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Die kontinuierliche Nutzung von Einflussfaktoren im Secondhand-Automobilmarkt als ein wesentliches Instrument zur Etablierung eines effizienten Qualitätsmanagements

Eine Analyse des Einkaufs- und Vertriebssystems der Ehrhardt AG

Bachelorarbeit 2012 88 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Motivation und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Allgemeine Situation am Gebrauchtwagenmarkt

3 Theoretische Grundbegriffe
3.1 Lemon Market
3.2 Arbitragetheorie
3.3 Preisdiskriminierung
3.4 Transaktions- und Suchkosten
3.5 Opportunitätskosten

4 Fahrzeugpreisermittlung
4.1 DAT
4.2 Internet als Informationsquelle
4.3 Ist- Zustand der Ehrhardt AG

5 Datenerfassung
5.1 Motivation
5.2 Vorgehensweise
5.2.1 Fahrzeuge
5.2.2 Ausstattungsmerkmale
5.2.3 Regionen
5.3 Durchführung
5.4 Grenzen der Analyse

6 Datenanalyse
6.1 Auswertung mittels Pivot - Tabellen
6.2 Zusammenhang zwischen Preis und Kilometerstand
6.3 Ergebnisbetrachtung
6.3.1 VW Passat Variant 1.4
6.3.2 Audi A3 2.0
6.4 Modellbetrachtung Audi A3 hinsichtlich Grundeigenschaften
6.5 Vergleich von Klein-, Mittelklassewagen und Limousine
6.6 Bestimmung regional belegbarer Preisdifferenzen an ausgewählten Modellen
6.7 Entwicklung einer Kalkulationsgrundlage
6.7.1 DAT im Vergleich zur aktuellen Bewertung der Ehrhardt AG
6.7.2 Marge als bestimmender Einflussfaktor auf die Preisgestaltung
6.7.3 Detaillierte Betrachtung der Nachfragetendenz VW Passat Variant
6.7.4 Kalkulation auf der Grundlage der Datenerhebung
6.8 Schlussfolgerungen

7 Arbitragemöglichkeiten

8 Zusammenfassung der Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl nachgefragter Gebrauchtwagen in Deutschland (2000- 2011 in Tausend)

Abbildung 2: Maske der DAT - Fahrzeugdaten

Abbildung 3: Maske der DAT - Sonderausstattung

Abbildung 4: Preisvergleich DAT- Internetportal

Abbildung 5: Nutzerzahl PKW- Onlineportale in Deutschland 2010 (in Millionen)

Abbildung 6: Gebrauchtwagen- Nachfrage nach Herstellern in Deutschland April 2011

Abbildung 7: Ertragsübersicht der Ehrhardt AG nach Marken

Abbildung 8: Kaufkraftverteilung in Deutschland 2011

Abbildung 9: Zusammenhang Kilometer- Preis am Beispiel VW Beetle 1.4

Abbildung 10: Abhängigkeit Preisentwicklung – Kilometerstand VW Passat Variant 1.4

Abbildung 11: Abhängigkeit Preisentwicklung- Kilometerstand Audi A3 2.0

Abbildung 12: Ergebnisdarstellung VW Passat Variant 1.4 Einflussfaktor Ausstattungsmerkmale

Abbildung 13: Ergebnisdarstellung Audi A3 2.0 Einflussfaktor Ausstattungsmerkmale

Abbildung 14: Modellbetrachtung Audi A3 hinsichtlich Grundeigenschaften

Abbildung 15: Preisentwicklung ausgewählter Fahrzeugvarianten

Abbildung 16: Regionale Verteilung VW up! 1.0

Abbildung 17: Regionale Verteilung VW Golf 1.4

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der Neupreise ausgewählter Modelle der Datenanalyse

Tabelle 2: Einwohnerzahl und Gebrauchtwagenzulassungen nach Regionen 2011

Tabelle 3: Durchschnittliche Preis- und Kilometerwerte ausgewählter Modelle der Datenanalyse

Tabelle 4: Preisentwicklung Audi A3

Tabelle 5: Aktueller Bestand der Ehrhardt AG VW Passat Variant 1.8 TSI

Tabelle 6: Kalkulationsgrundlage und DAT Kalkulation VW Passat Variant 1.8 TSI

Tabelle 7: Margen nach Datenanalyse

Tabelle 8: Detaillierte Margenberechnung VW Passat Variant

Tabelle 9: Preiskalkulation mittels Datenanalyse

Tabelle 10: Verkäuferfahrzeugkalkulation der Ehrhardt AG

Tabelle 11: Gesamtkosten der Überführung ausgehend von Thüringen

Tabelle 12: Vergleich der Durchschnittspreise nach Bundesländern

1. Einleitung

1.1 Motivation und Ziel der Arbeit

Der “richtige” Einkauf von Gebrauchtwagen ist die Grundlage für ein erfolgreiches Handelsunternehmen im Automobilsektor. Die Ehrhardt AG, Arbeitgeber des Autors, konnte 2011 fast 4.000 Gebrauchtwagen verkaufen - Tendenz steigend.1 Automobilverkäufer werden von der Unternehmensleitung jedoch vor die Entscheidung gestellt, entweder einen Gebrauchtwagen nach ihrer subjektiven Preiswahrnehmung teurer einzukaufen, um ein eventuell dazugehörendes Neuwagengeschäft abzuschließen oder das Geschäft angesichts der (zu) hohen Preisvorstellung eines Kunden für seinen Gebrauchtwagen abzulehnen. Ein möglicher Gewinn, aber auch ein eventuell entstehender Verlust durch die erforderliche Transaktion lässt sich so im Vorfeld nicht kalkulieren, zumal die Parameter für den Kauf und Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen unzureichend auf Entwicklungen des Marktes reagieren können.2

