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Entwicklung der Ausstellungsarchitektur von Weltausstellungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 25 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ursprung der Weltausstellung

2. Ausstellungstypen und -organisation

3. Architektur der Weltausstellungen
3.1 Wahrzeichen und Symbolik
3.2 Kristallpalast

4. Ausstellungspavillons
4.1 Pavillon de lʻEsprit Nouveau (1925), Le Corbusier
4.2 Deutscher Pavillon (1929), Ludwig Mies van der Rohe
4.3 US-Pavillon (1967), Sir Richard Buckminster Fuller
4.4 Niederländischer Pavillon (2000), MVRDV

Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

„ Die Kultur aller V ö lker und aller Zeiten f ü r die Dauer von 6 Monaten in einer Stadt zur ,Ausstellung ʻ zu bringen, ist ein Unternehmen wie der Turm von Babel, der bis zum Himmel reichen sollte: gigantisch und unausf ü hrbar,

aber von berauschender Gro ß artigkeit f ü r den Besucher. “ 1

Weltausstellungen nehmen von Beginn an verschiedene Rollen ein.

Sie waren, wirtschaftlich betrachtet, entscheidende Foren für Welthandel und die Präsentation neuer Rohstoffe und Industriezweige.

Kulturhistorisch gesehen bot sich hier die Möglichkeit etwas über die exotischen und weit entfernten Völker und Kulturen zu lernen.

Man kann die Weltausstellungen heute als Vorläufer internationaler Industriemessen einerseits, aber andererseits auch als Vorbild moderner Museen begreifen. Deshalb besitzen sie innerhalb der Geschichte des Ausstellens eine Ausnahmeposition und sind so entscheidend für unser interdisziplinäres Semesterthema.

Wodurch aber zeichneten sich die Weltausstellungen als Bühne für wegweisende Architektur und Design aus? Worin fanden architektonische Ideen ihren Ausdruck? Diese Merkmale sollen beispielhaft erläutert und aufgezeigt werden. Zu den wichtigsten Literaturtiteln, die sich mit dem Phänomen der Weltausstellungen und ihrer Architektur beschäftigen, zählt, „Architektur der Weltausstellungen“ von Wolfgang Friebe, dass dieser Hausarbeit maßgeblich zu Grunde liegt. Friebe beleuchtet, in seinem 1983 erschienenen Werk, allerdings nur den Zeitraum der architektonischen Entwicklungen bis 1970. Deshalb habe ich zur Übersicht, zum Vergleich, aus wachsendem persönlichen Interesse und zum Verständnis der folgenden Entwicklung weitere Literatur hinzugezogen.

Als architektonischen und bedeutsamen Ausgangspunkt der Weltausstellungen hat aber alle gelesene Literatur den Londoner Kristallpalast von 1851 gemein, der somit auch hier eine ausführliche Beschreibung erfahren soll.

Aufgrund des begrenzten Umfangs der Hausarbeit soll ein selbstgewählter Schwerpunkt zudem in der prägnanten Darstellung der Ausstellungspavillons liegen.

1. Ursprung der Weltausstellung

1851 gab es erstmals eine Weltausstellung in London.

Ihr Ursprung reicht aber bis ans Ende des 18. Jahrhunderts zurück.

Seit 1798 wurden in Paris nationale Gewerbeschauen veranstaltet, der unzählige nationale und auch internationale Ausstellungen dieser Art folgten.2 Um die Entstehung der Institution Weltausstellung zu begreifen, muss man allerdings die gesamten revolutionären Entwicklungen des 18. Jahrhunderts berücksichtigen, die die Grundlage einer globalisierten Weltanschauung erst möglich machten. Das neue Zeitalter, mit der die geschichtliche Periode der Aufklärung einherging, fand seine Ausdrucksformen nicht nur bei Denkern und Wissenschaftlern wie Newton, Rousseau, Voltaire oder Kant, sondern beispielsweise auch in der Architektur von Etienne-Louis Boulée.

Für Planer und Architekten weltweit eröffneten sich neue Möglichkeiten mit der Standardisierung von gestalterischen Elementen.3

Besonders die ökonomischen Veränderungen im Zuge der Industrialisierung und der Wunsch der Länder nach einem Austausch ihrer Produkte, dem Vergleich von wirtschaftlichen sowie technischen Leistungen und die Suche nach neuen Absatzmärkten, begünstigten den Beginn von Weltausstellungen.4

2. Ausstellungstypen und -organisation

Es gibt verschiedene Formen, die bei Weltausstellungen unterschieden werden müssen.

