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Burnout schon bei Kindern und Jugendlichen?

Hausarbeit 2012 41 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Epidemiologie in Deutschland
2.2.1 Definition von Epidemiologie
2.2 Burnout
2.2.1 Definition von Burnout
2.2.2 Phasenverlauf von Burnout
2.2.3 Auslöser von Burnout
2.2.4 Abgrenzung Burnout von Depression
2.3 Phasenverlauf der Kindheit und der Jugend

3 Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitswissenschaft in Deutschland
3.1 Ergebnisse der 2. World Vision Kinderstudie – Kinder in Deutschland
3.2 Ergebnisse der Shell Jugendstudie – Jugend
3.2.1 Ergebnisse des quantitativen Teils der Studie
3.2.2 Ergebnisse des qualitativen Teils der Studie
3.3 Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS)
3.3.1 Risiken und Ressourcen für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
3.3.2 Messung soziodemographischer Merkmale im KiGGS und ihre Bedeutung am Beispiel der Einschätzung des allgemeinen Gesundheits-zustands
3.3.3 Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen – Erste Ergebnisse aus dem KiGGS
3.3.4 Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisse aus der BELLA-Studie im KiGGS

4 Resümee

5 Gesundheitsförderung am Beispiel Hamburger Schulen

6 Quellenverzeichnis

7 Anlagenverzeichnis

1 Fragestellung

Das Burnout-Syndrom galt lange Zeit als sogenannte Managerkrankheit. Sämtliche Anforderungen, Erwartungen und Verantwortlichkeiten der Manager stiegen zunehmend an und konnten von ihnen nicht mehr bewältigt werden. Sie waren überfordert, entnervt und ausgebrannt. Im späteren Verlauf der medizinischen Auseinandersetzung mit dem Thema wurde Burnout besonders den Dienstleistungsberufen zugeordnet. Kinder und Jugendliche galten nicht als Risikogruppe. Ehrgeiz, übermäßiges Engagement sowie ein übersteigerter Hang zum Perfektionismus gelten als typische Merkmale von Burnout. Warum sollten diese Merkmale nicht auch auf Kinder oder Jugendliche zutreffen? Unsere stark leistungsorientiert geprägte Gesellschaft legt den Grundstein für Burnout bereits in der Kindheit. Frühförderung im Kindergarten wird von der Ausnahme zum Alltag. Später sind Social Networks alltägliche Begleiter der Kinder und Jugendlichen. Möglich machen es Smartphone oder Communitys im Internet. Ständige Erreichbarkeit, Schule, nicht selten mit einer über 30-Unterrichts-stundenwoche, Musikunterricht und Orchester, Fußballvereine, Reitstunden oder Ballettunterricht, alles muss in die begrenzte Zeit einer Woche untergebracht werden und legt den Vergleich zum Fulltime-Job nahe. Freie Zeit „einfach nur zum Spielen“ ist viel zu kurz oder gar nicht mehr verfügbar. Durch Lehrer- und damit verbundene Unterrichtsausfälle ist es die Regel, den versäumten Stoff am Nachmittag in den Familien mit noch mehr Hausaufgaben aufzufangen. Eltern hinterfragen diesen verrückten Kinderalltag nicht, solange die Schulnoten gut sind. Im Gegenteil, denn es kommen noch die mitunter sehr hohen Erwartungen der Eltern an ihre Kinder hinzu. Kinder kennen ihre persönlichen Grenzen nicht und arbeiten ohne Rücksicht auf die eigene Leistungsfähigkeit. Sie sind daher in einem wesentlich höheren Ausmaß gefährdet, in ein Burnout zu geraten (vgl. Gatterburg, Großbongard 2012: 120ff).