In vorliegender Bachelorarbeit wird sich daher mit einer Analyse der Preise im Gebrauchtwagengeschäft beschäftigt, auf mögliche Besonderheiten und Wertsteigerungen bzw. Wertminderung in der Ausstattung von Fahrzeugen sowie auf die Arbitragemöglichkeiten im Gebrauchtwagenmarkt eingegangen. Dadurch, dass jeder Gebrauchtwagen in der Summe seiner Eigenschaften einzigartig ist - bezogen auf Kilometerstand, Erstzulassung, Vorbesitzer, Ausstattungsvarianten usw. - werden mittels Gruppierung und Vergleich die Preisentwicklung der einzelnen Gruppen in verschiedenen Regionen und die Möglichkeit eines raschen Abverkaufs dieser Fahrzeuge untersucht. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede bezüglich des Angebots im Internet und der Geschwindigkeit des Abverkaufs. Diese sollen analysiert werden, um so Hilfestellung für die Ehrhardt AG und die AKH Autokaufhaus GmbH in Bezug auf Ein- und Verkauf von Gebrauchtwagen zu geben. Obwohl in der Ehrhardt Gruppe ein einheitlicher Prozess des zentralen Einkaufs von Gebrauchtfahrzeugen installiert wurde, ist diese Form der Kalkulation nicht unbedingt zuverlässig, da häufig aufgrund des enormen Zeit- und Kostendrucks darauf verzichtet wird, spezielle und fundierte Abgleiche mit vergleichbaren Gebrauchtwagen vorzunehmen. So werden Einkaufspreise zwar nach einem bestimmten Schema kalkuliert, Verkaufspreise jedoch subjektiv eingestellt. Eine Kontrolle der Preise und somit eine Erfolgsdiagnose kann so nicht gegeben werden3.

Hintergrund dieser Untersuchung ist nicht zuletzt auch die Tatsache, dass Fahrzeuge, welche im Zuge der Umweltprämie 2009 in der Mehrheit für vier Jahre finanziert wurden, voraussichtlich 2013 als Gebrauchtwagen auf den Markt drängen werden.4 Für dieses zu erwartende Mehrangebot an Gebrauchtwagen müssen rechtzeitig sinnvolle Strategien entwickelt werden. Verkäufer können mittels der Ergebnisse so eine Grundlage erhalten, die es ihnen ermöglicht, Fahrzeuge gewinnbringend einzukaufen.

Ziel dieser Bachelorarbeit ist es daher zu klären,

1. inwiefern und wie stark verschiedene Ausstattungsmerkmale den Preis beeinflussen,
2. ob eine starke Nachfragetendenz bestimmter Modelle nachweisbar ist,
3. ob regional begründete Preisdifferenzen innerhalb Deutschland vorhanden sind.

Dem Automobilhändler stehen für eine Analyse verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Vorteil gegenüber dem Privatverkäufer ist, dass ein Fahrzeugverkäufer auf vielseitige Erfahrungswerte zurückgreifen kann und diese immer in die Bewertung und Beurteilung eines Gebrauchtwagengeschäfts mit einfließen lässt. 5 Jedoch ist gerade in den vergangen Jahren durch die rasante Verbreitung des Internets eine Angleichung der Bewertungsmöglichkeiten zwischen Händlern und Privatverkäufern zu erkennen. 6

Die Möglichkeit der Marktbeobachtung funktioniert sehr einfach, wurde und wird sowohl von Käufern und Verkäufern der Ehrhardt AG zumeist sporadisch genutzt. Jedoch erst eine kontinuierlich durchgeführte, vollständige Marktanalyse ist ein wirksames Instrument bei vorhandenen Kauf- oder Verkaufsabsichten. Dafür müssen spezielle Programme und Hilfsmittel entwickelt werden, um dies bewältigen zu können.7 Inwiefern das Internet bzw. die Internetportale eine genaue Spiegelung des eigentlichen Marktwertes widergeben, kann in dieser Bachelorarbeit nicht überprüft werden, da der betrachtete Zeitraum von drei Monaten insgesamt gesehen noch nicht ausreicht, um langfristig verlässliche Aussagen treffen zu können. Anhand einer ausgewählten Internetplattform werden jedoch das Angebot und die Nachfrage einzelner Fahrzeugtypen untersucht, um Rückschlüsse hinsichtlich der zu erwartenden Preisentwicklung ziehen zu können. Dabei werden Privatkäufer und Händler ohne Internetauftritt völlig vernachlässigt. Insofern lassen sich hinsichtlich der Arbitragewirkung nur bedingt Aussagen treffen, da diese lediglich auf einer Informationsquelle beruhen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach einer kurzen Analyse der allgemeinen Situation am Gebrauchtwagenmarkt werden im Anschluss die theoretischen Grundbegriffe des Gebrauchtwagenmarktes, das Lemon- Market- Problem, die Arbitragetheorie, die Preisdiskriminierung sowie Transaktions-, Such- und Opportunitätskosten betrachtet. Im vierten Abschnitt dieser Bachelorarbeit wird ein Überblick über Funktionen zur Preisermittlung gegeben- vor allem in Hinsicht der Preisfindung mittels Internet und spezieller Anwendungen. Auf dieser Grundlage kann der Ist- Zustand der Ehrhardt AG erfasst werden. Die für diese Bachelorarbeit verwendete Datenerfassung wird im fünften Abschnitt näher beschrieben- dabei wird auf die Vorgehensweise, Methodologie der Datenauswahl und Realisierung, aber auch auf Grenzen eingegangen. Im sechsten Abschnitt sollen die Ergebnisse an ausgewählten Beispielen dargestellt werden. Für bestimmte Einflüsse werden spezielle Beispiele analysiert und verglichen, um die Anwendbarkeit der Ergebnisse anhand einer eigenen Kalkulation bezüglich des Ein- und Verkaufspreises von Fahrzeugen untersuchen zu können. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Analyse und Berechnung einer Margenkalkulation. An einem ausgewählten Beispiel werden im siebten Kapitel die Preisdifferenzen und deren Nutzen für den Automobilhandel in Thüringen analysiert und dargestellt. Im letzten Abschnitt dieser Arbeit werden die Ergebnisse dieser Bachelorarbeit diskutiert.

2 Allgemeine Situation am Gebrauchtwagenmarkt

Der Gebrauchtwagenhandel ist für die Ehrhardt Gruppe ein wesentliches Standbein zum Erfolg auf dem Fahrzeugmarkt in Thüringen. Nachdem im Jahre 2009 aufgrund der bundesweit eingeführten Umweltprämie, auch als „Abwrackprämie“ bezeichnet, die Zahlen im Verkauf von Gebrauchtwagen im Vergleich zu den Vorjahren stark gesunken waren, zeigten sich in den Folgejahren ein Wiederanstieg der Verkaufszahlen im Gebrauchtwagenbereich.8 2011 konnte die Ehrhardt AG ca. 4.000 Gebrauchtwagen vermarkten - ca. 50 % vom Gesamtabsatz der Fahrzeuge.9 In den letzten beiden Jahren lässt sich ebenfalls ein Ansteigen der Gebrauchtwagengeschäfte erkennen. Die folgende Grafik stellt die Entwicklung der Gebrauchtwagengeschäfte bundesweit dar. Die Steigerung von ca. 6 % der Gebrauchtwagengeschäfte kann auch auf die Ehrhardt AG übertragen werden, die eine Steigerung um fast 30 % im Vergleich zum Jahr 2010 im gleichen Zeitraum zu verzeichnen hat.10