Sie können international, national, multilateral und ehemals auch kolonial ausgerichtet sein. Zudem gab es Weltausstellungen, die unter einem bestimmten Schwerpunkt oder einem Thema (z.B. Elektrizität) durchgeführt wurden.5 Die Organisation und Umsetzung hatte bei Staatsoberhäuptern, Regierungen und einflussreichen Privatpersonen gelegen. Seit 1931 aber bestimmt das sog. Bureau International des Expositions (BIE) als nationenübergreifendes Forum die Anforderungen, den Standort, Termin und vor allem die Frequenz der Weltausstellungen.6

In den teilnehmenden Ländern wurde zudem ein Nationalkomitee eingesetzt.

Das BIE führte eine Klassifikation ein, die die oben beschriebenen Formen der Ausstellungen in zwei Kategorien einteilte. Zum einem die „universale Weltausstellung“ (1. Kategorie) und zum Anderen die „Welt-Fachausstellungen“ (2. Kategorie).7

1972 wurde diese Einteilung noch einmal vereinfacht zu „Expostions Générales“ und „Expositions Spécialisées“ zusammengefasst.8

3. Architektur der Weltausstellungen

Weltausstellungen haben in den vergangen 160 Jahren durch ihren Charakter und ihr Ausmaß einen wichtigen Bestandteil in der Wahrnehmung von Architektur eingenommen.9

Die erst durch die Weltausstellung entstandenen Bauwerke wurden „aus ihrer Erdgebundenheit befreit“10, neue Konstruktionsmethoden erforscht und erprobt, die sich später im Baugewerbe etablierten.

Insbesondere durch die Verwendung von flexiblen und mobilen Elementen veränderten die neuen Formen der Weltausstellungsgebäude die Architektur.11 Gleichzeitig erfolgte eine Demonstration von Konstruktionsweisen und die damit verbundene Vorwegnahme wegweisender Neuerungen.12

Die Ausstellungsarchitektur, nimmt innerhalb der Architektur- und Baugeschichte auch deshalb eine wesentliche Rolle ein, da sie weit weniger funktional als alle übrige Architektur, sondern viel mehr repräsentativ gestaltet war.13 Aufgrund von Prestigegewinn und zumeist temporären Nutzen, zeigten sich später vor allem die sog. (Nationen-)Pavillons (s. unter 4.) als innovativ und spektakulär.14 Für Friebe ist die Architektur der Weltausstellungen deshalb auch als Experimentierfeld gekennzeichnet, dass sich auch namhaften Architekten bei alltäglichen Bauaufgaben so nicht darbot.15

Die entstandenen Bauwerke sind zugleich immer eng mit dem für die Ära typischen Baumaterial verknüpft und auch deshalb als charakteristisch für die jeweilige Zeit anzusehen. So dominiert auch in der Weltausstellungsarchitektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Eisen.16 Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurden die Formen von der Wahl neuen Baustoffe wie Stahlbeton, Stahl und Glas bestimmt.

3.1 Wahrzeichen und Symbolik

Die ausstellenden Städte wollten vor allem mit den architektonischen Zeugnissen ein einzigartiges Bild vermitteln. Die Bauten, wenn auch zumeist nach Beendigung der Weltausstellung wieder abgerissen, bestimmten maßgeblich die Ausstellungen und prägten das Bild nachhaltig. Fungierten noch in den ersten Jahrzehnten der Weltausstellungen die Ausstellungshallen als Wahrzeichen, wurden diese mit der Zeit durch spezielle Bauwerke ersetzt, die allein diese Funktion erfüllten.

Alle großen Symbole des 19.Jahrhunderts wurden für Weltausstellungen errichtet oder auf ihnen zuerst vorgestellt17: so z.B. der Eiffelturm oder die Freiheitsstatue, die in den jeweils fertig gestellten Teilen (Arm mit Fackel und Kopf) präsentiert wurde. Auch spätere Symbole wie beispielsweise das Atomium 1958 in Brüssel sind immer im Kontext des jeweiligen Zeitalters (Atomzeitalter) und als Spiegel politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und dementsprechend architektonischer Entwicklungen zu verstehen.

Manche Bauwerke sind nach wie vor Wahrzeichen der Stadt, neben den bereits erwähnten Gebäuden, z.B. auch die „Space Needle“ (Seattle).

Bis heute werden aus diesem Grund betont zeichenhafte Architekturen errichtet.

