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Der Einfluss von Joseph Goebbels auf die Deutsche Filmindustrie

Sein Einfluss und seine Absichten

Hausarbeit 2013 27 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Goebbels Hintergrund bis
2.1. Kindheit und Jugend
2.2.Studium und die Suche nach Orientierung
2.3.Eintritt in die Politik
2.4.Gauleiter von Berlin und Aufstieg zum Propagandaminister

3. Seine Ziele und Absichten in der Filmindustrie
3.1.Propaganda subtil verschleiern
3.2.Führerprinzip verherrlichen und Weimarer Republik diskreditieren
3.2.Antisemitismus stärken
3.3.Das Militär und den Krieg glorifizieren
3.4.Durchhaltewillen stärken und erhalten

4. Kontrollmechanismen seines Propagandaministeriums
4.1.Die Reichskulturkammer
4.2.Einschüchterung und Terror
4.3.Kontrolle der Ufa und späteren Ufi
4.4.Das Lichtspielgesetz

5. Die Grenzen seiner Kontrolle
5.1.Einfluss der Nazi Elite
5.2.Das System selbst
5.3.Die willkürliche Zensur

6. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1.Einleitung

Das Wesen jeder Propaganda besteht darin, Menschen für eine Idee zu gewinnen, so innerlich, so lebendig, dass sie am Ende ihr verfallen sind und nicht mehr davon loskommen.

Joseph Goebbels

Mit diesem Satz fasste Goebbels seine Absichten bezüglich der Propaganda und der Filmpropaganda selbst zusammen. Dieser Abschnitt der Hausarbeit wird sich u. a. mit seinen genaueren Zielen und Absichten beschäftigen.

Wie kaum eine andere Person hat Propagandaminister Joseph Goebbels unsere und die zeitgenössische Wahrnehmung des Dritten Reiches unter Adolf Hitler geprägt. Er nutzte die Macht der Medien ein um die NSDAP an die Macht zu bringen, ordnete praktisch das gesamte Kulturleben in Deutschland ihm und seinem Ministerium unter, involvierte sich massiv in die Produktion von Filmen und trat 1943 bis 1945 als öffentlichkeitswirksamster Verfechter Nazideutschlands in Erscheinung (Heimatfrontdiktator), während Hitler und seine Paladine Hermann Göring und Heinrich Himmler immer seltener in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Bis in die letzten Tage des Dritten Reiches 1945 stand er treu an Hitlers Seite im Führerbunker. Während fast alle anderen Führungspersonen aus Berlin flohen, nahm sich Goebbels nach Hitlers Selbstmord mitsamt Frau Magda und Kinder ebenfalls das Leben. Kein anderer der Nazielite hat sich der NS-Ideologie und der Person Hitler so verschrieben und sie bis zum Ende konsequent geglaubt und gelebt.

Aber vor allem sein starkes Engagement in der Filmindustrie 1933 bis 1945 ist uns bis heute geblieben, sind uns viele der Filme bis heute noch bekannt, z. B. der antisemitische Hetzfilm Jud Süß (1940) oder der Durchhaltefilm Kolberg (1945) . Durch sein massiv expandiertes Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, welches sich im Laufe der Zeit zu einem Kulturministerium entwickelte, kontrollierte Goebbels praktisch die gesamte deutsche Medien- und Kulturwelt, von der Tageszeitung über das Radio bis zu riesigen Filmproduktionen. Unliebsame Schauspieler oder andere Beteiligte konnte er problemlos entfernen und beseitigen lassen. Goebbels baute sich ein eigenes Hollywood in Berlin auf, über welches er fast uneingeschränkte Kontrolle ausüben konnte.

Diese Hausarbeit wird sich u. a. mit dem persönlichen Hintergrund von Joseph Goebbels beschäftigen, seinen Absichten als Schirmherr der deutschen Filmindustrie, wie und mit welchen Absichten er seine Macht ausübte und wo seine Grenzen lagen.