Abbildung 1: Anzahl nachgefragter Gebrauchtwagen in Deutschland (2000- 2011 in Tausend)11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach einer Studie der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) von 2011 lag das Verhältnis von Besitzumschreibungen, also die Wiederzulassung eines bereits gebrauchten Fahrzeuges, 2010 mit 2,21:1 deutlich höher als 2009 (1,58:1) und auch deutlich höher als 2008 (1,98:1).12 Der Trend zu einer Verschiebung zugunsten des Gebrauchtwagenmarktes kann aufgrund der Datenlage auch in den kommenden Jahren angenommen werden. Nach der Einführung der Umweltprämie zogen viele Kunden die Neuzulassung eines Fahrzeuges dem Kauf eines „Gebrauchten“ vor. Dies führte zu einer verstärkten Nachfrage nach Neuwagen, aber eben auch zu einer schwächeren Nachfrage nach Neuwagen im Folgejahr 2010. Im Jahr 2012 kann daher prognostisch mit einem relativ stabilen Markt im Neu- und Gebrauchtwagenbereich gerechnet werden.13 Trotz der Marktstabilität im Jahr 2012 müssen besondere Maßnahmen für das Jahr 2013 getroffen werden. Der Grund hierfür: Viele Kunden entschieden sich 2009 im Zuge der Umweltprämie für eine Finanzierung über 48 Monate. Diese vier Jahre der Finanzierung werden 2013 zu Ende gehen. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird vermutlich ein Mehrangebot einer sehr großen Zahl von Fahrzeugen zu verzeichnen sein - ein Preisverfall ist daher wahrscheinlich. Maßnahmen gegen diesen Trend sind unter anderem der richtige Einkauf, eine marktkonforme Bewertung sowie Angebote zur Weiterfinanzierung der Fahrzeuge, um diese Gebrauchtwagen seitens des Autohändlers so einzukaufen, dass dieser sie gewinnbringend veräußern kann.

Die Ehrhardt AG mit seiner 100%igen Tochter, der AKH Autokaufhaus GmbH sowie zahlreichen Standorten in Thüringen, übernimmt sowohl die Vermarktung von Gebrauchtwagen, die älter als 36 Monate sind, als auch Neu- und Werkswagen durch die einzelnen Niederlassungen der Ehrhardt AG. Somit können die Bedürfnisse von Kunden in vollem Umfang abgedeckt werden - es gibt jedoch, analog zum bundesweitem Trend, keinerlei Erhebungen bezüglich der sogenannten „Wanderbewegung“ von Kunden zwischen Neu- und Gebrauchtfahrzeugen. Eine gezielte Erfassung dieser Daten kann bereits an dieser Stelle als Instrument der Optimierung der Prozesse im Bereich Controlling/ Qualitätsmanagement aufgenommen werden.

Gegebenheiten des aktuellen Gebrauchtwagenmarktes, die das Kauf - und Verkaufsverhalten potenzieller Kunden zunehmend beeinflussen, sind:

die wachsende Bedeutung des Internets. Dies wird auch durch die DAT - Report Studie 2011 belegt und zieht Konsequenzen für den Automobilhandel nach sich. Bereits im Jahr 2010 hatten 92 % der Käufer einen Internetzugang - 7 % mehr als 2009. Mehr als die Hälfte (56 %) der Personen sammelten über das Internet Informationen zum Fahrzeug bzw. verglichen Preise. 24,9 % oder nahezu 1,6 Mio. Gebrauchtwagen wurden 2010 direkt über das Internet erworben. Kunden informieren sich nicht nur über spezielle Ausstattungsmerkmale oder Preise, sondern sind auch direkt über das Internet zum Kauf bereit. Unter Umständen legen sie einen längeren Weg zurück, um das Angebot aus dem Internet begutachten und später das Fahrzeug kaufen zu können.14 die Ergebnisse des DAT - Reports von 2011, die ebenfalls einen Hinweis über einen möglichen Zusammenhang zwischen Fahrzeugalter und Komfort geben. Durch das am 01. Januar 2002 in Kraft getretene Gewährleistungsrecht, das eine Stärkung der Rechte von Privatpersonen beim Gebrauchtwagenkauf durch die Gewährleistungspflicht des Händlers innerhalb des ersten Jahres zur Folge hat, wird die Verschiebung zum Privatverkauf für Fahrzeuge, die älter als sechs Jahre sind, deutlich. 65 % dieser Fahrzeuge werden im Privatgeschäft abgewickelt und unterliegen somit nicht der Sachmängelhaftung der Händler - diese sind eher an jungen Gebrauchten interessiert und können diese aktiv besser vermarkten. Dieser Zusammenhang soll an dieser Stelle jedoch lediglich erwähnt werden und spielt keine weitere Rolle in den folgenden Ausführungen.15

3 Theoretische Grundbegriffe

Zunächst sollen theoretische Grundbegriffe sowie Theorien hinsichtlich der Einflussfaktoren bzw. der Preisgestaltung im Gebrauchtwagengeschäft dargestellt werden. Diese sind die Grundlage für weitere Betrachtungen.

3.1 Lemon Market

Das Lemon- Market Problem und seine Folgen wurde von George Akerlof (1970) in seinem Aufsatz „The Market for Lemons“ beschrieben und kann anhand des Gebrauchtwagenmarktes erklärt werden. Zur Vollständigkeit der Theorie soll dieses Problem kurz erläutert, aber nicht weiter vertieft werden. 16

Die Lemon Market Theorie basiert auf einer Informationsasymmetrie zwischen Käufer und Verkäufer. Bei einer Informationsasymmetrie, auch als „hidden characteristics“ - versteckte Eigenschaften - bezeichnet, fehlen einem Akteur - in diesem Fall dem Käufer eines Fahrzeuges - Informationen über die Eigenschaften potenzieller Transaktionspartner bzw. Das von diesen angebotene Gut - dem Gebrauchtwagen.17

