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Die Justinianische Pest 541–544

Seminararbeit 2011 37 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Die Infektionskrankheit Pest
a. Übertragungsweise, Verlauf und Symptomatik
b. Inkubationszeit, Sterbedauer und Mortalitätsrate
2. Quellenkritische Diagnose aus heutiger Sicht
a. Die Quellen
b. Die Bezeichnung „Pest“
3. Zeitgenössische Krankheitsbeschreibungen
a. Diagnostische Begleiterscheinungen
b. Symptomatik
4. Die Dimension der Justinianischen Pest
a. Die Pest in Zahlen
b. Die chronologisch-örtliche Verbreitung
5. Zeitgenössische Rezeption der Pest
a. Wahrnehmung der Krankheit und zeitgenössische Ätiologie
b. Reaktionen auf das Massensterben und Umgang mit Kranken bzw. Toten

III. Schlussbetrachtung

IV. Bibliographie

a. Quellen

b. Wörterbücher und Lexika

c. Sekundärliteratur

d. Internet

e. Abbildungen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kaiser Justinian als Mosaik 1

Abb. 2: Pestbubonen an der Leiste 5

Abb. 3: Nekrotische Fingerglieder 6

Abb. 4: Pestbedingte Hautveränderungen 7

Abb. 5: Beziehungen der Hauptquellen dieser Hausarbeit untereinander 9

Abb. 6: Graphische Rekonstruktion der Stationen der Pestwelle 541-544 n. Chr. 23

Abb. 7: Massengrab mit Pesttoten (1720-1721) 29

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Inkubationszeit, Sterbedauer und Mortalitätsrate 8

Tab. 2: Tabellarische Rekonstruktion der Stationen der Pestwelle 541-544 n. Chr. 22

Die Justinianische Pest 541-544 n. Chr.

Die auf dem Titelblatt gezeigte Abb. 11 zeigt Kaiser Justinian, der zu dieser Zeit Kaiser war und nach dem die in dieser Arbeit behandelte Epidemie benannt ist.

I. Einleitung

Erzittre Welt, ich bin die Pest, Ich komm ‘ in alle Lande Und richte mir ein groß es Fest, Mein Blick ist Fieber, feuerfest Und schwarz ist mein Gewande. 2

In dieser Hausarbeit wird der Versuch unternommen zu rekonstruieren, ob es sich bei der justinianischen Pest tatsächlich um die Pest als die durch das Bakterium Yersinia Pestis 3 hervorgerufene, hochgradig ansteckende Infektionskrankheit gehandelt hat. Natürlich wäre die Diagnosestellung Pest „einfach“, wenn man auf paläopathologische Untersu- chungen zurückgreifen würde. Man sollte jedoch bedenken, dass dies keine historische (auf Quellen gestützte) Diagnose wäre, sondern eine molekularbiologisch auf menschli- che ancient DNA (aDNA) gestützte Diagnose, die ihre eigenen Schwierigkeiten mit sich brächte.4 In dieser Arbeit wird eine historische Ferndiagnose auf der Basis literarischer Quellen versucht.

Die Justinianischen Pest 541-544 n. Chr.5 ist in Werken mehrerer zeitgenössischer His- toriker dokumentiert. Anzuführen sind hier v. a. die Kriege und die Geheimgeschichte 6 des Prokop, die Kirchengeschichte des Euagrios, die Kirchengeschichte des Johannes von Ephesos7 und die Weltchronik des Johannes Malalas. Auf diese Quellen stützt sich die vorliegende Hausarbeit im Besonderen. Bei der Untersuchung der verwendeten Seuchennomenklatur im Lateinischen werden auch die Historiarum Decem Libri des Gregor von Tours und die Historia Langobardorum des Paulus Diaconus herangezogen. Des Weiteren werden die zeitgenössischen Krankheitsbeschreibungen, der Verlauf in chronologischer, örtlicher und numerischer Ausdehnung und die Rezeption der Justinianischen Pest untersucht. Die Auswirkungen der Justinianischen Pest können in dieser Arbeit nicht analysiert werden, da sie zu komplex und vielfältig in ihren sozialen, religiösen, kulturellen und politischen Komponenten sind. Auch sind sie gleichzeitig sehr eng mit den Auswirkungen anderer Ereignisse und Katastrophen8 dieser Zeit verwoben.

