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Bericht über ein Orientierungspraktikum an einer Berliner Grundschule

Praktikumsbericht (Schule) 2007 18 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

1 Einleitung

1.1 Erwartungen an das Praktikum

Mein Name ist Carolin xxx. Ich bin 22 Jahre alt und studiere im zweiten Semester Französische Philologie an der Freien Universität Berlin mit dem Modulangebot Arbeitslehre an der Technischen Universität Berlin auf Bachelor mit Lehramtsoption.

Das vierwöchige Orientierungspraktikum vom 03.09.2007 bis 28.09.2007, welches ich an der Grundschule xxx absolvieren werde, ermöglicht mir die Praxis kennenzulernen, zum Beispiel, dass ich die Möglichkeit wahrnehmen kann, den Unterricht erstmalig aus der Perspektive des Lehrers zu betrachten. Darüber hinaus gewährt mir das Praktikum eine Einsicht in das Schul- und Unterrichtsleben. Ich möchte hierbei versuchen, von meinem bisher erlernten Theoriewissen in der Praxis Gebrauch zu machen, um es anschließend zu analysieren. Auf der einen Seite durch Hospitation im Unterricht mithilfe verschiedener Protokollvarianten und anderseits durch eigene praktische Tätigkeiten. Ich habe mich für diese Grundschule entschieden, weil sie seit 2004 eine deutsch-französische Europaschule ist und zudem einen großen Wert auf Freiarbeit legt.

1.2 Meine Untersuchungsschwerpunkte

Den Hauptteil meines Berichts habe ich in drei Themenpunkte untergliedert:

1. Die Grundschule
2. Der Beruf Lehrer[1]
3. Unterrichtsbeobachtungen.

Der erste Untersuchungsschwerpunkt befasst sich mit dem Schultyp Grundschule im Allgemeinen und mit der Darstellung der Grundschule xxx im Speziellen.

Den zweiten Untersuchungsschwerpunkt habe ich dem Beruf Lehrer gewidmet. Hierbei beschäftige ich mich zunächst mit der Arbeitsbelastung eines Grundschullehrers, um mich dann mit den Tätigkeitsfeldern des Lehrers auseinanderzusetzen und schließlich werde ich mir die Frage stellen, was die Gesellschaft vom Lehrer erwartet.

Das dritte Schwerpunktthema meiner Arbeit bilden die von mir fünf ausgewählten Beobachtungsschwerpunkte. Das von Hilbert Meyer geforderte Gütekriterium „Hoher Anteil echter Lernzeit“, stellt für mich selbst ein Schlüsselkriterium guten Unterrichts dar.[2] Darüber hinaus habe ich aufgrund von Auffälligkeiten während meiner Beobachtungen, die Merkmale: „Die Klasse meines Mentors“ und „Störungen im Unterricht“ herauskristallisieren können.

2 Hauptteil

2.1 Die Grundschule

2.1.1 Die Grundschule als Eingangsstufe des Schulwesens

Die Grundschule, welche in Deutschland die ab Ende der 1960er Jahre aus den unteren Klassen der Volksschulen hervorgegangenen ist[3], umfasst in Berlin und Brandenburg die Jahrgangsstufen 1-6 (6-12 Jahre).[4] Sie wird von allen Kindern im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht gemeinsam besucht, sofern sie am Unterricht mit Erfolg teilnehmen können. Wie im Grundgesetz festgelegt, sind die Grundschulen fast ausschließlich öffentliche Schulen. Der Anteil der privaten Grundschulen betrug im Jahr 1998 lediglich 1,63 % (288 Schulen) in ganz Deutschland. Die Grundschule gilt als „Musterkind“ der Schulformen, denn nirgendwo anders ist Unterricht so innovativ, schülerzentriert und lebensnah.[5] Der Unterricht wird in der Regel in Jahrgangsklassen erteilt und zwar überwiegend von einem Lehrer, dem Klassenlehrer. Dieses wird damit begründet, dass es für Kinder im Grundschulalter das Einleben in die Schule erleichtert, indem sie eine feste Bezugsperson haben und nicht mit einer Vielzahl von Fachlehrern zu tun haben. Das Klassenlehrer-Prinzip soll die Einheit von Erziehung und Unterricht, eine durchgängige pädagogische Förderung und ein differenziertes Eingehen auf die Bedürfnisse des einzelnen Schülers gewährleisten. Jedoch werden von der Jahrgangsstufe 3 an die Schüler zunehmend von Fachlehrern unterrichtet, damit auch auf den Übergang in die Schulen des Sekundarbereichs vorbereitet wird, in denen das Fachlehrer-Prinzip herrscht. Die Grundschule soll ihre Schüler von den mehr spielerischen Formen des Lernens im Elementarbereich zu den systematischeren Formen des schulischen Lernens hinführen und das Lernangebot nach Inhalt und Form den individuellen Lernvoraussetzungen und Möglichkeiten anpassen. Ziel der Grundschule ist es, den Schülern die Grundlage für eine weiterführende Bildung zu vermitteln. Die Grundschule sieht ihren Auftrag darin, Kinder mit unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen und Lernfähigkeiten so zu fördern, dass sich die Grundlagen für selbständiges Denken, Lernen und Arbeiten entwickeln sowie Erfahrungen zum gestaltenden menschlichen Miteinander vermittelt werden. Im Zentrum stehen dabei die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Lesen. Sie erwerben so eine Basis zur Orientierung und zum Handeln in ihrer Lebenswelt. Trotz oder vielleicht auch aufgrund der Vorzüge einer Grundschule, geben immer mehr Eltern explizit oder implizit Erziehungsfunktionen an den Primarbereich ab. Die Grundschule stellt nunmehr nicht nur einen Ort des Unterrichts dar, sondern ist heutzutage ein Lebens-, Lern-, Erziehungs- und Erfahrungsraum gleichermaßen.

