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Männlichkeit im 1. Weltkrieg

Anspruch und dargestellte Wirklichkeit im Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Männlichkeitsideal - Anspruch vor und im Krieg

3 Männlichkeit an der Front - Im Westen nichts Neues
3.1 Paul Bäumer und die Männlichkeit
3.2 Kameradschaft als Männlichkeitskatalysator
3.3 Der Heldentod

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque ist 1929 in Buchform erschienen. Es handelt sich um einen Kriegsroman, der das Leben und Überleben des jungen Kriegsfreiwilligen Paul Bäumer im 1. Weltkrieg erzählt. Beschrieben werden hauptsächlich die Schrecken des Krieges in allen Formen und Ausführungen. Der Roman ist nicht autobiographisch zu lesen - auch wenn dies durchaus möglich wäre.

Paul Bäumer und seine Klassenkameraden ziehen freiwillig in den Krieg, weil ihnen von Autoritäten wie ihrem Lehrer aber auch von ihren Eltern die Illusion vermittelt wurde, dass der Krieg etwas Großartiges sei. Sie können dort zu Helden und zu „echten Männern“ werden - und das wollen die Jungen. Wer nicht mitzieht, gilt leicht als feige, was besonders unmännlich ist.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern die jungen Soldaten auf ihrem Weg durch den Krieg tatsächlich zu Männern und Helden werden und wie man es ihnen anrechnet. Gleichzeitig soll aber auch herausgearbeitet werden, wie die Realität des Krieges die Illusionen der Soldaten und damit auch ihre Werte, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft zerstört.

2 Männlichkeitsideal - Anspruch vor und im Krieg

Wenn man Geschichtsbücher liest oder sich über historische Ereignisse infor- miert, wird einem auffallen, dass die dortigen Schilderungen häufig den Mann als ausschließliches Subjekt der Geschichte annehmen. Er ist es, der der grausame Tyrann oder der großzügige Herrscher ist, der Revolutionär, der Kriegsherr und Gesetzgeber. Die Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts resultiert aus der Geschichte des Mannes - der weibliche Einfluss bleibt unberücksichtigt, alles was als unmännlich definiert wird, wird ausgemerzt1. Dies hat auch dazu geführt, dass vor allem männliche Attribute als gesellschaftliche Werte anerkannt sind. Andererseits entstehen positive männliche Attribute auch erst durch gesellschaft- liche Zwänge: Es gilt, sich als Mann von allem Unmännlichen abzugrenzen2.

Als positive männliche Attribute galten vor allem Stärke durch Disziplin, Härte, Zucht, Ordnung und Selbstbeherrschung3. In einem nationalsozialistischen Brief werden außerdem die Eigenschaften „Brutalität, Konsequenz, Sicherheit der Er- kenntnis, Klarheit der Schau“4 als besonders männlich deklariert. Des Weiteren soll der >ideale deutsche Mann< einen vollkommen geformten Körper haben, sich in jeder Situation beherrschen können, bescheiden, zurückhaltend, anständig und gerecht sein5.