Zu Beginn der Arbeit wird ein medizinischer Abriss des aktuellen Forschungsstandes bezüglich der Pest als Infektionskrankheit gegeben, um einen Vergleich der Pestbeschrei- bungen aus den literarischen Quellen mit dem heute ausführlich erforschten Krankheits- bild zu ermöglichen.9 Abschließend werden die Ergebnisse der diagnostischen Prüfung der Justinianischen Pest auf Basis literarischer Quellen zusammengefasst. Obwohl die Quellen ein Werkzeug des Historikers sind, um Kenntnis der Vergangenheit zu erlangen, wird im Schlussteil dieser Arbeit dennoch ein kurzer Ausblick auf die Möglichkeiten der paläopathologischen Forschungen in Bezug auf die Justinianische Pest gegeben.

II. Hauptteil

1. Die Infektionskrankheit Pest

Es gibt vier Hauptmanifestationen der Pest, die alle auf den selben Erreger zurückgehen: Die Bubonische Pest, die Pestsepsis, die Lungenpest und die Abortive Pest. Im Folgenden werden diese Ausprägungen analysiert. Bei einer Pestepidemie können die verschiedenen Ausprägungen parallel vorkommen oder sich als Stadien nacheinander entwickeln.10 Beispielsweise kann sich aus einer Beulenpest eine Lungenpest entwickeln.

a. Übertragungsweise, Verlauf und Symptomatik

Die Pest besitzt zoonotischen Charakter, d.h. die Übertragung findet sowohl von Mensch auf Tier, als auch von Tier auf Mensch statt.11 Bei der Beulenpest findet die Infektion entweder über Stiche infizierter Flöhe12 oder über Kontakt mit Zwischenwirten wie Ratten statt.13

Wie in Abb. 214 zu sehen ist, schwellen die den Flohstichstel- len nähesten Lymphknoten als Immunreaktion auf Yersinia Pestis beulenartig, meist eiterig und sehr schmerzhaf an. Man spricht von so genannten Pestbubonen und daher von der Bubonischen Pest oder auch Beulenpest. Die Bubonen treten in der Regel bereits am ersten oder zweiten Tag nach Ausbruch auf und ihre Größe ist variabel, d.h. sehr gering (Haselnussgröße) bis deutlich sichtbar (faustgroß).15 Die

Abb. 2: Pestbubonen an der Leiste

Lymphknoten können geschwürig zerfallen.16

Die Erkrankten sind selbst nicht ansteckend,17 es sei denn die eitrigen mit Pestbakterien durchsetzten Bubonen platzen nach außen auf; die dort austretende Flüssigkeit ist hoch- infektiös.18 Neben den Bubonen, die sich auf Grund von Einblutungen in das Gewebe auch schwarz färben können,19 sind weitere Symptome Fieber, Kopf-, Bauch-, Rücken- und Gliederschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Schlaflosigkeit, Durchfall und Erbrechen, aber auch blutunterlaufene Augen und innere Blutungen. Das Verhalten kann apathisch, konfus, aber auch manisch-wild sein.20 Bei schweren Krankheitsverläufen treten of Deli- rium und sogar Koma auf.21

Wird die Abwehr der Lymphknotenschranke durchbrochen, gelangen die Pestbakterien in den Blutkreislauf. Man spricht von einer Pestsepsis, d.h. von einer systemischen Entzündungsreaktion (Blutvergifung). Die Symptomatik ähnelt (bis auf die Bubonen) stark einer verschärfen Variante der Beulenpest.22 Besonder hervorzuheben sind neben Fieber, Herzrasen, Gewebeein- blutungen und Nierenversagen der lethargische bis verwirrte Zustand der Erkrankten.23 Gelangen die Bakterien in die Hautschichten, stirbt das betroffene Gewebe ab, wie in Abb. 324 zu erkennen ist. Zur Pestsepsis kann es auch ohne vorange- gangene Beulenpest kommen, wenn die Bakterien über offene Hautstellen direkt in die Blutbahn gelangen.25

