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Prüfungsangst im schulischen Kontext

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 18 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Was ist Angst?

2. Wie entsteht Prüfungsangst? Wie kann sie sich verändern?
2.1 Misserfolgsbefürchtungen und aversive Konsequenzen
2.2 Einstellung zur Prüfung
2.3 Verstärkung und Abnahme akuter Prüfungsangst

3. Wie wirkt Prüfungsangst? Wie äußert sie sich?
3.1 Typische Symptome
3.2 Auswirkungen von Prüfungsangst auf die Leistungsfähigkeit

4. Wie kann man Prüfungsangst bekämpfen?
4.1 Schaffung spezieller Lernbedingungen
4.2 Hilfsmittel und Verhaltensregeln bei Prüfungsangst

5. Schluss – Pädagogische Unterstützungsansätze

1. Einleitung – Was ist Angst?

Das Phänomen der Angst oder spezieller der Prüfungsangst ist in der Wissenschaft bisher noch recht uneinheitlich erfasst worden. Es gibt mehrere verschiedene Definitionsmuster, die alle durchaus in ihrer Argumentation schlüssig sind, jedoch manchmal von völlig unterschiedlichen Perspektiven oder abweichenden Ausgangspunkten ausgehen. Allgemein wird Angst häufig definiert als „unangenehmes Gefühl, das in Situationen auftritt, die als bedrohlich eingeschätzt werden“.[1] Angst ist also eine Reaktion des Körpers auf eine Bedrohung. Somit wird durch diese Sichtweise behauptet, dass Prüfungsangst eine Abwehrreaktion des Körpers auf eine bedrohliche Situation ist. Diese Bedrohung kann z.B. dadurch begründet sein, dass derjenige in einer Prüfungssituation Angst vor einer Verletzung seines Selbstwertgefühls[2] hat. Dies kommt übrigens nicht nur in direkt als solche klassifizierbaren Prüfungssituationen vor wie Klausuren, Vorträgen oder Vorführungen, sondern beispielsweise auch bei Verabredungen zwischen Verliebten. Hier entsteht ebenfalls ein Gefühl der Angst, vor dem Gegenüber zu versagen oder eine negative Beurteilung bezüglich des Verhaltens zu ernten. Negative Beurteilungen sind nämlich für jeden Menschen unangenehm, was zur Folge hat, dass der Körper durch einen ureigenen Instinkt mit Angst auf diese Situation reagiert. Prüfungsangst tritt folglich insgesamt betrachtet in Momenten auf, in denen man etwas leisten muss und in denen diese Leistung auch beurteilt werden kann[3].

Eine Andere These sagt, dass Prüfungsangst eine Form von Stress ist. Es wird gesagt, dass Stress dann entsteht, wenn der Körper auf einen Reiz mit Aktivierung reagiert[4]. Somit muss bei Prüfungsangst ein Reiz vorausgehen, damit sie überhaupt entsteht. Folglich wird dieser Stress nur dann ausgelöst, wenn eine „Gefahr“ erkannt wird und man glaubt, sie nicht bewältigen zu können. Dieser Reiz kann dann beispielsweise die bevorstehende Prüfung selber sein, aber auch Gedanken an die Konsequenzen des Ergebnisses der Prüfung. Stress entsteht durch eine psychische Belastung oder durch negative Gedanken. Allerdings ist dieser Stress nicht unbedingt leistungshemmend; die richtige Dosis kann in der Prüfungssituation sogar anspornend und leistungsfördernd wirken, da die Konzentration des Körpers auf die Prüfung gelenkt wird und somit mehr Kräfte als normal zur Bewältigung dieser bereitgestellt werden. Diese für den Körper optimale Form des Stresses bezeichnet man landläufig als „Nervosität“[5]. Zu viel Stress kann allerdings zu einem rasanten Abfall der Leistungsfähigkeit führen und gar zum Zusammenbruch des Kreislaufs führen.

Die heiße Prüfungszeit für einen Menschen kommt in der Regel zwischen dem 16. Und dem 30. Lebensjahr. In dieser Zeit stehen zahlreiche bedeutende „Prüfungssituationen“ bevor: Schulabschluss, Bewerbungsgespräche, Einstellungstests, Führerscheinprüfungen, Musterung bei der Bundeswehr, Studium, die erste feste Beziehung, eine eigene Wohnung, vielleicht die Heirat,... der Mensch muss in dieser Zeit mit vielen Prüfungen klarkommen (bemerkenswert hierbei ist, dass der menschliche Körper gerade in dieser Zeit physisch am leistungsfähigsten ist). Daher lernt der Mensch gerade in diesem Lebensalter, wie man mit Prüfungsangst umgehen soll.[6]

Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Prüfungsangst unterscheiden: die normale Angst, die man besser als natürliche Unsicherheit bei einer Prüfung bezeichnen könnte, die begründete Angst, beispielsweise weil man den Prüfungsstoff nicht gelernt hat, und die unbegründete Angst, die man auch als phobische oder krankhafte Angst bezeichnen kann[7]. Zudem tritt Prüfungsangst häufiger bei von Natur aus unsicheren Menschen auf als bei selbstbewussten Menschen. Daher sollte es ein Ziel der Erziehung sein, den Heranwachsenden zu einem gelassenen, selbstbewussten Menschen zu erziehen. Jedoch sollte er nicht nur „Angstfreiheit“ erzogen werden, da Angst grundsätzlich den positiven Nebeneffekt hat, dass sie zusätzliche körperliche Energie freisetzt, um Prüfungssituationen erfolgreich meistern zu können.[8]

2. Wie entsteht Prüfungsangst?

Es gibt verständlicherweise zahlreiche mögliche Erklärungen dafür, wie Prüfungsangst entstehen kann. Jeder Mensch nimmt Prüfungssituationen anders wahr, und jeder Mensch reagiert auch unterschiedlich darauf. Von daher ist es schwierig, eine einheitliche Aussage zu machen, aus welchen Gründen Menschen Prüfungsangst entwickeln. Allerdings ist es möglich, ein paar Faktoren zu nennen, die zumindest die Entstehung dieser Angst begünstigen können.

2.1. Misserfolgsbefürchtungen und aversive Konsequenzen

Der wahrscheinlich einflussreichste Faktor bei der Entwicklung von Prüfungsangst ist wohl der Gedanke an einen Misserfolg oder die aus dem Ergebnis der Prüfung resultierenden Folgen.[9] Grundsätzlich ist es klar, dass sich das Ergebnis einer Prüfung nur in Erfolg und Nichterfolg aufsplitten lässt. Je größer der Erfolg in der Prüfung, desto geringer der Misserfolg und umgekehrt. Je größer die subjektiv wahrgenommene Wahrscheinlichkeit ist, dass eine angestrebte Note verfehlt wird, desto größer ist die Befürchtung eines Misserfolgs. Die Erfolgsaussichten werden somit immer geringer, was sich einerseits in einer Steigerung der Angst zeigt, sich aber andererseits auch in einer Minderung von Motivation und Leistungsfähigkeit und –bereitschaft bemerkbar macht. Diese Misserfolgsbefürchtungen können selbstverständlich davon kommen, dass man weiß, dass man sich nicht genügend auf einer Prüfung vorbereitet hat, oder dass man nicht weiß, was auf einen zukommt. Oftmals aber entstehen sie aber auch dadurch, dass derjenige unter großem Druck steht. Dieser Druck kann einerseits von ihm selber kommen, aber andererseits auch von außen. Grundsätzlich wirkt übermäßiger Druck allerdings demoralisierend[10]. Innerer Druck entsteht beispielsweise dadurch, dass man sich selbst abwertet oder aber dass man sich zu hohe Anforderungen zumutet, und man schließlich damit rechnet, in der Prüfung vor sich selber zu versagen und befürchtet, selbst gesetzte Ziele nicht zu erreichen.[11] Man kann sich aber auch selber Druck machen, indem man sich zu sehr auf die Konsequenzen des Ergebnisses einer Prüfung konzentriert. Schlechte Prüfungsergebnisse sind natürlich immer mit negativen Emotionen verbunden, weshalb man sie sowieso zu vermeiden versucht, gerade im jugendlichen Alter. Man benötigt positive Ergebnisse beispielsweise, um einen möglichst guten schulischen Werdegang abzuleisten. Im späteren Berufsleben können jedoch auch positive Ergebnisse schwerwiegende Folgen haben. So kann ein beruflicher Aufstieg mit zahlreichen zusätzlichen Pflichten verbunden sein, vor denen man sich fürchtet, weil sie eine zusätzliche Verantwortung und Beschneidung des privaten Lebens bedeuten können.[12]

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, dass vorausgegangene schlechte Erfahrungen bei Prüfungen eine akute Prüfungsangst hervorrufen können. Wenn es in der Vergangenheit traumatische Erlebnisse[13] bei Prüfungen (z.B. Blackouts) gab, ist es oftmals sehr wahrscheinlich, dass man sich in einer ähnlichen Situation erneut an diesen Vorfall erinnert und plötzlich befürchtet, dass dieses traumatische Ereignis erneut eintritt. Es entsteht also eine Angst vor einer potentiell möglichen Situation, die jedoch nicht vorhersehbar oder gegeben ist.

Dieser Innere Druck wird meist noch verstärkt durch Druck von außen[14]. So können hier Erwartungen von Außenstehenden (Freunde, Lebenspartner, Eltern,...) am eigenen Selbstbewusstsein nagen, so dass befürchtet wird, dass man diese Menschen enttäuschen könnte, indem man ihre Erwartungen bezüglich des Ergebnisses der Prüfung nicht befriedigt. Andererseits kann es aber auch sein, dass frühere positive Leistungen in Prüfungssituationen von außenstehenden Menschen, deren Meinung einem wichtig ist, nicht entsprechend honoriert wurden, und man dadurch mit einem Motivationsverlust zu kämpfen hat, was sich zugleich in einem Anstieg der Prüfungsangst bemerkbar machen kann[15].

