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Freundschaft zwischen Männern und Frauen. Chance oder Illusion?

Hausarbeit 2014 6 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Freundschaft?

3. Verhältnis zwischen Männern und Frauen
3.1. Freundschaft zwischen Männern und Frauen
3.2. Attraktivität in geschlechterübergreifenden Freundschaften
3.3. Freundschaft oder Beziehung?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Wie wir es bereits aus Filmen wie „Freunde mit gewissen Vorzügen“, „Die nackte Wahrheit“und vor allem „Harry und Selly“ kennen, scheint eine rein platonische Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht zu funktionieren. Wie in den genannten Filmen enden vermeintliche Freundschaften oftmals, sowohl beabsichtigt als auch unbeabsichtigt, in sexuellen Affären oder dienen nur als Zwischenschritt in eine Beziehung.

Doch ist das wirklich so und nicht nur eine von Hollywood vertretene und verfilmte Hypothese? Können Männer und Frauen nicht ganz normal befreundet sein, ganz ohne Hintergedanken oder einem „tragischen“ Ende? Diese und weitere Fragestellungen werden wir nun im weiteren Verlauf dieses Assignments untersuchen und beantworten.

2.Was ist Freundschaft?

Um den Begriff der Freundschaft hinreichend definieren zu können, betrachten wir einige Aspekte des natürlichen Selektionsdrucks, welcher vor mehreren Tausend Jahren auf dem Homo Sapiens lastete und schon häufiger in der Vorlesung als Begründung verschiedener menschlicher Verhaltensweisen verwendet wurde.

Nach der Auffassung von Lewis, Conroy-Beam, Al-Shawaf, Raja, DeKay und M. Buss (2011) haben gleichgeschlechtlicher und geschlechtsübergreifender Freundschaft gemeinsam, dass man in beiden „Arten“ von Freundschaft sich jeweils jemanden sucht, der einem selbst besonders ähnlich ist. So wäre eine ideale Freundschaft nach Lewis et al. (2011) eine eben solche, in denen sich beide Individuen in den Punkten ergänzen, die bei dem jeweils anderen schwächer ausgeprägt sind, und somit auch eine gewisse Abhängigkeit besteht. Dieser Zusammenhalt steigerte aber zur damaligen Zeit die Wahrscheinlichkeit zu überleben enorm.

Des Weiteren beschreiben Lewis et al. (2011) die gleichgeschlechtliche Freundschaft als eine die sich auf Grund ihrer primären Aufgaben gebildet hat, bei Frauen beispielsweise die Erziehung und Behütung der Kinder, bei Männern die Unterstützung bei der Jagd.

Die Theorie von Felmlee, Sweet und Sinclair (2012) ergänz die Annahmen von Lewis et al. (2011) um die Punkte, dass eine Freundschaft unter Frauen intimer ist und eine größere emotionale Unterstützung bietet als eine Freundschaft unter Männern, wohingegen sich eine Männerfreundschaft durch das Teilen von gemeinsamen Aktivitäten auszeichnet.

3.Verhältnis zwischen Männern und Frauen

In diesem Abschnitt werden wir uns dem allgemeinen Verhältnis bzw. der allgemeinen Anziehung zwischen Männern und Frauen widmen. Hierfür werden wir vor allem auf die Voraussetzungen und Kriterien einer geschlechtsübergreifenden Freundschaft eingehen.

3.1.Freundschaft zwischen Männern und Frauen

Auch hier finden Lewis et al. (2011) wieder Gründe in der menschlichen Evolution. So haben sich auch hier Männer und Frauen in ihren Fähigkeiten ergänzt. Zusätzlich dienten diese Freundschaften dazu, potenzielle Partner kennenzulernen.

Da wir aber heutzutage für uns allein überlebensfähig sind, wären wir unter diesem Aspekt nicht mehr auf das andere Geschlecht angewiesen. Womit lassen sich dann heutige Freundschaften zwischen Männern und Frauen erklären?

Für Männer ist sexuelles Interesse an der Frau ein entscheidender Grund dafür, überhaupt erst eine „Freundschaft“ mit dieser einzugehen (Felmlee, Sweet, & Sinclair, 2012), wo wir fast wieder exakt unter demselben Aspekt stehen wie bereits oben erwähnt. Felmlee et al. (2012) sagen weiterhin aus, dass die bisherige gesellschaftliche Norm keinen sexuellen Kontakt zwi- schen Freunden gestattet, da dies die Freundschaft gefährden und zerstören könnte, allerdings ist diese Norm im Wandel und so genannte „Friends with benefits“ könnten gesellschaftsfähig werden.

Zusätzlich wird von Felmlee et al. (2012) erwähnt, dass sich Männer häufiger größere emo- tionale Unterstützung wünschen, dies aber in einer gleichgeschlechtlichen Freundschaft nicht möglich ist, ohne eine homosexuelle Neigung unterstellt zu bekommen. Unter Frauen gibt es dieses Problem nicht, weshalb dies für Männer ein zusätzlicher Grund sein kann, eine Freundschaft mit einer Frau zu suchen.

3.2.Attraktivität in geschlechterübergreifenden Freundschaften

Zur Veranschaulichung dieses Themas werden wir uns eine Studie von Bleske-Rechek, Somers, Micke, Erickson, Matteson, Stocco, Schumacher und Ritchie (2012) anschauen.

Hier wird nochmal die Aussage von Felmlee et al. (2012) unterstrichen, dass Männer ihre Freundinnen deutlich attraktiver finden und lieber mit ihnen ausgehen würden, als es umgekehrt der Fall ist, und ihre eigene Attraktivität, die sie auf die Frauen ausstrahlen, überschätzen.

