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Mood-Management

Zur Stimmungsregulierung durch Medienangebote am Beispiel von Lovesongs

von Fadwa Mohsen (Autor) Rebecca Raab (Autor) Nevnur Cetinkaya (Autor)

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Gegenstand der Mood-Management-Theorie
2.2 Ansätze der Rezeptionsforschung
2.3 Vorgängerstudien

3. Studie: Love Lamentation in Popsongs - Music for unhappy Lovers?
3.1 Grundannahmen
3.2 Zur Studie: Love Lamentation in Popsongs
3.3 Zusammenfassung und Kritik
3.4 Schlussfolgerung

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturnachweis

1. Einleitung

Ob ein romantischer Liebesfilm, Splattermovies, Actionfilme oder ein atemberaubender Do- kumentarfilm - audiovisuelle Medien entfalten ihre Wirkung nicht zuletzt durch Musik. Sie macht die Atmosphäre eines Films für den Zuschauer erfahrbar und den Film erst zum Erleb- nis, dessen Wirkung meist auch nach der Rezeption noch anhält. Schließlich bleibt der Zu- schauer nicht selten nachdenklich oder euphorisch, von Herzen ergriffen oder gar vom Ner- venkitzel gepackt zurück. Musik erzeugt Spannung, überträgt Emotionen, kurz gesagt, sie lässt die Leinwand verschwinden, hebt die Grenzen zwischen Wohnzimmer und Filmwelt auf.

Die Wirkung von Musik auf den Rezipienten steht also außer Frage, hat sie doch Einfluss auf unseren momentanen Gefühlszustand. Und doch gilt es zu klären, in wie weit der Rezipient, wie oftmals angenommen, wirklich eine passive Rolle einnimmt. Denn, wie verhält es sich beispielsweise beim Musikhören, wenn - anders als im Film - Einfluss auf die Wahl der Musik genommen werden kann und eine bewusste Zuwendung zu bestimmter Musik stattfindet? Warum bleiben wir beispielsweise beim Radio-Zapping bei einem bestimmten Lied hängen? Warum können wir in bestimmten Situationen ein und dasselbe Lied als Endlosschleife hören? Warum spricht man bei schlechter Partymusik von einem „Stimmungskiller“, wohingegen so mancher Song Balsam für die Seele ist?

Wird berücksichtigt, dass unser Handeln und Verhalten in den meisten Fällen von unserer Stimmung bzw. dem momentanen Gefühlszustand abhängig ist, so stellt sich die Frage, in wieweit Medienangebote zur Stimmungsregulierung der Menschen dienen und in wieweit die Medienwirkung wiederum Entscheidungsprozesse in Bezug auf die Wahl des Mediums und des Programms beeinflusst.

Die vorliegende Arbeit thematisiert diese Fragestellung vor dem Hintergrund der MoodManagement-Theorie nach dem US-amerikanischen Kommunikationswissenschaftler Dolf Zillmann. Im Fokus der Arbeit steht die Studie „Love-Lamentation in Popsongs - Music for unhappy Lovers?“ nach Silvia Knobloch, Kerstin Weisbach und Dolf Zillmann aus dem Jahr 2004. Anhand dieser Studie wird diskutiert, in wieweit Medienangebote, insbesondere Lovesongs, Einfluss auf die Stimmung der Rezipienten nehmen und aus welcher Motivation heraus Selektionsentscheidungen getroffen werden.

Jedoch empfiehlt es sich zunächst, das Feld der Rezeptionsforschung abzustecken und näher auf den theoretischen Hintergrund einzugehen, um dann in einem nächsten Schritt den ge- nauen Gegenstand der Mood-Management-Theorie anhand entsprechend gewählter Beispiel studien zu umreißen. Anschließend werden Untersuchungsdesign, Operationalisierung und die Ergebnisse, sowohl der amerikanischen „Love-Lamentation-Studie“, als auch der deut- schen Vergleichsstudie, aufgezeigt und einer kritischen Analyse unterzogen. Vor dem Hin- tergrund der „Love-Lamentation-Studie“ werden in einem abschließenden Fazit die Anwen- dungstauglichkeit der Mood-Management-Theorie reflektiert und ihre Grenzen ausgelotet.

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Gegenstand der Mood-Management-Theorie

Im Jahr 1985 entwickelten die Amerikaner Dolf Zillmann und Jennings Bryant die sogenannte Mood-Management-Theorie, welche versucht die Medienwirkung durch das Mediennutzungsverhalten des Rezipienten zu erforschen.