Akerlof selbst erklärt die Theorie des Lemon Market Modells anhand des Gebrauchtwagenmarktes. Folgende Situation wird dabei angenommen: Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es ausschließlich gute oder schlechte Gebrauchtwagen. Akerlof unterteilt diese in gute, die sogenannten „Plums“, und schlechte, die „Lemons“. Die Interessenten eines Fahrzeuges kaufen auf diesem Gebrauchtwagenmarkt, ohne die Qualität der Fahrzeuge zu kennen bzw. einschätzen zu können - sie wissen also nicht, ob es sich bei ihrem Kauf um ein gutes oder schlechtes Fahrzeug handelt. Sie wissen nur, dass es am Markt beide Möglichkeiten gibt und sind bereit, einen Preis zu zahlen, der ein von ihnen angenommenen Mittelwert zwischen Fahrzeugen mit guter bzw. schlechter Qualität hat. Dadurch, dass ein Verkäufer die Möglichkeit besitzt, mittels geeigneter Programme die Reparaturhistorie jedes einzelnen Fahrzeuges aufrufen zu können und somit auch die Möglichkeit der Bewertung hat, ob das angebotene Fahrzeug eine „Plum“ oder eine „Lemon“ ist, entwickelt sich eine Informationsasymmetrie:

Die Verkäufer haben mehr Wissen über die Qualität eines Autos als die Käufer. Ihr Ziel ist es, dem Kunden einerseits diese Informationen glaubwürdig zu vermitteln, um ihm so zu signalisieren, dass er ein gutes, für ihn geeignetes Auto bei ihnen erwerben kann. Andererseits kann der Käufer letztendlich nicht zwischen guten und schlechten Autos unterscheiden, da er nicht über diese Details verfügt, weshalb er auf die Dienstleistung des Verkäufers angewiesen ist. Dessen Informationsübermittlung ist nicht kostenlos - Garantien befriedigen zum einen das Bedürfnis des Kunden nach Sicherheit und sichern zum anderen Provisionen für den Verkäufer.

Der Verkäufer kann und möchte seinen Informationsvorsprung nicht in vollem Umfang preisgeben. Sein Ziel besteht darin, einen möglichst hohen Gewinn für das Unternehmen zu erzielen. Dies schließt mögliche Rabatte, besonders für preislich höherwertige Fahrzeuge, den „Plums“ weitgehend aus. Für diese Fahrzeuge werden häufig aufgrund ihrer Attraktivität für Kunden von vornherein Preisaufschläge berechnet, die der Verkäufer nicht in vollem Umfang als Rabatt an den Kunden weitergeben kann.

Somit werden sowohl die guten als auch die schlechten Automobile zu einem Preis X verkauft. Für den Anbieter schlechter Fahrzeuge ist diese Form sehr sinnvoll: Durch diese Informationsasymmetrie müsste der Käufer einen höheren Preis zahlen und erkennt für sich keinen eindeutigen Vor- oder Nachteil der entsprechenden Preisentwicklung. Die Qualität des gekauften Fahrzeuges erweist sich für den Kunden häufig erst nach Kaufabschluss. Der Marktpreis hingegen spiegelt nach einer gewissen Zeit nur noch die niedrige durchschnittliche Qualität der am Markt gehandelten Autos wider und es gelingt nicht, für bessere Qualität einen höheren Preis durchzusetzen.

Infolgedessen verlassen Anbieter mit höherwertigen Fahrzeugen aufgrund der Preisentwicklung schrittweise den Markt, was zu einer Verschlechterung der durchschnittlichen Qualität der Gebrauchtwagen führt.18 Die asymmetrische Information führt deshalb letztendlich dazu, dass Märkte für gut erhaltene gebrauchte Autos nicht existieren, und dass nur sogenannte „Lemons“ - Märkte übrig bleiben. Ein möglicher Tauschgewinn - der Verkäufer bekommt das geforderte Geld und der Käufer erhält die gewünschte Ware - aus einem gegenseitig vorteilhaften Geschäft kann nur bedingt realisiert werden - auch wenn in der Regel Gewinne für den Verkäufer generiert werden können. 19

3.2 Arbitragetheorie

Der Terminus „Arbitratus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „unbeschränkte Vollmacht“. Allgemein kann man die Arbitrage als eine Gelegenheit, einen Vermögenswert zu einem niedrigen Preis zu kaufen, um ihn kurz danach auf einem anderen Markt zu einem höheren Preis, aber risikofrei, zu verkaufen, definieren.20 Bedingung für den Handel ist, dass Kauf und Verkauf nahezu zur gleichen Zeit erfolgen müssen. „ArbitrageProzesse (...) [führen zum] Ausgleich bestehender Preis-, Kurs- und Zinsdifferenzen zwischen den Teilmärkten und bewirken damit eine einheitliche Preis- und Zinsfeststellung“21 Das Erzielen eines Arbitragegewinns nimmt vor allem durch den Internethandel auf dem Automobilsektor immer weiter ab.22 Durch eine Arbitrage werden Angebote - egal welcher Art - den Marktpreisen angepasst, sodass sich nach einer gewissen Zeit wieder eine Preisgleichheit einstellt. Arbitrage gibt es jedoch nicht nur auf Finanzmärkten - auch wenn ihr auf diesen vermutlich die größte Bedeutung zukommt. Neben der geografischen Arbitrage, welche meist der Finanzwirtschaft durch das Ausnutzen der Kursunterschiede eines Wertpapiers an verschiedenen Börsen zugrunde liegt, gibt es weitere Arten der Arbitragemöglichkeiten: Durch die kulturelle Arbitrage können kulturbedingte Eigenheiten genutzt werden, um ebenfalls Handelsvorteile zu erzielen. Ein typisches Beispiel: Nahezu in allen Bereichen der Wirtschaft genießen weltweit Produkte mit den Attributen „deutsche Qualität“ bzw. „Made in Germany“ in der Regel ein sehr hohes Ansehen - die Produkte sind dementsprechend hochpreisiger. Viele Exportunternehmen nutzen diese Arbitragemöglichkeit aus, indem sie deutsche Produkte zu marktüblichen Preisen in Deutschland einkaufen und diese im Ausland mit Aufschlag verkaufen. 23 Neben der administrativen Arbitrage, also beispielsweise dem Nutzen von steuerrechtlichen Freiheiten in einem Land, soll auch die ökonomische Arbitrage erwähnt werden. Obwohl letztendlich alle Formen der Arbitrage ökonomischer Natur sind, beschreibt die ökonomische Arbitrage alle Formen, die eben nicht ihren Ursprung in Kultur, Administration oder Geografie haben - dazu zählen auch die Reserven, die Arbeit und Kapital innewohnen. Internationale Unternehmen verlegen ihre Produktionsstätten oftmals in Länder mit niedrigen Arbeitskosten – sogenannte Billiglohnländer. Dies geschieht natürlich nur dann, wenn die Lohnkosten in einem Land ausreichend niedriger sind, um die Verlegung der Produktion dahin zu rechtfertigen. Ist dies nicht auf Dauer gewährleistet, kann keine Arbitragewirkung erzielt werden und somit ist die Verlegung der Produktionsstätte nicht (mehr) ökonomisch sinnvoll. Für den Gebrauchtwagenmarkt zeigen sich gewisse Grenzen der Arbitragetheorie auf: Der Gebrauchtwagenmarkt ist ein sehr heterogener Markt - es gibt nahezu keine Fahrzeuge mit identischen Merkmalen. Gebrauchtfahrzeuge unterscheiden sich in der Regel, abgesehen von großen Unternehmensflotten, in Erstzulassung, gefahrener Kilometer, Motor und Getriebe und sämtlichen Ausstattungen. Insofern wäre die Arbitrage nicht erfüllt, da es sich nicht um die gleichen Produkte handeln kann. Dennoch lässt sich durch Gruppierung, Zusammenfassung und Bewertung von ausgewählten Ausstattungsmerkmalen die mögliche Ausnutzung der Arbitrage untersuchen und auswerten24.

