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Erziehung – Bildung – Sozialisation. Auseinandersetzung mit Theorien und Handlungskonzepten

Anhand eines Beispiels aus der Lebensphase Kindheit

Hausarbeit 2012 33 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.0 Fallbeschreibung

2.0 Sozialisation
2.1 Sozialisation in der Familie
2.1.1 Anwendung der primären Sozialisationsphase auf das 
Fallbeispiel
2.2 Sozialisation im Kindergarten
2.2.1 Anwendung der sekundären Sozialisationsphase auf das 11 Fallbeispiel

3.0 Erziehung
3.1 Fünf Säulen der Erziehung und Bezugnahme
auf die Fallbeschreibung
3.2 Erziehungsstil und Bezugnahme auf die Fallbeschreibung
3.3 Fazit

4.0 Situationsansatz
4.1 Der Situationsansatz in Bezug auf die Fallbeschreibung
4.2 Eigenschaften und Grundsätze des Situationsansatzes
4.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll ein Einblick in die Sozialisation in der Familie und im Kindergarten anhand eines von mir selbst entwickelten Fallbeispiels aus der Lebensphase Kindheit gegeben werden. Dabei umfasst die primäre Sozialisation alle Prozesse in der Familie, wobei es bei der sekundären Sozialisation nur um die Sozialisationsphasen im Kindergarten geht. Zudem stelle ich im Folgenden als zweite große Thematik erziehungstheoretische Überlegungen anhand des Modells der Fünf Säulen der Erziehung von Tschöpe-Scheffler sowie zum Schluss das pädagogische Bildungskonzept anhand des Situationsansatzes vor. In allen Themen nehme ich Stellung auf das vorliegende Fallbeispiel „Markus“ und gehe explizit darauf ein.

1.0 Fallbeschreibung

Markus ist ein dreijähriger Junge und lebt mit seinen Eltern in einer größeren Wohnung in der Stadt München. Zu seiner Mutter hat Markus eine sehr ausgeprägte liebevolle Mutter-Kind-Beziehung. Sie ist stets um das Wohl von Markus bemüht und sorgt sich aufopferungsvoll in jeder freien Minute um ihn. Die Mutter ist in ihrer Kindheit streng erzogen wurden und in einen Drei-Generationen-Haus aufgewachsen, indem Konflikte täglicher Natur waren. Mit ihren zehn Jahre jüngeren Bruder verbindet sie wenig gemeinsame Kindheitserlebnisse, da sich die Wege aufgrund des hohen Altersunterschiedes schon frühzeitig trennten. Durch ihren anspruchsvollen Job ist die Mutter der Meinung, dass sie Markus zunehmend vernachlässigt. Ihr schlechtes Gewissen versucht sie zu kompensieren, in dem sie Markus regelrecht mit Spielzeug überschüttet. In der gemeinsamen Zeit unternehmen sie so viel wie möglich, zum Beispiel Spaziergänge, Ausflüge in den Zoo oder auf den Spielplatz. Die gemeinsamen Aktivitäten machen den beiden sehr viel Spaß. Markus sein Vater hat eine bewegte Kindheit hinter sich. Er war Einzelkind, sein Vater war alkoholkrank und die Mutter sorgte sich nur um ihn. Die familiäre Zeit war sehr knapp bemessen, körperliche Nähe und Emotionalität erfuhr er nur äußerst selten.

