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Rundfunkfreiheit im Laufe der Zeit. Einflussnahme von Eigentümern am Beispiel von Ravag und ORF

Seminararbeit 2012 50 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

Forschungsfrage:

Hypothesen:

Problemstellung:

Forschungsleitendes Erkenntnisinteresse:

Rahmenkapitel:
Die Freiheit des Rundfunks im aktuellen Kontext:
„Ravag“ - Österreichs Radioverkehrs AG:
Programm der Ravag:
Eigentümerverhältnisse der Ravag:
Historische Entwicklung des Ständestaates:
Die Etablierung des Austrofaschismus:
Unternehmensstruktur der Ravag im Ständestaat:
Medienpolitik im Ständestaat:
Die Auflösung der RAVAG:
Programmgestaltung der Ravag im Nationalsozialismus:
Rundfunk nach 1945:
Der ORF - ein unabhängiges Medium?
Organe des Österreichischen Rundfunks:
Programmentgelt:
GIS - Gebühren Info Service:
Öffentlicher Auftrag des ORF:
ORF - Stiftung des öffentlichen Rechts:
„Sustainable Funding“ - Modifikation des Finanzierungsmodells:

Methodisches Verfahren:

Arbeitsjournal:

Ergebniskapitel:

Stellungnahme zu formulierten Hypothesen:

Schlussfolgerung:

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1: Die Entwicklung des Ravag Programmes

Abb. 2: Mediensystem im Ständestaat

Abb. 3: Entwicklung Brutto-Umsätze Privat-TV vs. ORF-TV

Abb. 4: GIS - Rundfunkgebühren im Detail.

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung:

Rundfunkfreiheit ist ein wichtiges Gut für unsere Gesellschaft und essentiell für eine gut funktionierende Demokratie. Die folgende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit möglichen Einwirkungen auf Rundfunkfreiheit, im Speziellen durch die Finanzierungssituation des Medienunternehmens, als auch die Einflussnahme durch die Eigentümer. So ist es wichtig auf welcher Rechtsform ein Medienunternehmen aufgebaut ist, da dies die Einflussnahme von bspw. der Politik beträchtlich steigern oder auch verringern kann.

Ein Medienunternehmen, das finanziell von anderen Institutionen abhängig ist, kann oft nicht eigenständig über das eigene Programmangebot entscheiden. Ob das ein Nachteil oder Vorteil ist, soll in dieser Arbeit ebenfalls behandelt werden.

Der Aufbau der vorliegenden Arbeit ist wie folgt, zunächst einmal soll auf die Forschungsfrage, Hypothesen, die Problemstellung und das forschungsleitende Erkenntnissinteresse eingegangen werden. Als Grundlage der Herangehensweise wird daraufhin die Wichtigkeit der Rundfunkfreiheit behandelt.

Im Folgenden beschäftigt sich die Forschungsarbeit mit der Geschichte der Ravag und deren Programmangebot. Zudem wird auf die wirtschaftliche Entwicklung hin zum Ständestaat, der Medienpolitik im Ständestaat und den Umbruch zum Nationalsozialismus sowie deren Medienpolitik eingegangen.

Darauffolgend wird ein Sprung zur heutigen Situation beim ORF gemacht und näher beleuchtet.

Das Ergebniskapitel soll einen Vergleich ziehen zwischen den im Theorieteil beschriebenen Situationen und beleuchten inwieweit die Finanzierungssituation, das Eigentumsverhältnis sowie die Rechtsform einen Einfluss auf die Rundfunkfreiheit haben.

Forschungsfrage:

1. Inwiefern hat die Eigentümersituation eines Rundfunkunternehmens Auswirkungen auf die Rundfunkfreiheit?

2. Inwiefern hat die Finanzierungssituation eines Rundfunkunternehmens Auswirkungen auf die Rundfunkfreiheit?

Die in dieser Arbeit leitende Forschungsfrage soll versuchen einen Zusammenhang zwischen dem Eigentümer bzw. der Finanzierung eines Medienunternehmens und deren journalistische Freiheit aufzustellen. Es wird versucht dies anhand des österreichischen Rundfunks darzustellen, indem die Geschichte von der Gründung der Ravag, über die Ravag im Ständestaat und im Nationalsozialismus mit dem heutigen ORF verglichen wird.