3.3 Preisdiskriminierung

Es gibt drei Grundformen der Preisdiskriminierung, die als Preisdiskriminierung ersten, zweiten und dritten Grades bezeichnet werden.25 Alle Produzenten eines Gutes - also eben auch Automobilhersteller - besitzen ein natürliches Monopol auf die von ihnen hergestellten Güter, in diesem Fall Neuwagen. Man spricht auch von einer monopolistischen Konkurrenz: Bei dieser bieten die Anbieter zwar einander ähnliche, aber im Urteil der Nachfrager doch nicht gleiche Produkte an.26 Diese Überlegung ist eine wichtige Grundlage für die Bewertung des Gebrauchtwagenmarktes.

Die Preisdiskriminierung ersten Grades oder perfekte Preisdiskriminierung ist wohl die am schwersten umsetzbare bzw. anwendbare Diskriminierung. Im Idealfall möchte der Unternehmer jedem Kunden einen angemessenen, idealen, individuellen Preis berechnen. Das Gut soll also an jenen Kunden verkauft werden, der bereit ist, den maximalen Preis dafür zu zahlen, da es für ihn am wertvollsten ist. Dieser maximale Preis wird in der Volkswirtschaft als Reservationspreis bezeichnet. In diesem Modell wird durch das Erreichen eines maximalen Preises die Produzentenrente maximiert und die Konsumentenrente nimmt den Vgl. Kapitel 7, S.40. Wert Null an. Die perfekte Preisdiskriminierung ist ein ideales Konzept und eher ungewöhnlich - wenn nicht nahezu unmöglich27. Durch das Fehlen von Informationen darüber, wie viel jeder potenzielle Käufer bereit ist, für ein angebotenes Gut zu zahlen, die Unmöglichkeit der Befragung aller Kunden sowie der mangelnden Objektivität der Angaben des eigenen Reservationspreises lässt sich eine Preisdiskriminierung ersten Grades nur in der Theorie annehmen. Obwohl die vollständige Preisdiskriminierung in der Praxis nahezu unmöglich ist, gibt es dennoch die Möglichkeit einer unvollständigen Preisdiskriminierung - diese soll im Folgenden am Beispiel des Verkaufs eines Neu- oder Gebrauchtwagens aufgezeigt werden:

Der Verkäufer eines Fahrzeuges in der Ehrhardt AG arbeitet sowohl beim Neu- als auch beim Gebrauchtwagen mit einer bestimmten Marge, abhängig von Typ und Modell bzw. Vorgaben der Geschäftsführung. Der Verkäufer hat die Möglichkeit, einen Teil seiner Marge an den Kunden abzutreten, um ein mögliches Geschäft zu generieren oder eben, falls das Geschäft so „gut wie sicher“ ist, auf der vollen Marge zu bestehen. Ein möglicher Nachlass ist dann nicht mehr notwendig. Je nachdem, wie gut der Verkäufer bereits mit den Gewohnheiten oder Interessen des Kunden vertraut ist, sollte er die Situation richtig einschätzen und die entsprechenden Entscheidungen überlegt treffen können28.

Die Preisdiskrimination zweiten Grades beinhaltet hauptsächlich die Berechnung verschiedener Stückpreise für unterschiedliche Mengen des gleichen Gutes oder der gleichen Dienstleistung.29 Das bedeutet, dass der Preis nicht konstant ist, sondern beispielsweise von der erworbenen Menge abhängt. Als typisches Beispiel ist der Mengenrabatt zu nennen. Mengenrabattaktionen werden sehr häufig im „normalen“ Geschäftsleben praktiziert - im Automobilgeschäft ist dies in der Regel nur bei Großkunden anzutreffen. Eine andere Möglichkeit der Preisdiskriminierung zweiten Gerades ist die Selektion nach Qualität. Eine Preisdiskriminierung ist eben auch bei Automobilherstellern zu erkennen: Durch verschiedene Motorisierung und Sonderausstattung im Neuwagengeschäft findet schon eine Selbstselektion der Kunden statt. Man kann von einer Preisdiskriminierung zweiten Gerades sprechen.

Eine Preisdiskriminierung dritten Grades bedeutet die Einteilung der Verbraucher in zwei oder mehr Gruppen, wobei für jede Gruppe ein unterschiedlicher Preis berechnet wird.30 Kriterien für eine Segmentierung dritten Gerades können unter anderem demographischer oder auch geographischer Natur sein. Mögliche Gruppierungen der Kunden der Erhardt AG sind zum Beispiel die Einteilung in „Kauf eines Neuwagens/ Gebrauchtwagens mit Gebrauchtwagenhereingabe“ oder „Verkauf eines Gebrauchtwagens an das AKH Autokaufhaus/ Ehrhardt AG“. Diese Einstufung seitens des Händlers kann unter Umständen Folgen für den Kunden haben. Kunden, welche lediglich ihr Fahrzeug verkaufen möchten, sodass keine weiteren Geschäftsabschlüsse zu erwarten sind, werden bei der Gebrauchtwagenbewertung Abstriche vor allem im Preis machen müssen. Einem Kunden hingegen, welcher sein Fahrzeug „tauscht“, das heißt, dass er sein gebrauchtes Fahrzeug in Zahlung gibt und im Gegenzug ein neues Fahrzeug erwirbt, hat bessere Konditionen beimAnkauf seines Fahrzeuges zu erwarten. 31 Das Unternehmen kann einen Gewinn aus dem Verkauf des neuen Fahrzeuges an den Kunden, aber auch einen späteren Gewinn aus dem Ankauf und Weiterverkauf seines Fahrzeuges generieren.32 Als weiteres Beispiel für eine Preisdiskriminierung dritten Grades kann ebenfalls das Auslandsgeschäft der AKH Autokaufhaus GmbH und Ehrhardt AG genannt werden. Kunden werden allein durch die geographische Entfernung automatisch in zwei Gruppen geteilt - Kunden, welche in Deutschland ein Fahrzeug erwerben und somit den „deutschen“ Preis zahlen und Kunden in der Schweiz, welche den für die Schweiz „üblichen“ Preis zu zahlen bereit sind. Obwohl die Ehrhardt AG aufgrund der Preisvorteile, die durch den deutschen Markt generiert werden, Fahrzeuge in der Schweiz günstiger anbieten kann, liegt dennoch eine Preisdiskriminierung dritten Gerades vor - da Kunden für das gleiche Fahrzeug in der Schweiz einen sich am Markt orientierenden Aufschlag zahlen müssen.