Interessant ist auch, dass der Beziehungsstatus des Mannes oder seiner Freundin keinen Ein- fluss auf die Attraktivitätsbewertung und den Wunsch nach einer Verabredung mit der Freundin hat, bei Frauen hingegen sind beide Faktoren von Bedeutung. Wenn der Beziehungsstatus der Frau selbst oder des Freundes „Vergeben“ lautet, ist sie an einer Verabredung deutlich weniger interessiert. Das zeigt uns wiederum, dass die weiter oben erwähnte evolutionäre Strategie der Partnersuche noch immer aktuell ist und sich nicht einfach abschalten lässt. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb innerhalb von geschlechterübergreifenden Freundschaften selten oder nie über Themen wie das Ausgehen mit anderen Männern oder sexuelle Affären gesprochen wird, da Frauen wissen, dass dies die Freundschaft gefährden kann (Bleske-Rechek, et al., 2012).

Eine weitere Untersuchung von Bleske-Rechek et al. (2012) belegt, dass Erwachsene im besten Reproduktionsalter, also zwischen 18 und 23, ein deutlich höheres sexuelles Interesse an dem Freund/der Freundin haben, als wie Angehörige älterer Generationen. Eine Befragung von beiden Gruppen zeigte, dass die jüngeren ein deutlich größeres Interesse daran hatten mit ihren Freunden eventuell eine Beziehung einzugehen. In beiden Gruppen waren es aber die Männer, die hier ein wesentlich größeres Interesse daran hatten, als es bei Frauen der Fall war.

3.3.Freundschaft oder Beziehung?

Um nun das Verhältnis von Männern und Frauen abzurunden werden wir einen direkten Vergleich zwischen Freundschaft und Beziehung begutachten. Aus Gründen des Umfangs wer- den wir auf eine Definition von Beziehung und Liebe verzichten. Prof. Dr. U. Mees (2002) allerdings erwähnt in seiner Studie, dass Freundschaft eine Teilmenge von Beziehung sei, also eine Beziehung enthält das, was eine Freundschaft enthält, und eben noch etwas mehr (u.a. Liebe und Sexualität).

Des Weiteren wird in der Studie erwähnt, dass die beste Freundschaft nicht die größte Liebe ersetzen kann, denn in einer Beziehung sind jegliche Aspekte wie Wertschätzung, Teilen von Gefühlen und Erlebnissen, und auch das einfache Zusammensein größer ausgeprägt wie in einer Freundschaft, was nochmal die These unterstreicht, dass die Beziehung hierarchisch über der Freundschaft steht. Eine Freundschaft ist einer Beziehung nur in der Dauer überlegen und wir auf Grund der objektiven Meinung des Freundes bzw. der Freundin besonders geschätzt.

4.Fazit

Freundschaft zwischen Männern und Frauen ist vielleicht nur auf den ersten Blick eine ein- fache Angelegenheit. Wenn Männer einer attraktiven Frau begegnen wollen sie es bei gegen- seitiger Sympathie meist nicht bei einer platonischen Freundschaft belassen. Denn wie wir er- fahren haben, suchen sich Männer ihre weiblichen Interaktionspartner nach deren sexueller At- traktivität aus, und genau diese kann und wird die platonische Freundschaft irgendwann zerstö- ren. Wenn sich allerdings eine Freundschaft bilden sollte, bei der auf keiner Seite sexuelles Interesse vertreten ist, man nicht auf einen Partner oder eine Partnerin des anderen eifersüchtig sein sollte, und man damit klar kommt, in der Hierarchie eine Stufe weiter unten zu stehen, dann wäre eine platonische geschlechterübergreifende Freundschaft genauso möglich wie eine gleichgeschlechtliche Freundschaft.

Da eine solche Konstellation allerdings nicht die Regel ist, werden echte platonische Freund- schaften zwischen Männern und Frauen die Ausnahme bleiben. Um also gar nicht erst eines Tages zu erfahren, dass das eigene sexuelle Interesse an dem Freund bzw. der Freundin nicht geteilt wird, sollte man von Anfang an offen darüber sprechen und sein Empfinden nicht zu- rückhalten, denn ob man dem jeweils anderem äußerlich attraktiv erscheint, was Voraussetzung für sexuelles Interesse ist, wäre kein Entscheidungsprozess der sich über Monate hinzieht, son- dern sofort klar ist.

In diesem Fall können wir die von Hollywood verfilmte Hypothese, dass Freundschaft zwischen Männern und Frauen nicht möglich ist, nicht verwerfen.

5.Literaturverzeichnis

Bleske-Rechek, A., Somers, E., Micke, C., Erickson, L., Matteson, L., Stocco, C., . . . Ritchie, L. (2012). Benefit or burden? Attraction in cross-sex friendship. Journal of Social and Personal Relationships, S. 569-596.

Felmlee, D., Sweet, E., & Sinclair, H. (12. Januar 2012). Gender Rules: Same- and Cross- Gender Friendships Norms. Springer Science+Business Media, S. 518-529.

Lewis, D., Conroy-Beam, D., Al-Shawaf, L., Raja, A., DeKay, T., & M. Buss, D. (4.

September 2011). Friends with Benefits: The Evolved Psychology of Same- and Opposite-Sex. Evolutionary Psychology, 543-563. Von Evolutionary Psychology: http://www.epjournal.net abgerufen

Mees, P. (2002). Partnerliebe und Freundschaft im Vergleich - Eine empirische Studie. Psychologische Beitr ä ge, Band 44, S. 447-464.

Details

Seiten
6
Jahr
2014
ISBN (Buch)
9783656596608
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268653
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Bestanden
Schlagworte
Freundschaft Männer Frauen Attraktivität

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