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Die sichere Lieferkette im Lufttransport nach VO (EG) 300_2008. Eine Herausforderung für Unternehmen

Auswirkungen und Handlungsoptionen aus Sicht eines produzierenden Unternehmens

Projektarbeit 2014 31 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit und Gang der Untersuchung

2. Bedeutung der Luftfracht für Wertschöpfungsketten
2.1 Betriebswirtschaftliche Bedeutung der Luftfracht für Unternehmen in de
2.2 Aufbau einer typischen Luftfracht Transportkette

3. Luftfrachtsicherheit in der Logistik - Handlungsoptionen für Luftfracht versendende Unternehmen
3.1 Gesetzliche Luftfrachtsicherheitsregelungen bis zur VO (EG) 300/2008
3.2 Die neuen gesetzlichen Regelungen ab der VO (EG) 300/2008
3.3 Handlungsoptionen für Luftfracht versendende Unternehmen

4. Betriebswirtschaftliche Bewertung der Handlungsoptionen
4.1 Beurteilungs- und Auswahlkriterien außerbetrieblicher Transportsysteme
4.2 Allgemeine Analyse der Handlungsoptionen
4.2.1 Handlungsoption (1): Zertifizierung zum Bekannten Versender
4.2.2 Handlungsoption (2): Verzicht auf LBA-Zertifizierung und unsicheres Versenden
4.2.3 Handlungsoption (3): Anerkennung durch regB als geschäftlicher Versender
4.3 Abgleich der Handlungsoptionen mit den definierten Entscheidungskriterien

5. SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK

Literaturverzeichnis

Webseitenverzeichnis

Anhang

Anhangsverzeichnis

Anhang A: Logistikkosten und der Anteil der Transportkosten

Anhang B: Sicherheit als wichtiger Megatrend in der Logisti

Anhang C: Wachsende Bedeutung der Luftfracht in Deutschland

Anhang D: Kosten der Zertifizierung zum bV und des unsicheren Versendens

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beförderungsmengen der einzelnen Verkehrsträger 2010-2012 in Mio. Tonnen

Tabelle 2: Wertmäßiger Anteil der Luftfracht an Exporten

Tabelle 3: Vergleich der Handlungsoptionen anhand der Kriterien des definierten Entscheidungsgerüstes

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Steigende Bedeutung der Transportkosten

Abbildung 2: Vor- und Nachteile des Transportmittels Flugzeug

Abbildung 3: Lufttransportkette mit unterschiedlichen Integrationsgraden / Geschäftsmodellen

Abbildung 4: Handlungsoptionen für Versender

Abbildung 5: Auswahlkriterien außerbetrieblicher Transportsysteme mit Logistik-Zielbezug

Abbildung 6: Korrelation der Anzahl an Luftfrachtsendungen mit Zertifizierung zum bV

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

1.1 Problemstellung

Die zunehmende Globalisierung der Wertschöpfungsketten deutscher Unternehmen führt zu einer verstärkten Nachfrage von Transport- und Logistikdienstleistungen[1] und damit zu steigenden Anforderungen an eine leistungsfähige und zugleich kostengünstige Transportlogistik. Denn den durch weltweite Arbeitsteilung erzielten Einsparungen bei den Produktionskosten stehen aus Unternehmenssicht steigende Logistik-, vor allem Transportkosten, gegenüber, die es hinsichtlich Zuverlässigkeit und Preisgünstigkeit in der Beschaffung optimal zu managen gilt[2]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Kummer / Schramm / Sudy (2009): S.42