Warum tun Eltern so etwas ihren Kindern an? Weil von ihnen erwartet wird, dass sie als moderne Arbeitnehmer Unternehmerdenken und Teamgeist mitbringen. Gestaltungs- und Entscheidungsbefugnisse werden auf sie übertragen, deren Folge intellektuelle Überforderung und Marathonsitzungen sein können. Interessant klingende Begriffe wie „Reengineering“ bedeuten, dass die Arbeitsplätze umgestaltet werden und immer weniger Mitarbeiter immer mehr Arbeit leisten sollen. Modernes Management ist geprägt von Gewinnoptimierung und Flexibilität. Die Forderung der Kunden nach höchsten Ansprüchen zu kostengünstigsten Konditionen rundet das Konstrukt ab. Kaum ein Berufstand kann sich heutzutage dem Zeitleiden Stress entziehen. Eltern wollen ihre Kinder bestmöglich auf das Berufsleben vorbereiten. Damit sie nicht „untergehen“, in der sich global verändernden Welt (vgl. Gatterburg,Großbongard 2012: 123f; Jaggi 2008: 15).

Ob und inwiefern sich diese globalen Veränderungen auf unsere junge Generation auswirken, ist Grundlage meiner Arbeit. Unsere Gesellschaft und jeder Einzelne darin lebende steht unter einem enormen Stress und Druck. Doch wie geht damit unsere junge Generation um? Überträgt sich der Leistungsdruck?

Entsteht Burnout schon bei Kindern und Jugendlichen? Ich möchte ebenso der Frage auf den Grund gehen, ob Burnout ein Zeitgeist ist oder vielleicht eine Modeerscheinung, die getrost ignoriert werden kann.

Um diese Fragen zu klären, werden zunächst grundlegende Aspekte der Epidemiologie sowie die Entstehung von Burnout geklärt. Dabei soll die Depression vom Burnout abgegrenzt werden. Anschließend wird erläutert, wie sich die Gesundheitssituation der Kinder und Jugendlichen darstellt und wie sie die Belastungen des Alltags meistert. Abschließend werden die Ressourcen betrachtet und die Gesundheitsförderung am Beispiel „Gesunde Schule“ in Hamburg erläutert.

2 Begriffsbestimmungen

2.1 Epidemiologie in Deutschland

Um die Frage nach der besten gesundheitlichen Versorgung für die Bevölkerung zu klären, bedient sich die Gesundheitswissenschaft interdisziplinär der Epidemiologie[1].

„Epidemiologische Studienergebnisse sind ein zentraler Teil von Entscheidungs-prozessen in den Gesundheitswissenschaften: Sie helfen, die Häufig-keit eines Problems zu beschreiben, ursächliche Faktoren zu identifizieren und die Wirksamkeit von Interventionen zu beurteilen.“ (Hurrelmann, Razum 2012: 275).

Angewandte deskriptive[2] Epidemiologie wird im Arbeitsfeld der Gesundheits-berichterstattung betrieben. Da es tatsächlich Verhaltensweisen gibt, die ein erhöhtes Krankheits- oder Sterberisiko mit sich bringen, werden Krankheits-prävention und Gesundheitsförderung zunehmend wichtigere Aspekte der epi-demiologischen Forschung.

„Soll eine Präventionsmaßnahme wie beispielsweise ein Früherkennungs-programm (Screening) eingeführt werden? Ist eine bestimmte Verhaltensweise hinreichend gesundheitsförderlich, dass sie allgemein empfohlen werden kann? Epidemiologische Daten und Studienergebnisse können bei der Beantwortung helfen.“ (Hurrelmann, Razum 2012: 278).

Epidemiologische Studien stehen dabei nicht außerhalb gesellschaftlicher Zusammenhänge und sind oft in der Fragestellung politisch motiviert (vgl. Hurrelmann, Razum 2012: 278f).

So wurde zum Beispiel die in dieser Arbeit verwendeten Teile der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS) durch das Bundes-ministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, sowie dem Bundes-ministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben.

