere sprechen können, fliegen Menschen in andere Galaxien oder handelt es sich schlichtweg um die Erlebnisse eines Durchschnittsmenschen? Um den Roman besser verstehen zu können und ebenso auch dessen Hintergrund, ist es deshalb signifikant herauszuarbeiten, in welchem Genre sich das Werk bewegt. Stephen Kings Der Anschlag scheint zunächst in vier dieser Genres zu passen - Science-Fiction, Fantasy, historischer Roman und kontrafaktische Geschichte. Diese vier Genres kommen für den Roman in Frage, da in Kings Werk auf den ersten Blick von jedem dieses Genres ein Merkmal vorhanden zu sein scheint: Im Fokus der Erzählung steht nicht nur der übernatürliche Aspekt der Zeitreise, der in das Gebiet des Science-Fiction zu passen scheint, sondern auch ein historischer Moment der Zeitgeschichte, wodurch ein historischer Roman passend sein könnte. Bei näherer Betrachtung des Inhaltes kommen jedoch auch Fantasy und kontrafaktische Geschichte in Frage.

Gerade Zeitreisen sind mit Vorliebe Bestandteil von Science-Fiction-Romanen. Bei diesem Genre ist maßgebend, dass das Werk „[…] in einer Welt spiel[lt], die sich von der gegenwärtigen durch spektakuläre technologische und / oder anthropologische Entwicklungen unterscheidet.“[4] Zwar gibt es in Kings Roman eine Art Zeitbrücke, diese ist jedoch unerklärbar und nur ein reines Naturphänomen, welches ebenso schnell wieder verschwinden kann, wie es gekommen ist. Des Weiteren stehen im Zentrum der literarischen Geschehnisse die Jahre 1958 und 2011. Sowohl die Vergangenheit von 1958 als auch die Gegenwart des Jahres 2011 werden literarisch so wiedergegeben, wie sie durch historische Bücher dargestellt werden oder bereits bekannt sind. Das bedeutet, dass die literarischen Welten des Romans bezüglich des Fortschrittes und des Lebens an sich der Realität entsprechen. Daraus folgt, dass Der Anschlag keine „[…] spektakuläre technologische und / oder anthropologische Entwicklungen […][5] beinhaltet und demnach nicht in das Genre des Science-Fiction eingeteilt werden kann. Nicht zuletzt, weil der Roman nicht weit in der Zukunft in einer weit abgeänderten Normalität liegt, sondern in der Vergangenheit, die aus historischer Sicht realitätsnah wiedergegeben wird.

In den Bereich der Fantasy fällt das Buch jedoch auch nicht, da für dieses Literaturgenre übernatürliche Dinge prägend sind. Fantasy besitzt stets einen märchenhaften Inhalt mit „[…] übernatürlichen Elemente[n] (Elfen, Riesen, Zwerge, Feen, Hexen, Ungeheuer).“[6] Diese Elemente sind innerhalb des Buches nicht zu finden, da es realitätsnah bleibt und keine märchenhaften Wesen vorhanden sind.

Um einen historischen Roman handelt es sich bei Der Anschlag ebenfalls nicht. Zwar werden die wichtigsten historischen Geschehnisse der in der Handlung wichtigen Zeit der Jahre 1958 bis 1963 geschildert, doch im Zentrum des Romans steht eine literarische Figur sowie eine literarische Handlung, die Stephen King in die Zeit des Jahres 1958 hineingeschrieben hat und damit einen fiktiven und keinen historischen Roman entstehen ließ.