2.Goebbels Hintergrund bis 1933

Um seine Ziele und Absichten zu verstehen, müssen wir zuerst einen Blick auf seine persönliche Hintergrundgeschichte werfen, denn erst so kann man den Mann selbst und seine Motivation verstehen.

2.1.Kindheit und Jugend

Joseph Goebbels wurde am 29. Oktober 1897[1] in Rheydt in der Nähe von Düsseldorf in eine kleinbürgerliche, katholische Familie („gut katholisch“[2] ) geboren. Seine Eltern entstammten einfachen Verhältnissen, sein Vater hatte sich zum Prokuristen in einer Dochtfabrik hochgearbeitet und seine Mutter Hausfrau.

Zu seinen Eltern hatte er ein gutes Verhältnis. Seinen Vater empfand er als streng aber gerecht[3], bezeichnete ihn allerdings oft als „alten Knicker“ und verstand nicht, warum seine Mutter ihn geheiratet hatte. Seine Mutter betete er förmlich an, erfuhr er von ihr doch am meisten Zuwendung und Unterstützung. Ihr konnte er seine Sorgen anvertrauen und wusste, dass sie für ihn immer ein offenes Ohr hatte. Sie lobte ständig seine Intelligenz, was schon in jungen Jahren zu Eitelkeit, Arroganz und einem übersteigerten Wichtigkeitsgefühl führte[4]. Gegenüber seinen Geschwistern förderten seine Eltern ihn sehr, z. B. durch den Kauf eines, für ihre Verhältnisse, teuren Klaviers.

Ein einschneidendes Erlebnis seiner Kindheit war die Entwicklung seines Klumpfußes[5] aufgrund einer Knochenmarkentzündung im Alter von vier Jahren. Seine Eltern taten alles, um ihrem talentiertesten und intelligentesten  Sohn zu helfen, aber das Problem konnte nicht behoben werden. Diese Behinderung, sein schmächtige und kränkliche Natur hatten starke Auswirkungen auf seine Kindheit und machten ihn zu einem Außenseiter und Einzelgänger. Zumindest nach seinen Tagebüchern, welche er allerdings erst 1923 anfing. In diesen stilisierte Goebbels sich zu einem einsamen Wolf, einem Einzelkämpfer und Außenseiter. Tatsächlich aber war dies aber nicht so, er pflegte weiterhin Freundschaften[6] in der Schule, wurde nicht ausgegrenzt und pflegte einige dieser Freundschaften auch nach der Schulzeit. Auch eine Freundin hatte er. Das selbst konstruierte Bild des missverstandenen Eigenbrötlers ist eine spätere Selbstrechtfertigung.

Trotzdem hatte seine Behinderung die Auswirkung, dass er sich selbst als körperlich minderwertig ansah und dieses Defizit durch intellektuelle Leistungen überstrahlen musste[7]. In der Schule glänzte er durch ausgezeichnete Leistungen in allen Fächern und schloss das Abitur 1917 mit hervorragenden Noten ab. Trotz seiner Behinderung meldete er sich zum Fronteinsatz[8] im Ersten Weltkrieg, wurde aber, wenig verwunderlich, abgewiesen. Diese Enttäuschung und die allmähliche Ernüchterung führten dazu, dass der Krieg für Goebbels immer mehr in den Hintergrund rückte, denn in seinen Tagebüchern findet man zu diesem nur noch wenige Einträge, trotz einem Bruder und vieler Freunde an der Front.