2.1.1 Definition von Epidemiologie

„[Die] Epidemiologie beschäftigt sich mit der quantitativen Erforschung der Ver-teilung und der Determinanten (Risikofaktoren) von Krankheiten (oder allge-meiner gefasst von Gesundheitszuständen) in Bevölkerungen und der Anwendung der Erkenntnisse auf die Kontrolle (Prävention der Behandlung) von Krankheiten.“ (Schwartz et al. 2012: 410).

Erst wenn mehrere voneinander unabhängige Studien einen Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und Erkrankung nachweisen, wird ein solcher ätiologischer[3] Zusammenhang akzeptiert. Die meisten Krankheiten werden durch eine Kombination mehrerer Risikofaktoren (multifaktorielle Genese) bedingt. Dies gilt es zu berücksichtigen und ist eine der Hauptschwierigkeiten epide-miologischer Forschung, dieses komplexe Zusammenwirken aufzuzeigen[4] (vgl. Schwartz et al. 2012: 411).

2.2. Burnout

Dr. Herbert Freudenberger, ein New Yorker Psychoanalytiker, schreibt 1974 in seiner ersten Publikation (zit. n. Jaggi 2008: 1):

„Was wir aufbauen, sind unsere Talente und Fähigkeiten, was wir einbringen, sind Überstunden für ein Minimum an finanziellem Ausgleich. Wir arbeiten zu viel, zu lange und zu intensiv. Wir fühlen einen inneren Druck zu arbeiten und zu helfen, und wir fühlen einen Druck von außen zu geben … Aber genau wegen dieses Engagements tappen wir in die ‚Burnout-Falle‘.“

Burnout ist zunächst ein psychischer und physischer Kräfteverlust. Dabei ist es keinesfalls eine gesteigerte Befindlichkeit und Anspruchshaltung gegenüber den Inhalten der Arbeit, sondern bedingt durch die drastische Zunahme der Arbeitsverdichtung. Es ist eine totale Verausgabung von den menschlichen Ressourcen.

Burnout ist weder eine Neurose, noch eine andere psychische Krankheit, sondern eine eigene Art einer Erkrankung (vgl. Hoefert: 40f, Jaggi 2008: 1).

2.2.1 Definition von Burnout

Bisher finden sich über 50 Definitionen in der Literatur. Da Burnout keine Krankheit mit zuteilbaren diagnostischen Kriterien ist, wird Burnout von Jaggi in etwa so skizziert:

„‘Burnout‘ ist eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher Überbelastung. Dabei handelt es sich nicht um eine Arbeitsmüdigkeit, sondern um einen fortschreitenden Prozess, der mit wechselhaften Gefühlen der Erschöpfung und Anspannung einhergeht.“ (Jaggi 2008: 6)

2.2.2 Phasenverlauf von Burnout

Matthias Burisch hat einen Überblick über die Burnout-Symptomatik aufgezeigt.

Zunächst kommt es zu einem Überengagement mit psychischen Erschöpfungszeichen. Dieses Überengagement nimmt ab und reduziert sich („innere Kündigung“). Es kommt zu regressiven[5] Stimmungen des Versagens. Im weiteren Verlauf folgen emotionale Reaktionen und Schuldzuweisungen. Diese zeigen sich in Depressionen (Schuldgefühle, Selbstmitleid, Humorlosigkeit, Neigung zum Weinen, abrupte Stimmungsschwankungen, Hilflosigkeits- und Ohnmachtsgefühle) sowie in Aggressionen (Vorwürfe gegen andere, Ungeduld, Intoleranz, Nörgeleien, häufige Konflikte mit anderen, Misstrauen, Verleugnung der Eigenbeteiligung). Dies führt dann zu einem Abbau der Leistung, der Motivation, der Kreativität und der Entdifferenzierung[6]. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Verflachung des emotionalen, geistigen und sozialen Lebens. Psychosomatische Beschwerden wie Verspannung der Muskulatur, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Schwindel und Schlafprobleme stellen sich ein. Schließlich kann sich dann eine bedrohliche Verzweiflung breit machen mit Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Selbstmordabsichten und existenzieller Verzweiflung (vgl. Hoefert: 41ff; Jaggi 2008: 7).