Hypothesen:

1. Je mehr ein Medienunternehmen im öffentlichen Eigentum steht, desto größer ist die Beeinflussung durch die Politik und desto geringer die Rundfunkfreiheit.

2. Umso mehr die Finanzierung eines Medienunternehmens von außerhalb kontrolliert wird, desto weniger kann eine echte Rundfunkfreiheit existieren.

Problemstellung:

Ein freier Rundfunk ist von immenser Bedeutung für eine moderne und demokratische Gesellschaft. Nur durch ein hohes Maß an Rundfunkfreiheit können Medien eine Kontrollfunktion in der Gesellschaft erfüllen. Eine freie pluralistische Meinungsbildung der Gesellschaft ist die Grundlage für eine gut funktionierende Demokratie.

Es ist jedoch schwer einen unabhängigen Rundfunk zu erreichen, da viele Interessensgruppen auf den Rundfunk Einfluss nehmen bzw. nehmen wollen. Wie in der vorliegenden Arbeit untersucht werden soll, kann man dies vor allem an einem geschichtlichen Zeitablauf erkennen (Ravag im Ständestaat bzw.

Nationalsozialismus). Anhand dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, wie sich entsprechende Eigentumsverhältnisse von Rundfunkunternehmen Finanzierungsverhältnisse auf die Programmfreiheit bzw. die Rundfunkfreiheit auswirken. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk liegt zumeist in der Kompetenz des Staates, da ein öffentlicher Auftrag zum Wohle der Gesellschaft erfüllt werden soll. Es ist nicht einfach eine solche Aufgabe dem Markt zu überlassen, da ein privatwirtschaftlich organisierter Markt zumeist Gewinnmaximierung als oberstes Ziel anstrebt. So sollten doch staatliche Rahmenbedingungen vorgegeben werden, damit der Programmauftrag auch jedem Bürger in der Gesellschaft zu Gute kommt.

Ein Medienunternehmen, das einen öffentlichen Auftrag verfolgt und auf einem objektivem unabhängigem journalistischen Grundsatz beruht, sollte diesen auch ohne Einfluss von außen zum Wohle der Gesellschaft erfüllen können. Gefahren für den unabhängigen Rundfunk und eine freie pluralistische Meinungsbildung entstehen, wenn Eigentümer aus politischen Motiven bestimmte Handlungen in Medienunternehmen setzen um somit die eigene politische Macht zu festigen.

Ein unabhängiger Rundfunk sollte auf Basis von gesetzlichen Rahmenbedingungen auch eine eigenständige Finanzierung haben. Besteht eine finanzielle Abhängigkeit, so kann daraus ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die Tätigkeit eines Unternehmens entstehen.

Forschungsleitendes Erkenntnisinteresse:

Das Erkenntnisinteresse der Forschungsarbeit beschäftigt sich mit einem möglichen Zusammenhang zwischen den Eigentümern sowie der Finanzierungssituation und der Freiheit eines Rundfunkunternehmens. Im historischen Kontext werden die Zeiten der Gründung der Ravag, der Ravag im Ständestaat, der Ravag im Nationalsozialismus und der heutigen Situation des ORF betrachtet und jeweils auf das forschungsleitende Erkenntnisinteresse hin untersucht.

Rahmenkapitel:

Die Freiheit des Rundfunks im aktuellen Kontext:

Dieser Abschnitt der Arbeit soll sich mit dem Begriff der Rundfunkfreiheit aus heutiger Sicht beschäftigen. So ist nach Hans H. Klein vom Institut für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln die Rundfunkfreiheit eine grundrechtliche Gewährleistung der Verfassung. Die Freiheit des Rundfunks beruht sozusagen auf dem Grundrecht der Meinungs- und Berufsfreiheit. Laut Klein sollte ein generelles Verbot der Staatskontrolle über den Rundfunk bestehen. Die Freiheit der Berichterstattung des Rundfunks ist ein wichtiges Gut in der heutigen Gesellschaft..1