Das letztgenannte Genre ist es, welches dem Inhalt des Buches weitestgehend entspricht und daraus resultierend das zum Roman passende Genre ist, welches durch die Zeitbrücke einen Hauch Science-Fiction innehat. Für eine kontrafaktische Erzählung, auch Uchronie genannt, ist ausschlaggebend, dass „[…]one or more past events are changed and the subsequent effects on history somehow described.“[7] Die Uchronie ist demnach eine Veränderung der durch Fakten gesicherten Historie, die spekulativ zum besseren oder schlechteren verändert wird. Demnach wird ein historisches Ereignis auserwählt, welches innerhalb des Romans verändert wird. Es wird aufgezeigt, basierend auf historischen Quellen und Beweisen, welche möglichen Auswirkungen diese historische Abänderung auf den Verlauf der Zeit genommen hätte. Dies ist der Fokus von Stephen Kings Der Anschlag, da hier das Attentat auf John F. Kennedy im Zentrum steht und mithilfe einer Zeitreise verhindert werden soll. Demnach ist der Roman in das Genre der kontrafaktischen Geschichte einzuordnen und gibt dem Leser mit dieser Eingliederung den Hinweis, dass es sich bei Der Anschlag um einen Roman handelt, der auf historischen Grundlagen basiert, die durch literarische Elemente, darunter durch handelnde Figuren und eine Kernhandlung, ummantelt werden. Weiterhin wird dieser historische Moment verändert, was innerhalb des Romans eine Konsequenz entstehen lässt, die auf Spekulationen beruht.

2.1.3 Form und Struktur des Werkes

Der Roman beginnt mit einem direkten Einstieg, ohne zuvor auf inhaltliche Informationen über die Figuren und deren Ausgangsituation einzugehen. Es wird nicht genannt, wer der Ich-Erzähler ist, wie seine Ex-Frau heißt, wo er sich in diesem Moment befindet und wer er eigentlich selbst ist . „Ich war nie das, was man eine Heulsuse nennt“[8], sind die ersten Worte, die der Protagonist an den Leser sendet. Sie implizieren zunächst zwei Fakten: Erstens, der Einstieg ist bereits in einer Handlung geschehen, das heißt, dass der Erzähler bereits über sein Leben philosophiert, von seiner kürzlich geschiedenen Frau erzählt und leitet die Situation ein, in der er, obwohl alle davon überzeugt gewesen zu sein schienen, dass er emotional erkaltet ist, diese Emotionen beim Lesen des Aufsatzes von Harry Dunning wieder erwecken konnte[9]. Zweitens verdeutlicht es direkt die Erzählperspektive, die aus einem Ich-Erzähler besteht, der zugleich Protagonist der Geschichte ist. Daraus folgt, dass der Leser nur das sieht, nur das lernt, was der Protagonist selbst erlebt. Es gibt hierbei keinerlei höhere Instanz, die einen kompletten Überblick über alle Geschehnisse hat, sondern nur die Sicht aus den Augen der handelnden Person selbst. Dies ist effektiv beim Hineinversetzen in die Figur, ebenso wie in dessen Emotionen.

Der Anschlag ist ein rund tausendseitiger Roman, der in sechs Teile untergliedert ist. Jeder Teil ist durchnummeriert und namentlich gekennzeichnet. Der erste lautet beispielsweise „Teil 1 Ein entscheidender Augenblick[10]. Jeder Titel gibt den Kern der Geschehnisse innerhalb des Teils wieder und gibt dem Leser eine bestimmte Richtung an, verrät dabei jedoch nicht, was geschehen wird. Der sechste Teil „Teil 6 Der Mann mit der grünen Karte“[11] impliziert beispielweise, dass ein Mann mit einer grünen Karte eine wesentliche Rolle innerhalb dieser Seiten spielen wird, ohne zu verraten, welche Rolle das sein wird. Der vom Titel interessanteste Teil des Romans ist der 5., der „22. November 1963[12] heißt und den einen wichtigen Tag beinhaltet, um den sich das Buch und das Handeln des Protagonisten dreht. Die sechs Teile sind in insgesamt 31 durchweg nummerierte Kapitel unterteilt, die auch als solches genannt werden. Jedes dieser Kapitel ist ebenfalls durch durchnummerierte Abschnitte getrennt, um gedankliche Abschlüsse zu signalisieren. In diesen Abtrennungen verwendet King innerhalb des geschlossenen Textes Anomalien, die die Bildlichkeit beim Lesen unterstützen sollen: Wenn der Protagonist ein Schild liest, wird es auffällig innerhalb des Romans mit Großbuchstaben und dicker Schrift hervorgehoben, wie im folgenden Beispiel:

„AB HIER KEIN ZUTRITT, BIS KANALROHR REPARIERT IST.“[13]