2.1.2 Darstellung der Grundschule xxx

„Die gemeinsame Aufgabe aller am Schulleben Beteiligten ist, Schule so zu gestalten, dass sie ein Ort des Lernens und der Freude ist.“

Sie liegt in einem ruhigen, teils modernisierten, kinderfreundlichen und sehr verkehrsgünstigen Gebiet, welches man mit der Tram, U-Bahn und dem Bus gut zu erreichen ist.

Sie wird von Kindern im Alter von 5½ bis 12 Jahren besucht, die hauptsächlich im Einzugsbereich der Schule wohnen. Insgesamt kommen 37% der Kinder aus sozialschwachen Familien. 2,9% der Schüler besitzen einen Integrationsstatus (Sprache, Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Hören und körperlich motorische Entwicklung). Die Schule hat 29,4% Kinder nicht deutscher Herkunftssprache, verteilt auf alle Klassenstufen.[6]

Dennoch verfügt sie über ein Computerkabinett mit 22 Schülerarbeitsplätzen und einem Lehrerarbeitsplatz.

Seit dem Schuljahr xxx bietet die Schule in den Klassen eins bis vier Montessori-orientierten Unterricht an. Nach Montessori werden Kinder dazu ermutigt, das Tempo, das Thema und die Wiederholung der Lektionen selbstständig zu steuern. Gleichzeitig kann das Kind, neben dem Erwerb sozialer Kompetenzen in der Gemeinschaft, unterschiedlichen Lernstrategien ausprobieren und so das „Lernen lernen“. In den Montessori-orientierten Klasse werden vielfältige Unterrichtsformen praktiziert wie Freiarbeit, Gruppen- und Partnerlernen und Projektarbeit, wobei die Freiarbeit einen großen Raum einnimmt und Kernstück der pädagogischen Arbeit ist.

Ein weiterer Schwerpunkt der Schularbeit ist der Freizeitbereich, welcher nach der Reggio- Pädagogik[7] arbeitet und in dem Kinder in der Zeit von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr betreut werden können.

Im Sommer xxx wurde die Grundschule xxx zu einer staatlichen Europa-Schule Berlin (SESB) erweitert. Der deutsch- französische Zweig läuft einzügig, das heißt, dass es seit 2005/2006 jedes Jahr neben den normalen Regelklassen eine bilinguale 1.Klasse gibt.

Zum Konzept des SESB gehören unter anderem folgende Punkte:

- Deutsch und Französisch sind durchgängig gleichberechtigte Unterrichtssprachen
- alle Lehrkräfte unterrichten, außer im Fremdsprachunterricht, nur in ihrer Muttersprache
- der Unterricht in den Fächern Mutter- und Partnersprache findet nach Sprachgruppen getrennt und in gleicher Stundenanzahl statt
- es werden Kinder aller Berliner Bezirke aufgenommen
- es werden jeweils zur Hälfte Kinder mit den Muttersprachen Deutsch bzw. Französisch aufgenommen
- die SESB ist eine Ganztagsschule[8]

Die SESB bietet die einmalige Chance, Kindern anderer Muttersprachen als Deutsch einen sprachintensiven Unterricht zu erteilen.[9] Die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler werden in besonderer Weise sichtbar bedingt durch die geografische Herkunft, die familiären Verhältnisse, die kulturellen Hintergründe und die unterschiedlichen Sprachkenntnisse der Schüler. Diese Heterogenität in den Gruppen ist jedoch als Grundlage für die Bereicherung und Erweiterung der Kenntnisse und Erfahrungen aller Schüler zu betrachten.

