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Theodore Roosevelt und das Männlichkeitsbild im spanisch-amerikanischen Krieg von 1898

Rough Riders und die Schlacht am San Juan

Seminararbeit 2008 20 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Historische Grundlegung
I.1 Der Spanisch-Amerikanische Krieg von
I.2 Theodore Roosevelt – Abriss eines Lebens

II. Die Schlacht am San Juan und das Amerikanische Männlichkeitsbild
II.1 Rough Riders, Feldzug von Santiago, Schlacht am San Juan
II.2 Zeugnisse Theodore Roosevelts über die Schlacht am San Juan
II.3.Th. Roosevelt, Rough Riders und die Rolle der Männlichkeit im imperialen Krieg

III. Theodore Roosevelt’s Vorstellung von der American Masculinity

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Vereinigten Staaten waren wie die Staaten Europas auf der anderen Seite des Atlantiks an der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert einem stetigen Veränderungsprozess unterworfen, der – ausgelöst durch die beständige Formierung der modernen kapitalistischen Industrie- und Konsumgesellschaft – klassische Sozialmodelle für obsolet erklärte.

Eine Reaktion darauf war unter anderem die Furcht, der zumeist aus der Mittelschicht stammenden, männlichen US-Bevölkerung ihre Männlichkeit im Rahmen dieser sozioökonomischen und kulturellen Umwälzungen zu verlieren. Mit der erstarkenden Suffragettenbewegung, dem Entstehen einer breiten Angestelltenschicht, in welcher Männer weibliche Arbeit zu verrichten gedächten und das durch die Arbeiterklasse und die Einwanderer der new immigration scheinbar destabilisierende Arbeitssystem, sah Mann seine bisher unerschütterliche hegemoniale Männlichkeit in Gefahr.[1]

Der Ausweg aus diesem Dilemma wurde nicht mehr in „den viktorianischen Tugenden […] die […] gleichbedeutend mit dem Verlust der Männlichkeit war[en] […] [sondern im] sportlich sich betätigende[n] Kerl nach dem Vorbild der rauen, muskulären Frontier -Männlichkeit“[2] gesehen. Die Genese der neuen Männlichkeit über die Besiedlungsgrenze, über der der Mann im Ringen mit der Natur und in Kämpfen mit den Eingeborenen seine Maskulinität beweisen konnte, erschien jedoch problematisch im Angesicht der vollständigen Erschließung des amerikanischen Kontinents. Aber auch dafür fand sich ein Surrogat – der US-amerikanische Imperialismus wie er zum Ende des 19. Jahrhundert emergierte und mit dem Eingreifen der USA 1898 in den seit bereits drei Jahren andauernden Unabhängigkeitskämpf der Kubaner gegen die spanische Kolonialherrschaft eine konkrete Gestalt annahm.[3]

Hier setzt die vorliegende Arbeit an indem sie ausgehend von der Person Theodore Roosevelts[4], dem späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner, Rough Riders genannten, First Volunteer Cavalry in ihrer legendär gefochtenen Schlacht am San Juan Hügel, die Auffassung von Männlichkeit jener Zeit ergründen will. Dazu wird in drei Schritten vorgegangen. Der erste Teil wird sich einer historischen Grundlegung widmen, die erstens den Ablauf und die Bedeutung des Spanisch-Amerikanischen Krieges von 1898 beleuchtet und anschließend einen kleinen Überblick über das Leben von Theodore Roosevelt geben wird, dessen Spitzname Teddy [5], in Verbindung mit seinem Verschonen eines kleinen Bärenjungen, mit darauffolgender von ihm genehmigter Produktion der bis heute als Kinderspielzeug beliebten „ Teddy“Bears, als Symbol für die künstliche Projektion eines natürlichen animalischen Männlichkeitsideal steht.[6] Darauf aufbauend wird der zweite Teil unter Verwendung von Briefen TRs, welche seine Sicht auf die Schlacht am San Juan Hügel und die darin involvierten Personen widergeben, die Perspektive auf die Männlichkeitsvorstellung jener Zeit situativ und lokal begrenzt analysiert werden. Der konkludierende dritte Abschnitt wird die Analyse insbesondere auf die Person Theodore Roosevelt zuspitzen und dessen Männlichkeitsvorstellung für die US-Gesellschaft generell näher betrachten.