2.2.3 Auslöser von Burnout

Den gesellschaftlichen Wandel prägen die Auflösung von Zwängen und Tabus, Rationalismus, Hedonismus, Verlust von Bindungen, sowie der wachsenden Trennung von Arbeit und Beruf. Dies sind nach Freudenberger die wesentlichen Ursachen von Burnout. Dieser Wandel führt zu einem „Klima der Verunsicherung“ (Hoefert: 46). Daneben betont er jedoch auch die unrealistischen Erwartungen und das Überengagement der Betroffenen (vgl. Hoefert: 46). Stress und Mobbing können Auslöser von Burnout sein.[7]

2.2.4 Abgrenzung Burnout von Depression

Die Abgrenzung von Burnout zur Depression gestaltet sich schwierig, da das Burnout-Syndrom eine Sonderform der Depression ist. Hauptkrankheitszeichen der Depression sind: gedrückte Stimmung und Freudlosigkeit, Verlust von Interesse und Freude, erhöhte Ermüdbarkeit und verminderter Antrieb. Dazu können körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Magendrücken kommen. Depressive Symptome müssen zur Diagnostizierung der depressiven Episoden leicht, mittelgradig und schwer, sowie über eine bestimmte Zeitdauer vorliegen:

1. Ausgeprägte depressive Verstimmung
2. Verlust von Freude und Interessen
3. Antriebsminderung und Müdigkeit
4. Einbruch von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
5. Übertriebene Selbstvorwürfe und Schuldgefühle
6. Körperliche Symptome (z.B. Gewichtsveränderungen)

Punkt 1-3 können sich durchaus mit Burnout überschneiden. Verstärkt sich der Burnout-Zustand, überlappen die Symptome immer mehr. Letztendlich sind aber beide Erkrankungen nicht scharf voneinander abzugrenzen. Jaggi hat den Versuch einer konzeptionellen Unterscheidung übernommen:

1. Burnout beschränkt sich auf Überbelastung.
2. Die Depression begleitet körperliche Symptome und wird nicht auf berufliche oder psychosoziale Belastungen beschränkt.
3. Die wahren Ursachen von Depressionen bleiben häufig unbekannt

(vgl. Jaggi 2008: 11).

Burnout steht somit im Zusammenhang von äußeren Stressoren, mangelnder Unterstützung, Stress und zu hohem persönlichen Engagement.

2.3 Phasenverlauf der Kindheit und der Jugend

Die Kindheit und Jugend wird in Lebensabschnitte eingeteilt, von der Geburt bis zum Beginn der Pubertät (Adoleszenz), diese hier kurz erläutert werden.

Das Neugeborenenalter beträgt die 1.-4. Woche. Darauf folgt das Säuglingsalter bis zum 12. Monat. Kleinkinder sind Kinder des 1.-6. Lebensjahres gefolgt von den Schulkindern. Die Lebensphase der Adoleszenz ist die Phase des Heranwachsens, das „Jugendalter“. Diese unterscheidet sich bei den Jungen in den Lebensjahren von 14 - 25 und bei den Mädchen vom 12. - 21. Lebensjahr (vgl. Roche Lexikon Medizin 1987: 24, 947).

3 Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitswissenschaften in Deutschland

Die Gesundheitsberichterstattung ist ein Teilgebiet der Epidemiologie und umschreibt damit curricular[8] die Gesundheitswissenschaften.