Der Rundfunk ist grundlegend für die öffentliche Meinungsbildung. Ein freier Rundfunk sollte eine Grundvoraussetzung eines demokratischen Systems darstellen. Nach diesem Verständnis der Rundfunkfreiheit folgen Handlungspflichten für den modernen Staat. Die Rundfunkfreiheit gewährleistet eine freie individuelle und persönliche Meinungsbildung und kann im Kern auch als Programmfreiheit gesehen werden. Durch Gesetze muss diese Rundfunkfreiheit gesichert werden, damit Meinungsvielfalt gewährleistet werden kann. Ein moderner Staat sollte eine Schutzfunktion gegenüber der Freiheit des Rundfunks freien Meinungsbildung eingehen.2

In einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft ist eine pluralistische Ordnung von Medien essentiell. Es sollte ein freier Zugang zum Medienmarkt herrschen, der eine Vielfalt von Medienprodukten gewährleistet.

Wirtschaftlich gesicherter und geistig unabhängiger Journalismus kann als Grundlage einer modernen Gesellschaft gesehen werden. Die Realität kann jedoch auch eine andere sein. Diese Arbeit versucht Zusammenhänge zwischen den Finanzierungs bzw. Eigentumsverhältnissen von Rundfunkunternehmen und der Freiheit des operativen Journalismus aufzuzeigen.3

Unabhängigkeit des Rundfunks ist anzustreben, sprich der öffentliche Rundfunk sollte aus dem unmittelbaren Einfluss von Staat und Parteien herausgelöst werden. Die 1924 gegründete Ravag wurde durch den Staat und Parteien beeinflusst.

Das Publikum hat einen Anspruch darauf objektiv informiert zu werden, nur so kann Meinungsvielfalt entstehen. Der Rundfunk kann diesbezüglich als sehr einflussreiches Medium gesehen werden.

Im Bundesverfassungsgesetz 1974 konnte die Unabhängigkeit des Rundfunks zu einem gewissen Teil gesichert werden. Das Rundfunkgesetz beschäftigt sich mit der Unabhängigkeit der Personen und Organe eines Mediums. Die Unabhängigkeit eines Mediums ist von vielen Einflusskräften abhängig. So gibt die Politik mit ihrer Medienpolitik den Rahmen für den Rundfunk vor. Wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen nicht nur beim privaten sondern auch beim öffentlichen Rundfunk.4

Im modernen Weltbild werden Medien auch als vierte Macht im Staat beschrieben, neben der Judikative, Exekutive und Legislative. Diese Macht kann nur ausgeübt werden wenn eine Unabhängigkeit gegenüber den anderen Mächten besteht. Für eine funktionierende Demokratie ist die vierte Gewalt, die der Aufgabe der Medien zukommt von groβer Bedeutung. Ebenso sollte der demokratische Prozess in einem vernünftigen Diskurs vorangetrieben werden, die Medien können hier eine Plattform bieten. Laut Manfred Prisching ist die Unabhängigkeit von Medien aus drei Gründen mit einer demokratischen Ordnung verbunden. Erstens gibt es Medien, die als Sprachrohr des Volkes verstanden werden können. Meinungen, Wünsche und Beschwerden der Rezipienten werden durch die Medien auf die Ebene eines öffentlichen Diskurses gebracht.

Zweitens stellen Medien eine Arena dar, in denen ein politischer Diskurs geführt werden kann. So kann das Volk zu einem Teil die eigene politische Zukunft mitbestimmen. Drittens haben Medien die Aufgabe politische und wirtschaftliche

Institutionen zu kontrollieren. So sollte durch die Medien bspw. Korruption und Machtmissbrauch aufgezeigt werden. Würde es keine unabhängigen Medien geben, so wäre es den Medien unmöglich solche Funktionen auszuüben. Medien übernehmen auf diese Weise eine Art Wächterfunktion und helfen eine fortschrittliche Demokratie voranzutreiben. Man kann hier erkennen wie wichtig unabhängige Medien für eine gut funktionierende Demokratie sind..5

