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Mit welchen geldpolitischen Instrumenten reagierte die EZB auf die Finanzkrise?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 28 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte und Gründung der europäischen Zentralbank

3. Die Geldpolitischen Instrumente des ESZB
3.1. Offenmarktgeschäfte
3.1.2. Befristete Transaktionen
3.1.3. Definitive Käufe bzw. Verkäufe
3.1.4. Emission von EZB-Schuldverschreibung
3.1.5. Devisenswapgeschäfte
3.1.6. Hereinnahme von Termineinlagen
3.2. Verfahren
3.2.1. Tenderverfahren
3.2.2. Bilaterale Geschäfte
3.3. Ständige Fazilitäten
3.3.1. Spitzenrefinanzierungsfazilität
3.3.2. Einlagefazilität
3.3.3. Inanspruchnahme von ständigen Fazilitäten
3.4. Notenbankfähige Sicherheiten

4. Die Reaktion der EZB auf die „Finanzmarktkrise“
4.1. Das Verhalten des Leitzinses
4.2. Längere Laufzeiten bei liquiditätszuführenden Geschäften
4.3. Mengentender mit Vollzuteilung
4.4. Währungsswapvereinbarungen
4.5. Sicherheitenerfordernisse
4.6. Programm zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen
4.7. Programme für die Wertpapiermärkte

5. Schlussbemerkungen

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„[D]ie EZB verfügt als einzige Institution über einen gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten, um angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen, Institute im Falle eines Bank-Runs mit neuem Geld zu schützen und durch ihre Finanz-Feuerkraft wenigsten für eine begrenzte Zeit wieder für Ruhe an den Börsen zu sorgen.“[1]

Dieses Zitat aus der Wirtschaftswoche befähigt eine Institution dazu, dass sie fähig wäre sich gegen die „Finanzkrise“ zu stemmen. Aber was ist die Europäische Zentralbank (EZB) für eine Institution und was ist mit dem „gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten“ gemeint?

Ziel dieser Arbeit soll es sein zu eruieren, wie die Europäische Zentralbank auf die Finanzkrise reagiert hat. Nach einem kurzen Abriss der Gründung und Geschichte der EZB, werden die geldpolitischen Instrumente erläutert, die die EZB zur Verfügung stehen. Hier besteht auf keinen Fall der Anspruch auf Vollständigkeit. Ich beziehe mich in dieser Arbeit nur auf die Offenmarktgeschäfte und die ständigen Fazilitäten, da sie meiner Meinung nach am wichtigsten sind. Mir ist durchaus bewusst, dass auch die Mindestreserve ein großes Instrument der EZB ist, aber dies ist auf Grund des Rahmens dieser Hausarbeit nicht möglich diese auch noch zu erläutern. Dies gilt auch für die weiteren ergriffenen Maßnahmen der EZB, wie die Bankenaufsicht, der ESFS oder der ESM usw. Dies lässt sich vielleicht irgendwann im Rahmen einer Bachelor- oder Masterarbeit veranschaulichen. Um der Arbeit auch einen temporären Rahmen zu geben, werden erst alle Ereignisse ab dem 15. September 2008, also nach dem Fall von Lehman Brothers, betrachtet.

Demzufolge gliedert sich die Arbeit in drei Teile. Im ersten Abschnitt wird ein kurzer Einblick in die Geschichte der EZB gegeben. Anschließend werden die einzelnen Instrumente vorgestellt, um dann abschließen zu eruieren, welche davon und wie diese Geldpolitischen Instrumente eingesetzt worden sind.

2. Die Geschichte und Gründung der europäischen Zentralbank

Im Juni 1988 bestätigte der Europäische Rat das Ziel, eine Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) in drei Stufen zu vollziehen. Am 1. Juli 1990 begann die erste Stufe. Der erste Beschluss war die Einigung über einen vollkommen freien Kapitalverkehr in den Mitgliedstaaten. Außerdem wurde die Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken fokussiert. Weitere Eckpunkte der ersten Stufe waren die Freie Verwendung des ECU (vor dem Euro verwendete europäische Recheneinheit) und die Verbesserung der wirtschaftlichen Konvergenz.

