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Kann man Glück lehren? Vorschläge für die Umsetzung eines Glücksseminars

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist Glück? – Annäherung an den Begriff „Glück“

2. Deutungsmusteransatz und explizites Deutungslernen
2.1. Definition von Deutungsmustern und Ziel des Ansatzes
2.2. Anforderungen an die didaktisch-methodische Planung einer Bildungsveranstaltung
2.3. Rolle des Erwachsenenbildners
2.4. Anforderungen an die Teilnehmer
2.5. Grenzen, mögliche Schwierigkeiten und Kritik
2.6. Chancen
2.7. Evaluation

3. Vorschläge für die Umsetzung eines Glücks-Seminars
3.1. Antizipation der Lebenswelt
3.2. Einstieg
3.3. Lernziele, Erwartungen, Wünsche
3.4. Was ist Glück? Wie wird man glücklich?
3.5. Was tue ich bereits für mein Glück und was sind Hindernisse?
3.6. Einführung wissenschaftlichen Wissens als Deutungsangebot
3.7. Glücksstrategien
3.8. Anwenden der Glücksstrategien, Verschränkung von Alltagswissen und wissenschaftlichem Wissen
3.9. Abschluss
3.10. Evaluation und Nachbereitung
3.11. Grenzen und mögliche Schwierigkeiten

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Sucht man mit Hilfe einer Internetsuchmaschine die Begriffe "Glück" und "Seminar", lässt sich eine Unmenge an Angeboten finden, die Menschen mehr (Lebens-)Glück versprechen, wenn sie einen entsprechenden Kurs absolvieren. Das Bedürfnis der Menschen nach Glück scheint groß zu sein. Marcuse formuliert: "Es gibt Sehnsüchte, die nicht altern. Sie werden höchstens einmal, von Zeit zu Zeit unmodern – und dann wieder von Zeit zu Zeit modern. Zu diesen ewig jungen Uralten gehört das Glück" (Marcuse 1972 S. 11). Doch kann man Menschen tatsächlich lehren, glücklich zu sein, oder sprechen diese Glücksseminare nur dieses Bedürfnis der Menschen an um damit das große Geld zu machen?

Im Rahmen des Seminars Lehren und Lernen – Didaktik und Methodik soll in dieser Hausarbeit der Frage nachgegangen werden, ob es möglich ist, Glück zu lehren. Dazu werden im ersten Kapitel einige Facetten des Glücksbegriffs aufgezeigt, um diesen greifbarer zu machen. Im zweiten Kapitel werden zentrale Aspekte des Deutungsmusteransatzes mit seinen Grenzen und Kritikpunkten dargestellt. Im dritten Kapitel werden auf mikrodidaktischer Ebene Vorschläge für die Umsetzung eines Glücksseminars auf der Basis der didaktischen Theorie des Deutungsmusteransatzes vorgestellt. Zum Abschluss wird es eine Reflexion der Ausgangsfrage sowie Überlegungen zu  noch offenen Fragestellungen geben.

1. Was ist Glück? – Annäherung an den Begriff „Glück“

Fragt man Menschen danach, wie sie Glück empfinden, lassen sich vielfältige Antworten finden. Hoffmann (1981) befragte in einer qualitativen Studie Studierende und Bedienstete der Universität München, wie sie Glück erleben und welche Gefühle sie hatten, als sie glücklich waren. Dabei kam sie auf 12 Kategorien:

1. in qualitativ guten Beziehungen: „Ich fühlte mich anderen nahe“;
2. als schöpferische Kraft: „Ich spürte einen großen Tatendrang“;
3. Öffnung der Sinne: „Ich hatte das Gefühl, mit der Landschaft eins zu sein“;
4. in der Erotik: „Ich hatte ein Gefühl von Wärme in der Bauchgegend“;
5. als Ruhe und Entspannung: „Ich atmete ganz ruhig“;
6. spontaner Ausdruck überfließender Energie: „Ich spürte den Drang, zu lachen, zu singen, zu tanzen“;
7. Ekstase: „Ich wollte zerfließen, mich auflösen“;
8. in der Beziehung zu Transzendenz: „Ich hatte Vertrauen zu Gott“;
9. als Trance: „Ich war in einem Zustand der Selbstvergessenheit“;
10. als Enthobenheit aus der Zeit: „Mein Zeitgefühl war aufgehoben“;
11. als Bejahung von Leben: „Das Leben erschien mir sinnvoll“;
12. als positiver Selbstwert: „Ich war meiner selbst sehr sicher.“ (Hoffmann 1981 zitiert nach Bucher 2009 S. 6)

Es lässt sich einerseits schlussfolgern, dass Glück in den unterschiedlichsten Situationen empfun­den werden kann, andererseits, dass von Mensch zu Mensch Glück anders erlebt wird – für den einen ist es ein starker Tatendrang oder ein Gefühl übersprudelnder Lebensenergie, für den anderen ein Zustand großer innerer Ruhe und inneren Friedens. „Aber was das Wesen des Glückes sei, darüber ist man unsicher, und die Antwort der Menge lautete anders als die des Denkers. Die Menge stellt sich etwas Handgreifliches und Augenfälliges darunter vor, z. B. Lust, Wohlstand, Ehre: jeder etwas anderes. Bisweilen wechselt sogar ein und derselbe Mensch seine Meinung: wird er krank, so sieht er das Glück in der Gesundheit, ist er arm, dann im Reichtum" (Aristoteles 1983, S. 8). Weiterhin sagt Aristoteles, „das oberste dem Menschen erreichbare Gut [damit ist das Glück gemeint, Anm. U. D.] stellt sich dar als ein Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhaften Tüch­tigkeit" (ebd. S. 17). Fuhr schlussfolgert, nach Aristoteles sei ein Mensch glücklich, wenn er das dem Menschen Eigentümliche verwirklicht (Vgl. Fuhr 2006 S. 44). Jedoch, so Fuhr weiter, gibt es viele Ansichten darüber, was „den Menschen ausmacht und um seiner selbst willen erstrebenswert ist“ (ebd. S. 45).

