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Zielbereich des Bilderbucheinsatzes: Interkulturelles Lernen

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Allgemeines zum Bilderbuch

3 Theoretischer Hintergrund

4 Qualitätskriterien
4.1 Thematische Analysekriterien
4.2 Gestalterische Analysekriterien

5 Anwendung der Qualitätskriterien

6 Gesamteinschätzung

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang
8.1 Kriterienkatalog
8.2 Bilderbuch "Wie weit weg ist Pfefferland?"

1 Einleitung

Interkulturelle Bilderbücher sind immer noch nicht allzu häufig in deutschen Buchhandlungen, Kindergärten und Bibliotheken zu finden. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass knapp ein Drittel der unter fünfjährigen Kinder in Deutschland Migrationshintergrund haben und die interkulturelle Kompetenz eine besonders wichtige Bedeutung in der globalisierten Welt hat. So sollte bereits schon im Kindergartenalter eine interkulturelle Sensibilisierung stattfinden. Dies kann natürlich am spielerischsten durch Bilderbücher erfolgen.

2 Allgemeines zum Bilderbuch

In der Literatur findet man zahlreiche Versuche, Bilderbücher zu definieren. Es gilt als Untergattung der Kinderliteratur, überschreitet in der Regel 30 Seiten nicht und zeichnet sich durch eine relativ enge Wechselbeziehung zwischen Text und Bild aus (vgl. Thiele 2003). Weiterhin sollte der Textteil dem Bildteil mindestens gleichwertig gegenüberstehen (vgl. Baumgärtner 1990). Auch seine relative Kürze und Pappe oder Papier als Material sind wesentliche Merkmale des Bilderbuches.

Es ist geeignet für Kinder die lesen können oder auch noch nicht lesen können, ebenso aber auch für Erwachsene, die Bilderbücher gerne selbst anschauen, diese sammeln oder dadurch Zugang zu ihren Kindern suchen.

Bilderbücher sind ständig sofort verfügbar, können allein oder in Gesellschaft konsumiert werden, können angeschaut oder vorgelesen werden. Sie wirken auf die Wahrnehmung, die Lese- und Sehgewohnheiten, das ästhetische Empfinden, die Persönlichkeit und Kommunikation, die Orientierung in der Umwelt und die Beziehungsfähigkeit des Lesers (vgl. Thiele 2003).

Ein Bilderbuch kann verschiedene Themen abdecken, beispielsweise als Märchen-, Tier-, Umwelt, Sach-, Abenteuer oder Fantasiebilderbuch (vgl. ebd.).

Bilderbücher lassen sich weiterhin in verschiedene Gattungen unterteilen. Das Ele-mentarbuch ist meist textfrei, besteht aus stabilen Materialien, hat großzügige Dar-stellungen, ist handlich und meist das erste Buch des Kindes (vgl. ebd.). Das Szenenbilderbuch hat meist wenig Text, besteht aus Szenen oder Wimmelbildern, hat detaillierte Abbildungen und ist am besten geeignet für Kinder im Fragealter (vgl. ebd.). Märchenbilderbücher hingegen haben umfassende Texte, meist ein gutes Ende, enthalten wenig Details und sind am besten für Kinder ab fünf Jahren geeignet (vgl. ebd.). Im Sachbilderbuch geht es vorrangig um Wissensvermittlung und zeichnet sich durch erklärenden Text und realistische Abbildungen aus (vgl. ebd.). Bilderbücher mit besonderer Gestaltung beinhalten zusätzliche Materialien, be-wegliche Teile und haben eine besondere Oberfläche (vgl. ebd.).

Die Betrachtung eines Bilderbuches kann verschiedene Ziele verfolgen. Sprache und Konzentration können gefördert werden, Sozialverhalten kann besser eingeübt werden und eine Hinführung zu Kunst und Literatur kann gut stattfinden (vgl. Schmitz 1997). Weiterhin können Emotionen und Intellekt gefördert, die kindliche Identität bestätigt, Probleme bewältigt und Wissen vermittelt werden (vgl. ebd.). Auch Spaß, Entspannung, Unterhaltung und die Sensibilisierung für bestimmte Themen sind wichtige Ziele bei der Bilderbuchbetrachtung (vgl. ebd.).