Abbildung 1: Steigende Bedeutung der Transportkosten

Um solch komplexen Anforderungen gerecht zu werden und diesen sog. Logistikeffekt[3] optimal auszuschöpfen, ist eine fortlaufende unternehmens- und produktbezogene Analyse zur Auswahl der geeignetsten außerbetrieblichen Transportsysteme[4] sowohl auf Beschaffungs- wie auch auf Distributionsseite unverzichtbar. Denn "...der außerbetriebliche Transport gilt als einer der Teile der Logistik, welcher am stärksten von externen Bedingungen beeinflusst wird"[5]. In einem daraus resultierenden betriebswirtschaftlichen Vergleich der Verkehrsträger untereinander stellt der Lufttransport infolge seiner spezifischen Eigenschaften und Rahmenbedingungen in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar: Zum einen zeichnet er sich durch kurze Beförderungszeiten und damit geringe Kapitalbindung über weite Distanzen, große Sicherheit durch geringe Unfall- und Diebstahlzahlen sowie hohe Zuverlässigkeit durch Pünktlichkeit aus.[6] Gleichzeitig ist der Luftverkehr jedoch aufgrund der repräsentativen Symbolkraft der Airlines für die jeweilige Nation sowie des hohen Schadenspotentials und internationalen Medieninteresses bei Flugzeugabstürzen besonders „attraktiv“ für Terroranschläge[7], wodurch er gleichzeitig auch an die höchsten Sicherheitsauflagen unter allen Verkehrsträgern gebunden ist. Vor allem die für die gesamte Weltwirtschaft folgenreichen Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA haben zu einem grundlegenden Wandel im Sicherheitsdenken bei der Luftverkehrssicherheit geführt. Doch spätestens die im Oktober 2010 verübten Anschlagversuche auf Frachtflugzeuge mittels Paketbomben aus dem Jemen und Griechenland[8] haben laut Jörg Mendel, Präsident des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA), die Aufmerksamkeit des Gesetzgebers neben der Kontrolle von Passagieren und Gepäck schließlich auch auf weitreichende Sicherheitsanforderungen bei gewerblicher Luftfracht gelenkt.[9]

Denn durchschnittliche Zuwachsraten an weltweitem Luftfrachtaufkommen von 5,2% p.a. seit 1982[10], prognostizierten Wachstumsraten im Luftfrachtbereich von jeweils 4,8% p.a. bis zum Jahr 2032[11] und die Tatsache, dass im Jahre 2010 ca. 52 % des internationalen Luftfrachtaufkommens mit Passagiermaschinen (sog. Kuppelprodukt "Bellyfracht") befördert wurden[12] verdeutlichen, wie wichtig Sicherheit und Terror-Abwehr auch bei der Luftfracht ist.

Ein Versuch des Gesetzgebers, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit sinnvoll zu vereinen, schlägt sich in einer Vielzahl an nationalen, supranationalen und internationalen Rechtsvorschriften nieder. Diese haben unmittelbare Auswirkung auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen versendender Unternehmen bei der Wahl geeigneter Distributionsstrategien. Mit den Verordnungen VO (EG) 300/2008 und VO (EU) 185/2010 hat die Europäische Union (EU) die gesetzl. Bestimmungen für den Lufttransport grundlegend geändert, um diesem Sicherheitsanspruch Rechnung zu tragen. Spätestens seit dem 29. April 2013 (Ende der Übergangsfrist zur Umsetzung der Maßnahmen der VO) haben diese Änderungen auch unmittelbare Auswirkung auf alle produzierenden Unternehmen, welche als "Versender" von Luftfracht integraler Bestandteil einer gesetzlich angestrebten "sicheren Lieferkette" sind und damit vor der Herausforderung komplexer behördlicher Auflagen stehen. Unternehmen, die Waren als Luftfracht versenden, sehen sich mit folgenden Fragestellungen konfrontiert:

- Wie wirken sich die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen auf die Wirtschaftlichkeit des Verkehrsträgers Luftverkehr aus?
- Welche Handlungsoptionen bieten sich und wie sind diese jeweils zu bewerten?

1.2 Zielsetzung der Arbeit und Gang der Untersuchung

Ziel dieser Arbeit ist es, aus der Sicht eines produzierenden bzw. Luftfracht versendenden Unternehmens, die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der o.g. gesetzlichen Veränderungen aufzuzeigen und mögliche Handlungsoptionen für den künftigen Umgang mit Luftfracht zu analysieren.