Am 1. Januar 1994 wurde, mit der Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (EWI), die zweite Stufe eingeleitet. Das EWI sorgte unter anderem für das Verbot der Gewährung von Zentralbankkrediten, für stärkere Koordinierung der Geldpolitik und für die Stärkung der wirtschaftlichen Konvergenz. Außerdem war das EWI für den Prozess, der zur Unabhängigkeit der nationalen Zentralbanken führt und der spätestens mit der Schaffung des Europäischen Systems der Zentralbanken abgeschlossen sein soll, verantwortlich. Des Weiteren waren die vorbereitenden Arbeiten für die dritte Stufe der WWU sehr wichtig und gipfelten mit der, am 25. Mai 1998, Ernennung des Präsidenten, des Vizepräsidenten und die vier weiteren Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank. Mit deren Ernennung, mit Wirkung zum 1. Juni 1998, erfolgte die Errichtung der EZB. Die EZB und die nationalen Zentralbanken der 11 teilnehmenden Eurostaaten bilden gemeinsam das Eurosystem, das in der dritten Stufe der WWU die gemeinsame Geldpolitik ausgestaltet und festlegt. Mit der Errichtung der EZB hatte das EWI seine Arbeit erfüllt und wurde gemäß Artikel 123 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft aufgelöst.[2]

Am 1. Januar 1999 begann die dritte und letzte Stufe der WWU. In dieser wurden die Wechselkurse der Währungen der ersten elf Teilnehmerländer der Währungsunion unwiderruflich festgelegt, darüber hinaus wurde die EZB mit der Durchführung einer einheitlichen Geldpolitik betraut. Der Euro als Buchgeld und drei Jahre später als Bargeld wurde eingeführt. Die Geldpolitik wurde durch das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) durchgeführt. Am 1. Januar 2001 erhöhte sich die Zahl der teilnehmenden Mitgliedstaaten durch den Beitritt Griechenlands zur dritten Stufe der WWU auf zwölf. Im Laufe der Jahre traten Slowenien, Zypern, Malta, Slowakei Estland und Kroatien dem Euro-Währungsgebiet bei. Mit dem Beitritt eines Landes zum Eurogebiet wird seine Zentralbank Teil des Eurosystems[3] und verpflichtet sich dem Stabilitäts- und Wachstumspakt, der seine rechtliche Grundlage im Vertrag von Lissabon Art. 126 findet.[4]

3. Die Geldpolitischen Instrumente des ESZB

Das vorrangige Ziel des ESZB ist, laut Art. 127 AEUV[5], die Preisstabilität für den Euroraum zu gewährleisten. Außerdem soll die Wirtschaftspolitik der Euroländer unterstützt werde, soweit dies ohne Beeinträchtigung der Preisstabilität möglich ist. Im Rahmen dieser Zielsetzung legt das ESZB die Geldpolitik der Gemeinschaft fest.[6] Welche geldpolitischen Geschäfte und Instrumente es hierfür hat, soll im Folgenden erläutert werden.

3.1. Offenmarktgeschäfte

Die Offenmarktgeschäfte (open market operations) spielen eine wichtige Rolle in der Geldpolitik des ESZB. Ihr hauptsächlicher Einsatz dient der Steuerung der Zinssätze und der Liquidität am Markt, um Signale bezüglich des geldpolitischen Kurses zu geben.[7] Ursprünglich verstand man unter Offenmarktgeschäften den Kauf und Verkauf von Wertpapieren am offenen Markt, nun wird jedoch

„dieser Begriff vom Eurosystem rein enumerativ gebraucht, d.h. Offenmarktgeschäfte sind diejenigen Geschäfte, die die Zentralbank als solche bezeichnet, ohne dass es sich dabei um Käufe bzw. Verkäufe von Wertpapieren am offenen Markt handeln muss.“[8]

Die Initiative geht bei Offenmarktgeschäften immer von der EZB aus. Somit liegt auch die Entscheidung über das einzusetzende Instrument und deren Bedingung für die Durchführung der Geschäfte bei ihr. Unter dem Aspekt der Zielsetzung, Rhythmus und Verfahren, können die Offenmarktgeschäfte des ESZB in die vier folgenden Kategorien unterteilt werden.[9]

Diese Offenmarktgeschäfte können durch verschiedene Offenmarktinstrumente realisiert werden. Auf die folgenden fünf Instrumente der EZB soll in den nächsten Kapiteln näher drauf eingegangen werden:

„Die ‚befristeten Transaktionen‘ (in Form von Pensionsgeschäften oder Pfandkrediten), Outrightgeschäfte (‚definitive Käufe bzw. Verkäufe‘), die Emission von Schuldverschreibungen, Devisengeschäfte und die Hereinnahme von Termineinlagen.“[10]

3.1.2. Befristete Transaktionen

Befristete Transaktionen sind Geschäfte, bei denen das ESZB notenbankfähige Sicherheiten mit Rückkaufvereinbarungen kauft bzw. verkauft oder Kreditgeschäfte die mit notenbankfähigen Sicherheiten unterlegt sind. Die befristeten Transaktionen sind das wichtigste Offenmarktinstrument des Eurosystems und kommen in allen vier Offenmarktgeschäften vor und können entweder als Pensionsgeschäft oder als besicherte Kredite durchgeführt werden.[11]