Abb. 3: Nekrotische Fingerglieder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sobald die Bakterien über die Blutbahn (Sekundärinfektion) oder über Tröpfcheninfek- tion (Primärinfektion) in das Lungengewebe vorgedrungen sind, spricht man von der Lungenpest. Der Infektionsradius kann bei normalem Sprechen bis zu 2 m betragen, bei Niesen oder Husten 3-4 m.26 Der erste Tag ist symptomatisch gekennzeichnet durch das Einsetzen von hohem Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Am folgenden Tag sind zusätzlich die Atemwege betroffen: Atemschwierigkeiten, Husten und blutiger Auswurf sind die Regel, auch Durchfall und Erbrechen sind üblich.27

Die mildeste Ausprägung der Pest ist die Abortive Pest. Bei dieser Form bekommen die Infizierten leichtes Fieber, die Lymphknoten schwellen nur gelinde an. Eine Mortalität lässt sich nicht feststellen, Fälle dieser Ausprägung kommen bei jedem Pestausbruch vor.28 Wie auch bei den anderen Ausprägungen, bilden sich nach überstandener Krankheit Antikörper gegen den Pesterreger,29 was eine langanhaltende Immunität gegen den Erreger zur Folge hat.30 Es sind jedoch auch Fälle einer Reinfektion bekannt.31

Eine Problematik, die durch die Infektion mit Yersinia Pestis aufreten kann, ist die beinahe sicher eintretende Fehlgeburt bei schwangeren Erkrankten und ein zusätzlich erschwerter Verlauf der Krankheit, sofern die Mutter die Fehlgeburt überlebt.32 Eine weitere Begleiterscheinung, die bei schwerem Krankheitsverlauf aufreten kann, ist das Anschwellen der Zunge, die einen erst weißlichen, dann bräunlichen und später einen schwarzen Belag tragen kann.33 Durch das Schwellen der Zunge kann die Aus- sprache geradezu lallend wie bei starkem Alkoholkonsum werden.34

Wie in Abb. 435 zusehen ist, können sich schwarze, nekrotische Hautveränderungen bilden.36 In der Regel treten diese Art Pusteln eher bei einem schweren Krankheitsverlauf auf. Sie sind in modernen Ausbrüchen kaum mehr vorzufinden.37

Abb. 4: Pestbedingte Haut- veränderungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Begünstigende Faktoren für die Verbreitung der Pest sind Überbevölkerung, Unterernährung und großer Flohbestand.38

b. Inkubationszeit, Sterbedauer und Mortalitätsrate

Tab. 139 veranschaulicht tabellarisch die Inkubationszeit, Sterbedauer und Mortalitätsrate der verschiedenen Pestausprägungen. Die Abortive Form wird nicht tabellarisch erfasst, da die Symptomatik so mild ist, dass sie of übersehen wird40 (somit eine Inkubationszeit schwierig abzuschätzen ist) und überdies nicht tödlich verläuf. Alle Angaben sind CircaAngaben und ohne die Einnahme moderner Antibiotika zu verstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Inkubationszeit, Sterbedauer und Mortalitätsrate