Das Thema dieser Projektarbeit ist damit einem der sog. Megatrends in der Logistik, der "Sicherheit in der Logistik", zuzuordnen, welcher Unternehmen laut einer groß angelegten Unternehmens-Studie der Bundesvereinigung Logistik zu Trends und Strategien in der Logistik auch zukünftig vor neue, große Herausforderungen stellen wird.[13]

Der erste, zurückliegende Abschnitt soll neben der Verdeutlichung der Bedeutung und Aktualität des Themas eine allgemeine Hinführung zur Problemstellung gewährleisten.Im zweiten Kapitel wird die betriebswirtschaftliche Bedeutung des Lufttransports für Unternehmen untersucht und der Aufbau einer klassischen Lufttransportkette erläutert. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich zunächst mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen der Luftsicherheit vor Inkrafttreten der neuen EU-Verordnungen, um darauf aufbauend die für Luftfracht versendende Unternehmen relevanten Veränderungen der VO (EG) 300/2008 und VO (EU) 185/2010 zu analysieren. Als Ergebnis dieser Analyse werden Handlungsoptionen für Unternehmen aufgezeigt. Im vierten Kapitel wird ein Entscheidungsgerüst für die betriebswirtschaftliche Beurteilung außerbetrieblicher Transportsysteme aus den Logistikzielen eines Unternehmens abgeleitet. Darauf aufbauend können die zuvor aufgezeigten Handlungsalternativen dahingehend bewertet werden, welchen Einfluss deren Umsetzung auf diese Entscheidungskriterien bzw. die "betriebliche Attraktivität" des Flugzeuges als Transportmittel haben. Im letzten Abschnitt wird neben einer zusammenfassenden Beurteilung auch ein Ausblick auf weitere themenbezogene Fragestellungen und Entwicklungen gegeben.

Der knapp bemessene Umfang dieser Projektarbeit erfordert eine konzentrierte, z.T. sehr oberflächliche Betrachtung dieses komplexen Themas aus der isolierten Sicht eines Luftfracht versendenden Unternehmens. Aspekte aus volkswirtschaftlicher, sicherheitspolitischer oder der Sichtweise anderer Beteiligter der Luftfrachttransportkette (z.B. Airlines, Speditionen) müssen somit weitestgehend ausgeblendet oder durch Verweis auf weiterführende Literatur kompensiert werden.

2. Bedeutung der Luftfracht für Wertschöpfungsketten

2.1 Betriebswirtschaftliche Bedeutung der Luftfracht für Unternehmen in der BRD

Vergleicht man die Güter-Beförderungsmengen der einzelnen Verkehrsträger in Deutschland untereinander, so scheint der Lufttransport mit einem mengenmäßigen Anteil von 0,1% an der insgesamt beförderten Frachttonnen auf den ersten Blick eine untergeordnete Rolle einzunehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Eigene Auswertung der Daten aus: Statistisches Bundesamt (2013):S.7.

Tabelle 1: Beförderungsmengen der einzelnen Verkehrsträger 2010-2012 in Mio. Tonnen

Eine Auswertung des wertmäßigen Anteils der per Luftfracht exportierten Güter an dem gesamten deutschen Exportaufkommen im Jahr 2012 verdeutlicht jedoch, welche Bedeutung der zivile Luftfrachtverkehr für deutsche Unternehmen hat: Demnach machte dieser für das Jahr 2012 mit insgesamt 22% einen großen Anteil am Extrahandel (=Ausfuhren außerhalb der EU) der BRD aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle : Eigene Auswertung der Daten aus: Statistisches Bundesamt (2013):S.91.

Tabelle 2: Wertmäßiger Anteil der Luftfracht an Exporten

Klenner gibt für den wertmäßigen Anteil der per Luftfracht exportierten Güter in der BRD im Jahr 2010 sogar 35-40% an, während Vahrenkamp / Kotzab die Bedeutung der Luftfracht mit einem Anteil von 40% am Warenwert des Welthandels zusätzlich bestärkt.[14]