3.4 Transaktions- und Suchkosten

Als Transaktionskosten werden sämtliche Kosten bezeichnet, die durch Transaktionen am Markt entstehen.33 Der Begriff der Transaktionskosten kommt ursprünglich aus der Transaktionskostentheorie, auf die in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden soll. Transaktionskosten sowie Kosten der Vertragsgestaltung inklusive der Verhandlungskosten werden auch als „marketing costs“ bezeichnet. 34 Transaktionskosten beeinflussen die Marktpreise und stehen daher im Widerspruch zum vollkommenen Markt.35 Zu den Transaktionskosten werden auch die Suchkosten gezählt, die während der Informationsphase des Handels entstehen. Darunter sind alle Kosten zu verstehen, die dem Käufer während der Suche nach dem passenden Produkt seiner Bedürfnisse entstehen. Zu den Suchkosten gehören unter anderem auch Kosten wie Fahrt- oder Telefonkosten. Aber auch der Kauf einer Zeitung, um weitere Informationen zu dem gewünschten Produkt zu bekommen, wird unter Suchkosten eingestuft. Suchkosten sind ein entscheidender Faktor bei einer möglichen Kaufentscheidung und beeinflussen sowohl die Bereitschaft des Käufers, sich ein Produkt zu kaufen, als auch den Entscheidungsspielraum für den Verkäufer, der davon ausgehen muss bzw. kann, dass der potenzielle Käufer bereits Kosten hatte, um sein Produkt zu finden. Durch die Verbreitung von elektronischen Märkten - im Automobilgeschäft unter anderem durch www.mobile.de und www.autoscout24.de - und die zur Verfügung gestellten Suchmasken, mit denen dem Käufer in kürzester Zeit wichtige Informationen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sind Suchkosten für Produkt- und Preisinformationen stark gesunken. Durch den Zugang zu schnellen und kostengünstigen Informationen könnte man gerade in solch begrenzt homogenen Märkten wie dem Gebrauchtwagenmarkt davon ausgehen, dass Preisdifferenzierungen nicht zu erwarten sind. Tatsächlich lassen sich jedoch erhebliche Unterschiede feststellen. 36

3.5 Opportunitätskosten

Opportunitätskosten oder auch ökonomische Kosten sind Kosten in Verbindung mit Möglichkeiten, die versäumt werden, wenn Ressourcen des Unternehmens oder der Einzelperson nicht ihrer alternativen Verwendung mit dem höchstmöglichen Wert zugeführt werden.37 Opportunitätskosten sind somit Kosten für den entgangenen Nutzen der zweitbesten Verwendungsalternative (Opportunität). Es ist wichtig, diesen Begriff im Zusammenhang mit dieser Arbeit zu klären, da Opportunitätskosten Einfluss auf mögliche Arbitragegewinne haben können. Kann man feststellen, dass es beispielsweise sinnvoll wäre, ein Fahrzeug im Norden Deutschlands zu kaufen und im Süden zu verkaufen, also so einen maximalen Arbitragegewinn zu realisieren, müssen auch alle anderen Kosten, wie zum Beispiel Informations- und Suchkosten, berücksichtigt werden.38 Um ein Fahrzeug vom Norden in den Süden zu überführen, um einen maximalen Gewinn zu erreichen, muss mindestens eine Person das Geschäft abwickeln - dazu gehören neben den Kosten für Benzin und evtl. Transferkosten eben auch die Opportunitätskosten. Der Mitarbeiter, ein Verkäufer, könnte in der gleichen Zeit der Überführung vom Norden in den Süden theoretisch drei Kunden betreuen, ein Fahrzeug verkaufen und somit dem Unternehmen einen Gewinn von beispielsweise 3.000 Euro realisieren. Da er dies nicht tut, müssen diese 3.000 Euro als Opportunitätskosten berücksichtigt werden.

4 Fahrzeugpreisermittlung

Neben der praktischen Anwendung von Markttheorien und der gezielten Ausnutzung preisbeeinflussender Faktoren stehen dem Händler weitere Instrumente zur Verfügung. Dabei handelt es sich in erster Linie um spezielle Anwendungen und Programme, die ausschließlich gewerblichen Autohändlern zur Verfügung stehen. Deren Einsatz und Anwendbarkeit sollen folgend näher betrachtet werden.

4.1 DAT

Die DAT gibt sowohl dem privaten als auch dem gewerblichen Kunden die Möglichkeit, Fahrzeuge zu bewerten. Dabei sind jedoch je nach Kundenstatus besondere Unterschiede zu beachten:

Für den Privatnutzer wird eine Online - Applikation zur Bewertung von Gebrauchtfahrzeugen zur Verfügung gestellt. Zur Darstellung des aktuellen Händler-Einkaufswertes des Gebrauchtwagens ist zunächst eine exakte Fahrzeugdefinition erforderlich. Diese kann entweder mit der HSN und TSN Nummer oder einer vorgegebenen Maske mittels Pulldown39 eingegeben werden, d.h. durch die Selektion nach Fahrzeugart, Hersteller, Haupttyp und Untertyp. Weitere Angaben sind lediglich die Erstzulassung, das Baujahr und der aktuelle Kilometerstand des zu veräußernden Fahrzeugs. Die Online - Applikation für Privatkunden gibt zusätzlich den Hinweis: „Bitte beachten Sie, dass wertbeeinflussende Faktoren wie z. B. Regionalfaktoren, unterschiedliche Serien- und Sonderausstattungen sowie der individuelle Zustand Ihres Fahrzeuges hier nicht berücksichtigt werden konnten.“40