2.2.Studium und die Suche nach Orientierung

Nach dem Abitur Anfang April 1917[9] begann Goebbels ein Germanistik- und Geschichtsstudium, welches er an verschiedenen Universitäten verfolgte, u. a. in Bonn, Freiburg, München, Würzburg und Heidelberg und mit relativ wenig Interesse verfolgte. Er schrieb sich für viele Kurse ein, legte sich aber erst im vierten Semester fest[10] und vertrieb sich die Zeit mit Theaterbesuchen, Freunden und Vereinsangelegenheiten. In Freiburg lernte er Anfang 1918 die Jurastudentin Anka Stalherm[11] kennen, welche aus wohlhabenden Verhältnissen stammte. Mit ihr führte er eine oft wechselhafte Beziehung, welche, bedingt durch seine Stimmungsschwankungen, durch viele Aufs und Abs ging und schließlich 1920 beendet wurde. Neben der Unsicherheit bei der Wahl des Studiums kam noch hinzu, dass Goebbels mit seinem eigenen Glauben[12] rang, welcher ihm keinen rechten Halt mehr bot. Zusätzlich kam die Suche nach einer politischen Heimat hinzu. Erkennbar ist, dass Goebbels zu dieser Zeit orientierungslos durchs Leben irrte und nach Halt und einer Bezugsperson suchte. Dazu kamen die deutsche Niederlage und der Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918, was beim von Haus aus nationalistisch-konservativ gestimmtem Goebbels weitere Unsicherheitsgefühle auslöste. Allerdings sah er den Wandel auch als Chance an auf etwas neues und besseres[13]. Allmählich begann er sich nach einer Führungsperson umzusehen, jemand der ihn und seine empfundene Großartigkeit bestätigen würde.

Trotz der fragilen politischen Lage im Reich sah Goebbels keine Gründe sich in die Politik einzumischen, da er nach wie vor auf eine Karriere als Schriftsteller hoffte und nach wie vor seinen Doktortitel anstrebte, welcher die […] körperlichen und sozialen Defizite vergessen machen und seinen gesellschaftlichen Aufstieg vorbereiten […][14] sollte. 1919 stimmte er zwar für die konservative Bayrische Volkspartei, fremdelte zu dieser Zeit aber auch mit sozialistischen Konzepten, u. a. mit den Werken von Karl Marx. Für ihn stand vor allem soziale Gerechtigkeit im Vordergrund und die Vorstellung, dass Reichtum auch verpflichten würde[15], was allerdings mit Anka und ihren missbilligenden Eltern für Probleme sorgte. Die besitzende Klasse setzte er zu dieser Zeit mit den Juden gleich[16], erste Anflüge eines hassvollen Antisemitismus.

April 1921 hielt er den lang ersehnten Doktortitel in der Hand, allerdings mit nur einem durchschnittlichen Ergebnis. Im selben Jahr lernte er auch die Lehrerin Else Janke kennen[17], welche für ihn während seiner orientierungslosen Zeit die Mutterrolle einnahm. Zudem unterstützt sie ihn bei seinen Vorhaben und glaubte an seine Träume. Allerdings blieb der erhoffte berufliche Erfolg als Journalist oder Autor aus, was ihn dazu nötigte 1923 eine Stelle in einer Bank in Köln anzunehmen, welche ihm Else vermittelt hatte. Für ihn war die Zeit in der Bank eine Qual: Er hasste die monotone Arbeit, die Stadt, das schlechte Gehalt und die Spekulanten, welche an der Wirtschaftskrise verdienten. Seine Zeit in Köln führten vor allem zu einem stärkeren Glauben an den Sozialismus und verschärfte seinen Antisemitismus, da die meisten Privatbanken von Juden geleitet wurden. Nach nur neun Monaten erhielt er seine Kündigung, gerade als die wirtschaftliche und politische Krise in der noch jungen Weimarer Republik wütete.

2.3.Eintritt in die Politik

Bereits 1923 war er auf Hitler und seinen gescheiterten Putschversuch in München aufmerksam geworden, konnte diesem aber nichts Besonderes abgewinnen. Erst im Februar 1924 wurde er bei Hitlers Prozess erstmals auf dessen rednerisches Können und Ausstrahlung aufmerksam[18] und war beeindruckt. Im August 1924 nahm er an einem Parteitag verschiedener rechter Gruppen im Weimar teil und begann sich für diese mehr zu interessieren und zu begeistern. Zum einen, weil dort Personen mit Strahlkraft auftraten, z. B. General Ludendorff oder Georg Straßer von der NSDAP. Vor allem aber überzeugte ihn der Geist der Gemeinschaft und Ritus, weniger die Programmatik der Rechten. Ende August begann Goebbels sich stärker in die Politik einzumischen und übte auch erstmals seine rednerischen Fähigkeiten, was ihn zu einer lokalen Bekanntheit machte.