Als nun im Jahre 1914 der Krieg nahte und ein allgemeines Aufkommen eines kriegerischen Geistes in Deutschland festzustellen war, sahen viele - vor allem junge Männer - ihre Chance durch den Krieg ihrem strengen und beengten Alltag zu entkommen und ein wahres Abenteuer zu erleben. Der Gedanke an einen heldenhaften, ruhmreichen Tod zog diese Männer magisch an6. Um weiterhin für Motivation zum freiwilligen Kriegseinzug der jungen Männer zu sorgen, wurden Erzählungen aus dem letzten Krieg 1870/71 sehr verblümt dargestellt: Man be- richtete vom „moralischen Ehrgefühl der Nation, von berauschenden Leiden- schaften beim kommenden Stürmen gegen den Feind, von draufgängerischer Entschlossenheit, von Tapferkeit und wilder Freude bei dem schrecklich schönen Drama des Durchbohrens und Niedermähens der Gegner“7. Dies verleitete zu dem Gefühl, seine Männlichkeit durch den Krieg zu erfahren, erproben und unter Beweis stellen zu können. Denn in der Heimat war es aufgrund schlechter wirt- schaftlicher Verhältnisse und politscher Ungewissheiten schwierig besonders >männlich< zu erscheinen - die Front hingegen bot einem die Möglichkeit. Wenn man sich also wirklich für den Krieg gemeldet hatte, galten ähnliche, aber teilwei- se auch besonders auf den Krieg ausgerichtete Eigenschaften als besonders männlich: Der Soldat soll gleichmütig, tatkräftig, wagemutig und fromm sein, schnell handeln und im Krieg den höheren Sinn erkennen8. Außerdem soll er fleißig und gehorsam sein und „immer vorne“ mit dabei sein9. Er soll die Schre- cken des Krieges pflichtgetreu mit Mut und Tapferkeit auf sich nehmen: Der Krieg gilt als eine Prüfung der männlichen Eigenschaften10. Als Grundlage dieser männlichen Tugenden wurde Disziplin angesehen. Durch Disziplin lernt der Mann in jeder Hinsicht zu funktionieren: Wünsche und Bedürfnisse des einzelnen werden systematisch unterdrückt, der Soldat muss sich ständig selbst überwinden11. Dabei findet häufig schon bei der Ausbildung eines Jünglings zum Soldaten am Kasernenhof eine erste Desillusionierung statt. Der ständige Drill, bestehend aus Befehl, absoluter Gehorsamkeit und Unterordnung weckt erste Zweifel an der Großartigkeit des Krieges, die sich aber noch durch den Gedanken des zumMann-gemacht-Werdens ersticken lassen12.

Häufig finden sich in den Romanen, die den ersten Weltkrieg zum Inhalt haben, einige dieser Gedanken wieder. Dabei werden oft ideale Männer, die ständig kampfbereit sind, und junge Protagonisten beschrieben, die sich im Verlauf des Romans zum >echten Mann< entwickeln13. Ähnlich geschieht dies auch im Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque.

3 Männlichkeit an der Front - Im Westen nichts Neues

Im Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque ist der neunzehnjährige Paul Bäumer der Protagonist. Er meldet sich als Kriegsfreiwilliger und versucht mit einer Gruppe gleichgesinnter, die teilweise aus ehemaligen Klassenkameraden besteht, den Krieg und alle mit ihm verbundenen Schrecken physisch sowie psychisch zu überleben. Er fällt kurz vor Kriegsende.

3.1 Paul Bäumer und die Männlichkeit

Die Figur Paul Bäumer entspricht genau der Beschreibung des typischen Kriegs- romanprotagonisten nach Waltraud Amberger. Er ist sehr jung (kommt direkt von der Schulbank), hat noch keine gefestigte Persönlichkeit, Einstellung und Per- spektive für seinen weiteren Lebensweg und lässt sich deshalb von der Kriegs- begeisterung seines Lehrers Kantorek überzeugen und wie viele andere aus der Klasse auch zum Kriegseinzug überreden. Es war allerdings nicht Kantorek ganz alleine, auch der Druck der Gesellschaft ließ die Jungs diesen Weg gehen, denn wer nicht ging, galt schnell als feige, was es zu vermeiden galt:

„ Einer von uns allerdings z ö gerte und wollte nicht recht mit. [ … ] Er lie ß sich dann aber ü berreden; er h ä tte sich auch sonst un- m ö glich gemacht. Vielleicht dachten noch mehrere so wie er; aber [ … ] mit dem Wort „ feige “ waren um diese Zeit sogar die El- tern rasch bei der Hand. “ 14