Wie an den Anmerkungen und am Literaturverzeichnis zu ersehen fundiert diese Arbeit auf einer höchst diversifizierbaren Publikationslage. Besonders hervorheben möchte ich aber den Aufsatz von Arnaldo Testi, der mir zum besseren Verständnis des Männlichkeitsdenkens TR mit Rückgriff auf dessen Kindheit verholfen hat. Auch an TR spezifischen Biografien, allgemein oder Aspekt bezogen, mangelte es nicht, obwohl es wünschenswert gewesen wäre auch ein tiefergehende deutschsprachige in die Bearbeitung mit hätte einbeziehen zu können, die es von Kurzbiografien abgesehen, es aber nicht zu geben scheint.

I. Historische Grundlegung

I.1 Der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898

Nachdem die Vereinigten Staaten Florida 1817 von Spanien gekauft hatten, unternahmen sie in der Folge auch Anstrengungen ihren Einfluss im karibischen Raum, am Besten über den Erwerb der kubanischen Insel auszudehnen. Mehrere Kaufangbote wurden von Spanien jedoch zurückgewiesen und eine kleine Invasion durch Kubaner und Amerikaner 1851 zurückgeschlagen.[7] Eine weitere Gelegenheit die Insel unter die politische Kontrolle der USA zu bringen eröffnete sich mit dem Beginn des Spanisch-Kubanischen Krieges 1895. Am 11. April diesen Jahres landeten José Martì und Máximo Gómez, zwei Kämpfer aus dem niedergeschlagenen Zehnjährigen (Unabhängigkeits-)Krieg 1868-1878 und Mitbegründer der Partido Revolucionario Cubano von 1892, mit einem kleinen Boot auf Kuba und begannen einen breit angelegten Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft.[8]

Auch wenn sich beide Häuser des US-Kongresses mit einer Resolution am 26. April 1896 hinter die Aufständischen gestellt hatten, indem sie sie als kriegführende Partei anerkannten, was Hilfs- und Waffenlieferungen legalisierte, verhielten sich die US-Regierungen unter dem Präsidenten Cleveland und seinem im November gewählten Nachfolger William McKinley ablehnend gegenüber den revolutionären Bestrebungen in Kuba. Solange die wirtschaftlichen Interessen, insbesondere der US-Einfluss auf die kubanische Zuckerindustrie, nicht gefährdet waren, sollte es keine direkte Einmischung in den Konflikt geben – die Resolution des Kongresses wurde ignoriert und man hoffte auf die Reformbereitschaft der Spanischen Kolonialmacht.[9]

Als dies jedoch bis 1898 ausblieb und der Konflikt immer stärker Auswirkungen auf die Zuckerindustrie zu zeigen begann, verschärfte sich der US-Kurs gegen Spanien. Um US-Bürgern, die sich in Kuba aufhielten beizustehen, wurde das Kriegsschiff „USS Maine“ nach Kuba geschickt, welches dann ab dem 24. Januar im Hafen von Havanna lag. Währenddessen löste die Beleidigung des amerikanischen Präsidenten durch den Spanischen Botschafter im Frühjahr große Empörung aus. Als am 24. Februar 1898 die Maine, wahrscheinlich eines Unfalls wegen, explodierte, erreichte die Negativstimmung gegen Spanien ihren Höhepunkt und die öffentliche Forderung nach einem Krieg gegen das Land, was in dem damals verbreiteten Slogan „Remember the Maine, to hell with Spain“ zum Ausdruck kommt, wurde von der US-amerikanischen Politik aufgegriffen.[10] Ein rationales Vorgehen wie das Abwarten McKinleys auf die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses wurde als feige und rückratlos wahrgenommen, so beschrieb TR ihn als Person mit „no more backbone than a chocolate éclair“[11].