Zunehmende Bedeutung in der Logistik hat der Luftfrachtverkehr neben dem anfangs bereits erwähnten, anhaltenden Globalisierungstrend[15], einer stetig wachsenden Weltwirtschaft[16], sinkenden Fertigungstiefen sowie kürzeren Produktlebenszyklen in den letzten Jahren vor allem aufgrund des sog. Güterstruktureffektes erfahren: Durch die Steigerung des volkswirtschaftlichen Anteils an hochwertigen Gütern im Vergleich zu Massengütern kommen die konkurrenzlos kurzen Beförderungszeiten über weite Distanzen trotz hoher Frachtkosten besonders zum Tragen, etwa um Kapitalbindungskosten zu reduzieren, eine schnelle Marktzuführung sicherzustellen oder einem hohen Sicherheitsanspruch gerecht zu werden.[17] Aus betriebswirtschaftlicher Sicht lassen sich die Vor- und Nachteile der Nutzung des Flugzeuges als Transportmittel von Frachten so zusammenfassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darst. in Anlehnung an Wannenwetsch(2010):S.431, Pompl(2007):S.94, Vahrenkamp/Kotzab (2012):S.282

Abbildung 2: Vor- und Nachteile des Transportmittels Flugzeug

Vor allem prozesskritische Güter wie Hochwert-, Ersatzteile oder Arzneimittel sowie zeitkritische Waren wie z.B. verderbliche Lebensmittel, Schnittblumen oder Laborproben sind aufgrund der hier aufgezeigten Vorteile "lufttransporttypisch". In Branchen wie Maschinen-, Automobilbau, Pharma oder Chemie wird Luftfracht daher schon lange nicht mehr nur als Notlösung, sondern vielmehr als integraler Bestandteil der Strategie in der Distributionslogistik gesehen.[18]

[...]


[1] vgl. Kummer / Schramm / Sudy (2009): S. 34-44 ; Vahrenkamp / Kotzab (2012): S.5-8.

[2] siehe Anhang A dieser Arbeit zum Anteil der Transportkosten an den Logistikkosten.

[3] vgl. Vahrenkamp / Kotzab (2012): S.5 sowie zu den komplexen Anforderungen Schulte (2013): S.175.

[4] vgl. Conrady / Fichert / Sterzenbach (2013): S. 2f. , Wannenwetsch (2010): S. 411 oder Schulte (2013): S.174f. zur Unterteilung des Güterverkehrssystems.

[5] Schulte (2013): S.175.

[6] vgl. Wannenwetsch(2010): S.431, Pompl(2007):S.94 Vahrenkamp/Kotzab(2012):S.282.

[7] vgl. Binninger (2008): S.21 ; Luftfahrt-Bundesamt (2011): S.42.

[8] vgl. hierzu ausführlich mit Bezug auf die Luftsicherheitsentwicklung Rothe (2011b): S. 105-110.

[9] vgl. Luftfahrt-Bundesamt (2011): S.4 ; vgl. auch Hellmann (2013): S.76 oder Mücke (2011): S. 66.

[10] vgl. Boing (2013): S.17.

[11] vgl. Airbus (2013): S. 92.

[12] vgl. Vahrenkamp / Kotzab (2012): S.279 ; andere Autoren verweisen sogar auf einen Wert von 80% an Bellyfracht , vgl. hierzu Hellmann / Puschke (2012): S. 17; vgl. weiterführend hierzu auch die Ausführungen zum Trend zu noch mehr Fracht in Passagiermaschinen bei Airbus (2013): S.93.

[13] vgl. Anhang B sowie hierzu ausführlich Straube / Pfohl / BVL (2008):S.82-91.

[14] Vgl. Klenner (2012): S.157 und Vahrenkamp / Kotzab (2012): S.283.

[15] laut einer repräsentativen Unternehmens-Umfrage der Bundesvereinigung Logistik (BVL) stellt die Globalisierung für Unternehmen branchenübergreifend den Megatrend dar, der die Logistik heute wie auch in Zukunft vor die größten Herausforderungen stellt, vgl. hierzu Straube / Pfohl / BVL (2008): S.12.

[16] vgl. Airbus (2013): S.91.

[17] vgl. zum Güterstruktureffekt und den Hintergründen der steigenden Bedeutung der Luftfracht Vahrenkamp / Kotzab (2012): S.282f. sowie Pompl (2007): S.93.

[18] Vgl. Vahrenkamp / Kotzab (2012): S.282 sowie Ehrenthal/Stölzle/Jaronicki (2011): S.81.

Details

Seiten
31
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656599876
ISBN (Buch)
9783656599845
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v268966
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
bekannter Versender Lufttransport Luftfrachtsicherheit Luftsicherheit sichere Lieferkette reglementierter Beauftragter

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