Es ist gut möglich, dass Glück nicht nur unterschiedlich empfunden wird, sondern dass jeder Mensch etwas anderes benötigt, um glücklich zu sein. Die Frage, wie man Glück erreichen kann, wird von den großen Denkern ganz unterschiedlich beantwortet. Im modernen Aristotelismus heißt es, dass man Glück dann findet, wenn man Tätigkeiten um ihrer selbst wählt tut und nicht zum Zweck für etwas anderes (Vgl. Fuhr 2006 S. 45). Laut Kant finden wir wahre Zufriedenheit, wenn wir unter Zuhilfenahme der Vernunft selbstbestimmt handeln und dabei ebenso moralische Grundsätze in unser Handeln einbeziehen (Vgl. ebd. S. 45). Vielleicht können diese Aussagen als Orientierungsmarke dienen für Menschen, die das Glück suchen. Ob das Handeln nach diesen Grundsätzen glücklich macht, muss jeder für sich selbst beantworten. Fuhr kommt zu der Erkennt­nis, dass es eine Frage subjektiver Urteile und damit eine empirische Frage ist, was den Menschen glücklich macht (Vgl. ebd. S. 46).

Um dennoch eine grobe Kategorisierung des Glücksbegriffs zu erreichen, soll kurz auf die in der Glücksforschung aufgeführten drei "Sinnprovinzen" (Hettlage 2010, S. 24) von Glück eingegangen werden. Er führt auf: Alltagsglück, zu dem Spaß und Erlebnisse gehören, Zufriedenheitsglück, zu dem Genuss, Lust und Freude gehören, sowie das Lebensglück, was die Lebensgestaltung und Le­benskunst meint (Vgl. ebd.). In welchem Bereich Menschen ihr Glück suchen, ist wiederum eine Frage, die sie nur selbst beantworten können.

2. Deutungsmusteransatz und explizites Deutungslernen

Nachdem eine erste Annäherung an den Begriff des Glücks gemacht wurde, sollen im Folgenden der Deutungsmusteransatz nach Arnold (1985) und das explizite Deutungslernen nach Schüssler (2000) näher erläutert werden.

2.1. Definition von Deutungsmustern und Ziel des Ansatzes

„Deutungsmuster sind kognitive Strukturen, die durch alltägliches Handeln erworben, verändert und gefestigt werden und selbst wieder Handeln anleiten. Sie sind lebensgeschichtlich verankert und eng mit der eigenen Identität verwoben und insofern affektiv besetzt. Durch ihre handlungs­orientierende und identitätsstabilisierende Funktion bieten sie dem einzelnen Sicherheit, Sinnhaf­tigkeit und Kontinuität in seinem Verhalten“ (Schüssler 2000 S. 121).

Arnold macht weiterhin deutlich, dass Deutungsmuster „Orientierungs- und Rechtfertigungspoten­tial von Alltagswissensbeständen in der Form grundlegender, eher latenter Situations-, Beziehungs- und Selbstdefinitionen“ sind (Arnold 1985 S. 23).

Anhand dieser Definitionen wird bereits deutlich, dass der Erwachsenenbildner mit den Deutun­gen der Seminarteilnehmer sensibel umgehen muss, da sie eine zentrale Rolle dabei spielen, wie man sich selbst und die Welt sieht.

Arnold sieht den Deutungsmusteransatz als Sozialisationshilfe, bei der die Erwachsenenbildung Hil­festellung und Unterstützung gibt bei der Identitätssuche und dem Identitätserhalt. Diese Hilfen erfolgen als Strukturierungshilfen der Erfahrungen und Deutungsmuster sowie als alternative Deu­tungsangebote (Vgl. Arnold 1985 S. 140f.).

Laut Schüssler besteht die pädagogische Aufgabe beim Deutungslernen darin, „die Lernenden in der Selbstevaluation bzw. Selbstaufklärung ihrer handlungsleitenden Muster durch die Inszenie­rung diskursiv-reflexiver Verfahren zu unterstützen und darin auch alternative, z. B. wissenschaftli­che Deutungsangebote einzubinden“ (Schüssler 2000 S. 110).

Während Arnold  die Identitätssuche und den Identitätserhalt der Teilnehmer in den Vordergrund stellt, ist für Schüssler die Selbstaufklärung und Selbstevaluation von großer Bedeutung. Beides sind die zwei Seiten derselben Sache: Identitätssuche geht mit der eigenen Selbstaufklärung ein­her, sowie Identitätserhalt mit Selbstevaluation einhergeht. Ist man auf der Suche nach seiner Identität und fragt sich, wer man ist, dann ist dies Selbstaufklärung, während Selbstevaluation die Frage danach ist, ob man noch der ist, der man sein möchte.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656611448
ISBN (Buch)
9783656610472
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269830
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Schlagworte
kann glück vorschläge umsetzung glücksseminars

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