2.2. Einstellung zur Prüfung

Eine weitere wesentliche Determinante, die die Entstehung von Prüfungsangst beeinflusst, ist die Einstellung des Prüflings zur Prüfung. Hier lassen sich grob zwei Typen von Menschen unterscheiden: einerseits Prüfungsängstliche, andererseits wenig Prüfungsängstliche.

Prüfungsängstliche Menschen zeichnen sich durch eine ablehnende, negative Einstellung gegenüber der Prüfung aus. Dies kann sogar so weit gehen, dass sie den Prüfer (im schulischen Kontext als den Lehrer) als Gegner sehen oder zumindest als Person, die ihnen nichts Gutes will und als Ziel sieht, die Prüflinge zum Versagen zu bringen. Aufgrund dieser Haltung haben diese Menschen automatisch eine recht gehemmte Motivation vor und während der Prüfung. Sie sehen es nicht ein, sich für eine Prüfung anzustrengen, deren Ziel es sowieso ist, dass sie durchfallen und betrachten die notwendige Vorbereitungszeit als Affront. Dies sind natürlich keine guten Voraussetzungen für eine sachgerechte Vorbereitung zur Prüfung, weshalb diese Menschen häufig kurz vor und akut in der Prüfung zu starker Angst neigen. Zudem wirken sie in der Prüfung sehr zurückhalten und passiv gegenüber des Prüfers oder der Prüfungsaufgaben. Sie trauen sich nicht, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen und können daher gewissen Aufgaben, die keine konkrete Lösung vorzeichnen, nur mit Mühe oder gar nicht lösen. In mündliche Prüfungen entsteht hierdurch zudem das Problem, dass sämtliche Aktionen vom Prüfer ausgehen müssen, was auf die Bewertung keinen guten Einfluss hat. Die Tatsache, dass die Menschen sich dieses Verhalten zuschreiben, fördert die Prüfungsangst um so mehr, da sie wissen, dass ihr normales Verhalten keine guten Folgen für sie hat.[16]

Ein weiteres, entscheidendes Phänomen ist die Tatsache, dass Prüfungsängstliche dich meist ihrer Prüfungsangst bewusst sind. Sie wissen, dass sie gerade in der Prüfung starke Angst entwickeln können und dass diese Angst sie auch in ihrer Leistungsfähigkeit bremsen kann. Eine verminderte Leistungsfähigkeit steht automatisch für ein schlechteres Abschneiden in der Prüfung, was wiederum Angst hervorruft. Diese Menschen haben also praktisch Angst vor ihrer Prüfungsangst. Sie fürchten, dass die Angst so stark wird, dass sie dadurch behindert werden. Die Menschen steigern sich förmlich in die Angst hinein, was letztendlich gar zum Leistungszusammenbruch führen kann. Diese Ablehnende Haltung gegenüber der Prüfung verstärkt somit Prüfungsangst.[17]

[...]


[1] Siehe D.H. Rost (Hrsg.): Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie. Münster, 1998. Band 5: Schnabel, Kai: Prüfungsangst und Lernen, S. 13.

[2] Siehe Metzig, Werner; Schuster, Martin: Prüfungsangst und Lampenfieber. Bewertungssituationen vorbereiten und meistern. Dritte aktualisierte Auflage. Heidelberg, 2006, S. 7.

[3] Siehe Weiß, Hans-Joachim: Prüfungsangst. Wie entsteht sie? Was richtet sie an? Wie begegne ich ihr? Würzburg, 1997, S. 13.

[4] Siehe http://www.olev.de/publikationen/Litzcke_PrAngst.pdf, S. 3.

[5] Siehe ebd., S. 6f.

[6] Siehe http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/Pruefungsangst.shtml.

[7] Siehe ebd.

[8] Siehe http://www.olev.de/publikationen/Litzcke_PrAngst.pdf, S. 2.

[9] Siehe Weiß, Würzburg (1997): S. 44.

[10] Siehe ebd., S. 45.

[11] Siehe Oelsner, Wolfgang; Lehmkuhl, Gerd: Schulangst. Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer. Düsseldorf / Zürich, 2002, S. 30f.

[12] Siehe ebd.

[13] Siehe Metzig, Heidelberg (2006), S. 41f.

[14] Siehe http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_782.html.

[15] siehe ebd., S. 32.

[16] Siehe Weiß, Würzburg (1997): S. 42.

[17] Siehe http://www.olev.de/publikationen/Litzcke_PrAngst.pdf, S. 2.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656589730
ISBN (Buch)
9783656600848
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268687
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Humanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
prüfungsangst kontext

Autor

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Titel: Prüfungsangst im schulischen Kontext