Erst seit den letzten Ausstellungen des 20. Jahrhunderts wird auf ein singuläres Bauwerk als Wahrzeichen weitestgehend verzichtet.18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1. Atomium (Detail), Br ü ssel, 1958 Abb 2. Space Needle, Seattle, 1962

Abb. 3 Bau des Eiffelturms, 1887 Abb. 4 Arm der Freiheitsstatue, Philadelphia, 1876

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Kristallpalast

„Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations“

Das Bauwerk an dem sich, die unter 3. bereits beschriebenen Entwicklungen, bezüglich Wirtschaft, politischer Ambitionen und technischen Neuerungen deutlich abzeichnete, war der „Crystal Palace“ (Kristallpalast), der für die erste Weltausstellung im Londoner Hyde Park 1851 errichtet wurde.

Bei dem ein Jahr zuvor ausgeschriebenen internationalen Architektenwettbewerb kamen von den 245 Einreichungen nur zwei Entwürfe für die gestellte Bauaufgabe in Frage, die aber letztlich nicht fristgerecht hätten fertig gestellt werden können.19 So kam man zurück auf Sir Joseph Paxton (1803-1865), der als Ingenieur und Landschaftsarchitekt mit seinen Arbeiten vor allem an die britische Tradition der Gestaltung des Landschaftsgartens anknüpfte.20

Paxton besaß daher auch das nötige praktische und theoretische Wissen, um die Anforderungen, insbesondere die Einbeziehung des Hyde Parks, zu erfüllen. Er hatte sich zudem bereits selbst die Rolle des Spitzenkandidaten zugewiesen, indem er die zunehmend an Bedeutung gewinnende Massenkommunikation nutzte und seinen Entwurf in der Illustrated London News publizieren ließ.21 Seine Idee sah einen Bau aus vorgefertigten Elementen, Glas, Holz und Eisen, vor, der von einem monumentalen Tonnengewölbe überspannt werden sollte.22 Aus leicht montierbaren vorgefertigten Teilen aus Glas und Gusseisen hatte er bereits Gewächshäuser errichtet. Diese Modulbauweise wurde zur Grundlage seines vorgelegtem Konzepts, eines gewächshausartigen Ausstellungsgebäudes, das in seinen Ausmaßen sämtliche Exponate unterbrachte, darunter neueste geo- technische Geräte und lebensgroße Nachbildungen ausgestorbener Tiere, wie etwa Dinosaurier, als auch ein Teil des Hyde Parks überdachte- einschließlich einiger ausgewachsener Ulmen.23

[...]


1 Martin Wörner: Die Welt an einem Ort, Illustrierte Geschichte der Weltausstellungen, Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2000, S.9. (zit. n. G. Malkowsky (Red.): Die Pariser Weltausstellung in Wort und Bild. Berlin 1900, S. 65.)

2 Vgl. Wörner: Die Welt an einem Ort, S. 10

3 Vgl. Udo Kultermann: „ Vorgriff auf die Zukunft: Ursprung und Geschichte der Weltausstellungen“, in: Andrew Garn/Paola Antonelli/Udo Kultermann/Stephen Van Dyk: Weltausstellungen 1933-2005, Architektur Design Grafik, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2008, S.9ff.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Erik Mattie: Weltausstellungen, Stuttgart, Zürich: Belser Verlag 1998, S. 8 ff.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. Wörner: Die Welt an einem Ort, S. 14.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. Mattie: Weltausstellungen, S.7.

10 Vgl. Kultermann : Weltausstellungen 1933-2005, S. 10

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl.Wolfgang Friebe: Architektur der Weltausstellungen, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 1983, S.9

14 Vgl. Mattie: Weltausstellungen, S.7.

15 Vgl. Friebe: Architektur der Weltausstellungen, S. 12.

16 Vgl. ebd., S. 11.

17 Vgl. Wörner: Die Welt an einem Ort, S.34.

18 Vgl. ebd.

19 Vgl. Garn: Weltausstellungen 1933-2005, S. 10.

20 Vgl. Frank den Oudsten: o.T., in: Plot-Inszenierungen im Raum, Creative Spaces, Nr. 6, 2010, S.17.

21 Vgl. Mattie: Weltausstellungen, S.12.

22 Vgl. Kultermann: Weltausstellungen 1933-2005, S. 12.

23 Vgl. den Oudsten: o.T., S.17.

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656594994
ISBN (Buch)
9783656594987
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268418
Institution / Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH – Design und Medien: Raumkonzept und Design
Note
1,2
Schlagworte
entwicklung ausstellungsarchitektur weltausstellungen

Autor

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