Nachdem die Jungen sich als Kriegsfreiwillige gemeldet haben, geht es für sie zunächst zur Ausbildung an den Kasernenhof. Hier werden sie militärisch gedrillt und zurecht geschliffen, damit sie unbeschränkten Gehorsam und eiserne Diszip- lin erlernen. Es findet hier schon eine erste Desillusionierung statt, Paul und sei- ne Kameraden merken, dass das Leben als Soldat hart und anstrengend ist, ob- wohl sie noch nicht einmal an der Front oder in deren Nähe sind. Zusätzlich wird ihnen das Leben durch die Schikanen ihres Ausbilders Himmelstoß erschwert:

„ Zuerst erstaunt, dann erbittert und schlie ß lich gleichg ü ltig er- kannten wir, da ß nicht der Geist ausschlaggebend zu sein schien, sondern die Wichsb ü rste, nicht der Gedanke, sondern das System, nicht die Freiheit, sondern der Drill. [ … ] Rechtsum, Linksum, Hackenzusammenschlagen, Schimpfereien und tau- send Schikanen: wir hatten uns unsere Aufgabe anders gedacht und fanden, da ß wir auf das Heldentum wie Zirkuspferde vorbe- reitet wurden. “ 15

An diesem Zitat, sowie auch noch an einigen anderen ist allerdings auch erkennbar, dass die Jungen noch immer überzeugt sind, den richtigen Weg in Richtung Heldentum zu gehen, und dass sie durch diese Art von Ausbildung zu Männern gemacht werden. Außerdem erscheint der Krieg den werdenden Soldaten hier im Kasernenhof noch als willkommene Abwechslung zum strengen Alltag. Die harte Ausbildung dort steht in starkem Kontrast zu ihrer bisherigen schulischen Ausbildung, und ist deshalb trotz allem erträglich:

„ Wir wurden zehn Wochen milit ä risch ausgebildet und in dieser Zeit entscheidender umgestaltet als in zehn Jahren Schulzeit. Wir lernten, da ß ein geputzter Knopf wichtiger ist als vier B ä nde Schopenhauer. “ 16

Die Erzählung vom Leben am Kasernenhof ist im Roman nur als rückblickende Erinnerung Pauls dargestellt, denn zu Beginn des Romans ist dieser bereits mitten drin im Krieg. Hier wird schon sehr schnell deutlich, dass der Kriegsalltag die jungen Männer längst eingeholt hat und dass das Streben nach dem Männlichkeitsideal sie bei weitem nicht mehr motivieren kann: „‘ Wir w ä ren die eiserne Jugend.` Wir lachen alle drei ä rgerlich.

[ … ] Ja, so denken sie, [ … ] die hunderttausend Kantoreks! Eiser- ne Jugend. Jugend! Wir sind alle nicht mehr als zwanzig Jahre. Aber jung? Jugend? Das ist lange her. Wir sind alte Leute. “ 17 / „ W ä hrend sie noch schrieben und redeten, sahen wir Lazarette und Sterbende; - w ä hrend sie den Dienst am Staate als das Gr öß te bezeichneten, wu ß ten wir bereits, da ß die Todesangst st ä rker ist. “ 18

Es wird auch schnell klar, dass an der Front und auch in den Baracken dahinter jegliche Etikette und Konvention, die im Vorkriegsalltag etwas gegolten hat, au- ßer Kraft gesetzt ist. Es geht nicht mehr um höfliche Umgangsformen, Schulbil- dung und Schicklichkeit, sondern um das nackte Überleben. Die Sprache der Jungen ändert sich, man benennt die Dinge direkt so, wie man sie meint, anstatt sie aus Anstand zurückzuhalten oder in gesellschaftlich gebräuchliche Phrasen zu verpacken:

„ Dem Soldaten ist sein Magen und seine Verdauung ein vertrau- teres Gebiet als jedem anderen Menschen. Dreiviertel seines Wortschatzes sind ihm entnommen [ … ]. Es ist unm ö glich, sich auf eine andere Art so knapp und klar zu ä u ß ern. Unsere Fami- lien und unsere Lehrer werden sich sch ö n wundern, wenn wir nach Hause kommen; aber es ist hier nun einmal die Universal- sprache. “ 19

