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Ein Vergleich der Auffassungen demokratischer Erziehung von Martha Nussbaum und Maria Montessori

Möglichkeiten des Demokratielernens im heutigen Schulalltag

Hausarbeit 2014 12 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Demokratie- was ist das?
Ein allgemeiner Definitionsversuch

2. Martha Nussbaums Verständnis demokratischer Erziehung

3. Maria Montessoris Verständnis demokratischer Erziehung

4. Vergleich der beiden Ansichten

5. Möglichkeiten des Demokratielernens im heutigen Schulalltag

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang : Grafik, Erklärung

1. Einleitung: Demokratie - Was ist das?
Ein allgemeiner Definitionsversuch

Der Begriff der demokratischen Erziehung beinhaltet einen wichtigen Bestandteil, den es zu erläutern gilt, bevor ich zum Hauptteil meiner Schriftlichen Ausführung komme: Demokratie.

Was ist bzw. bedeutet Demokratie? Was zeichnet eine Demokratie aus? Auf diese beiden Fragen möchte ich kurz eingehen, damit die Grundlage für ein klareres Verständnis von demokratischer Erziehung zugrunde gelegt werden kann.

Der Begriff Demokratie kommt aus dem Griechischen und bedeutet laut BROCKHAUS Enzyklopädie „Herrschaft des Volkes“[1]. Diese Staatsform steht im Kontrast zu den alternativen Formen Monarchie (König als Staatsoberhaupt) und der Diktatur (Diktator als jenes).

Die Elemente der Demokratie sind vielfältig: Das Volk ist Inhaber der Staatsgewalt, d.h. die Regierung wird vom Volk gewählt: alle Handlungen des Staates müssen mit der Mehrheit des Volkswillens sowie mit der Verfassung und den Gesetzen übereinstimmen. Es ist ersichtlich, dass das Volk, also alle Bürger eines Landes, in einer Demokratie bzw. einem demokratisch regierten Land, eine, wenn nicht sogar die zentrale Rolle spielt. Nicht nur innerhalb eines Landes wird Demokratie gelebt, sondern auch in kleineren Einheiten, wie z.B. innerhalb der Familie, im Kindergarten und der Schule.

Demokratisches Handeln und ‚sich demokratisch verhalten’ muss man von Klein auf Lernen. Das Mehrheitsprinzip sowie das miteinander Diskutieren sollten bei Entscheidungen, die in einer Familie getroffen werden vorherrschend sein: wer übernimmt welche Aufgaben im familiären Alltag, wie sehen die Wochenendaktivitäten aus, etc. Demokratie in einer Familie bedeutet jedoch ebenso Kompromisse schließen zu können.

Nicht nur in der Familie wird die Fähigkeit demokratisch handeln zu können benötigt und erlernt, sondern ebenso in den Institutionen Kindergarten und Schule. Dort sollten ein Verständnis für Demokratie sowie die dafür benötigten Fähigkeiten ausgebaut werden.

„Demokratische Verhältnisse müssen im gesellschaftlichen Wandel [...] erneuert werden. [...] Es ist vielmehr notwendig, sie als Lebensform und als Gesellschaftsform zu praktizieren,, zu begreifen und täglich zu erneuern. Dazu ist demokratisches Handeln aller Bürgerinnen und Bürger notwendig.“[2]

Im Folgenden werde ich nun Martha Nussbaums Verständnis demokratischer Erziehung im Vergleich zu Maria Montessoris Verständnis erläutern und auf die eben erwähnten benötigten Fähigkeiten für demokratisches Verhalten und Handeln eingehen.

2. Martha Nussbaums Verständnis demokratischer Erziehung

Auch in Bezug auf M. Nussbaum möchte ich zu Anfangs ihren Demokratiebegriff näher definieren.