2. Quellenkritische Diagnose aus heutiger Sicht

a. Die Quellen

Um den Wert der Quellen für eine bestimmte Fragestellung zu prüfen, müssen verschiedene Punkte berücksichtigt werden. Zum einen sollte geklärt werden, wer sich an wem orientiert bzw. wer bei wem abgeschrieben hat. Wenn man in der Lage ist zur Untermauerung einer Tese zwei oder mehrere antike Autoren heranziehen zu können, der eine seine Informationen aber von dem anderen Autor bezogen hat, sollte man dies bei der Gewichtung des Inhalts berücksichtigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Beziehung. Die wohl drastischste Variante liegt vor, wenn ein Autor den Inhalt eines fremden Werkes unverändert übernommen hat. Eine andere Möglichkeit ist, dass der eine dem anderen Autor nur als Informationsquelle gedient hat. Schließlich kann es auch vorkommen, dass der Autor mehr Wert darauf gelegt hat, einem literarischen Vorbild bzw. einer bestimmten literarischen Mode gerecht zu werden, als die Ereignisgeschichte selbst darzustellen. Die Anlehnung der Autoren an einen Tukydides oder an einen Herodot beispielsweise war bezüglich der Seuchenbeschreibung durchaus üblich und ging bisweilen sogar über die rein formale bzw. stilistische Ebene hinaus.41 Des weiteren spielt der zeitliche Abstand zwischen Ereignis und schriflicher Fixierung bzw. Datum der Abschrif eine wichtige Rolle. Euagrios etwa war zwar ein Zeitzeuge des hier behandelten Zeitraums, war aber bei der ersten Welle der Justinianischen Pest erst ca. 5 Jahre alt,42 was seinen Wert als Zeitzeuge der ersten Pestwelle schmälert. Abb. 543 zeigt einen Abriss der Quellenbeziehungen der Hauptquellen unter den genannten Gesichtspunkten.

Abb. 5: Beziehungen der Hauptquellen dieser Hausarbeit untereinander

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Euagrios—Tukydides: Vgl. Hübner, Kirchengeschichte Euagrios: Einleitung 103. Euagrios—Prokop: Vgl. Hübner, Kirchengeschichte Euagrios: Einleitung 42. Euagrios—Malalas: Vgl. Hübner, Kirchengeschichte Euagrios: Einleitung 46.

Malalas—Johannes von Ephesos: Vgl. Pseudo-Dionysius of Tel-Mahre Chronicle (known also as the Chronicle of Zuqnīn) Part III, übersetzt von Witold Witakowski, Liverpool 1996: Einleitung: xvi.

Johannes von Ephesos in Pseudo-Dionysius: Vgl. Witakowski, Chronik Pseudo-Dionysius: Einleitung: xxix.

Johannes von Ephesos in der Zuqn ī n-Chronik: Vgl. Te Chronicle of Zuqnīn, Parts III and IV: A.D. 488-775, übersetzt von Amir Harrak, Toronto 1999: Einleitung: 28.

Daten: Vgl. Harrak, Zuqn ī n-Chronik: Einleitung: 1-3.

Nicht nur die chronologische Nähe zum Geschehen ist wichtig, sondern auch die Nähe zum Herrscher. Prokop war am Hof Justinians beschäfigt,44 d.h. er unterlag inhaltlichen Beschränkungen, während er die Kriege verfasste und konnte nicht ad libitum schreiben, wie es bei der späteren Geheimgeschichte möglich war. So sollte man sich bei einer Quel- lenkritik auch über die Haltung der Autoren bewusst werden. War der jeweilige Autor den Geschehnissen bzw. den Protagonisten positiv, negativ oder neutral eingestellt? Hat er dramatisierend geschrieben? Prokop beispielsweise steht Kaiser Justinian I. äußerst kritisch gegenüber und führt dies in seiner Geheimgeschichte auch unverhohlen aus. Er beschreibt den Kaiser nicht nur als „extraordinarily simple-minded and exceedingly like a stupid donkey“45, sondern unterstellt ihm und seiner Frau Teodora tatsächlich „aven- ging demons“46 statt menschliche Wesen zu sein. Eine derart leidenschaflich negative Sichtweise könnte seine Darstellung der Pest dramatisiert und somit auch die Sympto- matik verzerrt haben. Nach Mischa Meier und auch Karl-Heinz Leven hat Prokop Kaiser Justinian sogar die Schuld an dem Ausbruch der Pest gegeben.47 48 Leven zieht für diese Schuldzuweisung bei Prokop folgende Textstelle heran:

σεισμοῖς τε γὰρ καὶ λοιμοῖς καὶ ὑδάτων ποταμίων ἐπιρροαῖς ὑπὸ τὸν χρόνον τοῦτον πλεῖστα διολωλέναι τετύχηκεν , ὥς μοι αὐτίκα λελέξεται . o ὕτως οὐκ ἀνθρωπείῳ , ἀλλ‘ ἑτέρῳ σθένει τὰ δεινὰ ἔπρασσον.49

Hier lässt sich eine Schuldzuweisung nicht ohne Weiteres rechtfertigen. Prokop scheint das Kaiserpaar zwar in der gesamten Geheimgeschichte für erzböse zu halten, aber im Vorfeld der von Leven genannten Textstelle spricht er explizit von ἡ τύχη, also dem Zufall50, der den Ausbruch der Pest verursachte: „ ὧν δὴ καὶ ἡ τύχη ὑπούργει τῇ γνώμῃ συγκατεργαζομένη τῶν ἀνθρώπων διαφθορὰν“ . 51 Die Pest gesellte sich also „zufällig“ noch zu den Übeln, die das Kaiserpaar anrichtete, hinzu. Somit trug das Paar in Prokops Augen wohl tatsächlich an vielen Übeln Schuld, die Pest zählte aber nicht dazu.

[...]


1 Abb. 1 ist ein Ausschnitt des Chormosaiks der Kirche San Vitale in Ravenna. Im Internet zu finden bei Wikipedia, Wikimedia Commons <http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Meister_von_San_Vitale_in_Ravenna.jpg>. Alle Internetaufritte, die im Folgenden zitiert werden, sind am 01.Mai 2011 auf ihre Aktualit ä t geprüf worden.

2 Der schwarze Tod von Hermann von Lingg. Lingg, Hermann: Gedichte, Stuttgart/Augsburg 1857: 37.

3 Seit Entdeckung und folgender klinischer Beschreibung des Bakteriums von Alexander Yersin 1894, hat sich die gesamte Wahrnehmung und somit die Pestforschung selbst grundlegend geändert. Vgl. Stathakopoulos, Dionysios: Te Justinianic plague revisited, Byzantine and Modern Greek Studies 24 (2000), 256-276: 259.

4 Für die Diskussion der Herausforderungen und Probleme paläopathologischer Forschungen mit aDNA ist beson- ders zu empfehlen: McCormick, Michael: Toward a Molecular History of the Justinianic Pandemic, in Lester K. Little (Hg.): Plague and the End of Antiquity. Te Pandemic of 541-750, Cambridge 2007: 290-312.

5 Nach Biraben und Le Goff folgten noch 14 weitere Wellen der Justinianischen Pest bis diese Epidemie letztlich nach ihrem Ausbruch in Neapel und Süditalien 767 n. Chr. verschwand. Vgl. Biraben, Jean-Noel und Jacques Le Goff: La Peste dans le Haut Moyen Age, Annales ESC 24 (1969), 1484-1510: 1492-1493. Nach Stathakopoulos folgen nach der ersten Welle 541-544 noch ca. 17 Wellen bis 750 n. Chr; er merkt an, dass die Datierung 767 n. Chr. falsch sein könnte. Vgl. Stathakopoulos, Dionysios: Crime and Punishment. Te Plague in the Byzantine Empire, 541-749, in Lester K. Little (Hg.): Plague and the End of Antiquity. Te Pandemic of 541-750, Cambridge 2007: 99-118: 105. Als Quelle für die Pestwellen nach 544 n. Chr. können u.a. die Historien des Agathias von Myrina, die Historia Langobardorum des Paulus Diakonus oder auch die Historiarum Decem Libri des Gregor von Tours herangezogen werden.

6 Ob die Geheimgeschichte tatsächlich von Prokop geschrieben wurde, wird kontrovers diskutiert. Vgl. Te Anecdo- ta or Secret History, übersetzt von H. B. Dewing, Cambridge/London 1960: Einleitung xii-xiii.