Die Gesundheitswissenschaften, sowie die Gesundheitsberichterstattung gingen in Deutschland einen historischen Sonderweg. In den 1980er Jahren wurden die Gesundheitswissenschaften und die Gesundheitsberichterstattung „wiederbelebt“ und dabei gezielt gesundheitspolitisch gefördert. Neue Ansätze der Gesundheitsforschung wurden durch die gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen geradezu herausgefordert. Beim New Public Health stehen die Entwicklung und Steuerung des Gesundheitssystems im Vordergrund des Erkenntnisinteresses. Die Gesundheitsberichterstattung soll dabei ein adäquates Bild vom Gesundheitszustand der Bevölkerung oder einzelner Gruppen geben. Ebenso sollen Erfolge von Interventionen gemessen werden.

Die Gesundheitsberichterstattung ist angewandte Epidemiologie und zugleich ein gesundheitspolitisches Kommunikationsmedium. Sie ist ein Instrument (durch Gesundheitsziele oder landesweite Aktionsprogramme) der indirekten Steuerung im Gesundheitswesen. Die Qualität von Gesundheitsberichten soll zukünftig daran gemessen werden, welchen Einfluss diese auf die Gesundheitspolitik haben (vgl. Hurrelmann, Razum 2012: 413; Schwartz et al. 2012: 62).

Die wechselseitige Beziehung und eine Abgrenzung von Public Health und Gesundheitsberichterstattung nahmen 1992 Laaser und Schwartz vor (zit. n. Hurrelmann, Razum 2012: 404):

„Wenn Public Health die Summe der gesundheitlichen Einflüsse auf die Bevölkerung in Forschung und Lehre in multidisziplinärer Kooperation analysiert, dann lässt sich Gesundheitsberichterstattung als unerlässliche Infrastruktur von Public Health verstehen“.

Im folgenden Verlauf der Arbeit werden Ergebnisse von unterschiedlichen Kinder und Jugendstudien in Deutschland ausschnittsweise dargestellt. Diese Studien sind im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung erstellt worden.

3.1 Ergebnisse der 2. World Vision Kinderstudie – Kinder in Deutschland

Die 2. World Vision Kinderstudie über Kinder in Deutschland 2010 soll ein repräsentatives Bild von der Lebenssituation, den Wünschen, den Bedürfnissen und den Interessen der Kinder zeigen. Befragt wurden 2500 Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren. Die World Vision Kinderstudie bezieht sich auf Selbstaussagen der Kinder und folgt damit den Prämissen der Kinderforschung, Kinder als Experten ihres Lebens ernst zu nehmen (vgl. Hurrelmann et al. 2010: 13f).[9]

Zusammenfassend ergibt sich aus der Studie, dass Kinder in ihre Familien hineingeboren werden und mit ihr aufwachsen. Die Familie ist damit das primäre soziale System. Bei den Lebensbedingungen der Kinder ist von besonderer Bedeutung, in welche Familie die Kinder hineingeboren werden und welche Möglichkeiten die jeweilige Familie hat. Dies hängt ganz erheblich von den Rahmenbedingungen der Eltern ab (Bildungsstand der Eltern, sind sie arbeitslos oder erwerbstätig, ist die Familie vollständig oder unvollständig). In der internationalen Kinderforschung wird die Annahme vertreten, dass Kindheit durch die gesamtwirtschaftliche Situation und die weltweiten Entwicklungen geprägt wird. Weltweit finden sich gleiche Tendenzen der Globalisierung (Ausbau der Betreuung und Bildung, organisierte Freizeitprogramme, Mobilität der Eltern, starke Präsenz der Medien), die sich mit kurzer Zeitverzögerung auf das Kinderleben niederschlagen. Ein besonderes Symptom für wachsende Ungleichheiten ist das Ausmaß von ökonomischer Armut von Kindern und Familien. Die Zuspitzung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Anspannungen am Arbeitsmarkt haben die Lage sozial schwacher Bevölkerungsgruppen verschlechtert. In diesen Bevölkerungsgruppen halten sich jedoch viele Kinder auf, die von dieser Entwicklung sehr stark betroffen sind (vgl. Hurrelmann et al. 2010: 35f).