„Jede moderne Demokratie [ist] eine Gesellschaft, in der die Menschen hinsichtlich Religion, ethnischer Zugehörigkeit, Wohlstand, sozialer Schicht, physischer Konstitution, Geschlecht und sexueller Orientierung sehr unterschiedlich sind und in der alle Wähler Entscheidungen treffen, die das Leben von Menschen beeinflussen, die anders sind als sie.“[3]

Für Frau Nussbaum ist also eine demokratische Gesellschaft eine Gesellschaft, in der Menschen jeder Zugehörigkeit, Rasse, Schicht, etc. zusammenkommen und gemeinsam Entscheidungen treffen, die sie alle betreffen. Auch bei ihr steht das Volk im Mittelpunkt, mit all seinen Unterschieden.

Martha Nussbaum vertritt in ihrem Buch „Nicht für den Profit“ die These, dass unsere demokratische Gesellschaft auf der Kippe steht, dass wir uns in einer „lautlosen Krise“ befinden. Für sie braucht eine Demokratie für ihr Weiterbestehen bestimmte Fähigkeiten. Fähigkeiten wie „Fantasie, Kreativität und stringentes kritisches Denken“[4]. Die Eigenschaft, sich in andere Mitmenschen hineinzuversetzen, ihre Probleme zu begreifen, ihre Erfahrungen zu verstehen, empathiefähig zu sein, ist ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft, da jene auf gegenseitigem Respekt und Anteilnahme beruht.[5]

Die Philosophin Nussbaum bemängelt an unserer Gesellschaft den stetigen Verlust dieser dringend benötigten Fähigkeiten.[6] Als Ursache nennt sie die Beschneidung der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, die an den Schulen und Universitäten gelehrt werden[7]. In diesen Fächern sagt sie, werden nämlich genau diese Eigenschaften erlernt: „Diese Fähigkeiten erwachsen aus den Geisteswissenschaften und den Künsten“.[8]

Jene müssen im Rahmen der demokratischen Erziehung in Familien und in bereits erwähnten Institutionen geschult werden. Leider sind die Lerninhalte, die unseren Kindern in der Schule und in der Berufsausbildung beigebracht werden, jedoch anderer Natur: sie dienen der Wirtschaftlichkeit und späteren Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt. „Getrieben vom Gewinnstreben der eigenen Volkswirtschaft vernachlässigen Gesellschaften und ihre Bildungssysteme genau die Fähigkeiten, die benötigt werden, um Demokratien lebendig zu halten.“[9] Martha Nussbaum plädiert darauf, die geisteswissenschaftlichen Fächer wieder attraktiver zu machen, um die oben beschriebenen Fähigkeiten für mehr Bürger zugänglich zu machen und so nachhaltig die Demokratie zu stärken. Jedoch müssen dafür eine Umstrukturierung und Imageaufwertung erfolgen.

Das demokratische Erziehungsverständnis von M. Nussbaum sieht vor, dass die Allgemeinbildung sowie die allgemeinbildende Erziehung vor allem an den Colleges und Universitäten (sie bezieht sich hier vor allem auf jene in den Vereinigten Staaten von Amerika) gestärkt werden müssen: sowohl von innen (d.h. innerhalb der Universitäten muss mehr Vertrauen in die Geisteswissenschaften gesetzt werden) als auch von außen (weniger Gewinnstreben, mehr Vertrauen in andere Fähigkeiten, etc.)[10].

Folgend finden Sie eine Zusammenfassung Maria Montessoris Verständnis für demokratische Erziehung.

3. Maria Montessoris Verständnis demokratischer Erziehung

Maria Montessoris Verständnis demokratischer Erziehung beinhaltet die Notwendigkeit für Kinder, regelmäßig eigene Entscheidungen zu fällen, die systematische Abstimmung mit den Kindern und stetige Rücksichtnahme auf die Anderen. Sie spielt auf ein besonderes Verhältnis zwischen Erwachsenem und Kind an, auf ein Verhältnis, das nicht von Macht seitens der Eltern geprägt ist, sondern von sozialer Gemeinschaft innerhalb der Familie, der Klasse, der Gesellschaft.