7 Das Werk des Johannes von Ephesos ist nur fragmentarisch erhalten; die für diese Hausarbeit relevanten Passagenaus dessen Kirchengeschichte sind in Abschrif zu finden in:

1. Te Chronicle of Zuqn ī n, Parts III and IV: A.D. 488-775, übersetzt von Amir Harrak, Toronto 1999; im Folgen- den zitiert als Zuqn ī n-Chronik.

2 . Pseudo-Dionysius of Tel-Mahre Chonicle (known also as the Chronicle of Zuqn ī n) Part III, übersetzt von Witold Witakowski, Liverpool 1996; im Folgenden Pseudo-Dionysius, Chronik.

1. und 2. beziehen sich beide auf Chabot und werden auf Grund von Unterschieden in Ausdruck und Inhalt her- angezogen.

8 Beispielweise sind hier diverse Naturkatastrophen wie Erdbeben, Fluten, Kometen, das Dust-Veil-Phänomen und die aus diesem Pänomen folgenden Hungersnöte und Migrationsbestrebungen zu nennen. Vgl. Stathakopoulos, Crime: 102-105.

9 Der Vergleich der antiken und aktuellen Symptomatik ist möglich, da Yersinia Pestis nur geringen genetischen Variationen unterworfen ist und bezüglich ihrer Antigene stabil ist, was bedeutet, dass die Immunreaktion des menschlichen Körpers vergleichbar ist Vgl. Sallares, Robert: Ecology, Evolution, and Epidemiology of Plague, in Lester K. Little (Hg.): Plague and the End of Antiquity. Te Pandemic of 541-750, Cambridge 2007: 231-289: 257.

10 Vgl. Christie, A.B.: Infectious Diseases. Epidemiology and Clinical Practice, Edinburgh 1980: 761 .

11 Vgl. Psychrembel. Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl. hrsg. von Willibald Psychrembel, Berlin 1894, ND 2010: 1594 sub voce /Pest/.

12 Es sind 31 Arten von pestübertragenden Flöhen und mind. 220 Arten von Nagetieren als Pestträger nachgewiesen. Infizierte Flöhe können bis zu 130 Tagen überleben, eine sehr lange Zeit für die Möglichkeit zur Übertragung der Infektion. Der Erreger ist hitzeempfindlich, kann sich aber auch mehrere Wochen in getrocknetem Flohkot erhal- ten und somit ohne Wirt lange Zeit gefährlich bleiben.Vgl. Christie, Infectious Diseases: 748-752 .

13 Vgl. Encyclopedia of Public Health, 1. Aufl. hrsg. von Wilhelm Kirch, New York 2008: 93-94 sub voce / Bubonic Plague /.

14 Abb. 2 stammt aus dem online verfügbaren Vorlesungsmaterial von Dr. Neal R. Chamberlain, Plague: Yersinia Pestis, Bubo <http://www.atsu.edu/faculty/chamberlain/Website/lectures/lecture/image/bubo.jpg>.

15 Vgl. Christie, Infectious Diseases: 761 .

16 Vgl. Psychrembel: 1594 sub voce /Pest/.

17 Vgl. Pollitzer, Robert: Plague, World Health Organization Monograph Series 22 (1954), Genf: 597.Andererseits gibt es auch Fälle, in denen ein Rachenabstrich positiv auf Yersinia Pestis bei Beulenpest ist. Die Konzentration des Bakteriums ist allerdings unerheblich im Vergleich zur Konzentration im Sputum bei Lungenpest, daher ist das Infektionsrisiko gering. Vgl. Christie, Infectious Diseases: 760-761 .

18 Vgl. Christie, Infectious Diseases: 765 .

19 Vgl. ibd .: 751 .

20 Vgl. ibd .: 762 .

21 Vgl. Pollitzer, Plague: 439.

22 Vgl.Christie, Infectious Diseases: 762 .

23 Vgl. den Internetaufritt des Robert Koch-Instituts RKI, Steckbriefe: <http://www.rki.de/cln_116/nn_494674/ DE/Content/InfAZ/Steckbriefe/Steckbriefe__120606,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Steckbrie- fe_120606.pdf>. Im Folgenden zitiert als < RKI, Steckbriefe>.

