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Die Technisierung des Haushaltes in den 50er und 60er Jahren

Möglichkeit der Arbeitserleichterung durch Haushaltstechnologie und deren Darstellung in den Medien

Ausarbeitung 2014 18 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Technisierung des Haushaltes ab den 30er Jahren
1.1 Die Arbeit im Haushalt
1.2 Die Technisierung der Hausarbeit
1.3 Die Rolle der Frau im technisierten Haushalt

2. Die Darstellung der Technisierung und deren Wirkung
2.1 Technische Haushaltsgeräte in der medialen Darstellung
2.2 Wirkungen der Technisierung auf die Rolle der Frau im Haushalt

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Hausarbeit befasst sich mit dem Technisierungsprozess des privaten Haushaltes in der westlichen Welt in den 50er bis 60er Jahren. Dieser Prozess, welcher in der geschichtswissenschaftlichen Forschung auch als Prozess der Industrialisierung des Haushaltes bezeichnet wird, hatte verschiedene Folgen auf die Tätigkeiten, welche im Allgemeinen als Hausarbeit bezeichnet werden. Zu dieser Themenstellung möchte ich im Speziellen auf die sich gewandelten Aufgaben und Tätigkeiten der Frauen im Haushalt eingehen und deren Folgen analysieren.

Hierzu stelle ich die These auf, dass die Technisierung des Haushaltes in den 50er und 60er Jahren den Frauen Mitteleuropas einen deutlich verringerten körperlichen Arbeitsaufwand im Haushalt ermöglichte. Diese Entwicklung unterscheidet sich von den vorherigen in der Technisierung des Haushalts. Sie eröffnete den Frauen Zeit für neue Tätigkeitsfelder in der Gesellschaft, welche seit den 60er und 70er Jahren immer vielfältiger wurden und sie in der Gesellschaft gleichberechtigten. Des Weiteren förderte dieser Prozess jedoch auch eine Verschiebung der Tätigkeitsbewertung und eine somit einhergehende Herabsetzung der Wahrnehmung des Aufwands und der Anstrengung, welche die Hausarbeit trotz allem noch abverlangte.

Um diese These zu hinterfragen, beschreibe ich zunächst die Aufgabenfelder im Haushalt, welche in der Folge der Technisierung von Haushaltsgeräten übernommen wurden. Jenen Prozess möchte ich grob beschreiben und die hier wirkenden Einflussgrößen der gesellschaftlichen Prozesse und der Wandlung darstellen. Hierbei möchte ich auf die Rolle der Frau bezüglich dieser Tätigkeitsfeldern eingehen. Außerdem möchte ich die geschichtswissenschaftlichen Analysen und Ansätze zur Forschung in diesem Bereich aufgreifen.

Darauf aufbauend möchte ich darstellen, wie die Medien dieser Zeit verwendet wurden, um die Menschen von den neuen technischen Möglichkeiten zu überzeugen. Hierbei möchte ich auf die Werbung für neue Haushaltsgeräte, z.B. der Waschmaschine und der Kühlschränke aufgreifen und deren dabei konstatierte Funktionsweise und Nutzen für die Hausarbeit eingehen. Hier möchte ich im Besonderen analysieren, wie die neuen technischen Artefakte dargestellt wurden und welche Aussageabsicht hinter diesen Darstellungen steckte.

Die Wirkung dieser Darstellungen und deren tatsächlich generierte Erleichterung für den Alltag der Haushaltsführung möchte ich infolgedessen analysieren. Hierzu möchte ich die eventuelle Verschiebungen der zeitintensiven Hausarbeit darlegen und hinterfragen, ob ein tatsächlicher Gewinn an Zeit für die Frauen der Nachkriegszeit durch die Technisierung des Haushaltes stattgefunden hat. Des Weiteren hinterfrage ich, ob dieser zeitliche Gewinn die Möglichkeit einer feministischen Revolution unterstützte, welche den emanzipatorischen Prozess der 60er und 70er Jahre befeuerte.