Das hebt wichtige Schilder, aber ebenso auch Artikel und Titel hervor, die für den Protagonisten und ebenso für das Verständnis des Lesers von Bedeutung sind und demnach hervor gehoben werden müssen, damit sie durch die Augen des Protagonisten auf den Leser projiziert werden. Ebenso werden Notizen des Protagonisten dargelegt, um die Identität und die Verbindung zu ihm weiter aufzubauen:

Als ich mich wieder hinsetzte, war mein Verstand klarer, und diesmal konnte ich ein paar Worte zu Papier bringen:

OPTIONEN

1. Zur Polizei gehen
2. Anonymer Anruf bei dem Fleischer
3. Dem Fleischer eine Straftat anhängen
4. Den Fleischer irgendwie außer Gefecht setzen[14]

Neben den Dialogen, die der Protagonist mit den Menschen führt, stehen vor allem dessen Eindrücke über seine Erfahrung sowie seine Gedanken und Sorgen im Vordergrund.

Stephen Kings Werk schließt mit drei Kapiteln bzw. Abschnitten ab, die von der Nummerierung und Namensgebung aus dem Muster fallen. Diese drei letzten Abschnitte heißen Abschließende Notizen, Bürgerin des Jahrhunderts und Nachwort. In dem Kapitel Abschließende Notizen werden dem Leser unkommentiert die Tagebucheinträge Jake Eppings präsentiert, in denen er von seinen Eindrücken des Jahres 1958 schreibt, kurz nachdem er seinen Fehler wieder gut gemacht und all seine Aktionen zurück gesetzt hat. Er bleibt jedoch trotz aller Warnungen in der Vergangenheit, hadert mit sich selbst, ob er dort bleiben und Sadie wiederfinden soll, oder ob er die Existenz allen Lebens sichern und demnach zurück in seine eigene Zeit gehen sollte. Er entscheidet sich zum Schluss der Notizen, ins Jahr 2011 zurückzukehren und seine Sadie nicht zu suchen. Dieser Abschnitt bietet dem Leser einen Einblick in seine Gedanken und Emotionen. Er schreibt alles, was ihn in diesen Moment beschäftigt nieder. Ein Tagebuch als Wiedergabe von Informationen zu verwenden ist eine Einführung einer anderen Perspektive auf den Protagonisten. Nachdem der Leser bis zu diesem Punkt stets die Ich-Perspektive liest und demnach in den Gedanken Jake Eppings ist, bietet das Tagebuch eine objektive Sicht auf die Dinge, da sie nur eine Verschriftlichung der Gedanken Jakes sind und nicht alle Informationen und Gefühle inne haben. Das Tagebuch soll den Leser dazu bringen, Abstand zum Protagonisten aufzubauen, da dieser zum Zeitpunkt des Lesens dieser Seiten, die Jake in der Vergangenheit zurückgelassen hat, bereits wieder zurück im Jahr 2011 und damit für den Leser unerreichbar ist.

[...]


[1] Marcel Feige (1999): Lexikon über King, S. 7.

[2] Den Titel des „King of Horrors“ hat sich Stephen King in den letzten Jahrzehnten durch die Veröffentlichung seiner zahlreichen Bücher, die fast ausschließlich dem Genre des Horror unterworfen sind, verdient.

[3] Vgl.: James Robert Parish (2005): Stephen King. Author, S. 1-20.

[4] Brockhaus (2010), Band 19, S. 6881.

[5] Ebenda.

[6] Brockhaus (2010), Band 6, S. 2107.

[7] Robert B. Schmunk (2012): Uchronia, www.uchronia.net. (Letzter Zugriff: 9. Oktober 2012).

[8] Stephen King (2012): Der Anschlag, S. 9.

[9] Vgl. Ebenda, S. 9- 14.

[10] Ebenda, S.15.

[11] Ebenda, S. 892.

[12] Ebenda, S. 686.

[13] Ebenda, S. 43.

[14] Ebenda, S. 192f.

Details

Seiten
34
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656584926
ISBN (Buch)
9783656584902
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268322
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
Schlagworte
Stephen King Der Anschlag Buch Intervinieren

Autor

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