Gewerbliche Kunden, d.h. also zum Beispiel Vertragshändler wie die Ehrhardt AG, hingegen haben die Möglichkeit, mittels eines DAT - Programms und einer sogenannten VIN - Abfrage eine genauere Beurteilung des Fahrzeuges vorzunehmen. Bei der VIN- Abfrage handelt es sich um eine DAT - Funktion, mit deren Hilfe die Fahrzeugidentifikation über die Erfassung der Fahrgestellnummer bzw. VIN vorgenommen werden kann. Die entsprechenden Fahrzeugdaten, inklusive der jeweiligen Serien- und Sonderausstattungen, werden dabei direkt in das DAT- Programm eingespielt.41

Bemerkenswert ist zudem, dass die DAT - Applikation keinen direkten Zugriff auf Internetbörsen gewährleistet. Zwar stellt die DAT - Applikation gewerblichen Kunden diese zur Verfügung, jedoch ist dies vielen Händlern nicht bekannt.42 Diese müssen für ca. 60 Euro pro Monat und Arbeitsplatz zugekauft werden.43 Somit eröffnet sich dadurch aber eine Möglichkeit für die Ehrhardt AG, Preise von Gebrauchtwagen marktkonform zu bewerten. Der DAT in der Standardversion wird von fast allen Händlern gleich verwendet:

Zunächst werden, wie im folgenden Beispiel ersichtlich, Daten per Hand oder als schriftliche VIN - Abfrage in die Datenbank eingespielt.

Abbildung 2: Maske der DAT - Fahrzeugdaten44

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachdem alle Sonderausstattungen eingegeben worden sind, wird der Listenneupreis sowohl ohne als auch mit Sonderausstattungen ausgegeben. Die DAT greift dabei auf Datenbanken der Hersteller zu und kann somit eine genaue Zuordnung der Daten garantieren. Ebenfalls können dadurch die Sonderausstattungen bewertet und ein Mehrwert des Fahrzeuges als Neuwagen ausgegeben werden. Im folgenden Beispiel, einem Mercedes Benz LKW, beträgt der ehemalige Neupreis inklusive aller Sonderausstattungen 45.180 Euro. Der ehemalige Mehrwert der Sonderausstattungen wird bei der Bewertung mit 241 Euro angegeben - also rund 49 % weniger als bei einer Neuwagenbestellung.

Abbildung 3: Maske der DAT - Sonderausstattung45

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Je nach Alter des Fahrzeugs wird die Sonderausstattung um einen prozentualen Anteil vom aktuellen Neupreis abgewertet. Die Bewertungstabelle ist im Programm hinterlegt und kann vom Benutzer nicht geändert werden. Die Sonderausstattungen, die nicht zum Zeitpunkt der Erstzulassung eingebaut wurden, müssen durch eine manuelle Preisvorgabe berücksichtigt werden - sichtbar durch die Verwendung der Abkürzung „T“. Unter der Verwendung „R“ (nicht in der Grafik ersichtlich - Anmerkung des Verfassers) werden die Sonderausstattung anhand des relativen Fahrzeugwertes berechnet. Der Prozentsatz ergibt sich aus dem im Jahr der Erstzulassung zuletzt gültigen Fahrzeuggrundpreis (lt. Preisliste) und dem korrigierten Verkaufswert nach DAT - Marktspiegel. Der DAT - Marktspiegel ist nicht transparent und kann vom Händler nicht eingesehen werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die meisten Händler, wie auch bis vor kurzem die Ehrhardt AG, benutzen nach eigenen Angaben46 für die Marktbewertung die Standardversion der DAT, ohne dabei jedoch einen aktuellen Marktwert der Fahrzeuge wirklich nachweisen zu können. Die DAT stellt mit der Funktion der VIN - Abfrage ein Hilfsmittel zur Verfügung, das dem Händler gegen ein Entgelt von 1,00 € pro Abfrage die genauen Ausstattungsmerkmale des Fahrzeuges analysiert.47 Jedoch erfolgt die anschließende Bewertung ausschließlich durch einen prozentuellen Abschlag anhand des Listenpreises bzw.- sofern dieser nicht verfügbar ist - anhand des DAT - Marktspiegels und ist dadurch nicht immer marktkonform.

4.2 Internet als Informationsquelle

Dem Internet kommt laut DAT - Bericht von 2011 hinsichtlich der Informationsgewinnung für Kunden eine starke Bedeutung zu.48 Dabei sind vor allem Preis, Besonderheiten des Fahrzeugs sowie Erfahrungsberichte anderer Käufer ausschlaggebend. Noch vor einigen Jahren waren klassische Printmedien wie Zeitungen oder Zeitschriften oder auch das Fernsehen die wichtigsten Informationsquellen. Jedoch mit der Möglichkeit vieler Menschen, einfach, bequem und kostengünstig Zugang zum Internet zu bekommen, hat das Internet einen großen Teil dieser Aufgaben übernommen.49

Man kann bei Kunden, die sich regelmäßig mit dem Computer und dem Internet, sei es privat oder beruflich, beschäftigen, ein anderes Kaufverhalten erkennen, als bei denjenigen, denen diese Möglichkeiten nur selten bzw. nie zur Verfügung stehen.50 Ein Käufer ohne oder nur mit wenig Erfahrung im Internetshopping bevorzugt mitunter den Gang in das hiesige Autohaus und trifft die Entscheidung aufgrund seiner Sympathie für den Verkäufer, dem Ambiente bzw. des Angebots des Autohauses. Ein internetaffiner Konsument hingegen entwickelt eine völlig andere Kaufstrategie. Nach einer ausführlichen Recherche über Fahrzeuge, die zum Kauf in Frage kommen würden, analysiert der Kunde den wohl wichtigsten Faktor: den Preis. 51 Gerade weil der Preis meist für diese Kunden ausschlaggebend darüber ist, ob ein Kaufgeschäft zustande kommen kann oder nicht, ist der richtige Einkauf des Fahrzeuges seitens des Händlers von enormer Bedeutung. Ein gravierender Unterschied zum bislang üblichen Kaufverhalten potenzieller Kunden ist neben dem Suchverhalten auch die Markenloyalität. Fördern oft persönliche Beziehungen zum Verkäufer bzw. Tradition beim klassischen Käufer den Kauf eines Neufahrzeuges der gleichen Marke, so ist der Internetkäufer in einem gewissen Maße neutral und unvoreingenommen.52