Da man die Dinge nun schon einmal so unverblümt ausdrückt, ist es auch nicht weit das Schamgefühl bei der Verrichtung gewisser Dinge abzulegen, welches einem durch gesellschaftliche Konventionen eigentlich antrainiert worden ist:

„ Ich wei ß noch, wie wir uns anfangs genierten, als Rekruten in der Kaserne, wenn wir die Gemeinschaftslatrine benutzen mu ß ten. [ … ] Wir haben inzwischen mehr gelernt, als da ß bisschen Scham zu ü berwinden. “ 20

Auffällig ist auch das Aussetzen moralischer Konventionen zu Gunsten des eige- nen Überlebens oder zumindest des eigenen Vorteils. Während der Klassenka- merad Kemmerich nach einem Beinschuss im Sterben liegt, denken die anderen darüber nach, was für eine Verschwendung es wäre, ihm seine guten Stiefel zu lassen, die er eh nicht mehr gebrauchen kann. Im Normalfall, wenn also kein Krieg wäre und Kemmerich aus anderem Grunde krank wäre, würden die Stiefel sicher ganz nebensächlich sein, denn sie blieben ja einfach erst einmal stehen. Im Krieg gilt es, alles für sich zu sichern, was man bekommen kann. So giert Kamerad Müller während des gesamten Besuches am Krankenbett nach den guten Stiefeln, bevor sie ein anderer für sich beansprucht:

„ Wir denken alle drei das gleiche: selbst wenn er gesund w ü rde, k ö nnte er nur einen gebrauchen, sie w ä ren f ü r ihn also wertlos. Aber wie es jetzt steht, ist es ein Jammer, da ß sie hierbleiben; - denn die Sanit ä ter werden sie nat ü rlich sofort wegschnappen, wenn er tot ist. Müller wiederholt: „ Willst du sie nicht hierlassen? “ Kemmerich will nicht. Es sind seine besten St ü cke. „ Wirkönnen

sie ja umtauschen “ , schlägt Müller wieder vor, „ hier drau ß en kann man so was brauchen. “ Doch Kemmerich ist nicht zu be- wegen. Ich trete M ü ller auf den Fu ß ; er legt die sch ö nen Stiefel zögernd wieder unter das Bett. [ … ] Ich verspreche [Kemmerich] morgen wiederzukommen. M ü ller redet ebenfalls davon; er denkt an die Schn ü rschuhe und will deshalb auf dem Posten sein. “ 21

Im Verlauf der Erzählung wird immer mehr deutlich, dass der Krieg die jungen Männer nicht zu den Helden erzieht, die sie erwartet haben zu werden. Statt Ruhm und Hochgefühle machen sich Verrohung, Rachsucht, Misstrauen und Mitleidlosigkeit breit, weil man damit leichter im Kriegsalltag zurechtkommt. Als männliche Tugend wird das scharfsinnige Handeln angepriesen. Paul Bäumers Erzählung macht allerdings mehr und mehr den Eindruck, dass das harte Kriegs- leben häufig aus stumpfsinnigem dahinvegetieren und Befehle ausführen be- steht. So hält Paul es zum Beispiel für wichtig, möglichst wenig über die eigene Situation nachzudenken und einfach das zu tun, was erwartet wird:

„ [Das Leben] hat uns mit Stumpfheit durchsetzt, damit wir nicht zerbrechen vor dem Grauen, das uns bei klarem, bewu ß ten Denken ü berfallen w ü rde. “ 22

Ebenfalls eine gewisse Abstumpfung lässt sich bei Pauls Erzählung über die Kriegsgefallenen feststellen. Es ist zwar nicht ganz klar, wie viele Tote er vor Kemmerich bereits gesehen hat, jedoch ist er von Kemmerichs Tod sehr ergrif- fen:

„ Man sollte die ganze Welt an diesem Bette vorbeif ü hren und sa- gen: Das ist Franz Kemmerich, neunzehneinhalb Jahre alt, er will nicht sterben. La ß t ihn nicht sterben! “ 23