In autoritären Regimen wurde stetes versucht die Berichterstattung der Medien zu beeinflussen und somit die Gesellschaft nach ihren Gunsten zu lenken. Hier kommt die Bedeutung von Medien als Gate-Keeper zum Vorschein. Eine Hungersnot über die von den Medien nicht berichtet wird, findet auch quasi nicht statt. In autoritären Regimen wurde deshalb stets versucht Katastrophen nicht oder nur teilweise der breiten Öffentlichkeit zu unterbreiten. Die Agenda-Setting These besagt im Grunde, dass sich die Öffentlichkeit über jene Themen unterhält, über die durch die Medien in einer groβen Ausführlichkeit berichtet wird. So können Medien einen starken Druck auf die Politik ausüben und ihre Handlungsweisen beeinflussen. Damit all diese Funktionen der Medien auch umsetzbar sind, ist eines wichtig, nämlich die Glaubwürdigkeit der Medien. Rezipienten müssen davon überzeugt sein, dass Medien in ihrer Berichterstattung unabhängig und somit auch glaubwürdig sind..6

In autorit ä ren Gesellschaften ist die Unabh ä ngigkeit der Medien in erster Linie vom politischen System gef ä hrdet, in dem demokratisch-liberalen Gesellschaften der Gegenwart wird die Unabh ä ngigkeit der Medien in erster Linie von wirtschaftlichen Prozessen in Frage gestellt “ 7

An diesem Zitat kann man sehen inwiefern die Politik von autoritären Regimen eine Gefahr für die Freiheit der Medien darstellt. Gefahren für die Unabhängigkeit in demokratisch-liberalen Medien sind vor allem Konzentrationsprozesse, die die Pluralität der Meinungsvielfalt verringern als auch der Effekt der Kommerzialisierung.

Die Kommerzialisierung ist ein ökonomisches Motiv, das den Gewinn eines Medienunternehmens als eines der höchsten Ziele darstellt.

„Ravag“ - Österreichs Radioverkehrs AG:

Unter den gro ß en Erfindungen, die mitzuerleben unserer Generation verg ö nnt war, muss dem Rundfunk ein ganz besonderer Platz einger ä umt werden. ( … )Die ´ Ravag ´ hat es im ersten Lustrum ihres Bestehens verstanden , nicht nur in jedem Augenblick auf voller technischer H ö he zu bleiben, sondern auch in der Auswahl des Programmes dem Gemeinschaftsgedanken des eigenen Volkes und der Menschheit zu dienen “

Bundespr ä sident Wilhelm Miklas 8

Dieses Zitat von Bundespräsident Wilhelm Miklas wurde 1929 in einer Veröffentlichung der Ravag abgedruckt. Das veröffentlichte Werk der Ravag trug den Titel „5 Jahre österreichischer Rundfunk“.

Die Ravag wurde im Jahre 1924 gegründet. In diesem Jahre wurden die beiden Konzessionsgesellschaften der Radio-Austria A.G. für den Radiotelegraphendienst und die Radioverkehrs A.G. (Ravag) für den Betrieb der Radiotelegraphie gegründet. Ebenso nahm die Ravag den Rundspruchdienst mit mehreren Sendestationen auf.

„ Rechtzeitig zur Er ö ffnung der Wiener Herbstmesse begann der Stubenringsender mit regelm äß igen Versuchssendungen, die sowohl als Eigenwerbung wie auch als Werbemittel für die Radioindustrie dienten und dem Rundfunk schon zu Beginn den wirtschaftlichen Bestand sicherten. “ 9

Bis zum Jahre 1929 sind die Hörerzahlen rasant angewachsen und betrugen 360.000 Hörer. Der Generaldirektor für Post- und Telegraphenverwaltung Konrad Hoheisel ist mit dem finanziellen Ergebnis ebenfalls sehr zufrieden, dies sei auf mäßige Einhebungsgebühren zurückzuführen.10

Laut Hans Sobotka dem Direktor der administrativen Abteilung ist die Hörerzahl von 360.000 ein Zeichen für die hervorragende Entwicklung des österreichischen Rundspruches. Die verhältnismäßig niedrige Gebühr, die auf jeden Hörer entfällt, erlaubt es nicht einen kostspieligen Verwaltungsapparat einzurichten. Die Anmeldung zur Teilnahme sowie die Einhebung der Gebühren erfolgt über das gutorganisierte Netz der österreichischen Post.