„Die Mood Management-Theorie postuliert, dass Stimmungen gezielt durch Selektion von Medieninhalten in einem für das Individuum angenehmen Be- reich gehalten oder gebracht werden. Zugrunde liegt die hedonistische An- nahme, dass Menschen grundsätzlich danach Streben, schlechte Stimmungen zu beseitigen und gute Stimmungen aufrecht zu halten.“( Pürer, 2003, S.350)

Gemäß der Zillmann'schen Definition lässt sich also festhalten, dass Individuen ihre Stimmung bewusst oder unbewusst durch die Auswahl von Medieninhalten steigern, senken oder aufrecht erhalten. Damit ist die Mood-Management-Theorie nicht nur Teil der Rezeptionsforschung wie sie die Medienwissenschaft kennt, vielmehr eröffnet sie ein interdisziplinäres Forschungsfeld, in das ebenso Ansätze der Soziologie, Sozialpsychologie und der Philosophie (Hedonismus) hineinspielen.

So lässt sich aus der Sozialpsychologie der Mood-Repair-Ansatz heranziehen. Hier zeigt sich, dass sich Personen in positiver Stimmung weniger an positive Inhalte erinnern als Per- sonen in schlechter Stimmung. Dies lässt sich damit begründen, dass bei negativer Stimmung die Motivation, den Gemütszustand in eine positive Stimmung zu versetzen, höher ist als umgekehrt. Ziel des Mood-Repair-Ansatzes ist es, ein positives Stimmungsniveau zu halten bzw. wiederherzustellen. Erweitert wird die Mood-Repair-These mit dem Mood-Regulation- Ansatz, dem die Annahme zugrunde liegt, dass Menschen danach streben, eine neutrale Stimmung zu erlangen. Begründet wird dieser Ansatz mit der These, Individuen seien in neutraler Stimmung eher in der Lage, auf neue und ungewohnte Situationen angemessen zu reagieren.

2.2 Ansätze der Rezeptionsforschung

Um die Mood-Management-Theorie im Forschungsfeld der Medienrezeption zu verorten, soll zunächst der publikumszentrierten Ansatz des Uses and Gratification Approachs herangezo- gen werden. Im Gegensatz zum medienzentrierten Stimulus-Response-Modell, wo die Frage „Was machen die Medien mit den Menschen?“ im Mittelpunkt steht, und dem Rezipienten lediglich eine reagierende, jedoch keine agierende Handlungsdimension beigemessen wird, wird diese Frage im Uses and Gratification Ansatz umgekehrt formuliert. Folglich heißt es hier: „Was machen die Menschen mit den Medien?“ Die passive Rolle des Rezipienten weicht also der aktiven Handlung der Selektion. Daraus lässt sich der Kerngedanke des Uses and Gratification Ansatzes ableiten: Menschen selektieren Medienangebote und wenden sich, aufgrund bestimmter Bedürfnisse, bestimmten Medienangeboten zu. Dieser These liegen folgende Annahmen zugrunde:

Die Handlungen der Rezipienten erfolgen zielgerichtet und intentional. Die Mediennutzung erfolgt auf der Basis konkreter Nutzenkalkulation, dient der Bedürfnisbefriedigung und kann nur im Kontext alternativer Formen der Bedürfnisbefriedigung beurteilt werden.

Die Rezipienten sind sich der für die Mediennutzung maßgeblichen Motive bewusst. Die Gratifikationsforschung bemüht sich kaum um eine entsprechende Untermauerung ihrer Forschung durch die Annahmen des symbolischen Interaktionismus. Im Vordergrund steht vielmehr die konkrete und rasch erhebbare Motivation des Rezipienten bezüglich der Mediennutzung, um das Selektionsverhalten zu erklären.

Auch das Eskapismus-Konzept ist Teil der Gratifikationsforschung. Auch hier steht das Prinzip der Bedürfnisbefriedigung durch Medienkonsum im Mittelpunkt: Menschen versuchen innere Spannungen mit dem Konsum von bestimmten, meist fiktiven, Medieninhalten auszugleichen. Die Frage, warum Menschen fernsehen, lässt sich, gemäß dem EskapismusKonzept wie folgt beantworten: Menschen sehen fern, um möglicherweise Hausarbeiten zu vergessen, um sich von der Familien zurückzuziehen, sofern es kein gemeinsamer TV-Abend ist, oder um sich abzulenken. (vgl. Schenk 2007,699)

Die von Leon Festinger entwickelte Dissonanztheorie (Güttler 2003,228) knüpft daran an und umfasst auch Ansätze des Mood-Managements.

