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Sakralbauten in der konstantinischen Epoche

Essay 2014 10 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

1. Kirchenrestitution als unmittelbarer Dank für Schlachtsieg

Bereits im Jahr 306 liess Konstantin, der sich schon damals um Toleranz gegenüber den Christen bemühte, ihnen in seinem Machtbereich ihre Kultgebäude zurückgeben. 312 gelang es Konstan­tin nach erstmaliger öffentlicher Anrufung des christlichen Gottes vor einer Schlacht und in dessen Zeichen, den usurpatorisch regierenden Kaiser Maxentius (306-312) bei der Milvischen Brücke vor der Stadt Rom militärisch zu besiegen, und so zusammen mit dem Mitstreiter Licinius die Macht über das ganze römische Reich zu erringen. Als Dank für ihren Sieg sorgten sich die neuen Kaiser Konstantin und Licinius zunächst um die Rückgabe und Wiederherstellung der in Verfolgungszeiten zerstörten christ­lichen Kultbauten: Gemäss der alsbald nach dem Sieg ge­schlos­senen Mailänder Vereinbarung (Toleranzedikt) zwischen Konstantin und Licinius aus dem Jahr 313 waren früher enteignete Kirchenbauten zu restituieren, wo immer dies noch möglich war. Wo es zu einer Beschädigung oder Zerstörung einer Kirchenanlage gekommen war, sollte den christlichen Gemeinden zudem eine Entschädigung für die Wiederherstellung ausbezahlt werden. Diese Vereinbarung wird Kon­stantin gleich wie Licinius vollzogen haben, der bei­spielsweise den Statthalter Bithyniens brief­lich anwies, den Christen die gottesdienstlichen Stät­ten in früherem Zustand zurückzugeben (Lac­tantius, De mortibus persecutorum, 48.12-13). Da nach alter römischer Auffassung aufgrund des Schlachtsiegs neu auch der Christengott das Heil des Staats garantierte und das Christentum nun eine der staatlich anerkannten Religionen mit entsprechendem Ansehen und Zulauf war, wollte Konstantin – wohl mit Licinius' Zustim­mung – aber darüber hinaus für repräsentative Kirchenanlagen sorgen.