Am 09. März bewilligte der Kongress 50 Millionen US-Dollar für den Krieg gegen Spanien und verabschiedete am 20. April eine Kriegsresolution, auf deren Grundlage Präsident McKinley gegen Kuba eine Seeblockade verhängte und diese am 24. April 1898 zur Kriegserklärung durch Spanien führte.[12] Im Laufe des Aprils kam es bereits zur Aufstellung einer Expeditionsstreitmacht von 162000 Mann. Unter den inbegriffenen 50000 Freiwilligen befanden sich dann auch TR und seine Rough Riders [13] . Der Krieg auf Kuba dauerte keine drei Monate (24. April – 18. Juli). Bereits am 1. Juli überschritten amerikanische Truppen die äußeren Verteidigungslinien der Stadt Santiago de Cuba, ein Erfolg den u.a. die Rough Riders mit ihrem Sieg am San Juan Hügel sicherten und am 3. Juli wurde ein von Admiral Paxcual Cervera y Topete angeführtes spanisches Seegeschwader in Santiago de Cuba bei dem Versuch, die Hafenblockade der Amerikaner zu durchbrechen, zerstört. Santiago kapitulierte vor den US-Streitkräften unter General Shafter, am 18. Juli wurde der Waffenstillstand erklärt. Neben Kuba wurden auch Puerto Rico und die Philippinen von amerikanischen Truppen besetzt.[14]

Nach der verheerenden spanischen Niederlage notierte TR: „It wasn’t much of a war, but it was the best war we had“. Tatsächlich forderte der Spanisch-(Kubanisch)-Amerikanische Krieg von 1898, der als splendid-little-war in die Geschichte einging, von Seiten der USA nur 385 Tote[15]. Demgegenüber standen die im Vertrag von Paris vom 10. Dezember diesen Jahres festgesetzten Gebietsgewinne, welche den USA die Herrschaft über Puerto Rico, Guam, die Philippinen, sowie die indirekte Kontrolle über Kuba verschaffte.

Die USA spielten nun ab dem Jahre 1898 im Konzert der imperialistischen Mächte mit und begannen nun nicht mehr nur wirtschaftlich, sondern jetzt auch politisch die Region Südostasien und der Karibik zu gestalten – Ein Hauptaugenmerk lag dabei auf Kuba und der Sicherung des gewonnen Einfluss auf dieses Land.

I.2 Theodore Roosevelt – Abriss eines Lebens

Wer war der Mann, den der britische Diplomat John Morley zusammen mit den Niagara-Fällen als großes Wunder der Natur ansah, der anscheinend sich an alles erinnern konnte, was er je gelesen hat, spontan wissenschaftlich reife Vorträge halten konnte, dessen Schrifttum ganze Regale füllen, dessen Vernarrtheit in Kinder legendär war und der am Neujahrsempfang des Weißen Hauses 8150 Hände geschüttelt hat, was heute noch der Rekord ist.[16]

Theodore Roosevelt wurde am 27. Oktober 1858 als zweites von vier Kindern eines wohlhabenden und angesehenen Kaufmannsfamilie in der Stadt New York geboren. TR litt in seiner Kindheit an Asthma und war im ständig kränklichen, einige Male im lebensgefährlichen Zustand. Der daraus folgende Privatunterricht zu Hause, die Einschränkung seines Soziallebens und sein situativer Glaube schwächlich zu sein prägten sein Leben nachhaltig.[17]

Er begann mit Bodybuilding und Boxen, was seinen Gesundheitszustand erheblich verbesserte, worauf er anschließend ein Studium in Jura an der Harvard University aufnehmen konnte, was er jedoch abbrach, als er 1881 für die Republikaner in das Staatsparlament von New York gewählt wurde. Ein Jahr zuvor heiratete er die in Boston kennengelernte Alice Hathaway, die aber bereits im Februar 1884 im Kindbett verstarb.[18] Erschüttert zog sich Roosevelt auf eine Ranch im mittleren Westen zurück, auf der er einige seiner bedeutendsten Schriften verfasste, darunter auch The Winning of the West, in dem er das einfache und heile Leben an der Besiedlungsgrenze beschreibt und den Verlust der Frontier als Wegfall einer spezifischen amerikanischen Selbsterfahrung bedauert.[19] 1888 heiratete er dann seine alte Jugendfreundin Edith Kermit Carow, mit der er dann noch fünf weitere Kinder hatte.[20] TR kandidierte 1886 ohne Erfolg für das Amt des Bürgermeisters von New York City, festigte seine Position im 1888er Kongress- und Präsidentschaftswahlkampf der Republikaner und war von 1889 bis 1895 in der Kommission für den öffentlichen Dienst in Washington D.C. Von 1895 bis 1897 fungierte er als Polizeichef von New York, und erlangte für seine Reform- und Umstrukturierungsmaßnahmen großes Prestige. Unter Präsident McKinley wurde er Unterstaatssekretär im Marineministerium und restrukturierte und vergrößerte die US-Flotte in den zwei Jahren vor dem Spanisch-Amerikanischen Krieg.[21]