Zusammenfassend lässt sich noch sagen, dass bei konkreten Bilderbüchern eine exakte Zuordnung zu Gattung oder Thema oft schwierig ist. Es gibt zahlreiche Über-schneidungen, da die unterschiedlichen Bereiche nicht klar abgegrenzt werden können.

3 Theoretischer Hintergrund

Um Bilderbücher in Bezug auf Kultur und Interkulturalität untersuchen zu können, müssen zunächst wieder einige Begriffe eingeordnet werden.

Der wohl am schwersten zu fassende Begriff ist der der Kultur. Sprachgeschichtlich ist der Begriff auf das lateinische Substantiv "cultura", was so viel wie Ackerbau und Pflege bedeutet, zurückzuführen (vgl. Rudolph 2011). Aktuelle Auffassungen von Kultur weisen darauf hin, dass erst durch die Kommunikation und Begegnung mit einer Fremdkultur die eigentliche Kultur eines Volkes entsteht (vgl. ebd.). Kultur wird demnach beschrieben als ein Konstrukt, welches sich nicht statisch beschreiben lässt, es ist dynamisch und verändert sich ständig, erst in der Kommunikation mit anderen lässt es sich neu definieren (vgl. ebd.). Kultur äußert sich mehr in Handlungen, als in konkreten Merkmalen und ist nur teilweise zugänglich (vgl. ebd.). Weiterhin wird Kultur meist als ein aus Symbolen gebildetes Orientierungssystem beschrieben, das die Umweltbewältigung erleichtert und die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft definiert (vgl. ebd.).

Auch Interkulturalität lässt sich nur schwer definieren, da meist die jeweilige Bezugs-wissenschaft die individuelle Bezeichnung des Begriffs festlegt (vgl. ebd.). Alle haben jedoch gemeinsam, dass sie Interkulturalität meist als "[…] jegliche Form von Begegnung mit Menschen oder Produkten aus anderen Kulturen […]" (Rudolph 2011, zitiert nach Luchtenberg 2001). Denn betrachtet man die Wortgestalt des Begriffes Interkulturalität, so verdeutlicht "inter-" die Interaktion, also Wechselwirkung, von mindestens zwei verschiedenen Kulturen, die miteinander im wechselseitigen Austausch stehen (vgl. Rudolph 2011).

Mit dem Begriff der interkulturellen Sensibilisierung ist weitestgehend das Erregen von Aufmerksamkeit für die Begegnungsprozesse, die in interkulturellen Kommuni-kationsprozessen stattfinden, gemeint (vgl. ebd.). Diese Begegnungsprozesse wiederum lassen sich unterteilen in mehrstufige Teilprozesse des interkulturellen Erkenntnisgewinns (vgl. ebd.).

"Interkulturelles Lernen soll […] eine Antwort darauf geben, wie der kulturellen Pluralität oder Heterogenität innerhalb einer Gesellschaft begegnet werden kann" (Rudolph 2011, zitiert nach Blaschke 2006). Es soll also die Kommunikation mit anderen kulturellen und sozialen Gruppen erleichtern und vor allem auch die notwendigen Fähigkeiten für einen Austausch vermitteln (vgl. Rudolph 2011). Dabei kann die Begegnung mit der jeweiligen Zielkultur auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen, wobei jede Begegnung, ob direkt oder indirekt, Potenzial zum interkulturellen Lernen bietet (vgl. ebd.).

In einem mehrstufigen Prozess sollen Mehrheiten und Minderheiten durch inter-kulturelles Lernen vorbereitet werden auf ein (möglichst) gleichberechtigtes Zu-sammenleben in einer gemeinsamen Gesellschaft (vgl. ebd.). Fähigkeiten für eine interkulturelle Handlungsbereitschaft werden aufgebaut, permanent hinterfragt und letztendlich angewendet (vgl. ebd.). Dieser Prozess bewirkt das Bewusstwerden der eigenen Kultur, die genaue Beobachtung des Gegenübers und das Ausbilden einer kommunikativen Kompetenz (vgl. ebd.). Hierbei geht es vordergründig darum, "[…] einen von Offenheit, Respekt und Gerechtigkeit geprägten Umgang mit Menschen jeglicher kultureller (Gruppen-)zugehörigkeit und Orientierung (Alter, Geschlecht, Sexualität, Anschauung etc.) zu ermöglichen und zu selbstverständlichen […]" (Rudolph 2011).