Das vom Nationalrat im Juli 1924 verabschiedete Telegraphengesetz enthielt Rahmenbestimmungen. So war ein generelles Aufsichtsrecht des Bundes über den Sendebetrieb enthalten, sowie die Einrichtung eines Beirates. Ebenso konnte der Bund die Produktion und den Handel von Empfangsgeräten beeinflussen. Der Radiobeirat bestand aus 24 Mitgliedern, je ein Vertreter der Länder, der Kammern für Handel und Gewerbe, Landwirtschaft und der Arbeiterkammer, sowie der Radioindustrie. Die Funktion des Beirats war lediglich beratend. Die Beobachtung der Programmgestaltung war jedoch ein Großteil des Tätigkeitsbereichs.11

Ein staatlicher Einfluss auf die Ravag hat nicht nur durch die Aktienbeteiligung bestanden. Die Nachrichten der Ravag sollten bevorzugt von der Amtlichen Nachrichtenstelle entgegengenommen werden. Dies war nicht verpflichtend für die Ravag, es hieß jedoch, dass die amtliche Nachrichtenstelle bevorzugt zu behandeln sei. Meldungen der staatlichen Nachrichtenstelle durften nur vollständig oder gar nicht gesendet werden.

Programm der Ravag:

Die Entwicklung des Ravag-Programms aus von 1924 bis 1929 aus dem Ravag Bericht „5 Jahre österreichischer Rundfunk“.

Es ist deutlich zu erkennen, dass in den Bereichen Musik, Literatur, Wissenschaft und Nachrichten das Programmangebot deutlich zugenommen hat. Dies geht aus der nachstehenden Abbildung hervor.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigentümerverhältnisse der Ravag:

Das Telegraphenwesen, zu dem auch der Rundspruch gehört ist in Österreich wie auch in den anderen europäischen Staaten Hoheitsrecht und somit dem öffentlichen Sektor unterstellt. Die Errichtung öffentlicher Telegraphen ist das ausschließliche Recht des Bundes. Die Österreichische Radioverkehrs A.G. (kurz Ravag) erhielt eine Konzession bis zum Jahre 1952 zur Errichtung und zum Betrieb radiotelegraphischer Sende- und Empfangsanlagen.

Der Großteil des Aktienbesitzes der Ravag ist in den Händen öffentlicher Körperschaften bzw. Unternehmen die der öffentlichen Kontrolle unterliegen. Somit ist die Einflussnahme privater Aktionären begrenzt. Die Sendeanlagen in den Städten Graz, Linz, Klagenfurt und Innsbruck werden von Wien verwaltet und grundsätzlich auch mit dem Programm versorgt..13

Die Ravag wurde 1924 als privatrechtlich organisierte Aktiengesellschaft gegründet. 82% des Aktienkapitals lagen zu gleich großen Teilen beim Bund, der GEWISTA (Gemeinde Wien), der Steirerbank AG Graz und dem Österreichischen Credit- Institut. 8% wurden von der österreichischen Anzeigen AG gehalten. Die restlichen 10% verteilten sich auf private Unternehmen der Schwachstrom- bzw. Radioindustrie.14 An der Verteilung des Aktienkapitals kann deutlich gesehen werden welche Einflussgruppen auf die Ravag wirkten. Die Großaktionäre waren im 20- Köpfigen Verwaltungsrat der Ravag proportional vertreten. Durch die Teilnahme an wöchentlichen Programmsitzungen übte der Staat auch Einfluss auf das Programm der Ravag aus. Der Beirat der Ravag beschäftigte sich mit der Gebührenfrage und Wünsche der Rundspruchteilnehmer bezüglich des Programmes. Die politischen Parteien waren im Aufsichtsrat und Beirat der Ravag vertreten.15

Ab dem Jahre 1932 befand sich die RAVAG mehrheitlich in Bundesbesitz (60%), die Gemeinde Wien verfügte über 20%, die restlichen Anteile hielten mehrere Kleinaktionäre. Die Gebarungskontrolle wurde von einem Ausschuss des Verwaltungsrates durchgeführt. Diesem Ausschuss gehörten nur Vertreter der Groβaktionäre an. Bis 1934 kann diese Zusammensetzung als Spiegelbild der politischen Verteilung gesehen werden.