Laut Montessori ist die

„Aufgabe der erziehenden Umgebung [...]das Schaffen von angemessenen Bedingungen, auf die indirekte Förderung der Anlagen wie die indirekte Begleitung der aktuellen Entwicklung, der Verarbeitung von Erfahrungen in der sozialen Welt.“[11]

Montessori vertraut auf eine Erziehung, die es ermöglicht, die Fähigkeiten, die bereits in jedem Kind schlummern, hervorzubringen. Fähigkeiten, die in den Augen der Erwachsenen für eine demokratische Gesellschaft dinglich sind. Das Kind selbst jedoch kennt diese Eigenschaften nicht, es weiß ebenso wenig, was Demokratie bedeutet oder wie man sie lebt, somit ist zumindest für das Kind Demokratie kein Wert.[12] Deswegen ist es besonders wichtig, dass der Erwachsene dem Kind als gutes Vorbild vorangeht, demokratisch handelt und das Kind dazu veranlasst, es ihm gleich zu tun. So viel zur Institution Familie.

Für M. sei die Schule wiederum

„ein Laboratorium, eine klinische Umgebung, die zum richtigen Gedeihen führe. Der Erzieher müsse also bloß über das richtige Wissen zur Gestaltung dieser Umgebung verfügen, er müsse ‚kindernah’ leben und dann könne er zusehen, wie sich das menschlichen Leben vor seinen Augen richtig entfalte.“[13]

Auch hier wird deutlich, dass die Schule eine geeignete Lernumgebung schaffen muss, um demokratisches Verhalten zu fördern.

Weiterhin ist Montessori der Auffassung, demokratisches Verhalten sei bereits in den Kindern naturgemäß vorhanden, „Das Kind sei von Natur aus sozial, da brauche es keine irgendwie spezifische soziale oder demokratische Erziehung, sondern nur die Unterstützung der Naturkräfte.“[14] Die Reformpädagogin plädiert darauf, in den Schulen vermehrten Geschichtsunterricht zu halten, da dieser zu einem kritischen und auch politischen Denken führen kann.[15] Jedoch sind bei Montessori die Ziele Mündigkeit und Kritikfähigkeit nicht an erster Stelle erstrebenswerte Ziele, viel mehr will sie durch den Geschichtsunterricht erreichen, dass die Kinder die Schritte der menschlichen Entwicklung von der Vergangenheit bis zur Gegenwart hin begreifen.[16]

Als Schlusswort lässt sich Maria Montessoris Auffassung demokratischer Bildung wie folgt zusammenfassen: Für sie bedarf es nicht zwangsläufig einer spezifischen Erziehung zu einer demokratische und sozial handelnden Person, viel mehr müssen vom Erzieher Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Ausfaltung dieser in jedem Kind schlummernden Fähigkeiten ermöglichen und unterstützen. Denn „[D]ie Kinder müssen soziales Leben durch Leben erfahren, durch Erfahrung, bevor sie in es eintreten, mit all den Formen von Mechanismen, die es bestimmen.“[17]

[...]


[1] Brockhaus Enzyklopädie, 1988. S. 235.

[2] Beutel, 2007. S. 7.

[3] M. Nussbaum, 2012. S. 24.

[4] ebd. S. 16.

[5] Vgl. ebd. S. 20.

[6] Vgl. ebd. S. 16.

[7] Vgl. ebd. S. 16.

[8] M. Nussbaum, 2012. S. 21.

[9] M. Nussbaum, 2012. S. 16.

[10] Ebd. S. 146.

[11] Müller in Köpcke-Duttler. 2007. S. 74.

[12] Vgl. Hofer. 2001. S. 164.

[13] Hofer, 2001. S. 164.

[14] ebd. S. 164.

[15] Vgl. ebd. S. 165.

[16] Vgl. ebd. S. 165.

[17] Montessori, 1979. S. 131.

Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668664227
ISBN (Buch)
9783668664234
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270805
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Schlagworte
vergleich auffassungen erziehung martha nussbaum maria montessori möglichkeiten demokratielernens schulalltag

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Titel: Ein Vergleich der Auffassungen demokratischer Erziehung von Martha Nussbaum und Maria Montessori