„Der Mensch strebt nach Konsistenz (Kongruenz, Konsonanz, Gleichgewicht), bevorzugt harmonische und ausgewogene (kognitive) Beziehungen gegenüber unharmonischen und ist motiviert, eine durch inkonsistente Wahrnehmungsprozesse erzeugte Disharmonie zu reduzieren.“

Wenn Menschen also die Wahl haben zwischen Medien, deren Wirkung negative Stimmun- gen erzeugen und Medien, die sich positiv auf den Gemütszustand auswirken können, so wird der Rezipient die Medienangebote präferieren, deren positive Aspekte verstärkt im Vordergrund stehen.

Aus diesen Konzepten lässt sich ableiten, dass der Selektion ein Erregungsmoment voran- geschaltet ist, welcher den Selektionsprozess aktiviert. Die Excitation-Transfer-Theorie, oder auch Erregungs-Theorie genannt, wurde 1985 von Zillmann ausgearbeitet. Zillmann geht davon aus, dass das Fernsehen nicht nur emotionale Reaktionen während der Rezeption im Zuschauer hervorruft, vielmehr können Wirkungs-Effekte auch über den Rezeptionsprozess hinaus anhalten. Diese Wirkungen würden, so Zillmann, schließlich erst nach und nach ab- klingen. Hierbei liegen die elementaren Wirkungen auf der emotionalen Ebene laut dem So- ziologen Herber Blumer. Dabei spiele das Verhältnis zwischen dem Zuschauer und dem In- halt eine wichtige Rolle.

„Die durch empathische Beziehung (also das Einfühlen und Mitfühlen von Emotionen eines Protagonisten) verursachte emotionale Erregung ist umso größer, je mehr die Handlung in einem der Erfahrung des jeweiligen Rezipienten entsprechenden Milieus angesiedelt ist.“

Dies bedeutet, je mehr der Zuschauer sich bei einem bestimmten Inhalt angesprochen fühlt, je mehr spezifische Erfahrungen der Inhalt mit sich bringt, „je ähnlicher Modell und Beobachter sind“, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit einer emotionsstarken Wirkung. Kinder könnten beispielsweise weniger mit Kochsendungen anfangen, als mit einem Filmausschnitt, der eine Auseinandersetzung zwischen Vater und Mutter zeigt (Vgl. Kunczik, Zipfel, 2006, S.168f). Der Grad des Erregungszustands, also die Höhe des Erregungsniveaus, hat einen Einfluss auf Anschlusshandlungen im medialen wie auch nicht-medialen Bereich.1

Ähnlich wie die oben genannten Ansätze begründet auch die Selective-Exposure-Theorie das Selektionsverhalten mit psychologischen und kognitiven Prozessen. Die Selective- Exposure-Theorie geht von einem systematischen Selektieren von Informationen aus, wobei solche Informationen, welche Dissonanz, also eine Kontroverse zur persönlichen Einstellung, verstärken, eher vermieden und solche Informationen, die der persönlichen Einstellungsstruktur entsprechen, angestrebt werden (Vgl. Mentzel, 2009, S. 9f).

„Das Erleben von Dissonanz wird bei Zillmann als eine Form von schlechter Stimmung verstanden, die zum Beispiel durch die Rezeption dissonanter Inhalte hervorgerufen wird.“2

Mithilfe bestimmter Inhalte versucht der Mensch, so Zillmann, sich aus den durch Dissonanz entstehenden Unannehmlichkeiten zu befreien, wie auch aus allen anderen entstandenen ne- gativen Stimmungen. Übertragen auf die Medien bedeutet die Selective-Exposure-Theorie, dass Menschen aktiv und gezielt ihre Inhalte nach eigenen Kriterien frei auswählen. In Aus- nahmefällen, wie einem gemeinsamen DVD-Abend in einer Gruppe, ist man möglicherweise gezwungen, sich gewissen Inhalten zuwenden. Eine zufällige Auswahl von Medieninhalten wird jedoch nicht ausgeschlossen. Befindet sich der Rezipient in einer negativen Stimmung und stößt auf einen Inhalt, welcher seine negative Stimmung reduziert, so bleibt die Erinne- rung an diese Situation und den Inhalt. Dies hat zu Folge, dass unter ähnlichen Bedingungen eine ähnliche Auswahl stattfindet. Voraussetzung hierfür ist Konstanz im (Programm-)Inhalt. So muss die Kindersendung „Sesamstraße“ stets humorvoll sein, sodass eine ähnliche Wir- kung bei erneuter Rezeption hervorgerufen wird.3