1. Die Technisierung des Haushaltes ab den 30er Jahren

Die Technisierung der Haushalte in Westeuropa entwickelte sich sehr langsam mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Sie nahm mit den Aufbauarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch stark zu und wurde ein sehr schneller und die Gesellschaft wandelnder Prozess. Vorbild dieses Prozesses war die hier führende Nation USA, welche einen solchen Prozess schon seit mehreren Jahren, ca. ab den 1920er Jahren vollzog.1 Dieser früh einsetzende Prozess der Konsumgüterindustrie für den Haushaltsgebrauch wurde von den westeuropäischen Staaten und deren Technikunternehmen stark beobachtet.2 Die Hersteller von technischen Geräten in Westeuropäischen Staaten versuchten in der Folge, die Geräte und deren Werbestrategien, sowie die Techniken der US-amerikanischen Unternehmen, z.B. in Form der Fließbandfertigung, zu übernehmen.3 So lässt sich gegen Ender der 20er Jahre feststellen, dass sich z.B. bei AEG und Siemens bei der Herstellung von Bügeleisen und Staubsaugern diese Fließbandfertigung durchsetzte.4

Um diesen Prozess zu ermöglichen, ist vorzugreifen, dass nach dem Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur Städte, Fabriken und Straßennetze mit Wasser-, Gas- und Elektronetzen ausgestatten wurden. Es wurden mit Beginn des 20. Jahrhunderts vermehrt Wohngebäude mit diesen Leitungssystemen ausgestattet, was einer Technisierung der Gebäude den Weg ebnete. Hierbei wurde als Begründung der Komfort genannt, welcher sich durch Arbeitserleichterung und Zeitersparnis entwickeln sollte. Zuvor waren in der Geschichte der Haushalte keine technischen Geräte, abgesehen von einer Kochstelle mit verschiedenen Formen der Halterung für Kochgeschirr, dauerhaft in Gebäuden verbaut.5 Die Herde, welche in verschiedener Bauweise seit dem 19.

Jahrhundert in die privaten Küchen kamen,6 waren die einzige Ausnahme in dem bis dato noch sehr technikarmen Haushalt. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann durch Leitungslegungen noch Gas- und Elektroherde auf den Markt, welche sich regional durchsetzten.7 Der Umstand, dass diese technischen Geräte die einzigen im Haushalt waren, änderte sich jedoch erst in der Nachkriegszeit.

1.1 Die Arbeit im Haushalt

Die Arbeiten, welche im Haushalt verrichtet werden mussten, um ein geordnetes familiäres Zusammenleben zu ermöglichen, waren sehr vielfältig. Sie umfassen das Waschen von Wäsche, das Kochen, die Nahrungskonservierung, das Putzen der Wohnräume und vieles mehr. Diese Arbeiten waren zumeist sehr von körperlicher Arbeitskraft abhängig und kosteten viel Zeit, welche zu großen Teilen seit Mitte des 19. Jahrhunderts von den Frauen investiert wurde.

Eine der Grundvoraussetzungen, welche das Interesse an Arbeitserleichterung und Zeitersparnis bei jener Arbeit im Haushalt anregte, war der Prozess, infolgedessen eine große Abnahme der Angestellten im bürgerlichen Haushalt ab dem 19. Jahrhundert zu verzeichnen war. Dieser Rückgang veranlasste auch zuvor höher gestellte Frauen im größeren Maße dazu, im Haushalt zu arbeiten. Hieraus folgte nicht zuletzt ein Interesse an jenem Ökonomisieren der Hausarbeit, als Erleichterung für die Hausfrau.8

Die Frauen in den unteren gesellschaftlichen Schichten mussten sich schon zuvor mit der alltäglichen Hausarbeit alleine befassen, oder sie, wie eben genannt, als berufliche Tätigkeit im Dienste von besser gestellten Familien verrichten.9 Somit ihnen aufgrund dieser Stellung und der alltäglichen Tätigkeit ein Interesse an Verbesserungen und Erleichterungen bezüglich der häuslichen Arbeit zu unterstellen ist. Jedoch war diese Verbesserung, z.B. in Form einer Waschmaschine, aus finanzieller Sicht sehr lange nicht realisierbar.10

Den Frauen aus höher gestellten bürgerlichen Schichten wiederum war die Möglichkeit zur Anschaffung von technischen Hilfsmittelen gegeben. Hieraus wurde für sie der Prozess der Technisierung des Haushaltes und der Hausarbeit erschwinglich.

