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Kann Erziehung sowohl autoritär als auch autonom und frei sein?

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autorität
2.1. Quellen des Autoritätsgedankens
2.2. Merkmale der Autorität
2.3. Pädagogische Autorität

3. Autonomie/Freiheit
3.1. Antiautoritäre Pädagogik und Anti-Pädagogik

4. Autonome/freie pädagogische Autorität
4.1. Merkmale einer „guten“ Autorität
4.2. Hemmende und fördernde Autorität

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis 

Einleitung

„Zum Charakter eines Kindes, besonders eines Schülers, gehört vor allen Dingen Gehorsam. Dieser ist zweifach, erstens: ein Gehorsam gegen den absoluten, dann zweitens aber auch gegen den für vernünftig und gut erkannten Willen eines Führers. Der Gehorsam kann abgeleitet werden aus dem Zwange, und dann ist er absolut, oder aus dem Zutrauen, und dann ist er von der anderen Art. Dieser freiwillige Gehorsam ist sehr wichtig; jener aber auch äußerst notwendig, indem er das Kind zur Erfüllung solcher Gesetze vorbereitet, die es künftighin, als Bürger, erfüllen muss, wenn sie ihm auch gleich nicht gefallen.“ [1]

Es ist bis heute noch nicht ganz konkret klar, ob die Erziehung eines Kindes auf einer autoritären Basis verlaufen sollte, oder ob ein Kind das Recht auf eine autonome und freie Erziehung hat. Autorität ist eine Art Reizthema, wie Roland Reichenbach es in seinem Buch „Pädagogische Autorität“ nennt, da man sofort dazu veranlagt ist eine bestimmte Stellung, dafür oder dagegen, einzunehmen. Es gibt etliche Diskussionen über dieses Thema, die meistens zu zwei gegengesetzten Stellungen führen, entweder für die Autorität oder für die Freiheit. Aber gibt es vielleicht einen sogenannten „goldenen Mittelweg“, der diese Gegensätze auflösen könnte? Könnte eine zweiseitige Erziehung, die sowohl teilweise autoritär, aber auch frei und autonom ist, nicht viel mehr erreichen als eine einseitige Erziehung?

Mit dieser Arbeit, wird genau dies untersucht. In einem ersten Teil wird der Begriff der „Autorität“ näher untersucht. Zuerst wird eine allgemeine Begriffserklärung dargestellt, die dann von den Merkmalen der Autorität gefolgt wird. Ferner werden auch noch die genaueren Quellen des Autoritätsgedankens erforscht, um sicherer zu sein, wo dieser überhaupt herkommt. Letzteres wird dann die Autorität im pädagogischen Bereich untersucht, wobei auf die Autoritätsbeziehungen zwischen einem Kind und seinen Eltern und Lehrern eingegangen wird. Darüber hinaus folgt dann eine Begriffserklärung der „Autonomie/Freiheit“, wobei konkreter auf die antiautoritäre Pädagogik eingegangen wird. Nachträglich wird dann ein Kapitel für die Zusammensetzung dieser beiden Richtungen genutzt. Die Idee ist, eine „autonome/freie pädagogische Autorität“ zu untersuchen, wo sowohl Autorität, als auch Autonomie vertreten sind. Es soll geprüft werden, in wie weit eine derartige Erziehung vielleicht besser und erfolgreicher ist, als eine einseitige autoritäre oder autonome Erziehung. In diesem Kapitel werden auch die Merkmale einer „guten“, modernen Autorität untersucht, gefolgt von einer Unterscheidung zwischen hemmender und fördernder Autorität.

Zum Schluss werden in einem Fazit die wichtigsten Befunde nochmals aufgegriffen und bearbeitet.

Autorität

„Der Begriff [ Autorität, A.H. ] wurzelt nicht nur in verschiedenen zentralen Bereichen der Gesellschaft und des Menschenseins, sondern wird ebenso durch soziokulturelle Zusammenhänge, Traditionen und Entwicklungen geprägt; d.h., die Auffassung von Autorität ist einem geschichtlichen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen.“ [2]