2.3 Vorgängerstudien

Aufbauend auf dem oben ausgeführten theoretischen Hintergrund, werden im Folgenden einige Studien, die sich mit der Mood-Management-Theorie beschäftigen herangezogen. Diese Studien wurden vor dem Hintergrund der „Love-Lamentation-Studie“ ausgewählt und sollen als Vorgängerstudien verstanden werden.

1977 führten Bryant und Zillmann ein Experiment durch, welches das Absorptionspoten- zial, also die Fähigkeit eines Programmes, den Teilnehmer von seinen momentanen Gedan- ken abzulenken, unterschiedlicher Programminhalte untersuchte. Im ersten Teil des Experi- ments wurden die Teilnehmer von einem unfreundlichen Versuchsleiter verärgert. Anschlie- ßend teilte man die Teilnehmer in sechs Gruppen auf. Die einzelnen Gruppen rezipierten je einen zehn minütigen Filmausschnitt, sowohl aggressiver als auch neutraler Sendungen. An- schließend wurden die Teilnehmer dazu aufgefordert an einem Spiel teilzunehmen, bei dem es ihnen erlaubt war, ihre Aggressivität verbal auszudrücken. Während des Experiments wur- de immer wieder die physiologische Erregung der jeweiligen Teilnehmer ermittelt. Das Er gebnis zeigt, dass Sendungen mit hohem Absorptionspotenzial die Verärgerung der Teilnehmer reduzieren konnte. Aggressive Sendungen, die rezipiert wurden, zeigten jedoch keine Veränderung des Aggressivitätspotenzials der Versuchspersonen. Der Umkehrschluss ist bei neutralen Sendungen der Fall. Teilnehmer dieser Gruppe reagierten beim Spiel mit weniger Aggressivität. Somit kann man festhalten, dass das Fernsehen durchaus die Funktion besitzt, auf Stimmungen einzuwirken und negative Affekte zu reduzieren.

Vergleichbare Ergebnisse liefert eine Studie von Masters et al. aus dem Jahr 1983. Hier wurden zwei Gruppen von vier- bis fünfjährigen Kindern gebildet, wobei Gruppe eins vom Versuchsleiter verbal angegriffen und provoziert, die andere Kindergruppe hingegen durch lobendes Verhalten positiv beeinflusst wurde. Anschließend hatten die Kinder die Möglich- keit aus verschiedenen Kindersendungen eine Sendung auszusuchen. Die eher beunruhigten Kinder aus Gruppe eins rezipierten überwiegend Sendungen, die beruhigend und selbstbestä- tigend wirkten. Die Kinder, die Lob erhalten hatten, wählten stattdessen eher anregende Sen- dungen aus. Dieses Experiment zeigt deutlich, dass, gemäß der Mood-Management-Theorie, „Rezipienten in Situationen, in denen sie sich gelangweilt fühlen, verstärkt anregende oder aufregende Angebote wählen, während sie umgekehrt in angespannten Situationen eher beru- higende Inhalte bevorzugen.“ (Schenk, 2007, S.662).

1980 unternahmen Zillmann et al. einen vergleichbaren Versuch mit Studenten. Auch hier wurden zwei Gruppen gebildet. Einen Teil der Studenten versetzte man in Stress durch Aufgabenlösen unter Zeitdruck, der andere Teil wurde durch monotone Arbeit gelangweilt. Schließlich wurden sie in einen Fernsehraum gebracht, wo erneut Programme verschiedener Genres zur Auswahl standen. Wie erwartet wählten die Teilnehmer Sendungen aus, die ihr Erregungspotential je nach Situation steigerte beziehungsweise senkte.4

