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Gibt es Verbkomposita?

©2011 Hausarbeit 10 Seiten

Zusammenfassung

Die Wortbildung des Verbs unterscheidet sich in erheblichem Maße von der nominalen Wortbildung. Dies betrifft sowohl die Wortbildungsmuster als auch deren Produktivität (vgl. Lohde 2006: 222).
Während bei der nominalen Wortbildung die Komposition eine herausragende Stellung einnimmt, findet die Erweiterung des verbalen Wortschatzes vor allem durch Präfigierung statt (vgl. Lohde 2006: 222).
Die entscheidende Ursache für die unterschiedlichen Wortbildungsprozesse findet sich in den morphosyntaktischen Eigenschaften des Verbs. Das Verb bestimmt über seine Valenz-, Argument- und Komplementstruktur die syntaktische Struktur eines Satzes (vgl. Fleischer/Barz 1995: 289).
Die Fragestellung des Referats lautet deshalb: „Gibt es Verbkomposita?“ Dazu werde ich im zweiten Kapitel auf die Kriterien eingehen, die für das Wortbildungsmuster charakteristisch sind. Im dritten Kapitel werde ich die (vermeintlichen) Komposita hinsichtlich der genannten Kriterien genauer untersuchen (3.1 N+V, 3.2 V+V, 3.3 A+V und Adv+V). Im vierten Kapitel wird es dann um die Frage gehen, wie mit den (vermeintlichen) Verbkomposita auf dem Gebiet der Orthografie umzugehen ist.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Klassifizierung von Wortbildungsprodukten als Komposita

3. Analyse der (vermeintlichen) Verbkomposita
3.1 N+V-Verbindungen
3.2 V+V-Verbindungen
3.3 A+V- und Adv+V-Verbindungen

4. Normierungszwang bei unklarer Klassifizierung: Die Verbkomposita in der Rechtschreibung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Wortbildung des Verbs unterscheidet sich in erheblichem Maße von der nominalen Wortbildung. Dies betrifft sowohl die Wortbildungsmuster als auch deren Produktivität (vgl. Lohde 2006: 222).

Während bei der nominalen Wortbildung die Komposition eine herausragende Stellung einnimmt, findet die Erweiterung des verbalen Wortschatzes vor allem durch Präfigierung statt (vgl. Lohde 2006: 222).

Die entscheidende Ursache für die unterschiedlichen Wortbildungsprozesse findet sich in den morphosyntaktischen Eigenschaften des Verbs. Das Verb bestimmt über seine Valenz-, Argument- und Komplementstruktur die syntaktische Struktur eines Satzes (vgl. Fleischer/Barz 1995: 289).

Und doch gibt es zahlreiche Verbformen, die wie Verbkomposita erscheinen: kennenlernen, eislaufen, kopfstehen und fertigmachen seien hier als Beispiele genannt.

Es gibt Forscher, die im Sinne eine Betrachtung des Endprodukts auch N+V-, A+V- und V+V-Komposita annehmen (vgl. Fleischer/Barz 1996: 295-298). Andere Linguisten dagegen verweisen darauf, dass in vielen Fällen andere Wortbildungsprozesse oder lediglich syntaktische Prozesse zugrunde liegen (vgl. Eisenberg 2006: 232-235, 267-269). In Bezug auf die komplizierteste Gruppe, die vermeintlichen N+V-Komposita, wird deshalb von „Pseudokomposita“ (Eisenberg 2006: 234) gesprochen.

Die Fragestellung des Referats lautet deshalb: „Gibt es Verbkomposita?“ Dazu werde ich im zweiten Kapitel auf die Kriterien eingehen, die für das Wortbildungsmuster charakteristisch sind. Im dritten Kapitel werde ich die (vermeintlichen) Komposita hinsichtlich der genannten Kriterien genauer untersuchen (3.1 N+V, 3.2 V+V, 3.3 A+V und Adv+V). Im vierten Kapitel wird es dann um die Frage gehen, wie mit den (vermeintlichen) Verbkomposita auf dem Gebiet der Orthografie umzugehen ist.

Um die keine begriffliche Wertung vorzunehmen, werde ich die zu analysierende Gruppe im Folgenden „(vermeintlichen) Verbkomposita“ nennen.

2. Die Klassifizierung von Wortbildungsprodukten als Komposita

Um die (vermeintlichen) Verbkomposita begründet einem Wortbildungsmuster zuzuordnen, sucht man nach Wortbildungsregularitäten. Von besonderer Bedeutung sindproduktive Wortbildungsmuster, die Analogiewirkung entfalten (vgl. Eisenberg 2006:215).