Er wird jedoch im Verlauf des Krieges so viele schwer verwundete und tote Menschen sehen, die häufig grausam verstümmelt und elendig gestorben sind, dass es ihm immer weniger nahegeht. Seine Beschreibungen sind dann sachlich, frei von eigenen Gefühlen:

„ Wir sehen Menschen leben, denen der Sch ä del fehlt; wir sehen Soldaten laufen, denen beide F üß e weggefetzt sind; sie stolpern auf den splitternden St ü mpfen bis zum n ä chsten Loch; ein Ge- freiter kriecht zwei Kilometer weit auf den H ä nden und schleppt die zerschmetterten Knie hinter sich her; ein anderer geht zur Verbandstelle, und ü ber seine festhaltenden H ä nde quellen die D ä rme; wir sehen Leute ohne Mund, ohne Unterkiefer, ohne Ge- sicht; “ 24

Sogar die Verwundung und der Tod seiner Kameraden machen ihm immer weniger zu schaffen:

„ Haie Westhus wird mit abgerissenem R ü cken fortgeschleppt; bei jedem Atemzug pulst die Lunge durch die Wunde. “ 25 / „ M ü ller ist tot. Man hat ihm aus n ä chster N ä he eine Leuchtkugel in den Magen geschossen. Er lebte noch eine halbe Stunde bei vollem Verstande und furchtbaren Schmerzen. Bevor er starb, ü bergab er mir seine Brieftasche und vermachte mir seine Stiefel - dieselben, die er damals von Kemmerich geerbt hat. Ich trage sie, denn sie passen mir gut. “ 26

Dieser schützende Stumpfsinn ist an sich wohl allgegenwärtig, er unterscheidet sich in seiner Auswirkung jedoch je nach Situation. So ist er an der Front ein anderer, als in den Baracken dahinter. An der Front beschreibt Paul das Ausschalten des Verstandes während der tödlichen Bedrohung, man verlasse sich in dieser Situation nur auf seine Instinkte und denke nicht nach.

„ Es ist der Instinkt des Tieres, der in uns erwacht, der uns leitet und besch ü tzt. Er ist nicht bewusst, er ist viel schneller, viel si- cherer, viel unfehlbarer als das Bewusstsein. Man kann es nicht erkl ä ren. Man geht und denkt an nichts - pl ö tzlich liegt man in einer Bodenmulde, und ü ber einen spritzen die Splitter hinweg. “ 27

Man kann an den Beschreibungen Pauls, dass Instinkt und Eigennutz an der Front viel erfolgversprechender sind als klares Denken und gezieltes Handeln, erahnen, dass die Jungen im Krieg eher zu Tieren werden, als zu den Männern, die sie zu werden glaubten. Diese Annahme wird durch Beschreibungen wie „Frontschweine“ und „Menschentiere“28 unterstrichen.

In den Baracken hinter der Front wird das Leben wieder menschlicher, es gilt grundlegende menschliche Bedürfnisse wie Essen und sozialen Kontakt auszukosten, es ist aber auch hier wichtig, nicht zu viel und zu weit nachzudenken. Auch den „vollkommenen geformten Körper“29 eines Mannes können die jungen Soldaten nur durch ihre Uniform aufweisen.

„ Ich blicke auf meine Stiefel. Sie sind gro ß und klobig, die Hose ist hineingeschoben; wenn man aufsteht, sieht man dick und kr ä ftig in diesen breiten R ö hren aus. Aber wenn wir baden gehen und uns ausziehen, haben wir pl ö tzlich wieder schmale Beine und schmale Schultern. Wir sind dann keine Soldaten mehr, sondern beinahe Knaben, man w ü rde auch nicht glauben, da ß [sic!] wir Tornister schleppen k ö nnen. Es ist ein sonderbarer An- blick, wenn wir nackt sind; dann sind wir Zivilisten und f ü hlen uns auch beinahe so. “ 30