Das positive Ergebnis der Kinderstudie ist, dass das selbst eingeschätzte Wohlbefinden der Kinder in Deutschland erfreulich hoch und damit Zeugnis einer guten Lebensqualität hier in Deutschland ist. Die negativen Ergebnisse der Studie sind: nicht alle Kinder fühlen sich in den für sie wichtigen Bereichen wohl, ein Zehntel der Kinder bemängelt die Situation in der Freizeit und dem Freundeskreis, ein Fünftel äußert sich negativ über die elterliche Zuwendung und zu den Freiheiten und fast ein Drittel der Kinder ist mit der schulischen Situation unzufrieden. In vielen Bereichen gibt es eine Kluft zwischen den Lebensbedingungen der Mehrheit und denen einer Minderheit. 20% der Kinder nehmen die Armut ihres Elternhauses als Ausgrenzung wahr oder fühlen sich vernachlässigt bzw. nicht hinreichend von den Eltern unterstützt (vgl. Hurrelmann et al. 2010: 394).

3.2 Ergebnisse der Shell Jugendstudie – Jugend 2010

Die 16. Shell Jugendstudie über die Jugend in Deutschland ist eine repräsentative Befragung von 2500 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren. In der Jugendstudie werden fünf soziale Schichten, in denen die Jugendlichen heranwachsen und sich bewegen, unterschieden. Von den Jugendlichen gehören 14% zur Oberschicht, 22% zur oberen Mittelschicht, 30% zur Mittelschicht, 24% zur unteren Mittelschicht und 10% der sozial schwächsten Schicht an.[10]

3.2.1 Ergebnisse des quantitativen Teils der Studie

Im Vergleich zur Vorgängerstudie im Jahr 2006 blieben die Jugendlichen bei ihrer konstruktiven und pragmatischen Haltung, auch vor dem Hintergrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise mit den schwieriger werdenden Rahmen-bedingungen. Unsicher gewordene Perspektiven und Berufsverläufe bringen die Jugendlichen nicht von ihrer optimistischen Grundhaltung ab. Sie gehen mit einer auffällig pragmatisch-taktischen Flexibilität bei den Herausforderungen in Alltag, Beruf und Gesellschaft um. Diese Haltung ist für den Lebensalltag prägend und sie bietet gleichzeitig Schutz davor, sich unterkriegen zu lassen. Unbe-kümmertheit kann aber auch zu Abtauchen, Aggression und Verweigerung führen, was die Jugendlichen aus der Balance bringt. Rückläufig ist die Zuversicht bei den Jugendlichen aus der sozial schwächsten Schicht. In allen anderen Schichten hat sich der Optimismus erhöht. Fast drei Viertel aller Jugendlichen sind im Allgemeinen zufrieden. Weniger als die Hälfte der Jugendlichen aus der Unterschicht äußern sich positiv zu ihrem Leben. Damit sticht die schwächste Schicht deutlich hervor. Insgesamt zeigt sich eine selbstbewusste Generation, die gelernt hat, mit dem gesellschaftlichen Druck umzugehen (vgl. Albert et al. 2011: 15f).

[...]


[1] Epidemiologie: griechisch. epi„auf, über“,demos„Volk“,logos„Lehre“

[2] deskriptiv: beschreibend

[3] ätiologisch: ursächlich, begründend

[4] Methoden der Epidemiologie bitte der Anlage 1 entnehmen

[5] regressiv: rückläufig

[6] Entdifferenzierung: Rückentwicklung

[7] Stress und Mobbing bitte der Anlage 2 entnehmen

[8] curricular: das Curriculum (Lehrplan) betreffend

[9] Weiterführende Informationen über die Ergebnisse der Kinderstudie bitte der Anlage 3 entnehmen

[10] Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Jugendstudie bitte der Anlage 4 entnehmen

Details

Seiten
41
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656603276
ISBN (Buch)
9783656603214
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268951
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
burnout kindern jugendlichen

Autor

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