Die Einnahmen der Ravag basieren auf Teilnehmergebühren, die durch Organe der Post eingezogen werden. Diese Einnahmen wurden primär zur Deckung von Verlustvorträgen (Bilanzverluste des Vorjahres) genutzt, des Weiteren sollen 8% des Aktienkapitals einem Reservefonds zugeführt werden. Eine Konzessionsabgabe muss ebenfalls berücksichtigt werden. Die Post- und Telegraphenverwaltung ist berechtigt ein Fünftel des Vorstandes der Gesellschaft zu ernennen. Zusätzlich wird die Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung durch Post- und Telegraphenverwaltung geprüft und genehmigt. Das Programm wird durch Vorschläge von Fachreferenten in wöchentlichen Sitzungen erstellt. Regelmäßig nehmen jedoch auch Vertreter der staatlichen Unterrichtsverwaltung als Berater teil.16

Historische Entwicklung des Ständestaates:

Österreichs Wirtschaft von 1918 - 1934:

Die Zwischenkriegszeit ist in Österreich von einer wirtschaftlichen Schwäche gezeichnet, beeinflusst durch die Weltwirtschaftskrise. Die Arbeitslosenzahlen in Österreich waren hoch und erreichten nach Schätzungen 1934 ihren Höhepunkt mit 770.000 Menschen oder 38,5%. Die hohe Arbeitslosigkeit hatte eine Verringerung des Konsums zur Folge, was die wirtschaftliche Situation nur noch weiter verschlechterte. Die Zahl der Konkurse stieg von 581 im Jahr 1929 auf 1100 im Jahr 1932. Diese aussichtslos scheinende wirtschaftliche Situation bildete einen Nährboden für Radikalisierungen wie den Faschismus.17

[...]


1Vgl. Klein, „Die Rundfunkfreiheit“ 1978, S.32f

2Lutzhöft „Eine objektiv-rechtliche Gewährleistung der Rundfunkfreiheit in der Europäischen Union?“ 2012, S.3f

3Vgl. Wittmann, 1981, S.1

4Vgl. Berka/Grabenwarter/Holoubek, „Unabhängigkeit der Medien, 2011, Vorwort

5Vgl. Prisching „Die Unabhängigkeit der Medien in der Spätmoderne“ In:Berka/Grabenwarter/Holoubek, „Unabhängigkeit der Medien, 2011, S.8ff

6Vgl. Prisching „Die Unabhängigkeit der Medien in der Spätmoderne“ In:Berka/Grabenwarter/Holoubek, „Unabhängigkeit der Medien, 2011, S.12ff

7Prisching „Die Unabhängigkeit der Medien in der Spätmoderne“ In:Berka/Grabenwarter/Holoubek, „Unabhängigkeit der Medien, 2011, S.16

8Ravag, „Fünf Jahre österreichische Radioverkehrs A.G.“ 1929, S.3

9Venus, „Vom Funk zum Rundfunk“ S.413 In: Ackerl, Neck „Wissenschaftliche Kommission“ 1986

10 Vgl. Hoheisel „Fünf Jahre österreichische Radioverkehrs A.G.“ In: Ravag, 1929, S.11

11 Vgl. Venus, „Vom Funk zum Rundfunk“ S.411f In: Ackerl, Neck „Wissenschaftliche Kommission“ 1986 Seite 8 von 46

12 Ravag, „Fünf Jahre österreichische Radioverkehrs A.G.“ 1929, S.85

13 Vgl. Bayer „Organisation des österreichischen Rundfunkwesens“ In: Ravag, 1929, S. 131

14 Vgl. Wittmann, 1981, S 72f

15 Vgl. Wittmann, 1981, 73ff

16 Vgl. Bayer „Organisation des österreichischen Rundfunkwesens“ In: Ravag, 1929, S. 131f

17 Vgl. Kernbauer, Weber, Von der Inflation zur Depression. Österreichs Wirtschaft 1918 -1934. In. Talos, Neugebauer, „Austrofaschismus“ 1988, S.4

Details

Seiten
50
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656621614
ISBN (Buch)
9783656621515
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270642
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
rundfunkfreiheit laufe zeit einflussnahme eigentümern beispiel ravag

Autor

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