4 Qualitätskriterien

Nun gilt es also, diesen theoretischen Hintergrund im Sinne von ausgewählten Quali-tätskriterien für interkulturelle Bilderbücher umzusetzen.

Zuerst einmal müssen natürlich allgemeine Angaben zur Publikation gemacht werden. Dazu gehören bibliografische Angaben, eventuell die Altersempfehlung und eine kurze Inhaltsangabe.

Nun besteht weiterhin die Möglichkeit, interkulturelle Bilderbücher in Bilderbücher über Fremde/s, Bilderbücher aus fernen Ländern oder Bilderbücher der Migra-tionsliteratur einzuteilen (vgl. Rösch 1997). In Bilderbüchern über Fremde/s wird das Leben in fremden Ländern thematisiert, wobei der Begriff fremd nicht wertneutral zu deuten ist, sondern eher für diskriminierte, exotische Gruppen steht, deren Kultur vermittelt werden soll (vgl. ebd.). Da solche Bilderbücher jedoch meist nicht von Be-troffenen selbst verfasst werden, sind sie oftmals nicht sehr authentisch, es besteht sogar die Gefahr der Stereotypisierung (vgl. ebd). Bilderbücher aus fernen Ländern sind weniger thematisch orientiert, sondern versuchen vielmehr etwas Literatur aus fremden Kulturen zu integrieren, besonders im Schulunterricht (vgl. ebd.). Der Umgang mit verschiedenen Konflikten und Alltagssituationen und Aspekte des Zusammenlebens können beispielsweise thematisiert und im landeskundlichen Unterricht verwendet werden (vgl. ebd.). Im interkulturellen Unterricht hingegen sollten eher die befremdlichen Aspekte des Bilderbuches zum Unterrichtsgegenstand werden und reflektiert werden (vgl. ebd.). Bilderbücher der Migrationsliteratur richten sich nicht nur an ethnische Minderheiten, sondern auch an die Mehrheiten (vgl. ebd.). Sie versuchen Konflikte mit ihrer Herkunftskultur und ihre Identitätssuche zu verarbeiten (vgl. ebd.).

4.1 Thematische Analysekriterien

Hierzu zählt wie ethnische Minderheiten im Bilderbuch charakterisiert werden, etwa als Täter, Opfer, als eigenständiges Individuum, als Repräsentant oder als handelndes Subjekt (vgl. Rösch 1997). Das Bilderbuch sollte zur kulturellen (Selbst-) Reflexion, also zur Offenheit anderen Kulturen gegenüber anregen, sollte Vorurteile bewusst machen und zur kulturellen Auseinandersetzung anregen (vgl. ebd.). Wichtig ist weiterhin, ob ethnische Minderheiten multiperspektivisch oder monolithisch dargestellt werden, ob eine bestimmte Werthaltung positiv oder negativ besetzt wird (vgl. ebd.). Im Bilderbuch sollten auch interethnische Begegnungs-situationen enthalten sein, diese könnten konfliktreich, dynamisch und/oder zukunfts-weisend gestaltet sein (vgl. ebd.). Weiterhin sollten auch Lösungsstrategien für Konflikte aufgezeigt werden, wobei wichtig ist, von wem diese ausgehen und ob diese nur individuelle oder auch gesellschaftliche Dimensionen einnehmen (vgl. ebd.). Wird Verschiedenheit durch Stereotype, Kulturalisierungen, Ethnisierung oder Vor-urteile dargestellt und auch dekonstruiert (vgl. ebd.)?

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Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656621461
ISBN (Buch)
9783656621508
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270664
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,3
Schlagworte
Bilderbuch Bilderbücher interkulturelle Pädagogik interkulturelles Lernen Bilderbucheinsatz

Autor

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