[…] Mein Ruf als Redner und politisch-kultureller Schriftsteller geht durch die Reihen der Anhänger des national-sozialistischen Gedankens im ganzen Rheinland. Auch eine Befriedigung! Heute abend muß ich in Neuß reden. Ich bereite mich nie vor. Aus dem Stegreif zu sprechen ist nicht halb so schwer wie, wie ich gedacht hatte. […][19]

Als Hitler 1925 aus der Haft entlassen wurde, strukturierte er die NSDAP um und setzte auf den Kurs der Legalität, nicht auf Revolution[20], was Jahre zuvor in München gescheitert war. Im Januar trat Goebbels offiziell der NSDAP bei, welche in der Region von Georg Straßer geleitet wurde, welcher wie Goebbels einen sozialistischeren Kurs fuhr. Dass Hitler diesem Kurs ablehnend gegenüberstand, ließ ihn an der Person Hitler als Leitbild zweifeln, was sich bei einem persönlichen Treffen im Herbst schnell verflog[21]. Goebbels war von Hitler als Redner und seiner Ausstrahlung begeistert und Hitler erkannte in Goebbels einen talentierten Untergebenen, welchen er auf seiner Seite haben, wollte[22]. Außerdem erkannte Hitler auch den Karrierewillen und die Eitelkeit, welche er geschickt zu nutzen wusste. Trotzdem kämpfte Goebbels in Elberfeld bzw. dem heutigen Wuppertal weiterhin für einen sozialistischen Kurs und wandte sich bewusst von München ab[23], allerdings nur in seinen Tagebüchern. Seine noch starke Bindung an Straßer und seinen linken, sozialistischeren Kurs irritierte Hitler allerdings, weshalb er Goebbels durch die Ernennung zum (provisorischen) neuen Berliner Gauleiter im Oktober 1926 aus dem Milieu löste. Mit dem Wechsel nach Berlin beendete er auch seine langjährige Beziehung zu Else Janke[24].

[...]


[1] Vgl. Longerich, Peter: Joseph Goebbels Biographie. München 2010. Seite 22.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Von Bilavsky, Jörg: Joseph Goebbels. Hamburg 2009. Seite 12

[4] Vgl. Longerich, Peter: Joseph Goebbels Biographie. Seite 26.

[5] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Seite 35.

[6] Vgl. Longerich, Peter: Joseph Goebbels Biographie. Seite 27.

[7] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Seite 268.

[8] Vgl. Von Bilavsky, Jörg: Joseph Goebbels. Seite 37.

[9] Vgl. Longerich, Peter: Joseph Goebbels Biographie. Seite 27.

[10] Vgl. Ebd. Seite 31.

[11] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Seite 44f.

[12] Vgl. Ebd. Seite 27.

[13] Vgl. Von Bilavsky, Jörg: Joseph Goebbels. Seite 20.

[14] Vgl. Ebd. Seite 23.

[15] Vgl. Von Bilavsky, Jörg: Joseph Goebbels. Seite 22f.

[16] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Eine psychohistorische Biografie. Wien 2009. Seite 67.

[17] Vgl. Ebd. Seite 51.

[18] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Seite 75.

[19] Vgl. Von Bilavsky, Jörg: Joseph Goebbels. Seite 31.

[20] Vgl. Ebd. Seite 32f.

[21] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Seite 82.

[22] Vgl. Von Bilavsky, Jörg: Joseph Goebbels. Seite 34f.

[23] Vgl. Ebd. Seite 35.

[24] Vgl. Gathmann, Peter; Paul, Martina: Narziss Goebbels. Seite 80.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656594307
ISBN (Buch)
9783656594284
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268440
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
einfluss joseph goebbels deutsche filmindustrie sein absichten

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