Somit ist der Vater eher einer nach Regeln erziehender Mann. Er ist der Meinung, er wurde in seiner Kindheit auch so erzogen und geschadet hat ihm das nicht. Somit versucht der Vater bei Nichteinhaltung dieser Regeln Markus sofort mit einer Bestrafung zu drohen. Markus versucht den Vater nur zum Mitspielen anzuregen indem er immer wieder den Kontakt zum Vater sucht. Aber der Vater reagiert genervt und fordert ihn immer wieder auf im Kinderzimmer zu spielen, ansonsten würde er  Markus im Zimmer einsperren. Der Vater ist Geschäftsführer bei einer Computerfirma und legt daher ein strenges, autoritäres Verhalten an den Tag und leidet deshalb besonders  unter Stress, hat Ärger in der Firma und keinen Kopf für die Familie. Folglich erledigt der Vater während seiner Freizeit oft geschäftliche Dinge von zu Hause aus. Bei den gemeinsamen Familienaktivitäten ist der Vater meistens dabei, übernimmt hierbei allerdings oft nur eine passive Rolle, da Markus sich mehr zur Mutter hingezogen fühlt. Wenn Markus und sein Vater mal alleine zu Hause sind, muss er meist für sich in seinem Zimmer spielen, da sein Vater mit dem Schriftkram beschäftigt ist. Der Vater reagiert oder antwortet auf die Kontaktaufnahmen von seinem Sohn mehrfach überfordert, entnervt und impulsiv. Durch viel Geschrei, Getrampel und aggressiven Verhalten in Form von Hauen, Beißen und Kratzen versucht Markus die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu lenken. Mutter und Vater führen eine neutrale Ehe. Beide verstehen sich zwar gut miteinander, aber sind nicht immer gleicher Meinung was die Erziehung ihres Sohnes Markus betrifft. Diese Probleme führen innerhalb der Familie oft zur Konfrontation die teilweise vor den Augen ihres Sohnes ausgetragen werden. Dennoch finden beide zu guter Letzt einen Kompromiss. Markus ist meistens unter der Woche in der Kita untergebracht. Eines Vormittags bekommt die Mutter von der Kitaleitung einen Anruf der nichts Gutes zu bedeuten hatte. Die Kitaleitung forderte von den Eltern, Markus sofort von der Kita abzuholen, denn er hatte ohne jeden Grund ein anderes Kind  massiv geschlagen. Am selben Tag wurden die Eltern aufgrund des Verhaltens von ihren Sohn zum Elterngespräch in die Kita eingeladen, um gemeinsam möglichen Gründen für das untypische Verhalten von Markus zu besprechen. Aus den Gesprächen mit den Erziehern von Markus wurde deutlich, dass Marcus zunehmend seit längerer Zeit aggressiv auf andere Kinder reagiert. Die Eltern sind ratlos, was ihren Sohn dazu bewegt haben könnte, so was zu tun. Aus den Evaluationen der Kitabeschäftigten ist Markus als liebevolles und zurückhaltendes Kind bekannt, der sich stets ruhig und aufmerksam gegenüber anderen Kindern verhält. Zum ersten Mal hinterfragen sich die Eltern und sind der Auffassung, dass es um das Wohlbefinden ihres Sohns geht und gehen nun selbstkritisch mit der Situation um. In Zukunft wollen die Eltern versuchen mehr auf ihren Sohn einzugehen, auch der Vater überdenkt sein Verhalten und möchte einiges ändern.

2.0 Sozialisation

Sozialisation ist der Prozess der Persönlichkeitsentwicklung in wechselseitiger Abhängigkeit von den körperlichen und psychischen Grundstrukturen und den sozialen und physikalischen Umweltbedingungen. Die körperlichen und psychischen Grundstrukturen bilden die innere, die sozialen und physikalischen Umweltbedingungen die äußere Realität (Hurrelmann 2006, S. 26).

2.1 Sozialisation in der Familie

Eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung setzt eine den individuellen Anlagen angemessene soziale und materielle Umwelt voraus. Einer der wichtigsten Vermittler hierfür ist die Familie als Sozialisationsinstanz (vgl. Hurrelmann, 2006, S. 30). Die Sozialisation in der Familie wird demnach als primäre Sozialisation bezeichnet, indem die Familie die früheste und nachhaltigste Prägung der Persönlichkeit eines Kindes vornimmt (vgl. Hurrelmann, 2006, S. 127).