Wenn man heutzutage von Autorität spricht, treten zwei verschiedene Verständnisrichtungen auf. Auf der einen Seite ist die traditionelle und populäre Verstehensweise, wo die Autorität einer Person zugeschrieben wird die bestimmte Eigenschaften besitzt, die im größten Sinne auf Anerkennung zurückzuführen sind. Es geht um das „Wesen“ der Autorität, indem die Autorität der persönlichen Qualifikationen des Einzelnen zugeschrieben wird. Es dreht sich alles um den Autoritätsträger, wobei die andere Seite der Autoritätsbeziehung, die „anerkennende Person“, im Hintergrund steht. Im Endeffekt handelt es sich bei Autoritäten um Anerkannte. Der Autoritätsgrad einer Person wird an der Anerkennung, die er von anderen bekommt, gemessen. Aus der Anerkennung entsprechen z.B. Gehorsamkeit, Gefolgschaft, Angleichung der eigenen Meinung und Aneignung fremder Anschauung. Jedoch ist zu beachten, dass diese Gefolgschaft im Handeln und Denken noch keine konkreten Rückschlüsse auf vorhandene Autorität zulässt. Auf der anderen Seite, wird das Autoritätsverhältnis seit Mitte der 40er-Jahre als eine zwischenmenschliche Beziehung betrachtet. Dementsprechend ist die Autorität keine Eigenschaft einer einzelnen Person mehr, sondern eine Beziehung zwischen mindestens zwei Menschen. „Diese tatsächliche Autorität dauert nur so lange, als zwischen dem Anerkennenden und dem Anerkannten eine solche Beziehung besteht, ja sie ist nichts anderes als die Beziehung selbst.“[3] Somit besteht bei der Autorität ein Verhältnis zwischen zwei Seiten, wobei die eine Seite die Richtung der anderen bestimmt. Wichtig ist, dass sowohl der Anerkennende und der Anerkannte zu der Autoritätsbeziehung beitragen. Heutzutage besteht ein Konsens in den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, dass die Autorität entsprechend der zweiten Verständnisrichtung beachtet wird, d.h. die Autorität beruht auf einer zwischenmenschlichen Beziehung und nicht auf den Eigenschaften einer einzelnen Person.[4]

Quellen des Autoritätsgedankens

Um das „Wesen“ der Autorität besser zu verstehen, erscheint es sinnvoll sich über die möglichen Quellen oder Vorgaben des Autoritätsgedankens zu informieren. Es gibt drei große Schwerpunkte aus welchen sich die Autorität ermitteln lässt: die Religion, das voluntaristische Denken und der „Zwang“ der modernen Zivilisation.

Religionen sind im allgemeinen durch einen Glauben, eine organisierte Kirche und ein System von Verhaltensweisen gekennzeichnet. Sicher zu sagen ist, dass die Verhaltensweisen der Gläubigen nicht ihren eigenen Entscheidungen entsprechen. Sie werden durch bestimmte ritualisierte Verhaltensweisen gesteuert, die von den Priestern als Autoritätsfigur geleitet werden. Außerdem beruht die Begründung der Autorität auf die Figur Gottes, wobei besagt wird, dass der Wille Gottes höher als alle Vernunft sei. Somit werden menschliche Nachfragen entzogen. Alle trauen dem „Wort Gottes“ und seiner Autorität, ohne sie in Frage zu stellen. Infolgedessen kommt es oft dazu, dass sogenannte „Botschafter Gottes“ die Autorität gegenüber den Gläubigen nutzen, um bestimmte Verhaltensweisen zu bewirken. Menschen hatten dementsprechend keine Meinungs- oder Willensfreiheit mehr, sie mussten immer nur den „Willen Gottes“ befolgen. Erst zu Zeiten der Aufklärung wurden die theokratischen Konzeptionen der Autorität in Frage gestellt. Der Mensch sollte von nun an sein Schicksal selber in die Hand nehmen. „Das Grundgesetz der Neuzeit heißt: Autoritätslose Freiheit des schlechthin selbständig denkenden und handelnden Menschen“.[5] Jedoch sei zu beachten, dass diese aufklärende Wende vielmehr gegen die religiös bemäntelte menschliche Herrschaft gerichtet war, als gegen die Religion selber.

[...]


[1] Kant, Immanuel (1803) In: Reichenbach, Roland: Pädagogische Autorität: Macht und Vertrauen in der Erziehung. Stuttgart 2011: W. Kohlhammer GmbH., S. 5.

[2] Frei, Bernadette: Pädagogische Autorität: Eine empirische Untersuchung bei Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen der 5., 6. und 8. Schulklasse. Münster 2003: Waxmann Verlag GmbH., S. 25.

[3] Hättich, Hättich & Hohmann (1970) In: Frei, Bernadette, ebd., S. 26.

[4] Vgl. Frei, Bernadette a.a.O., S. 25ff.

[5] Kamlah, Wilhelm (1958) In: Hülsebusch, Herwig: Pädagogische Autorität: Ihr notwendiger Beitrag zum begründeten Reden und gemeinsamen Handeln. 1. Aufl. Bad Honnef 1978: Bock und Herchen., S. 25.

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656630234
ISBN (Buch)
9783656630227
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270972
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Erziehungswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Pädagogik Erziehung Autonome Erziehung Autorität Autoritäre Erziehung Jean-Jaque Rousseau

Autor

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Titel: Kann Erziehung sowohl autoritär als auch autonom und frei sein?