2.2 Der Beruf Lehrer

2.2.1 Die Arbeitsbelastung eines Lehrers an der Grundschule

Die Arbeitszeit (Deputatstunden pro Woche) der Lehrkräfte, sowohl der Angestellten und Beamten, beträgt im öffentlichen Dienst in Berlin 28 Pflichtstunden.[10]

In der zurückliegenden Legislaturperiode sei die Arbeitszeit für Lehrer zwei Mal erhöht worden, gleichzeitig müssten die Pädagogen mehr Leistung bringen. Vergleichsarbeiten, die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss und individuelle Förderpläne für versetzungsgefährdete Schüler seien nur einige der Mehrbelastungen. Nach Berechnungen der GEW kommen die Lehrer auf 50 Stunden pro Woche. Damit lägen sie deutlich über der normalen Arbeitszeit im öffentlichen Dienst.[11] Das ist im Vergleich mit anderen Berufsgruppen, beispielsweise Beamte mit 42 Stunden, überproportional viel.

Im folgenden Abschnitt sollen die von mir gemachten Beobachtungen zum Stichwort Arbeitsbelastung eines Lehrers an der Grundschule in zwei Abschnitten dargestellt und analysiert werde, um einen Überblick über die Formen der Arbeitsbelastung eines Lehrers zu bekommen.

1. Eine Form der Arbeitsbelastung kann negativer Stress sein. Diese Bedingungsfaktoren konnte ich durch Beobachtungen im Unterricht festhalten:

- Störung im Unterricht (verursacht durch Unruhe, Desinteresse, Arbeitsverweigerung, Verspätungen)[12]
- ständige Präsens des Lehrers und somit kein Rückzugsraum
- Zurückstellen des Privaten
- Wiederholtes Wiederholen von Arbeitsanweisungen und Belehrungen[13]
- unregelmäßige, zum Teil gar keine Pausen
- Einstellen auf immer neue, meist unerwartete Situationen und Gegebenheiten (zum Beispiel: Vertretungsunterricht)[14]
- Anpassungsdruck durch Einstellen auf neue Menschen, Klassen und Klassenstufen
- Elternarbeit
- Inhaltswiederholung (Monotonie)
- Ständig hohe Konzentration
- „Einzelkämpfer“ ( die Lehrkraft ist im Unterricht auf sich allein gestellt)

[...]


[1] Die Bezeichnung Schüler und Lehrer schließt im Folgenden immer auch den Personenkreis Schülerinnen und Lehrerinnen mit ein.

[2] Vgl. Meyer (2004:17)

[3] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Grundschule

[4] Vgl. http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=558

[5] Vgl. Böhmann (2004:23f.)

[6] Stand: September 2006

[7] Die Reggio- Pädagogik im Hort schließt sich an das in der Schulzeit geführte Verfahren der Freiarbeit an. Diese präsentiert sich nicht als fertiges Modell. Vielmehr handelt es sich um eine Pädagogik des Werdens, um eine experimentelle Pädagogik mit einem humanistischen Menschenbild und einer demokratischen Gesellschaftsvorstellung. (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Reggio-P%C3%A4dagogik und http://www.elternweb.at/index.php?page=Reggio_P%C3%A4dagogik (Zugriff am 30.10.2007))

[8] Von der ersten Klasse bis zur Jahrgangsstufe 6 gehört zu diesem Programm ein kostenloses, jedoch verbindliches unterrichtsergänzendes Angebot bis 16 Uhr. Dies verpflichtet die Schüler zur regelmäßigen Teilnahme an den ganztägigen Angeboten einschließlich der Förderung und Betreuung. Die Rücknahme der Entscheidung zur Teilnahme am Ganztagsbetrieb ist unter mit dem Verlassen dieses Programms der SESB verbunden. (Vgl. http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/rechtsvorschriften/grundschulverordnung.pdf)

[9] Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (2003): Staatliche Europa-Schule Berlin. Vorläufiger Unterrichtsplan für die Klassen 1 bis 6. Partnersprachen Deutsch und Französisch.

[10] Vgl. http://gew.de/Binaries/Binary24205/SYN%20Pflichtstunden%202007-04.pdf(Zugriff am 30.10.2007)

[11] Vgl. http://www.morgenpost.de/content/2006/08/26/berlin/850015.html (Zugriff am 30.10.2007)

[12] Vgl. Anhang, Anlage 1

[13] Vgl. Anhang, Anlage 2

[14] Vgl. Anhang, Anlage 3

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656616313
ISBN (Buch)
9783656616399
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270298
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Schlagworte
bericht orientierungspraktikum berliner grundschule

Autor

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Titel: Bericht über ein Orientierungspraktikum an einer Berliner Grundschule