Nach einer Studie von Cap Gemini benutzen 2011 bereits 94 % der Käufer das Internet im Kaufprozess, um sich Meinungen und Informationen über das Fahrzeug zu besorgen.53 67 % der Befragten aus den USA, Westeuropa und Südamerika gaben sogar an, sich vorstellen zu können, den kompletten Fahrzeugkauf ausschließlich über das Internet abzuwickeln - eine Möglichkeit, die zwar bis dato unrealistisch erscheint, aber dennoch Indiz für die stetig wachsende Suche nach günstigen und schnellen Informationen darstellt.54

Es kann also festgestellt werden, dass das Internet eine wichtige, vielleicht die wichtigste Informationsquelle für eine zunehmende Anzahl von Kunden auf dem Fahrzeugmarkt ist und deren Bedeutung von Autohändlern erkannt und gezielt genutzt werden muss, um zeitnah und effektiv auf Trends im Konsumverhalten der potentiellen Käufer reagieren zu können.

Eine weitere Konsequenz dieser Entwicklung ist jedoch auch, dass die Bedeutung von meist erfahrenen Verkäufern, die ihre Kunden individuell beraten, zunehmend abnimmt. Grund dafür ist die ständige Verfügbarkeit und Vielfalt von objektiven Daten im Internet, die jedem potenziellen Käufer zur Verfügung stehen. Neben den unzähligen Möglichkeiten der Typen und Modelle, der Motorisierung, Kilometerstände und Erstzulassung kann der Kunde zudem selbst mittels einer Suchabfrage auf den hiesigen Internetportalen die Suche mit verschiedenen Ausstattungsmerkmalen verfeinern und an seine Bedürfnisse anpassen. Es ist somit festzustellen, dass das Internet heute einen Großteil der Aufgaben des traditionellen Autoverkäufers übernommen hat.55 Die Vorteile für den Kunden wiederum liegen auf der Hand: Er erhält Zugang zu den verschiedensten Angeboten und zudem Erfahrungsberichte anderer Käufer - ein nicht zu unterschätzender Faktor für eine Kaufentscheidung, auf die sich Vertragshändler einstellen müssen.56

4.3 Ist- Zustand der Ehrhardt AG

Der Ankauf von Gebrauchtwagen erfolgte in der Ehrhardt AG bis vor kurzem basierend auf Daten der DAT in Verbindung mit der VIN - Abfrage. Durch die Erkenntnis, dass diese Fahrzeuge ohne einen Nachfrageabgleich mit den Internetbörsen bewertet werden, hat die Geschäftsführung von dieser Vorgehensweise Abstand genommen. Dass die Bewertung des Fahrzeuges mittels DAT durchaus unökonomisch sein kann, zeigt folgendes Beispiel:

[...]


1 Cemedia (2012).

2 Vgl. Kapitel 6.5, S.35.

3 Vgl. Kapitel 4.3, S.20 .

4 Siehe Anhang I, S. IX.

5 Walsh, G.,Hass, B.H. & Kilian, T. (2007), S.151.

6 Scott Morton, F., Zettelmeyer, F. & Risso, J.S. (2000), S.2.

7 Vgl. Kapitel 6, S.31.

8 Siehe Anhang I, S. IX.

9 Cemedia (2012).

10 Cemedia (2012).

11 Statista (2011b).

12 Vgl. Statista (2011), S. 10.

13 Vgl ebd., S. 11.

14 Vgl. ebd., S. 11f.

15 Vgl. ebd., S. 12.

16 Vgl. Pindyck, R. & Rubinfeld, D. (2009), S. 800f.

17 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2012b).

18 Vgl. Erlei, M., Leschke, M. & Sauerland, D. (2007), S. 148-170.

19 Vgl. Akerlof, G.A. (1970), S. 489.

20 Vgl. Konstantin, K., Leifert, K.D. & Rommelfanger, H. (1999), S. 12.

21 Gabler Wirtschaftslexikon (2012c).

22 Vgl. Heinemann, J.H. (2007), S.161.

23 Vgl. Brümmerhoff, D. (2007), S.578.

24 Vgl. Kapitel 7, S.40.

25 Pindyck, R. & Rubinfeld, D. (2009), S. 511.

26 Gabler Wirtschaftslexikon (2012d).

27 Bishop, S., Baldauf, M. (2006), S.143.

28 Vgl. Pindyck, R. & Rubinfeld, D. (2009), S. 511f.

29 Ebd., S.514.

30 Ebd., S.516.

31 Vgl. Kapitel 7, S.61.

32 Vgl. Kapitel 6.5, S.45.

33 Pasche, M. (2007), S.152.

34 Grote, M.H. (1999), S.5.

35 Hafner, S (2006), S.22.

36 Vgl. Kapitel 6.7, S. 46.

37 Vgl. Pindyck, R. & Rubinfeld, D. (2009), S.299.

38 Vgl. Sieg, G. (2008), S.5.

39 Pulldown = Aufklapp-Menü, Steuerelement einer grafischen Benutzeroberfläche.

40 DAT Deutschland (2010).

41 DAT Deutschland (2009).

42 Befragung durch den Autor.

43 DAT SilverDAT II Programmversion 7.50 Datenbankversion D.D.4412(183)N6.4.2.31.

44 Ebd

45 Ebd

46 Befragung durch den Autor.

47 DAT Deutschland (2009).

48 Vgl. DAT Report (2011), S. 11.

49 Vgl. Fritz, W. (2004), S.108.

50 Vgl. Scott Morton, F., Zettelmeyer, F. & Risso, J.S. (2000), S.17.

51 Vgl. ebd., S.6.

52 Vgl. Fritz, W. (2004), S.108.

53 Vgl. Cap Gemini, S.E (2011), S.4.

54 Ebd., S.7.

55 Vgl. DAT Report (2011)S. 23.

56 Vgl. Fritz, W. (2004), S.108 & vgl. Scott Morton, F., Zettelmeyer, F. & Risso, J.S. (2000), S.6.

Details

Seiten
88
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656618508
ISBN (Buch)
9783656618584
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269234
Note
Schlagworte
Autohaus Vertrieb Einkauf Neuwagen Gebrauchtwagen Marge Kalkulation Datenbank Analyse Arbitrage DAT Excel Privot Preisdiskriminierung

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Titel: Die kontinuierliche Nutzung von Einflussfaktoren im Secondhand-Automobilmarkt als ein wesentliches Instrument zur Etablierung eines effizienten Qualitätsmanagements