Heutzutage existieren in den hoch entwickelten Gesellschaften viele verschiedene Formen der Familie nebeneinander. Darunter auch die traditionelle Form, indem der Mann als Oberhaupt der Familie fungiert und die Rolle des Geldverdieners innehat. Die Frau ist die alleinige Erzieherin der Kinder, die auch für das emotionale Binnenklima der gesamten Familie verantwortlich ist. Der Anteil solcher traditioneller Familien wird aber immer geringer, da zunehmend mehr Frauen in den Erwerbsbereich eintreten und insgesamt die haushaltsökonomischen Funktionen der Familie heute im Vergleich zur Zeit der Industrialisierung weit in den Hintergrund getreten sind (vgl. Hurrelmann, 2006, S. 129). So wandelt sich in immer mehr Familien die traditionelle „patriarchalische“ Struktur in eine „parentale“, gleichberechtigt durch die Elternrolle definierte (Stein 2000). Dadurch entstehen neue Impulse für den kindlichen Sozialisationsprozess, die ich im Folgenden nennen werde. Viele Studien haben aufgezeigt, dass Kinder individuelle Beziehungen zu den Eltern aufbauen und diese jeweils durch eine eigene Beziehungsqualität geprägt sind. Darauf bezogen werden Toleranz, Solidarität, Kooperation, Offenheit für Diskussion sowie Großzügigkeit und Zärtlichkeit bei Vätern und Emotionalität, Mitgefühl oder Zuwendung und Anleitung bei Müttern beobachtet. Durch den traditionellen Wandel der heutigen Zeit zeigt sich ein Wechsel in der Bedeutung sozialer Rollen von Mann und Frau. Demnach sorgen sich Väter auch um ihre Kinder und zeigen mehr Engagement im Erziehungsprozess, die die volle Verantwortung für Pflege und Erziehung übernehmen können. Dadurch werden sie stärker als Ratgeber, Vertrauensperson, Unterstützer, Konfliktlöser und zuverlässiger Partner in familiären Situationen herangezogen. Dies gilt in der Kombination mit einer festen Partnerschaft und ist für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes von Vorteil. Das familiäre Zusammenleben gilt immer noch als Orientierung für die weitere Lebensführung. Von obligatorischer Bedeutung ist es auch, dass das Kind viele und starke soziale Beziehungsgefüge innerhalb und außerhalb der Kernfamilie hat. Ist das der Fall, kann es zum Bsp. durch eine gute Enkel-Oma-Beziehung, besser mit verschiedenen Situationen innerhalb der Familie umgehen, wie zum Bsp. mit der andauernden Lebensbelastung das die Mutter aufgrund der anspruchsvollen Arbeit wenig Zeit für das Kind hat, ist die Oma der Rückhalt als „Ersatzmutti“(vgl. Hurrelmann, 2006, S. 130 ff.). Aber auch eine Wechselseitigkeit der frühen Beziehungen, d.h. die Art und Weise wie eine Mutter oder Vater in den ersten Tagen nach der Geburt mit den Kind umgeht, gibt einen Aufschluss über die Verhaltensweisen des Kindes in Zukunft. Zum Beispiel der enge körperlich-emotionale Kontakt der Mutter oder Vater zu ihrem Kind muss in Nähe und Distanz gut ausbalanciert sein. Eine enge Mutter-Kind-Beziehung mit zu großer Nähe ist für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit nicht günstig. Eine solche emotional erdrückende Beziehung kommt heute häufig vor, weil viele Kinder hoch erwünschte Einzelkinder sind und in die Beziehung zum Kind viele Bedürfnisse aus der Persönlichkeit von Müttern einfließen (vgl. Hurrelmann, 2006, S. 137 f.).

Eine andere Möglichkeit wobei die Eltern einen aktiven Einfluss auf ihr Kind nehmen können, sind die drei Bereiche: Interaktion / Beziehung, Erziehung / Bildung und das Arrangement von Entwicklungsgelegenheiten (siehe Anhang 1). Bei der Interaktion und Beziehung geht es darum, dass die Eltern nicht möchten, dass ihr Kind im körperlichen und psychischen Sinne zu Schaden kommt. Diesbezüglich möchten sie, dass ihr Kind Spaß und Freude an den alltäglichen Dingen hat. Die Eltern fühlen also wie ihre Kinder und es geht ihnen nicht gut, wenn ihr Kind unglücklich ist und andersrum ebenso. Dabei sind zwei Verhaltensmuster seitens der Eltern bedeutsam, Wärme und Responsivität. Die Wärme ist das Erkunden von Emotionalität im Umgang mit dem Kind und Responsivität bedeutet ein angemessenes Verhalten auf die Signale des Kindes.

