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Rockergruppierungen. Ihre Bedeutung in der Gesellschaft und ihre Organisationsstrukturen

Am Beispiel der Hells Angels

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Organisierte Kriminalität: Hells Angels

2. Organisations- und kriminalsoziologische Theorien

3. Hells Angels
3.1. Club-Struktur
3.2. Hells Angels & sizilianische Mafia

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis...

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Organisierte Kriminalität: Hells Angels

Der Tatbestand „organisierte Kriminalität“ (OK) ist in Deutschland nicht durch eine bestimmte Rechtsnorm klar definiert. Vielmehr besteht der Begriff aus dem zusammenkommen mehrere Straftatbestände, wobei die Polizei die folgende Definition verwendet:

"Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig
a)unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen,
b) unter Anwendung von Gewalt oder anderer zur Einschüchterung geeigneter Mittel oder
c) unter Einflussnahme auf Politik, Medien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken."[1]

Bei den für die OK relevanten Verbrechen handelt es sich laut Bundeskriminalamt um Rauschgifthandel, Rauschgiftschmuggel, Kriminalität im Wirtschaftsleben, Eigentumskriminalität, Steuerdelikte, Zolldelikte, Schleuserkriminalität, Fälschungskriminalität, Gewaltkriminalität, Kriminalität im Nachtleben, Geldwäsche, Cybercrime, Waffenhandel, Waffenschmuggel, Umweltkriminalität und Andere.[2] Rockerbanden wie die Hells Angels können häufig in Zusammenhang mit Verbrechen dieser Art gebracht werden, nicht zuletzt auch in medienwirksamen Prozessen wie bei der Festnahme des früheren höchsten Mitgliedes der deutschen Hells Angels, Frank Hanebuth, im Juli diesen Jahres (23. Juli 2013) auf Mallorca, wobei unter anderem die Straftatbestände Geldwäsche, Erpressung und Prostitution von Bedeutung waren .[3] OK wird aber generell ehr mit traditionellen Vergemeinschaftungsformen/ totalen Institutionen[4] wie der italienischen Mafia, der sizilianische Cosa Nostra, der japanischen Yakuza, den chinesischen Triaden oder der Russenmafia in Verbindung gebracht, als mit Rockergruppen oder kleineren Zusammenschlüssen von Kriminellen. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass Clubs wie die Hells Angels ebenso wie bspw. die Cosa Nostra, Gemeinsamkeiten mit jenen Organisationen haben, aus welchen unsere modernen Gesellschaften bestehen. Diese Gemeinsamkeiten lassen sich nicht nur in ihrem Aufbau, sondern auch in ihren Funktionen, ihrem Zweck und ihrer Entstehung feststellen. Da eine Rockergruppe bei ihrer Selbstinszenierung, ihrem Image, Wert darauf legt zu betonen, dass die Mitglieder außerhalb der Gesellschaft stehen, oder zumindest „besonders“ sind, erscheint es widersprüchlich, dass sie trotzdem Merkmale von Organisationen aufweisen die ja üblicher Weise gesellschaftliche Funktionen haben. Widersprüchlich also deshalb, weil Organisationen ganz egal mit Hilfe von welchem theoretischen Modell man sie betrachtet, sie die moderne gesellschaftliche Ordnung konstituieren und sich Gesellschaft und ihre Organisationen wechselseitig beeinflussen.[5] Im folgenden wird deshalb der Rockerclub Hells Angels genauer unter einer organisationssoziologischen Perspektive betrachtet, wobei zur Abgrenzung, wie zur Verdeutlichung, die sizilianische Mafia, die Cosa Nostra, herangezogen wird. Ziel ist es genauer zu verstehen welche Funktionen innerhalb einer Gesellschaft Rockerclubs haben, sowie wie diese zustande kommen.

2. Organisations- und kriminalsoziologische Theorien

Organisationen, ebenso wie Institutionen sind begrifflich je nach theoretischer Perspektive die man einnimmt um diese Formen zu untersuchen, verschieden definiert, obgleich es häufig Ähnlichkeiten gibt. Organisationen haben in Gesellschaften eine instrumentelle Funktion und bestimmen welche Form eine Gesellschaft hat. Das bedeutet auch, dass sich die Kultur einer Gesellschaft in Ihren Organisationen widerspiegelt. Was sich daran verdeutlichen lässt, dass sie in der Regel einem gesellschaftlichen Zweck dienen. Organisationen und gesellschaftliche Entwicklung hängen somit zusammen und sind nicht getrennt voneinander zu betrachten.[6] Organisationen weisen außerdem einige Merkmale auf die im folgenden wichtig sein werden:

Der Eintritt ist vertraglich geregelt und auch die Austrittsbedingungen sind in diesem Vertrag festgehalten, sodass beides zu jeder Zeit möglich ist. Die Organisation hat immer nur Zugriff auf einige Teilbereiche im Leben ihres Personals, bspw. steht häufig das Privatleben von diesem außerhalb des Bereiches der für die Organisation zugänglich ist. Organisationen dürfen nicht gegen das Recht verstoßen was daraus folgt, dass die Handlungsfähigkeit einer Organisation auf Herrschaft beruht und damit auf Legitimität.[7]

Hier liegt das Problem wenn man bspw. die Mafia als Organisation, oder Institution untersuchen möchte. Kriminelle Organisationen sind zwar häufig durchstrukturiert und das Personal ist vertraglich in irgendeiner Weise gebunden, doch geht bei der Mafia mit dem Austritt in der Regel auch das Ende des eigenen Lebens einher. Zudem ist der Zugriff der Mafia auf das Leben der Mitglieder nicht auf einen Teilbereich beschränkt, sondern bezieht den ganzen Menschen mit ein und häufig auch noch dessen Familie.[8] Des weiteren können gerade solche kriminellen Organisationen dadurch gekennzeichnet sein, dass sie Funktionen innehaben, die normalerweise der Staat übernimmt, sie jedoch unter anderen Bedingungen und Wertvorstellungen ausführt(siehe 3.2).[9] Dies hat zur Folge, dass die Regeln der kriminellen Organisation einen höheren Stellenwert für ihrer Mitglieder haben, als jene die vom Staat vorgegeben werden. Somit ist die Legitimität dieser kriminellen Organisation anders begründet als die des Staates. Diese Liste ließe sich noch weiter führen, aber der Grundgedanke hier ist, dass kriminelle Organisationen aufgrund dieser vertraglichen Regelungen totale Institutionen, oder traditionelle Vergemeinschaftungsformen darstellen und sich so von den im Staat legitimen Organisationen unterscheiden.[10] Dies gilt jedoch nicht für alle Gruppierungen die in irgendeiner Weise mit der OK in Zusammenhang stehen, sondern insbesondere für die Mafia.

Um im weiteren den theoretische Rahmen etwas einzugrenzen ist es sinnvoll den organisationssoziologischen Ansatz der neuen Institutionentheorie wie bei Meyer, Rowan und Zucker[11] genauer zu betrachten. Im neuen Institutionalismus ist besonders der Aspekt der gesellschaftlichen Legitimität von Bedeutung[12]. Organisationen sind, wie oben erwähnt, zweckdienlich und sie eröffnen einen Möglichkeiten innerhalb einer Gesellschaft, zum Beispiel bestimmte Funktionen zu übernehmen. Dies tuen sie zum Teil dadurch, dass sie gesellschaftliche Ansprüche formalisieren und und so Legitimität schaffen. Dadurch wird gesichert, dass Personal, Vorgänge, etc. bestimmten Normen entsprechen, oder auch den Anforderungen gerecht werden. Diese Art der Rationalisierung bringt eine gewisse Starre mit sich, da Neuerungen in Prozessen erst als legitim anerkannt werden müssen. Andererseits sichert sie die Handlungsfähigkeit von Organisationen auch dann, wenn einzelne Mitglieder des Personals im Interessenkonflikt mit dieser stehen.[13] Zuvor wurde wiederholt der Begriff des Personals verwendet. In Organisationen beschreibt der Begriff laut neuer Institutionentheorie „Eine gesellschaftlich institutionalisierte Form der Mitgliedschaft, an institutionalisierten Erwartungen orientiert“[14] Das Personal besteht aus Personen. Person bezieht sich hier auf ein Bild von uns selbst, das wir orientiert an gesellschaftlichen Normvorstellungen und Erwartungen selbst von uns nach außen hin erzeugen.[15] Betrachtet man kriminelle Organisationen, wird klarer wie genau das gemeint ist, da innerhalb dieser andere Normvorstellungen geltend gemacht werden als in der sonstigen Gesellschaft und somit auch die Erwartungen an die Person und das Personal anders sind. Die genauere Bedeutung davon wird im Folgenden dargelegt.

[...]


[1] Bundeskriminalamt 2013 nach bundesweite Gemeinsame Arbeitsgruppe Justiz/Polizei (GAG) Mai 1990.

[2] Bundeskriminalamt 2011,S.:8.

[3] Dfp, AFP (n24) 2013.

[4] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 25.

[5] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.:11.

[6] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 12-15.

[7] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 11 (Tabelle 2.1).

[8] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 24.

[9] Gambetta, Diego, 1993, S.: 2.

[10] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.:29.

[11] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 46 (Tabelle 3.1).

[12] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 46.

[13] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 54f.

[14] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 78 (Tabelle 4.2).

[15] Pohlmann, Markus; Markova, Hristina 2011, S.: 65f.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656605911
ISBN (Buch)
9783656695585
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269438
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1
Schlagworte
Hells Angels Rockergruppen Organisierte Kriminalität Mafia organisiertes Verbrechen

Autor

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