Nach dessen Ausbruch kündigte TR seine Stelle in der McKinley-Administration und meldete sich freiwillig, was zusammen mit den militärischen Erfolgen der Rough Riders ihm eine enorme nationale Reputation einbrachte. 1898 wurde er dank seiner Popularität zum Gouverneur von New York gewählt und 1900 zum Vizepräsidenten unter William McKinley. Am 06. September 1901 fiel McKinley dem Attentat eines Anarchisten anheim und Roosevelt wurde nach dessen Tod acht Tage später zum 26. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt.[22]

Während seiner Präsidentschaft lagen die Schwerpunkte von TR in der Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik. 1903 wurde mit dem sogenannten Square Deal ein Gesetzespacket verabschiedet, mit dem Unternehmenskartelle (Trusts) zerschlagen werden sollten. Ferner positionierte sich TR in der Sozialen Frage stärker auf der Seite der Arbeitnehmer, welche er im Bergarbeiterstreik 1902 in Pennsylvania unterstütze und mit den Forderungen nach Verbot der Frauen- und Kinderarbeit, sowie zur Einführung des Achtstundentages mitging, wobei wegen Fehlender Kompetenz der Bundesebene Gesetzesvorhaben zumeist nicht umsetzbar waren.[23]

[...]


[1] Poole, Ralph J.: Männer im Pelz: Entblößungen und Verhüllungen des natürlichen Körpers um 1900, in:

Martschukat, Jürgen / Stieglitz, Olaf (Hg.): Väter, Soldaten, Liebhaber: Männer und Männlichkeiten in der

Geschichte Nordamerikas, Bielefeld: Transcript Verlag 2007, S. 160-166.

[2] Ebd., S. 164.

[3] Vgl. Niess, Frank: Der Koloss im Norden. Geschichte der Lateinamerikapolitik der USA,
Köln: Pahl-Rugenstein Verlag 1984, S. 93-97.

[4] Im weiteren Verlauf wird die Abkürzung TR verwendet.

[5] TR hat diesen Spitznamen zwar gemocht, die öffentliche Anrede damit sah er aber als „outrageous impertinen

ce“ an. Vgl. Morris, Edmund: The Rise of Theodore Roosevelt, New York: Modern Library Paperback
Editions 2001, Originalausg. erschien. in New York: Coward McCann & Geoghegan 1979, S. xxiii.

[6] Vgl., a.a.O., Poole, S. 166.

[7] Vgl., Edgerton, Robert B.: “Remember the Maine, to hell with Spain”. America’s 1898 adventure

in imperialism, New York [u.a.]: Edwin Mellen Press 2004, S. 39f.

[8] Vgl., ebd.

[9] Vgl., a.a.O., Niess, S. 94f.

[10] Vgl., a.a.O., Edgerton, S. 50f.

[11] Zit., nach ebd.

[12] A.a.O., Niess, S. 96-98

[13] Vgl., a.a.O., Edgerton, S. 55.

[14] Vgl., ebd., S. 69-88.

[15] 1,662 wurden verletzt; 2,061 starben an tropischen Krankheiten.

[16] Vgl., a.a.O., Morris, S. xi-xxxiv.

[17] Vgl., Dinunzio, Mario R.: Theodore Roosevelt, American Presidents Reference Series,
Washington, D.C.: CQ Press 2003., S. 10f.

[18] Vgl., ebd., S. 12, 14f.

[19] Vgl., Fiebig-von-Hase, Ragnhild: Theodore Roosevelt (1901-1909): Repräsentant des „modernen“

Amerika, in: Heideking, Jürgen (Hg.): Die amerikanischen Präsidenten. 42 historische Portraits von George

Washington bis George W. Bush, 3. durchges. und aktual. Aufl., fortgeführt von Christof Mauch, München:

C.H. Beck Verlag 2002, S. 257.

[20] Vgl., ebd., S. 256.

[21] Vgl., a.a.O., Dinunzio, S. 12-24.

[22] Vgl., ebd., S. 25-27.

[23] Vgl., a.a.O., Fiebig-von-Hase, S. 260f.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656606994
ISBN (Buch)
9783656606895
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269541
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät - Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
USA Vereinigte Staaten Spanisch-Amerikanischer Krieg Imperialismus Männlichkeit Kuba

Autor

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