2. Kaiserlicher Kirchenbau in Rom

So stiftete Konstantin gleich­sam ex voto Ende 312 oder Anfang 313 anlässlich seines ersten Rombesuchs als weiteren Dank für die gewonnene Schlacht die basilica Lateranensis als monu­mentale fünfschiffige, dem Erlö­ser geweihte Bischofskirche mitten in der Stadt Rom. Der Neu­bau sollte die bisherigen Haus- bzw. Titelkirchen in den 14 Stadtregionen und die Memorial­kapellen bei den Märtyrergräbern aus­serhalb der Stadt in Grösse und Pracht deutlich überbieten. Als Bauplatz stellte der Kaiser das Grundstück der Laterani zur Verfügung, auf welchem sich die Reste der anlässlich der Schlacht mit Maxentius geschleiften Kaserne der früheren kaiser­lichen Elitetruppe equites singulares befanden. Mit schliesslich rund 5'000 Quadratmetern überbauter Fläche wollte der Kaiser aber wohl nicht nur ein repräsentatives Denkmal an den Schlacht­sieg setzen, sondern auch der nun nach der Erhebung des Christentums zu einer Staats­religion einsetzenden Vergrösserung der Christengemeinde Rechnung tragen. An die Basilika (griech. στοὰ βασιλική; „Königshalle“) liess Konstantin um 315 ergänzend als ebenso prächtige Tauflokalität ein Baptisterium anbauen. Nach ihrer Vollendung stattete der Kaiser beide Kirchen­anlagen mit prunkvollen Geschenken aus – die Basilika z.B. erhielt für die sieben kirchlichen Regionen der Stadt Rom sieben silberne Altäre – und legte für sie jährliche kaiserliche Unter­haltszahlungen fest: 4'390 solidi / Jahr für die Basilika und 10'234 solidi / Jahr für das Baptis­terium. Wohl nur wenige Jahre später (um 320), vielleicht aber auch schon früher, liess Kon­stantin zudem an der Via Labicana, auf dem ehemaligen Fried­hofs­gelände der equites singulares , über der Katakombe der in der diokletianischen Verfolgung hingerichteten Märtyrer Marcellinus und Petrus eine sogenannte Umgangsbasilika, die basilica ad duas lauros , errichten. An diese baute Konstantin ein zunächst für sich selbst gedachtes gros­ses imperiales Mausoleum an, worin schliesslich die Kaisermutter Helena (sie verstarb um 330) ihre letzte Ruhe finden soll­te. Um die von seiner Mutter aus Jerusalem nach Rom gebrachten mut­­masslichen Reste des Kreu­zes Jesu verehren zu können, in dessen Zeichen die Schlacht ge­won­­nen worden war, wurde von Konstan­tin ferner – offenbar vor 316 – auf Geheiss Helenas im Ses­sorium, dem ehemaligen Palast des früheren Kaisers Elagabal, in Form eines einschiffigen Apsidensaals die Kirche Sancta Crux in Ierusalemme errichtet. Zur Krönung der Märtyrer­ver­ehrung in Rom und zugleich wohl als Rache an Kaiser Nero gedacht, errichtete Konstantin – wahr­scheinlich zwischen 315 und 349 – am Ab­hang des Vatikanhügels vor den Toren der Stadt sodann ohne Scheu vor Kosten oder Mühe eine monumentale fünfschiffige Basilika über dem Grab des als Märtyrer gestorbenen Apostelfürsten Petrus, die um einen Drittel grösser als die Laterankirche werden sollte. Am Triumphbogen zwischen basilikalem Hauptschiff und dem Querschiff über der Apostelmemoria brachte der Kaiser als Ausdruck seiner Freude über die gewonnene Schlacht folgende an Christus gerichtete, ebenfalls Dank sagende Inschrift an: „Weil sich unter deiner Führung die Welt triumphierend zu den Gestirnen erhob, weihte Konstantin, der Sieger, dir diese Halle“. Das am Triumphbogen angebrachte Mosaikbild zeigte den Kaiser mit dem Kirchen­modell, welches er Christus und Petrus überreicht, versehen mit der Inschrift „ aula “. Diese Bezeichnung erinnert an kaiserliche Re­präsentationsbauten. Für den Unterhalt der Petersbasilika legte der Kaiser jährliche 3'708 solidi fest. Sodann baute Konstantin an der Via Ostiensis über dem Grab des zweiten Apostel­fürsten, der in Rom unter Nero den Märtyrertod erlitten hatte, Paulus, ebenfalls eine fünfschiffige Memorialbasilika – die Kirche Hl. Paul ausserhalb der Mauern –, doch bedeutend kleiner und bescheidener. Sie wurde vermutlich 324 geweiht. Auch über dem Grab an der Via Appia, in welches die Gebeine der Apostel Petrus und Paulus während einer Verfolgung im 3. Jahrhundert überführt worden waren, errichtete der Kaiser eine Basilika, die Apostelkirche, mit welcher wohl erneut ein grosses Mausoleum für ein Mitglied der Kaiserfamilie verbunden war. Zusätzlich liess er in Roms Hafenstadt Ostia eine dreischiffige Basilika für Petrus und Paulus bauen. Ferner errich­tete Konstantin zu­sammen mit seinen Familienangehörigen zu Ehren christ­licher Märtyrer auf kaiserlichem Grund und Boden die – offenbar bedingt durch die Erfordernisse des Märtyrer- und Totenkultes – als Umgangsbasiliken gestalteten monumentalen Coemeterial­basiliken S. Sebas­tianus an der Via Appia (bei der Apostelkirche), S. Agnes an der Via Nomen­tana und S. Lau­rentius an der Via Tiburtina sowie vielleicht auch die Basilika von Tor de Schiavi. Diese Memo­rial­kirchen befanden sich als über christlichen Friedhöfen gelegene Bauten allesamt an Ausfall­strassen der Stadt Rom und waren zumeist mit einem Mausoleum für ein Mitglied der kaiser­lichen Familie verbunden, dienten also insbesondere dem Gedächtniskult des Kaisers und seinen Angehörigen. So war z.B. an das Atrium der von der Kaisertochter Konstantina gestifteten Agnes­basilika ein grosses Rundmausoleum als spätere Grablege der Stifterin angebaut. Laut dem Liber pontificalis (erste Ausgabe um 530), der die von Konstantin für Kirchenanlagen geschenk­ten Grundstücke und gebauten Kirchen sowie das von ihm gespendete liturgische Gerät verzeich­nete, durfte zudem auch Papst Markus im Jahr 336 mit Förderung Konstantins eine Coemeterial­basilika auf kaiser­lichem Grund und Boden erstellen. Alle diese konstantinischen Kirchen­anlagen, bei denen der Kaiser in der Regel die Architektur, die verwendeten Materialien und die Innenausgestaltung mit­bestimmte, wurden vom Kaiser bzw. stiftenden Mitglied der Kaiser­familie meist reichhaltig aus­gestattet und waren wie die antiken Tempel nach Osten zur aufgehen­den Sonne aus­gerichtet.

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656596585
ISBN (Buch)
9783656596578
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268647
Institution / Hochschule
Universität Luzern – Theologische Fakultät
Note
bestanden (sehr gut)
Schlagworte
Konstantin der Grosse konstantinische Wende

Autor

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