Bei gemeinsamen Aktivitäten und bei nicht bedrohlichen Situationen gewinnt die elterliche Wärme an Zuspruch. Diese Erlebnisse empfinden die Kinder als besonders wertvoll und lernen diese zu schätzen. Responsivität hingegen ist ein Merkmal von elterlichem Verhalten auf die Reaktion der kindlichen Notsituationen, z.B. wenn das Kind Kummer oder Sorgen hat. Dieser Aspekt ist auch wichtig für die Beziehungsbindung von Kind und Eltern, aber auch im Umgang der Kinder mit anderen Personen. Im Gegensatz dazu brauchen Kinder auch Regeln, die die Eltern aufstellen um kindliche Verhaltensauffälligkeiten und elterliche Depressionen zu vermeiden. Positive Erziehungserfahrungen kommen eher zum Ausdruck in konfliktfreien Situationen, zum Beispiel bei gemeinsamen Aktivitäten oder festgesetzten Ritualen (vgl. Schneewind, 2008, S. 292 ff.). Jetzt komm ich zu den elterlichen Erziehungs- und Bildungskompetenzen, die als fester Standpunkt im Umgang von Eltern mit ihren Kindern gesehen werden. Es gibt vier elterliche Kompetenzklassen. Zuerst die Selbstbezogene Kompetenz, die sagt, dass Eltern sich Wissen aneignen sollen, was mit der Erziehung, der Entwicklung und dem Umgang mit Kindern von wichtiger Bedeutung ist. Als Nächstes die kindesbezogene Kompetenz, die aussagt, dass man psychische und physische Zuneigung zeigen und auf kindliche Entwicklungspotenziale sowie Eigenständigkeit achten sollte. Drittens wird die kontextbezogene Kompetenz benannt, die besagt, dass Eltern entwicklungsfördernde Situationen aufsuchen und  diese mit ihren Kindern gestalten sollten. Als Letztes komm ich zur Handlungsbezogenen Kompetenz, die aussagt, dass Eltern an ihre Handlungsfähigkeiten glauben und diese mit Überzeugung umsetzen sollen (vgl. Schneewind, 2008, S. 292). Eltern als Arrangeure kindlicher Entwicklungsgelegenheiten nehmen neben dem direkten Kontakt auch den indirekten Weg zur Beeinflussung der Entwicklung ihrer Kinder. Eltern sind zum einen Arrangeure der sogenannten Ökologie der Sicherheit (anbringen von Kindersicherungen) und zum anderen der Ökologie der Entwicklungsförderung (Auswahl von Kindergärten oder Schulen). Sie nehmen auch einen Einfluss auf die Wahl der Freunde und wollen immer wissen, wo und mit wem sich ihr Kind aufhält. Bei dieser Auswahl werden erfahrungsgemäß ein guter sozialer Umgang und eine erfolgreiche Erziehung nachgewiesen (vgl. Schneewind, 2008, S. 292).

Mit zunehmender Häufigkeit werden immer mehr Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern festgestellt, die aus einem Konflikt der Eltern herbeizuführen sind. Diese kann man unterscheiden in externalisierendes (aggressiv) und internalisiertes (ängstlich) Verhalten. Konflikte unter Eltern können einen massiven Schaden in Bezug auf die Eltern - Kind - Beziehung und auf die kindliche Entwicklung nehmen.  Der Umgang zwischen Vater und Mutter trägt zur kindlichen Entwicklung bei, wobei nicht immer das positive Übereinstimmen der Eltern von Vorteil ist (vgl. Schneewind, 2008, S. 292).

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Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656598336
ISBN (Buch)
9783656598381
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268903
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
1,3
Schlagworte
erziehung bildung sozialisation auseinandersetzung theorien handlungskonzepten anhand beispiels lebensphase kindheit

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Titel: Erziehung – Bildung – Sozialisation. Auseinandersetzung mit Theorien und Handlungskonzepten