Während sich die drei oben genannten Studien einem recht einfachen Muster folgen, be- ziehen Mares und Cantor (1992) weitere Überlegungen in den Aufbau ihrer Studie zum Wohlbefinden älterer Menschen mit ein. Sie gehen davon aus, dass die Selektion bestimmter Fernsehprogramme abhängig von dem Grad der sozialen Integration der Probanden ist. Des Weiteren postulieren sie, dass die Selektion von Medienangeboten auf identifikationsstiftende Inhalte zurückzuführen sei, welche ein gewisses Gruppenzugehörigkeitsgefühl der Rezipien- ten zu den Medienpersonen hervorrufen könne. Mares und Cantor verglichen das Selektions- verhalten zwei Gruppen älterer Menschen: Ältere Menschen, die in einem sicheren sozialen Umfeld leben gegenüber solchen die einsam und isoliert sind. Die Studie zeigte, dass Gruppe eins Fernsehsendungen mit Menschen in vergleichbar positiven Lebenssituationen bevorzug- te, wohingegen Gruppe zwei Fernsehsendungen mit Menschen in vergleichbar einsamen Si- tuationen präferierte. Erklärt wird dieses Phänomen dadurch, dass Menschen, die einsam sind, deprimierende Filme schauen, um so ihr Leid teilen zu können. Einen positiven Film zu sehen, streut so gesehen nur Salz in die Wunde. Mares und Cantor sahen ihre Annahmen durch die Auswertung ihrer Studie bestätigt. Insgesamt weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die Theorie sozialer Identität geeignet ist, um Medienwahlverhalten zu erklären.

Ähnlich beläuft sich die Selektionsweise bei der Wahl von Musik, wie die „Love- Lamentation-Studie“ von Knobloch, Weisbach und Zillmann zeigt.

3. Studie: Love Lamentation in Popsongs - Music for unhappy Lovers?

3.1 Grundannahmen

Die in 2. aufgeführten Ansätze und Theorien der Medienwirkungsforschung bzw. der Rezep- tionsforschung sind Erklärungsmodelle, die versuchen Aufschluss darüber zu geben, warum sich Menschen bestimmten Medienangeboten zuwenden. Zusammenfassender Konsens ist dabei die Annahme, dass Medienrezeption - bewusst oder unbewusst - in Abhängigkeit der persönlichen Stimmung/des momentanen Gefühlszustands erfolgt. Demzufolge verspricht auch die Rezeption von Popmusik, als Bestandteil medialer Unterhaltung, dem Rezipienten bestimmte Gratifikationen. Im Sinne der Mood-Management-Theorie dient Musik also als Regulativ der persönlichen Stimmung.

Liebe, Romantik und Sexualität sind zentrale, immer wiederkehrende Themen populärer Musik. Jedoch gibt es bislang nur wenige Studien über die Anziehungskraft von Lovesongs, insbesondere solcher, die „the dark side of love“ (Zillmann et al. 2004, 117) postulieren.

Ausgehend von diesen Grundannahmen formulieren Zillmann et al. folgende Forschungsfrage: Warum wenden sich Menschen Lovesongs zu, die von Traurigkeit, Verzweiflung und Verbitterung, hervorgerufen durch unerfüllte oder vergangene Liebe, handeln?

Erste Antworten auf die Frage nach diesem „Genuss-Paradox“ (vgl. Zillmann et al. 2004, 117), liefern Davies (1997) und Hospers (1969). Nach Davies' gibt es drei Gründe, warum sich Rezipienten traurigen Liebesliedern zuwenden. Zunächst weist er darauf hin, dass der in der Musik geäußerte Kummer als der eines «anonymous agent» (Zillmann et al. 2004, 117) aufgefasst werden kann. Der Rezipient sieht sich selbst in einer übergeordneten Rolle und ist aufgrund von Anteilnahme an dem fremden Liebeskummer für traurige Liebes- lieder empfänglich.

[...]


1Vgl. http://epub.ub.uni-muenchen.de/377/1/MA_Pisinger_Eva.pdf, S. 20

2http://epub.ub.uni-muenchen.de/377/1/MA_Pisinger_Eva.pdf, S. 21

3Vgl. ebd

4Vgl.http://epub.ub.uni-muenchen.de/377/1/MA_Pisinger_Eva.pdf, S. 25fff

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656619727
ISBN (Buch)
9783656619673
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270631
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,7
Schlagworte
Lovesongs Liebeslieder Wirkung Medienwirkung Einfluss

Autoren

  • Fadwa Mohsen (Autor)

  • Rebecca Raab (Autor)

  • Nevnur Cetinkaya (Autor)

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Titel: Mood-Management