Gisela Dörr beschreibt einen der Gründe für die Technisierung folgendermaßen:

„Der Mangel an Dienstboten in bürgerlichen Familien sollte dadurch behoben werden, daß die Frauen der Oberschicht diese Arbeiten mit Hilfe von Maschinen selbst übernahmen. […] Die vormals bezahlte Arbeit der Dienstboten wurde ersetzt durch die unbezahlte Arbeit der Hausfrau.“11

Sie beschreibt, dass durch den gesellschaftlichen Wandel eine umverteilte Arbeitsbelastung im Haushalt zu Ungunsten der Hausfrauen stattgefunden hat. Die Verwendung von technischen Geräten sollte die verschiedenen Tätigkeiten Haushalt wieder erleichtern. Im Besonderen ist bei dieser Beschreibung von Dörr die Andeutung der unbezahlten weiblichen Arbeitskraft interessant, welche in Kapitel 1.3 noch vertieft wird.

1.2 Die Technisierung der Hausarbeit

Da die Technisierung des Haushaltes nicht als ein stringenter Prozess gesehen werden kann, gilt es zuerst, diesen aufzugliedern auf die verschiedenen Felder, die hier miteinander in Wechselwirkung stehen. In diesem Zusammenhang muss dargestellt werden, dass es sich bei diesem Prozess zum einen um den Einsatz von Haushaltstechnik, sowie zum anderen um eine Form der Konsumtechnik handelt.12

[...]


1 Vgl. Orland, 1998, S. 274. Orland nennt hier die Vorreiterstellung der USA für die Industrialisierung der Haushalte in Europa, welche ihrer Analyse nach erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand.

2 Vgl. Heßler, 1998, S.304. In ihren Ausführungen beschreibt Heßler das große Interesse der deutschen Unternehmen an dem Vorreitermarkt der USA. Im Besonderen geht sie darauf ein, wie diese verschiedene Daten und Artikel analysierten, um daraus eigenen Nutzen zu ziehen.

3 Vgl. Ebd., S. 305.

4 Vgl. Ebd.

5 Vgl. Eberhard, 2011, S. 60f. Sie beschreibt hier eine gewisse Symbiose, welche auch architektonisch umgesetzt werden sollte. Diese sollte Technisierung der Gebäudegestaltung sein, um den gewünschten Komfort zu ermöglichen.

6 Vgl. Schaier, 1993, S. 334f. Er beschreibt hier die verschiedenen frühen Ofenformen, welche mit Kohle und Anthrazit beheizt wurden, welche ab dem frühen 19. Jahrhundert und später ab den 1950er Jahren in Deutschland in den privaten Haushalten Einzug fanden.

7 Vgl. Ebd. S. 335f. Schaier greift hier auf, dass z.B. Gaskocher in Folge der 1887 in Leipzig veranstalteten Messe zur „Internationalen Ausstellung für Volksernährung“ sehr beliebt waren und sich gerade in Großstätten wie Berlin verbreiteten.

8 Vgl. Eberhard, 2011, S. 62.

9 Vgl. Andersen, 1997. S. 91, Andersen beschriebt hier, dass Frauen, welche für gesellschaftlich höher gestellte Familien Hausarbeit verrichteten, schon früher mit der Bedienung von technisierten Geräten für die Hausarbeit in Berührung kamen.

10 Vgl. Ebd., S. 99. Andersen beschreibt hier, dass ein Waschvollautomat im Jahre 1951 ca. 2000 DM gekostet hat. Dies war ca. das 6 ½-fache des Bruttolohns eines Arbeitnehmers im Durchschnitt dieser Zeit.

11 Dörr, 1996, S. 82. Diese Aussage lässt sich u.a. in Bezug bringen zu Beschreibungen von Ruth Schwarz, bezüglich des Wegbrechen der Arbeitskraft von unverheirateten Töchtern, Großeltern und Töchtern, welche der Hausfrau zuvor häusliche Tätigkeiten abnahmen.

12 Vgl. Orland, 1998, S. 277.

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656616672
ISBN (Buch)
9783656616689
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270329
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Technikgeschischte
Note
2,0
Schlagworte
technisierung haushaltes jahren möglichkeit arbeitserleichterung haushaltstechnologie darstellung medien

Autor

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Titel: Die Technisierung des Haushaltes in den 50er und 60er Jahren