Bei Pensionsgeschäften wird das Eigentum eines Vermögenswert auf den Gläubiger übertragen, wobei vorher vereinbart wird, dass das Vermögen zu einem zukünftigen Zeitpunkt wieder auf den Schuldner übertragen wird. Der Gewinn (Zinsen) des Gläubigers entspricht der Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem Rückkaufpreis und sind bei Rückkauf zu bezahlen. Der Zinssatz wird nach Eurozinsmethode (act/360) berechnet, wobei das Jahr mit 360 Tagen zu Buche steht.[12]

Als zweite Variante der befristeten Transaktionen gibt es die besicherten Kredite. Hierbei handelt es sich um ein Leihgeschäft bei dem der Gläubiger ein Sicherungsrecht auf ein Vermögenswert bekommt, falls der Schuldner nicht zahlen kann, wobei aber unter der Annahme, dass der Schuldner seinen Kredit zurück zahlt, das Eigentum an dem Vermögenswert beim Schuldner verbleibt.[13]

Wie im laufenden Kapitel erwähnt können die befristeten Transaktionen als Instrument in allen vier Offenmarktgeschäften vorkommen. Diese gilt es im Folgenden näher zu betrachten.

3.1.2.1. Hauptrefinanzierungsgeschäfte

Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sind die wichtigsten vom Eurosystem durchgeführten Offenmarktgeschäfte. Sie spielen eine Schlüsselrolle bei der bereits angesprochenen Steuerung der Zinssätze und der Liquidität am Markt sowie der Signalisierung des geldpolitischen Kurses. Über die Hauptrefinanzierungsgeschäfte wird der Großteil der Liquidität für den Finanzsektor bereitgestellt. Die Ausführung geschieht dezentral und wird von den nationalen Zentralbanken durchgeführt. Hauptrefinanzierungsgeschäfte werden wöchentlich durchgeführt und ihre Laufzeit hat sich, im Jahre 2004, von zwei auf eine Woche verkürzt. Die Abwicklung erfolgt über Standardtender. Standardtender sind innerhalb des Handlungsrahmens des Eurosystems Geschäfte, die zu einem angekündigten Zeitrahmen und innerhalb von 24 Stunden von Ankündigung bis zur Bestätigung der Zuteilung durchgeführt werden. Auf die einzelnen Tenderverfahren gehe ich in Kapitel 3.2 näher ein. Teilnehmen können hierbei alle Geschäftspartner, also im Prinzip alle Kreditinstitute im Euroraum, die die allgemeinen Zulassungskriterien erfüllen.[14]

3.1.2.2. Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte

Zu den wöchentlich stattfindenden Hauptrefinanzierungsgeschäften führt das ESZB auch monatlich längerfristige Refinanzierungsgeschäfte mit einer Laufzeit von drei Monaten durch. Durch diese Geschäfte wird dem Finanzsektor längerfristige Liquidität zur Verfügung gestellt und erfüllt damit den Zweck, dass nicht die gesamte Liquidität am Geldmarkt jede Woche oder alle zwei Wochen umgeschlagen werden muss. Auch die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte werde dezentral als Standardtender durchgeführt und die Bedingungen der Geschäftspartner sind die gleichen, wie bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften.[15]

[...]


[1] http://www.wiwo.de/finanzen/boerse/boersenreaktion-ezb-versetzt-anleihenmarkt-in-aufruhr/6958644.html

[2] Vgl. Europäische Zentralbank: Die Geldpolitik der EZB, Frankfurt 2004, S. 107ff.

[3] Vgl. http://www.ecb.int/ecb/history/emu/html/index.de.html

[4] Vgl. http://dejure.org/gesetze/AEUV/126.html

[5] Vgl. http://dejure.org/gesetze/AEUV/127.html

[6] Vgl. Bundeszentrale für Politische Bildung: Wirtschaft heute, Bonn 2009, S. 284.

[7] Vgl. Europäische Zentralbank: Die einheitliche Geldpolitik in Stufe 3. Allgemeine Regelungen für die geldpolitischen Instrumente und Verfahren des ESZB, Frankfurt 1998, S. 4.

[8] Görgens, Egon / Ruckriegel, Karlheinz / Seitz, Franz: Europäische Geldpolitik. Theorie, Empire, Praxis, Stuttgart 2004, S. 212.

[9] Vgl. Europäische Zentralbank 1998 S. 5.

[10] Wagner, Andreas: Die Europäische Zentralbank, Wiesbaden 2001, S.60.

[11] Vgl. EZB: Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet. Allgemeine Regelungen für die Geldpolitischen Instrumente und Verfahren des Eurosystem, Frankfurt 2011, S. 14.

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. EZB: Geldpolitik 2011 S. 113f.

[15] Vgl. ebd. S. 115.

Details

Seiten
28
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656603061
ISBN (Buch)
9783656603030
Dateigröße
1016 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269252
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
EZB EU Finanzkrise Europäische Zentralbank Geldpolitik

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