24 Abb. 3 ist online zu finden unter Spiegel, Pest: der schwarze Tod: <http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostre- cke-20276-2.html>.

25 Vgl. < RKI, Steckbriefe>.

26 Vgl. Bratton, Timothy: Te Identity of the Plague of Justinian [Part I], Transactions and Studies of the College of Physicians of Philadelphia 3 (1981), 113-124: 119.

27 Vgl. < RKI, Steckbriefe>.

28 Vgl. Christie, Infectious Diseases: 763 .

29 Vgl. Scott, Susan und Christopher J. Duncan: Biology of Plagues. Evidence from Historical Populations, Cam- bridge 2001: 72.

30 Vgl. Encyclopedia of Public Health: 1 sub voce /Abortive Plague/.

31 Vgl. < RKI, Steckbriefe>.

32 Vgl. Pollitzer, Plague: 418.

33 Vgl. ibd .: 417.

34 Vgl. Christie, Infectious Diseases: 762-763 .

35 Abb. 3 ist online zu finden unter HubPages, Te Black Plague: <http://hubpages.com/hub/Te-Black-Plague>.

36 Vgl. Christie, Infectious Diseases: 763 .

37 Vgl. Pollitzer, Plague: 426-427.

38 Vgl. das verfügbare Vorlesungsmaterial von Dr. Neal R. Chamberlain, Plague: Yersinia pestis: <http://www.atsu. edu/faculty/chamberlain/Website/lectures/lecture/plague.htm>. Im Folgenden zitiert als < Plague: Yersinia Pestis>.

39 Belege der Tabellendaten: Vgl. Pollitzer, Plague: 418. [Sterbedauer Beulenpest] Vgl. < Plague: Yersinia Pestis>. [Inkubationszeit Beulenpest], [Mortalität Pestsepsis] Vgl. Encyclopedia of Public Health: 1110 sub voce / Plague Sepsis / [Sterbedauer Pestsepsis], 868 sub voce / Lung Plague /. [Inkubationszeit, Sterbedauer, Mortalität Lungenpest] Vgl. Christie, Infectious Diseases: 765. [Mortalität Beulenpest]

40 Vgl. ibd.: 763 .

41 Vgl. Leven, Karl-Heinz: Die Justinianische Pest, Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert- Bosch-Stifung 6 (1987), 137-161: 138.

42 Vgl. Historia Ecclesiastica. Kirchengeschichte, übersetzt von Adelheid Hübner, Turnhout 2007: Einleitung 10.

43 Die Informationen für diese Grafik stammen aus: Prokop—Tukydides: Vgl. History of the Wars Books I and II, übersetzt von H. B. Dewing, London/Cambridge 1961: Einleitung xiii.

44 Vgl. Dewing, Kriege Prokop: Einleitung vii.

45 Prokop, Geheimgeschichte: viii.

46 Prokop, Geheimgeschichte: xii.

47 Vgl. Leven, Justinianische Pest: 154.

48 Vgl. Meier, Mischa: »Hinzu kam auch noch die Pest…«. Die sogenannte Justinianische Pest und ihre Folgen, in: Mischa Meier (Hrsg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas, Stuttgart 2005, 86-107: 86.

49 Prokop, Geheimgeschichte: xii, 17

50 Vgl. Gemoll. Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch, 10. Aufl. hrsg. von Wilhelm Gemoll und Karl Vretska, München 1908, ND 2006: 808 sub voce /τύχη/.

51 Prokop, Geheimgeschichte: xii, 16.

Details

Seiten
37
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656612520
ISBN (Buch)
9783656612537
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v269924
Note
Schlagworte
justinianische pest

Autor

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Titel: Die Justinianische Pest 541–544