Für eine zweifelsfreie Zuordnung zu einem Wortbildungsmuster muss man auf die morphologische und semantische Transparenz achten. Für die Zuordnung in die Klasse der Komposita muss es sich um feste, d.h. nicht trennbare, Wortformen mit einem Wortakzent handeln. Ein Wortbildungsprodukt darf per Definition keine Phrase sein. Es bedarf genereller semantischer Regeln für die Beziehung zwischen Erstglied und verbalem Zweitglied (vgl. Motsch 2004: 51). Wir werden im folgenden Kapitel untersuchen, ob dies bei den (vermeintlichen) Verbkomposita der Fall ist.

3. Analyse der (vermeintlichen) Verbkomposita

3.1 N+V-Verbindungen

Die (vermeintlichen) N+V-Komposita bilden eine relativ kleine Gruppe innerhalb derGesamtgruppe der potenziellen Komposita (vgl. Fleischer/Barz 1995: 296). Gleichwohlist die Klassifizierung dieser komplexen Verbformen in der Fachliteratur besonders umstritten.

Nach Eisenberg können N+V-Verbindungen auf drei verschiedene Weisen entstehen:

a. durch Inkorporation eines nominalen Erstglieds durch das verbale Zweitglied
b. durch Konversion eines Substantivkompositums oder
c. durch Rückbildung, häufig von produktiven Wortbildungsmustern (vgl. Eisen berg 2006: 234-235).

Inkorporation als eine spezielle Form der Univerbierung ist ein Grammatikalisierungsprozess, bei dem Nomen und Verb, die in syntaktischer Nähe stehen, in einem diachronen Prozess zusammenwachsen. Es handelt sich somit zunächst nicht um ein Wortbildungsmuster. In Bezug auf Substantivkomposita hat Jakob Grimm die Unterscheidung zwischen „eigentlichen“ (durch Wortbildung entstandenen) und „uneigentlichen“ (durchZusammenrückung entstandenen) Komposita getroffen. Eisenberg hält diese Unterscheidung aufrecht und ist prinzipiell der Meinung, dass durch Inkorporation entstandene komplexe Verbformen als „uneigentliche Komposita“ bezeichnet werden können.Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Univerbierungen Analogiewirkung entfalten undzu Wortbildungsmustern werden. Die Wortbildungsforschung hat das Ziel, die Zeitpunkte solcher Übergänge zu ermitteln (vgl. Eisenberg 2006: 234). Beispiele für Inkorporation sind komplexe Wortformen wie ehebrechen, gewährleisten, haushalten (Beispieleaus Eisenberg 2006: 234), haltmachen, lobpreisen (Beispiele aus Motsch 2004: 48).Eschenlohr verwendet dagegen auch für durch Inkorporation entstandene komplexeVerbformen den Terminus der „Pseudokomposita“ (Eschenlohr 1999: 145).

Die durch Konversion entstandenen Substantive bezeichnet Eisenberg als „Pseudokomposita“. Sie haben zwar die Struktur eines Kompositums, jedoch liegt ein anderes Wortbildungsmuster zugrunde. Die hier betrachteten komplexen Verbformen wurden zunächst als Substantive der Komposition unterzogen und schließlich als Ganzes zum Verbkonvertiert. Diese Form der Wortbildung tritt insbesondere dann auf, wenn das Kompositionszweitglied deverbal ist. Beispiele sind eislaufen (und weitere „sportliche“ Verben) sowie kopfrechnen. Es ist allerdings nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass einige Formen doch direkt als Verben gebildet wurden (vgl. Eisenberg 2006:234-235). Fuhrhop (2007: 63) betrachtet eislaufen (und radfahren) dagegen synchronaufgrund syntaktischer Testverfahren als verbale trennbare Komposita, allein dieTrennbarkeit sei untypisch.

Bei der Rückbildung von produktiven Wortbildungsmustern handelt es sich sich nachEisenberg ebenfalls um verbale Pseudokomposita. Eine Rückbildung liegt vor, „[wȐenndas Verb als Ganzes durch ein Substantiv morphosemantisch motiviert ist“ (Fleischer/Barz 1995: 297) und die Nominalform diachron als früher belegt gilt (vgl. Eschenlohr 1999: 143).

Während der Umgang mit den Beispielen aus a. und b. in der Fachliteratur umstritten ist, ist es zwischen den rezipierten Forschern Konsens, dass Rückbildungen nicht als Verbkomposita betrachtet werden können. Motsch (2004: 50) spricht der Rückbildung sogar den Status eine eines Wortbildungsmusters ab und verweist auf bei einigen Verben notwendige Stammveränderungen und Suffixeliminierungen.

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Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656602538
ISBN (Buch)
9783656602583
Dateigröße
899 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Erscheinungsdatum
2014 (Februar)
Note
1,0
Schlagworte
gibt verbkomposita
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Titel: Gibt es Verbkomposita?