Mit den >männlichen Werten< der Disziplin und Gehorsam halten es Paul und seine Kameraden erst auf den zweiten Blick sehr gut. Auffälliger sind die be- schriebenen kleineren Rebellionen und Streiche gegen unbeliebte Anführer, aber auch die kleinen Abenteuer zur eigenen Unterhaltung. Hierzu kann man das fre- che Benehmen gegenüber ihrem ehemaligen Kommandanten, dem Unteroffizier Himmelstoß, zählen, als dieser ihnen an der Front wiederbegegnet. Den früheren Respekt vor ihrem Ausbilder wollen sie ihm nun nicht mehr erweisen und duzen ihn sogar. Es lassen sich noch viele weitere Situationen aufzählen, in den die Jungen sich nicht ganz zurückhalten können, wie zum Beispiel die kleine Rebelli- on auf der Krankenstation, auf der sie sich von den Gebeten der Krankenschwes- tern gestört fühlen, oder auch das nächtliche Abenteuer mit den französischen Frauen. Dieses Verhalten wirkt spitzbübisch, sie möchten ihre Grenzen austes-

[...]


1 Amberger, Waltraud: Männer, Krieger, Abenteurer. Der Entwurf des ‘soldatischen Mannes’ in Kriegsromanen über den Ersten und Zweiten Weltkrieg. 2., überarbeitete Auflage, Frankfurt am Main 1987., S. 41-42.

2 Ebd., S. 42-43.

3 Ebd., S. 43 und 45.

4 Ebd., S. 43.

5 Pietzsch, Henning: Die Fronterfahrungen der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg und ihre Ideologiesierung zum „Fronterlebnis“ in den zwanziger Jahren. Stuttgart 2005., S. 25.

6 Ebd., S. 12.

7 Ebd., S. 14. In: Stolpe, Elmar: Wilde Freude, fürchterliche Schönheit. Die romantische Ästhetisierung des Krieges. In: v. d. Linden, Marcel: Kriegsbegeisterung und mentale Kriegsvorbereitung. Berlin 1991., S. 37ff.

8 Ebd., S. 25.

9 Amberger, Waltraud: Männer, Krieger, Abenteurer. Der Entwurf des ‘soldatischen Mannes’ in Kriegsromanen über den Ersten und Zweiten Weltkrieg. 2., überarbeitete Auflage, Frankfurt am Main 1987., S. 45.

10 Pietzsch, Henning: Die Fronterfahrungen der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg und ihre Ideologiesierung zum „Fronterlebnis“ in den zwanziger Jahren. Stuttgart 2005., S. 25.

11 Amberger, Waltraud: Männer, Krieger, Abenteurer. S. 46.

12 Pietzsch, Henning: Die Fronterfahrungen der deutschen Soldaten. S. 18.

13 Amberger, Waltraud: Männer, Krieger, Abenteurer. S. 44.

14 Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues. Ullstein Buch Nr. 56, West-Berlin 1960., S. 14.

15 Ebd., S. 21-22.

16 Ebd., S. 21.

17 Ebd., S. 19.

18 Ebd., S. 15.

19 Ebd., S.12.

20 Ebd., S. 11.

21 Ebd., S. 17-18.

22 Ebd., S. 190.

23 Ebd., S. 27.

24 Ebd., S. 99.

25 Ebd., S. 99.

26 Ebd., S. 194.

27 Ebd., S. 45.

28 Ebd., S. 45.

29 Pietzsch, Henning: Die Fronterfahrungen der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg und ihre Ideologiesierung zum „Fronterlebnis“ in den zwanziger Jahren. Stuttgart 2005., S. 25

30 Remarque: Im Westen nichts Neues, S. 27.

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656619130
ISBN (Buch)
9783656619123
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270572
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
2,3
Schlagworte
männlichkeit weltkrieg anspruch wirklichkeit roman westen neues erich maria remarque

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